Montag, 25. August 1920
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 197 Zweites Blatt
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sammlung. Außerdem fand heule abend int Kvn^ert- haus ein Gcsellschaftsabend für die Rückwanderer* Hilfe statt. Unter Mittvirkung erste, jieii .er und auswärtiger Kräfte wurde, cruiier muitln ischon und gesanglichen Darbietungen lünstleriiche -1. äni-c auf* geführt, die viel Anklang fanden, . tau-end Mark — die genaue ?
föneüüittige Feuerwehr beging heute in schlichter Weife die Feier ihres 25|äl)ri ten Bestel/ons. An leine Reihe von Wehr len len konnten bei dieser Gelegenheit Diplome für 40- und 25jährige Dienstzeit verliehen werden.
Kircbc und Schule.
mc. F r a n kf urt a. M., 22. Aug. Aus dem Gesichtspunkt heraus, daß in den kommenden Fahren Deutschlands Orientierung wohl in der Haupffache nach dem Osten flüchtet sein muß, haben die Frankfurter Mittelschullehrer beschlossen, eine Einführung des russischen Sprachunterrichts in den Mittelschulen zu befürworten.
volle Arbeitszeit bezahlen, erst ab 15. August darf er den Lohn entsprechend der gekürzten Arbeitszeit verkürzen. 2. Kündigt derselbe Arbeitgeber am 1. August an, daß er ab 15. Aua. die Arbeitszeit strecken werde, so ist er berechtigt, vom gleichen Tage, dem 15. an auch den Lohn entsprechend zu kürzen.
Bet kürzeren oder längeren Kündigungsfristen, seien es gesetzliche -oder vertragliche, gilt selbstverständltch entsprechendes, ebenso auch bei Angestellten.
ocn?(mncn rin Piarrer aus El aß irnb Ve iylcniim gen. Dor Po aimenchv. ^aclei
hat der Opfertag für
triebenen Ausländsdeutschen ein gebracht. — Die
fnnai abend
Gerichtssaal.
X Lau au, 22. Aug Im tongen Jahre sind nach und nach von I.en int Sxrnauer Z-ug- h.rus lagernden mi.itärNsla.ischeu Be tüfem üt er 5000 Stück entwendet und nach Frankfurt a M. ge schoben worden. Mit dieser Angel ,enf)cit hatte sich die Hanauer Feriensttastammer zu les o hgen, i»d) .konnte es $u einem Urteilsspruch nock) nicht kommen, da noch Zeugen zu laden sind und in* solgedesstn eine Bertagimg ein treten muftte. '.'In* gelingt waren 15 Personen wegen Ketanhan^ls und Hehlerei svwite Beihilfe lsterzu. Du Dübe sind.noch nicht ermittelt. Ws Hanvttxtteiligte in den Vorgängen sind zu nemten der Zellner Jo, hamt Reinlwrdt aus Hanau imb ter Schn über Ernst Konvad aus Fraulfu t. 8.'e iibarbt be aul- tete, die Bettücher von einem Wä,<^fabri kanten aus Friedberg ang kauft zu l-aben, ber die Ware in dem Lokale, in dem er als Kellner tätig war, angcboten habe. Ein derartiger Wäsche abiifant ist jelwch in Friedberg niist wohnhaft. Die Betttücher sind in vier Fuhren na-*} Frankfurt geschafft und im Kettenhandel von uridrictenen Personen zu 18—40 Mi. das Stück weiter veräußert worden.
bärigen und zadlie.ch n Bea.i Jen auch der hiei ige Stiegen»'rein imb die Sckmlffnder snr B<trußung ausgestellt. Der Heiuigek.h.te nxn über 1 Fabre in Ostsibirien im Qkbtet dco Amur ri Gefangen- chaft. Der Zug bcgteitetc den>Heima kehrten nach fernem Elternhaus.
Kreis Lauterbach.
Den WiDschweinen nur der Spur.
O Sch l i tz, 22. Aug. Nachdem Admnal von Levetzo, der zu Besuch bei unserem Grafen weilt, vor einiger Zeit beim Nicht Hof da> ei it. Wi oclMxnn erlegt hat, haben nriicrd.ngs gräf.iche F-orsi amten in den Forsten bei Willofs weitere fünf Schwarzkittel zur Strecke gebracht Dic^La dn-ir.c der anliegenden Gemarkungen be? 3cb.il rinn \x sind froh darüber, denn der Schaden, den dir Wildsauen vis jetzt angerichtet ist schon ganz erheb i V gewesen. Das Fleisch der erlegten Tiere kam durch bi; gräfliche Forstv ermatt ung zum größten Teil <i billigem Preise an die hiesige Bevö.terung zur Berteilimg.
Kreis Fri-dberg.
# Beienheim, 21. Aug. 9üi russischer Gefangenschaft k hrte gestern nach tun iihriger Ab- weseuhfft R. Breidenbach von i.ici zurück. Nahezu vier Jahre batten die Angehörigen kein Lebenszeichen von ihm erhold.m.
4 Bad Nauheim. 22. Aug. Unsere Badestadt hatte heute ihren O p f e r t a g für die ber triebenen Ausländsdeutschen. Sckiüle^ und SclnUe- rinuen veranstalteten eine Haus und Straßen-
Uommunlftijche Unruhen.
Düsseldorf, 21. Aug. (Wolff.) Der Regierungspräsident teilt mit, daß Belte r t, wo gestern die Räterepublik ausgerufen worden ist, heute in den frühen Morgenstunden durch die Sicherheitspolizei aus Essen wieder genommen wurde. 25 kommunistische Anführer wurden verhaftet. Die verfassungsmäßigen Zustände sind in Velbert Wieder hergestellt worden.
Düsseldorf, 21. Aug. (Wolff.) Tie Ruhe in Velbert wurde durch den Einmarsch von 200 Reichswehrsoldaten wiederhergestellt. Der Putsch auf das Rathaus wurde von einer ganz kleinen Anzahl überraüikaler kommunistischer Elemente ausgeführt, die in der Bevölkerung des Ortes keinen Rückhalt finden.
Berlin, 21. Aug. (Wolff.) Wie aus Magdeburg gemeldet wird, inszenierten etwa Iundert auswärtige Arbeitet einen Putsch t Köthen, verhafteten den Bürgermeister und die Führer der Mehrheitssozialisten und tiefen die Rät erepublik aus. Morgens wurden die Arbeiter aus den Betrieben herausgeholt. Der Eisenbalmverkehr ist stillgelegt.
Reichswehrabteilungen von Dessau und die Sicherheitspolizei von Halle wurden zur Niederwerfung des Kommunistenputfches nach Köthen abgesandt.
D es s a u, 21. Aug. (Wolff.) Der Staatsrat für Anhalt erklärte mittags den Ausnahmezustand über Stadt und Kreis Köthen Als die kommunistischen Put- toiften hörten, daß ihre Annahme, aurf)_ in j-alle, Leipzig und Magdeburg sei die Rätediktatur erklärt worden, falsch sei, erklärte der Urheber des Butsches, der Oberlehrer Dr. Berg, ein früherer Oberleutnant der Reserve, den Vollzugsrat als aufgelöst. Damit fand die Räteherrschaft in Köthen ihr Ende.
Aus Hessen.
Die hessischen Gendarmen gegen den Abg. Knoblauch.
Don dem Hess. Gendarmerieverein toirb uns geschrieben: Der Abg. Knoblauch (Soz.) bat sich erdreistet, in der STammerüerbcmbhmg vom 29 Juli 1920 den angeblich guten Emährimgs-' auftanb, in welchem die hessischen Gendarmen sich lefänben, in Zusammenhang mit dem Verschwinden des beschlagnahm len Hamstergutes zu bringen. Er tat damit unzweideutig zmn Llnsdruck bi tu gen wollen, daß die Gendarmen sich das von ihnen beschlag* Tabmtc Hamstergutzufül)ren und damit griagt und behauptet, daß sie sich, da es sich ja bei'diesem tbarnstergut um fremde, den Gendarmen nicht gehörige Sachen handelt, der Unterschlagung zum Nachteil der Allgemeinheit schuldig gemacht hatten. Einen Beweis für diese ungeheuerliche Behauptung onzittreten, bat der Abgeordnete noch nicht einmal versucht, sondern sich mit den in Zeitungen gewisser Art, die beute besonders blühen, beliebten all- «x-meinen Verdächtigungen begnügt. Herr Knoblauch ist in der glücklichen Lage, sich hinter seine Jrnrnu- lität als s2rbgenrbnctcr zu verstecken, sonst mürbe ihm sicherlich aus unseren Kreisen wegen firner un- verantworrtlichen Verleumdung, die er mit ferner Behauptung unseren .Kollegen zugefügt hat, der Prozeß gemacht. Es ist bedauerlich, daß ein Abgeordneter unter dem Schutze seiner Immunität sich nt derartig schweren Beleidigungen einer ganzen Beamtengruppe gegenüber hinreißen ließ, obschon von einem Abgeordneten doch erwartet werden (rtiüfotc, daß er seine Worte, l-esonders wenn es sich imi die Ehre seiner Mitmenschen und um eine Bern fsgruppe, die im staatserhaltenden Jnterefse tätig ist, handelt, genau abwägt. Wir bedauern, daß wir den Mann, dem die EHie seiner Mitm^nsckten offenbar so wenig güt, daß er glaubt, Schindluder mit ihr treiben zu können, nicht gerichtlich belangen können. Jedenfalls soll sein Gebaoen an dieser Stelle aber entsprechend niedriger gehängt werden.
Wir dürfen von uns, ohne daß wir im5 an den Gaben legen, sagen, daß wir in der Kriegszeit, in der unser Personalbestand wesentlich eingeschränkt war, und auch nach dem Kriege unsere Schuldigkeit voll und ganz getan haben, trotzdem die uns übertragenen Arbeiten oft kaum zu bewältigen waren. Die durch die Unfumme von Verordnungen, deren Tinhaltung wir übernehmen mufefat. durch die Häufung der straffälle, denen wir nachgehen mußten, außerordentlich vermehrte Arbeit und die vielfachen Dienstleistungen in Kommissions- und lleberwach- ungsorganisationen, die früher nicht Mi unseren Ob- Üe-mheiien gehörten, wurden von uns willig getan.
Vereine und Veranstaltungen.
lg. Wetzlar. 22. Aug Im Auftrage bei Liga zum Schutze der deutschen ftultur sprach hier am vergangenen Donnerstag im stark überfüllten Saale des Schützengartens Herr Prof. Schlarb
Für uns gab es feinen Acht-Stundetag. Wir sind et» und ständig auf dem Posten, meim es gilt.
Dabei war unsere Entlohnung bislang, wie von allen Seiten «nt'.kmw. wurde, äußerst unzureichend. Wir beanspruchen keinen Dank. weder leitens un- fter vorgesetzten Behörde, noch feiten-* der Devöl- tierung. Wir erheben aber Anspruch daraus, daß wir gegen berartige Nerdächtigungen, wv sie Herr Knoblauch *i tun beliebte, geschützt werden Gerade von dem Gendarmen wird verlangt und muß geordert werden, und zwar im Interesse der für feine Stellung unbedingt notwendigen Autorität, daß er in friner Tienskführung emnandftei ist. Der Gendarm wird sich im Interesse feiner eigenen Stellung hüben, solche Verschlungen sich yifcl/ulben kommen tu lassen, wie sie Herr K. den Gendarmen unterstellt. Er würde sich sofort selbst uiunb^icb macfen. Um so ungeheuerlicher klingt die ganz allgemein gehaltene Derdächtigimg ber Gendarmen a. f diesem Gebiet. Wir rufen unsere vorletzte Behörde, ftk-» zielt die KreiSamts- und KommunalvcrbcmdSoer- walttingen, zu Zeugen dafür auf, daß der Dorwun den Herr Knoblauch gögen uns erhoben hat, in keiner Weise zutrifft. Im übrigen möchten wir dem Herrn, der vielleicht selber einmal persönlich oder dessen Freunde mit dem Poliniapparat Dekannt- chast mad>7n mußten und deshalb erbittert üfer ims ist, in seinem eigensten Interesse raten, in Zukunft mit fernen Aeußemngen etwas vvrsichlD-er zu fein. Wir find nicht gewillt, uns bei unserem Verantwortung^- imb gefahrvollen Bereis in diefer Weife verdächtigen und beschimpfen zu lassen, auch nicht von einem Abgeordneten.
** Amtliche Person al nachrichten. Ernannt wurden am 6. August 1920 der Assistenzarzt Tr. Konwd Hans Roese in Goddelau jum AnstaltSarrt an der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Philipps Hospital bei Goddelau, am 4. August 1920 der Assistenzarzt Dr. Ludwig Amrhein auS Hobback' zum Anst^lt-arzt au ter ^inoeS-SxiP imb Pflegeanstalt b i Heppenheim a. o. B., beib? mit Wirkung vom 1. Januar 1920 an. — In den Ruhestwro versetzt wuroe am 12. August 1920 ber Lehrer an der Volksschule zu Ober-Mocksdadt, Kreis Büdingen, Emil Kayser aut sein Tcad>- snchen un.er Anerkennung feiner dem Staate geleisteten Dienste vom 1. November 1920 ab. — Entlassen wurde am 11. August der ordentliche Prosejs'vr der Mineralogie und Geologie au der Landesuniversität Gießen Dr. Erich Kaiser aut sein Nachsuchen mit Wirkung vorn 1. Oktober 1920 ab. — Ernannt wurden am 12. August 1920: der Kreisdircktor des Kreises Büdingen Geheimer Regie.u.igs.at Einst Böck- ma nn zum Ltreisdirektor des Kreises Scholten; ber Krei^oivettor des Kreises Schotten Dr. Ernst Merck zum Kreisbirektor des Kreises Erbach; ber Vortragende Rat im Lrndcsirrbeits- und Wirtschaf samt Oberregicrungsrat Dr. Paul Wörner zum Kre.sdirektvr des Kreises .Heppenheim; der Rat bei ber Pnovinzialdi eftknt Rhein Hessen Ober* regieruugsrat Ernst Werner zum Krrisdirekor des Kreises Büdingen; der Ztzreisamtmann bei dorn K.e.saml Mainz Regierungsrat Wilhelm Schön zum Rat tei der Pvovinzialdi et tun Meiuhesfeo unter Verleihung der Am Soezeichnung Obenxgir* rnngsrat — sämtlich mit Wirkung vorn 1. Dftuber 1920 am.
" Rinderpest. In Belgien ist durch indische Zebus die .gefährlichste aller Rinderseuchen, die Rinderpest, cingeschkeppt worden, und d * durch die Gefachr der Verseuchung auch für Deutsch lcrnd nölte gerückt. Da bi.' Rinderpest im Falle bet Einschleppung unseren olmedies durch den Krieg und die Maul-- und Klauenseuche geschwächten Rinderbestand dezimieren würde, ist es erforderlich, daß alle verdäckstigcn Erkiankungen den zu ständigen Behörden alsbald gemeldet werden, Damit die notwendigen Maßnahmen wwerzüglich an* geordnet werden können.
** Vorsicht beim Brombeersuchen. In der jetzigen Zeit des Brombcerlesens ist es angebracht, Saß die Eltern und Lehrer die Kinder auf die Gefahren der Tollkirsche aufmerksam machen. Die Früchte sehen sehr verführeri'ch aus, sind aber so giftig, daß vor ihrem Genuß nicht genug gewarnt werden kann.
2lus Sta t uni* Land.
Gießen, den 23. August 1920.
Wann hilft die Reichswehr?
lieber die Hilfeleistung durch Reichswehrangehörige hat b.n Reick^wehrminister neue Bestimmungen getroffen Es ist nichts ein-uu»enden gegen eine freiwillige Hilfeleistung von Angehörigen der Neichswehr in landwirtschastlickten Bet neben und bei Reichsbehörden, insbesondere den ReichSver-- pslegungsümlern nsw., wenn es die bienfllidxm Verhältnisse zulassen und anderweit feine geeigneten Arbeitskräfte zu beschajsen find. Es bari aber kein Wettbewerb mit Berussarbeitern eintreten. Nötig ist die Genehmigung der militärischen Vorgesetzten. Ein zu solchen Arbeiten dars nicht erteilt werden. Die sich freiwillig meldenden Monnschasten werden tageweise ohne Gebührnisse beurlaubt, sobaLd die Hilieleistung eine Befreiung vom Dienst notwendig macht Sic werden durch die Arbeitgeber in der Regel nach bm ortsüblichen Sätzen zu entlohnen fein. Tie Arbeitgeber müssen auch die Sicherstellung ber zu Schaden kommenden «rbeitenben Mannschaften oder deren Hinterblicbe? neu übernehmen, für den Fall, daß die Arbeitgeber vorsätzlich oder fahrlässig ein Verschulden trifft. 'Bei einer Hilfeleistung für einzelne Stunden ist sie möglichst nur während der dienstfreien Zeit zu gestatten. Den Mannschaften werden bann die Gebührnisse neben dem Arbeitsftchn belassen Täglich 2,80 ober monatlich 81 Mark werden für die Abnutzung der Bekleidung eingehalten.
Ardeitsstreckung und Arbeitslohn.
Uns wird geschrieben:
Ueber die Frage, wann kann bei Arbeitsstreckung der Lohn gekürzt werden, besteht in den beteiligten Kreisen noch große Unklarheit. Vor kurzem ging eine Notiz durch die Presse, , nach der das Reichsarbeitsministerium sich auf öen Standpunkt gestellt habe, der Arbeitnehmer könne unter allen Umständen während eines der Kündigungsfrist entsprechenden Zeitraums trotz der verkürzten Arbeitszeit den vollen Lohn beanspruchen. Hat also ein Arbeitgeber am 1. August angekündigt, daß er vom 15. August ab gestreckt arbeiten uno Den Lohn entsprechend kürzen werde, so sollte nach der Auffassung des Reichsarbeitsministeriums letztere- unzulässig fein. Die Lohn* kürzung sollte vielmehr erst am 29. August, d. h. 14 Tage nach Beginn der Arbeitsstreckung eintreten können. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß eS sich bei der angeblichen Entscheidung um die mißbräuchliche Benutzung einer Antwort des Reichsarbeitsministeriums auf zwei vom Arbeitsamt der Stadt Barmen vorgelegte Fragen handelt. Die notwendige Klarstellung durch das Reichsarbeitsministe- rium ist nunmehr erfolgt. Der Dezernent hat dec Vereinigung der Deutschen Arbeitgeber- Verbände in Berlin mitgeteilt, daß das Reichsarbeitsministerium bei einer nochmaligen Prüfung dieser Frage seinen Standpunkt nicht hat aufrechterhalten können. Darnach kommt es lediglich darauf an, daß der Tee- min, an dem die Lohnkürzung eintreten soll, rechtzeitig, d. h. einen der Kündigungsftist entsprechenden Zeitraum vorher angekündigt wird. Mit der Arbeitsstreckung kann der Arbeitgeber natürlich sofort beginnen, er braucht dies aber erst von dem Zeitpunkt an zu tun, von dem ab er seine Ankündigung macht, daß er den der Arbeitsstreckung entsprechend verkürzten Lohn zahlen will.
Das Gewerbegericht zu Naumburg a. d. S. hat in einem einschlägigen Urteil vom 23. 6. schon die gleiche Auffassung vertreten, indem es in der Urteilsbegrünoung ausführte: „Der Arbeitgeber ist zur Zahlung des Lohnes für die volle Arbeitszeit während der 14tägigen Kündigungsfrist nur dann verpflichtet, wenn er entgegen § 12 der erwähnten Verordnung vom 12. 2.1920 die Streckung der Arbeit nicht mit Wirkung nach Ablauf der Kündigungsfrist, sondern mit sofortiger Wirkung vornimmt."
Zum Schlüsse sei die richtige Auslegung deS § 12 nochmals durch Beispiele erklärt: 1. Streckt ein Arbeitgeber, in dessen Betrieb 14tägige Kündigungsfrist besteht, am 1. Aug. ohne vorherige Ankündigung die Arbeit und dauert diese Streckung über den 15. August hinaus, so muß er bis zum 15. August die
Landkreis Gießen.
M. G r ü n b e r g, 21 .Aug 29. Aug. soll in dein Waw zw yHicte da- Gußav-?ttolf F.st d. > berg abg.’balLn nxrbcn. Als Fei
?n Dermal ist nach . b -u Ar
der Üi rchngesangvvreirr Grvtz-Eickrei ThnDtrCung zugesagt
Kreis Alsfeld.
a. Flensungen, 20. Ang ( um 7 Uhr bürte Oft. Stellv. Wil! vorn Jnf.-Rgt. 60, Loh Schurnami, aus rn sischer Gesang n > zurück. Arn Bahnhoi batten iidi auß
Blinder Haff.
Roman von Alfred Sassen.
l?äichdruck verboten.) Fortsetzung 13.
Mit einem wehmütigen leisen Kopfschütteln behnditete sie chn. „Haben Sie wirklich etwas anderes von mir erwartet^ foagte sie in einer Art stiller Verwunderung, die ihn beschämend durchschauerte.
Er biß die Zähne zusammen und gab sich einen Ruck. „Sic haben Recht, Rena," sagte er, „Sie mußten so sprechen, wie -sie gesprochen haben — nur so! Ber-eihen Sie mir, daß ich ein atbered Wort van Ihnen erwarten konnte! Aber motten Sie auch eftrsehsi, daß die Gründe, bie Sie veranlassen, mir ein Lebewohl für, ewig ^UpUmfcn, nicht für mich maßgebend sein können.
ich lasse mich nicht in die gleiche HaffnnngS- fofigteit hineindrängen —!"
Sie machte eine rusche Bewegung, als wollte ste einen Einwand erheben.
Der junge Mann Barn ihr zuvor. In noch wärmer drängendem Ton fuhr er fort: „Rena, Sie würden mich ja toageir und zu leicht beftnden, wenn es anders wäre! Aber ich habe Ihre stumme Bitte verstanden und ehre sie, indem ich sctzrvige. Ast es Zeit, To mag die Tat reden . . . Leben Sie denn wohl, Rena — recht wohl — und auf WiÄ^r sehen!"
Abermals eine Bewegwig von ihr, die wiber- spreck^n wottte. ?luch chre Lippen bewegten sich Sie vermochten jedoch fein Wort zu formen. Lstmnm ne.gte sie schließlich ran ein wenig das XWubt, bann schritt sie rasch davon — wie in
Furcht, er könne versuchen, sie mit einem allerletzten Brach «1 teffeln.
Er rief ihr auch wirklich etwas mich, aber es waren mir die mit Heller Stimme gesprochenen Worte? „Grüßen Sie mir, bitte, meinen jungen FrÖrnd Max r
ES mochte etwa eine Woche später fein.
In den Nachm^gSstwden würbe de Blinde von plötzlichem, heftigem Kopfweh befallen, wie daS niÄ selten btnrirot, und woNL sich niederlegen. Rena fern ihr beim AnSkleiden und blieb bennt noch eine Wnke am Belt sitzen.
MS sie amvhmen fryrartt, daß die Tratte einae» lchlasen sei, begab sie sich herunter in die Wvlm- fhibc. (58 war inzwischen dämmerig geworden
Ehe das junge Mädchen daran ging, die Bor- richttmgen $um Abendbrot zu treffen, trat sie erst noch einmal in die Nische des Fensters, das einen Blick auf die 5Zeochtenbnrg gewährte.
' O, welch ein schS«S Bild! Es sah aus, als habe bo6 lrichge Sicher Msuerwerk den roten Glander letzten STTwnenstrMen festgehalten — ein märchenhaftes Flimmern und Scknmmern war da vjoy} in den Lüsien, daß Stena lange den Blick nicht davon l?sii«chen
AlS eS endsich doch geschehen war, en mim ihr die grefre, yv*'* Smbe so voll düsterer Schatten, daß sie mich bre HäMgelampe über dem runden Mittel ttsck an zündete.
Ni<pt trennten und grübeln — es sollte und durfte nicht sein'
Sie muffte wohl, die Stunde aut den stillen Wöllnitzer Wiesen würde sic nie wieder aus ihrem selig unseligen Banne entlaß en. Sie hatte _ sich da von ihm, der im Glan; eines einzig schönen
Sonntags in ihr Leben getreten war, das Geständnis entreißen lassen, daß sie ihn liebte — Nicht mit klaren Worten, aber tausendmal mit dem Blick des Auges, mit dem Beben der Sttmme, mit dem Ausdruck ber Züge!
lind er hatte seine Liebe laut herausgeiauchtt!
Allein sie musche um jeden Preis versuchen, mit beL-en Händen die .Hoffnungen m sich nicker- ^chalten, die sich in unbewachten Minuten immer ttneber an diese Stunde knüpfen wollten!
Es mußte möglich sein!
Von Os5rr ihr Wort zurückverlangen, Daran durste sie nicht denken. Abgesehen davon, daß ih« Bitte:! an der l- idenschaftlicben Neigung, die er ihr offenbart, wirftmgs os abprallen würden, war er ein Leidender, den es zu schonen galt.
Und überdies verkörperte sich in ihm nicht allein daS Hindernis, an dem sie nicht vorüberkonnte. An seiner Seite stand die blinde Mutter! Nach ihr f»tagen — sie treffen auch mir mit dem kleinsten Schmerz? Um alle Seligkeit der Welt nicht!
Während sich Rena auch heute wieder, wie so oft in den letzten Tagen, dies Gelöbnis ablegte, wurde heftig die Tür auf gerissen. Sie wh hinüber — und da bebte sie zurück, als spalte sich die Erde vor ihr.
BfS hin zu dem Fenster, das sie vor kurzem verlassen, taumelte sie.
Ihre Knie wankten — kraftlos sank sie aus einen bet Nischensitze nieder, aus weitoffenen, entsetzten Augen nach der Sckiwelle starrend.
Dort stand ihr Detter OsVar mit wachsbleichen, entstellten Zügen! Unter lern xurückgeschob-nen Hut hervor hing ihm das dunkle Haar feucht und cernnrrt in die Stirn.
Seine Augen glühten unheimlich, und mit beiden Händen hielt er sich am Pfosten der Tür, als sei er am Zustunmensinken.
Rena faßte sich zuerst.
Wohl rann es ihr raxh eisig durch alle Adern, und im Herzen spürte sie einen Krampt in der unbestimmten Erwartung, sie werde Schreckliches hören müssen.
Allein sie erhob sich doch von ihrem Nischen* sitz und schritt aut 'den Vetter zu Er sah gar so erbarmungswürdig aus und brauchte gewiß Hilfe. Diese Wahrnehmung hraiptjstchlich ließ ne alle ihre Straft zusranmenraffen.
Jedoch mitten im Zimmer stockte ihr Fuß. Aus seinen Augen glühte es sie an, als stehe und drohe dort ein WaIm inniger.
Mühsam stammelte sie: „Oskar, was ist —? Tu sckteinst tödlich erschöpft — sag', was ich hm — was ich holen soll--ein Glas Wasser — ?
Einen Schluck Wein —?"
Er mackste eine abwehrende Bewegung mit bet Rechten. Mit der anderen Hand tastete er sich an der Wand hin zum nächsten Stuhl. Es^ war ein großer Lehnstuhl in der Nähe des altväierischen, mäckstigen Kachelofens. Ter junge Mann fanl tief hinein in dte weichen Pol' ec, haltbas, als gedente er zu liegen, nicht zu sitzen.
Aber im nächsten Augenblick schon Zuckte er rteeber empor. Die Arme aut eie Seitenlehnen des Stuhles gestützt, saß er setzt weit wmtwerge* beugt da — mit keuchender Brust, m öen Augen noch immer die urchnmliche, flackernde Glut.
(Fortsetzung folgt.)


