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Samstag, 23. Gttober 1920

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Swettes Blatt

Itt. 259

"tfcktxtv erhält 2, der Schlosser t»-

geführt.

Fortsetzung 17.

Nachdruck verboten.)

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trax6£; dvvccus öcn Schluß siehcil, tnfi. cs nicht bet Mühe inert fei, noch länger die von Emtdcckungbe- dvohte ö-orckterin zu spielen. Sie raffte ihre Röcke xwantmm, damit trid# das leise Rascheln des fct° beiten UntertteibeS sie verrate, und schlüpfte hinaus. Dinier ihr rührte (ich nickfts. U.NS als fic untenan- gelangt war, durfte sic sicher fein, daß die beiden da oben ihr Gehen so wenig bemertt hatten wie chr Kommen. Jetzt schritt sie geradewegs rtut Bernhard Falkners Zimmer zu und ktoPite bescl^idcn.

Tor, ich hinein, Papa?"

So süß klang ihre Stimme ttrie die weichen Baute eines Kindes, und es bildete erneu ra.fl komischen Gegensatz, als Bernhard Falkners tic-er Baß bk Anffordcrung xum Eintritt evgehm ließ.

Nur zu, du rote sch.oedisd-e Nachtigall! Ich habe ja schon auf dich gewartet."

Er legte die Zeitung beiseite, in der er gelesen hatte, und machte einen Versuch, sich aus seinem bccruemen Sessel zu erheben. Aber sie war schere ll bei ihm, und indem sre sich neben ihn auf dm Tep- pid) Bauerte, zog sie ihn in die Polster zurück.

Nicht aufstehen, Papa! Ich bin doch feilte fremde Tome. öagc mir vor allem, wie es dir geht."

Fragt mich doch nicht fortwährend nach so gleicl):ttgen Singen. Wie soll es mir beim gehen? Gut narür.ich. Sehr gut. Seitdem ich Beinen Arzt mehr febe, bin ich aus dem besten Wege zur Genesung."

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die Falkner LufLinöenhöhe

Roman von Reinhold Ortmann.

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Schöffengericht.

Gießen, 20. Ott. 1920.

Ein bei der Bahn beschäftigter Wayenschtos- sec wurde von einem Beamten der Ei:«rbahn-- Überwachungsstelle betvoffen, Ivie er von einem Wagon Mteisen eine Wagenbuch e, em Schloß, eine Daten klemme und eine Eisen Bette entioen - dctc. Seine Behauptung, er habe nur ein Stück­chen Äsen genommen, um einen Wagen damit zu reparieren, fand keinen Glauben. Da ec dem Be­amten Dochte, er würde, wenn er ihn anzeige, nicht am Leben bleiben, erhielt er wegen Sieb- stahls und Widerstands gegen die Staatsgewalt eine Yfesamtgefangnisstrafe von 2 Mocken.

(£in Sck'reibgehilse und ent Schleier haben einem alten, 79 Jahve alten Mann aus seiner Wohnung eine goldene Uhr im Werte van 1400 Mark gestohlen. Der ©dnreibgeLn.te i,t gestän­dig, der bereits wegen Unterschlagung vorbestraste Schlosser will dag»?gen von der Sackte nichts wissen. Sein ^leugnen hilft iljm aber nichts, da der Schretb- gchilfe ilm mit aller Bestimm tl>eit als Mittäter

Gictzcncr Strafkammer. | bezeichnt

Gießen, den 20. Ok ober 1920.

Die Strafkammer batte sich gestern hauptsäch­lich mit EigentumSdelitten und mit Schleichhandel

Davon, daß ihn vor wmigen Minuten bte rascndsteii Schmerzen g.p.inigt, , and nichts aus seinem Gesicht. Konnte auch lein eiserner Wiße nicht die Krankheit selbst verbergen, so verbarg er l

Glaubst du? Es mag ja sein. Aber du mußt auch verstehen, was mich davon $urüfi;k(t."

Nein, das verstehe ich nicht."

Er war hier nicht der einzige, der mir zu verzeihen hatte. Und noch in diesem Augenblick bin ich nicht gemiß, ob ich auch da Vergebung funben habe, wo sie am kostbarsten für mich ist. Ja? laufe noch immer wie ein Verfemter hier herum. Und matickmval üb. r kommt mid} mitten M aller Deiinatfreude das Verfangen, bei Nacht und Nebel wieder zu ^ntslfeherr."

Wenn es fo ist, Achim und wenn meine Gegenwart die Schuld daran trägt"

Nickst werter!" riet er ungestümSprich das schlimme Wort nicht aus, bad setzt über benie Lippen wollte. Wenn du um meinetwilten gingest, wäre os ja noch tausendmal schimmer. Nein, dann wäre eS für mich unerträglich. Nichl booß Yter, sondern auch an jebem anderen Ort der Welt , kannst das freilich nicht verliehen, und ich kann dir S auch nicht erklären. 9än wenn du ahntest, wie wie wenig glücklich ich bin, würdest bu es vielleicht begreifen."

Warum sagst du mir das? Warum müssen wir uns überhaupt das lieben schwer machen mit solchen Gesprächen? Ich war io froh über deine Aussöhnmig mit dem Onkel. Nichts mehr brauchte uns jetzt zu betrüben als seine ovrankhnt. Un£) ich will mich aum durch nichts anderes beunruhigen und betrüben lassen. Mutz wirklich npch etwa- an­deres zwischen uns besprochen rveroen, so sei es zu einer viel, viel späteren Zeit/

Sie sagte eS mit einer Bestimmtheit, die keinen Zweifel <nt der Festigkeit chves Willsis lauen formte. Und die hauschsche Frau un Borzumner

*

* Amtliche Personalnachrichten Im 14. Ok ober 1920 wurde der Regferunssbau- tfefter August Metzger zu Friedberg zum Bau- ml mann ernannt. Am 14. Oktober 1920 wurde b-T Ober bau fefretär bei dem Hessischen Lochbauamt ließen Christian L e r i n g in gleicher Dtenste Vßenschaft an das hessische Lvchbauamt^ Bensheim versetzt. liebertrasen wurde am 15. Oktober tun Lehrer Jafob Ackermann zu Maar, Kreis fentterbad;, eine Lehrerstelle an der Volksschule M Goddelau, Kreis Grvß-Gerau: dem Lehrer Wil- tdm Rößler zu Ober-Erlenback), Kreis Fried- Ö, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Kelstcr»

, Kreis Groß-Gerau.

** Kuhh alter sind nach einer Bekannt- rnuhung der Landes-Mürh- und Fettstelle vom 18. Dezember 1917 verpflichtet, die Geburt und tat Abgang eines Kalbes dem zuständigen Vcr- Icaiendmann sofort anzumelden. Zuwiderhand- lang gegen diese Bestimmungen werden nach § 37 ta Bekanntmachung vorn 18. Dezember 1917 mmachsichtlich unter Strafe gestellt.

** Zirkus Blumenfeld, dessen Vor- Mlimgen allabendlich den größten Beifall des mfolge der Käftc leibet nicht immer zahlreich er» öienenen Publikums findet, verbleibt mrr noch H9 Sonntag auf dem Oswaldsgarten und gibt am Ämntag abend 8 Uhr seine letzte Vorstellung. Las Untetnebmcn verlaßt aber unsere Stadt nicht, icnbcriT wird hier überwintern und gedenkt im mühsabr mit ncuengagiertem Personal ferne «»mincr-Tournise 1921 in Gießen zu beginnen. Kelch grast: Stoffen heutzutage die Verpflegung Don 30 Pserden während fünf Rtomrten erior- tert, tc'ari wohl feiner weiteren Erörterung. Tic Stadt hat ent Interesse daran, daß em brtartige-j kaufttäftiges Unternehmen bei uns beibt. Dal>rr ist es wohl nicht mehr wie billig.

gegrr. 3 Monate GefängtiiS.

Ein Lano lsmann aus Beuern bat ohne vri- laubuis des Vichi.v.tdelsoerbandes in ettrnge­laufen ein Ninv g cf au ft und in feinen Stall befördert, auch I-at er den Kaul nicht in lern Tagebuch, tej er als Vie'.chänd'.er füllen mutz, cingctragm. Et erhielt destxt b Geldstvi en von 600, 130 und 300 'JJtort, zusammen also 10d0 Mari. Wil er dnS fRinb unl^erechttgt ge.äüachtet har, hat er berrits {rüljer eine Geldstrafe von

Wer baut noch? Meine Geschwister etwa?

Über meine Fvau^

Auch sie, Achim. Sie wohl vor allem."

Nein. Das sind Dinge, in die sie sich nicht zu »rischen hat. Tein Reckst auf diese Heimat ist un- mtaftbqr. Es ist beinahe ebenso alt und iccenfafto ttenfe heilig wie das meine und das meuter chstster Tu gehörst zu uns. Es wäre denn" bet Klang seiner Vtede verior mit einem Male di- bisherige Festiget ,chaß du nickst unter taem Dache mit uns leben magst."

Noch einmal ich bitte dich wir wollen ä bet Zukunft überlassen, wie sich alles rügen l^d."

g- Nach einer kleinen Stille hörte Signe, >me it<r in dem großen, hallenden Raume aus und "Kber ging Endlich begann er von neuem: ,^Fch «im dich nicht zwingen, mir eine offene, intum- ^mdeue Antzvort zu geben. Birilcickst bin ich der der ein Recht hätte, sie zu verlangen. Tas wie aber tage ich dir schon heute, Erika: Ehe ich daß du von hier fortgehst wie eine Fremde 77 ^he ich bas geschahen laste, gehe ich sei bl t. Uno ^hätte die Heimat doch so bnngenb nötig. Ich Kwte mich doch so inbrünstig nach ihr." -^Trotzdem fandest du byt Weg zu ihr nicht? «ut «ater würde audj zu einem früheren Zeite wjntt nicht unversöhlilich geivesen fein, wenn du rechte Wott gesprocheti hättest."

Tie nneberijoU vorbestrafte P. SE. hatte sich wogen zweier Tiedstähle, begangen im straficharfeu- den Rückfall, zu iwixmnror.cn. Sie Hal sich üt Der Gegend van Lmi§Göns bei Lanolvrr.en als Dienstm ädchen vermiete:, iftauch in den Dkenst einge^veten, aber ohne die Ad icht, rn ihrer Stelle zu bleiben. 5t' benutzte die nächte Gelogen- hcit, ihre Ti?nstherr!chaf en zu bejid/Iett In einem Falle zog ite die ge t vhtenen stlewer Über ime etgciten an und veriieß den Dfemt. ^vie tmircc alsbald von der Gendarmerir verhaftet unb gab dieser sowie dem Amteg-rickst, dem sie vorgeiuhrt wurde, einen falschen Namen an, oiicnbar, um ihre Vorstrafe!', zu verdecken. Sie wurde wegen der znwi Diebstähle unter Annal)me Mildernder Umstande zu einem Jahr GesänariS und wegen 'alsckwr NllntenSangabe zu drei Wochen Hast ver- urteilt. . .. ....

Der W. Th. von Praunheim ist gestanotg, mit zwei bereits früher abgeurteilten Gewosteri einen Diebstahl in Giebtzi begar.gm 341 b<ixm Er stellt zwar in Abrede, daü er bei irm Dicvftahl beim Erndrrngen in den unnchlosta«n fstaum Ge^ walt gebraudjt habe. 2>iS Gericht nimmt aber auf Grund der Beweisaufnahme schwerui ^ubitahl, begangen mittels Cinbruchs, an. Trotzdem Th. tiorbeitcaft ist, billigt ihm das Gericht iwch etnrnti mildernde Umstände zu und verurteilt auch ihn zu einem Jahr Gefängnis.

Tie Stickerin P. ist bereits un Jahre 1917 wegen Urkundenfälschung, Be trug s, Diebstahls, Unterschlagung zu 10 Tagen und zu 7 Monaten Gcsäugms i>?rarteilt worden. Infolge der früheren.Slmncfeten tvurien ihr tic.c ö traf eit erlassen. Diese Gnadenbewrite waren aber ihr, wie auch der Scast^aüwalt hcrvorhob, Übel angebracht. Heute ftotb sie wrgcn drei Diebstählen, darunter einer mittels Nack: ckstüssels begangen, sechs Betrügercini unb einer UnierschlaMng t«n Gericht. Die Arvreklagte war geständig. Lluch ihr wurden mit Rück.icht hieraus und auf ihre ;siKiati> mildernde Umstände betvilligt und sic tn eilte Ge- samtgesängnissträse ton 2 Jahren und 6 Primaten

doch bis an die letzte Gven»? des Möglichen di« Alte zcichen, die ihn zu einem Gegenstand des Mitleids machen Sonnten. Und Signe wußte schon, datz man in diesem Punkte sehr vorsichtig fein mutzte, wenn man shn nicht reizen wollte.

Ja, du siehst auch viel bester aus," log sie. Aber ich finde es tvotzdem nickst richtig, datz du die Berttetung des Sartttärsrats durch einen an­deren Arzt abgrichnt hast. Wer weiß, ob er dich nicht schneller gesund gemacht hätte! Ich höre, bau er noch jung ist. Und die jungen Aarzte sind mit t>en letzten Errungensck-astcn der Wissenschaft gewöhnlich besser vertraut als die alten."

Tas heißt, die einen sind in alten Irrtümer.' befangen und Sie anderen in neuen, lern nach zwanzig oder dreißig Jahresi sind auch btt tycu- hgkm Errirngensck-asten der Wissensckiaft wahrschein­lich wieder als wertlos abgetan. Ich halte cs lieber mit den Irrtümern, in 'denen ich aufgewichsc.r bin."

Tu hast eine fdXedjte Meinung von der Dei künde, Papa! Dofferttffch gilt dir dos, lvas du 00" den jroigeil Aerzten sagst, iricht von der Jugend in: allgemeinen. Cs wäre sehr entmutigend, wenn man überhaupt nickst mehr an Fortschritt und Ent­wicklung gfaubat dürste."

Fortschritt? Entwicklung? Willst du iwflcn, woran ick stäube, Kind? Ich glaube, daß btc Jugend immer gerade so viel Unb.nl antur-tet, gi : ffe mit Mühe und Not im Alter nnecer gutmuc^.:, kann. Tas ist der ewige Äftrislauf der Dinge."

(Fortsetzung folgt.)

Art» Statt und Land.

Gießen, den 23. Ott. 1920.

8Verordnung gegen Betricbsabbrüchc 1 und -stillegunge«.

Die Bereinigung der Arbeitgebervarbändc ' -xribt uns: Die Regieruna hat bei; Erlaß einer ( l-norbnung gegenüber Bet.iebsabbrück)en mib i'-illegunaen angekündigt, welche zurzeit von ernem ^raurschuß des Vorläufigen NeichswirtschastS» jrf erörtert wird. Die Berordnuna sieht unter Stimmten Voraussetzungen die Beschlagiiühmc

Enteignung von Betriebsvorrütm und -em- S vor unb stattet die DemobilmachungS- : in dieser Hinsicht mit fast unurn- atänften Vollmachten aus. Man mus> bestreiten, >L= iU einer so schwerwiegenden Maßnahme ein rrügender Anlaß vorliegt, da Fälle von Be- -itetsststlegungen, die ein Eingrersen der All- rteinbcu rcchttertigen könnten, wenn überhaupt, [ nach der eigenen Erklärung ver Regierung nur h ganz geringer Zahl und Bedeutung vorge- tnimm sind. Die einzelnen Paragraphen der letorbmmg lösen eine Fülle von schwersten fach- ^ichn Bedenk.n aus. sie beeinträcht-.gen die ohnehin 'm aUm Seiten eingeengte Initiative besonders M leinen Unt.-rnchmers und Fabrikanten tn un- nttäglidyr Weise. Daß eine solche eini'chneidenbr DtafcDigei jetzt unter Ausschaltung der kerfassungsmäßigen gesetzgebenden LrganelediglichimWegeberVerord- yng übers Knie gebrochen wird, ist ein Ijrgang,. bet aus die Zustände in unseremRechts- friat" ein be-eichnaides Licht wirft. Wenigstens bunte man erwarten, daß in so schwrrwiegenden Kragen nicht bloß ein vom Reichswirtt'chastsrat ab- Kiroeigter Unterausschuß gehört wird, fonbetn daß ki Plenum des Reichswirtfchaftsrates tn btc iagc versetzt wird, seine brgutachtende Tätigkeit luZzuüben.

Li;» Erinncru»»5-zcichcn für die gefallenen Studenten.

Nach dem Vorgang anberer Universitäten plant ou6 die ©iefcner Universität für ihre im Krieg »sallenen Angel/örigen ebt Erütn^runZeichen zu (baffen, lieber die Form in »oelcher dieser Gedanke terwirllicht werden soll, konnte ein endgültiger veschlutz noch nicht gefaßt werden, ba hier die Ent- IdKüning vor allem von der 5>öhe der verfügbaren Mittel abhängt.

Gttwckst wird an die Errichtung eines euv- sachen, aber würdigen Denkmals auf dem Lla tze vor der Universität. Falls die dtazu erforderliche Summe nicht aufeubringen san sollte, mützte man sich auf die Anbringung einer lllnstlerisch auSgestalteteti Tafel im Bor- kfungdgebäubc mit den Namen der Griallenen bej schranken, deren Herstettutig hmtr auch schon einen heblick>en Betrag beanspruchen würde.

Um Gewißheit darüber zu erixilten, ioelche Drittel zur Schaffung dieses Erinnerungszeichens iu Gebote stehen werden, ist nunmehr eine s a mm- lang eröffnet worden, worüber näheres aus dem w dieser Nummer enthaltenen Aufruf zu entneh-

Kreis Schotten.

o Schotten, 22. Okt. Das Kreisamt machte hinsichtlich der öffentlichen Tanzbelustigungenden Wirten pünkt­liche Anmeldung zur Pflicht, damit die Fvage des Bedürfnisses ernstlich geprüft werden könne. Weiter stellte es eine Bekanntmachung in Aussicht, wonach bestimmt wird, in wel­chen Zwischenräumen in den Kreis gemeinden Tanzbelustigungen abaehalten werden dürfen.

© Gedern, 22. Okt. Die Darm­städter Kinder, welche seit Anfang Mai hier untergebracht waren, sind wieder in ihre Heimat -zurückgekehrt. Zwischen ihnen und ihren 'Gastgebern bestand im allgemeinen ein zufriedenstellendes Verhältnis. Erfreulicher­weise konnte eine Besserung des körperlichen Zustandes der Kinder sowie erhebliche Ge­wichtszunahme festgestellt werden.

Kreis Friedberg

4 Bad-Nauheim, 21. Oft. Nachdem bie Tätigkeit der politischen Vereine während, der Saison geruht, beginnt jetzt wieder bas B e r e l n s- leben. Eine Reihe von Versammlungen sind für die nächste Zeit vorgesehen. Heute Abend bereite hatte bie beutfch-nationa e Volkspartei eine gut be­suchte Mitgliederversammlrma, in ber Fräulein 2ejernte über den Darmstädter Parteitag und Rechtsanwalt Brücher über bie politische Lage sprachen.

-- Friedberg, 21. Okt. Das Krmsantt bat für den ganzen Kreis, auch für die Landge­meinden, das gvosAügige tzilfsweri der ,,A n s - l a n d s - Ä i l se" auch hier organiiieri. Im An­schluß an den deutschen Zentralausfckmß für Au^- landshilfe hat sich hier ein Wohlsalirtsausichuß konstituiert, ber seinerseits wieder einen Arbeits­ausschuß gewählt hat. Den Ansschüisen gehören Vertreter aller Bevöllermrgsfchichten an. Die Ge- nerischaften, Becnn^en, die Kriegsbeschödtgten, das fltote Kreuz unb andere WohltätigAitsorganffatro- nen sind beteil ißt. Dem sachver.tändlgm Beirat gehören ber Kreisarzt und Kreispfleg rmnen an. Die Verteilung ber eingehenden Liebe^wben m den einzelnen Gemeinden erfolgt durch örtkd)c Vertrauensleute.

1500 Mark erhaltm.

Ein Atofchiinns^ l >\'e: von hier )rxt" beschä­digt, eine 0cm 9teici<?.L*ebr- 9tegimc.it dal re, <te» hörige Schustcrnähmaschine, bi: ihm zur Nepauottrr übergeben mar, unterschlagen M haben. Ta der Lmnptzuge inzwischen geiixLen ist, tjnnie der Sowoerhalt nicht genügend, auf- gellärt locrbcn, loeShalb Freifprechmig effülgsr mußte.

Ein Kaufmann von hier hat 100 Alille Zrga­re t lc n zur WriteroerLuszenmig gekauft, ohtte im Besitz der Erlaubnis zum handel mit Tabak-varen zu feilt. Ta er dies getan pit, obwohl ihm tue Erlaubnis ausorück.ich versagt wor en war, er­hielt er eine Geldstrafe von 1000 Mark.

Zwei Lehrlinge von hier wollten St Ice für i h re Ziegen holen. Ta Oer St.ee aut dem von ihrem Vater g padrt.ten Acker noch etwas Flein nar, war ihnen die Mül)e zu groß, nxtebalb ste tun bem Acker' des Nachbarit einen Daridwagen voll Sloc im Werte von etnxi 30 Mk. entwen­deten. Mit Rücksicht auf il/r reumütrgcs Geständ­nis tarnen sie noch einmal mit einem gerichtlichen Verweis davon.

Ein Hilssarbciter vott Äinienbad? hörte zu­fällig, daß ein Kamerad ein F lo be r t g e we h r zu eurem hiestgen Büchsettmack>er in Revaratur go- g>2bm hatte. Er ging deshalb zu diesem und fpte- g.stte ihm vor, er sei beauftragt, das Gewehr abzuholen, was ihm auch gog.anbt wurde. Er erhielt die Flinte und verkaufte sie nn den gvo^n UnbeFannticii. Wegen Betrugs erhielt er trotz feiner Jugend 100 Mark Geldstrafe.

Ein Arbeiter von Leuchelhe im wollte fein H«uS untrrfe((em mtö stahl tesivegen 3 Eisen­bahnschwellen im Werte von 800 bis 1000 Mark. Durch Strasb:jehl wurden 10 Tage Ge­fängnis g.'gen ihn erkannt. Bor (Sintritt tn btc Lrnuptoerhandlmtg nahm ct feinen Eittspruch hnc- der zurück. .

Das gleiche bat ein $>itttenarbeiter aus Mamz- lar, ixr wegen Beleidigung des dortigen Lehrers eine Geldstrafe von 150 Mark echalten hatte.

verurteilt. t

Wegen Schleichhandel waveit der R. unb M. vorn Schöffengericht Bad-4touheim zu 3 Wockxn Gefängnis und 100 Mari chw. zu 2 Wochen Ge­fängnis und 100 Tlari Gclsstrate pmrrtnlt wor- >en. Beide legten Berufung <rn, mrt eine müdere Bestrafung zu erzielen. Nur d-te Berufung des M hatte Erivlg. Gegm iljn wurde nur aus eute Geldstrafe von 300 Mark extemnt, bagmm von einer Freiheitsstrafe abgesehen: bfe Berufung des R. dagegen itnirix Voi mtfallig verworren.

Ebenfalls nregen Schleichhandels hatte das Sck-öffengcricht Msfeld die Ehefrau L. aus Fvcm'kmrt a. M. zu 2 Mvnmen Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, die L^nir e L G. Bcrter zu je 3 Wochen Gefängnis und 800 Mark sowie den G. Svhn, die drei letzteren aus L>ergersdvrf, zu 250 Nlack Geldstrafe wegen Beihilfe zunr Scklrichhmchel verurteilt. Die sämtlichen Anze- Nagten h^ren Berufung verfolgt. Die Ehcftau L. leugnet auck in oer heutigen BerufuergSverhE- Iiatg hartnäckig, diejenige gewe.en zu fein, welche die beschlagnahntte Schleichhcmd"lswavc Msarnmen­ge lauft und auf die Post gegeben habe. S« imtD aber durch einen lückenlosen Jnlnzienbeweis über­führt. Ihre Berufung wird bcrnoorfen, desgleichen diejenige des Lalüwirts L., welcher der L. schon früher Weizen verkauft hat. Dagvgm er^den G. Vater und Sohn Freisprechung. Da- Gericht ßmmte sich nicht davon überzeugen, bau dreie wissentlich Brihllfe geleistet Haden: der Beweis, daß sie gewußt haben, es handle )uh irm Schleul^ Handelsware, ersck/ion ihm nicht in schlüssiger Weste

baß die letzten Vorstellungen des Zirkus Siu men» srib lebhaft besucht werben. Am Sonntag nach­mittag 4 Uhr sindet eine Extravorstelcung für aus­wärtige Besucher statt.

D ie Technischen Angestellten und Beamten laben zu einer öffentt.ichen Ber- jammlung ein, bie am Dienstag den 26. Oktober, abends 8 Uhr, im Hotel Köhler zu Gießen statt» finbet.

♦♦ Das Leibg.-Jns.-Reat. Nr. 115 begeht am 11. März 1921 ben Geben Lag des 300jährigen Bestehms des Regiments. Zur Grund» l'teintegung ein:s Denkmals in Tarmsvabt für bie gefallenen Kameraden, zur Besprechung nxrbcn alle Kamevaden im Kreise Gießen für Svwitog den 31. Okurb-n, nachmittags 2 Uhr, nach ®ietxm -Felsenfellcr) eingeladen.

Landkreis Gießen.

X Wieseck, 21. Ott. Die G abelsberger» Stenog raphen-Bereinigung und Da^ men-Abteilung eröffnet nächsten Montag, abends 8 Uhr, im Schulhaus bet Gießener ©trage einen Ansänger-Lehrgang für ältere Damen unb fotrrn (Saal Dr. Rein); am gleichen Abend erneu Anfänger-Lehrgang für Jugendliche (Saal BrrurnL' well). Arn Dienstag baraut schließt sich rin Fort­bildungsunterricht von 89 und ein Diktat-Kursus von 910 an. Die Kurse sind zum Teil im Saal unserer Volkshochschule, deren Mitte November beginnende fturfe demnächst bekanntg^eben wer­den. Ihre Abende tointttn bis lteirte mit Rüchrcht auf mitwirkende Gießener Kräfte rwch nicht fest­gelegt werden. Da bie Gabelsberger unb bie Volks­hochschuloereinigung jnitemaitbcr unb nicht gegen­einander arbeiten, wird bei gcgcnfeitiger Rücksicht­nahme das Zusammenfällen von Kursen vermieden werden.

Kreis Lauterbach.

rr. Schlitz, 21. Ott. Im, nahen Sand­lofs kehrte Landsturmmann Kaspar Becker als ber letzte Kriegsgefangene da-5 Schlfter- landes aus rufsischer Gefangenschaft wohcbelxrlten in die Lwimat zurück. Seine Angehörigen hatten schon lange Jahve keinerlei Nachricht mehr von ihm erhalten: nur war ihnen im vergangenen Jahr durch bas Rote Kreuz die Mitteilung zu­gegangen, daß der Gefangene noch lebe unb bte Doffnuna hege, die Heimat wiederzusehen. Daß in der Kleinstadt auch schon hier und da getotflc großstädtisch: Verhältnisse zutage treten, mußte gestern ein junger Baucrnbursche aus Rimbach hier zu feinem Lcibwesen erleben. Er hatte bri Anbruch der Dämmerung sein Fahrrad vor die Tür eures hiesigen Geschäftshauses gestellt. Als er wenige . Minuten später sein Rad wieder besteigen wollte, war es spurlos verschwunden.

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Gericht,saal.

Eisenbahn Dicbftäh'e.

X $>anau, 23. Okt. Auf dem Bahnlwfe Elm der Eisenbalinstrecke FrankfurtBebra sind m der Zeit vom Jarmar 1919 bis Februar 1920 fertgeatzt -von Mitol«dcrn ber Rotte des Rangiermeisters Jo­hannes Möller in Elm Fra chtfenbungen be­stohlen worden. Die Täter gingen meistens so vor, baß sie die ihnen zugänglichen Frachtbriefe auf Sendungen durchsahen, bie ihnen zur Bestehllrng igünstig erschiimen. Nachts wurden dann b.e betref­fenden Wagen gewaltsam geöffnet, das cru^erseyene Frachtstück balb im etcibabrntoagcn selbst bald draußen erbrochen, unb der Inh all geteilt. Wfl wurde die Beute zunächst in bie zur Vnb^sungs aeeisnete Wohnung des Georg Möller geschafft ober in einer in ber Nähe des Bahnhofs gelegnen. Fichtenanlage versteckt. Des schweren unb leichten Dfebsdahls angellagt waren neun Eisenbahner, so- lote mehrere Per-srnren wegen Hehlerei. Ur­teil lautete: Joh. Breidenbach <3 Jahre 6 Mon. Gefängins unter Anrechnung von si.ben Monatm Untersuchungshaft, argen Joh. Möller auf 1 Jahr 6 Monate GffängN's unter Anrechnung txm fieöen Ttonaten Untersuchungshaft, gegen Georg Möller <mf 2 Jahre Grfmlgnis unter Airrechnung von 51/2 Monaten Untersuchungshaft, gegen Nikoloms Frischkorn auf 6 Monate G sängnis, bie durch che Untersuchrrngshaft verbüßt sind, gegen Ulrich Möl­ler auf 9 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft, gegen Perchba^r auf ein Jahr Gefängnis, gegen Schott aur zehn Monate, gegen Kaufmann auf neun Monate, gegen Jahn auf drei Monate, gegen Paull auf neun Mo­nate Gefängnis unter 2mrechnung von einem Mo­nat Untersuchungshaft, gegen Frau Ehrenmann auf einen Monat Gefängnis, verbüßt durch bie Unter» suckwngshaft. Alt wurde frrigesprvchen.

*

mc. Frankfurt, 22. Okt. Das Schwur­gericht verurteilte den Schlosser Johann Kun­kel, der auf einen Polizeibeamten ge­schossen hatte, zu zwei Jahren Zuchthaus. Kmi- kel gilt als sehr gewalttätiger Mensch und der Beamte wurde seinerzeit nur gerettet, weil der Revolver unmittelbär auf .die Kleider ausgesetzt wurde, wodurch die Durchschlagskraft deS Ge­schosses wesentlich vermindert wurde.

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