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nr. 225
Der Siegener Hnjelaer erschrinl täglich, außer Sonn- und Frrertags.
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pastichcatoulo: $rantfurt o. TU. 1168)
Erster Blatt
170. Jahrgang
Mittwoch, 22. September 1920
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
druck HBb Verlag: VrShl'sche Univ.-Such- und < tel2*rwterei R. £any. Schnstletwng, Seschäflspeüe und Druckerei: Zchulstratze 7.
Mmiübme von Anzc.^ea sür d e Tagesnummer bis zum giachmiilag vorher ohx jede Berdiiidlichleeit. Preis für 1 mm Höfe svr Anzeigen v. 34 mm Breite 6cthd) 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Srcue 150 Vf Bei Platz' Vorschrift 20 „ Ausjchiag. Hauptschrrf Heiter: .'lug. Osoetz. Verantwortlich für Politik: Aua. Boetz; für den übrigen Teil: Dr. ‘Rehtbolb Zenz; für den Anzeigenteil H. Beek, sämtlich in (Biefeen.
Keines und feine Gegnerschaft.'
Unsere Delegation für die Finanz- konfcrenz in Brüssel.
In den eisten Monaten dieses Jahres hatte es fast reu Anschein, als ob die vermrNvortsicher Staatsmännc brr Entente endlich qflrrilT' seien, von ihren imperialistischen Hak imi> Machtiden sich frei gu machen and ihre Hand Dein Wiederaufbau der W.lt &u leiten. Damals tauchte bei Gedanke ein internationalen F-rnanzkonferen- auf, deren Zweck es sein sollte, die unala blich tnr hnrrten und zerrütteten finanziellen Verhältnisse Eucupas einer gemruen Prufuari zu unlerzieliev und ennpreclvnde Vorkehrungen für ihre Saniniriy zu treffen. Dieser Plan verdankte nid)' 'nletz: ieinc Enifebung dem sclmell bnül'.mt g-npvrbcncn B u d? des Engländers John Maynard 51 e n nes, das d n Titel führte: „The economic conse-- guences of the Vcare", und das nicht bloß in England. f entern in dr ganzen Welt berechtigtes Auf« fefen ervrgte. Dieses Buch hat srinerzrit vor allem die Aende img des Standpunktes von Lord Curzon herlx'i.rfuhrt, und die Strömirm innerhalb der engliscd'n Neuerung für die Revision des Versailler Friedens Vertrages nicht unerheblich unter» stützt
Keimes hatte in feinem Werk, das bedmier- lid-enveife in Teulscl-land eine völlig ungenügri'de Verbreitung gefunden hat und zur Zeit Dercnffcn ist, eine Re.b von hochidedeuriamen Vorschlägen gemach', die- jedenfalls sich mehr auf dem V^den der m'idtttrnm Ta iso dien benr gtei, als bre uto- tnstifchen Hof (nirngen, wie ftc sonst von wirt schäft liehen Kreisen in England und Frankreich genährt wurden. Keynes hatte in stinem Ruche rvrgesdüagen, daß der Betrag, den Deutschland für die Wiedergutmachung und für die Kv en fer Lklitpativnsarmeen zu zalsten habe, auf 40 Milliarden Mark festgesetzt werden solle. Die aus-- gelieferten Handelsschiffe, Uebersvekabel. das Kriegsmaterial, das S'aatseig'mttim in den ab* getretenen GVlretcn sollte mit 10 Milliarden Mark in die En fniängun^s umme ebig^vechnet werden. Der Rest ton 30 Milliarden Mark ßKfte olme Zinsen gcTnn-tet und eine Zahlung s itens Deutsch lands in breiig Jahresraten non je 1 Milliarde Mark, anfangend 1^23, geleistet werden.
Besonders wichtig sind die Vorschläge, die Keynes in seinem Buch bezüglich der deutschen Kohlenlieferungen machte, indem er Vorschlag, daß Deutschlands Verpflichtungen nur insoweit be stehen bleiben sollten, als Frankreichs Verluste au Kohlen infolge der Zerstörung feiner Bergwerke zu ersetzen seien. Deutschland sollte bet« pflidstet fein, an Frankreich jährlich auf eine Zeitdauer von 10 Jahren eine Kohlenmenge zu liefern, welch: dem Differenzwert zwischen der iährlicfen Produktion der Kohlengruben Nord- Frankreich; und bc* Pas be Calais vor dem Kriege und der Produktion der erwähnten Grubck.i in dem sraglich.'n Jahre gleichkommt. Diese ^Lieferungen aber sollten 20 Millionen Tomien jährlich in den ersten 5 Jahren imb 8 Millionen Tonnen. in tvn io'gen dm 5 Jahrm nicht übersteigen Diele Verpflichtung sollte hinfällig werden, fi^lsTeutsch land den Kvhlendistrikt von Oberschiesren infolge der Volksabstimmung verliert.
Dieses Buch des bedeutenden englischen Volks- Wirtschaftlers war Frankreich wegen der eben erwähnten vernünftigen Vorschläge schon längst ein Tom im Auge, und deshalb mußte man damit rechnen, daß alsbald eine Gegenschrift erscheinen würde. Sie liegt nun vor in einem Bnch des Senators und Ak<ä>emikers Ravfeel George Levy, das in Paris unter dem Titel: „La iufte vast 011 la verite sur le tpaü6 de Versailles" loeben erschienen ist. Daß dieses Buch mittelbar im Auftrage der französischen Regierung geichne- ben worden ist, kann keinem Zweifel unterliegen. Im Gegensatz zu dem Buch des Englcnchers burtfe ziehi die Schrift Levys wie ein roter Faden der Gedanke, daß der Friedensvertrag von Versailles um jeden Preis aufrechterhalten werden müsse und aufrechterhalten roerben könne 9eW) behauptet in direktem Gegensatz zu Keynes, daß Deutschland durchmis in der Lage sei, die ihm auferiegten Verpflichtungen zu erfüllen. Ja, er geht sogar soweit und wäll beweisen, daß die Leteten, die Deutsch taub beute zu tragen fette, im Vergleich zu fern von ihm angerid» eten Schaden noch triel zu gering seien Leon argumentiert damit, daß der Reich tum Deutftlst in s unangetastet geblieben fei, da fern Dori und feine Stadt vernichte, und tone Fabrik -erstörc worden sei. Er unterschlägt batet, hon die rmrlkhaf’lieben Verchältnisse tn Deutsch- lcmv first seit 1914 vollkommen geändert haben Auf derselben Linie bewegt sich ein zzvvitts Buch eines Herrn Dunlvp. das unter dem Trtel: ..Ter Bluft von .Kermes" im Haag erschienen ist '«d das cb.mfalls dem 3h*de bient, nochzuweiten, bar DewsMand bat Versailler Fciedensvertray eestlos erfüllen müsse, um die Folgen seiner Missest zu sühnen.
Dom wissenschaftlichen Standpunkt aus be- ttaduxi vermögen diese Gegenschritten gegen Kepne^ an das Buch des Engländers auch nicht im ent* fenthwn heranzureichen. Sie sind nichts werter als röt mißlungener Versuch, die untvibetteglieben Be- lfeie. die .'beynes in seiner Schrift erbracht bat, durch Phrasen aus der Welt zu schas^n. Man vrauchi sich in Deutschland über diese Büdier nicht M bcunruhigm wenn sie nicht in Frankreich und natürlich aud) in den übrigen Entente- und neutralen Staaten gerade jetzt in Massen verbreitet würben, wo es gilt, auf der Brüsseler Konferenz vernünftige Vorschläge von der Entente »u erhalten. Umso btfceMrrliAcr ist es, daß in «uädVanb nur eine 6ei» Zahl twu Menschen bte Buch teS Engländers tarnt, drs Melkidjt der stärkste Beweis dafür ist, daß der Frieden von Ver- jchlles ein toter Verl vag ist, und daß seine Revision eine Leha^psage für Euvapo bedeutet.
Berlin, 21. Sept. (WTB.)Die deutsche Delegation zur Finanzkonferenz in Brüssel verläßt am Mittwoch abend Berlin, um sich nach Brüssel zu begeben. An ihrer Spitze steht Unterstaatssekretär Bergmann. Weitere Mitglieder sind: der Geschäftsinhaber der Discontogesellschast, ll r b i g, der Vizepräsident der Reichsbank, v. G l a s e n a p p, und Staatssekretär Schröder vom Reichssinanzminifterium. Als Sachverständige sind der Delegation Geh öofrat Professor Dr. Lotz -München, Geheimer Oberfinanrrat Kaufs mann von der Reichsbank und Geheimrat Dr. Trendelenburg »om Neichswirtschastsministe- rium beigegeben.
Brüssel, 21. Sept. DaS Programm der Brüsfeler Konferenz to-'rb sich folgendermaßen zusammensetzen: Am 34. September Eröffnung der Konferenz, vom 26. bis 28. Sept. Auseinandersetzung über die allgemeine finanzielle Lage, vom 29. September bis 2. Oktober: Feststellung der künftigen Fi- nanzpolitik. Brand (England) wird die Frage der Staatsftnanzen, B i s ch e r i n g maftanb) die der Geld- und Wechselkurse behandeln. Ja spar (Belgien) den internationalen Handel und Gelten (Frankreich) die internationale Kreditftaae. Vom 3. bis 5. Oktober werden Kommissionssitzungen abgehalten, vom 6. bis 8. Oktober die Endergebnisse festgestellt.
3nm präsid ntervcchsel in ßranlreich.
Die RucktrittSbotfchaft Detzchanelö.
Paris, 21. Sept. lWTB) Ha Vas. Die Botschaft des Präsibentcn Dcschanel lautet: Meine Herren Senatoren! Meine Herren Abzeordncttn! Mein Gesundheitszustand er'mibt eS mir nicht mehr, die fefen Fwlk.ionen mrszuüben, die mir Ihr Vertrauen anläßlich der Nationakver- sanimlimg am 17. Januar btere-5 JahveZ übertragen hat. Die absolute Notwenbvrkeit einer völligen Ruhe macht es mir zur Pflicht, mit der Bekanntgabe des Erchchlusses, den ich gefaßt Hobe, nicht mehr länger zu warten. Der EntsclLnk ist mir äu&erft peinlich icnb mit tiefem Schmerz verzichte ich auf die edle Aufgabe, deren Sie »mich würdig befand n. Das Amt des Präsidnten bringt schwere Ausgaben mit sich imb verlangt eine tatkräftige Energie, bee über jede körperliche SchwLcfe fteht. Währenb der Jahve, in benen das siegreiche Frankreich berufen ist, seine Kräfte im f.rrnem wieder zu stärken und gleick»zeittg nach außen die vollständige Ausführung des Friedensvertr ages zu jichnn der so sieg- reid) und so teuer crrinwen wurde, werden wir bis zum äußersten «usharien. Die Stunde ist gekommen, ba idi inichUuifeh-en würde gegen bas, was id) Ihnen schuldig bin. Daher log? ich mern Amr in Ihre Hände. In dem Moment, da ich anich zurückziefe, möch»e ich den Wunsch saissprecben, feß die Vertreter der Nationen deren pattiottsche Eintracht ein mächtiger Bundesgenosse des Siegers war. im Frieden ihre Ernftchftl aufrecht er feiten Möchten zum Blühen und zur Grötze meines angebeteten Frankreichs, dessen Dienst idi mein ganzes Leben gewümiet habe unb dos mein letzter Gedanke ist Er wird ine Rolle und das Vorrecht meines Nachfolgers fern, in einigen Tagen vor der ganzen Welt das Wer? der Republik z« verherrlichen, die. nachdem sie o»r 50 Jahren die Ehre gerettet fette, EsaßeLothringen ivieber unter ünfere Fahnen gebracht hat. In der Gewißheit, die gebieterischste, aber auch die unerbittlichste Ausgabe zu erfüllen, reiche ich dem Bureau des Senats imb demjenigen brr Kammer meine Demission als Präsident der Republik ein.
blegenfandidaten Mitterandb.
P a r i s, 22 Sept. (WTB ) Die demokratische Linke, die S>züUisten, die Ra Afaten und die rebt» Taten Sozioli'-en haben gestern bsÄofsen, die Kandidatur MillerandS afeuldmen urfc einen Gegen ianbidaten auftusrellen, üler den heute Beschluß gesoßt werden soll. Der Name L«n Bourgeois wird neben dem Perets am meisten genannt
Paris, 22 Sept. (WTB) Millerand empfing gestern abend eine Ärrzahl Senawren, btc von ihm bezüglich feiner Ervärungen über eine Revision der Verfassung Auskunft wünschten, ob dies eine Aend-rung der inneren P» li.ik bartene. Mil ercmb erklärte, baß er die Äendcruna gern f er Ar.ikel für notipenbvi erachte, aber er feix im Auge bctel en, botz diese Revision nicht eher sta'tftnden könne, brs mc Lösung der großen wirscfef.lichen und mur^rellen Pwblerne erivlat sei. Es ier nich: lern 3wl, die Aitvoriiät des Präsidenten der Republik zu vergrößern.
Ein fchweizerifches Urteil Über den »iniftcr Simon».
Bern, 21. Sept. (Dolff.^ Der Genfer Nationalrat Go t tret veröffentlicht in der „Tribüne de Genöve^ eine Unterredung, die er mit dem Bundespräsidenten Motta über dessen Eindrücke von Lloyd George. Vio- । litti, Simons und Mil^rartd hatte. Danach erklärte Bundespräsident Molta, der beut- Ische Außenwinifter Simon» habe
ihm den Eindruck eines nnrklich überlegenen Staatsmannes mit großzügigen und liberalen Ideen gemacht. Der Reiche Minister verfüge neben einet scharfen politischen Ausfassung über einen erstaunlichen Sinn für Mäßigung, den man durchaus nicht als passive Resignation auftassen dürfe. Man fühle, daß man eö mit einem energischen, erfahrungs- rcidjen, vorsichtigen und gleichzeitig kühnen Mamie zu tun habe. Es sei ein Glück für daS Reich, daß an der Spitze seiner auswärtigen Angelegenheiten ein Diplomat von solchem Schlage stehe.
Vie neue vcrwalt»»g ies Memeler Gebietes.
Memel, 21. Sept. lWTD.) Das „Memeler Dampsboat" veröffentlicht eine am 1. 10 in Kraft tretenbc Verordnung über bit neue Gestaltung der Oberverwaltung des Memeler Gebietes, durch die die am 7. 2. nach ber Besetzung erlösten-? Berorduun,? aufgehoben w rd. Unter ber Oberleitung imb Kontrolle des P?äfekten- Kommissars roerben gebi del einLandesdirek- torium, ein Staatsrat und ein Verwaltungsgericht. Tas Sceibcybireftorium besteht au8 6—8 Mv.gliedern, die besoldek w-rden fön- neu. Der Staatsrat ist die beratende Körperschaft, bte ihre Meinung über sämtliche Veni'altuügs- und W r schaftsftagen abgibt, und beü-ely. aus 20 Mitgliedern. Vorfttzender des Staatsrats ist ber Prä- sek>Zivi!kommissar. Das Verwaltungsgericht setzt sich aus 50 Mitgliedern zusammen.
Die Kriegslage im ©Wen.
Köni g sberg i Pr., 21. <5rpt. (Wolff.) Lagebericht: Die bolschewistische Gegenaktion im Abschnitt Kobryn scheint gescheitert zu sein. Die Bolschewisten konzentrieren anscheinend neue Kräfte an der 9? fernen front. Der Frontbericht der Armee Wränget meldet günstigen Ausgang der Kampse bei Alexandron^k.
Paris, 21. Sept. (WB.) Havos. Offizielles bolschewistisches Connmuniaue Jom 20. Sept.: ^Jn der Gegend von Wolkviyst ist ein Kempf im Gange. Im Absch-'iitt von Galizien haben unsere Truppen neue Stellungen bezogen. Am Tnjestr und an der Küste des Schwarzen Mceres feine Aend-erung der Loge. Im Krim- Abschnitt ftndn bei Alexandrowsk Kämpfe mit feiniKüher Kapillerie statt.
Uns Italien.
Rom, 21. Sept. (Wolff.) Bei der 50- jöhrigen Gedenkfeier auf dem Kapitol bereitete die Menge dem König herzliche Kundgebungen. Nachmittags bewegte sich vom Venediger Platz aus ein Zug von Vereinen mit Fahnen und Musik, in dem sich auch Vertreter zahlreicher Stadtbehörden befanden, nach der Porta Pia. Mehr als hunderttausend Personen aller Gesellschaftsklassen mit mehreren hundert Fahnen beteiligten sich an dem Zuge. Die Menge sang patrio tische Lieder und brachte Hochluse auf den König aus, auf das Heer und Italien. Die Fahnen der befreiten Städte wurden von der dichtgedrängten Menge lebhaft begrüßt.
R o m , 21 .Sept. (Wolfs.) Der Zug, der nach der F e i e r auf dem Kapitol zur Porta P i a abbog, machte vor der historischen Bresche Halt. Hier hatten sich der Bürgermeister von Rom, Vertreter dec Provinzgemeinden, ferner u. a. die Bürgermeister von Zara, Metz und Straßburg und die Vertreter aller Armeekorps eingefunden. Der Bürgermeister verlas die mit dem König gewechselten Telegramme und hielt eine von der Menge mit Beifall aufgenommene patinotische Ansprache. Abends waren viele Häuser und öffentliche Gebäude festlich beleuchtet. Patriotische Kundgebungen fanden auf dem Quirinal und auf dem Cobnrna-Platze statt. Aus der Provinz wird ebenfalls von zahlreichen patriotischen Veranstaltungen berichtet. In Se- berga bei Bordighera wurde in Gegenwart der Königin-Mutter das Denkmal des Königs Humbert eingeroeiht.
Der „Freistaat" Fiume.
Mailand, 21. Sept. (Wolff.) Ein Telegramm des „Corriere della Sera" aus Fiume meldet, daß die offizielle Ernen- mmg der provisorischen Regierung irach den Wahlen, wie im Statut der Regentschaft des Duarnero vorgesehen, nunaen statt finden werde. d'Annun zio werde das Ministerium des Aeuheren übernehmen. Er wird den ^itel eines Ersten Rektors führen und die Regentschaft nach außen vertreten.
Kabinettskrists in Wer Türkei.
Konstantinopel, 21. Sept. (WB.) Havas. ro e i Minister des Kabinetts, darunter der Scheich-ül-JSlam, sind zurück- getreten. Der Sturz des ganzen Kabinetts scheint bevorzustehen.
Zur KriRs im Reichrfinanzministerium. jagt die „Germania", daß die Mitteiftmg b*r Blätter, wonach Dr. Dirtü fehl Ent alf ungSgesuch zurückgezogen habe, nicht den Taisachen nilitm'bt. Cs wurde ihr aber aus RcgierungSkivistii bestätigt, datz nach wie vor H'-t'snung bestehe, datz eine Verständigung erzielt n»töe. Eine Zurückzirimng des Rücktrittsgeiuches werbe irestiit- lich abhängig fein von dem Ber auf der 'Iterfeitb* langen, die Minister Wirth geraten und btc Minister Gröber imb Giesberls Rente mit dem Reichspräsidenten gehabt hätten. Ter eigentliche G r u n b für bte Einreidnmg des Rücktrütsgefuches sei in der Gefam tfinan zla ge be6 Reiches zu fliehen. Es werde vor allen Dingen darauf anEommen, für die Gesundung der Finanzen des Reiches ein festes geordnetes FiuanzpvogrvAun aufzustellen.
Gerichtlicher Nachspiel zn den wei evseer Unruhen.
Berlin, 21. Sept. (Wolff) Unter außergewöhnlich starkem Ausgbot von Mmmschasten der Sicherheitspolizei begann vor dem außer» ordentlichen Gericht des Reichswehrgruppenkom- mandos 1 der Prozeß gegen die an den Weißenseer Unruhen Beteiligten. Bei den Unrufen war bekanntlich ein Polfteiwacfemeister erschofjen worden. D'e Anklage ricfjtet sich gegen 21 Personen.
Berlin, 21. Sept. (Wolff.) Tie Verhandlung wegen der Weißenseer Kommunistenunruhen konnten statt um 9 Uhr erst gegen 11 Uhi beginnen, weil der eine ber beiden Beisitzer, ein Sergeant, nickst erschienen war imb durch einen Feldwebel ersetzt werben mußte. Alder Vorsitzende zum Aufruf der Zeugen schreiten wollte, wurde plötzlich einer ber Angeklagten namens General von einem W u t k r a m p f - an fall befallen. Ec wurde von zwei Sicher- heitsbeamt'.m und Mitangeklagten gebändigt imb mußte aus dem Saale getragen werben
Berlin, 21. Sept. (WB)) Im weiteren Verlauft ber Verhandlungen gegm die Weitzen- seer Kommunisten entpunb im Haute eine immer mehr an schwellende Unruhe. Die Urfache der Unrufe war eine Meldung, datz von Bontnui* nistischn: Seite in Weifenfee und im 9torben Berlins P akad' des Inhalts angeklebt tvurben: Ans nach Moabit! Befreit die Brüder aus dem Kertter! Temonslratümszüge mit roten Fahnen und teilweise mit russischen Jnichrissten b- fänden sich überdies auf dem Wege nach Atoabit. Tie Sicherheitspolizei 'säuberte und sperrte den Platz vor dem GerichtSgeböude sofort ab, auf dem sich bereits eine gröfevc Menschenmenge migefam- mclt hatte. Tie Absperrung verlief cst/ne Zwischenfälle. Jnzwiscfen erlwben die Bett ibiger Ciiüoen- bungen gegen die Gesetzmäßigkeit fes Gerichtes. Ter Ank.agevettre:er widersp ach und stellte einen Antrag auf Ausschluß der Oesfentlidckeit, da in der V?rhandlung Tinge besprod;en ivürleii, di? bas Staa'.swohl gefährden ivürde-i. Nack) längerer Beratung erklärte sich bas Geridst für zuständig. Als ber Vorsitzende enblich zur Vernehmung ber Ange- gcklagten schritt, stellte der V?rt-idiger einen Ab- lchinmgsMitvag gegen den Vorsitzenden und drei Beisitzer. Ta ein anders zusammen gefetztes Gericht über die Ablehnungsanträge belinden mutz, wurde die weitere Verhandlung auf 'Mittwoch vertagt.
Kunrrgelmr--seu und Ausschreitungen.
Berlin, 21. Sept. (Wolff.) Tie beifen kommunistischen Parteien und die Arbeitslosen veranstalteten vormittags im Lustgarten eine Kundgebung gegen den Prozeß gegen die Weißenseer Kommunisten vor einem außerordentlichen Gericht des Reichswehrgruppen- kommandos 1 im Kriminalgericht. Sie »erlangen, daß die Verhandlungen vor einem ordentlichen Gericht fiattnnben sollen. Nach den üblichen Rufen mit airsästießenben Hochrufen auf die Internationale zogen starke Massen nach den Gebäuden der „Freiheit" in der s3reiten Straße und des „Vor- roarts" in der Lmbenstraße. Tiefe beiden Blätter hatten die Mehrheitsfozialisten uno die Unabhängigen vor ber Beteiligung an ber Kundgebung im Lustgarten gewarnt Zu schweren Ausschreitungen kam es in Lichtenberg im Betriebe ber Aktiengesellschaft „Knorr-Bremse". Hier drangen die Temonstraaten über bi? Zäune mw nach Sprengung eines eisernen Toves untni Zurückdrängung der Torwache in die Fabrrk- räume ein und zwangen unter Troyungen die Arbeiter zur Stillegung des Betriebes. Die Fabrik mußte geschlossen werden, wird aber morgen ihre Tätigkeit wieder aufnebmen.
Wie ixrxfeeoene Blätter berichten, drangen im Anschluß an die Demonstra iva der .Kommunisten und Erwerbslosen im Lustgarten qeitent nachmittag erwa 250 Arbeits- und Obdachlose in das Asyl für Obdachlose ern und hausten dort wiedie Vandalen. Se zerttümmerten Türen und Fenster und griffen das Personal tätlich an. Hettxigerufenen Sich-rheiis>am'e7i gelang es, bi- Aufruhrer zu vertreiben und mehrere der Rädelsführer fest?unehmen.
Xus 6em besetzten Sedier.
Zeitung, v.rbo.e.
Koblenz, 21. Sept. (Wolff.) DaS „Frankfurter Mitteilungsblatt ist von der Rheinlands komm ission auf die Dauer von 14 Tagen im besetzten &ebiet verboten worden. Das Verbot der „Frank- furterZeitung" wurde um 14 Tage verlängert. *
mc. Koblenz, 21. Sept. Zu einer regelrechten Seeschlacht kam es auf dem Rhein zwischen zwei Schleppzügen der Firma,


