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Sieben, den 21. Arn. 1920.
»nf Btrmta'fimg bet Dmt'Z". b°Mv<rrtk- sprach gestern abend tm Saale des Einhorn Ge- Mat Prof. Dr. Kahl-Berlm.
Prof Dr. Btgener begrüßte btf nipwien- ben Die Deutsche Bollspa rtrt set swlz darauf, m Geheimrat Dr stabt einen Mann und Gelehrten tegrtf£r.u tännen. bet bas gtifcm Berfatll« von 1870 erlebt habe.
Geheim rat Pros. Dr. Kahl führte aus. Tiefer Ernst lagere auf dem Grund der -Beel" und dem Wort, solle aber der Wille frei und stark fern, so müsse man die Ding« sehen wie xer
10. Januar habe das schwerste Jahr Deutichlands
9b9 Reich hatten Ömrtet wir nicht ktchiaNch durch einen deutschen Einheitsstaat. Was deutsche Einheit und Stärke fordern könne, dafür trete die Deutsche Volkspartei ein und fei auch bei der Berfassungsberatung ringe treten. Tie geschichtliche Entwicklung dränge zum Einheitsstaat, aber nicht die Form bestimme den Geist. Der Geist der nationalen Geschlossenheit verlange, daß nichts ge-
Die Partei sei durchaus gewillt, an allen Wirt-- schastsreformen mitzuarbeiten, die dem Volke dienen gönnten. Die Partei fei aber gegen jedes Wirtschaftssystem, das den freien Flügclschlag der Per- fönlichke-t lahmgclegt. Damit müsse man dem Ein' flust vonBeru sgrutpen zustimmen, nicht aber eine n Letriebs'.ä:ege,ev, das die graste Gepchr für das Unternehmertum bedeute. Sozial durch und durch, aber nicht sozialistisch! Dieser Wahlspruch habe die Stellung zur Sozialisierung bestimmt. Arbeit des Einzelnen mit dem Bewußtsein der persönlichen Verantwortung könne uns retten. Sozial wolle die Partei auch in der Steuerpolitik fein. Die Par- tei wolle nicht Lasten, die die Kraft der Zukunft zu Gunsten einer verfahrenen Gegenwart Iabm> legen.
Nationale Politik zumal nach Außen «wolle die Deutsche Volkspartei so treiben, daß sie unserer Ghve und Würde entspreche. Jetzt ständen die Feinde davor, die Auslieferung deutscher Stam- tacdgerraffen zu verlangen. Das dürften wir nicht zulassen. Unsere Geldvaluta fei gesunken, wir müßten dafür sorgen, daß unsere Ehrvaluta nicht sinke. Die nationale Erziehung der deutschen Jugend sei eine der Hauptorgane. Daß die Jugend nach der Verfassung im Sinne des deutschen Volkstums und im Geiste der Dölkrversöhnung erzogen werden solle, biete keine Garantie, daß sie im Geist der geschichtlichen Wahrheit magre werde. Wenn diese Erziehung nicht in der Schule geleistet werd«, so müsse sie am Altar des deutschen Hauses geschehen. Dort müßten die deutschen Männer der Zukunft groß gezogen werden. Durch die nächste Vergangenheit kämen wir durch, wenn wir den Lebenswillen
Carl 6 und den 32 Jahre alten Gausekretär d^s Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Al^-uder Eichinger, von hier.
Die Vorfälle spielten sich am Nachmittag des 10. Juli 1919 ab. Tags zuvor war ein Vertrauensmann der GiestenerLazarettinsaf- en tnerDer zu Psörsisch, dem inzwischen K.-flüch- h'ten Vertrauensmann ter Lnzaretti sasim des 18. A -K., und Eichinger gekommen und batte ihnen die Derl-astung des Gießener Vertrauens mannesTrosch und von drei anderen Lazarett- irfaffnt mitgt teilt. Die Verhafteten hatten sich ihrer Lazarettentlassung wider etzt, die für sie und 20 andere Lazarettinsassen verfügt worden war, so dag R- ichswesrtruppen einsch eiten mußt n. Dte Entlassung führten sie nämlich daraus zurück, das? sie in?gen des Esens an Ausichveitung-m gegen di- Lazarett, und Küchenverwaltung teilgenommen hatten.
Piorich berief daraufhin eine Vermnmlung der Lazarettinsas.en auf den Nachmittag ins Zillertal ein, schilderte dort in leidenschaftlicher Weise die Vorgänge in Gießen und forderte zur Besetzung der Abschnittskommandantuc aus. wie das am Vormittag in einer Sitzung der Vertrauensmänner besprochen worden war. Die Zugteilnehmer, denen sich unterwegs viele Straßen- passanten anschlossen, besetzten die Ausgänge der Kommandantur und drangen in das Gebäude ein, nachdem die Ordonanzen rasch überwältigt roorven waren Pförsisch, der den Wortführer machte, forderte, datz sich Major v. Rocques für die F r e i- lassung der Gießener Vertrauensleute in Nauheim beim Genera l ko m man do cm- setzen sollte? Als dieser es ablehnte und auch Telcphongespräche Eichingers und Carl6s in Nou- Heim erfolglos blieben, wurden Major v. Rocques und Rittmeister v. Bardelcben für verhaftet
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kreiS gezogen. Urgewaltige, unaufhattwme Kraft und Sehnsucht habe das Volk dieser feinem Geiste kongenialen Verfassung entgegengetragen. Die,e Kraft könne auch ferner nicht rasten und ruhen. Tas Reich von 70 fei zerschlagen. Anders ,ei das Reich, anders Verfassung und Verwaltung. Selbst die rechtlichen Zusammenhänge der alten und neuen Berfassung seien gelöst.
Der Bestand auch die'es Reiches sei d,e letzte Rettung des Deutschtums, des deutschen Volkes überhaupt. Nicht darum handle es sich, rote wir persönlich zur Revolution und Republik stehen, stnrdern um die Frage nach Leben und Tod des deutschen Vaterlandes.
Für unsere Feinde fet das ungeteilte Rnch einstroeilen noch wertvoll als Gesamtschuldner Das System der allmählichen Zermürbung durch die Ausführung des Friedensvertrages wolle ober be- ivußt den Verfall herbeifühven. Deutschland gelte für unsere Feinde als Gefahr, solange das Reich
schäft eines Schurken gehabt hätten, und den d« wugewahl e Watt 'nalversammlungane^annt habe, fei die größte Schmach des deutschen Volke.. Dte Deutsche Volksva tei habe den Frieden als uner- Mldar mch ehrws ab«lehnt. Die Geschichte werde noch mit Fingern aus uns da wtr falsche PVfinfh au» uns genommen, m dte Auslteferung Deutscher^ un^d die Abtretung deutschen Gebietes ^Sigt bitten. Die Nationalverfammlung baS raAos gearbeitet, aber wenig gebelfert. SßfleSr&t auf allen Gebieten bedrücke uns Nun^beginne die Ausführung des Friedens Das Urteil laute Verstümmelung, löiabnge Knechtschaft Vertust der Ehrenrechte. In vielen werde das Memento nrari der Mönche zu etner Sehnsucht, dem Elend zu entgehen.
Dem fer« er den Eroialeitsruf Memento vtvere entgegen. Leben und Wirken fürs Vaterland, nicht, obgleich sondern weil es im Unglück fei. Alles solle sich umsetzen in Lebensenergie und werktätiges handeln. In den nädr.ten Jahren komme die Probe der Echtheit b.-r Treue zum Vaterlande
Memento vivere bezeichne nicht den Inhalt, fcnbeni den Geist des Vortrages. Den Dienst des VateAandes müsse jeder in treuer politischer Arbeit leisten, nicht um der Partei, sondern des Vaterlandes willen. Die Deut che BolkSpartc» arbeite nicht politisch, um die Partei zu vergrößern, sondern um durch eine starke Partei bem SJatcr* lande zu dienen Infolge der schiefen Verhältnisse sei sie in die Stellung einer Opposittons- partei gedrängt Das gehe gegen die auf bauen de Tradition der Partei. Sie habe sich großzügtg, offen und ehrlich auf die Aufgaben der neuen Zeit eingestellt. Die Partei habe auch an der deutschen Reichsverfassung mitgeurbettet, fte aber abgelehnt als Gewissen-Verwahrung gegen die allein als beglückend darin bezeichnete Revolution, aus Ehrenverwahrung, west sie mit ihrem Namen nicht decken konnte, daß das Reich in dieser Zeit sein Ehrenkleid, ferne Farbe wechselte, und aus Bersiandesver- toahru ng, weil viele Einzelbestimmungen der Verfassung nicht in der Lage seien, das beutfdx Boll zum Aufstieg zu führen.
Der Kaiser- und Reichs gedankt habe ein halb Jahrhundert die Besten in seinen Bann-
archischen Gedanken betonen müssen ans Treue und aus Gcreästigkeitsgefühl. Die monarchi- che Staatsform sei auch beute dem deutschen Volle am angemessensten. Höher aber als die Staats- vrm stehe die Gesundung des deutschen Volkes. Die Partei kämpfe gegen die geschichtsroidrige demokratische Krittk an der Monarchie. Das geistesarme Geschimpfe auf den al.en Obrigkcttsstaat könne sie nicht mitmachen. Das Sehnen nach der Wiederkehr eines neuen Volkskaisertums sei nicht durch die neue Verfassung aus dem Herzen des Volkes gerissen worden. Es fei eine ZukunftS- foage, die erst gelöst werden könne, wenn die unmittelbaren Ausgaben gelöst seien. Vorerst sollten die diesen Frieden liquidieren, die ihn verschuldet hätten. Komme die Zeit, so komme auch, die Lösung der Personensrage. Nicht um die Person, sondern um die Jnstitutton gehe es jetzt. Im Volksdienst verbleibe die Deutschc Bolkspartei bei ihren alten Lebenselementen des liberalen, nationalen, sozialen und kulturellen Gedankens. Sie wolle niclst Massen Herrschaft, sondern volkstümlich? Ausgestaltung oller Institutionen; ein Bolksbcamtert- tum neben dem Berufsbeamtentum, das das Rückgrat bleiben und nach der Tüchtigkeit, nicht nach der Partei bestellt werden müsse. Der gesunde liberale Gedanke müsse auch in der Gesetzgebung walten, man müsse auch dem unmittelbaren Volksentscheid zustimmen. Nicht zu billigen fei aber das parlamentarische System, wie es in der Versasf'ung niedergelegt sei. Es habe sich in der Nationalversammlung lediglich zu einem Apparate der Ver- geroaltigung der Minderheiten l;erausg<childet. Bei dem Betriebsrätegesetz habe sich dies besonders gezeigt.
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tl Steinbach, 18. Jan. Iw abgrlanfbien Jahre 1919 wurden in der Pstrrrri Steinbach- Albach geboten und cprtauft: Steinbach 18 Kinder (1918: 22), Mach 8 (1), fc*nfimäe>.‘ St-unbuh 29 (30) Kinder, Albach 10 (6), getraut wurden in Steinbach 16 Paare (4), in Albach 4 (1), beerdigt in Steinbach 15 Personen (16), in Albach 5 (ß). Am! hl Abendmahl nahmen teil m Steinbach 1343 Kommurnkanten, in Albach 498. An milden Gaben für Anstalten, Vereinen mrd sonstrae ttrch- liche Zwecke ginoCTi ein in Steinbach 1272 Marr, in Albach 468 Mirrk.
ra. Wetzlar, 20. Jem Jnsiolge der Ko tz- len not müssen Gstmnafmm, Lehrer)eminar und Präparandenanstall die Unterrichtszeit der .Klassen auf drei Wochentage beschränken.
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Zu der Verhandlung sind ettva 2o Zeugen, darunter mehrere Offiziere, Lazarettinsassen ufw. geladen. _ ,,
Em weiteres Verfahren gegen Earls schwebt noch, das mit dem plumpen Selbstverstüm- melungsversuch Psörsischs zusammenlmngt
Zur Verhandlung find außerordentlich fcharfe Abfperrungsmaßnahmcn durch Sckutzmannschaft und Reichswehrtruppen oorgeirarnntre.
Bei der Zeugenvernehmung bekundete einer der Soldaten im Abschnittskommando, daß man ihn geohrfeigt und ihm die Waffen abgenom- men habe; auch seien die Tische umgeftürzt und vor die Fenster geschoben worden, anscheinerü», um sich gegen einen Angriff bon außen zu fchützc-n. Ms Carls mehrfach betont, man habe die Offiztcre fortschaften nuTnen, um sie vor der wütenden Menge M schützen, bemerkt der Staatsanwalt, Carttzs da- maliges Benehmen gleiche einem, der Feuer angelegt hat und dann läschen helfen will.
Ter frühere Polizeipräsident Garns teilt mit daß nach seinem Empfinden zur damaligen Zeit das Bewußtst^t der Unterordnung unter die Gesetze nicht vorhanden gewesen wäre, Einspruch
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chebe durch Zwang und Verletzung verbriefter Rechte. Die deutschen Einzelstaaten müßten freiwillig zustimmen. Die Stammcseigenarten und
tzestzGen: Im Dkrefte des Vaterkanves: IÄrkbäd I vivere!
Die Rede wurde von dem dicht überfüllten Saale mit begeistertem Beifall aufgenommen. Professor Dr. Eigener dankte dem Redner für die Stunde ernster geschichtlicher Erinnerung und ernster Besinnung.
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Frankfurt a. M., 19. Jan. Dic tumultuösen Vorgänge an der AbschnittS>>mmandanttlr in der Laullus-Anlage, die mit der Festnahme des Majors von Rocques und des Rittmeisters von Bardeleben durch Lazarett-Jn'af^en endete, bildet den Gegenstand dcr Schwurgerichtsverhandlungen gegen den damaligen Leiter des Internationalen Bundes der Kriegsbesdradlgt-n, dem 1887 in Neu hort geborenen Student m Wild.
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werde nach wie nur für objektive Bertvndlungs- leitimg sorgen. Major v RocqueS fach aus: Kurz nach meiner Warnung durch Oberstabsarzt Tr. Töllger seien die Leute auf der Straße und im Gange immer lauter und unverschämter geworden. Es erfolgte dann die Verhaftung, obgleich er auf die Folgen aufmerksam machte Man habe sie im Garnisonla Barett in ein SckIvesterzimmer eingeschlossen, wo sie etwa eine Stunde feftgehalten wurden. Als Urheber der Vorgänge wurden der Kaufmann A. Lutze in Gießen, Perttauensmann des Reichsbundes, Trosch in Gießen, Vertrauens mann der Lazarettinsassen, bezeichnet. Auf dic Gießener Vorfälle selbst wurde nicht mehr eingegangen, da nunmehr feitsteht, daß die AngeNag ten durch Ur Vertreibungen au5 Gießen ge» täuscht worden find.
Staatsanwalt Flor et plädierte auf schuld ia gegen beide Angeklagte wegen Landfriedensbruch al* Rädelsführer, foroie wegen Frei beitsberau- düng, wollte ihnen aber mildernde Umstände zugebilligt haben, da beide unbestraft sind und au5 üsten Motiven aehandelt hoben, um Kameraden, dic sie ungerecht verhaftet glaubten, die Freiheit zu verschaffen.
Die Geschworenen erkannten beide Angeklagte der Teilnahme an einem Aufruhr und der Freiheitsberaubung schuldig, Carlö auch des schweren Aufruhrs als Rädelsführer, jedoch unter Zubilligung mildernder Umstande.
Im Urteil wurde anerkannt, daß die Tat nicht aus selbstsüchtigen Gründen bvgangen worden ist-, allein man müsse die Folgen bedenken, irxmn daS Generalkommando nicht nachgegebm hätte. Carls wurde zu acht Rdonateu, Eich ngec zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Verteidiger und Vorsitzender legten den Geschworenen nabe, für die Verurteilten ein Gesuch auf bedingte Begnadigung ober Lim- Wandlung der Strafe in Festungshaft ein-erreichen.
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