Mr.
len.
1920 en.
M. 246
Der fltUcner Anz-i-e, erscheint täglich, außer Senn, und Fk'ertags.
Br)ng$preife:
Monatlich Äark 3.60 unö yth.-.65lräger(o^n, oierteljährlichMalk 10 80 undMK.I.S5Trägerloh»; durch die Post viertel, jährlich Mark 12.- ausschliestlich Besteilgeld. Fernsprech-Anschlüst«: für die Schrift leitung 112; Verlag,<Seschäfl2stelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Ln)ttger kiesten.
Postscheckkonto $ranffurt a. M. 11686
Erstes Blatt
170. Jahrgang
Dienstag, (9. Oktober 1920
GietzenerAMger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Buch- und Ztemdruckerei R. Lsnge. Schriftle^ung. Seschüftsstekle und Druckerei: Zchulftrahe 7.
Lnuohme von 2InjCujtn für die Tatzesnummer bis z«m Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 nun Breite örtlich 35 Pf., auswärt» 45 <Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Brette 150 Tf Bei Platz, vorfchnst 20u, Aufschlag. L)avptschriftlelter: Äug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Auq. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: f). Deck, sämtlich in Gießen.
Niäi:
an,
mmissär. lssesior.
zum Preise Preise rum wir sparen an gefangen
imHg ist. baR das arme verelendete Innen Ministern Kostbare Vorzimmer ^vn 87 000 Mk unb ?luk>s zum 280000 Mk. stellen rmist Wenn Müssen, must das Sparen von oben
:en hingegen fuife
1920, vrm.,
"l°de, daß die NiL. en. Md. Tie Z. Men eliljureichen. Mcle fmbet ftatt am 0, t-orm. 10i-4 Ubr
haben. Es bandelt sich doch darum, ob es not- Deulschlond
uieilimg
"b» d« k*.
dvistch-polnische Auseinandersetzungen.
> Warschau, 18. Ott. (WB) Ti' Panische ^essr.rvdc-n-Agreittnr meldet amtlich: Tre £>auit- der pKnisckten 2lußenroli!ik bi'bct das -^streben, alle Schvierigstnten mit den Nachbarn friedlichem Dege beizulegen. TtcTc-5 Bestrebt findet im Rigaer Borfricden, in den Ab- Evchungcn mit der Tsckreclw-Llowakei sowie in d?n in Paris stctttsrn'eendeit bcut'dyto> Sfcrfxrnblungen ihren Ausdruck. Tie vol- .Recnerung stellt mit grobem Bedauern ien, drc Bedrückung und L-chikanen, der A°1 niscke Bevölkerung in den p r e 11 - _-n Äbstimmungsg-ebicten. am uud in Westfalen ausgesetzt ist, eine Zuspitzung der Neut'alitätsrerhaltntsse jemals v.vußifd-en Teilgebieten I evvomift.
■ « deutschen Behörden entfernen aus Ostpreußen
Der $aD Hermes.
Em 23erfiner Mitarbeiter schreibt irns:
Es ist zwar kein Panama der deutschen Republik, aber immerhin eine unangenehme beschichte, nämlich das Verfahren, das zunächst einmal wahrsch-inlich vom Reichstag gegen denRcichs- ernährungsminister Tr. Heffnes eingeleitet wird. Aus dem Gemunkel. aus den versteckten Angriffen schilt sich allmählich eine ganze Rciln offener 9efdnifvtiPinge:i h?rmis. Offenbar in Berbmdung mit den Entlwllungen des vveustisckie't Minister- Trmidcnten und Vanbrtrirlfd aftämi iftcrc' Otto tzwun aui dem sozialdemokiatisck^n Parteitage tn Kassel erhebt der ..Vorwärts^ gegen Tr. Hermes, ter beFaitnitid; der Zen 1 r um s pa r ter ange- Brt, die Anklage, er habe dem im Reichsernäh- ;ungsaml bfd.-ä "tigten Geheim rat Bose, durch hefien unbegr^iflisten Widerstand die Lieferung der rmerikanifchen Milchkühe so lange hintertrieben narben sei, zum Ministerialdirektor befördert. Md eine ähnliche Belohnung des Lasters mb Bestrafung der Tugmd wie im lfalle deS Ministerialrats Augustin. Gegen den lteh. Regierungsrat Dr. Erich Augustin schwebt <inc Untersuchung wegen Bestechlichkeit. Man weist war öffentlich noch nicht, wie, wann, wo und vas, aber man wirft dem Vorgesetzten dieses Cannes, dem Minister Dr. Hermes vor, daß er T-iet zu lange seine Land über dem bestechlichen beamten gcKulten. Ende Mai wurde Tr. Augustin -fötzlich beurlaubt. Am 30. September erst schied rr endgültig als Leiter dec Abteilung V aus dem rtcich^ernübrungsministerrum aus. Vier Monate erhielt der Beurlaubte noch volles Gehalt. Bekommt er vielleicht auch noch Pension? Da wer- ben am grauenlxrft verschuldeten Reich.tetat mühsam Abstriche gemacht, um endlich mit dem Sra- rnt anzufangen, und in den Ministerien werden ungetreue Beamte flott weiter bezahlt. Der Vor- imrrf der Ver schw-ndung ist es ja besonders, ber sich Cn Dr. Hermes richtet. Wir wollen nicht die elogenhcit der 2Ministerautvs und der lurur Lösen Vorzimmereinrichtung zum so und so- vieltcm Male wiederholen, aber die Gelder, die an- «blich vorschußweise der Pveisausgteichskasse für Dlickslvssdnngernn tel entnommen wu'b n, waren Bstcllvs DerschwenduTtg von Staals^dern. Tie he ist na'ürlich rechnerisch unterdessen in Ord- runq gebracht. aber den Kerirpunft der Angriffe Ifeint der Miniüer bis Henle noch nicht erkannt
sj-s»
WH
Sff-* 1
,t w*6*6
»"‘■fite1
»etben, und der ErnLhrungsniini' er, der wie wenige andere die Not des Volkes am besten kennen Gllte, wäre der allererste, der überflüssig' Ausgaben zu vermeiden hatte. Als Dr öerm 's kürzlich mit der Toch'er eines reichen Industck llen in len Stand der heiligen Ehe trat, da veranstalteten' <rmc Hausftauen nach der Trauung vor der Rosen-- Imrzkirche in Sieglitz eine kl-rne Demonstration rflen den fröhlich lebenden Minister. Das Bc- v-hmen der grauen auf der Strafte war gewiß mcht scbön, aber ihr Gefühl war das richtige. 2er Unterschied ist zu kraß zwischen ler Not des Volkes und der Ueppigkeit der Aemter. Ceberbaiürt: Tie Angriffe gegen Tr. Hermes wärm nicht so heftig und geradezu konzentrisch erfolgt. Denn er nicht gerade der Emährungsminister wäre, dbs ist durchaus nicht nur die Sozialdemokratie, die Ritten Rücktritt fordert. In der preußischen Volks- tertrehmg haben die Zentrumsabgeordn len Stie- •tr, Most und Brust, die dem Arbeiterstande an- )tpl «hören und als Wortführer der Stimmung unter । «n Zentrumsarbeitern gelten können, an der Erst: | whrungspolitik des Herrn Hemtes eine Kritik
trübt, die fast ebenso scharf wie die Anklagerede Keilmanns auf dem sozialdemokratischen Parteitage
,of j in Kassel war. Äe „Germania", das parteiamtliche beft^Jr -^ntrumsblatt, hat mit Recht darauf binge- Diesen, gegen Dr. Hermes Be-
floLptmurn vovgebracht wurden und mcht Beweise. Vber zeichnend für den Ernst des
Ackles. daß die ^mtrumSpartei eine Nachprüfung nr notwendig hält. Wie schon anfang? anged.mtet, n dabei fein Augiasstall auszumisten Man muß -ch vor Uebertrcibunqen hüten. Atlch Parteileiden- KÖaft würde nur die Klärung hindern. Bei der par- fimentarifdxm Untersuchung soll auch nicht einseitig s^s Ernäbrungsamt belxinbelt werden. Es gilt, eine stvrm für alle höchsten Behörden aufzustellen, wie in dieser Z,ttt der traurigsten Staatsftnanz zu "" Die Ortschaften haben, nicht nach dem Vorbild be3 ck”S r^ten Gewinnler-Reichtums, sondern mit dem J 1 Krnst und Verantwortlichkcftsg^übl des deutfck>en
»«rmtentunts. wie es vor dem Kriege unser Stolz 'Md höchstes moralisches Besitztum war.
zahlreiche, dort seit langem ansässige Polen trotz d'r Intervention und der Proteste des polnischen Konsuls in Wnigsbcrg Ein solches Verfahren der deutschen Behöcdon wrderfpricht nicht nur den international-rt Gebräuchen, fonfcern steht aud» in beut» lick-em Gegensatz zu Artigel 277 des Verwilter Vertrages. Ter palnische Konsul in Königsberg gab dem Oberpräsidenten Siehr die Erklärung ab, daß im Falle weilever unbegründeter Aus- nxifung von Polen eine ebeitsolche Anzahl preußischer Staatsbürger, die in den eliemals preußischen Teilgebieten wohnen, au&getvte e 1 werden. Tas Ministerium für das ehemals preußische -Teilgebiet fertigte schon eine entspre.liende Liste ans. Tie polnifckre Regierung wird gezwungen fein, nd> dieses radikalen Mittels zu btbtenen, wenn die Berliner Iiegierung nicht eine energische Reor- fton ihrer gegen die in Teutsch)land wohlsenden Polen angewandten preußischen Vermal tungs» methode vornimmt.
Deutscherseits ist zu diestr polnischen Verössentlichuug folgendes zu bemerken: Es ist durchaus unzutreffend, daß die polnische Bevölkerung in den Abstimmungsgebieten, am Niederrhein und in Westfalen der Bedrückung ausyesetzt wäre. Tie Deutschen polnischen Stammes finden bei den deutschen Behörden regelmäßig ihr Recht. Wenn gelegentlich zwischen deutschen und polnischen Staatsangehörigen bedauerliche Unartigfeiten vor» gekommen sind, so geschieht Aehnliches in mindestens dem gleichen Maße jenseits der polnischen Grenze, und die deutsche Regierung bedanert ihrerseits die eine wie die andere Art von Unbill, die durch die gespannte politische Lage erklärt, aber nicht entschuldigt werden kann. Eine Rückfrage beim Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen ergab, daß 'Ausländer polnischer Staatsangehörig- feit in seinem Verwaltungsbereich niemals anders behandelt worden sind, rote andere Ausländer. In den Fällen, in denen der polnische Konsul in Königsberg sich beschroerdeführend über Ausweisungsbefehle gegen polnische Staatsangehörige an den Oberpräiidenten wandte, wurde ihm stets be- reitwilligst Auskunft gegeben. Amtliche Beschwerden brachte der Konsul dem Oberpräiidenten daraufhin weiter nicht vor. Mit diefen Feststellungen dürsten die von der polnischen Regierung in ihrem Kommunique gezogenen Schlußfolgerungen bezüglich der Behandlung deutscher Reichsangehöriger in Polen entfallen. Da von einer Ausweisung oder amtlichen Maßnahmen gegen deutsche Staatsangehörige polnischen Stammes nirgendwo die Rede gewesen ist, kann wohl auch die polnische Regierung schwerlich eine Ausnahmebehandlung polnischer Staatsangehörigen deutschen Stammes in Polen ins Auge gefaßt haben.
Die £age im Osten.
Eine Rede Lenins.
London, 18. Okt. (Hew-as.) Ern Fnnk- spruch aus Moskau meldet, dctß Lenin auf der Konferenz der Präsidenten der Sowjets, die am 15. Oktober in Moskau eröffnet wurde, eine wichtige Rede über die allgemeine Politik Rußlands gehalten hat. Er führte aus, daß angesichts der militärischen Lage der Roten Ämnee der Friede mit Polen weniger vorteilhaft für Rußland sei, als wenn er vor dem Vormarsch auf Warschau abgeschlossen worden wäre. Unsere ^>ache, sagte Lenin, bleibt fest und unumstößlich. Die, wirtschaftlichen Bedingungen der ganzen Welt schwächen unsere Feinde, indem sie uns von Tag zu Tag erstarken lassend Als sich die Rote Armee der polnischen Grenze näherte, schlug uns Lord Curzon im Namen des Völkerbundes vor, dem Krieg ein Ende zu machen. Wir haben ihm geantwortet, daß wir uns um den Völkerbund nicht kümmern. Zum Schluß sprach Lenin in längeren Ausführungen über die wirtschaftliche Wiederaufrichtung Rußlands, die er durch verschiedene statistische Darstellungen bestätigte.
Der russische Heeresbericht
Moskau. 18. Okt. (Wolff.) Durch Funkspruch. Opera'.ionsbericht der russischen Sowjetrepublik vom 15. Cf ober: Im Ab ck nilt Molederschw) bat der Feind tie Orte Sossenka und Bolgiuoa' besetzt. Im Mfchni t Minsk fanden hartnäckige Kämpfe an den Flüssen Nia scha und Ra- tomfa, 20 Werst westlich und 35 Werst süo'wesrlich von Minsk statt. Unsere Truppen fd,lugen die fcind- lid;en Angriffe zurück und ging?nje!b.l zu Gegenstößen über. Im Abschnitt von Sluzk dauern die hartnächgen Kämpfe rod!« an. In der Richtung von Luninez wurden bi? feindlichen Angriffe östlich von Turow zurückgeschlagen. In der Richtui'.g drowograd-Wolhynsk setzen unsere Truppen ihren Vormarsch fort. Im Abschnitt von Staro-Kon- ftaniinoro 'ind Kämpfe bei dem Orte in bar im Gange. Zwi'chen der Eisenbahnlinie nach Prvftu- row unb dem Tnjestr bringt der Feind mit überwiegenden Kräften vor Im 2lb- schnitt von Rite»pol hat unsere Kcwallerie nach barmäefigen Kämpfen den Feind bei dem Flusse Tu'uluk geworfen. Der Feind mußte sich in Unordnung zurücktziehen und geht auf das linke Dnjexr Ufer zurück. Wft erbeuteten Gechütze, Lo- lvmotiven, Maschinengewehre unb andere 23affen.
Errichtung einer russischen Flotte?
Moskau, 18. Okt. (WTB.) Durch Funkfpruch. Die Zeitungen veröffentlichen eine Verfügung des „allrussischen Zentralvoll
zugskomitees" mit der Bestätigung des sibirischen Revolutionskomitees: Es wird eine gemeinsame Handels-, H 0 chsee - und Kriegsflotte errichtet. Die rote Fahne mit den goldenen Buchstaben R. S. F. S. R.' lrussifche sozialistische föderative Sowjet-Re^-, publik) und einem Löwen im oberen Felde wll beibehalten werden. Für die Handelsflotte toiro die rote Fahne mit großen weißen Buchstaben, R. S. F. S. R., in der Mitte, ein- geführt. Für die Hochseeflotte gilt die rote Fahne mit Anker und rotem Stern in der Mitte des Ankers und den weißen Bustaben R. S. F. S. R. im oberen Teil des Ankers.
Die Wahlen in Oesterreich.
Die Christlich-Sozialen gewinnen bisher 11 Mandate, unb zwar 6 von den Soziab- bemofraten, 3 von beit Großbeutschen, eines von den Tschecho-Slowaken, eines von ben Jüdisch-Rationalen. Ueberbies geben die Großbeutschen ein Manbat an die von ihnen abgesplitterte neue Bauernpartei ab. Die Kommunisten vereinigten in Wien insgesamt 14 138 Stimmen auf sich; sie erhielten ein Mandat.
Wien, 18. Okt. (Wolff.) Rach neueren Feststellungen beläuft sich die Zahl der ge- wähltenAbgeordnetenaus51 Sozialdemokraten, 62 Christlich-Soziale und 12 Großdeutsche.
23ien, 19. Okt. (WTV) Von insgesamt 15 1 zu besetzenden Mandaten für die Nationalversammlung sind nach den vorlieg-noen offiziellen 23erixf/en bisher gewählt 57 Svzial- berooTvaten, 71 Ehristlickt-S^iÄe, 12 Groscheutfche, 2 Baueruparieiler inü) 1 tü1 gerliche Arbei sPartei. Es fehlt noch Las Ergebnis aus dem Wahlkreise Krems (8 Niandate). Zu die en 151 Mandaten kommen noch neun Mandate aus Kärnten, die bis zur TurckFührung der dortigen Wahlen von den bisherigen Mgcv'chne.en (4 Sozialdemokraten, drei Christlick^Sozcalen und 2 Gto^, eutschen) vtrtrcten bleiben, außerdem die nod) auf Gnmd der Resd- stimmen zu verteilenden 18 Mandat e. Rach den bisher se'.-gestekl-en Evgelmi'sen ver.ieren die Sv- zialdemv teaten und die Gwß cutschen je sechs Sitze, davon die Gvoßdeuischen zrv-ei Sitze an die von ihnen abgespli terte Bauernpartei. Die Jüdisch- NaL4onalen und die Tschechen verlieren je einen Sitz. Die Christlich Sozicklen gewinnen titrff Mandate 23on den gtwähl en Sozialdem-Kraien sind hervorzuheben Saatskanzler Dr. Renner, Staats- lefreär Hannu ich und Friedrich Adler, von den Christlich-Svzialm Staatssekretär Mayr, Präsident Hauser und Fink, wn den Gvoßdeutschm Präsent Dingliofer.
Wien, 18. Okt. (WTB.) Im 25. Wahlkreis (Nvrdtirol), wo aus ein»einen Orten die Wahlergebnisse nod) auseeden, dürf e der Besitzstand der Parteien unverändert bleiben. Dern- nach btitf:en 2 So^iaLemvkraten. 5 Cl:ri'ckich-Sv- aiale und 1 ©wf^euifd/cr gesvählt fein. — In Wien erhielten rach endgül äger Zählung die So- sialbemoTrttfat 43 ! 369 Stimmen gc ien 513145 int Vorjahr, die Chri'ckick>-So)ialen 2 9 966 g-gm 210 548 und die Großdeutschen 78149 gegen 63 983 Stimmen.
Aus Kärnten.
Belgrad, 19. Okt. (WTB.) Havas. Tie jugoslawische Regierung gab den Truppen, die in die Plebiszitzone von Kärnten eingedrunaen sind, die Weisung, sich unter den Befehl der Plebiszitkommission zu stellen.
*
Sozialistische Kundgebungen in Prag.
Prag, 19. Okt. (WTB.) Das tschechv- slowakische Preßbureau meldet: Gestern nachmittag hielten die beiden Flügel der tschechi- sichen sozialdemokratischen Partei zwei getrennte Volksversammlungen ab, in denen gegen die Teuerung des Zuckers Stellung genommen wurde Die Teilnehmer der rechtssozialistischen 2Zersammlung gingen ruhig auseinander. Rach der Versammlung der Linken kam es jedoch zu Demonstrationen, wobei einige Kaffeehausscheiben zertrümmert wurden. Tie Polizei wurde mit Steinen beworben und 5 Polizisten dadurch verwundet. 9 Demonstranten wurden verhaftet. Gegen 8 Uhr abends war die Ruhe wieder hergestellt. Von der Waffe wurde kein Gebrauch gemacht.
Der vergarbrlterstreil in England.
London, 19. Okt. (WTB.) Havas. Der Bergarbeiterstreik lähmt Handel und Industrie fast vvllstärrdig. In den großen Industriezentren sind tausende von Arbeitern ohne Arbeit. Man hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, doch noch eine friedliche Lösung des Konflikts finden zu können.
Horsea, 18. Okt. (253X23? Funkspruch. Es sind mächtige Einflüsse am Werk, um eine baldige Regelung i m Bergarbeiter streik herbei zu führe«. Thomas, Elynes und andere hervorragende Arbeiter'ührer wenden alle ihre Energie an, um eine Lösung zu finden. Ter parla- mentari&je GcwerkschaftSausfchuß soll eine so
fortige Aktion planen. Heute roirb eine Konferenz mit dem Vo!l;ugsaussckwß der Arb.ltecpartei al" gehalten, d.'sgleichen ein? Sitzung des parlamentarischen Ausschuifes der Arbeiterpartei. Morgen findet im Unterhouse eine ausführliche Besprechung flott, an der, itne man ciloartet, mul) Llond George teilnehmeri wird „Dailu Ehrouicle" schreibt, die allgemeine Ansicht geb? dahin, daß die Eisenbahner und Tran^Portarbeiter nicht in einen Sympathiestreik mit den Bergarbeitern treten werden. In ben Bergwerksgebieten herrscht vollkommene Ruhe.
Pariser Witterung wichtiger Ereignisse in Mitteleuropa.
Paris, 18. Oft. (Wolfs.) HavaS. Der Berichterstatter des „Figaro", der sich gegenwärtig in Budapest aus'hält, hatte eine Unterredung mit dem Erzherzog Joseph. Aus dieser Unterredung hat der Berichterstatter ben Eindruck ge Wonnen, baß ber Erzherzog den ungarischen Thron gern annehm"n würde, wenn er ihm von der Mehrheit des Volkes an geboten würde; aber unter der Bedingung, daß die Entente, besonders England unb Frankreich, nichts bagegen einzu- roenden hatten. Weiter sch—ibt ber 23ericbtcrft»tter, daß der Erzherzog Joseph in enger Verbindung mit dem bayerischen Hof stehe, wo ebenfalls die Wieberausrichtting ber Monarchie möglich, wenn auch nicht bevorstehend sei. Die Möglichkeit wichtiger Ereignisse in Mitteleuropa stehe in kürzerer oder längerer Zeit bevor.
Die HilsStätigkeit deS schwedischen Roten KrenzcS.
Stockholm, 18. Okt. ^2Dolff.) Jv der diesjährigen ersten HerbUiyung des Vorstandes des schwedischen Roten Kreuzes erstattete der Vorfitzende Prinz Karl von Schiw den,Bericht über die Tätigk.nt der Organisation. 23aö die HLfstätig- fleit des schwedischen Roten Kreuzes in Wien betrifft, bat die Speisung in ben Kinderküchen und die Leb.nsmittelvetteilung vom August ab etwas eingeschränkt werden wüsten. Man hofft jedoch, diese Tätigkeit während des fommenb-zn Winters aufrechterhalten zu können. Der schwedische Gesandte in Berlin hat einen Vorsck^log für die Anwendung derjenigen Mfttel ein riefanbt, die zur Linderung ber Rot in Deutschland vorgesehen^ sind. Dieser Vorschlag wurde von dem Prinzen Karl genehmigt. Zunächst soll SchlvßSonnero- heirn in Thüringen gekauft werden, um als Kinderheim eingerichtet zu werden. Die. Kaufsumme beträgt 500 000 Mark. Für Reparaturen sind etwa 100 000 Mark erforderlich. Tas Schloß eignet sich sehr gut als Pflegeanstalt für skcophu'öse und tuberkulös? Kinder. 30 000 schwedische Kronen sollm als Zuschüsse an eine gewisse deutsche Wohlsahrtseinrichtinig zum Einkauf von Lebensmitteln und llnterstützung von notleidenden Kriegerfamilien und Kriegerwitwen verwendet werden.
Aus Ocm Reiche.
Reichstag und Reichskanzler.
Berlin, 18. Okt. (WTB.) Laut „58. A. a. M." lud ber Reichskanzler die Führer der parlamentarischen Parteien, ausgenommen diejenigen der unabhängigen Sozialisten, für heute mittag zu einer Besprechung ein, um das Programm der Reichstagstagung mit ihnen durchzusprechen.
Die Neuordnung der Wirtschaftsverfassung.
Berlin, 18. Okt. (WTB.) Der Verfassungsausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrats wird sich in den demnächstigen 2-eratungen mit ber Frage der Neuordnung der Wirtschaftsverfassung befassen, die nach Art. 165 der Reichsverfassung in Aussicht genommen worden ist. In diesen 23er Hand tun gen werben auch die grundsätzlichen Richtlinieir für die künftige Gestaltung der amtlichen Berufsvertretungen (Industrie- und Handelskammern, Landwirt- schastskammern, Handwerkskammern) gesun- ben werden müssen. Nach ihrem Abschluß beabsichtigt die Reichsregierung, den Entwurf zu dem Michsrahmengesetz über die landwirtschaftliche Berufsvertretung den gesetzgebenben Körperschaften des Reiches vorzulegen. Das Reichsrahmengesetz wird eine Landwirtschastskammer schaffen und Richtlinien für den Aufbau der landwirtschaftlichen fberufsvertretungen in den einzelnen Ländern aufstellen.
Das Ueberschichtabkonnnen.
Berlin, 18. Okt. WB. »am Reichs- arbeitemtnifiertum roitb mitgeleilt: Instege des Ue ber schichtenab kommens erhalten bte Ueberschichten verährenden Bergleute ber_ Ruhc- reviers verbilligte Textil - und Schuhwaren. Tas Reichs2rbeit7mi. i e.rmn tn Verbindung mit brm Reickswir "n tsroinifteiuun bat in ben letzten WxlLn für insgesamt 83,13 Mil- fionen Mark Schuhwaren unb Xerti'nwoen in Auftrag gegeben, davon für 17,63 Millionen JJlazt Textilwaren an die sächsiscle jnbuitn», b.ebamtt den größten Anteil erhielt. Bei ber ^ten Entwicklung des Ueben'chickTtenwciens, welche von dem wirischartlick^n VerstLidnis der ckterteeute -eugt, bilden diese Bestellungen nur den Anfang emer größeren W?n, die zugleich eine wirksame Ihtiöi-


