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Aufhebung des Achtstundentags j in Frankreich?

Paris, 20. Juni. 'Wolff.) Nach einer Mel­dung desPopulaire" stellten 85 Deputierte in dec Kammer den Antrag, den Achtstundentag zeit­weise außer Ära ft z u setzen, um bic Pro­duktion in Frankreich zu erhöhen.

Aus dem Ueiche.

Aus dem preußischen Verfassungsausschuß.

Berlin, 19. Juni. (Wolff.) Im Ver-i fassungsausschuß der preußischen Landesvec- sammlung wurde der Staatspräsident als solcher und die erste Kammer gegen die Stimmen der Rechtsparteien abgelehnt. Angenommen wurde der Staatspräsident, der gleichzeitig Präsident des Staatsrats sein soll, ebenso wurde an Stelle des Finanzrats ein Staatsrat gesetzt. Eine Zusammensetzung des Staatsrats aus Berufsständen oder Vertre­tern der Behörden wurde abgelehnt, angenom­men wurde seine Zusammensetzung durch direkte Wahlen von Provinzialvectretern.

Die Aartoffelversorgung.

Berlin, 19. Juni. (Wolff.) Nach bei der Reichskartoffelstelle vorliegenden Nachrich­ten sind die Bedarfsstellen fast ausnahmslos' mit Kartoffeln aus der alten Ernte bis zum Eintritt der deutschen Frühkartosfel- ernte versorgt. Ferner ist bei dem WeiteraN-i halten des augenblicklich günstigen Wetters mit dem zeitigen Eintritt der deut­schen Frühkartoffelernte zu rechnen. T)as Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft entschloß sich daher, von einem zentralisierten Ankauf von Frühkartoffeln in Holland Abstand zu nehmen und die Ein­fuhr von Frühkartoffeln aus Holland den übrigen angrenzenden westlichen Ländern frei- zugebcn. Da voraussichtlich von Mitte Juli ab deutsche Frühkartoffeln in ausreichendem Um­fang für die Versorgung der Bedarfsstellen zur Verfügung stehen, ist jedoch zunächst die Einfuhr bis 20. Juli befristet mit der Maß­gabe, daß nach diesem Zeitpunkt Wagen nicht mehr über die Grenze gelassen werden. Jeder Händler, der beabsichtigt, Frühkartoffeln aus Holland oder den übrigen westlichen Ländern einzuführen, hat einen Antrag an die Reichs- kartosfelstelle zu richten. Gleichzeitig wird die Frist über die Einfuhr italienischer und spani­scher Kartoffeln, die bisher mit dem 30. Juni ablief, ebenfalls bis 20. Juli verlängert.

Berlin, 18. Juni. DerReichsanzei- aer" veröffentlicht eine Verordnung, die den Erzeugerpreis für Frühkartoffeln für die Zeit vom 1. Juli b i s zum 14. Sep­tember auf 640 Mark für die Tonne fest­setzt Die Landes.zentralbehörden können für bestimmte Bezirke diesen Preis für den Mo­nat Juli auf 700 Mark erhöhen und für die spätere Zeit wieder herabsetzen.

Bayern gegen die Erhöhung der Viehpreise.

München, 17. Juni. Der landwirt­schaftliche Bezirksverband Laufen, der ausschließlich aus Erzeugern (Bauern) besteht, spricht, wie dieMünchen-Augsburger Abendztg." mitteilt, in einem Beschluß vom 11. Ium sein Be­dauern über die neue Erhöhung der Höch st preise für Schlachtvieh aus. Eine solche Preiserhöhung gehe! viel zu weit, fei auch von der Landwirtschaft nicht verlangt worden und be­deute eine unerhörte Belastung der Verbraucher. Eine derart maßlose Verteuerung notwendiger Lebensmittel bedrohe aufs schwerste den inneren Frieden. Die Preispolitik der Berliner Reichs­regierung sei, wirtschaftlich betrachtet, in ihrer Zerfahrenheit unbegreiflich. Nachdem die beabsich­tigte Verdoppelung des Viehpreises von 280 auf 550 Mark nicht durchgesetzt werden konnte, erfolgte nunmehr nach einigen Wochen wieder eine Er­höhung auf 420 Mark, und das in der Zeit der Grünfütterung und beginnender Verbilligung aus­ländischer Futtermittel. Der Bezirkszwcckverband wendet sich namens der Bauernschaft aller Rich­tungen des Bezirks an die bayerische Staatsregic- rung mit der bringenden Aufforderung, nicht bloß im Interesse der Verbraucher, sondern auch im wohlverstandenen Interesse der Landwirtschaft selbst gegenüber den gerügten Mißständen sofort Abhilfe zu schäften.

Bayrische Milchpreise.

Frankfurt a. M., 19. Juni. Tie Frtf. Ztg. schreibt: Wie aus einem Dhärchenlandc kommt aus Bayern die Nachricht daß sich das Landwirt- schastsmimsterium nach svngfältigien Erwägungen entschlossen 'bat einen Milchpreis von 1 Mk. das Stier zu gestatten. ...» ..

Wuchergerichte gegen die Obstverteuerer.

Köln, 18. Juni. Mit Rücksicht auf die Ivhen Preise für Obst erläßt der Oberbürgermeister und btc Staatsanwaltschaft einen öffentlichen Auf- Qrf, in dem darauf hingewiescn wird, daß die Erzeuger und Händler, die die hohen Preise ver­langen sich der Preistreiberei schuldig machen. Äußerem setzen sie sich der Gefahr sofortiger Festnahme und Vorführung vor das Wucher- richt sowie Beschlaguäöme ihrer Waren aus. .m der Warnung heißt es, daß sich weiter Volks- fchichlen ctn Entrüstungssturm bemächtigt habe über tee ungeheuren Preise, zumal da gerade in diesem

-^tic Obsternte außerordentlich gut ausge-

Schulkiirderstreik.

Herne, 19. Juni. (Wolff.) Von 8000 Äutöcrn der hiesigen katholischen Volksschulen befinden sich seit dem 1. Juni 7500 im Streik. ~e.T Dörner Zentral-Elternausschuß verlangt die anderweitige Verwendung von vier Leh- rern, die nicht auf dem Boden der k a t b o l i- s ch e n Weltanschauung stehen.

Q -J? 6 Aum (Wolff.) Nach längerem

Leiden^entschlref ter langiährigc frühere Reick)stags Abgeordnete Prinz Heinrich zu Schönaich. Taro l a t h im Alter von ackchmbfechzig Jahren Die Beisetzung rintet in Amtitz bei Guben stm»

Düsseldorf, 19 Ium. WTB > Nach 19lägiger ^auer ist der Aufstand der G a st h a u s a n g c ste l l t1 u zu sa m m nie* b r o d) cn . Eine Bersammiuu . ter Ängem-llten nahm die Bedingungen bei Unteressengenuu di"; füt das gesamte Düsseldorfer Äaftwri -'gewerte n

Au- Stadt unS Land.

Gießen, den 21. Juni 1920.

Der letzte Kampf um deutsche Erde, deutsches Land

tobt jetzt im Osten und Westen unseres Vaterlandes gegen fremde Anmaßung und fremde Eroberungs­gelüste. Deutsch bicibcn und die Heimat dem Deutschen Reich erhalten, heißt die Parole in den Abstimmungsgebieten, für die heiß und erbittert gestritten wird.

Groß sind die Opfer dieses Kampfes, groß bic Zahl der Flüchtlinge aus Elsaß, Ostpreußen, West­preußen, Posen, beten Not gelindert werden muß Helft uns diesen, und helft unserem letzten ver­zweifelten Ringen um deutsche Erde, deutsches Vaterland.

Zeichnet Grenzspende!

Annahmestelle: Jede Bank und Zeitung.

Tie Arbeitsgemeinschaft Gie­ßen zur Unterstützung des deutschen Schutzbundes für die Grenz- und Auslands- deutschen schreibt: ,,Wie verlautet, beabsichtigte die Polen ihre Werbetätigkeit in Ostpreußen em- Huschränlen und dafür eine erhöhte Propaganda in Oberschlesten zu betreiben. Sie scheinen einzu- sthen, wie wenig Erfolg sie damit in Ostpreußen gehabt haben und daß sie eher eine polenfeind- liche als eine polenfreundliche Stimmung erregt haben. In Oberschlesien wünschen unr ihnen den­selben Erfolg."

Nathans und alte Klinik.

Mr erhalten folgende Zuschrift:

In der gestrigen Nummer desGießener An­zeigers" tourte öffentlich angeregt, es möge ein­mal die Rathaus- und Alte-Klinik-Frage in einer allgemeinen Bürgerversammlung besprochm tver- ben. Hierzu darf bemerkt werten, daß der Vor­stand des Bürgervereins in Gemeinschaft mit Ver­tretern anterer Körperschaften bereits am Donners­tag, 17. Juni. besä)lossen hat, auf den 1. Juli eine allgemeine öffentliche Bürgerver­sammlung einzuberufen. In dieser soll neben anderen sehr wichtigen bürgerlichen Angelegen­heiten auch die Rathaus- und Alte-Klinik- Frage zur Besprechung gestellt werden. Diese Frage ist, wie ter Einsender des gestrigen Artikels richtig bemerkt, so heikel gewvrom, daß sich mancher Stadtverordnete vor der Verantwortung scheut, die er durch seine Absttmmung auf sich nimmt ehe er sich auch über die Stimmung anderer Kreise unserer Einwohnerschaft klar ist. Daher dürfte diese temnächstige Vürgerversammlung manchem eine willkommene Gelegenheit fein, seine Mei­nung zu äußern, ater auch diejenige anderer zu hören. Näheres über Ort und Zeit ter Ver­sammlung erscheint in einer der nächsten Nummern desGießener Anzeiger".

Das Fleisch von Maul- und Klauenseuche erkrankten Tiere«.

Von Geh. Medizinalrat Pvof. Tr. Olt er» 'halten wir nachstehende Zuschrift:

Gegenwärtig macht ein auftetzener regender Warnungsruf terPirmasenser Zeitung, lvonach durch den Genuß des Fleisches von maul- und fknienfeutbefrarifert Tieren die schwersten Kvawtz- 'beiten entstehen könnten, die Runte durch die Blätter. Diese irrige Ansicht darf aus triftigen Gründen nicht ohne Entgegnung hingenommen werden.

Von jeher ist das Fleisch fraglicher Herkunft ohne Störung der Gesundheit genossen worden. Es ist frei von den Erregern ter Maul- und, Klauenseuche von solchem gesunder Tiere nicht zu unterscheiden und auch züm Einwecken geeignet. Die Behandlung des Kopfes und ter Füße, welche Träger ter Krankheitskeime sind, ist gesetzlich ge­regelt. Kommen Keime zufällig mit ter Ober­fläche des Fleisches in Berührung, dann gehen sie alsbald zugrunde, daher tarn das Fleisch in den Verkehr gegeben werden.

Tie Maul- und .Klauenseuche tritt jetzt in einer seit Menschen gedenken nicht Rhenen Heftig­keit auf. In manchen Gehöften erliegen 60 bis 100 Pwz. durch plötzliche schlagähnliche Herzlä'h- nrung der Krankheit; besonders sind die gutgenähr-- ten Tiere geUhrtet. Aus wirtschaftlichen Grünten' ist ba'ter in vielen Fällen die Schlachtung z. B. aller gemästeter Ochsen und solcher Rinder ge­boten, die Ur die Nachzucht nid# -in Frage klommen.

In Württemberg, wo sich der Schaden ter Seuche bereits auf viele Millionen beziffert, ist von Schlachtungen in letzter Zeit reichlich Ge­brauch gemacht und ein diesbezüglicher Regie­rungserlaß hevausyogeben Worten, welcher den wirtschaftlichen Fragen ter Zeit gerecht wird.

Der Obfiwucher.

Unter dieser Stichmarke schreibt dieFrkf. Ztg.": Nicht mehr vonhohen Obstpreisen" soll man sprechen, fontern das mißratene Kind beim richtigen 9tamen nennen: Obstwucher! Tie Kir­schenernte ist reicher als je, das Pfund Kir­schen kostet aber bei uns im Klein Hantel 3,50 Mk., ein Preis, ten der Turchschnittsbürger nicht zahlen kann und soll. Man muß also auf diesen Obst­genuß verzichten. Aehnlich liegen die Verhältnisse auf dem Erdbeermarkt .wo Psundpreise von 5 und 6 Mk verlangt werden. S) ist es bei uns in Frankfurt, und anderwärts wird gleichfalls in miet härter Weise gewuchert, wenn auch in ten eigentlichen Obstgegenden die 'Preise niedriger sind. £x> vernehmen wir aus Stuttgart, daß terrt die Großhandelspreise für Kirschen, Richtpreise 80 Pf. bis 1 Mk. betragen, die Kleinhoäitelsprcise 1,10 bis 1,30 Mk., während stosort bei Markt- begimi Händler und Hausfrauen sich auf die Ware stürzten und sie auf 1,501,80 Mk. trirten. Und aus Schlesien wird terickstet, daß infolge brr hohen Pachtpreise eine Obstnutzung, die in ten letzten Jahren für 1000 bis 1200 Mk. verpachtet war, erzielte heuer 35 000 Mk. ..der Zentner Kirschen nicht unter 100 Mk. im Gvoschrntel zu haben sein wird". Tas sind für jene Gebiete Rekordpreise. Wir aber irören froh, wenn wir sie hätten, da .vir das Doppelte und Dreifache zu zahlen haben. Als Abwehrmittel wird ter Konsumenten streik emp­föhlen. Ta mit hat man aber bis jetzt keine guten Erfahrungen gemacht: die Grünte hierfür sind bekannt. Auch sucht man die städtischen Behörden zum Einschreiten zu veranlassen, nachdem die schal- litten twllkommen versagt haben. Tas geschaht jetzt auch in Frankfurt. Ern Stadtverordneter fragt den Magistrat an, welche Maßnahmen er treffen will, um ten unerhört hohen Obstprrisen zu be­gegnen und ter Frankfurter Hausfoauenverein verlangt von ter Diadtvevortmeten-Versammlmüg YLbtiilk gegen die ungerechtfertigte Virteluninva die das Ein machen ter Früchte zur Unmöglichkeit I wache, -ten ^uädlischeu Behörden wird da Schweres I erinnern, uns, daß in früheren

I x/iteen tee stabt icfbft taufte und verkaufte und

damit eüte Preissenkung erwirkte. Es ist, aber nicht bekannt gQvorten. wie die Stadt hierbei finanziell abgeschnitten hat Es sck-eint aus- geschbossen, daß sie angesichts ter heutigen Finanz­lage hier erhebliche Zuschüsse leisten darf. Jeden­falls aber foltte man, wenn das Risiko nicht zu groß ist, ten Versuch machen. Inzwischen wird aus Würzburg von einem Akt ter Selbsthilfe berichtet. Tas Verkehrspersonal ter Eisen­bahnen hielt dort eine Versammlung ab und faßte ten Beschluß, vom 18. Juni ab Annahme und Transport der Kirschen, überhaupt des Obstes zu ueripeigern,bis die Preise zwischen Erzeugern'und Konsumenten von Fall zu Fall im Benehmen mit ten Vertretern des Verteyrsperstmals festgelegt find." Wenngleich diese Art ter Preisregulierung, die wegen ter grundsätzlichen Bedenken, die sich gegen Elchen Eingriff erheben, nicht gebilligt wer­ten kann, so zeigt ter Beschluß doch, wie weit die Mißstimmung verbreitet ist, die die unge- temmte Ausbeutung ter Verbraucher überall hcr- vorruft.

Veranstaltungen.

Montag, 21. Juni: Hotel Einhorn, 8Vr Uhr, Gastspiel Paul Buchwald (Programmwechsels. Lichtspielhaus wie gestern. Lichtspiele, Sel­tersweg,Das Kloster von Sendomir" undDer gleitende Schatten".

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LU. Landes-Universität Gießen. Der ortenUiche Professor für Mineralogie und Geo­logie Dr. Erich Kaiser hat einen Ruf an die Universität München als Professor ter Geologri erhalten. Der ortenUiche Prof'ssor für Altes Testament Dr. Hermann Gunkel hat ten an ihn ergangenen Ruf an die Universität Hallt an­genommen.

** Endlich Regen. Am Samstag glaubten wir den R e $ e n, auf den wir schon seit etwa fünf Wochen fehnlichst warten, enteich zu erhalten. Aber vergebens. Das Getvitter zog nördlich der Stadt vorbei, wir bekamen nur einige Spritzer. Auck in ten Orten südlich der Stadt regnete es kaum, dagegen haben schon Krofdorf, Lollar, das Lumdatal mehr Regen erhalten. Auch am Sonntag löste sich die lastende Gewitterschwüle noch nicht in befruchtenden Regen aus. Seit heute früh endlich rieselt ein richtiger Landregen, wenn auch mit kleineren Unterbrechungen. Hoffentlich dauert dieser Regen einige Tage an, denn selbst mit einem mehrstündigen Regen ist dem ausgedorrten Lande nicht allzuviel gedient. Dringend nötig ist das Pflanzen der Runkeln und der Gemüsepflanzen aber ohne Regen geht's nicht. Auch am Obst macht sich die anhaltende Dürre bereits bemerkbar; un­reife Aepsel und Zwetschen liegen in großer Zahl unter den Bäumen. Die Kartoftelstcätuch'r hängen welk und müde die Köpfe. Zum Teil war es ten keimenden Kartoffeln noch nicht möglich, die Harri Schollendecke zu durchstoßen. Die meisten Kar­toffelfelder zeigen große Lücken; auch.hier stecken viele Pflanzen noch unter ter Erde. Mit Rücksicht auf die schon aufgegangenen Sträucher kann man der Schollenkruste auch nicht mit Egge und Hacke beikommen. In den höher gelegenen Fluren sieht besonders die Sommerfrucht ärmlich aus, Hafer und Gerste sind mitunter nur handlang und treiben schm Rispen bzw. Aehren. Die Kleeäcker sind braun gebrannt, ter Boden ist hart und rissig. Als Folge der allgemeinen Futternot geht die Milchproduktion bereits zurück.

** Tie Oberhessische Volkszeitung hält es für angebracht, gegen uns in den ihr eigenen Höflichkeitsformen nochmals ten Borwurf ter Unwahrheit in ter Behauptung zu erheben, ter Oberbürgermeister habe sie wiederholt über die Schweigepflicht aufklären müssen. Wir halten unsere Behauptung entschieden1 aufrecht, müssen aber eine nähere Aufklärung ter Sachlage bis zur Rückkehr des Oberbürgermeisters aus seinem Erholungsurlaub zurückstellen.

** Rudvlf Presber-Abend. Wie schon geleMntlich an-gezeigt Worten ist, ist es ter Leitung ter Literarisck-en Gesellschaft gelungen, einen ter liebenswürdigsten und gewandtesten Autoren ter Gegemvart Rudolf "Prester zu einem Vor­tragsabend nach Gießen zu gewinnen. Witz, Laune Humor, Schalkheit, das sind die Waffen, mit denen er sich überall in ten überfüllten und aus­verkauften Vortragssälen die Herzen seiner Zu- 'ftörer erobert. Rudolf Prester, ter lachende Phi-' losoph und Lebensbeiaher, weiß, was ten Men­schen gut tut das Lachen (siehe "heurige Anzeige).

** Neue Titel. Das Finanzministerium gibt bekannt, daß beim Sekretariat und ter Buch­haltung mehrere Sekretärstellen und außerdem mehrere Hauptstaatskassebureau-Jn- spektor ft eilen ziu besetzen sind.

** Diebstahl. Hier wurde eine auswärtig: Frauensperson durch die Krim.-Polizei feftgmom- men, welche einem Hkrrn in Wetzlar, bei dem si>» bedienstet war, 1500Markentwenb'. t hatte. Mit Hilfe eines hiesigen Fahrradhändrirs nah­men Krim.-Beamte einen Fahrrabbi', b in dem Augenblick fest, als er das Rad verkaufen wollte. Am Samstag wurde ein hier in ter Markt- straße ausgestelltes Fahrrad (MarkeW'il- Torpedo", Farbr.-Nr. 157 397) entwendet. Es hat schwarzen Rahmenbau, gelbe Fe!gm mit schwarzen Strichen, an der rechten Pedal' fehlt die äuAm Mutter. Bor Ankauf wird gewarnt.

** Leichenländung. Am Samstag nach­mittag 5,30 Uhr wurde hier am Bootshaus Ruder­sport die Leicte eines alten Mannes von außer­halb geländet.

** L i g a zum Schutze der deutschen Kultur. In der letzten Zeit wurden neue Orts­gruppen gegründet in Gambach, Mitnzenterg (Kreis Friedberg), Lollar > Kreis Gießen) und Schotten.

** Keine Einstellung Deutscher in d ie japanis che Marine. Der japanische Ge­schäftsträger bittet uns, mitzuteilen, daß die immer noch nicht verstummenden Gerüchte, wonach für Deutsche die Möglichkeit beftelst, offiiicH oder auf unteren Wegen rn die japanische Armee oder Ma­rine e i n g e ft e 111 werden, jeder verläßlichen Grundlage entbehren. Die hiesige diploma­tische Mission pflegt afle derartig en Gesuche ent­schieden ablehnend zu beantworten.

** Wiener Kinder passierten am Sams­tag wieder die Umgehnngsbahn auf ter Fahrt nach Holland, wo sie den Sommer über zur Erholung Weiten.

** B e i der städt. Obst- und Gemüse­stelle, Marktlauben, forftmt morgen an Frisch­gemüse Weißkraut, Schotenerbsen, Spargel und Kirschen zum Verkauf. Ferner noch grüne Erbsen und Bohnen.

** Der Frauenbund der deutschen Kolonialgesellschaft (Abteilimg Gießen Veranstalter Mittwoch ten 23 Juni 1920, abends 81,, Uhr, tm Saale desfcotri Groß Herzog von Hessen" erneu Vortrag von Frau El< Trötenrus, GeneralsekretLrin, Berlin, überArbeiten mid Aus­

gaben des Frauenbundes ter deutschen Kolonial», gesellschaft".

** Der Obst- und Gartenbauverein Gießen veranstaltet am Mittwoch ten 23. Juni, abends 8 Uhr, imPfälzer Hof", Schanzenstr. 2 eine außerordentliche Hauptversammlung.

** De r Tierschutz verein Gießen lädt seine Mitglieder zu ter am 24. Juni, abends 8/2 Uhr, in ter Wirtschaft Zum Aquarium statt- findenten Hauptversammlung ein.

Landkreis Gießen.

= Lich, 18. Juni. Tie Heuernte in ten weiten Gründen des Wettertals ist fast be­endet, nur wenige Nachzügler sind auf bemvberen Grund noch beschäftigt. So rasch und so früh war man hier mit dem Heu machen noch -selten fertig. Wenn das heute möglich ist, sv war einmal das gute Wetter daran schuld, dann ater auch die nun durchgeführte FeldterciniPing, die es jedem Wiesentesitzer ermöglicht, auf lein Grundstück zu gehen, wenn er will während früher die meisten Wiesen ohne Zuftchrwcge toaren und von ter Stadt erst nacheinander ,-aufgetan" wetten mußten. War dann irgend einer ter alten Stad wat er noch mit anderen Feldarbeiten beschäftigt, sv tarnte es geschehen, daß dasAustun" ter einzelnesi Grünte sehr in die LTnge gezogen wurde und die Besitzer auf dem oberen Grund beim schönsten Heuwetter unfreiwillig zu Hause bleiten mußten, um ^nachher bei Regen und manchmal sogar Hoch­wasser sich mit den, Heumachen ateuplagen. Ter Segen, den die Feldbereinigung gebracht, wird da- ter heute von jedermann geschätzt. Der Quantität nach stützt die diesjährige .Heuernte ter vorjäh­rigen nicht nächster Qualttät nach übertrifft sie sie sogar noch. Soweit hier Heugras zur Ver­steigerung getan men ist, wurden teilweise noch beträchtlich höhere Preise als im Vorjahre er­zielt. Sogar Feldwege und Okabarränter wurden teuer bezahlt. Für ten Ansatz des Grummeri grases wäre ein baldiger Regen notwendig.

Kreis Friedberg.

Blitzschlag in eine Schafherde!

4 Bad-Nauheim, 19. Juni. Die Ge­witter, die heute zwischen 12 und 2 Uhr mittags über unsere Gegend nictergingen, brachten nur wenig Stegen; nur aus ter Butzbacher Gegend, besonders von Ostheim, wird stärkerer Meterschlag gemeldet. Trotzdem die Wetter nicht besonders heftia waren, im Gegenteil als leichte Gewitter angesehen werten mußten, schlug ter Blitz im benachbarten Ober-Mörlen cm und richtete großen Schaden an. Vor dem Dorfeingang liegt dort um die Mittagszeit immer die etwa 300 Stück zählende Schafherde im Schatten eines großen Nußbaumes, auch heute wieder, als die Gewitter faipen.. Der Blitz schlug in ten Baum, fuhr die eine Seite entlang und erschlug sämt­liche auf dieser Seite liegenden Tiere, zusammen 81 Stück, von denen viele auf ter Stelle tot waren, die andern nur noch ganz schwache Lebens­zeichen von sich gaben. Sämtliche Metzger des 3000 Einwohner zählenden Ortes waren sofort zur Stelle imd schlachteten die 81 Schafe ab. Nach erfolgter tierärztlick>er Untersuchung wurde ein Teil des Fleisches dem Kommunal verband zur Ver­fügung gestellt, ein Teil verblieb ten Schaftes)tzern und wurde ihnen für die Fleischversorguni angc rechnet. Von Friedberg und Bad-Nauheim strömten im Lause tes Nachmittags zahlreiche Leute nach Ober-Mörlen, um sich von dem ten Bauern frei- gegebenen Fleisch zu kaufen. Für das Pfund tour­ten 812 Mk. im freien Verkauf bezahlt. Ob­wohl die Schafe erst kürzlich geschoren worden sind, ist für einige Besitzer, die zufällig ihre ge­samten Tiere verloren, ter Schaden recht betracht lich. Dem Gemeindeschäfer, ter sich in einiger Entfernung von der Herde befand, ist nichts geschehen, während ein anderer Mann, der unter dem Nußbaum Zuflucht gesucht, einigen Schaden davon trug; der elektrische Strom, der an bei einen Körperseite hinfuhr, zerriß Rock und Dosen und betäubte den Mann; es wird angenommen, daß er schwereren gesundheitlichen Schaden nicht erlitten hat.

V

** Fauerbach v. d. H., 20. Juni. Eine Wandervögel-Zusammenkunft verlun- den mit Sonnenwendfcier sand beute hier statt. Auch die Gießener Wantervögel nahmen daran teil.

-m. Aus der Söctterau , 21. Juni. Be­günstigt durch die l-eiße Witterung ter letzten Tage ist die Heuernte fast überall beendet und vorzüglich ausgefallen. Tas Heu wurde in Güte und Menge selten so gut und unberegnet einge­bracht. Auch selten war ter Landmann so schnell damit fertig wie in diesem Jahre. Innerhalb weniger Tage toaren die Wiesen leer. 9hm wäre aber für die Grummeternte und den .ftleenachwuchs ein durchweichender Regen dringend nötig, ebenso für alle anderen Gewichst, die sehr unter der Trockenheit leiten. Tas Getreide fängt teilweise an abzusterben, ohne daß sich ter Kem entwickelt 'hat und das Obst fällt infolge der Hitze mafien- 'hast ab.

Kreis Schotten.

ff. Eschenrod, 19. Juni. In der ver­gangenen Woche wurde unser: alte Kirche ab­gerissen, nachdem sie 270 Jahre in iforr arm­seligen Gestalt ihrem Zweck g.bient hatte. Das Holz, gut erhaltenes Eichenholz, das nach ein'.r alten Sage schon einmal eine Scheun in Oter-Lais ge» westn fein soll, wurde für 7000 Mk. von ter Möb l sckreinerei Ringshausen (Nidda) erroorbm. Um ten Altar wurden fünf Gräber fr ei gelegt, in tenen bic Gebeine von Gliedern früherer Pfarrfamilien ruh ten. Die Einweihung der neuen Kirche findet, wenn nicht besondere Schwierigkeiten ent­stehen, voraussichllich im September obrr Oktober statt. Da bic kleine Glocke ter albm Kirche ohne Glockenstuhl in der neuen Ktrche nicht «ufghängt werten kann, ist unser Dorf zur Zeit ohne G'läute.

sb. Eichelsdorf, 20. Juni Die Firma Himmelsbach Freiburg i. Br., die feit Jahr­zehnten hier ein großes Sägetverk mit Jmprägnier- anftalt betreibt, errichtet zur Zeit unmittelbar aut tem Betriebs getönte die Einrichtung für eüte groß angelegte Backsteinbrenncrei, die durch Ma­schinen betrieben werten soll.

Kreis Büdirrgen.

3E. Aus dem Niddertal, 18. Juni. Born schönsten Wetter begünstigt schreitet bic Heu­ernte rüstig voran und fallt sowohl nach Güte und Menge vorzüglich aus. Auf einem Morgen werden stellenweise 20 Zentner und noch mehr geerntet. Infolge der hoh^n Pachtpreise stellt sich allerdings häufig ter Zentner Heu schon auf der Wiese auf 40 Mk. und noch mehr. Bei ten Ver­steigerungen ter Heuernte auf ten Wiesen ter Gemeinde und ter Stantesherrschaften konnte man wieder die unsinnigsten Preistreibe­reien beobachten. Obwohl bk leitenden Beamten immer wieder zur Vernunft mahnten, waren Ge­bote von 500 dis 700 Mk. pro Margen keine