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Wo lf s-Burea u Hat darüber an das Reichs- sinanzminifterium eine Anfrage gerichtet und hat folgenden Bescheid erhalten:

Der persönliche Kampf gegen den Reichs- finanzminister nimmt immer mehr Formen an, die die völlige Verwilderung aller Moraldegrisse in erschreckender Wttse offenbaren. So ist das kaum Glaubliche möglich geworben, daß die Beran- lagungsakten des Reichsfrnanzministers aus dem Finanzamt Charlottenburg entfernt und photographiert wurden, um als An­lagen zu Pamphleten gegen den Reichsfinonz- mmister vervielfältigt zu werben. Wenn die Ur­heber dieses schamlosen Streiches und die an ihm Beteiligten glauben, auf diese Weise eine wirksame Waffe in die Hanb bekommen zu baden, um den verhaßten politischen Gegner zur Strecke zu brin­gen, so tverden sie sich darin täuschen. Der Reichs- finanzminifter wird es mit Fug und Recht ad- lehnen dürfen, über seine pritoaten Einkommens- Verhältnisse und seine steuerlichen Angelegenheiten sich in der Oefsentlichkeit mit seinen Gegnern aus­einanderzusetzen. Im übrigen kann nur gesagt werden, daß die Steuerbehörde ohne jede Beeinflussung durch den Reichsfinanzminister dessen Beleidigungsprozeß aegen Helffettch verfolgt und das Ergebnis der Beweisaufnahme auch vorn steuerlichen Standpunkt prüfen wird. Das Ergeb­nis dieser Prüfung wird der Reichsfinanzrnimster mit ruhigem Gewissen abnmrten. Andererseits wer­den auch im Interesse eines jeden Steuerzahlers allerschärfste Maßnahmen gegen unbefugte Offen­legung und Benutzung von Steuerakten geboten fern.

Demokraten für den Rücktritt Erzbergers.

Remscheid, 22. Febr. Der Vorstand der hiesig«! Ortsgruppe der Deutschen demo­kratischen Partei hat mit dem Hinweis darauf, daß nach dem bisherigen Ergebnis des Erzberger-Helfserich-Prozesses 'Hn längeres Ver­weilen des Reichsministers Erzberger m der Re­gierung unmöglich erscheine, bie demokratisch! Frak­tion bet Nationalversammlung ausgefordert. mit ihrem ganzen Einfluß auf den Rücktritt Erzbevgers. hinzuwirken.

Berlin, 22. Febr. (Pttv^el.) Helffettchs Flvgl'christFort mit Erzberaer", die im August 1919 erschien, wurde bvüLoLalanseiger" fetzt bes Hlagncchmt.

(Eine (Entgleisung der amtlichenDarmstadter Zeitung".

Die Parteileitung der Deutschen Bolkspartei veröffentlicht folgende Er­klärung:

DieD a r m st ä d t e r Ze i t u n ff", amt­liches Organ der hessischen Landesregierung, brutfft in Nr. 43 vom 20. Febr. einen Artikel mit der UeberschriftEin Dokument der Ehre", in dem sie sich mit Angriffen beschäf­tigt, die gegen sie von der rheinischen Volks- Vereinigung (Richtung Dorten) erhoben wor­den sind. In ganz unbegründeter Weise, ledig­lich auf der Tatsache fußend, daß Herr Präsi­dent Dr. Sttecker auch von der Deutschen Volkspartei bekämpft wird, sucht dieDarmst. Ztff." einen Zusammenhang zwischen den Los- trennungsbesttebungen in Rheinhessen und der Deutschen Volkspartei herzustellen. Es ist derDarmst. Ztg." und den hinter chr stehen­den Politikern sehr wohl bekannt, daß die Deutsche Volksvartei aus ganz anderen Grün­den als etwa die Organe des Herrn Dorten gegen die Politik des Herrn Dr. Strecker niemals gegen seine Person zu kämpfen gezwungen war. Trotzdem leistet sich die Darmst. Ztg.", die als Organ des Herrn Dr. Strecker angesehen werden muß, folgende Sätze in Fettdruck:

Was liegt hier vor? Nichts Geringeres als ein handgreiflicher Beweis dafür, daß die national­liberale Opposition in Hessen den rheinischen Se­paratisten die Waffen liefert zu ihrem Kampf um die Lostrennung des besetzten Gebietes, daß in diesem Sinne die hessischen Natronallibwaten die Schrittmacher der rheinischen Ab­trennungsbestrebungen barftellen. Wo­vor wir ztu warnen nicht müde geworden sind: Parteiinteressen über das Vaterland zu stellen, bas hat hier böse Fruckt getragen, und wir erheben hier vor dem hessischen Lande die' Anklage gegen die Deutsche Volksvartei tn Hessen, daß sie in blindwütigem Haß gegen Volksgenossen, die nicht m jeixrm Punkte mit ihr einig gehen, mit ihrer Hetze bat Loslösungsbestrebungen berRheini­schen Bolksvereinigung" den Weg bereiten Hilst. Wir sagen nicht, daß sie bewußt Vater­land s ve r r ater is che Ziele verfolgt, daß sie aber de facto den Loslosungsgedanken in Rhein­hessen fördern HM, dafür liegt der Beweis klar zutage. Die Herren Liebing, Dorten, Din­gel de y in ber Einheitsfront gegen Herrn Tr. Strecker unb gegen uns: das muß dem ^ssischen Volke zu denken geben! Heute gibt uns die Gegner­schaft der Liebing, Dorten, Dingeldey und Kon­sorten die Gewißheit, wo wir stehen und wohin die Hetze der Deutschen Bolkspartei führt!**

Unser Landesvorsitzender, Herr Abg. D i n g e l d e y, ist zur Zeit erkrankt und da­durch nicht in der Lage, gegen die schmutzigen Angriffe des Regierungsblattes Stellung zu nehmen. Die unterzeichneten in Darmswdt wohnenden Mitglieder des Geschäftsführen- den Ausschusses und der Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei erklären aber schon jetzt, daß die Ehre der Deutschen Volksvartei viel zu hoch stehl, als daß sie durch derartige Angriffe, wie sie von dem Organ der Hess. Landesregierung erhoben werden, überhaupt getroffen tverden könnte. Sie überlassen es dem Urteil aller anstän­digen Leute, gleichgültig, welcher Partei, was von den Angriffen derDarmst Ztg." zu halten ist.

Sie überlassen es neidlos der Hess. Re­gierung, ein Organ zu besitzen, das in heuch­lerischer Weise Staatsinteressen zu bertreten vorgibt, wenn es eine große Partei, deren nationale Zuverlässigkeit in allen Dingen er* Zprobt ist, herabsetzen will.

Wir hangen den unerhörten Angriff ein­fach niedriger.

Darmsta.dt, 21. Februar 1920.

Frau Bierau, Dr. Osann, Wünzer, Mitglieder des Landtages

Ares Stadt und (and.

Gießen, den 23. Febr. 1920.

Lebensmittel.

** Die Wochenkartoffelmarken 140 der 8. Woche werden beliefert bei: Löbsack, Karl, West-Anlaae, Rumpf, Fritz, Zozelsgasse, Drechsler, Heinrich. Steinstratze, Weisel, Jewi Sonnenstraße. .Weisel Ed., Schottstrahe, Krack I., Riegelpsad, Konsumverein, sämtl. Filialen.

** Nährmittel-Ausgabe. Für Febr. entfallen auf die roten Marken (B): 250 Gramm Haferflocken, 250 Gramm Gries, 2 Pack Keks: auf die Kauen Karten (C): 250 Gr. Teigwaren. Verkauf ab Dienstag. Am 29. Febr. verliert die Matte Nr. 2 ihre Gültigkeit. Die Klemhandelsge- chäste haben dre vereinnahmten Matten bis späte- tens 3. März dem Stadt. Lebensmittelamt, Zim­mer 11, einzureichen.

Beranftaltuugen.

Montag, 23. Febr.: Stadttheater 7 Uhr, Die Vettchwörcmg des Fiesco zu Genua". Hotel Einhorn 71/2 Uhr, Vortrag:Es gibt ein Fiortleben nach dem Tode". Lichtspielhäuser wie Sonntag.

** Eine außerordentliche Sitzung des Kreistags findet am 27. ds. Mts., vor­mittags 11 Uhr, im Sitzungssaal des Regierungs- gebäudes des Kreises Gießen statt. Auf der Tages- ortrantg stehen: 1. Gewährung von Teuerungs- yilagen an bw Kreisstraßen- und Obstbau m-Marte: 2. Tagegelder bet Kreistags Mitglieder: 3. Erhöh­ung bei Kreisumlagen für das ZähL 1919; 4. OrtS- atzmrg über Gebühren für die Kvhlenbewittfchaf-- ung; 5. Neuwahl der Mitglieder: a) ber Flur- chabetvabschätzungskommission, b) der Kreiskör- kommissionLn.

** Gefaßte Diebe. In der verflosse­nen Nacht wurde aus einem hiesigen Metall­lager durch Einbruch Kupfer, Messing unb Zink im Werte von 1300 Mk. gestohlen. Heute gelang es nun der Polizei, die D i e b e in der Person von drei jungen Leuten, wovon einer auch noch von der Staatsanwaltschaft Mar­burg wegen Diebstahls steckbrieflich verfolgt wird, ftstzunehmen. Ein Teil von ber Beute wtten sie an einen Althändler bereits veräu- zert und den anderen hatten die Täter wieder unter sich gestohlen, so daß er bis jetzt noch nicht aufzufinden war. Ferner wurde noch ein entlassener Kriegsgefangener wegen Betrugs festgenommen, der, nachdem er im Januar 1920 bei dem hiesigen Durcht- gangslager als Vizefeldwebel abgefunden wurde, gestern versucht hat, unter einem an- >eren Namen sich nochmals in den Genuß der Entlassungsgebühren zu setzen.

** Diebsgut. In Fulda wurde ein wertvolles, weißseidenes Kleid, ein weißes Spitzenkleid, eine buntseidene Schürze, ein weißleinenes Bettuch, gez.W.", eine Decke, gez.G. W."» ein Handtuch, gez. ,L. B.", eine graue Tischdecke mit Gänseblumen, und noch eine Anzahl Tisch- und Tafeldecken, Hand- und Gläsertucher- usw. beschlagnahmt, )ie ein Soldat im Monat September 1919 von einem Unbekannten in einer Gießener Wirtschaft für 60 Mk. gekauft haben will, und )ie zweifellos von einem Diebstahl in Gießen herrühren. Der Eigentümer der Gegenstände wird ersucht, sich dieserhalb mit der hiesigen Kriminalpolizei ins Benehmen zu setzen.

** Wem gehört das einem Sol- )aten abgeno mmene Federdeck­bett? Der Eigentümer kann solches auf dem Polizeiamt, Zimmer 2, in Empfang nehmen. Am 20. Februar 1920 wurde hier aus einem Cafe ein dunkler Ueberzieher mit schwarzem Cöperfutter entwendet.

** Braunkohlen-Ausgabe. Die an Haushaltungen über 5 Köpfe auagegebarm Be­zugsscheine über 1 Zentner Braunkohle wrrtxm in ber aus dem Anzeigenteil zu erschmden Weise beliefert.

** 3 m Akademikerbund Ober Hes­sen sprach am Samstag abend Berbanbsdirektor Dr. Pinkerneil-Berlin in fesselnder Weise über die Entwickelung ber berufsständischen Wka- iemiterbewegamg. Ter bewährte Vorkämpfer unb Organisator, der in den berufsständischen Kämpfen seit den Umstürzen der Novembertage führt, bot in tiefgründigen Darlegungen ein scharfes BiL von Ursachen und ZusammenÄLngen der Not, bte ja über keinen anderen Stand wie den der Aka­demiker derart plötzlich und hart Hereingebnochen und die von diesen durch Passivität in politischen und wirtschaftlichen Dingen großenteils selbst ver­schuldet tft Aus dieser weltfremden Untätigkeit den gefeixten Arbeiter lvachMrüttttn, ihm neue Wege unb tragefähige Ideale zu zeigen, erwies sich ber Vortrag vorzüglich geeignet.

** Gießener Mieterverein. In einer Versammlung bes Gießener Mietervereins sprach gestern abenb Gerichtssekretär Schröber über Mieterschutz. Er edäuterte bas Mietorschutz- gesetz, bie Bekanntmachmtg über Maßnahmen gegen Wvhnungsmangel unb bie im Zusammenhang ba- mit erlassenen gemeinblicheu Anorbnungen. Der Grunbstückshandel arte häufig in Wucher, Schie- bertum und Spekulation aus; erst ixiburch ent­ständen bie erhöhten Läuserpvttse, bie wieder den Mietern erhöhten Mietzins aufbürben möch­ten. Demgegenüber müßte beachtet werben, daß Mietsteigemng nur bei Daraus gegangen er Zustim­mung des M irteinig ungsamtes gültig sei. Eben­so verhalte es sich bei Kündigung. Redner be­sprach weiterhin die Befugnisse des Mieteinigungs­amtes unb des Wohnungsamtes, insbesonbere bie Beschlagnahmerechte bes letzteren. Am 31. De­zember bs. Is. träten die Mteterschutzbestim- mrnigen außer Kraft, boch sei damit zu rechnen, daß bis dahin erweiterte Schutzgesetze Gültigkeit erlangten. An diesem Ausbau tätigen Anteil zu nehmen, vermöchten alle Mieter am besten durch Beitritt zu Mteterveveinen. Aus den mit stattem Beifall ausgenommen rechtlichen Belehrungen fußte eine lebhafte Aussprache. Teils wurden einzelne Mietstveitfälle zur Erörterung gestellt, teils wurden Anregungen allgemeiner Natur laut. Bon mehreren Seiten wurde mit Nachdruck vor­gebracht, bei den Zwangseinquartierungen werde zu oft mit zweierlei Maß gemessen. Beispiele wurden angeführt in denen hochstehende Gieße­ner Bürger bei Reiner Familie rrnd vielen Räu- | men von einer Abgabe an Wohnungslose ver­schont geblieben seien Gegenüber ber Forderung hiergegen in aller Oefstntliäikeit Front zu machen, Leute ber Borsitzeiwe Tr. Reh mann mit, daß bie Sammlung van Material für ungleiche

Zwangseinqnattiesung nahezu beendet sei und daß I nach einem demnächst stattfrnbenben Vortrag von Stabtv. Mann geeignete Schritte unternommen werben sollten. Weiterhin würbe vorgebracht, bei Taxationen von Wohnungen müßten mehrere Sachkunbige, baamtet ein Mieter, beteiligt lein. Tie Versammlung enbete mit einer Aufforderung zum eifrigen Werben für den Mieterverem imb zum engen Zusammenschluß. Wie unser Berichte erftatter dem Bericht zufügt, haben sich einige Teilnehmer ber Versammlung erlaubt, ungehv- rige Angriffe gegen benGteßener . Anzeiger" zu richten, ber nach ihrer Ansicht bte Mieter­interessen nicht genügend vertrete, ein Kapita­listenblatt sei usw. Aäm kann darauf raten, batz zu diesem Ergehen weniger sachliche Gründe maßgebend gewesen sind, als politische. Unsere Leser sind ja in ber Lage, genau nachiuprüten, was es mit solchen unberechtigten Ausfällen auf ich hat, sie können uns um keines Haares Brette von unserer sachlichen Stellungnahme abbangen. Sonderbarerweise hat auch der Vorsitzende xr. Riemann in absoluter Verkennung der Mreter- interessen geglaubt, gegen den Gießener AnMd^r Hetzen zu müssen, inbem er sogar zum Boykott auf Norberte und bamit seine Denkungsart kenn­zeichnete. Wir glauben nidjt, baß bie Mehryett ber Bettammlung bamit einverstanden war, baß unser wiederholtes Eintreten für Mietertntereften bereu einseitige Vertretung man uns von fetten ber Hausbesitzer vorwirst durch derartige An- re mpelungen gelohnt wirb.

** Auf bie PsalmenVorlesung von Prof. D. Gunkel, bie bie neugegrünbete Männer- unb Frauenvereinigung ber Matthäusgemeimxe veranstaltet, sei nochmals aufmerksam gemacht. Ter erste Vortrag behandelt die Gebetslieder, ber weite Vortrag die 2ob lieber im Psalter. Beide Vorträge im Markussaal, Kirchftr. 9; Beginn 8 Uhr. Gunkel ist einer ber feinsinnigsten Psalmen­ausleger. Er versteht es wie wenige, in einer neuen Uebersetzung und in tief grabender Ver­engung in die Vergangenheit die Pfalmen zum Reben zu bringen. Der Besuch der Vorträge wird ein Gewinn für bas eigne fernere Erleben fein. (Siehe Anzeige.) . , _

** Die Deuts che demokr atrf che Par­tei hält Dienstag abenb imAquattum" einen Mitglttber abenb mit einem Vortrag von Geh. Fustizrat M i 11 e r m a i e r über:Die beutsche Reichsverfassung" ab. . .

** Ter Natur heilverem laßt am Mittwoch im Saale besHotel Schütz" einen öffentlidxn Vortrag des Naturheilrundigen C. Eucker aus Fulda überDie Grippe" halten.

** Eine St r uwe lpet er-Vorfüh- rung veranstaltet ber Tcesbcn-er Vortragsmeister Baron Carlo von ber Ropp am Sonntag ben 29. Februar 1920 im Hotel Einhorn. Diese heitere Darbietung, welche durch über 100 farbige Licht­bilder verschönt wird, erzielte allenthalben durch- chlagenbe Erfolge und aus verkaufte Säle, so baß in vielen Städten mehrere Wiederholungen stattfinden mußten.

** Die Aliceschule, bte auch in bieiem Winter wieder so statt besucht war, baß viele Anmelbungen nicht berücksichtiZt werben konnten, entließ am 19. Februar 14 Seminattstinnen ber Seminare für Handarbetts- unb Hauswirtschafts- lebrerirmen, welche bie Staatsprüfung an ber Schule vor ber unter bem Vottitz bes Geh. Ober- schulrats Dr. Lucius aus Darmstadt tagenden Prüfungskommission bestanden hatten. Tie neuen Seminarkurse beginnen am 7. April. Nä­heres sieche Anzttgentttl.

Landkreis Gießen.

Braunkahlen.

= Münster, 21. Febr. Die Firma Andre u. Comp. aus Frankfurt a. M., welche hier nach Braunkohlen bohrt, hat beim ersten Bohr­loch ans 38 Meter Tiefe ein neues festes ge­schlossenes Braunkohlenlager angebohtt, bas 2,70 Meter statt ist. Die Weiteren BohtversuchL werben ergeben, baß bas Lager nach ber Mitte zu noch viel stärker ist. *

vt. Lan gsbors, 22. Febr. Der vor acht Tagen aus französischer Gefangenschast zuttickge- tehrte Otto SchmÄt statt» gestern im Alter von 22 Jähren in (Grippe.

rt Langsdorf, 22. Febr. Ter Ge­meinderat genehmigte in ferner Sitzung am 18. ds. Mts. einstimmig die Neuherrichtung des Rathauses.

Hefsen-Rafsan.

Blutiger Kampf mit Schiebern.

= Frankfurt a. M., 21. Febr. Bei der Festnahme Meier Kokainschieber im Kaffee Leibert, Hohenzollernstraße 11, kam es mit den Polizeibeamten zu einem schtverrn Kampf, in dessen Verlauf der 21jährige Dreher Otto Stolle aus Kelsterbach einem Bram»- ten den Revolver entriß und damit fünf Schüsse auf seine Angreifer abgab. Hierbei wurde der Hilfspolizeibeamte Eckardt durch drei Kugeln in Kopf, Schulter und Bein lich und der Beamte Kaltenschnee durch einen Schuß in die Schulter schwer verletzt. Stolle wurde schließliche von den anwesenden Gästen überwältigt und festgenommen. Der zweite Schieber entkam in dem Trubel. Der Täter leugnet trotz der erdrückendsten Schuko beweise mit unglaublicher Frechheit die Tat. Das Kokain, etwa 10 Kilo, entstammte den Höchster Farbwerken.

Gießener Strafkammer.

Gießen, den 20. Febr. 1920.

In der letzten Sitzung kamen n. a. folgend? Fälle zur Berhandlun^:

Anton Kr. von Hundsangen im Westerwcckd war bei ber Reichswehr rn Fttädberg. Er war mv geklagt, 2 Kameraden aus den vettÄvssen'n Spin­den verschiedene Kleidungsstück', und ferner ihv» dienstlich überlassene Sachen, Teck:, Schnürschuhc- unb d^rgl., gestvhlen zu haben. Da ihm ans Grund der heutigen Beiveisanfnahme nicht b:wi.'ftv werben konnte, daß er die Spinde mittels Nach­schlüssels geöffnet 'batte, wurde er wegen brek-i einfacher DtebstÄhle zu 3 Monaten Gefängnis an??* Anrechnung von 6 Wochen der erlittenen Unter­suchungshaft verurteilt.

Willi R. aus Nieder-Florstadt wurde ei»es Togos. obwohl er sich damtt gerühmt (xitte, ihn keiner erwische in Frvebberg mit 25 0 Ein­ern, 2 2 Pf»»b Fleisch, Fett unb etwa 7 Pfund Butter fest genommen, als e» gerade noch Frankfurt sichren wollte Da gestellt wurde, daß er sehr oft mit großen Pat^>« nach Frankfurt gefahren ist, verurteilte ihn Schöstengcttcht Jttebberg als einenSchl .'ichhch»^

[er schlimmster <5orte// zu 3 Wochen Gefängms. Auf seine Berufung wurde zwar, da es sich um ben erften ihm nachgewiesenm Fall handelte, bte Strafe auf 1 Wock>c Gefängnis ermäßigt, auf die Berufung ber Staatsanwaltschaft aber neben ber Gescmgnisslrafe auf eine Geldstrafe von 3000 Mk. erkannt.

Vor Pfingsten 1919 fuhren die Witte Julius P. unb Karl L. von Frankfurt nach Hainchen, wo Julius H. etwas für L.besorgt" hatte. H., hatte ein Kalb unb zwei m m el gekauft, bie er mit L .zusammen schlachtete. Das Fleisch wurde in brei Rucksäcke verpackt imb von H. unb L. unb bem inzwischen wteber hinzugekommenen P., ber von ber ganzen Sache nichts gewußt haben will, zum Bahnhof getragen. Es handelte sich um etwa 180 Pfund. Am Bahnhof würben bie Be­schult) igten von ber Genbarmette, bie inzwischen Winb bekommen hatte, in Empfang genommen. Tas Schöffengericht in Alten stabt hatte Julius H. zu 1l/s Monat Gefängnis und 200 Mk., L. zu 2 Monaten Gefängnis unb 500 Mk., P. zu 500 Matt verurteilt. Auf Berufung der AngeRagten würbe bas Urteil des Schöffengettchts- aufgehoben unb H. zsn 6 Wochen Gefängnis und 500 Mk., L. tzu 1 Woche Gefängnis imb 500 Mk., P. zu 100 Mk. verurteilt. Das Gettcht ließ, was bie angeklagten Wirte anbelcmgt, weitgehenbe Milbe walten, ba zu ihren Gunsten angenommen würbe, baß sie in ttner gewissen Zwangslage hanbelten, insofern als sie auf ber einen Sette ihre Gäste zufriebenstellen unb bamit ihre Existenz erhalten, auf ber anberen Heile mit ben ihnen zugeteilten rationierten Lebensmitteln auskommen sollen. Beides ist schlechterdings nicht miteinander ver­einbar. Was ben Angeklagten H. anlangte, so lag eine Zwangslage bet ihm nicht vor, fein Motiv war, bei bem Geschäfte zu Der bienen. Mit Rücksicht auf seine bisherige Unbescholtenheit wurde aber auch bte gegen ihn erkannte Strafe etwas herab--; gesetzt.

Dem Briefträger von Münster würben* Strümpfe unb anbere Kleibungsstücke aus seinem Garten g e st o h l e n. Als er bei ber Elisabeth B. aus Münster gelegentlich einen Brief bestellte, bemerkte er zu jeinem Erstaunen, baß sich in ihrer Wohnung bie Strümpfe befanben. Zur Rede ge­stellt, kam sie zu ihm, um ed in berGüte" abzu-. machen unb drohte ihrerseits mit einer Anzeige wegen Schwarzschlachtens, wenn er auf seiner An­zeige bestehe. Tas Schöffengericht Butzbach ver-. urteilte sie zu 2 Monaten Gefängnis, inbem es strafschärfenb berücksichtigte, daß man auf dem Lande ganz besonders auf die Ehrlichkeit der Nach­barn angewiesen fei. Tie Berufung der AngeRag­ten, bie ihre Täterschaft leugnete, wurde ver­worfen.

Siebener Gpern- und ttonzerttvoche.

Gießen, den 21. Febr. Orchesterkonzert.

Das orchestermusikalische Eveignis ixtOpern* und Kvnzert-Woche" war ein vomGießener Konzertverein" veranstaltetes Konzert des Orchesters des Hessischen LandesthKa­ters zu Darmstadt, das letzte in ber Reihe 0?r dies winterlichen Darbietungen des genannten Ver­eins, ber burd) einen seiner-^tt ausgefallenen Or­chesterabend mit einer Veranstaltung noch im Rück­stand war. Es stand unter Leitung des General­musikdirektors Michael Balling, eines jener Tirigententypen, die Ä)rzügli<^s und Vorzüg­lichstes lttsten, roerat sie die ihnen kraft ihrer Veranlagung gezogenen Grenzen nicht verlasm. Teutlich gefprodien heißt das in bieiem Fall'. Ballings Bttreutung urä> Größe ruht in letrer Interpretation von Programm- und solcher Or­chestermusik, die im Rahmen von Opemiverkm (Musikwamen) immer nur einen Teil des Ganzen ausmacht. Damtt soll nicht gescmt fein, baß nur bas begleitende Orchester das Gebitt wäre, auf dem er innerhalb von Opemwerten z>u geftultot verstünde, ©eineFidelio"- unb,,Walküre"-Ln- stimg, wo er das Orchester als selbständigen Träger der Handlimg herauszttheben wußte, haben ia ttnes anberen belehrt. Aber Balling bedarf gl'ichsam als Rückendeckung eines bie musikalische Ausdni- hmg bereits enthal endenProgramms". Nur so ist es zu vetttehen, daß die Wiedergabe desabso­lute" Musik darstellenden, nachschöpfett che Gestal­tung heischenden Violinkonzerts von Beet­hoven und der dieser Galtnng nahe kommenden großen Br ahm' scheu O-mo11-Symphvnie hinter jener in ihrer Wirkung wohl kaum zu überbieten* ben, man möchte sagen: vorbilblichen derFrei­schütz"-Ouvertüre zurückgeblieben ist. Aber ovch bei Beethoven und Brahms hat er sein durch dve Schule eines Nikisch und Weingartner g'gW« genes Orchester es zeigte trotz der dem KonM vorhergehenden anstrengenden Tage auch nicht du Spur von irgendwelcher Ermüdung mit^aller Ära ft imb entschiedenem, am Schluß der Sym­phonie Orchester wie Hörer sogar enthusiasmieren­dem Ettolg hindurchgeführt. Anfgefal.'en ist eute gewisse herbe Behandlung der piano, unb pianis- smo-©teilen in ber Brahms-Symphome. Oder Wlte für dieses Urteil die nicht einwandfrei Klangwirkung cm dem dem Kritiker zugewiesenen Watz verantwortlich zu machen fein?

Das Violinfolv im Diolinkanzert war .Herrn Konzertmttster Trumm übertragen Wa ben. Wenn man diesen zweifellos gehabten und technisch gewandten Künstler gebührend würdigen WM, so darf man seine Vergangenheit nicht w berücksichtigt lassen: Herr Trumm ist im OrcheM arsß geworden und hat die mcmnigsacheii Nac^ ieik, denen jeder Orchestermusiker inbezug auf ^ewmnung ober Erhaltung künstlerischen Eigen- ^Mens ausgesetzt ist, über sich ergeben lassen müssen. Trotz dieser auch ihn beengenden Fesseln tat er sich eigene Gestaltungskraft zu erobern ge­wußt, die ihn über den Durchschnitt eines bloßen Sologeigers tzrnanssetzt. Wo er wie im Violinsolo M Andante-Satzes der Symphonie innerhalb des Orchestettörpers hervorttttt, gewinnt sein Spiel in künstlerischer Reise und rhythmischer Sicherheit.

Berichtigend sei iwch bemerkt, baß durch etn Versehen auf bem Theaterzettel am Schluß der .^Fidelio-Besprechung irrtümlicherweise die TarM- tfäbier Herren genannt worden sind. Es haben Rri) vielmehr neben Hoftat Stein gvetter ver- lient gemacht: um die Gestaltung der Bülmew' btfber Eugen Harprecht und Karl L ö f f ler, tun bie Beleuchtluigseinttchttrng Ludwig KeiM, 1 iimtTixf) Dom Stadttl-cxrter Gießen.

Tas rege Interesse für die nun hinter uns '.i>äenbeOpern- und Konzettwoche" legt den '.tz^msch nahe, berartige, allerdings nur burch die rÄhttge TätigUcit bes hiesigenThcaterveren^ ,«rdKvnzerwereins" möglich geworbene, für tnc ^italische Wiederbelebung Gi<ß-?ns. zeugende Ber- ' Spaltungen öfters unb m glichst bald wiederholen lassen, zumal bte szenischen Verhältnisse des , --ewigen Stechttheccters sttbst großen Anporberungen ' (Machsen sind. L , M.