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1 SWüebenen: braetwg lkz« rchlvkirrbug , Hauptmann, Wen.
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(Nachdruck verboten.)
Fortsetzung 30.
abend veranstalteten die hiesigen i-errin schensch asten ihr diesjähriges
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0ecgefpen|tec.
Roman von AnnyWothe.
AeerikMdsche« Copyright 1918 by Amy Wothe-Mihn, Leipzig
„Wie meint Ihr das?"
„Kümmert Ihr Euch darum, daß Sölde noch in List ist? Die ganze Insel spricht darüber."
Dunkle Glut stieg in das alte Fraucngeftcht.
„Sölve gehl ihren eigenen Weg," ftufztefte dann, sich das graue Haar aus dec Stirn streichend, „ich kann nichts mit ihr ausrichten. Sie will an Jngewart Ferks gut machen, und da läßt sie sich nichts brcinreten"
„Nun, Ihr habt doch Gewalt über das Mädchen “
„Gewalt?" lachte Wibke bitter, „ja, wenn es damit getan ist. Gewalt halst Ihr schließlich auch über Estrid. Habt Ihr dadurch schau etwas erreicht? Wein, Peter Banken, das ist stein Weg. Wie mir Sölve, als ich zuletzt in List war, verriet, sinnt Jngewart Ferks Böses. Sie wacht über ihn, denn ost soll er seiner Sinne gar nicht mächtig sein Niemand, so meinte seine Mutter, kann ihn dann beruhigen, nur Sölves Stimme hätte Macht über ihn. Und darum dürfe sie letzt nicht fort." . . .
„Das Mädchen richtet sich zugrunde m dieser trostlosen Umgebung. Ihr müßt ernschretten, Modder Wedderkcn."
„Das täte ich gern, aber meine Kinder sind mir über. Als Estrid Euch freite, war ich auch dagegen. Es hat mir nichts genützt. Biel Leid wäre ihr und uns allen erspart geblieben, wenn sie nicht Eure Frau geworden. Nun muß sie die Folgen tragen, und sie sind hart für ein so verwöhntes Mädck-en wie Estrid es war."
„Ihr habt ibr eben, wie auch Sölve, zu vielen Dillen gelaßen."
„Nicht ich, sondern mein Mann. Er war so stolz auf seine schöne Tochter. Wenn er von seinen
Schiffahrten heimkam, brachte er Estrid stets allerlei kostbare Dinge mit und sorgte dafür, daß fte auf dem Festbup alles lernte, »vas ihm für eine vornehme junge Dame nötig erschien. Aufs Geld kam es ihm dabei nicht an. Klug und fein sollte sein schönes Kind werden. Ms er dann, noch so rüstig und lebensfroh, mit seinem Schiff unter* ging und es sich herausstellte, daß wir bloß über ein bescheidenes Vermögen verfügten, war es schlimm für Estrid. Ihr Batet hatte sie gelehrt, ganz andere Ansprüche an das Leben zu stellen und ihr Berlöbnis mit Jngewart Ferks war wohl mehr eine Verzweiflungstat. Sölve war noch ein Kind, als dec Batet starb. Sie mutzte sich damit begnügen, vom Pastor in Keitum unterrichtet zu werden Sie hat nicht so viel gelernt, wie Estrid, dafür ist sie bescheidener in ihren Ansprüchen. Aber den festen Willen, den hat sie auch wie Estrid von ihrem Vater, dagegen kann ich nicht an."
So viel hatte Wibfe Webber tat in ihrem ganzen Leben noch nicht hintereinander gesprochen, noch dazu, ohne wohlweise Kraftsprüche einzu- slechten, die ihr doch sonst immer so geläufig waren.
Peter Bonken hatte ihr nackHenklich zugehött. Jetzt reichte er der alten Frau die &anb.
„Modder," sagte er weich, vttrir wollen als gute Freunde scheiden. Glaubt mir, ich kann nicht anders."
Sie legte ihre bartgearbeitete Sxznb in die große, braune des Mannes und ihre Augen blickten ernst, als sie sagte:
„Es ist Euer Recht, Peter Banken, denkt daran, es ist auch mein Kind, und wenn es tausendmal w. „3d litt, ick fitt op'n goldnen
Ans Stadt uns» Land.
Gießen, den 21. Jan. 1920.
Blausäuregehalt der Mondbahnen.
„Was wißt Ihr denn von Enver Fwu?" rief Wibke heftig. „Habt Ihr Euch schon ein einziges Mal um sie gekümmert?"
„Ich habe mich jeden Dog nach Eftrids Ergehen erkundigt, ich habe es auch an geeigneter Pflege nicht fehlen lassen, Modder. Oder meint Ihr — ?"
„Nein, wahrhaftig nicht, Ihr sorgt äußerlich tadellos für die Kranke, nur innerlich, da fehlts."
„Da mögt Ihr recht haten, Modder Wedder- ken, doch es ist nicht meine Schuld, bafc dem so ist."
Im übrigen braucht Ihr Euch nicht zu beunruhigen um Estrid. Akke wird sie gut versorgen. Ihr sagtet selbst, datz Euer Haus, Vieh und Land Eurer öanh bedarf. Da will ich Euch also nicht hinderlich sein. Ihr könnt ja, so oft Ihr nmgt, von Keitum herüber kommen und nach Estrid sehen."
Die schmalen Lipven der alten Frau preßten sich ehren Augenblick fest zusammen.
„Ihr werft mich also gewissermaßen aus dem Hause," sagte sie bann hart, „und ich mutz rnrch fügen. Denkt daran, daß Estrid nicht immer hier sein lvird, daß eine Zeit kommt, wv weder sie noch ich von Euch abhängig sein werden."
„Die Zeit wird nie kommen, Modder. Wir wollen uns ledoch nicht streiten. Ich meine aber, Ihr dürstet nicht einer Tochter alles sein wollen und der anderen nichts."
Stohl," so weiß ich doch besser, daß das Leid dabei hockt. Und nun lebt wohl."
Ehe Peter etwas erwidern konnte, war sie gegangen. Peter Bonken atmete auf. Wie eine Mauer hatte die alte Frau bisher Estrid abgeschlossen. Nie hatte er sich zu seiner Frau in die Stube gebraut. Nicht ein einziges Mal seit dem Tage,, wo er die Bewußtlose in den Gotteskoog heim- gel-olt, hatte er Estrid wieder gesehen.
Der Arzt hatte ihm bedeutet, daß er setzt wohl eine Aussprache mit Estrid wagen könne, ohne chr zu scl-adcn — er zögerte noch immer damit. Eine unüberwindliche Scheu hielt ihn zurück.
Nun war Wibke Wedderken schon acht Tage fort und Akke, die Estrü» pflegte, schüttelte stets den alten, weißhaarigen Kopf, wenn sie über Estrids Befinden berichtete.
„Sie will mir nicht gefallen, die Fru/' sagt» sie, „man könnte Angst um sfe haben."
Aktes Herz, das immer voller Groll gegen Estrid war, empfand doch zuwellen etwas wii Mitleid mit der jungen Frau. Zumal in dem Augenblick, da Estrid wie ein Kind nach ihrer Mutter gejammert hatte und nicht essen noch trinken wollte, well die Mutter fort war.
Wie ein Wimmern war es gewesen, daß ei der alten Frau tief in die Seele schnitt.
Na, Not sollte sie ja bei ihr nicht leiden, gatry «Witz nicht, aber gern mögen — das stand bex Frau Akke auf einem anderen Blatt.
(Fvrsetzung folgte
Anr Hessen.
rm. Darmstadt 18. Jan. Eine Versammlung der hessischen Pedellen der höheren Schulen tagte am Donnerstag in Darmstadt. Zunächst wurde die Vorstandswahl oorgenommen und bann in die Besprechung der Gehalts- und Standessvagen erngetreten, wobei der Vorsitzende des Landesverbandes der Unter beamten über die jetzigen Verhältnisse Bericht erstattete. Verlangt wirb, wie in Preußen, der Titel Hausmeister, dagegen spricht man sich gegen die Eingabe des Landesverbandes betr. die Aufhebung' des Achtstundentages aus. In Kürze soll eine zweite Versammlung stattfinden.
nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 40 980 Tonnen, verkauft davon wurden 17 818 Tonnen. Der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur wetteren Verarbeitung bo- Itimmt. Aus den verarbeiteten^Rohkohlen werden neben Schwelereinprodutten erzeugt: 116 Tonnen Brann kohlen brikettes uitb 75 Tonnen Natzprctz- steine. Außerdem wurden in Lessen erzeugt 5735 Tonnen Skeinprcßkohlen. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig: 6395 Tonnen Rote Kohlen, 74 Tonnen Briketts, 784 Tonnen Naß» Preßsteine, zusammen 7253 Tonnen Braunkohlen und Braun kolstenprodukte im Gesamtwerte von 407 890 Mark.
** Tie neuen Höchstpreise für Seife. Wie schon bekannt, sind die Höchst - preise für Seife usw. erhöht worden und zwar mit Wirkung ab 7. Januar. Der Preis für K. A. Seifen Pulver einschl. Packung beträgt danach bei Abgabe an den Sel bstverbraucher für 250 Gramm 1 Mk. (bisher 30 Pf.f für Kernseife mit einem Gehalt von 58 und mehr Pcozcnck Fettsäure pro Mo 10 Mk. (8), von 50 bis 57 Prozent Fettsäure 8,50 Mk. (7,20), von 40 bis 49 Prozent Fettsäure 7 ötf (6). Der Preis für Feinseife stellt sich auf 15 Mk. (12) pro Kilo. Schmierseife mit 38 imb mehr Prozent Fettsäure kostet jetzt 6 Mk. (5,20) pro Kilo. Die übrigen Preise bleiben unverändert.
** Fals che Fünfzigmarkscheine. Seit kurzem sind die Nachbildungen der rosafarbigen Reichsbanknoten zu 50 Mk. mit dem Datum des 21. April 1910 aufgetaucht. Die Nack)- bifbirügen sind hauptsächlich daran zu erkennen, daß die Riffelung des Papiers fehlt. Der Kreis in ter Mute der unteren Begrenzung zur Mittelguilloche ist unten rechts mtt dem zweiten „p" in der Unterschrift „v. Glasenapp" etwas abgeflacht. Bor Annahme der Falschstücke mit obengenannten Kennzeichen wird gewarnt.
Landkreis Gießen.
-m. Heuchelheim, 20. Jan Am Samstag
organen getrieben wurde. — Graf Praschma bekämpfte die Erzberger schon Ausführungen über den Emyettsftaat. Eine Zertrümmerung Preußens werde^nicht erfolgen. Das Vorgehen Heims sei auf die,,Sünden" Erzbergers und leider auch auf die Freiburger Rede Fehrenbachs zurückzuführen.
In der morgigen Sitzung, die um 9 Uhr be- <ginnt, wird 9kbg. Herold über Wirtschafts-- und Finanzpolitik, Minister Stegerwald über Sozialpolitik uitb Abg. Ehrhardt über das Betriebs räte- gesetz sprechen.
H«s dem besetzt?» Gebiet.
Wiesbaden, 19. Jan. Der hiesige prakttsche Arzt Dr. Cuntz, bet vom franzte {i|d>en Oberrnttitärpolizeigericht wegen polttisther Betättgung zu 6 VJtonaten Gefängnis und 22 000 Rrark Geldstrafe Verurteilt worden war, ist auf Befehl des Generals Degoutte aus ter Haft entlasten worden.
Airche und Schule.
ra. Hvhensol ms 20. Jan. Pfn^rer Kriw per tritt in den Dienst der inneren Missivn. Die hefige Pfarr stelle wird durch rinstimmi« Wahl Pfarrvikar Petri-Wetzlar übernehmen. Petri ist zur Zeit Reltgionslehver am Gießener Rralgymna- fium.
Bom Chemischen Untersuchunasamt für die Provinz Oberhesfen wird uns geschrieben:
„Verschiedene Tageszeitungen berichteten kürzlich über Vergiftungen, die nach dem Genusfe von weißen Bohnen eingetreten sein sollen, was zu einer gewissen Beunruhigung der Bevölkerung gefüllt hat. Ein Grund zu einer Beunruhigung liegt aber nicht vor. Vom Auslände sind in letzter Zeit große Mengen von Bohnen, darunter auch die sogenannte Mondbol/nc (Phascolus tunahis), auch Rangooir-, Zliap- und Indische Bohne genormt, nach Deutschland eingeführt worden. Die Mond- bohne, die in den Tropen überall kultiviert und dort als Nahrungsmittel mnxmbet rvird, enthält ein Blausäure enthaltendes Glykosid (Phaseoluna- tut) und kann bei außergewöhnlich hostm Gehalt desselben mitunter giftig wirken. Die Bohne paniert sowohl in ihrem Aussehen, als auch in ihrem Blausäuregehalt sehr. Bei den wildwachsenden Pflanzen tft der Blausäiivegehatt ein viel höherer als bei den kulttvierten Pflanzen. Da auch hier in G i e ß e n die Mondbohne in den Verkehr gekommen ist, haben wir sofort eingehende Uittersuchungen über die Höhe des Blausäurvgehaltes angestellt. Nach dem Ergebnis unterer, Unter in dangen ist der Blausäuregehalt der hier im Verkehr befindlichen Bohnen aber so gering, daß irgendwelche Erkrankimaen nach dem Genüsse nicht zu befürchten sind. Bei Bohnen, die 12 Stunden vor dem Kochen erngetoeichl knieten, na'M das ErnweiäMaser bereits einen erheblichen Teil der Blausäure auf, der übrige Teil der Blarrsäure verflüchtigte sich bei 1—2stündigem Kochen vollständig. Es empfiehlt sich daher, die Bohnen vor dem Kochen 12 Stund«, einzmveickten, das Einweichwasser wegzugießen und die Wmen bann 2 Sttinden lang tüchtig zu kochm. Alle im Verkehr befirrdlichm und zur Vec- teilutrg kommenden Bohnen in Gießen werten von uns bauemb auf ihren Blausäuregehalt kontrollierr, und es wird dafür Sorge getragen werden, daß gesundheitsschädliche Bohnen nicht verkauft werden dürfen." *
** Amt! iche Personalnachrichten. Durch Entschließung des Hesiischen Landesamtes für das Blldungswesen wurden die Lehramts- reierendare Ludwig Gebhardt zu Giefxn, Ernst Hölzel zu Gietzen, Friedrich Kritzler zu Gießen, Dr. Wendel.Mertz zu Offenbach, Hermann Rabes zu Gießen, Adolf Schad zu Vilbel, Georg Scheu ring zu Darmsladt, Hans S ch o r k zu Worms, Dr. Franz Türk zu Darmstadt, Rudolf Veith zu Darmstadt zu Lehramtsassessoren ernannt. — Uebcrtragcn wurde der Schulamtcanwärckerin Margarete K a l k h o s au? Darmstadt eine Lehrerin stelle an der Volksschule zu Maar, Kreis Lauterbach.
**DieKohlenproduktioninHessen weist nach der Darmst. Ztg. in der monrNichen Stattstik für den Dezember 1919 folgenoe Zahlen
Der 5cntrum$partcitag.
Berlin, 19. Jan. Der erste Reichs-Partei-- tag des Zentrums, der heute vormittag im Menar- fitzungssaale des Reichstag'.'s zusammentrat' wurde vom VorjitzcTroen der Zentrumsfraktion in der Nationalversammlung, dem Abgeordneten Trtm- 6o rn, mit einer längeren Ansprache erbimet in der er über die politische Lage u. a. ausfuchrtt: <^it der Revolution vom November 1918 'Hai die ^Sozialdemokratie an der Erhaltung unserer Wirtschatt und an der Wiederherstellung unserer Wirtswast praktisch tätigen Anteil genommen. Diese Betelli^ onng au der positiven Mitarbeit ist im vaterländischen Interesse ein politisch nicht lwch genug ein- ruschätzender OJenrinn. Jeder Politiker mun diese Leistimg der so-ialdemottatischen, Mehrtettsparttr auf'das Wärmste begrüßen und fordern. Das svich- tigste Ergebnis des Vcrfassungsiverkes von Weimar ist, daß die Verfassung die endgulttge ^onstttme- nmg des Reiches als Republik aussprach, der auch das Zentrum einmütig zustimmte. Damit ist em wesentlicher Grundsatz des Zentrumsprogrammes, das bisher monarchistisch gesinnt >oar, durchbrockien worden. Heute lassen wir rn unfere Reihen auch erklärte Republikaner 1U Damit ist nicht gesagt, daß wir die Republik Mr die beste Staatsform 'halten. Wir haben ihr zugestimmt. weil es die Not des Baterlaiides gebot intb weil wir gezwungen roauen, uns auf den Boden der staatlichen Revolution zu stellen. Hätten wir das nicht getan, so wäre den vier Jahrcil Krieg ein neuer blutiger Bürgerkrieg gefolgt. (Lebhafte Zustimmung.) Die Republik hat nun zu zeigen, ob sie wirllich eine bessere Staatsform ist als die Monarchie. Die Stimmung für den Einheitsstaat hat in unseren Reihen mehr und mehr Boden gewonnen, nicht aber die Stimmung für den zentralistischen Einheitsstaat. Wir widersetzen uns einer Verprmßung Deutschlands, verlangen aber eine Neugliederung des Reiches, die in erster Linie eine Umgestaltung Preußens notwendig macht. Preußen muß im Reiche auf- petycn, nicht in einem straff zentralisierten, sondern in einem nach vernünftigen Gesichtspunkten neugegliederten Reiche. Ein Einhettsstaat, in dem alles zentralisiert, schematisiert und schablonisiert werden soll nach preußischem oder Berliner Muster, wird von uns abgelehnt. Umso überraschender war es, daß von Bat-ern aus die Arbeitsgemeinschaft mit dem Zentrum gelöst ivorden ist. Als eine aus- ttick-endc Erklärung dieses Münchener Parteibeschlusses törmen wir die Rede des Reichsfinanzministers Erzbcrger in Stuttgart und seine Stel- tung zum Einheitsstaat nicht ansehen. Was die Leistung des Reichsfinanzministers Erzberger an- bctrifft, so batr man nicht vergessen, daß es ihm gelungen ist, eine geordnete >Budgetwirtschaft aufzustellen, eine rechtliche und soziale Ordnung des Steuerivesens ^herbeizuführen, die Äriegsgcwinne zu arfassen und in sozialer Hinsicht die Frage ber direkten und indirekten Steuer nach Möglichkeit zu lösen.
In der auswärtigen Polittk werden wir uns in ll>yaler Weise bemühen müssen, den Verpflichtungen des Friedensverttages nach besten Kräften nachzukommen, bann wirb sich auch um so klarer seine Unerfüllbariett Herausstellen. Die Konsolidierung einer starken R egieru n g ist die Aufgabe, hinter der alle Interessen zurücktreten müssen.
In der Aussprache nahm Frhr. von Kerckeringk (Paderborn) Anstoß an der engen Verbindung der Partei mit der Sozialdemokratie. Au ch der hessische Justizmrnister von Brentano warnte bot einem weiteren Linksabm arsch und fand Unterstützung in Fvhrn. v. Rcchenberg, der besonders das Nachbeben der Partei in Kirck/cnsachm bedauerte. Osterwalden (®6ttingrn) trat diesen Bedenken entgegen.
Auf die große Zal>! von 9Inregungat und Anfragen antwortete Reichsfinanzminifter Erzberger: Wenn die Reichsregierung den Frieden nickt unterzeichnet 'hätte, so wäre in 48 Stunden tritt einziger dieser Ministerpräsidenten mehr am Ruder gewesen und es hätten andere Re- menmgen in Karlsruhe, Darmstadt usw„ jede für sich, einen Separatfrieden abgeschlossen. Das Wort „Gnheitsstaatt" sollte verschwinden, es hat viele Mißverständnissc angerichtel. Das Reich braucht eine ft a r k r Z e n t r a l g c w a l t ; sie ist durck bte Reichsvcrfassung garantiert. Die auswärtige Polittk, das Finanzwesen, das Deereswesen und das Verkohrsivesen sind die vier starken Pfeiler der Reichsaewalt. Das Ziel muß dft Einhctt des beut» scheu Boltes, die Festigung.aller deutsck-en Stämme fern. Wentt Sie das „Einheitsstaat" nernten, so stehe unb falle ich mit diesem Einhettsstaat. Der Beschluß der preußischen Landesversammlung war eine große Tat, dem alten Staate Prertßen eben- burtig.
Studienrat Koch wandle sich gegen die dentsch- nattvnale Agitation, die von einigen Zentrums-
tem konnten, weil wie gesagt, die Wagengeftellung! hierfür zu unterbleiben hatte. Die Gestellung von 390 Tonnen ertlärt sich durch die Ucbcrroeifun^ einer Anzahl von jener Sperre nicht betroffene^ Setbftentlade- (TalvotJ Wagen und durch die '3b- beförbenutg bereits am 29. Dezember beladener Wagen."
2lns dcm Amtsvcrknndiqunq4blatt.
** Das Amtsverkündigungsblair Nr. 11 vom 20. Jamtar enthält: Bclanntmachttng über die Bewirtschaf.uug unb den Höchstpreis von Letcklöl, Rohbenzol, Benzol und Toluol. Bom -?• Januar 1920. — Tic Kosten für Durjchute tmpfungen. — Zuzuaslrichräniii ng. — Matznate men gegen die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche.
Anzugsbeschränkung.
Der Antrag, eine Zuzugsbeschrätrkung über bim 15. Jamntr 1920 hinatts vvrzusehen, fand nicht die Zusttmmung des R<ncksarl)eitsmcktster-.. Tie Ablehnung ist damit begründet, daß eine allgemeine Zutzugsbefchränkung für ortsfremde Per- tonen idxiri in das Wirtschaftsleben ein greife , muff dem in ber Reichsverfassung sesügelegteu Criimbfafl ber Freizügigkeit widerspreche Tic ut der Bcr- ordnung vom 23. Juli 1919 (ReichLV'Gcse-ybl. Sc- 1353) vorgesehene Ermäch.igung sei auch mebt eine wirtschaftliche, als eine lvohnungspolittsche Maßnahme. Ein Beweis, daß ein Antrag aus wirttchafllichcn Gründen gerechtfertigt erschein^ wäre noch zu erbringen. Um bemivdi einen Einfluß auf die Bertellung der Wohnungssuchenden Orts^ fr ernten zu gewinnen, können ater die (temrinbew auf Grund des § 9 ber W^' lmungsmangelverorte nung vom 23. September 1918 ermächtigt werden, ben ^lbsclilutz eines Mietvertrags van ihrer Ge- nehnngiing abhängig zu mock-en. Wv eine solche Ermächtigung noch nicht erteilt ist, wäre sie zu beantragen.
Tie Kosten für Wutichu tzimpfun« gen. Tie Pfbvgeljosten für Personen, bir zur 4.ivv- nähme der Wutttlmtzimpfungen in bas Institut für Jnfeltionskraükheiteir „Robert Koch" in Berlin N. 89, Fölwerstratze 2, auf-^iDminen werden, sind seit 15. Vritember 1919 erhöht worden auf 84 Mk. für Kinder unter 12 Jahren unb auf 105 Mk. für ältere Personen.
Maßnahmen gegen die Er.ts chlep- Dung der Maul- unb Klauenseuche. Wegen des vermehrten Auftretens der Maul-, und Klauenseuche in Württemberg, Baden und Bayern werden gemäß Verfügung des Hess. Mte nisteriums des Innern (Abt. für öffentliche Ge-, simdhritspftege) vorn 9. Januar 1920 folgende. Maßnahmen angaorbnet: Alle in ben Frcrstaat Hessen zu Nutz- und Zuchtzwecken einge führte Wiederkäuer und Schweine werten einer sietentägigen Quarantäne in einem ton anderem Klauenvieh nicht bestellten Gehöft unterworfen unb bürfrit aus diesem Gehöft nicht eher wvggebracht nxrbcn, bis nad) Ablauf der Quaran- ränefrist nach dem Zeugnis des beamteten Tie» arztes die Seuchenfteilxtt der Tiere festgestellt ist. Tas Absckstachtcn von Quarantänevieh kaim jetet- zett unter ten für Beobochtungsvieh unb für bte Zwangswirtschaft gtl eidxn Bedingungen gestattet werden. Bevor die Tiere nach Ablauf der üuaran* tänefrift für seuchenfrei ernärt sind, dürfen die Stallungen, in denen sie ulttergebvacht sind, Vv« ftemten Personen nicht betreten tDcröc-n. In gkri cher Weise wird die Quarantäne für alle in bar Freistaat Hessen eingefüfctcn Scho fHerden an- griotuTtet. Ter Duvchtrieb wandernder Schift-erteN durch den Staat ist verboten. Schaft-nten, die in den letzten Monaten inncrltalb einer h siischen. Gemarkung zur Weide gegangen sind, dürfen diese Ctemarfimtr, tvenn sie nicht an einer nab^degertm Eisenbahnstation innerhalb derselben Gemarkung terlaten teerten, nur verlassen, wenn ihre Seuchen^ frei beit durch den teamieten Tierarzt festgestellt ist. Tas Wandern der Herde wird mrr auf kurze Streiken und nur unter der Bedingung gestattet werden, daß die Herden die ihnen bezeichneten Sttasten einhaltett und daß den PolizerteHörden derjenigen Orte, durch deren Gemarkungen fit wandern. 24 Stunden vorher davon Stitieint ge°< macht wirb. Sind wandernde Schafh.uben länger als 3 Tage nach ter letzten amtsiieräiItlichen Un- tersuck>ung unterwegs, so muß die Herbe durch den -u ständigen beamteten Tierarzt erneut mitrr> sucht werden.
vergnügen. Einig-' Ttzraters^öe ro-intcn flott zur Aufführung gebracht. Die Veranstaltung hatte sich eines guten Besuches zu erfrvrm. — Lahn unb Bieber sind nun wieder in ihr Bett' zurück- getreten unb Felber unb Gärten sinb vom Wasser frei. Mlerlei angeschtvemmte Gegenstände, Holz usw., ja sogar ganze Gartenhütten, liegen umbet. Der vom Wasser angerichtetc Schaden ist noch nicht abzusehen.
Kreis Friidberg.
bz. Friedberg, 18. Jan» Gestern wurde ber hier wohnende Arbeiter H. N. feftgenommen, in dessen Wohnung die Polizei vorter eine große Anzahl militärischer Bellridungs- unb Tllrirüstungs- stücke, im Gesamtwerte von zirka 8000 Mark, go fuitixn hatte, die er sich, währenddem er tm Jahre 1919 bei ber H«resg-.itsammelstclle beschäftigt Ivar, nach unb nach rechtswidrig angeeignet und in feiner Molmung aufgespeickteri hatte. Die sämtlichen GegenstÄcke wurden beschlagnahmt und an die Heeresverwaltung zurückgeliefert.
Kreis Wetzlar.
ra. Dutenhofen (Kreis Weilar. 20. Jan. Am vorigen Sonntag sprockien hier tn gut besuchter Versammlung Seminarorrekaor Groth und Gvm- nasialoberlelteer Bauer-Wetzlar rm Auftrag ter Deut schnattomllen Volksparoei. Gegenrcdner waren nicht erickstenen.
** L ü tzellinden, 19. Jair. In der Pacht von gestern auf heute routte dem Landwirt W. Arnold ein Besuch durch Einbrecher abgeplattet. Der Dieb oder die Diebe festen für 1000 Mk. Kleidungsstücke mitgel?en. Es ist dies das zweite Mal, daß bei Arrwld eingzbrodxm wurde Bis jetzt fehlt noch jede Spur von ben Einbrechern
Hkssen-Nasiau.
** Dillenburg, 18. Jan. Von der Eisenbahnbirektion Frankfurt erhält bie Redaktion des Gießener Arrzeigers nachstehende Zuschrift: „Die Nr. 1 vom 2. Januar 1920 Ihrer Zeitung enthält folgende Mitteilung: „dz. Dillenburg, 2. Jan. Nach einer Zusammenstellung in der Dillzeitung betrug bie Wagengestellung für die Eisensteingruben des Dillbezirks am 30. Tezem bcr an gefordert 2530 Tonnen, gestellt 390 Tonnen, Fehl- zifser 2140 Tonnen." — „Wir bemerken hierzu er= gebenst, daß zur Verbesserung der Wagengestellung im Ruhrgebiet am 30. Dezember offene, zur Koh- lente'sörterung geeignete Güterwagen allgemein nur für Kohlen, Koks, Briketts, Grubenholz unb Lebensmittel gestellt werden durften. Tie angebliche Fehlziffer von 2530 Tonnen für bie Eiien- ftetngrubcn im Dill gebiet ist bes ha lb nach dem (^esickstspunkte zu beurteilen, daß bie Versender für alle anderen als bie vorgenannten Güter, einschließlich Erze, Wagen, überhaupt nicht ansor-


