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Stricklumpen Wollabfalle lausen bnnnnb zu enorm hoben Preisen M36

Keichv. Müblfteta. Siehe«, Neustadl 79.

Drittes Blatt

Nr. 20

Nochmals die Kartoffelotrforgnng.

Sieben, den23. Jan. 1920.

Wir erhallen folgende bcocktenswerteZufchrift: Leider ftü mir meine Betastung mit bringen» devm Geschäften es nicht grftattet, frftber auf die Bersammtmig vvm 14. l. M. im 6afo Leib, die sich mit irr $f jrtoffrfrcrterrganrg beschäftigte, juriM» tirtommrn. T« Sache ist ikckes zu nrid)tig, als daß mm 34t dem, was in jener Senammlung ton betu'rener unb unberufener Seite gesagt und geor­dert werden ist, stül schweigen könnte.

Man sollte es tonnt FOr möglich halten, daß man heute, nachdem wir etwa 6 Jahre Zwangs­wirtschaft gehabt und am eigenen Leibe erlebt naben, wohin die Zwangswirtschaft geführt hat, 'och nach einer Verschärfung derselben, gar nach einem Anbauzwang fchveit. Am meisten muß nun juh aber wundern, bafe selbst Benvaltmrgs- beamte, bie doch einigennaßen volkswirtschaftlich gebädet fein sollten, in diesen Hilferuf mit ein» stimmten. Wenn irontb etwas geeignet wäre, uns ganz imd gnr eine Hungersnot im nächsten sichre auszuletzen, bann wäre es ein Anbau zwang. Daß durch solch körichte ^mbenmgen natürlich die Kluft, r.ie leider schon zwrschen Stadt und Land besteht, immer mehr vertieft wird, auch nicht zum Nutzen ber Siadtbevölkerung ist, ist Var. Und bas m einer 3eit, m der ein AnSglerch aller Klafseiurnterschiede unb ein Zusammenarbeiten aller Dolkskreife zum Dieberausbau unserer völlig zerrütteten So[&-- wirtschaft dringend nötig ist? Interessant wäre gewesen, ettvas näheres darüber zu erfahren, wie der Anbau zwang durchgesetzt werden soll. ES sollen wohl immer noch mehr gut bezahlte Kommissionen, Revisoren, Kontrolleure tmb ähnliche Stellen ge­schaffen werden, die dann für Leute, dic besser ernster anberroeiter Arbeit nachgingen, angenehmen Anlaß geben, im Lande herumzureisen, Diäten em? u stecken und die Landwirte noch mehr zu ver­ärgern smb deren Ärbeit5h:eui>iafleit auf das Ni­veau dieser in artberen Kreisen hovabtzubrückm

Tie Sterten, die den Anbarrzwang fordern, haben wohl noch niemals etwas davon gehört, was die Folgen der Kriegszwangswirtschaft, die sich leider nicht umgehen liest, gewesen sind. Unser einst so viel gepriesenes Organisationstalent sollte övch rebtm mit erschreckender Deutlichkeit zum De- wußtsein gebracht haben, dast wir den Bogen weite überspannt htiten, und dast eine Hauptursache für unseren wirtschaf lichen Zusammenbruch in der Brrlsamfart der friegSwimchaftlichen Organisation zu erblicken ist. Sie öffnete dem nichtswürdigen Schleichhandel und Wucher, hic man nunmehr mit unzälKigen Berfüzungen vergeblich zu bekämpfen -acht, Tür und Tor, lähmte dir Mtererzeugung und verurteilte das Dolk zu unsäglichen Entbeff-- rungen, indem die Lebcnsmittelzufill-r den mr- njinimten Einschränftragen unterworfen wurde.

Die fltufar nach dem Anbanzwang haben wohl niemals etwas gelesen von den Verhandlungen über den Antrag Arnstadt auf Abbau der Zwangswirt­schaft in der Natnmakversammlung. Ihnen ist auch scheinbar nicht beüannt, welchen Erfolg die ZwangsMaßnahmen $ur Steigerung der Milch- Miefenmg im Milchgebiet Este st." n hatten.

Die Herren möchten sich zunächst einmal über te Ursachen des Rückgangs der Produktion in der Landwirtschaft Har werden. Nur auf einige Punkte xri hier bmgdmrfen. Woher kommt es, daß so "«le Gemeinden, die früher für Kartoffel lieber- fchustgemeinden waren, jetzt Bedarfsgemecktten find? Einfach weil dre Leute, die nicht eigentlich Landwirte sick», nicht ausreichend Land haben, .tute Kartoffeln kaum mehr anbauen, sondern Be­neide und andere Früchte, um Me8 für mehr und besseres Brat und Kucken, Oel und Futter für Ähweine und anderes Vieh zu haben. Tie Kar- tiffdn fordern sit im Herbst von der Gemeinde. Man forberc die Landbürgermeister hierüber ein-, mal zum Bericht auf. Hier wäre vielleicht ein Zwang am Platze, ein Verbot des Anbaus von Getreide und Oelfrüchten an solche Personen, die dazu nicht genug Land haben.

Ein Haupt frrftvr ist die geradezu unsinnige Rveistolitik der letzten Jahre. Zunächst die hohm Preise für Früb^artvffckr, die natürlich zu einem Hebrrangcbot solcher führten, in einem Maße, daß Lee Kartoffeln ohne Karten geradezu angeboten »erden mufetrn und massenhaft zu Grunde gingen. Tarnt kam die Zeit niedriger Preise, in der die Lartvffeln natürlich daraus kann man eigente ich nimanb einen Vorwurf machen zurück- rhalten wurden, um später mehr zu verdienen. r.«ses eivige auf und ab in der Preisbestimmung ^ar und ist eines der größten Uebel.

Weiter muß zugegeben werden, daß die Preise *t Kartoffeln zeitwerse in keinem Verhältnis zu «n Produttionstosten standen. Kann man es dem SJ® »erdenken, tust er in einer Zeit, wo rnvere GrweebSkreife intermvfcfübe Gewinne machen, ober wieder andere durch Streiks ihre Einkünfte ams viel lache ftrx®m rocmgstens eine angemessene Wallung verlangt oder aber die unrentable Wirt- kyaft ernfmrann.

Es erhöht auch die Arbeitslust der Landwirte

Somstag, 1\. Zamtar <920

Verbänden heimattreuer Oberschlesier, Abllg. B dreslau 18, Stauer Wllbclmsplatz 20;

. b) Ostpreußen . bei der Bezirksste!te Allen- Utin des ostdeutschen Heimatdienstes, Carlsbof 'bei Rastenburg Cfhvr.);

c) dem westpreußifchcn Kreise:bcim ostdeutschen Heimatdicnst, Abtlg. für Dolksabstckte muna m Westpreußen, Elbing;

., Nord sch leswig: beim deutsch« Aus­guß für das Herzogtum Schleswig, Flensburg. ,'üorderHofen 20;

e) Eupen und Malmedy: bei den ver- enngten Landsmannschaften von Eupen und Mal­medy, Eharlottenburg, Fascmenstr. 13.

2Bie geht die Abstimmung vor sich?

3^rr Stimmberechtigte, der seinen Veftnsiv mcht tm Abstimmungsgebiet hat, muß sich zur fnmmimg in die Gemeinde, in der er geboren ist, begeben.

Sur Fahrt zur Abstimmung werden gewährt: . vreie Eisenbahn fahrt 3 Klasse. Außerdem so- weit möglich freie Unter tupft und freie Verpflegung AllesHabere teilen die vier genannten Steilen den Absttmmungsberechtiglen n'ach Anmeldung mit.

vrreskasten der Uedaktion.

3- §ch. hler. Die Taic der Hebamme betrug bisher 15 M., ftc ist um 100 Proz. erhöht war- ^n, so daß jetzt 30 M zu zahlen sind. Ti« Berechnung eines höheren Betrags ist, sosern nicht außergewöhnliche Verhältnisse vorltegeii, nicht zu­lässig.

Eingesandt.

föur Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik ftebenhen Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

. Gießen, 15. Jan.

Der Jahreswechsel hat einen ansehnlichen Teil der Hausbesitzer veranlaßt, ihren den Mietern. >u^ gedachten Glückwunsch in das Gewand einer mit­unter recht erheblichen Mietssteigerung zu llftdnr. Dieses Vorgehen wucke entweder gar nicht ober mit brr Sem er [^mg begründet, daß der ltufivanb hier Instandhaltung der Wohnung, gesteigerte Steuer­lasten und Hnpothekzinsen ufm. zum Teil auf die Mieter abgewälzt toTben müsse. In Wirrlichkdit verhält es sich anders. Zunächst s nd C die neuen Hausbesitzer, die oft in keinem Veohältnis zum W«tt stehende Grundstücke zu Preisen aiigetauft haben, bie reelle Mietpreise von vornherein ausschließen, da muß natürlich der Mieter bet halten. Hier müßte der Haken eingesetzt und dem Häuserwucher von gesetzesloegen ent Riegel vorgeschoben werden. Wenn Häuser unterhalb kurzer Seit mehrere Mab den Besitzer wechseln unb jeder ein ansehnliches Häuslein verdient, so ist das richtig gehende Schieberei. - Zweitens: Wer eine Wohnung mietet, dem wird vielfach dos Ansinnen gestellt, fk selbst (xrrrichten zu lassen, und er beißt in den sauren Apfel, selbst auf die Gefahr hin, über kurz ober lang nach er folgtet Herstellung Der Wohnung mit einer er­hebt üben Mietssteigerung oder bet Aufkündigung des. Mictsverhältmsses beglückt zu werden. - Drittens: Dem Wohnungssuchenden stehl eine Wohnung zur Berfchmng, wenn er einen Lager raum, em Lädlchen, einen Stoll ober einige Qua­dratmeter Land, von allebem er feinen Gebrauch machen tarnt, zu recht hohem Preise dazu erwirbt. Viertens: Ter Mieter geht einenVertrag" ein, in dem ein einigermaßen mtnebmbare«. Zins fest- gelegl -st, in Wirllichteit zahlt er aberhinten­herum Z noch so tntb so viel mehr. Fünftens: Tie an sich Hobe Miete wird durch ,,Wassergeld", Äanatgrbübr",Schomsteinsegerlohn ' außer ver­tragsmäßig gesteigert, baß dem Mieter die Augen übergehen. Sechstens: Folgen Mätzchen und Schie- 6ungen von aewisfenlosen Hausbesitzm-n, die ihren Erfindern alle6W madjm. Die steuerlichen Lasten sind nur mäßig gestiegen, die erhöhte KausvertwagSgebühr gibt feinen Grund Mr Miets> Rcigenntg, denn wer ein Haus Faufi, muß von vornherein damit rechnen und sie in bat Kauf­preis ein kalkulieren. Tas Hypothefengeld har keine Steigerung in Zinsfuß erfahren, denn es ist genug vorhanden. Dem alten soliden Hausbesitz ist eine höhere Mieteinnahme zu gönnen, Denn es hat vor dem Kriege unb während desselben keilte Seide gesponnen, aber dem HauSschiebertum muß ein starker Riegel vorgeschoben werden, je eher, desto bester. Em Hausbesitzer der alten Schule.

Hilf 300000 cktimmterechtigte eK Sem Reicht ins SrrnftanS schaffen l «t Odm

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Dletzener Anzeiger sSeneral-Anzeiger für Gderhesfen)

-2.

1.

1.

2.

e) in Eupen unb Malmedy : Ver­gleiche 2 ö).

Was ist die nächste Aufgabe jedes Ab­stimmungsberechtigten?

Abstimmungsberechtigte haben ihren jetzigen Wobnsitz (Ort, Straße Hausnummer) unter An­gabe ihres Geburtsortes und Geburtsdatums sofort schriftlich anzuzeigen, ans:

a) Oberfchlesien: bei den vereinigten

Mm ft, der aber nicht nach dem 1. Januar 1919 liegen darf, ihren Wohnsitz haben oder von den deutschen Bohörben ohne Beibehalmn« des Wohnsitzes in der Zone ansgewtesen worbe» sein.

d) in Ostpreußen:

Sie muß bei Inkrafttreten des gegenwärti­gen Vertrages das 20. Lebensjahr vollendet

2. Sie muß in der Zone, in der die Volks­abstimmung stattfindet, geboren sein oder feit entern von dem Ausschuß festzusetzenden Seite Punkt dort ihren Wohnsitz ober gewöhnlichen Aufenthalt gehabt haben.

c) in Weftpr eu ßen :

Sämtliche Einwohner des Abstimmungsgebiets wie in Ostpreußen.

ck)in Schleswig:

Merizettel für Abstimmungsberechtigte.

Wann wird abgestimmt?

L) inOberschlesien nicht früher als sechs und Tticht später als 18 Monate, nachdem bei Frie­densvertrag in Kraft getreten ist. Das genaue Datum setzt die Entente fest;

b) unb c) in O st- und Westpreußen: Der Zeitpuntt ist unbestimmt unb wird von der Entente noch festgesetzt;

<l) in Schleswig: In der ersten nördlichen Zone spätestens 31 Tage nach Inkrafttreten des FnedeTrsvertrages, in der y»eiten südlichen Zone fünf Wochen nach der ALAmnumg in der ^ersten Zone;

e) htßupeii und MalmedH werden nach JnfrafttrÄen des Fricdensvertrages von der belgte scheu Behörde 6 Monate lang Listen ausgelegt, in die die dortigen Bewohner den Wunsch eintragen können, daß diese Gebiete ganz oder teilweise unter deutscher Souveränität blähen

Wer ist abstimmungsberechtigt?

Sie muß bei Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrages das 20. Lebensjahr vollendet haben; Sie muß in der Sorte, wo die Volksabstinrmung stattfindet, geboren sein ober dort seit einem vor dem 1. Januar 1900 liegenden Zeitpunkt ihren Wohnfttz haben ober von den deutschen Behörden ohne Beibehaltung des Wohnsitzes in der Zone ausgewiesen worden sein.

Stimmberechtigt ist jede Person ohne Un­terschieb des Geschlechts, die den nachstehenden Be­dingungen genügt:

a) in Oberschlesien:

1. Sie muß am 1. Januar des Jahves, in dem die Volksabstimmung üattfiabet, bas 20. Le­bensjahr vollendet haben;

eie muß in der Zone, in der die BoNSabAm mung ftattfinbet, geboren sein oder dort seit einem von dem Ausschuß festzusetzen den Zeit-

ntcht, wenn sie man tarni das täglich hören - i.ur T unkelhnt bte Barto sieln

wr Erdeknutschen", wähcend andere Leute mrch uchtittttch^er Ärbeit^fit Ober die dummen u?^rn' bontix.Tgcb:n. Es sei nur noch

mit ben Mangel an künstlichem Dünger und das fehlen an Arbeitskräften hmgewiesen. Auch die Wtcdung der grx>^n Güter wird fick noch rächen.

So rst es melx und mehr, man möchte fast lagen torurgemäß dat^ngekommen, baß auch bei ben Landwirten, ober doch einem Teil derselben, b< Arbettsfvackigfeit mehr und mehr geschwun­den ift.

. Denn man txmn mnh von ben Schikanen der Herrensachkundigen" Revi'oren aus der Stadt, die sich als die allmüchtigm Herren auf» ftriefen, hört, kann man es begreifen, daß die itantomrtc gerade nvch so viel Milchvieh halten, als sie Üb ihren Bedarf benötigen, ober nur solche örnixhte zieh.n, deren Bewirtschaftung weniger Ar­beit verursacht unb rentabel ist.

Tie 9 Hört nun q des Anbau zwang« würde bei der Landbevölferung voraus üblich zu einer ähn­lichen Steigerung bet Pvoduktion führen, wie sie in ocr neusten Zeit burch ixe Schließung zahl­reicher Eiienbahnwerkstatten sv unzweioeuttg fest- gestellt worven ist.

Wenn schon Zwang, dann Zwang Mr Ar­beit, zur Förderung der KolLenpLvduftton und Tüngergewinnung und Zwang zur Arbctt auf dem Lande gegen Erwerbslose, die nicht arbeiten rtvllcn!

Gerade in der Landwirtschaft ist nur durch Arbei tf fletfeige, zielbewußte, wohldurchbachte Arbeit ent Fortschritt möglich. Die Forderung des Nnbatnwangs ist gevadezu ein Unsinn.

Zweifellos wären mich mehr Äktrtoffcln m die Städte getommcn, wenn die Bezugscheine früher ausgegeben wurden, wären und längere Gültigfeü gehabt hätten.

Die tage der Deutschen in stbirischer Gefangenschaft.

Einer unserer Leser, dessen Sohn' sich seit 5 Jahren in sibirischer Gefangenschaft befindet, hatte sich an Finanz Minister a. D. Dr. Becker gewendet, um Auskunft über das Schicksal her Gefangenen in Sibirien zu erhalten. Dr. Becker hat die Anfrage an die Regierung weiterge­geben und nachstebenbe schristtiche Antwort er­halten, die wir im Interesse der Angehörigen der in Rußland befindlichen Gefangenen mieber» geben:

Im europäischen Rußland, soweit es sich in den Händen der Bolschewisten b. findet, haben die Strieg^ unb Avil gefangenen nach dem Frieden von Brest-Litowsk die Möglichfett gehabt, in die Heimat zurückzukehren. Die Gefangenen, die sich lwch dort befinden, sind mithin im allgemeinen nur solche, die freiwillig in Rußland herbltcben sind und anscheinend nicht zurück kehren wollen.

Ecke Ausnahme hiervon bildet nur der Bezirk Orenburg, der zeitweilig in der Gewalt der Tschechvssawaken war. Die dort Zurückgebliebenen etwa 5000 Deutschen find indes neuerdings zum großen Teil bereits auf dem Heimwege. Alterbckgs macht die bolschewistische Regierung in neuester Zeit Schwierig ketten wegen der Durchlassnng, es steht 'edoch zu hassen, daß die bolschewistische Regie­rung ihren Widerstand fallen lassen wird.

Im übrigen sind Mittel unb Wege gefunden worben, die Gefangenen, soweit nSttg, mit Unter­stützungen zu versehen.

In den südrussischen Schwarzen- Meer-Gebieten unb Turkestan befinden sich noch etwa 8800 Gefangene. Ihr« Lage ist nach Berichten der FürsorgckomMissionen und der schwe­dischen Rote-Kreu-^Telegierten bis auf Turkesttm im allgemeinen zufriedenstclleTrd.

Die.Alliierten haben für den Abtransport bet russischen Gefangenen aus Deutschland nach den SLwarzen-Rieer-Häfen zehn türkische Schiffe in Aussicht gestellt, wovon bevetts drei unterwegs sind.

Die Gesamtzahl der in Sibirien befind­lichen Kriegs- und Zivilgefangenen bcläüft sich auf etwa 26 500 Personen. Die Fürsorge für diese liegt in ben Händen schwedischer Delegierter.

Das amerikanische Staatsdepartement in Washington hat sich aut Grund ernst lautender Be­richte des amerikanlsch.-n Roten Kreuzes in Sibirien bereit erklärt, ben Heimtransport der sibirischen Gefangenen nach Kräften zu unterstützen.

Der gesamte Transport ist zunächst abhängrg von der Bereitstellung des erforderlichen Schiffs­raumes und von der Erteilung der Fahrterlaubnis für diese Schiffe durch die Entente. Die Beschiffung der Schiffe ist sehr schwierig, ebenso die Beschaffung der für die Bezahlung der Transportkosten erfor­derlichen gewaltigen Beträge in ausländischen Va­luten. Trotzdem ist die deutsche Regierung mit allen Mitteln bemüht, bte Heimschaffungsfrage so rasch als möglich zu lösen. So sind seit einigen Wochen in Washington durch zwei Bevollmächtigte Ver­handlungen mit amerikanischen und japanischen

Reedereien übet Gestellung der Tonnage ausgenom­men worden, die bisher einen günstigen Verlauf genommen haben. Im gleichen Sinne wurde dieser Lage an die britische Milttärmission in Berlin her- angetrtten mit der gleichzeitigen Bitte, daß die bei nlrtie Regierung im Einvernehmen mit Japan den fo die Hand nehmen möge. Schließlich ift bei der Entente der dringende Antrag gesteift Norden, einigen beschlagnahmten deutschen Schiffen die Ausreise zu ermöglichen.

Zur Versovgnng der Gefangenen bis zu ihrem enbgülitaen Abtransport sind kürzlich von San Franzisw nach Wladiwostok größere Kleider- und Wäschetransporte im Werte von 10 Millionen Mk. abgegangen, die noch vor Eintritt des Wckters ben Gefangenen zu geführt werden sollen. Außerdem hat amEl b. Mts. eine kleine deutsche Kommission, bestechend aus zwei ehemaligen Kriegsgefangenen, von denen einer Arzt ist, bte Reise nach Sibirien angetreten, um die Zusammenziehung der deutsch«, 5tneg£» und Zivilgefangenen an die Küstenplätze zu bewerkstelligen. Die Kommission hat Liebes­gaben, besonders Wollwäsche, Rauchsachen und Post für die Gefangenen mitgenommen. Außerdem erhält jeder Gefangene eine einmalige Unterstützung von 100 Rubel. Die laufeicken Zuwendungen von monatlich 1 Million, tne vom 1. Degembcr ab noch verdoppelt werden, werden hierdurch nicht berührt.

Bon ben in Westsibirien befindlichen Ge­fangenen konnte übrigens ein großer Teil bereits ck den oergangener Monaten auf dem Landwege über Moskau oder Petersburg heimkehven, da durch das Zurückweicheu des Admirals Kvltschak weite Gebiete des westeuropäischen Rußlands und Weste sibirtens wieder ck bolfchttvistische Hand gefallen sind. Ueber 3000 Kriegs- unb 4000 Zivilgcfangene find anf diese Weise nach Deutschland znrückgekchrt.

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