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Nr. 68

tn «treuer Jwjdctt rrfd)cint ti-.qlid), oufter Bonn- und Feiertag-.

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Monatlich vlk. 2.30, »ierteljährlich Mk. 6 90 rlnlchliebltchde-Bestell- gflb«; durch die Poft vietteljäbrlich Ulf. 6. ausschließlich Bestellgeld. Fernsprcch - Anschlüße: für Pit Lchi »<ileitungl 12 derlag.0>ejchc,f.vsieUe51 Hntcbrihfiir z radtnach- nchlen: Lnjeiger «letze».

poftscherttonto:

SrewHeri a. M. U686

Erstes Blatt

HO. Jahrgang

Samstag, 20. März 1920

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oderheffen

SwlMngrninddnttk u. Verlag: Vrühl'fche Univ.-Such- «. Skinörudcrei K. Lange. Zchriftteitung, Seschästsftrtte lu druckerei: Zchvlstr. 7.

ännalynt »on ttozel^a I. bie Lnge^ininnner bi4 zum N.ich'niuaa vorher obne ifhftkrl'inMictfeit. Drei» ftir \ mm h-he Iftv Slnieiaen o.34mm t'reitt önli h25 tSi , uu-ivärt- 30 Pl.; für 'Jieflame- 91 n j e i g e n oon 70 mm -treue *> Vf. *ei Platz- Dorldirih2Oe Antz.hlag. pauvtlchridleuer: Aug. ®och. Bevaiiimörtüd) für Volit t:Shig. «oelj; für ben übriaen leiL Dr. Remdold 3e»u; für den Anzeigenteil: v- Beck, fänuhct) in 6)i<6cn.

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*ttetbe zum VeHpicl der parlamentarische Unter- iitrbunodmrdi^H demnächst feine Verhandlungen

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den, Wählen zu beginnen. Das Sündenre-istcr der ^tzdjtcn soi so gch'st, daß auf jvtrm Bodm, so heiftt eS nrörtlid), «Donner und Blitz" gegen sie ge> sMcuderl werden könne. Ein paar Pröbchen: Da

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Was vor acht Segen hier den Lesern vor­gelegt werden sollte Kber das KapitelB a l- oige Neuwahlen", ist von dem schwamm des Generalstreiks plötzlich ausge- läschl worben, aber die heute neu geschaffene Lage fordert zu eirt:r Ueberprüfung der dem Berliner GewaltsttIttch vorausgezogencn Er­eignisse heraus, unb darum sollen einige uw irrer früher geschriebenen Sätze doch noch ans Licht der Oeffentldchkeit gelangen:

Das Berliner sTageblatt bezeichnet die letzte Dienstag-Sitzung der Nationalversamm- tii n g als eine Art Kaisergeburtstagsfeier:Ka- itonenboniicr und Llinber Lärm." Bekanntlich wurde an diesem Uage der Antrag der Rechts- Parteien, die dlationTloersammlung aufzulösen mb Neuwahlen zum 1. Mai auszuschveibcn, aVtebnt, gegen bi: Stimmen der Antragsteller :rnb der Unabhängstren. Der Ton des genannten Blattes ist sehr saleipp, und es spottet seiner selbst, denn was es aufjarbem noch vorbringt, ist nichts arideres als ein Grvolber zur begiimenden Wahl­agitation. Zuerst die spöttisch-überlegene Geste, dann ein g-rr uW dazu passendes, aufgevegtcs Ztolpern über beit Sturzacker. Mit dem Alarmruf, heute sei bereits das Signal zum Wahlfeldzug er» tünt, fordert das Blatt seine Parteianhänger auf, tos Pulver nicht zu sparen und das Wühlen vor

litt! '100 a 5.00 f'lrechdtN

|: lieber beginnen, und daraus würde sich ebensowohl E Agitationsnmtevial zusammenbrauen lassen wie aas der Keilerei iw Hotel Adlon Ein sehr mittel» K nräßrges Prvw«gandagewäsch, das das Berliner W Sägeblatt da «nugestimmt hat. Man könnte die Dinge ein bf&cftcn ernsthafter betrachten, und würde

benn finden, d-ch die republikanischen Entwicklungs- Misen uns sckqp zu einer Höhe oder Etage geführt haben, von bdt es sich immerhin lohnt, den prü- senden BEick ffstnab und hinaus $u werfen. Es ist raglos ricktti», was Graf Posadowskv, bei Sprecher *r Deutsch-U ationalen, gesagt hat: Die jetzige Na- twnalMnaine düng repräsentiert nicht mehr bie «litische Stimmung und Gesinnung des deutschen Lölkes. Auch in ben Blättern ber äußersten Lin­ken wirb d^s unumrountben zu gegeben, irnb der Spreck>er ba Mehcheitssozialisten hatte so viel de- irnokrattsches Gewissen, zu erklären: ja, so bald wie irvglirf) müfffc neu gewählt werden, dafür sei auch 'eine Part«. Aber der Reichsminister Kochführte in einer ls argen Rede aus, an einen so frühen Äahllenni»,, wie ihn die Rechte wünsche, sei nicht ;u denken. Während der Ernte könnten Wahlen nicht abgch »alten werden, und die Walsten in den l^stimmi«,gSgebieten müßten den ReichstagöN^ah- en voraus ^gelvn. Das sind einleuchtende Banken, rrd man wird sich, zumal die Mehrlteit es dann '> beschlag, bis zum Derbst zufrieden geben 'iwlsseu. ff.-reilich, die Absttmmungen in Ostpreußen urb Cbafjdiln'ien brauchen nach dem Friebensver- trrag erst im Laufe des Jahres 1921 abgehalten ui werden, nämlich innerhalb einer Frist bis zu IS Mom tten nach Friedensschluß Es ist wobl mög- h, daß, die fRegicrung und ihre Mehrheit bann auch bei i £>erbft noch nicht für ben richtigen Zeit­punkt teilten. Streng genommen ist bie fünf Bier- tdiabra alte Nationalversammlung, nad>bem sie bie öfrfaffliimn unb bie wichtigsten Uedergangsbestim- nnmgeii erledigt hat, reif zum Auseinaiwergel^n. Ba8 «tsetzgebt-risch jetzt geschehen soll, ist so austcr- o^entk^ck» bedouttlngsvoll. ba6 der Wille des Volkes » fcqter heutigen Gestaltung ausschlaggel>end fsn teilte. Es wäre scharfer Widerspruch am Platze, tmn'lrie Regiemirg aus politischen Gründen den 85ah( lernt in weiter versckstepven wollte. Diejenige Mül sche Richltmg, die zugestehen wollte, das; sie ro d nem zeitlich möglidm ausgedehnten Wah:feld- mq ein Interesse habe, würde sich kein gstitstiges Lu?piis auvftelten. Wer das Volk für reif hält, und wer die fünf Vierteljahre der Neugestaltung in tEraa offen zu Tage liegenden, zum Teil sehr inter» ifliai/tten und die Lage erhelleirden Ergebnvsen kri- h dj. verfolgt Iwt -- ber braucht kein langes Wühlen tiy bem Wählen mehr Der Sttrnmeukampt wird olh,olnn höchst frfmrf und leidenschaftlich werden, ttil der Herrschaft der Linken werden bu* Neu» wt.hlen wohl nichts ändern. Es gibt keine |icu« Revolution, unb sie wäre auch Lein Segen für unser Volk. Wohl aber irufe sich m bem Ungewöhnlichen, das bei Aus­bruch der Revolution unb ber Geburt der National- l ersammlung oorgeherrscht hat, eine Wandlung 1 ollziehen. Der große Chor ber Revolu

. fdionSIeiben f (haften istnicht mehr. Be- 'Pachtung, Urteil, Besinnung, bis zu einem ge» wissen Grade auch Vergleichungen mit bem Alten, bestürzten, dürfen ihr Recht fordern."

,,Dcr große Chor der Revolutionsleiden- j "haften ist nicht mehr." Im (Srunbe ist es u doch wahr geblieben: wir haben wohl einen i Jutsck erlebt, aber keine neue Revolution, uxb die Rauchfeuer von Leipzig, Kiel, . Dortmund, Gelsenkirchen, sind nur die Zei- ; neit eines kleinen Chors revolutionärer i Unentwegten, der Unabhängigen und Kommu- i isten. Der schlechte Streich Kapps und feiner Leute ^at die politische Tempe a ur in Deutsch- lind wieder lbeträchtlich crl)öht. Der Brand der Parteileidenschasten hat neue Nahrung er- : Eilten. Die Mehrheitsgruppen und die von L-'men gebildete Regierung können, bei allem Olück der Vermeidung eines Bürgerkrieges, sich keines rechten Sieges erfreuen. Ihre Söffe sind in einen scharfen Trab geraten,

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Tel. 2057.

und mancher wird das Reiten überhaupt auf» I geben müssen. Bevor das Kabinett Bauer noch recht die .Frage entschieden hat, ob es den Kurs mehr nach reclsts oder nach links neh­men soll, sinken einige feiner stärksten Stützen zusammen: nach Erzberger, für den noch Ersatz gesucht werden must, geht aro= cheinend auch Noske, der Popu- ärfte, aber auch am stärksten Ange- eindete von allen. Noch ist keine amt(id>e Notiz über fein Rücklrittsgesuch erschienen, aber demokratische und sozialdenrokratische Blätter behandeln ihn schon wie einen abge­tanen Mann. Seine Feinde hatte er nicht nur im Lager der Unabhängigen, sondern auch in einem demokratischen Zirkel, dem er das Offi­zierkorps nicht ^schnell genug demokratisierte oder proletarisierte. Die Mehrheit des Volkes würde seinen Rücktritt bedauern, denn er war >er Energischste, Tatkräftigste des ganzen Ka­binetts, und ihm verdanken wir, dast unser Volk die Unruhen ber Spartakisten in kur­zer Zeit überwunden hat. Er hielt die Mehr- leitsfozialisten in vernünftiger Weife bei der Stange, indem er gegen die Schiebung nach Links das mannlwfteste Wort gebrauchte. Während er nun nach S«1)eidemanns Angriffen in der Nationalversammlung >en Feldherrnstab aus der Hand legen oll, und Ebert und Bauer den Weg nach der Linken überblicken, zeigt sich's, daß von dort keine friedliche Prozession versöhn­ter Bundesgenossen herannahl, sondern ein wilder Hause Wutentbrannter, für den nach einem neuesten Wort ihres Frankfurter Volksrechts" oieverkappte Reaktion Eberb- Bauer noch gefährlicher" ist als die offene . . .

DieFrankfurter Ztg." läht sich dadurch nicht abhalten, in ihrem galligen Haß gegen alles, was jenseits des demokratischen Partei­schlagbaums steht, mit leipenschaftlichen Wen­dungen einen weiteren Ruck nach Links zu fordern. Gerechtigkeit [gegen die Unabhängi­gen durch strenge Justiz über bie Reaktion! Nach dem Rückzug Kapps schrieb sie einen überschwänglichen Siegesartikel: jetzt erst dürft das republikanische Deutsck>land jich seiner Freiheit wahrhaft freuen, denn in diesen Ta­gen habe les diese sich erkämpft! Voll Zorn sodann über die bekannte interfraktionelle Ab­machung in Berlin, an der sich die Abgeord­neten Hergt, Stresemann, Gothein, Trim- born, sogar der Vizekanzler Schiffer, ferner die Sozialdemokraten Heine, Südekum, Ernst und Hirsch beteiligt haben sollen, bricht das Blatt den Stab über diesen Mitgliedern der Mehrheitsparteien. Scharfer Kampf gegen die Rechte, aedämpfte Bescl>wörungsformeln ge­gen die Linksradikalen, die inbeffen den Ru­bikon längst überschritten haben eine Pa­role Haftroller Verblendung! Baldige Neuwahlen müssen die Richtung weisen! Auch die zweite Forderung dec Berliner Vermiitlungskonftrenz muß durch­dringen: Präsidentenwahl durch das Volk, nicht durch die Mehrhettsparteien im Parla­ment ! Die dritte dchtlvendigkeit: Umbildung des'Kabinetts ist eine Folge der Unzuläng­lichkeit der Regierung Bauer. Der allgemeine Ruf nach Fachleuten in den Aemtern grün­det sich auf schlechte Erfahrungen mit dem bis­herigen Zustand. Die Wahlen aber sind ein besseres Sicherheitsventil für politische Hoch­spannungen und Leidenschaften als blindes Wüten und Raisonnieren. Wer ihnen mit Ver­trauen cntgegensieht, der möge alle aufkochew- den Gifte des Parteihasfts von feiner politi­schen Seele abschäumen und umso eifriger auf ein positives Schaffen zum Wiederaufbau un­seres noch schwer bedrängten Landes bedacht fein!

Die tage im Reiche.

Stuttgart, 19. März. >WTB.) lieber bie Lage im Reiche wird gemeldet: Im Ruhrrevier ist bie Lage ernst. In einigen Orten wurden Räteregierungen enrgenren. Die reginwtg treuen Truppen des Generals Wattcr sind zu schwach, um ber Bewegung Herr zu werden. Verslärkungen sind abgchandt. Tie Melburigen aus Thüringen lauten beruhigender. Berlin befindet sich zu zwci Drittel fest in be;i Händm der Rcgi rungs- truppen. Im Norden und Osten der Stadt wirb noch gekämpft. Es besteht Ho'f.nmg, baß eine ge­wisse Beruhigung erntrit'. Ter Ceneralstr.ik bauert fort. Die Zeitungen cr.'chnnen nicht.

Schwere Kämpfe in Leipzig.

Leipzig, 19. März. (Wolff.) Bei ben zwi­schen Vertretern der Arbeiterschaft unb den Mili- tärbehörbeu in ber Nacht zum Donnerstag ge­pflogenen Verhandlungen wurden Vereinbarungen getroffen, um ben Frieden in Leip.ig wiederher­zustellen. Tie Arbeiter nahmen jedoch bie Verein­barungen, darunter En waf n.ing der Arbeiter, nicht an unb eröffneten um 12 Uhr wieber den Kampf. Hierauf befahl der Stadtkommandant Senf ft o. Pilsach ber 19. Renhswehr-Briaade den Einmarsch in bie Stadt, um dem bedrängten Zeit- freiwilligen-Regiment zu Hilie zu kommen, und verhängte den verschärsten Belagerungszustand. Die Kämpfe dauerten den ganzen Domrerstag bis

spät nachts an. Die Arbeiter bauen überall Barri- laben Ein Militärflugzeug warf am 9Zad)mit» tag Bomben aus ben Fohannisplatz. Ein anberes Fluazeug, baS Erkunbigungen vornehmen sollte, wurde von ben Arbeitern abgeschossen Tie h.:uv! sächlichsten öffcnlli/.ten uJe: Honp.pM, Bahnhof unb Rathaus, befinden sich heute früh noch in ben Händen ber Zeitfreiwilligen. Tas Gebäude der Nieberlänbischen Lebensverficherungs- gesellschast, bas in bie Hände ber Arbeiter gefallen war, wurde von ben Truppen zurückerobert. Tie Verluste in ben Kämpfen sollen außerordentlich gnug fein, man spricht von Hunderten von Toten und Verwundeten.

Die Ereignisse in Niirnberg.

München, 18 Mär). (Wolff) lieber die Borg änge in Nürnverg sagte Minister- bräfiixmt v Kahr in ber heutigen Sitzutkg des (<i ^Tifcben Land agrs, rdrolu ionäre Macvoser.a'o- teilungen in Slärte von 1200 bis 1400 Mann seien am Vormittag des 17. März auf ber Insel Schütt bewaffnet erschienen. Um bie Mittagsstunden hät­ten Matrosen am Königslor aus den Hausern auf eine Abteilung der Reicl)swehr geschosen unb meh­rere Fußgän^ r getötet ober verivundet. Ms meu­tere Reichstvohrtruppeu erfdgenen seien, sei es zu einem Tumult geklommen, bet bem es eine größere Anzahl Toter unb Verwundeter gegeben halte. Nachmittags habe eine grössere Menge versackst, bie Polizeiwache zu stürmen, was wieber zu Blut­vergießen geführt habe. Es habe 23 Tote unb 50 Schioerverletzte gegeben. R^fthsweln unb Polizei seien jetzt Herr ber Lage. Zur Beilegung des Streiks fänden zur Zeit Besvreck>ungen zwischen der Regi<-rung, ber Reick-stvelw und ber Streik- Idhntfl statt, dkach einem Nachmittags eingelau- fenen Telegramm sei bie Lage in Mrnberg ruhig.

Revolutionäre Betriebsräte in Mannheim.

M a n n h e i m, 20. März. (WTB) Außer bei der- Firma Äipp unb Reuther haben sich atieb bei ben Firmen Ben» u. Co. unb den Pergin-An­lagen ber Erdöl- unb KvhlenverwertungS-A. -G. in Rl-einau revolutionäre Betrtebsräte gebildet unb bie Betriebe in eigene Verwaltung genommen. Vom 2lrbeit8mirnftrrnrm stnb aus Karlsruhe Bertrerer zu Verhandlungen ein getroffen.

Die Lage in Düsseldorf.

Düsselborf, 20. Mär». sWTB.) Heute Nacht hat sich bas Militär ans der Stabt zurückgezogen. Laut Bekanntmachung des Oberbürgermeisters wirb bie Einwohner­wehr, bie burch organisierte Arbeiter bebcutenb verstärkt worben ist, für AuftecksterHaltung der Ruhe unb Dehnung forgat. In ber Stadt l»errsckst Rul-e. In ben Fabriken ruht bie Arbeit fast vollstärwig.

Essen, 19. März. (WTB.) Essen ergab sich mittags ber bewaffneten Arbeiterschaft. Tie beiderseitigen Verluste werden auf 300 Tote ge­schätzt.

Aufhebung einer Radikalistenverfainmlung in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 19. März. Die Kom­munisten hielten beute nachmittag inGroß- Fran kfurt" eine von etwa 200 Personen besuchte Versammlung ab, in ber über bie Wahl von revolu­tionären Arbeiterräten zur Aufrichttnrg der Di k- taturbesProletariats verhandelt unb zur Fortsetzung des Geueralstrecks in verschärfter Form aufgefordert wurde. Während der Verhandlungen erschienen starke Aufgebote von Krimi­nal p o l i z i st e n , bie unter bem Schutze einer Hunbertschasl ber Sicherheitspolizei bie Versamm­lung auflösten und sämtliche Teilnehmer auf Last- krastivaqen nach bem Polizeipräsidium verbrachten. Tie Sistierung vollzog ttch teilweise nicht ohne Schwierigkeiten. Im Polizeipräsidium fand eine grünblickte Vernehmung statt, bie zur Derhafttorg zahlreicher Kommunisten und verschobener unab­hängiger Sozialdemokraten führte.

Koste bl ibt dennoch im Amte!

Stuttgart, 19. März. (Wolff.) Die s o - zialdemokLatische Fraktion ber Na­tionalversammlung hat in einer heute vor­mittag abgehaltenen Sitzung nach eingebender Aus- fvrackte gegen wenige Stimmen beschlossen, baß der Neichswchrminister Noske auf ihren bringenben Wunsch auf seinem Posten za verbleiben habe.

Stuttgart, 19. März. (Wolfs.) Wie wir aus parlamentarisckten Kreisen erfahren, war Ab­geordneter Scheibemann zu seinem Vorstoß gegen Noske m ber Satzung ber Nationalver­sammlung in Stuttgart von seiner Fraktion nickt ermächtigt worben. Bereits in ber Frattionssitzung am 17. März gab bie übemne» genbe Mehrheit ber Fraktion der Meinung Aus­druck, daß ungeachtet mancher Fehler ber Ver­gangenheit niemand so wie Noske in ber Lage sei, die politischen Schwierigkeiten ber Gegenwart zu überwinden.

Stuttgart, 19. März. (Wolff.) Die Mit­glieder der Nationalversammlung, bie hier noch fast vollzählig versammelt sind, traten heute vor­mittag im würltembergischen Landtagsgebäude zu Fraktionssitzungen zusammen, in denen die poli­tische Lage unb bie Möglicksteit ber Rückkehr nach Berlin besprochen wurde. Ebenso wie die sozial­demokratische Fraktwn beschäftigten sich auch bas Zentrum unb die Demokratie mit ben Rücktrittsabsickten Noskes. Auch in dielen Frak­tionen tarn ;um Ausdruck, baß man ein Verbleiben Noskes im Amte begrüßen, ja sogar wünschen würde.

Wie wir weiter aus parlamerttar,scheu Kreisen erfahren, rechnet man damit, daß nach Klärung ber Lage in Berlin die Nationalversammlung in ber näcksten Woche die Arbeiten wieder in Berlin aufnehmeu kann. Es ist in Aussicht ge­nommen, vor allem ben Notetat vor dem 1. April

zu erledigen und bie Beamtenl»efoldungsvorlage, lowie anbere toickstige Gesetzentwürfe in die Aus­schüsse zu bringen. In Zeutruni-kreisen ist man der Ansicht, daß die Wahlen noch vor der neuen Ertite ftattfinben werden Ueiter die Rückkehr der Regierung nach Berlin sind bestimmte Beschüsse bisher nickst gefaßt worden.

Stuttgart, 19 März. (Wolfs) Wie wir von zuständiger Seite crsahren, entspreckteN die Meldungen über den Rücktritt des Rcichswehr- ministerS Noske nickst den Tatsachen.

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Eine Erklärung

der demokratischen Fraktion.

" Stuttgart, 19. März. (Wolfs.) Die in Stuttgart am Sitz der Nationalversammlung ver­einigte Fraktion der Deutschen Demokra­tischen Partei erflärt:

1. Niemand war und ist beauftragt, im Namen ber Fraktion in Berlin Verhanblung'n zu führen; 2. Die Fraktion hält einstimmig an der bisheri­gen Koalitionspolitik fest; 3. Sie billigt bie .pah tung der Regierung, bic jede Verhandlung mit Kapp und Genossen ablehm, unb verlangt die Bestrafung der Hockstterräter.

Eine Erklärnnq der Entente ftegcn Umsturzversuche in Deutschland.

Berlin, 19. März. (WTB.) Der eng­lische Geschäftsträger überreichte dem Vize­kanzler Schiffer heute eine Note des Inhalts, daß der oberste Rat beschlossen habe, jede Zu­fuhr von Lebensmitteln und Rohsbofftn nach Deutschlano cinzustellen, wenn in Deutschland eine monarchistische oder Rätere­gierung ans Ruder käme.

Aengstlichkeit in der französischen Kammer

Paris, 18. März. (Wvlfftt In ber heutigen Sitzung der sran z v s is che n .Wammer standen Interpellationen über die auswärtige Politik ber Regierung, namentlich gegenüber Ten schlMid, zur Beratung. Ter Ministerprösibent ver­langte Vertagung Angesichts ber Ereignisse in Teu tschland habe er heute ber Kammer keine Ertlärungen zu geben. Tte Regier»ma werde aber stets alle Maftrahmen ergreifen, die btt Sicherstellung ber ftanzösischen Interessen .mb bie Sicherl)eil Frankreick>s erforderten. Ter Abgeord­nete Ta übet sagte, die Regierung gebe Erklä­rungen ab, als ob bas fiegreiäx' Frankreich wie eine besiegte Nation behanbelt würde. 9)ian wolle bas Parlament zum Stillfdxtxigm verurteilen. Wenn Hindenburg und Ludettdorst übet die Spartakisten siegen würben unb bie Regierungsge­walt übernähmen, dann bedeute bas für Frankreich ben Krieg in brei bis vier Jahren. Der Minister­präsident bestaub auf Vertagung. Sckstteßlich ver­langte Barthou, baß ein gewisser Termin fest­gesetzt werde. In namentlicher Ablttmmung wurde mrt 403 gegen 183 Stimmen beschlossen, bie Inter­pellationen über bie auswärtige Politik am 25. März zu beraten.

Der Zriedensverttag vom amerikanischen Senat zurückaewiesen.

Washington, 19. März. (WDB) Da Friebensvertrag ist vorn Senat nicht ratifiziert worben, da bie Resolution, bie die republikanischen Vorbehalte enthält, die Borge toriebene Zweidrittelmehrheit nicht erhalten hat Senator L o d g e zog eine Resolu­tion vor, die ben Fr Lebens vertrag an Wilson ju» rückverweist, da es unmöglich fet, ihn zu ratifi­zieren. Der Senat hat dieser Resolution zu'iestimmt unb Wilson bas Nichtzustandekommen der Rati- sikatton bes Friedensvertra^s im Senat mitgeteüt.

Ter amerikanische Kredit.

Amsterdam, 19. März. (Wolff.) Wie der Telogvaast' Mis Washington mrtbrt. ftrtx ber im Repräsentantenl-aus <mqrbrachte (drieventwurt bett, ben Deutschland zu grinä'me iben Lebens­mittel- und Rohstoffkredtt eun emer Mil­liarde Dollars vor, daft bas deschlagnoh m te Vermögen bet rfter Untertanen ab. üglich brr En schöd gargs n p üdte are ifai i cher Bürger a S ©idteriteit für bie Anleihk ve.wnidet wrd. Dre Waren, die Deutt'cÄand in erster Linie benötigt, sind Baumwolle, Weizen, Inbev irte Milch, Fteil'chprvt^lkte und ftüffct. Für bw inigtat Staaten ist es wichtig, be W.'&ubt bloter Erzeug­nisse aufrechtzuert-al:en, da bte a m e r i !« nt f dii Ausfuhr in ben letzten drei Ao chcn um 70 Prozent iutütfgegangri ist. (Man sieht also, um LiobeÄnen te für Deut chimD br ht es sich In er nicht, sondern um bas amccitaantoe Geschänsnteresse.-

Neuyor 1, 19. März (SoTff.) Tas Re- präfen tauten haus bat ein .innnig tb? Ent­sendung irm 5 Milltenen Fässern Mehl im Werte von 150 Mitt «neu Dollars für bie Versorgung Oesterreichs, Polens und Armeniens beschlossen.

Ans dem Ueidbc.

Die Besoldung der Reichsbeamten.

Berlin, 19. März. (WTB.) Di- Reich sbe a m ten werden am 1. April ne­ben dem Gehalt eine um 150 Prozent erhöhte Teuerungszulage und Kinderzula­gen ausbezahlt erhalten als Vorschub auf die ihnen nach der neuen Besolduttgsreform zu gewährenden Bezüge.

TaS Programln der neuen Regierung in Vavern.

München, 18. März. Zn der triftigen Voll­sitzung des bayerischen Landtags td/te Vize­präsident Königsbauer mit, dach Präsiden: Sch-nrtt