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170. Jahrgang

45 Pf.: für Reklame» Anzeigen von 70 mm Drelle 150 Pf. Bei Platz» Vorschrift 20 Aufschlag. Hauptfchriftkrter: Ang. Goetz. Deranlworllich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Dr. Reinhold 3"3i für den Anzeigenteil, tz. Deck, sämtlich in Gießen.

Nr. 194

Der Siehener Anzeiaer erscheint täglich, anher Sonn» und Feiertags, üejugspretfe:

Monatlich Mark 3.60 mrdMK.- 65Trägerlohn, vierleliährlichMack 10 80 und Mk.l 95Trägerlohn; durch die Post viertel- jährlich Mark 12. aussch ließ'.ich Bestellgeld. Fernsprech-Anschlüffe: für die Schriftleitung 112; Verlag,Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten Anzeiger Siehrn.

Postscheckkonto:

Frankfurt a. M. U686

Donnerstag, 19. August 1920 Annahme von Anzeigen für d.c Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts

GiehenerAnMger

General-Anzeiger für Gberheffen

vrvck und Verlag: vrühl'fche Univ.-Such- und Stemdruckerei K. Lange. Zchnftleitrmg, Sefchäftrsteüe und Druckerei: Schulstrahe 7.

Wo liegt die Schuld an der Geldentwertung?

Von Prof. Dr. H. Köppe, Marburg a. b. Lahn

Währetw über bat Rückgang der Produktion immer stärker und mit vollem Recht geklagt nrirb, ist allein die Prvduktion der Rotenpoesie m un- erfreulicher Steigerung begriffen. 53,8 Milliarden Mark betrug am 15. Juli 1920 ber Notenumlauf gegen drei Milliarden bei Kriegsbegiun. In dieser durch den Umlauf von 13,3 Milliarden Mark Dartehnskassenscheinen auf über 67 Milliarden Mark gesteigerten ungeheuren Bermehning der papernen Jcchlungsmiftel, bei ber die ReiclMchen- scheine und das Papiernotgeld ber Städte und der Kleinstaaten noch nicht einmal einberechnet sind, erblicken die weitesten Kreise die Ursache ber Geld- enttocrtinig. Minister und Abgeordnete, Führer des politischen und bc5 Wirtschaftslebens erheben über- einsttmmend den Ruf nach Herabminderung des Papiergelbumlaufs.

Ist die Grundanschauung, ber dieser Ruf entspringt, aber richtig? Ein Zweifel scheint kaum möglich, da Geldentwertung und Papiergelbver­mehrung ihrer Entstellung und Entfaltung nach örtlich und zeitlich zusammenfallen. Und doch sollte schon berfür den Verkehr unentbehrliche Bedarf" stutzig machen. Welche Menge an Zahlungs­mitteln hat ber Verkehr denn notig? Doch sovrele, um bie Preise, soweit Barzal>lung erfolgt, be­zahlen zu können, nicht mehr und nicht weniger.. Die Höhe ber Preise ist also bestimmend für den Bedarf an Zahlungsmitteln und damit für deren Menge nicht aber umgekehrt bie Menge der vorhandenen Zahlungsmittel für die Löhe ber Preise. Angenommen, es würbe mit einem Male das Papiergeld auf die Hälfte feiner jetzigen Menge berminbert, womit sollten bie Zahlungen erfolgen, wenn die Preise nicht ebenfalls atempo auf bie Hälfte herabgesetzt würben? Solch- ruck- intb zwangsweise Herabsetzung aller Preise würbe aber, nachdem bie ganze Volkswirtschaft sich aus bie Kriegspreisc, wenn auch unter großen Schmer - >n und Verlusten, eingestellt hat, von katastro­phalen Wirkungen begleitet sein Wer durch bie Geldentwertung Nutzen gehabt hat, würde Scha­ben leiden^ und umgekehrt. Alle, bie über Sach­gütervorräte oder über produktive Verinögens- Lnlagen verfügen, also namentlich alle Unter­nehmer in Landwirtschaft, Industrie und Hculdel, deren Sachgüter und gütererzeugenbe Betriebs- anlagen im Grade ber allgemeinen Güterver­knappung unb noch weit darüber hinaus im Preise gestiegen waren, würden durch dessen Sturz schwer leiden, bie Gütererzeugung baher ftodai, die Unternehmungslust schwinden, Arbeitslosigkeit um sich greifen, neue und noch erbittertere Lohn- kämpfe ausbrechen, weil bie Arbeiter und An­gestellten sich ihre Löhne und Gchälter nicht gut­willig auf die Hälfte herabsetzen lassen würden, große Verluste an Kapitalwerten eintreten. Alle nicht in die Friedens zeit zurückreichenden, also in entwertetem Gelbe eingegangenen Schulden, müß­ten zum Schaden der Schuldner und Vorteil der Gläubiger fortan in Geld von doppeltem Wert verzinst und getilgt werten. Nur die Festbcsoltet.n, bis'ber die Stiefkinder ber Kriegszeit, würden besser gestellt. Alle Leiden dieser sechs Jahre sind solche, in welche die davon Betroffenen allmäh­lich hinein gewachsen sind, so daß sie sich mit ihnen, wenn auch weit mehr schlecht als recht, schl ießlich irgendwie abfinben konnten. Die ge­waltsame Kürzung ber Preise um bie Hälfte würde aber die davon Betroffenen jäh und mit ber Wucht eines schweren Schlages treffen, würde zertrümmern, was noch vorhanden und was in den bescheidenen Anfängen des Wiederaufbaues ist.

Kann man nun aber die Preise nicht mit einem

Ziffern in verkkhrsmäßige Erscheinung. Tre ge­legenen Umsapsisfern erforderte^ aber entspre­chend mehr Zahlungsmittel. Tie ^rche ist also ge-1 rabe umgekehrt vor sich gegangen, wie nach ber leider landläufigen Vorstellung.

Diese Erkenntnis ist von grundlegender Wich­tigkeit für die Frage nach den richtigen Mitteln zur Beseitigung der Geldentwertung. Denn eine Krankheit läßt sich nur heilen, iixnn man ihre Ursachen genau kennt, anderenfalls kuriert man an ihren Symptomen erfolglos herum. Die Pa- pierge!doermehcung ist aber ein unvermeidliches Symptom der GeÜ>entwertung, nicht ihre Ursache. Tie Entwertung finbet in rhr ihren natürlichen Ausdruck. Es muß also das Uebernrafr der Kauf­kraft beseitigt werden, das in der Kriegs- und Revolutionswirtschast ins Kraut geschossen ist, barm mindert sich in gleichem Umfange der Bedarf und damit ber Bestand an Zahlungsmitteln von selbst. Von feiten des Geldes aus könnte das wirkungs­voll mir geschehen durch Steuern, deren Erträge nicht wieder ausgegeben, sondern zur Sclullden- tilgung verwendet weiden. Nun ist bie Steuer­last aber schon überveichlich groß. Daher bleibt nur der Weg von der anderen, der Güterserte her. Es muß also bie Güterknappheit in ein reichliches Angebot von Gütern durch Steigerung ber Erzeugung umgewan- belt ioerben. Dann hört das Mißverhältnis zwi­cken Angebot und Nachfrage auf den Güter­märkten auf unb damit die Ursache ber Geldent­wertung. Nur Steigerung ber produk- riven Arbeit kann uns kann namentlich auch die lohnarbeitenden Klassen von den kata­strophalen Wirkungen der bisher noch immer wach­senden Geldentwertung erlösen. Wird sie be­gleitet von einem durch Verständigung zwischen den Erzeugern und Verbrauchern herbeigesührten, im Interesse ber Rückkehr zu normalen Wirtschafts- Verhältnissen zu begrüßendem allmählichen Abbau der Preise, bamt wird, durch bie alsdann von zwei Seiten' her sich vollziehende Vermin­derung der Umsatzzlftern die Nachfrage nach Zah­lungsmitteln geringer werden unb bann äud) deren Verminderung von selbst eintreten. Sie ist dann möglich und ungefährlich geworden. Man glaube aber nicht, daß sie das Ziel einer vernünftrgen Wirtschaftspolitik sein müsse. Die Kvanlheitssymp- tome verschwinden von selbst mit dem Aufhöven ber KiwrN-eitsmsiache. Wenn Personen in füh­renden Stellungen die Sache gerade umgekehrt ansehen, so ist das nicht ein Beweis für die Rrch- tigleit .ihrer Anschauung, sondern für bte Not- tvenbigieit besserer Erkenntnis volkswrrtschaftlrcher Grundzusammenhänge in allen Kreisen unseres Volkes, oer Mwenden tote ber geführten.

Die Ereigniise in Gberschiesien.

Berlin, 18. Ang. (Wolff.) Wie aus Kat- towitz von zuverlässiger Seite gemeldet wird, beruht die Mitteilung über die Entwaff- nung der dortigen Siche rheitspolizei auf einem Irrtum. Vielmehr wird daraus ver­wiesen, daß das Verhalten dec Truppen in jeder Hinsicht einwandfrei und korrekt war.

Berlin, 18. Aug. (Wolff.) Wie wir von zuverlässiger Quelle erfahren, steht die deutsche Regierung seit mehreren Tagen mit ber inter­alliierten Kommission in Oppeln in Verhand­lung über bk Wahrung ber Neutralität im oberschlesischen Abstimmungsgebiet. Tie inter­alliierte stommissivn versichert, baß sie etwa die Grenze überschreitende Truppen ber kriegführen­den Mächte entwaffnen und internieren werde und daß sie auch jede Unterstützung der krieg­führenden Mächte aus dem Abstimmungsgebiet heraus ober durch das Abstimmungsgebiet hin­durch, wie zum Beispiel durch die Zufuhr von Munition, Rekrutierung usw. verhindern würde.

Beuthen, 18. Aug. (Wolff.) Die inter­alliierte Kommission für Oberschlesien erließ folgende Bekanntmachung:

Von verschiedenen Seiten hat man das Ge­rücht zu verbreiten gesucht, baß die interalliierte Regierungskommisfion an Polen während der jetzigen schwierigen Sage Waffenhilse zu leisten beabsichtigen. Man hat sogar behauptet, daß Truppenbewegungen zu diesem Zwecke be­gonnen toorben seien. Das ist durchaus falsch. Diesen Tendenz gerückten zufolge sind große Pro­testversammlungen einberufen worden, gegen eine Handlung, die die Kommission nie unternommen hat und nicht einmal zu unternehmen beabsich­tigt. Damit kann nur eine. Störung des amtlichen Dienstes und eine Verwirrung des öffentlichen Lebens und Rechtes erzielt werden. Eine solche Agitation führt zu nichts. Sie kann nur der Hetzerei derjenigen, die die allgemeine Ruhe stören wollen, ohne sich um die Wohlfahrt des Lebens zu fümment, dienen.

Eine Darstellung der interalliierten Kommission.

Kattow itz, 18. Aug. (WTB.) Vmr der interalliierten Regierunqs unb Plebiszit kornmission in Oweln toirb über die gestrigen Vorgänge folgende Darstellung ge­geben: Ten Anlaß zum Vorgehen der K_av a l - i e ri e lot die V erwundun g zweier Jäger urch die Menge. Die Menge stürzte sich auf die Jäger und mißhandelte sie, iveshalb sich die Ka­vallerie 5um Ähutze des Lebens ber beiden Jäger in Vormarsch setzte. Ter Sichefheftspolidei war es

Gen ältst reiche allesamt beträchtlich herabsetzen, so ist eine plötzliche starke Papiergeldverminderung völlig wirkungslos. Tenn wir haben, von dem «hamsterten Papiergeld abgesehen, immer unge- 'ähr soviel Papiergeld in Umlauf, wie Der Verkehr bedarf, und soviel bei den Banken liegen, wie diese «fahrungsgemäß als Handkasse und als Re­in« für plöäiche Fälle, also zur Aufvechterhal- kwig ihrer Liquidität brauchen. " Ein Zuwachs darüber hinaus würde als Einlagen den Banken und Sparkassen zuflleßen, ein Mangel Dagegen durch Nolbehck.se (Fabrikgeld), Briefmarken u. a. NotMckd^ auSgeglidien Ivetten. Wir leiden also gar nicht an einem Zuviel von Papiergeld, son­dern an einem anderen Zuviel, das von sich aus einen ständig wachsenden Bedarf an Papiergeld erzeugt. Dieses nähre Zuviel ist die Kauf­kraft, die, durch die großen Gewinne und hohen Löhne der Kriegs- und ber Revolutionszeit, durch döchslpreisiib erschreitungen, Wucher unb Schieber- bvofite maßlos aufgedunsen, sich nicht auswirken kann, n>eil ihr gegen bie Friedens zeit nur sthr geringe Gütervorräte gegenübersteheu. Dieses Aißverhällnis findet feinen naturgemäßen Aus­druck im S)erabiinf?n des Geldwertes, in der Ent Artung der Friedensmark zur Mark von 1920. Jstst Entwertung ist also die unvermeidliche Folge des Sinkens der Gütererz eugrmg einerseits und der gewaltigen, im letzten Grunde auf die Kriegs smanzwirtschaft zurückgehertden Geldrermehrrmg andererseits. Aus dem Zusammentreffen dieser beiden entgegengesetzten Bewegungen müßte sie entstehen wie ein Natur vor gang beim Eintritt ber für ihn bestimmenden Voraussetzungen.

Macht man sich diese Entstehungsursache Der 0>eibentnxrtung klar, so erscheint der Glaube, daß fic aus der Vermehrung der Zahlungsmittel her sei, wie ein Aberglaube. Nicht weil totnet vaprerne Zahlungsmittel ausgegeben wur Den, entwertete sich bas Geld, sondern weil es ITtn entwertete, mußten mehr Zahlungsmittel ans- I wäre um ein Haar von Prrben werden. Tas Sinken des Geldwertes trat " k

ur\ .er Form von entsprechend höheren Umsatz-

inzwi scheu gelungen, die beiDen Jäger zurück; u- b ringen, von Denen einer einen Kopfschuß auf» loeist. Ter Rittmeister Lallune, der ebenfalls

1 Den bedrängten Jägern zu Hilfe kommen wollte, I wäre um ein £*tar von der wütenden Menge ge­lyncht worden. Nur der Umstund, daß einige Per-

[ soncn, bie ihn toti£n, der Menge yirebeten.

rettete ihm das Leben. Eine große nchar war inzwischen in die Scdanstvaße cingebrungen unb1 versuchte, in die Friedrichsmäße riirzubringen. Zu­gleich Drängten auch die Ätaffen aus bet Friedrich Uraße vorwärts und drückten die Soldaten und bie Sicherheitswehr immer ntehr an das Daus ber inneralliierten Konrnrissivn. Plötzlich fiel aus einem üxnife schr-ig gegenüber der Kommission ein Schuß und durchbohrte die Fenster. Drrz daran> wurde eine Sxrnbgranate aus derselben Richtung geworfen, Die schweren Schaden unter Den Demon ftrarrten angercd)tet haben dürfte. Darauflsin euertc der Posten vor dem interalliierten Okbäube aus eigener Initiative einige Schüsse ab. Es ent land zwar eine kleine Panik, doch kehrte die Menge bald wieder vor bas Haus ber öwmmission zurück, lieber Den Tod des Sanitätsrats Tr. Mileckr wäre zu berichten, daß dieser in Gegenwart des Majors drei Verwundete verband. Büi dieser sani-> tären Tätigkeit tourbe er von Der fanatisierten Menge angefallen und schwer misstxrndelt. Die Fußbodenbretter des ÜtanBentoagcns wurden aus Dem Wagen herausgerissen unb Milecki damit er cklagen. In später Nachtstunde staute sich eine riesige Menschenmenge erneut vor dem £>aufc der Kommission. Inzwischen tarn bie Nackwicht, daß Der Posten am Bahnhof (20 Mann) heftig ange­griffen wurde und bereits einen Toten unb einen Verwundeten habe. Daraufhin ging eine Kompag­nie zur Hilfeleistung nach Dem Bahnhof ab. Sie tourbe aber auf dem Wege dorthin von einem wahren Trommelfeuer von Handgranaten unb Ge­wehrschüssen überschüttet. Erst mit dem Ado r gen - grauen nahm Die Schießerei ein Ende. Auf Seiten Der alliierten Truppen sind an Verwundeten zu verzeichnen zwei Lote und ein schwerverletzter Soldat sowie 10 leichter Verwundete.

Kattowitz, 18. Aug. (Wolff.) 10 Uhr vor­mittags. Tie Sage ist ruhig, doch sehr gekannt. Hauptmann Leist, Adjutant der ersten Abtei­lung Der Sicherheitswehr, ist bei dem Versuch, die Menge am Bahnhofe zu beruhigen, durch (Herzschuß getötet worden. Bisher war es un­möglich, die Zahl der Opfer einwandfrei festzu- slellen, da die Toten unb Verwundeten zumeist in ihre Privatwo hnungen geschafft wurden.

Reue Kämpfe in Kattowitz.

ist den Polen bekannt. Daher hat schon am 15. August berBzionnik Berlinski" niilge^ teilt, daß bie Deutschen für bie allernächste Zeit bic Veröffentlichung einer neuen Reihe authentischer Akten einer polnischen tzeercs- organisation vorbereiteten. Das jetzt zur Kenntnis oer deutschen Behörden gelangte Material deckt bic gesamte großpolnischc Ver- scsstvörung bis in die kleinsten Einzelheiten auf unb hat die Namen aller führenden Ver­schwörer und die Stärke und Art ihrer Be­waffnung verraten.

Die Kriegslage im Osten.

Königsberg i. Pr., 18. Aug. (WTB.) Die Eisenbahnlinie Deutsch-Eylau-Thorn ist überschritten. Bolschewistisch,.' Truppen erreich­ten Lessen unb Rehden. Südlich Bischofswerder ist russisck-e Kavallerie auf getreten. Graudenz wird mit $)ilfe der Zivilbevölkerung be schleunigt armiert. Der Bahnhof Wlzla- wek liegt unter russischem Artilleriefeuer. Südwestlich Eiechanow ist ein Entlastungsslvß des polnischen Nordflügels zum Stehen gebracht worben. Eie cha now ist in Den tzänden der Bolschewisten. An der Nordostrront von Modlin und der Ostfront von Warschau hal­ten die starken bolschew'Aschen Angriffe an. Ter Gegenstoß des polnischen Zentrums aus der Linie WarschauJnwangorod und oer Flankenstoß nördlich des Oberlaufes der Wieprz gewinnen an Boden. Kämpfe bei Nowo-Minsk, nördlich jwn Zelkechay und bei Luknotv. An der Südftont örtliche Kampfhandlungen.

Die Schlacht vo» Warschau.

London, 18. Aug. (WB.) Lxrvas. Tie Schlachtvon Warschau scheint sich »u Gun- sten ber Polen zu entwickeln, die das Fort Nowo-Minsk genommen haben.

Ei» polnischer Heeresbericht.

Warschau, 19. Aug. (WTB.) Nachdem man die bolschewistischen Truppen an den mitt­leren Teilen Der Kampffront bis an die äußeren

Zeitung" meldet, veröffentlicht bieOberfchl. Volkszeitung" Dokumente, die das Bestehen einer großangelegten polnischen mili­tärischen Geheimorganisation in

Forts von Warschau berantommen ließ, machten die Polen auf den beiden Flügeln Gegcn- angriffe. Der eine gxSyt toon Lublin aud m der Richtung auf Bvest-Litowsk und steht unter dem Kommando des Generalstabschefs. Der andere geht von Nowo Gcorgiewsk aus den Norew auf- wärts. Andere polnische Truppen entwickeln sich an der Bahnlinie Warschau-Danzig tn ber Richtung! auf Mlawa. Den Truppen bes Marschalls Pil- sudski gelang es, fast auf der ganzen limie Lwtepr unb Narew die Bolschewisten 60 "Kilometer m ber Richtung Brest-Litowsk zurückzuwerfen. Die Ope­rationen erreichten eine vollständige Säuberung des Narewufers unb die Wiedereinnahme der Stadl Sorirk am Zusammenfluß von Bug und Narew. Damit ist die natürliche Verbindung nach Warschau wieder hergestellt.

Gegendarstellungen von HavaS.

Paris, 18. August. (WTB.) Die aus' Posen kommenden Nachrichten über die Lage Polens sind beruhigender. Die zur Ent- lastung der Stadt Graudenz unternom­mene Gegenoffensive ist geglückt. Die Verbindung mit Danzig ist nicht mehr bedroht und die Züge können wieder b i s Strasburg fahren. (?) Die aus Thorn eingetroffenen polnischen Truppen haben gegen Ostedt hin weitere Fortschritte gemacht.

Beutb-en, 18 Aug. (WTB.) "«Nach emer Meldung Der Ostdeutschen Morgenpost" ans Kattowitz ist die ungeheure Spannung heute nach­mittag abermals zur Entladung gekommen. Gegen 6 Uhr nachmittags hatten sich vor Dem Hotel Deutscher Hof, dem Sitz des polnischen Plebisztt- kommissariats, eine ungeheure Menschenmenge an­gesammelt, die dort ein großes Waffenlager ver­mutete und dessen Auslieferung forderte. Ms ein Auto mit Sicherheitspolizei erschien, das die Menge zerstreute, wurde plötzlich aus dem Hause bas Feuer eröffnet. Die Straße war sofort leer. Ieber Passant war bedroht. Einige junge Leute mit Ge­wehren und Handgranaten erschienen unb es ent­wickelte sich ein regelrechtes Feuergefecht. Gegen 8 Uhr brach in ben unteren Räumen Feuer aus. Gegen 9 Uhr ergab sich bie Besatzung. Die Sicher- beiteMijr unb bie Feuerwehr gingen an bie Löschung bes Feuers unb bie Festnahme der Be­satzung. 17 Personen wurden fefeenommen. Die Akten liegen auf der Straße. Tie Stadt ist jetzt -ruhig. Die gesamte Bevölkerung ist trotz des Be­lagerungszustandes auf der Straße. D ie Be­ tzungs t ruppen werden in ben Ka­sernen gehalten. Seit 9 Uhr ist bie Ver­bindung mit Kattowitz unterbrochen.

Korfantys Hetze in Oberschlefien.

Beuthen, 18. Aug. (WTB.) Der Leiter der polnischen Agitation in Ober­sch l e s i e n, Korfanth, verbreitet einen Auf­ruf, worin von einer deutsch-bolschewisti­schen Verschwörung und einer militä­rischen Geheimorganisation die Rebe ist. Diese Organisation betreibe in Verbindung mit Den politischen Parteien Oberschlesiens Sabo­tage gegen die Besatzungstruppen. Die polnische Bevölkerung Oberschlesiens wird aufgerufen, sich bereit zu halten, um die interalliierten. Truppen zu unterstützen. Am Schlüsse des Korfantyschen Aufrufes heißt es: Wir sind die Sherren des Landes. Es wäre eine Schande, |id) von einer Handvoll zugelaufener Fremdlinge terro­risieren zu lassen. Seid besonnen unb ruhig, zum Kampfe bereit!

Anmerkung des WTB.: In den Aufruf wer­den Einzelheiten über bie angebliche Geherm- organisation mitgeteilt Sie soll ihren Sitz in der Königin-Augusta Straße 38 haben. Auch werden die Namen der nchrenden Militärs genannt. Kor- fantn hat in seinem Eifer, eine deutsche Ver­schwörung zu entdecken, unterlassen, sich über bie Tatsache zu unterrichten. Die von ihm angegebenen Namen treffen völlig zu. Es iinb bie Namen einer Abteilung des Reichswehrministeriums unb zwar ber amtlichen Verbindungsstelle zu ber Ententemission. Die Verbindungsstelle hat ihren Ach unter ber von Korf an tp mitget eilten Adresse, nämlich im . Reichswehrministerium selbst unb nimmt die ihr übertragenen Geschäfte auf legitimen amtlichen Wege wahr. *

Eine polnische Geheimorganisation in Oberschlesien.

Berlin, 18. Aug. Wie dieVossische

Die wafsenftillstandsverhandlungen.

London, 18. Aug. (WB.) Havas. Nach in London eingegangenen offiziellen Nachrichten aus Moskau begann bie russis ch-polnische Waffen still st anbs-Kommission am Dienstag nachmittag um 7 Uhr zu beraten und vertagte sich kurz darauf auf Mittwoch

London, 18. Aug. (WB.) Havas. Eine offi­zielle Moskauer Tepesch über die russisch-polni­sch Waffenstillstandskonferenz besagt, daß nach dem Austausck der Vollmachten derVorsitzendo ber russischen Delegation, Tani- s chewski, eine Rebe hielt, in der er bte rus­sische Friedenspolitik bestätigte, insbesondere bie Absicht Sowjetmßlanbs bie Souveränität unb Un­abhängigkeit Polens unb sein R e ch t au s Se l b st- beftimmung seiner Regierungsform zu achten. Gleichzeitig erklärte et, baß Rußland Polen größere territoriale Vorteile bieten würde als die Entente.

London, 18. Aug. (WM.) Ter Korre­spondent desDaily Herold" in Minsk telegra­phiert seinem Blatte: Dani sch kewtkffch, der Vorsitzende der russischen Friekmsdetegatton, er­klärte: Sämtliche Zusammenkünfte ber Frte- denskonferenz werden öffentlich statt- Rnben. Wir beabsichtigen nicht, eine Politik des Gehei m haltens und des Zwanges, die in Versailles befolgt wurde, nachzuahmen. Wir werden auf- merffam auf alle polnischen Argumente höv-n, unb wenn wir auch hoffen, daß "Die bereits ver­öffentlichten Bedingungen Einnahme fmden wer­den, so beabsichtigen wir doch, ehrlich gememte Annäherungsvorschläge nicht abzulehnen. Mutz- land wünscht aufrichtig den Frieden sein Bestes tun, um etn Mitzlmgen ter hntrar» zu vermeiden. Ter allgemeine GEidiatz bet rusn- schen Politik ist die vollständige A^srnrarg von Pt>lbns SouveräWtät und Unabbangtgtert

Öberschlesien unzweifelhaft be-k weifen. Daß den amtlichen deutschen Stellen diese Dokumente in bie Hände glatten sind,»