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Nr. 1% Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 2(. August 1920

Line politische Organisation ö.r Veuischen in Nordamerika.

Tie neueste z.veit: Augusmummer der Zeit {(trift des Deutschen Aus l<>-Jn|rit uts,Der Ausländsdeutsche", bringt einen äufzrft interessanten uni) lcsimSiv:rten 23erid*-t, den der bekam,te Tcu sch-Arn ntaiier Pvos. Edmund ton Mach an G. S. VierecksAmerican Montlckv" richtete und in dem er über eine mehr, vöchenl licke Re.se nach größeren Zentren des Teu:schurns in Stadt und O r sckiaf ten des mittleren Wesens unb Ostens schreibt. Tie Eindrücke, di-? er gewann, sind nick't nur für die kündige politische Kon­stellation der Parteien in Amerika selbst wich i-i unö Richtung gebend, sic sind auch für Deutschland non bo't'eni Werte Kurz zusammengcsaßt sagt Mach, ?< niemals der Tiefstand deutschen B>- wußlseins fühlbarer nxir als int Jahre 1914. Gerru e der 23erl/etzungsf Kdzug dec Feinde und die $?a fuitg der Amerikaner vor und nach Kriegs ausbruch brach en eine ivesenl licht Stär Fung des Teutschbewus-,seins, uni) zwar sowohl bei den Teutsck'-Amer t nem criicc als auch namentlich, was Troy un) Zielbewuß.sein ang.'ht, bei den Mömtern ;st>ri.cr und früherer Generationen. 9£lle lokalen und politisckien Eisersüch eleicn nmrbcn rurückgestellt int Tringe narb einer gwßcn poii- tif/en, illumfassenden Orgvni'a im. Alle Gkgcn- sätze,v.r eit nne Dchttee <m b?r! Sonn? verschwinden wenn liefe Organisation unter geeigneter Führer­schaft zu, anbe kommt. Es Lommi alles aus die awßc überragende, selbstlose Führerperson an. Amerika must wieder so werden, wie es zu Zeiten Lincolns trhr, das ist das Ziel. Mgemein ist die Wut auf ,-ie i^hiifcf^n Parteien, di? sich am Ver- leumdungsieldzng beteilig en, heute aber es nicht wahr haben wollen und dm Deutschen wieder woi.l- wollen) auf die Schultern clopsen. Aus reiner Abneigung ü"gen di s? Parteien stimmen uncnilch viele X cutfdje für den sozial irischen Stimmzettel, obgleich sie gar keine Svzialinm find. Aber für eine deutsche Organisation würde ein fach alles stimmen. We Deutschen ver­langen ohne Ausnahme eine Revision des schimpflichen Versailler Vertrages. Ueberall herrscht lebhafte Sympathie für die Ir­länder, zu bereit Befreiung ein neues freies Ame­rika alles tun müsse, u»s es nur könne. Trotz dieser Sympathie Wick man sich nicht blindlings den Iren t,nd ihrer Politik verschreiben, sondern selbstämeg juerbett und bleiben. Durcknocg war man entschieden gegen eine Poli.ik des Zumkriege treibens mit England. Man will Gerechtigkeit und Frieden. Selbst die angloamerikanisch« n Ein­griffe wer. en die deutsche Organisation nicht ive- icntiid) behindern können, da die angbo-amcri- kanische Presse ihre Mack)t der Einschüchterung verloren Hit. Die Mach! der deutschen Organi­sation mnst auf der Teilnahme aller Deutschen beruhen Tie lolalen Wähstnschaft.n müssen Delc gierte entsrntden, deren Gesamtheit die bolitifdx? Ricktung feftlegt. Ein Zentvalausschuß muß die Gründung der Lovolverbände vorbcreiten und vornehmen. Tie zu b'hindelnden Fragen werden Wohl mehr wirtschtf lieber wie politifckier Art sein zur Gründung der Organisation wird ein Fonds von 5000 bis 10 000 Dollars nötig sein.Die Seit ist knapp bemessen. Man sollte sich daher mit aller nur möglichen Tatkraft an die Vor­arbeiten inackien, ohne weiteren Aufschub."

Hoffentlich finden sich die uneigennützigen und überragertjen Führer-Persönlichkeiten die das Tentschium Amerns ivieder zu Selbstmhtung und nsehen zu geleiten vermögen.

2(M6 Stadt tut fr Land.

Gießen, den 21. August 1920.

** Amtliche Personalnachrichten. Am 13. August d. I. wurde der Hauswart bei dem Ministerium der Finanzen Robert Walter zu Darmstadt zum Amtsgehllsen b.i der Staats­schuldenverwaltung ernannt. Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lthrer zu besetzende Schul­stelle an der Volksschule zu Horchheim, Kreis Worms,^und eine mit einem kath. Lehrer zu be­setzende Schulstelle zu Eppertshausen, Kreis Dieburg.

RK. Ter Hessische Landesverein vom Roten Kreuz sandte dieser Tage an den HilfSiussck/uß des Gesangenenl-agers in Avig­non «VanclumseT in dem immer noch etwa 450 deutsche Strafgefangene zurückgelsalten werden, einige tausend Zigarren, meh e. e tausend Ziga­retten sowie einen größeren Geldbetrag. Wie dankbar derartige Spend-en empfunden werden uno Wie sehr sic am Platze sind, beweist der nachfolgende Auszug aus einem Briefe deutscher Gefangener des Gefangenenlagers Avignon, unte.zrichnet Fritz Goldammer, Bickel, Enge, Bechem, Kirmes, in

Blinder Hatz.

Roman von Alfred Sassen.

(Nachdruck verboten.) Fortsetzung 12.

Hermann Hüttich kam nur wenig später als der Schlier bi Rena an, die schon eine ganze Weile vorher nrie angewurzelt stehen geblieben war bei seinem unvermuteten Anblick, lieber den dun­keln Kopf des Bruders hinweg, der sich an ihre Schulter schmiegte, sah sie den jungen Mann aus großen, wie erschrocken und verängstigt blickenden Augen entgegen, während ein flammendes Rot über ihr Gesicht hinschlug.

Sie nahm sich jedoch zusammen, und als er dicht herangekommen war, hatte sie es über sich vermocht, scheinbar ruhig und unbefangen drein- zuschauen.

Rach der Begrüßung und den ersten gehaltenen Worten galt es nun für Hermann, einen Vorwand Su finden, den Schüler vorauszuschicken, in dessen Gegenwart er das, was ihn bewegte, nicht aus­sprechen durfte und wo7lte.

Während er noch nach einem solchen Vorwand suchte, kam ihm der Zufall zu Hilst. Einige anbeie Schüler kamen herbei, die das gleiche Ziel hatten, hatten, und nahmen Max in ihre Mitte.

Hermann verlangsamte jetzt seine Schritte und Ättjang so das junge Mädchen gleichfalls zu einer stilleren Gangart. Als ihm die Kluft, die ihn und sie von dem ungeduldig Vorwärtsstrebenden Schüler- sanvarm trennte, groß genug erschien, sprangen ihm die Morte voa den Tip en ohne Einleitung, Aufenthalt, leise zwar und gedämpst, aber erfüllt und durchtränkt von der innigen, strahlenden

dem es unter anderem heißt:Soeben in Besitz Ihrer wertvollen Spende von 200 Frcmlen ge­langt, beeilen mir uns. Ihnen für Ihre tzock> herzige Unterstützung unseren le.zlicksten Tank zu übersenden. Wir haben 1015 Mami unter uns, die [einerlei Hilfe von den Ihren erhalten und so sehen wir immer die zufriedensten Gesichter, roenn es uns möglich ist, all-en ehr 1-5 zu bieten."

* Vaterländischer Aben d. Die Deu^tschnalionaleVolkspartei wird am Samstag, 4. September, im Hotel Ein­horn anläßlich der 50. Wiederkelir des Ge­denktages der Schlacht bei Sedan einen vaterländischen Abend veranstalten, dessen Reinertrag der Bezirksgruppe heimal- treuer Oberschlesier hier überwiesen werden wird. Näheres wird noch bekanntgegeben.

** Ein Jugend und Mtsnonsfest sindet morgen im Philosophennold statt. Siehe Anzeigenteil.

Landkreis Gießen.

x Wieseck, 20. Aug Sonntag, 22 d. M., abends 8 Uhr, wird im Saale von Braun Professor Schlarb-Petersburg von seinenErlebnissen im bolsckewi iscken Rußland" erzählen.

x Wieseck, 20. Aug. Lehrer Doll wurde zum Rektor ernannt.

Kreis Büdingen.

2L Bergheim, 19. Aug. Auch in unserer Otemetnbe besteht die Absicht, die im Weltkrieg Ge­fallenen durch eine Ehrentafel in der Kirck-c oder einen Gedenkstein auf dem Friedhof zu eh. en. Eine Sammlung für diesen Zioeck ergab bereits 1400 Mark.

Kreis Friedberg.

Drohender Generalstreik in Bad-Nauheim.

Bad-Nauheim, 20. Aug. Zu un­serem gestrigen Bericht können wir heute er­gänzend mitteilen, daß gestern abend sich eine zweite Prote st Versammlung der Ge­werkschaftskartelle Friedberg und Bad-Nan- heim mit der Angelegenheit der ztvei wegen Felddiebstahls und Gebrauchs der Schußwaffe noch in Haft befindlichen Arbeiter aus R ö d- gen befaßte. Eine Kommission, die gestern in Gießen bei der Staatsanwaltschaft war, kehrte ergebnislos zurück. Nach vielen Reden hiesiger und Friedberger Gewerkschaftler wurde beschlossen, am 21. August in den Streik zu treten und den ganzen Bade­betrieb lahm zu legen. Außerdem sol­len die Arbeiter des Kraftwerks Wöl­fe r s h e i in aufgefordert werden, auch diesen Betrieb stillzulegen. Schon in der Versamm­lung wurde auf die Gefahr hinaewiesen, die ein Streik jetzt für unser Bad und damit auch für die Bade- und Hotelangestellten und Ar­beiter im Gefolge haben würde. Aber man Härte nicht auf die nüchternen Einwendungen führender Mehrheitssozialisten, und unab­hängige Redner, die auf die Ereignisse im Osten hinwiesen, wußten schließlich die Mehr­heit der Versammlung für einen Generalstreik zu gewinnen. Tatsache ist der Streik bis zur Stunde noch nicht. Die Staatsarbeiter haben ihn heute mittag mit Stimmenmehrheit ab» gelehnt. Außerdem steht noch die Entschei­dung der Gasthaus- und Hotelangestellten aus, die heute abend in einer Versamnv- lung darüber entschließen werden. Auch aus den Kreisen der Badeindustrie ist für heute abend eine allgemeine Bürgerversamm­lung einberufen, die Stellung gegen den Streik nehmen wird, der unser Bad schwer treffen und die ganze Nachsaison schwer schä­digen würde. .Hossentlich wird in letzter Stunde noch erreicht, daß das gefährliche Mittel unanaewandt bleibt. Sollte der Streik doch Wirklichkeit werden, dann soll er nach dem gestrigen Versammlungsbeschluß der Ge­werkschaftler solange geführt werden, bis die zwei Arbeiter aus Rödgen in der Vorunter­suchung genau so behandelt werden, wie die Marburger Studenten im Thaler Prozeß und die Echzeller und Ockstädter Bauern, die im vergangenen Jahve die Biehkataster ver­brannten.

3rriebberg, 19. Aug. Heute fand in dem Festsääle des Hotel Trapp die diesjährige stark besuchte Mitgliederversammlung der Bezirks- s p a r k a s f eMathildenstist"-Friedberg statt. Aus dem von Dem Direkter Ferd. Damm erstatteten Rechenschaftsbericht entnehmen wir, daß der Rein­gewinn des verflossenen Jahres 58 587 Mk betrug.

Für gemeinnützige Zwecke wurden 12 701 Mk. cmsl>e;al,'lt: an den dem Vereine gehörigen Kriegs- anleib n muß nach den j<e&Iid)e.i Vorschein, n jährlich 1 Proz. äbgeschrieben werden, was bet der Summe von 7 100 000 Mk. die b?trdd)tlidx Summe von 70000 Mk ausmachi. Bet der Et gänzungswahl des Aufsichtsrates nmrbc an Stelle des früheren Bürgermeisters Bau rat Stahl, der jetzige Bürgermeister Dr. Seyd gewählt.

O Aus der nördlichen Wetterau, 19. Aug. Wie alle Ernt.arbeiten in diesem Jahre, so bat auch jetzt die Grumameternte zu einem w se t ich frühe c i Termin begonmn, als ks sonst üblich ist. Trotz des trockenen Vorsommer- gibt es eine gute Mittele nie. In den teudytm Gründen im Wetterte!, denen dec Regen noch zur rechten Zeit kam, ist die Ernte sogar recht gut. Tie Fruchtfelder sind bereite allenthalben geteert, vieliach sind die Stopreläckcr ieban um- gepflügt und mit Rüben und Herbstrutter einge- sät. lieber den Ausfall der Frühtartoffelernle wird allenthalben gchagt. Auch die Spütkar- toficln, denen heute morgen die Frühgeivittcr allerdings noch einen ergiebigen Regen brachitei, dürsten meistenteils nickt so ausfallen nne im Vorjahre. Tagegen ergießt sich ein reifer Spät- obstsegen, vor allem Aepfel und Zwetschm, über die Wetterau.

Ans dem Nmtsverknttdigungsblatt.

** Tas Amtsverkündigungsblatt Nr. 118 vom 20. August enthält: Reglung des Fleischverbrauchs und der Handel mit Schweinen. Aushebung der Berorbirung über Oelfrückste. Schlußprüfung der Aspiranten und Aspirantinnen des Sdjulamte. Die Besoldungen usw. der Volkssckulllehrer. Ecw.rbslosmfünorge. 23 er» minberimg der Arbeitslosigkeit. Hegezeit für ^ldhühncr und Fasanen. Viehseuchen. Tiensttiachrichten.

R e ge lnn g des Fleischverbrauchs und den Handel mit Schweinen. Tie 23erorbnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 31. Dezember 1919 (Reichs-Gesetzbl. 1920, S. 5) wird wie folgt geändert: Unter Aufhebung der Vorschriften über die Reichsfleischkarte wird bestimmt: Für Betriebe, in denen Fleisch und Flcischwaren gewerbsmäßig an Verbvauclier ab» gegeben werden, ist die Führung einer Kunden - liste vorzuschreiben. Jeder Bezugsberechtigte darf sich nur bei einem Fleischverkäujer in die Kunden­liste eintragen lassen. Fleisch und Fleischwaren bürten entgeltlich oder unentgeltlich nur an solche Verbraucher abgegeben und von solchen 23er» brauchrrn bezogen werden, die in die Kundenliste emgetrageit rind. Tie Lanbeszenlralbehörben kön­nen vorschreiben, daß statt der Kundmliste Ge­meindefleischkarten zur Ueberwachung brr Fleisch- abgabe einzufühven sind. Diese Vorschriften gelten nicht für die Abgabe von Fleischspeisen in Gast-, Schank- und Speisewittschaftm, lonrie in Vereins­und Erfrischungsräumcii und Fremdenheimen.

Der Selbstversorger hat anzugeben, innerhalb welcher Zeit er die Fleischvorräte verweirden will. Für diese Zeit kann er für sich und die von ihm beköstigten Personen weder auf Grund der Klmben- lifte noch auf die Gemeindefleifchkarte Fleisch be­ziehen. Der Zeitraum für die Selbstversorgung ist nach einer 2Sochenkopfmenge von 500 Gramm zu berechnen.

Tie Verordnung über Oelfrüchte und daraus gewonnene Erzeugnisse vvm 16. Aug. 1919 (Reicks-Gesetzblatt S. 1439), Artikel I .§ 3 der Verordnung über den Absatz inländischer Futtermittel vom 8. April 1920 (Rrichs-Gefetzbl. S. 496) und Artikel III der 23erorbnung, betr. die Preise für Oelsaaten der Ernte 1920, vom 1. April 1920 (Reichs-Gesetzbl. S. 474) treten außer Kraft.

Hegezeit für Feldhühner und Fasanen. Ans Grund des § 3 der Verordnung, die Ausführung des Jgdsttafg.-setzes bete., vom 29. April 1914, wird der Ausgang der Hühner­jagd auf Montag, den 23. August d. I., in sämt­lichen Kreisen des Landes festgesetzt. Die Hegezeit für Fasanen hat ferne Abkürzung erfahren. Tie Jagd auf Fasanen beginnt daher erst am 16. Sept.

In Treis-Horloff ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Es wirb ein Sperrbezirk gebildet, bestehend aus der Gemarkung Treis-Horloff und ein Beobachtimgs- gebiet, bestehend aus den Gemarkungen Utphe, Inheiden, Steinheim, Langd und Rodheim.

Schweinerotlauf ist in Hungen unter dem Schoein.'bestand des Schreinermeisters Her­mann Schmidt IV. festgestellt worden: ferner unter dem Schweinebestand des Landwirte Faber zu Klein-Linden, Frankfurter Straße 59, des Peter Peter zu Oden hausen und des Heinrich Müller zu Reinhardshain.

Tien st nachrichten des Kreisamts, den Gemeinden Liederbach und Elpenrod ist die aul- und Klauenseuche amtlich fest'

Wärme, die ihn seit dem Zauber, den die Leuchten­burg geübt, hoch über den Alltag emporgehoben.

Rena hatte schon vorher das schwarze Svitzen- tüchlein, das sie über dem Flechtenkrcmz des reichen Haares trug, Nne mit nervösen Fingern tiefer in die Stirn gezogen er konnte, während er sprach, nur einen schmalen Streifen ihrer Wonge sehen. Nun aber wandte sie ihm das Gesicht voll zu und da erschrak er.

Aus ihren Zügen starrte chn etwas an, das ihm den Atem stocken ließ und seine frohe Kampfes- zuversicht niederwerfen wollte, noch ehe sie die Flügel jo recht hatte entfalten können.

Rena antwortete mit einer Stimme, die in der Erregung hart und rmdj tönte:Ich hätte Sie nicht aus reden lassen sollen, hätte baS alles, was Sie mir ba gesagt haben, nicht anhören bürfen es war ein häßliches Unrecht von mir"

Betroffen griff er nach ihrer Hanb, bie sie ihm aber mit einem Ruck entzog.

Sein Gesicht wurde blaß. Mit hörbarer An­strengung sagte er:Seien Sie gut, Rena. Lasten Sie inte wie zwei treue, tapfere Kameraden über alles sprechen. Sehen Sie, Ihre verehrte arme Tante"

Ern herzzerreißender Zug umspielte bi? Lippen bes jungen Mädchens.O, wenn es nur das wäre!"

Diese Worte waren ihr sichtlich wider Willen entt'chlüpft. Sie fügte hastig hinzu: , Nichts mehr ich beschwöre Sie, keine Si.be mefr!"

Nun aber flammten »eine Augen auf sie ein: Rena, reden Sie doch nicht wie rin verängstigtes Kind! Und muten Sie mir doch nicht zu, mich in einer Sache, von der ich Licht und 28ärme für mein ganzes Leben erhoffe, mit schwäch.ichec Halb­heit zu begnügen!"

Sie atmete tief auf. Ja, er hatte recht sie mußte ihm alles sagen.

Und jetzt, dem Unvermeidlichen gegenüber, rang sie sich auch wieder zu der Tapferkeit durch, die sonst einen D.il ihres Meters ausmachte. Ihrem Ton wohnte eine gewisse aefaßte Ruhe inne, als sie sagte:Ich wiederhole, daß ich mir ein schweres Unrecht beimessen muß. Gleich als ich Ilwe Ab­sicht ahnte, hätte ich Sie unterbrechen und Ihnen den wahren Sachverhalt mitteilen müssen. So hören Sie denn jetzt. Mein Ja besitzt bereite ein anderer, und wenn ich hinzufüge, daß es mein Vetter Oskar Borowsky ist, der Sohn meiner blin­den Tante, so erspare ich mit dieser fllitteilung gewiß uns beiden jedes weitere 2Bort."

Nun war es an dem jungen Deutschamerikaenr, alle seine Selbstbeherrschung anzurufen, um dieser niederschmetternden Erösfunng gegenüber einiger­maßen Haltung zu bewahren.

Tas also ivar's das stand zwischen ihnen! Sie war bie Braut eines anderen.

Aber ber Schlag hielt ihn tair in einer kurzen Betäubung. Er, der ein deutscher Schulmeister werden wollte, war pa doch ht Amerika geboren und erzogen, und di ries Land gibt feiren Kindern vor allem ein prak isches öeirijent mi: aus bet Lebensweg: jeder Loge, so beryveiic'it sie auch aussehen, so entmutigend sie sich auch Vorbringen mag, doch eine S ite abzugewinnen, bie nicht alte Hoffnung ausschließt!

Wie mir beim dis, hotte ihm Lehrer Rems- dort damals nicht erzLh.st, der Sohn d?r Bliitden fei lungenkrank? Und hat e nicht auch Mar 20c- de back, als er ihn neu tri am Gymnasium er­warte., ge,p ächswcise erwähnt, 23etter Oskar fei nach bem berühmten Kurort für Brustleiöende,

gestellt worden. Tie Gemeinden AlSseld, Romrod, ätizbenborf, Nirircr-otemünden, Nieder Ob men. Kirschganen und Hainback wurden zu Beobad»- tungsgebiet.m erklärt. In der G»'meinde Lützel- Iinben ist die Maul- imb Kl au.mseuch: a usge» brochrn. - Ter Vertrieb der Lose 1. Klasse bei 17. Preußisch ^üddeutfch.n 213. Preußisch.m) Klastenlottcric beg.nnt am 2 Dezember 1920 uu> die Ziehung 1. Klass' dieser Lotterie wirb am 11. mtd 12. Januar 1921 stattjtnben. Tas Mini­sterium des Innern hat ber Laitdesstelle Dct Kriegsbeschäbigten- und Aaj.'gshinterb.icbenen- Für orge Landesiürsorg'stel'e in München bte Er­laubnis erteilt, 15 000 Losbriefe ber 2. Reihe Der ihr zur Schaffung und Erlia hing von Erholmtgs» imb Otenesungsh.imen für Kriegsbeschädigte und Kriegshintcrb.ibenc genehmigten Gfetblolteri* ittnerlialb des Freistaates Hessen zu vertreiben.

Vie Bewirtschaftung der Lebensmittel.

m. Altenkirchen, 20. Aug Tie Land- wirte arte dem Kreise Mam.ivdien haben, obwohl ber Höchstpreis für Katto.f l.i aul 20 Mk. Ieft- gesetzt ist, beschlolien, den Zenmer für 20 Mark zu liefern.

LZttgesan-e.

(Für Form und Iiilsalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei 23crantivoitnng.)

Tie Artikel, die in letzter $cit imGießen« Anzeigeri" über Kciegergedäckstntsanlagen zu lesen waren, sind sicher zu b.-grüßen, und manch guter Wink dürfte den Ratlosen gegeben sein. Mein Hauptzweck soll nun sein, im Interesse unseres ol<rhe|si, ch.n Handwerks und Kun st Hand­werks einiges dazu zu sagen, um zunächst den­jenigen Kreisen, denen so sehr die Förderung der Heimatkunst am Herzen liegt, einen Fingerzeig zu geben. Der Kunstrat in Helsen, der bei der Jdeen- gewinnung mitwirken soll, möge auch an bie Künstler und Kunsthandwerker in Oberhessen den­ken und dafür sorgen, daß nidjt in b.'it meisten Fällen die Aufträge nach auswärts gehen, wie man das schon öfter lesen konnte. Man bemüht sich gar nicht, diese abs its Stehenden aufzu'uchcn, um ihnen die Möglichkeit der Mitarbeit ^u geben. So­dann wirb angeführt, man solle nicht zu große Eile haben unb den Künstlern Zeit und Muße lassen. Das ist an und für sich nickst falsch, aber das rührige Angebot mit qualitätsloser Fabrik­ware überflutet das flach? Land, unb bis ber Künstler endlich soweit ist, sitzen die meisten Ehren­male an Ort unb Stelle unb läck'ln den allzu langsamen Musensohn lieblich an. Run ist es im allgemeinen schwer, gegen biete Marktware an* zukämpfen, denn speziell auf bent Lande ist man sihon jahrzehntelang an bie übliche Aufmachung gewöhnt unb bie meisten Auftraggeber fiitb mit ber gelieferten Ware völlig einverstanden. In solchen Fällen sind ^Beratungen einflußreicher Per­sönlichkeiten s hr am P atze. Wir haben eine Reihe tüchtiger Meister in Obriihessen, denken wir doch nur an die Ausstellung 1914, die befähigt sind. Brauchbares zri schaffen, sei in Stein, Hol-, Metall, Ton ober sonstiger Bearbeitung. Die Werke, bie entstehen, sollen fernen Geschlechtern erzähleii, was wir für unsere Toten übrig hatten und was bie Meister unserer Zeit hienür ga schaffen imstande waren. W. W.

rttrchleche Nacheichten.

Evangelische Gemrinde.

Sonntag, den 22. August, 12. nach Trinitatis.

Stadtkirche. Vvrrn. 8 Uhr: Siehe Jo­hann essirche. Vorrn. 9Vs Uhr: Mavrer 20ecker.

Johanneskirche. 23vrrn. 8 Uhr, zugl. Christenlehre für die NeuVonsirrnierten aus ber Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. 23orrn. 9'/. Uhr: Pfarrassistent Ramge. Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Io Hannessaal: Ps. Ausfeld. Am 29. August beginnt wieder bie Kinderkirch: für die Markus- und Johannes gemeinde, am 5. September die für die Matthaus unb Lukas- gemrinde. Kirchberg: vorrn 10 Ul/r 11 Uhr: Chnjtenle'hre für die weiblich? Jugend. Nachn. 2 Uhr: Iahresfest des Zivrigvereins der Gustav- 9teolfftiftutig im Tekanaie Messen. Wllckte. Wieseck: Vorrn. 9'/. Uhr. Nachrn. 3 Uhr: Kin- derkirche <2Laldgang^

Slo holische Gemeinde.

Samstag, 21. Aug., nachm. 5 und abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Seid)'. Sonntag, den 22. Aug. 13. Sonntag nach Pfingsten. Vvrm. 6V2 Uhr: Gelegenlcht zur l)l. Beicht. 7 Uhr: Hl. Messe 8 Uhr: Austeilung der hl. Kornrnu- nwn. 9 Uhr: .Hock>im mitt Predigt. 11 Uhr: Hl. Messe mit PrriKgt. Nachm. 2 Uhr: Andacht. 3 Uhr' Versammlung der Iüngling^-Konareg. Tiasvora-Got.cs ienst am 22. Aug : In Grünberg 9x/2 Uhr. In Hungen 8 Uhr. In Lieh 10 Uhr.

nach Davos in der Schweiz, abgerefft? Ja, ja, er entsann sich nun genau beider Mitteilungen.

An einen Krauten war also das schöne Mäd­chen gef- ttet sie, die ba vor ihm stand in prangendem Jugendreiz, in schveltender Kraft! An einen Kranken, den sie nicht einmal lieble das fühlte er in dieser Stunde mit beglückender Gewalt! dem sie wohl nur aus Mitleid ihre Zusage gegeben!

Er müß e vollkommene Klarheit haben.

Schon wollte er spveck-en, mit allerhand Fragen unb Beschwörungen aus 'Rena einbringen aber in demselben Augenb'ick fühlte er sich durch ihren Anblick zum Schweigen entwaffnet.

Sie h te inn. gehalten im Schreiten, stand ihm voll zugewandt. Hoch und schlank sah er sie vor sich, die ganze Erscheinung ü 6er gaff en von einem unsäglich rührenden Hauch tapferer stiller Entsagung. Die (Seriengröfte, die aus ihren bleichen Zügen sprach, gebot dem Sturm in seiner Brust, mit bem er sie- hatte überfallen unb be­siegen wollen, Einhalt.

Mit ge'estigtcm Ernst sprach sie:Ich denke, es durfte jetzt wo^ cm der Zeit sein, daß wir uns Lebewohl sagen."

Er suchte durch die sch.rinbare Ruhe ihres Blickes in die Tirie ihrer Seele fcu bringen.Lebe­wohl," wiederholte er mechanisch,ja aber natürlich nickst für immer?"

Es wird wohl so sein müssen."

Ein Zucken ging durch feine Gestalt.Rena,^ stieß er hervor,d-as farm nicht Ihr Ernst fern.

(Fortsetzung folgt.)