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Slveites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

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Fortsetzung 7.

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werden tarnt, tritt auf Antrag zinsfreie düng ein.

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Der Klostertnüller.

Eine ErzWung von Karl Neurath.

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Berlin

Wassers und sie horchte gespannter L>mne. Aber nun hörte sie nichts mehr: es war gan- ruhig um sie her. Da packte ste eine entsetzliche Angst, und fchlotfemb stand sie wie angerroren. Aus blutigem Schnee sah sie ihren Christof liegen, von Kugeln zerfetzt, das bleiche Gesicht entstellt, verzerrt, die Augen mit dicken Blutkrusten be­deckt arm, hilflos . . . mutterseelenallein auf dem mrenblito Feld . . . unter rieselnden Schnee­stocken. Da strebte sie mit schmerzenden Füßen dahin, um ihm zu Helsen, um ihn zu retten, aber wie sie auch ging und ging, sie erreichte thn nicht. Er war ihr verloren . . . .verloren ...

Als der Müller heimkam, sand er seine Frau zusammen gekauert vor der Haustür hocken. Sie erkannte ihn, aber ihre Rede war verworren und in ihren Augen glänzte ein seltsamer Schein . . .

Sie sprach von ihrem Christof, von ihrem Peter, von dem Settchrn und von einem Kind, aber ihr Mann verstand sie nicht, und er hörte auch kaum noch zu. Der Kopf nebelte ihm, und das Herz schlug ihm schmerzvoll an die Rippen.

Nun war ihm alles verloren, was er lieb gehabt hatte im Leben! mußte er denken, und kein anderer Gedanke hatte mehr Raum neben diesem einen. _ ,

Im Hose mehrten sich die Wagen mit Mahl­gut, denn die beiden Knechte konnten die Arbeit allein nicht bewältigen, aber der Müller krümmte keinen Finger. Ohme Teilnahme für das tätige

lCircf?e nn- Schule.

Die kirchl ich-p-ositive Bereini­gung, Ortsgruppe Gießen, hatte, wie sie uns schreibt, unter Leitung ihres Vorsitzenden, des Herrn Prof. Weimar, ihre Mitglieder, dazu auch Gäste, am Abend des 16. Juli zu einer Ver­sammlung in den Postteller eingeladen. Herr Medizinalrat Dr. Wal ger erstattete Bericht ücer die Verhandlungen des Landeskirä^ntags vom Mai ds. Js. In ber sich anschliestniden Be- spreck>ung wurde auch der Beschluß der von Cri- schona kru5;ei?entxin Gemeinsclxr?ts?rri e, bei be­sonderen Gelegenheiten Sondcrabend mahlsfeiern unter sich za halten, eingehend erörtert. Sowohl Berichterstattung wie Diskussion hinterließen bei allen Teilnehmern der Versammlung einen tie­fen Eindruck. Tie tirchlich-posittve Bereini­gung fW auf dem 3Vxn des alten evwrge- lisckfen Glaubens unserer Väter, denen das Christen­tum als Offenbarungsreligion galt, deren Wahr­heit keinesw.'gs lediglich auf dem Weg des Ver­standes erkannt und bemeistert werden kann. Ihr ist der Glaube nicht in rein verstandesmäßigem Anerkennen religiöser Neber lieserun gen und ab­strakter Gedanken brichlvsien, soirdern sie erkennt den Glauben, wie die Väter der Kirche, als hohe sittliche Tat unseres Willens.

ra. Wetzlar, 18. Juli. Am Donnerstag tagte in Garbenheim die Synode Wetz­lar Für den im August vorigen Jahres verstor­benen Superintendenten P'arrer G e i b e I - Duten­hofen wählte die Synode einstimmig den bis­herigen Stellrertr ter Plärrer W i e b e r-Garben- heim zum Oberk/aupt der Synode. Divisions- p'orrer P r z y v d e ans Trier ist die Pforr teile Dutenhofen-Münchholzhausen über- tragen worden

»Wil WW eiten Llualiti» einviiebll > imchAß

brüche sind beute drei arbeitsscheue Bürick^I eben, einer von hier unb znri von Al Im darf a. d Lda., veri-astet worden. Sic sind ihrer Taten | überführt und geständig. Heute ist auch der letzte Kriegsgefangen'! ans unserer Ge­meinde aus sibirischer Gefangenschaft heimgekehn. In dieser Woche hat der K o r n s ch n i 11 begon­nen. Die Siebten sind vielfach sehr leicht und lückenhaft.

in verschiedenen Städten mit dem Verband der Gemeinde- und Staaisarbeiter abgtfd)L)lcu hat, und wodurch die Staot monatlich für etwa 120 Notstandsarbriter nahezu hunderttausend Mark Mehrkosten aufzubringen I>at Der Tarif für die stL>tisch«r Bucki.wu ckarbeilen mürbe von 525 ans 750 Prozent erhöht. Die Gebühren der Beisitzer des Gewerbe- und Kauf mannsgerichts werden aus 5 Mk. festgesetzt. Zum Au'bwl der Braunkohlen- grn.bePrinz von .Hessen" iverden für Wagen und Geleisanlagen writere 151223 M. bewilligt.

Hessen-Nassau.

[1 Marburg, 16. Juli. Aus merkwürdige Weise ist seit dem 5. ds. Nits, ein 15 Jahre alter Junge nameirs 5>rns Mette von hier ver­schwunden. Um Lebetrsmilril einzuholen, be­gab er sich an diesem Tage in die Birixmlvpscr Gegend. Wie festgestellt ist, ivurie d.n. Junge am Montag vor ackst Tagen bei Eckelshausen beraubt und in einen Kastenwagen gesteckt, ans dem er am anderen Morgen von teorbrigrijenben Leuten befreit wurde. Von Birienlvpf aus soll ihn die Polizei nach Hairse verwiesen haben, bis beute ist der Junge jedoch rood) reicht bei seinen Eltern ein-, getroffen. Er trägt einen blau- und ivrißgestreif- ten Matvosenanzug und ist ohne Kopfbedeckung. An der Stirn hat er eine Narbe.

Q Marburg, 17. Juli. Der Direktor des physwlogisck>en Jnstittlts, Geh. Med.-Rat. Prof.

Franz Hofmann, wurde zum R e k - Universität für das Amtsjahr 1920/21

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II. Die Steuererklärung der Gesell- scha ft en.

Blon dem Aktivvernrögen, das sich nach der Bilanz ergibt, sind abzugSsähig: Tic Schulden unb Lasten, das ringe zahlte Grund- und (Stammkapital, die Rücklagen für Wohl fahr tszwecke, deren Der- ivenbung hierzu gesichert ist. Alle dauernd dem Un­ternehmen gewidmeten Gegenstände, wie Gnmd- stücke, Masckstnen und sonstiges Inventar werben mrr mit dem Anschaffungswert abzüglich angemes­sener Msckwribnngen angesetzt Gb. y. dem Buck)- iverte). Tie in diesen Gegenständen steckenden stillen Neserven werden also nur zu einem geringen Teil verfteitcrt. Verschiebungen zwischen Privattermögen und Betriebsvermögen sind zu vermeiden, sonst kön­nen die Bermögensstücke zwrimal zur Besteuerung gelangen. Endlich ist noch die ganz neue und eigen­artige Bestimmung d.r Ziffer 16 zu erwähnen, wo- u.ach Waren, die sich außerhalb des Betriebes zum Zwecke der Umwandlung von Geld in (bisher) steuerfrei betveglich: Gegenstände getauft werben oder ausgestapelt werden, steuerlich ersaßt werden, 'derartigeHamsterwaven" gelten alsBetriebs- feemwgen". Der Steuersatz für Gesellschaftelr be­trägt 10 Prozent des nach vorstehenden Gmnd-- sätzen bercchiueten R-riiwernrögens.

III. Besondere Bemerkungen.

Ausglrichssvrderungen sind zwar mit aufzu- führen, aber sie kommen hier nicht in Betracht. Für die noch bem 31. Tczember 1919 Verstorbenen haben die Erben die Steuererklärung abzugeben. Teklavationspslichttg sind 'auch juristische Personen (eingetvagci« Vereine usw.), doch haben sie zahl­reiche Befveiung«r. Aus Grund der Steuere 'Gärung erfolgt Ikt Stauerbeschrid, dem evtl, das sogenannte Beanstmidungsverfähren zur Aufilärung von Be­denken vovauszu grien 'bat. Gegen den Bescheid sind die üb Hefen Rcckstsmittrl zulässig. Falls die Ent­richtung der Abgabe nicht vhne Gefährdung des Lebensunterhalts abgrht oder sie bei billiger Be- rücksickftigung feer wirtschaftlichen Verhältnisse für Iben Steuerpflichtigen als eine Härte empfunden

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Peter noch lebte und Unteroffizier geivorden war, berührte ihn kaum; er dachte garnicht daran, daß er auch fallen könnte.

Da müßt' es ja keinen Herrgott geben, loenn so was passieren könnte! dachte er oft imb ver­schlang die Hände zum Gebet. Aber nur zu­sammenhanglose Worte rannen über seine Lippen, wirr herausgestammelte Bitten.

So kam der Herbst, so kam der Winter.

In öder, dumpser Gleickpnäßigkeit vergingen die Tage, Stunde um Stunde, und jede drückte schwer auf das Herz.

Ta biteben plötzlich Peters Briefe aus. Er war zu einem anderen Regiment gekommen unb batte zuletzt an der Loire gestanden, mehr konnte Wehrum nicht erfahren trotz aller Anstrengungen. Ter Peter Wehrum war verschollen.

Da brach die Müllerin ganz zusammen, und hatte keinen anderen Wunsch mehr, als zu sterben. Sie begann, alles zu ordnen, und vergaß nichts. Wenn sie Abschied genommen hatte vom Leben, sollte ihr Haus gut besorgt sein. Eines Abends, als der Müller nach langer Zeit wieder einmal über den flirren ben Schnee ins Dors gegangen war unb das Gesinde schlief, schlich sie zum Dache, der schwermütig in die Nacht rauschte. Mit ge- sckstossencn Augen huschte sie langsam dahin zum Ufer- aber Mötzlich hielt sie den Schritt an. Wie der Ruf eines Verirrten hatte es geklungen: ganz klar und deutlich hatte sie es gehört trotz des

Der Christof war ihr der liebste Sohn ge- DDefa:, wenn sie es auch still in sich verborgen (hatte; nun lag ihre ganze Hoffnung aus ihrem Jüngsten, dem heimlich ein Kind zur Welt wuchs, verzweifelt betete sie um sein Leben, und suchte Trost und Hilfe bei dem Mäbck)en, das selbst schwer trug an Leid und Hoffnung. An ihrem Manne Hatte sie keine Stütze; der wanderte mit herbem Munde ruhlos umher, und zermarterte stch das Herz, weil er dem Christof keinen Einsteher ge­kommen hatte. Tann hätte der nit hütaus- oebtaudrt, sagte er sich, und die Mühle wäre stcher in der Familie geblieben. Wie es jetzt kam, das *huvte Irin Mensch, und er kam sich in seiner Ohnmacht gegen das Schicksal wie ein armseliger Wurm vor, der unter der Schwere eines Schuhes «riarmungslos und unbeachtet zermalmt wird. Was waren alle seine Hoffttimgen, was nxrren all feine Träume geworden; weniger als Rauch, den ier Wind über die Dächer treibt unb der spurlos »ergeht. Was war er selbst noch? Wie trugen die anderen im Dorf ihr Schicksal! Wohl, sie trau5 erten, aber sie waren doch nit so niedergedrückt wie er, nit so ganz vernichtet. Und er kam über keinen Schmerz nit hinaus, er nit! Auch daß fein

Vie Steuererklärung zum Reichsnotopfer.

Die Schwere der neuen deutschen Reichs Steuergesetzgebung, die wir erst vor einigen Wochen durch sie in Kraft getretene Reichs-Ein lammen steuer kennen lernten, werden wir in den nächsten Tagen noch stärker zu suhlen bekommen. Seit dem 28. Juni hat nämlich die Frist für die Steuer­erklärung zum Reichmotopftr begonnen, die am 28. August ihr Ende erreicht. Nur in ganz bc sonders begründeten Fällen ist sie auf Antrag zu oerlängern. In diesem Punkte würde es sich ledig­lich um den Abschluß drehen. Das gesamte am Stichtage, d. h. den 31. Dezember 1919, vorhan bene Vermögen soll in der Steuererklärung vorhan ben fern. Wer anders bilanziert, muh dies be­sonders beantragen. Es ist daher sehr wichtig, bah Gewerbetreibende sich rechtzeitig darüber klar werden, ob sie bezüglich der Vcranlagrmg des ge­werblichen Vermögens dn allgemeinen gesetzlick>en Stichtag ober ihren eigenen Bilanzstichtag wählen wollen. Die Pflicht zur Steuererklärung erstreckt sich auf jedermann, dem ein Formular zur Erklärung zugeht, ganz gleich, wie hoch sich sein Vermögen beläuft. Diejenigen aber, die über 5000 Mark Vermögen besitzen, sind auch ohne Auf- forberung verpflichtet, eine Steuererklärung in der genannten Frist abzugeben. Die Nichtbeachtung bieser Vorschrift hat einen Strafzuschlag von 10 Prozent zur Folge.

Der Ehemann und die Ehefrau geben ihre Steuererklärung gemeinsam ab unb muh die Fran diese mit unterschreiben. Vermögende Kinder, auch Benii sie minderjährig sind, müifen jeder für sich eine besondere Steuererklärung abgeben; diese Er­klärung ist vom gesetzlichen Vertu ter, regelmäßig also dem Vater, abzugeben. Die Fragestellung im Formular ist ähnlich der zu den KriegSabgabe- oesctzen, d. h. sie ist in größter Kürze abgefaßt, doch ist dem Formular eineAnleitung" beige- geben, damit Beanstandungen des Finanzamtes vermieden werden. Man verlangt nicht detaillierte, sondern summarische Angaben. Wer aber trotzdem falsch deklariert, setzt sich der Gefahr aus, daß das verschwiegene Vermögen dem Reiche verfällt: selbst falirläh'ige Angaben sind unter schwere Strafe gestellt. Daher empfiehlt es sich nicht nur für leden Privatmann, sondern erst recht für jeden (^schästsmann, alle Unterlagen, die zur Deklara­tion gedient haben, sorgsülttg auszubelvahren.

J. Die Steuererklärung der natür­lichen Personen.

Das Betriebsvermögen wird nur mit 80 Proz. *ur Steuer hcraugezog n. Zum Betriebsvermögen zählt au.li das Gechkapital, soweit es zum Betriebe erforderlich ist. Bemerkenswert ist der sogenannte Trennonatsabzug. Nur die Betrüge, die zur Be- ftifitnng dec lausenden Ausgaben nicht geschästlick)er ober beruflicher Art für die Monate Januar bis März 1920 nach Abzug der während dieser Zeit erzielten Einnahmen erforderlich waren, können abgezogen werden. Es ist das der Standpunkt des Prenß. Oberverwaltuiigsgerichts, der in diese neue Reichssteuer übernommen worden ist.

Anschaffungen von Schmuck, Luxusgegenstan- den und Sammlungen, die seit dem Beginne des verflossenen Krieg.s, dem 31. Juli 1914, gemacht wurden, sind voll steuerpflichtig. Im einzelnen 'oll bei der Beurteilung des BegriffesLuxus" maßgelend sein, daß der Erwerber sein Vermögen ui wertvollen Gegenständen angelegt hat, um es der Besteuerung zu entziehen (ogl. auch den Kom­mentar von Koppe-Barnhagenf. Ansprüche auf Entschädigung wegen der Liquidation oder Ein­behaltung von Wirten in den feindlichen Ländern sind besonders auszuführen. Bei derDarlegung der für die Veranlagung in Betracht kommenden Verhältnisse" wünscht der Steuerfiskus zu wissen, welches Guthaben bei Banken und Sparkassen besteht oder ob man dort ein Schließfach hat Ferner: welche Schenkungen nach dem 31. De- frember 1913 getroffen worden sind. Zu letzterem begriff gehören auch die Ausstattungen (nicht Äussteuerü die dem Schnker wieder zuzurechnen sind. Hervorzuheben würde hier fein, daß § 14 Ziffer 5 des Gesetzes besagt:Von der Hinzu- itdpnmg sind ausgenommen: Zuwendungen, von denen die Beteiligten glaubhaft machen, daß sie riebt in der Absicht der Hinterziehung von Stenern erfolgt sind." Hierzu gehören beispielsweise: Ein 95ater hatte seinen Kindern während des Krieges, damit dieselben über die Not der Zeit hinweg- lamen, nach und nach 19 000 Mark in Einzel- »uwendun^en gegeb.n. Das Preuß. CVG. hat in Hnnem Urteil vom 30. 10. 1918 (Deutsche St. Ig. 0919) ausdrücklich hervorgehoben, daß diese Zu­wendungen nicht den Stempel der Steuerhinter- iiebung tragen. Aehnttch dürfte auch der Fall liegen, wenn dem Sohne ober dec Tochter Zu- 'Sendungen zur Errichtung eines Gewerbes ge- nacht werden. In diesem Falle würde die Aus- tattung der Aussteuer gleichzuerachten sein. Das rrklärungssormutar macht solche Unterschiede nicht, deshalb ist vom Erklärer auf die Einhaltting der mgezogenen Gesetzesvorschrift zu achten.

Kttift ttiifc w ss nsehaft

bf. Bad-Nauheim, 17. Juli. Tie 86. Ver- fammlung deutscher Naturforscher und Aerzte findet in der Zeit vom 19. bis 25. Sep­tember hier statt.

2!us Statt rind Land.

Gießen, den 19. Juli 1920.

** Aus dem Stadtt^eatcrbureau. Wie schon betanntgeg'bcn, Wirt» am Freitag den 23. Juli die beliebte OperM i g n u n" von Am- bvoise TlMnas zur AuMhinng gemacht. In den Hauptpartien sind die aller-rten Krircke der Wies­badener Staatsoper bosckHfttgt. Wsir nennen Fr. Müller-Reichel für die Trtripartte, Fvcdy Busch für den Willrim Mri'ter, Wlara Frieofeld für die Philine. Tas Dreh* [:r, das gegenüber ixn(.)Tsar- deLjursttn" vcr'^rrkt ist, wird t»;m startlickion Kur- vrckefter B«d-Nau'l)cim gestellt. Auf den von vier Bollettdamen audgcfülyrten Zigeunertanz sei eben­falls hingcwiesen Ter Aussüchrung flmraitt be­sonders zustatten, daß sie zwei Tage vor der Gießener MfMrnng im Könnertch^ls in Bad- Nauheim in derselben Besetzung gegeben wirb. Die Preise mußlbn toegen des jlärieren Chors, Or­chester usw gegenüber den Preisen vonCsavdas- fürftin" etwas ettobt werden, bleiben alrr immer noch um rimges hinter beit Opernpreisen der Win­terspiel zeit zurück.

** Vom chemischen Untersuch­ung s a m t wird uns geschrieben: Von Händ­lern, die meist aus dem besetzten Gebiet kom­men, n>erden in letzter Zeit häufig Wurst­waren an Haushaltungen, Leoensmittelge- schäste und Metzgereien verkauft. Nach dem Ergebnis der Untersuchung ist die Wurst aus Pferdefleisch und Mehl hergestellt. Der ge­forderte Betrag von ca. 15 Mk. pro Pfund steht in keinem Verhältnis zum wahren Werte der Wurst. Vor Ankauf dieser Wurst kann nur dringend gewarnt werden. Lebensmittelge­schäfte und Metzgereien, die diese Wurst unter Verschweigung des Umstandes, daß sie aus Pserdefleifch und Mehl hergestellt ist, Weiter­verkäufen, machen sich eines Vergehens ge­gen das Nahrungsmittelgesetz schuldig und ha­ben eine Strafanzeige zu gewärtigen.

** Z u Gunsten des B i b e l k r e i s e s Gießen fand bor einigen Tagen unter Mitwir­kung des Herrn Rudolf Dietz- Wiesbaden unb I. Hahn von hier im Gasthof Hindenburg rin gutbesuchter Vortragsabend statt. Pianist Hahn spielte mit Meisterschaft Toccata und Fuge von Bach-Tausig, drei deutsche Tänze von Brihoven- Seiß, das Scherzo in B-Moll von Chopin unb die Rhapsodie von Liszt. Herr Nudsts Dietz bot nach einer kurzen Einführung in Wesen und Ver­schiedenheit unserer Mundarten etwa ein halbes Hundert seiner vorzüglich pointierten Mundart­gedichte aus seinen Werken:Deham is deham", Luftige Leut",Nix for ungut",Pesserniß" undSiwwesache" und erregte eine große Heiter- keits- und Beifallsftimmung.

Landkreis Gießen.

Treis a. L., 16. Juli. Als Täter der in der letzten Zeit hier verübten nächtlichen E i n -

,mittelflr,u.tltu W8 OM r billigen Preile emvMIt P® l MW C.M2. Mckivtt i.d.EEUivoidk!- bat, iRauditaW :en5vw.aileZü GMttrfkO» . uitt).

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Gietzener Strafkammer.

Gießen, den 17. Juli

In ber Sitzung vorn 16. Jrcki kam wledar eine Rril)e von Diebstählen, meist schwerer Natur, zur Verhandlung. Defomers hervor trat die un- erl}ört ftech; Tat des vielfach vorbestraften H. K. von .Katze:i.irrt, der im Januar dieses Jahves hier einen WagenmitPserdvanderL-traße wegsta hl und für 3000 Mark verkaufte. Wegen dieser Tat sowie eines netteren Diebstahls, einer Ittttersckstagrmg und zweier Betrüge ist er zu brei Jahren sechs Monaten Gefängins unter Aber^en- mrng der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahve verurteilt worden.

Reckt unangenehme Erfahrungen machte ent Landwirt in Langd mit einem jimg-m Menschen,

Montag, 19. Juli 1920

den er urr Arbeit bei sichlunr.iunrmm Ttatie, ohne sich viel um seine Per,önlichl.'it und fri.i Vorleben zu kümmern. Bon den sehr hohen (Möbeirägrn, die ber Landwirt zu Hause im Sckwant liegen bette, nach seiner Bel-aupttrng, um Geld für den Bau einer Scheune zur Hand zu haben, stahl der junge Mensch etwa 30 000 Mark in Sch inen fjtrirl er rnitttchmen knmtc und verschvmd, nntrbe je'.xrch bald wieder aufgegriffen, unb t aS Geld Contite ihm zum größten Teil nieder abgenjmmcn wer­den. Ter Täter ist wegen Diebstahl im R ü ch f a II bereits ve>rdesttast. TaS Urteil lautete auf zwei Jahre Gefängnis. Im übrigen wird der Fall auch für die Steuerbehörde nicht dhne Interesse sein.

Wegen Entwendung eines Treib­riemens unter erschwerten Umständen wurden zwei Büdinger Frauen unb ein Jugendl icher von dort in Strafe genommen. Ten Diebstalst führten sie gemeinschaftlich in der Wollipinnerei, in der sie in Arbeit standen, aus. Tor iugendlich: Täter, der trotz seiner 15 Jahve schon wiederh.'lt wegen Tieb- stalsts 'vorbestraft ist, hat außerdem rin? Reihe von Wolldieb st Ästen begangen, die sich als sorigrietztes Telikt darste.lten. Die Täter sind mit je vier Mo^ naten Gefängnis w:gen des Triebrie^nenl'iebstnhls bestraft worden. Tor Jugendlich-- erhielt au herbem zwei Ndonate Gefängnis ivegen der Entivendimg der Wolle: beide Strafen wurden 511 einer Ge­samtstrafe von fünf Mmuten zusam menge faßt.

Von einer Diebs- und Einbrecher- bände, die feiner Zeit Alsfeld durch ihre fort- gelebten Straftaten ttt Aufro<pmg p-.-retzt tat, lit­ten sich noch zwei Beteiligte zu Verantwvr'.en. Die Haupttäter sind schon früher abgeurteilt ivordon. Es 'handel le sich hier um die Beraubung eines Eisenbahnlvagens und den Diebstahl von Lebensmitteln und Frauenklridern von erheblichem Wert aus der Försterei in Liederbach. Die An­geklagten waren insoweit geüänbfb mib sind jeder zu seckis Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Ein weiterer in Echzell verübter Einbruchs- dieb stahl brachte sckstießlich dem aus Friedberg stammenden schwer vorbestraften Täter eine Zncht- hausstvafe von einem Jahr zivri Monaten ein.

Gerichtslaal.

fn Frankfurt a. M., 18. Juli. Nachdem das Gold im Wert roict^r gefallen war, sah ein Marburger Dentist in der Klemme, berat er hatte 67 Zwanzig, ranksstücke unb 200 Gramm Golbplättckien ausgehamstert. Wie vergnügt war er da, als er drei Frankfurter Leut? fand, die anscheinend von dem Goldsturz noch nichts wussten; denn sie wollten 41 000 Mark zahtt'n. Natürlich müsse man bas Gold auf sein? Echthrit prüfen. Zum Pfand ließen sie in der W rtsck>aft, wo die Goldschiebung vor s!ch ging zwei wo hl gefüllte Brieftaschen zurück. Nur baß sie mit Zeitungs­papier rocblgefüllt waren. Den einen Bauern­fänger verhaftete man am Tage nach seiner Hoch- zeit, die beiden anderen waren auch bald gefinM ben; nur das Gold ist verschwunden geblieben. Es gab Strafen von zwei, vier und sechs Mo­naten Gefängnis, und die Haftbefehle wurden aufgehoben.

Q Marburg, 16. Juli. In etwa neun- stündiger Verhandlung und im Beisein zahlreicher Zuhörer betoäftigte sich das Schöffen­gericht gestern mit einem lyier viel'.e pwck-enen Z u - sa mm en stoß zwischen St ra ße n pa s san-» t e n unb Pv 1 i z e i b e am ten in icr yiackst zutn 25. April, wobei einer der Passtm;e^ ^urd) einen Säbelhieb verwundet wirst-e. Tte Afngektag'en, zwei Bri.der. wurden schließlich d'-S W^.e and-.s gegen die Staatsgewalt für schuldig eracht, t unb der eine zu 16 Tagen Gefängnis und der andwe zu 240 Mark Geldstrafe Derurteilt.

wcmvern und Neksen. bäder.

Ter Seebäderdienst des Norddeutschen Lloyd, Bremen, wird, sobald bi: zur Zeit für die Beförderung von Abstimmungs'oerech taten nach Ostpreußen benötigten Tampser i'.re Aufgabe in dieser B^zie'hung erfüllt Habe.:, in volle n Umfange wieder aufgcnomrnen. In die Linie Sivir.emunde- Zoppot-Tanzig und umge?ehrt wird am 24. Juli der DampferGrüß Gott" wieder eingestellt. Zwisck-en Bremerl-aven-Helgoland unb Norderney verkrinck vom 29. Juli ab der Salonschnelldampfer , Najade" nach festem Fäl/rplan, der bei ben Ver­tretern des Norddeutschen Lloyd unentgrillich er» hattiich ist-

Vermochte».

Berlin, 17. Juli. (WTB.) Berschieden? Blatter melden aus Hamburg: Der ameri­kanische Dampfer fierm jor rannte gestern ]wzf)t infolge RüdersckZad<.ns beim Auslauten an die Altonaer Landungsbrücken. Der Schaden an den betriebsunfähig gewordenen Brücken beträgt über 2 Millionen M art. Einige kleinere Fahrzeuge sind gesunken. Der selbst schwer beschädigte Dampfer wurde m An­sehung des Schadens vorläufig feslgel-a.ten.

Leben saß er in der Schlafstube am Fenster unb ließ Dom Krankenbett feiner Frau die Blicke trost­los über die winterlichen Felder wmldern. Manch­mal dachte er daran, wie das in früheren Jahren um diese Zeit gew.sen war. wenn er mit fernen zwei Buben und den Knechten rüstig unb Hefter geschafft hatte vom Morgen bis zum Abend unb feine Müdigkeit verspürt hatte und Ablpaimung. Wie schön hatten sie sich die Zukunft ausgedac^. Wie wäre bas alles geworden, wenn sie erst d/urchgesetzt hätten, daß die schon lang geplante Kreissttaße an der Mühle Dorb.igelegt würde, da­mit sie endlich einmal eine ordentliche unb be­queme Zufahrt erhielten . . . Unb nun war alles vorbei, mm war alles gleichgültig: er hatte ja seine Buben berg eben müssen und hatte feinen blutsverwandten Erden. Seine Schtoester und sein Schwager wurden nach ihm hier Hausen: wo seit Jahrhunderten die Wehrums aus- und entgegen- gen waren, würde ein fremdes Geschlecht sitzen, ein fremdes und ihm unangenehmes dazu.

So mochte denn jetzt alles gehen tote es ^Einmal in der Nacht schreckte die Müllerin auf aus wirrem Schlaf. Ihre Au^en leuchteten tief und ihre Stimme war Har und ohne (&tagts mein, aber sie war zart und sckIvach.

(Fortsetzung folgte

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