Einzelbild herunterladen

Nr. <67

Der fcwfrenct X«|eiaer erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.

8<$»g6fectfr:

Monatlich TJkrcfc 3.60 undMK.-65TrSgerl.hn. vierlaljLd I'chMaik IOSO undMk.l.SöTrägerlohn; durch die Post viertel- jährlich Mark 12. ausschließlich BefteSgeld. Fernsprech-Anschfeste: grdieSchristleitung 112;

erlag.GsschäfdssteSebl.

Anschrift für Drc.h4nach. richten' er Liehen.

Porsche ckonto:

Zranyort a. M. U685

Erster Blatt

<70. Jahrgang

Montag, < . Juli <920

General-Anzeiger für Gberhesien

druck und Verlag: Vrühl'sche U«iv.-Y»ch- uni> SteÄöruckerei 8. Lan^e. 5chriftleftnn-, KefchaftsfteSe mrd vruckerri: Zchulstratzr 7.

Lknuqmc von Anzeigen für d.e Tagesnummer bis zum Rachmitlag vorher ohne jede <Bcrbinöhd)hcil. Preis für < mm Höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite brtl.ch 35 Pf., aut raarts 45 Pf.; lür Reklame. Anzeigen vvn 70 mm Breite 150 Pf De« Piatz- vorfchriil 20" Aufschlag. Hauvtfchristlelter: Aug. (hoch. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Fenz; für den Anzeigenteil: H. Dech, sämtlich in Tietz en.

Nachklänge zur Nonserenz von Spaa.

Unsere deutsck-e Negierung hat über einen ziemlich trockenen Rkchenichastsbericht hinaus und über die Tragweite der Beschlüsse von Spaa noch nichts erhebliches gesagt. Die be­teiligten amtlichen Instanzen werden jcbod), wie uns heute mitge:eilt wird, in den aller­nächsten Tagen darüber beraten, und dann wird wohl auch die deutsche Oessentlichkeit an diesen Dingen etwas mehr teilnehmen dürfen. Die deutsche Presse hat die Ergebnisse im all­gemeinen mit den größten Bedenken verzeich­net und jcstgestellt, daß die Verantwortung für alle schweren Folgen von den Staats­männern der Entente getragen werden müssen. Diese haben sich inzwischen über ihr Werk schon etwas ausführlicher geäußert. Während Herr Millerand sich den Anschein gibt, als wäre den sranzösiichen Bedürfnissen noch kei­neswegs Genüge geschehen, worin er von der französischen Presse eifrig unterstützt wird, war Derr Lloyd George etwas redseliger und hat im Gespräch mit englischen und amerika­nischen Pressevertretern, wie wir im Ber­linerLok.-Anz." lesen, allerlei merkwürdige Aeußerungen getan. Er lobte z. B. dieanßer- ordentliche Arbeitsfähigkeit" von Simons, die ihn in Erstaunen gesetzt habe. Die neue deut­sche Regierung sei beim Zusammentritt der Konferenz erst einige Wochen im Amt gewe­sen, aber sie habe alle Probleme erstaunlich und mit großer Geschicklichkeit beherrscht. Wir haben uns zu fragen, warum der weise Be­herrscher der englischen Politik unserer Regie­rung, der er in Spaa in so brutalem Ton be­gegnete, nunmehr ein so auffälliges Lob spen­det. Lloyd George gibt in seinen Unterredun­gen selbst darauf die Antwort. Er erklärte, es handele sich nun darum, daß die in Spaa ver­tretenen Regierungen auch im Amte blieben. Rach dieser Notwendigkeit hat Lloyd George seine Politik bemessen. Aus eine Anfrage er­widerte er, der § 7, die Einmarschklausel, sei hauplsächlicl) für die öffentliche Meinung Frankreicl)s bestimmt gewesen, denn Mille­rand habe einen großen Teil der öffentlichen Meinung Frankreichs gegen sich und gehe schweren Kämpfen entgegen. Aber auch die deutsche Regierung habe einen schweren Stand und wenn sie zum Rückzug gezwungen würde, so geschehe es, weil das deutsche Volk glaube, daß sie zu viel Zugeständnisse an Frankreich gemacht habe. Wenn aber die deut­sche Regierung gestürzt würde, entstünde eine ernste Situation für ganz Europa.

Aus all diesen Redensarten Lloyd Geor­ges ist zu entnehmen, daß für ihn nicht die ge­rechte Sache entscheidend war, sondern daß er eine Verlegenheitsvoli.ik auf der Oberfläche ge­trieben hat. Nun sucht er der deutschen Oeffent- lichkeit wieder Mut zu machen, indem er ihre "Regierung lobt und die Schwierigkeiten der Lage Deutschlands den Pressevertretern ge­genüber, mit denen er sich unterhalten hat, (titerfennt. Uns würde es lieber gewesen sein, icenn diese Anerkennung auf der Konferenz selbst unzweideutig, und zwar auch durch die Tat, zum Ausdruck gekommen wäre. Es Meibt dabei, trotz aller Schönrederei des eng- lischen Ministerpräsidenten, daß die Konft- nenz von Spaa eine äußerst schwierige Lage jur Deutschland geschaffen hat und daß das Auftreten Lloyd Georges äußerlich zwar mäch-

JtQrf gewesen ist, daß jedoch seine Äollttk der Nachgiebigkeit gegenüber Fcank- icich als schwach und unzulänglich sich erwei- ftn wird.

Ein dreister Berbandsbericht über die Schlußsitzung von Spaa.

Spaa, 17. Juli (Wolss.) Der amtliche Ver- famteberitbt über die geftrige Sitzung der Kon­ferenz lautet:

Die Konferenz trat um 5 Uhr nachmittags zu eurer Vollsitzung zusammen. Delacroix legte erneu abgeändertm iert vor und gab Erklärungen über die Abänderungen. Die Alliierten prüften dis Dokument unb beschlossen, den Text des Pro- tevolls voll und ganz aufrechtzuerhalten, bis auf eine formelle Aenderung im Artikel 1. Die deutsche Sdegattoii zog sich zurück, um einen endgültigen Entschluß zu fassen. Sie kam um 8 Uhr zu der Sitzung zurück und teilte den Alliierten mit, daß sie das Protokoll unterzeichne, aber einen Vor­behalt betr. Artikel 7 mache, der Vergeltungs­maßnahmen bei Nichtausführung, z. B. Be­setzung des Ruhrgebiets, Vorsicht. Tela- nvix nahm diese (SrtLärung an. Millerand irrb Lloyd George wiesen daraus hin, daß di-ser Bord h lt keineswegs die Aus ührung der vorgesehenen Bergeltuirgsmaßnohmen beein­trächtige. Dr. Simons crEamitc den ver­söhnlichen Geist an, von bem die Beratungen d«r Konferenz getnag-m gewesen seien und gab den Willen der deutsck^ir Regierung zum Aus­druck, in jedem mvglick-en Maße den Versailler Friefensvertrag auszusühren wobei er die Drohung dcS Zwanges der Alliierten bedauerte. Delacroix schloß mit dem Vorschlag, einer Kom­mission von je zivei Mitgliedern jeder Macht, ** V* ixt euriqcu Wochen in mein

wurde, die Prüfung der deutschen Vorschläge über die Wiedergutmachungen zu übertragen. Er be­grüßte den Geist, der die Beratungen der Alli irrten mt Sinne eines Wiederaufbaues Europas geleitet habe

Sicherlich ist dieser Bericht drcist gefärbt: es ist sicher, daß Tr. Siurons roeti . entftrnt ist, den Ve hindlungötton der Gegenseite zu loden und als versöhnlich zu bezechnen. Finsterer Ernst muß die Schlußstimmung fein.

Berlin, 17. Juli. lWB.) Der vorläu­fige Reichswirtschaftsrat tritt am 22 Juli zur Beratung des Bericksts der Reichs- cegietung über die Verhandlungen in Spaa zu­sammen.

Ein amtlicher deutscher Rechen chastsbericht.

Spaa, 17. Juli (WTB.) Amtlich Die Kvnferenz hat von den tnei Gegenständen der Tagesordnung folgerst^ erledigt: die milftärischc Frage, die Frage der Kri ^gsver^efenl und die Koh­lensrage: die Ft age der Wiede gutmachung fotwte nickst mehr behandelt w-rten. Am ra chesten wurde das Problem gelöst, das noch vor kirr »-er Zeit die Gemüter am heftigsten bew.'gtc, nämlich die Be­strafung der Deut l eben, roeüb? tP-gen Vergehen gegen die Kri^gsreafen angesch-ydigt waren. Siev ist es einer gennscksten Kommission von Sachver­ständigen in kürzester Zeit gelungen, eine Ver- standigung über die einzuschlagende Methode zu erzielen. Hätte man in der Frage der Entwaff­nung Deutschlands und seiner Kol,ckenlieierungen an die Alliierten einen ähnlichen Weg eingejchlagen, so würde man sich Zeit und Kraft erspart haben. Leider wurden in beiden Fragen die Verhandlungen mit einem Verhör der angeklagten deutschen Re­gierung begonnen unb mit einer einseitigen Ent­scheidung geschlossen. Die deutsch.'u ©egengrünbe komrten nicht mit der nötigen Ausführlich teil zu Gehör gebracht werden. Das Berhand.'ln im Ple­num machte eine geschäftsmäßige Erledigung un­möglich. Wenn man auch die schwierige Lage der Alliierten aneifennt, die immer erst unter sich einig werden mußten, um Deutschland eine Ant­wort zu geben, und von dieser Antwort dann kaum'wieder abgehen konnten, und w-'nn man die Absicht der Alliierten zugibt, Deutschland ent­gegenzukommen, so bleiben bte von der deutschen Delegation unterschriebenen Protokolle doch eine außerordentlich schwere Belastung unseres i n n e r po l i t i s ch en unb wirt­schaftlichen Lebens. Sie erhalten einen be­sonders gebäfiigen Charakter dadurch, daß die Alli­ierten es für nötig befunden haben, in beiden Fällen ihre Entscheidung uns aufzuzwingen.

Immerhin enthalten die unterzeickyieten Ent- scheidungen nicht nur Nachteile für Deutschland, die militärische 6ntid)rihimn läßt uns die Möglichkeit, die Ruhe im Jndnsst-iegebtet, nötigen­falls durch militärische Machtmi:tel, au frech! zu- erl-alten. Sie verlängert die Fristen für die Ent­waffnung und die Herabsetzung der Heeresstärke um weitere drei bis sechs Ndonate. Auch gibt sie dem Rest des deutschm Hteres in mehreren Punk­ten eine besser»? Organisation.. Das Kohlen- quautum wird nach dem Beschluß des Wie­dergutmachungsausschusses über die Höhe d?r mo­natlichen Kohlenlieserungen voclättftg von 2,4 Mil­lionen auf 2 Millionen Tonnen herabges'tzt. Es ergibt sich ferner die Aussicht, den Ausfall an Ruhrkohle, der durch die vereinbart-m Lieferungen entsteht, durch eine Melnchrlieferung mit ober­sch l e f r s che r Kohle einigermaßen zu mildern. Außerdem wird für Oberschlefien eine besondere Kohlenkommission eingerich.et, rn der Deutschland als Mitglied vertreten ist. Für auf dem Land­wege gelieferte Kohle wird eine Prämie von 5 Mk. Gold pro Tonne und ein Vorschuß in Höhe des Restes der Differenz zwischen dem deutschen In­landspreis und dem auf beiHmmte Art sestzust-?Ilen­den Weltmarktpreis genxibrt, der nach Maßgabe der Höhe der Kvhlenlies'rilng fällig wird. Prämie und Vorschuß föitnen und sollen sofort zur Er­höhung der Lebenshaltung des deutschen Volkes verwendet werden, insbesondere der Bergarbeiter, durch deren Mehrarbeit in erfter Linie die Durch­führung der Kohlenlieferungen an die Alliierten ermöglicht wird. Die nötigen Maßregeln zur Be­schaffung auswärtiger Läensmittelzusuhren sind schon in Angriff genommen worden.

Die von den Alliierten mit großem Nach­druck »erlangte Unterzeichnung der Klausel, daß im Falle nicht genügender Kohlenli.'serung so­fort das Ruhrgebiet besetzt werden könne, hat die deutsche Delegation abgelehnt; das Ab- tommen wurde unter Ausschluß dieser Klausel unterzeichnet. Da ftn Lause ber Verhandlungen die Stellung ber deutschen Delegierten sich der normalen Stellung immer mehr näherte, wenn sie sie auch noch keinesw'gs erreichte, ist zu hoffen, daß bie Frage der W i ed ergutmachung in Genf von vornherein in wefeger mißtrauischem Geiste verhandelt wird als die Vorgänger in Spaa. Ein Sonderbericht des Vereins deutscher

ZeitunAöperieger.

Spaa, 17. Juli. Mittags. Abschieds­stimmung. Die Massenslucht ber fr mben De­legierten unb Journalisten hat bereits begonnen. Um 7 Uhr bie Engländer, mn 11 Uhr die Fran­zosen. Bei uns wirb schnell gepackt, werden Stiften unb Kästen zugenagett unb <kt fee bereit stellenden Lastautos geschafft. Es vegnet in Ström-n. Te'e- graph unb Telephon sind wieder völ'.if gestört. Doch heute läßt es uns gleichgültig. Die eiligen Nachrichtmr sind erschöpft Ter drohmde Ein­marsch ins Ruhrgebiet mit seinen katastrophalen Folger: ist noch einmal verhindert ivorven, wenn auch um den Preis großer unb schwerer Opfer, und das Damoklesschwert des Ein mar - sches hängt weiter über uns. Am 6. Oktober tvirb v.e EinmarschL-rusel zum crüeumal brühen, wenn wir bie fnuiid^be^iug«; igat nicht er-

füHen; am 15. November zum zweitenmal, wenn I nxr nickst seckB Mrllvmor Tonnen Kst,len gt* liefert haben Nach b-r fmxht.-arcn Soannung | von gestern ist ber Rücksch ag eingetreten. Wenn man das Resultat der Konferenz uoersrhaut, so idjeint es für Deutschland unerträglich. Wie konnte es aber and) anders sein, da man wohl im ere Grrmde ang-'jört hat. aber die letzte Entsckieidung uns doch inst dem Schiverte in der Hand au'zwang?! Und doch ist ent Fortschritt von Versml.es nach Spaa ein firner Fort djritt Der Weg von Tvaa zur Zuammcnarfe'it der Völker Europas und ber ganzen Welt ist em langer, langer Weg für unter deutsches Vaterland, ein dornenvoller Wog bitteren Leides. Aber wir müssen hindurch, alle Kra t ,vu ammensafs n. Dazu mut) es aber ictem Deutschen immer w'eder cin- gehämmert toetten, daß wir den Weltkrieg ver­löten haben und unter "inziger Schild das mora­lische Recht ist und bleiben muß.

E n vernünftiges englisches Urteil.

Amsterdam, 17. Juli. (WTB.) Die ,,D c ft rt i n ft e r Gazette" schreibt in einem Leitartikel: Die Deutschen hab.'N, wie es zu en n<arten war, die Forderungen ber Allii-ttten aus Licsennig von zwei Millionen Tonnen Kohl:n monatlich angenommen. Die Bedingung ist drn Deutschen von den Alliierten auf gezwungen rwrben. könne aber bie tatsächliche wirtschaftlich; Lage nicht ändern. Das Bedauerlichste bn allen bisherigen Kviiferenzen war, daß di-; alliierteii Staatsmänner ihr Augenmerk nur auf bie ihnen aus bem Friedensvertrag zustehrr.dcn Rechte tver- fen, ohne dabei die wirtschaftlichen Tatsachen zu beachten. Wenn bie E.itentepoli- tifer Deutschland eine große Mmge Kohlen abzu- licfecn zwingen, so wird die deutsch: Jndustrte nicht in ber Lage sein, ihre Produktion derart zu gestalten, daß die eine groß.' Entschädi­gungssumme aufbringen ftnm. Wenn die En­tente deutsche Kohlen fordert, so hat Deutschland noch lange nicht die Mittel, seine unterernährten, entfräfteten Bergarbeit w in einen besseren Ernäh­rungszustand zu versehen.

Lord Robert Cecils Kritik an der Gewaltpolitik.

Am ste rbam, 17. Juli. (WTB.) Lord Ro­bert Cecil sagte in einer Rode in Lontvn, ein grüner Teil ber englischen StaatÄiusgaben sei eine Folge der auswärtigen Politik. Es sei zu befürchten, baß Vnrck) diese Politik die Rüsmngs- la'en in bedooch'ichem vergrößert würben. Robert Cecil erklärte zum Schluß, ber Völkerbund biete eine bessere Bürgschaft gegen den Krieg als die Gewaltpolittk.

Der Vorfall vor der französischen votschast In Berlin.

Berlin, 17. Juli. (Wolff.) Amtlich. Die Vernehmung des Täters, der am 14. Juli die Flagge von ber französischen Bot­schaft he runter holte, hat einwanbfrei ergeben, oaß der Säter, der durch die Erregung der Menge auf bem Pariser Platz mitgerissen wurde, vollstän­dig s e l b st ä n d i g aehandelt hat. Seine An­wesenheit fei dem Vorfall war rein zufällig. Trotz sorgsamster Nachforschung Hafen sich irgendwelckre Anhaltspunkte für eine Anstiftung des Täters durch dritte in irgendeiner Form nicht erbringen lassen. Politisch ist ber jugendliche Täter bisher in keiner Weise bervorgetreten.

Berlin, 17. Juli (WTB.) Wie der Ber­liner Lolal-Arrzeige"r meldet, ist in Verfolg der Vorfälle vom 14. Juli tvr der fvanzöfisckten Bot­schaft jetzt als angeblicher Hauptschul­diger der VLaivr H a u v t, Führer ber 1. Ab­teilung der Berliner SicherheitStVlizei, ohne jede fesnbtgung fristlvs entlassen w-.wfen, des­gleichen auch die anderen Beamten des beteiligten Kommandos.

Frankreichs Vorgehen in Syrien.

Paris, 17. Juli. (WTB.) Nach einer Matin"-Meldung aus London ist dort das Ge­rücht verbreitet, die Franzoi'en hätten bem Emir Foical ent 24stündiges Ulttmatum geüeklt. Sy­rien Jolle das französische Mandat unb die fran­zösische Spracfe als offiziell anerkennen, sowie französisches Geld als Zahlungsmittel in Syrien zulassen. Da nach abgelaufener Frist teilt? Ant­wort eingegangen war, hätten französische Truppm den Vormarsch auf Aleppa und Da­maskus begonnen. Wie man in London sage, hätten fee Araber bis jetzt keinen Widerftmib geleistet. Nach einer weiteren Meldung aus Syrien sind auch die syrischen Eisenbahnen unter bi? direkte Kontrolle oer Franzosen g>?stellt worden.

Der potniiche Heeresbericht.

Kopenhagen, 17. Juli. (WB.) Emern Te­legramm aus Warschau zufolge meldet der polnische Heeresbericht: Im nördlichen Absch ftl besetzten bie Bolschewisten Smsrgon unb Osthmiany. Der Kamp festert am Oschonianflusse an. Tie bolschewistischen Angriffe nordöstlich Luzk in ber Richtung »rach dem Kniazsee unb in ber Gegend von Botow sind unter fedeutenoen Verlusten für den Feind abgeschbrgen worden. Die festigen Angriffe aus Luzk werden fortgesetzt, in der Gweird von Dubno greift ber Feind unaufhörlich an.

Italien und Oesterreich.

Wien, 17. Juli. (WTB.) Tie italienisch-? hat ber österreichischen Regierung zur Kenntnis gebracht, daß mit dem Tage des Austausches der Ratifikativnsurkunbeu über den Frieden von St. Germain die militärische Be­setzung von Gebieten bmetfeilb Oe- erreichs durch iÄtenische Truppen ein Errde geftudte» habe.

Der Friedezwischen Litauen nnd Rußland.

Kowno, 17. Juli. (WTB) Litauische Ido- groDfenageniur. Tie Friede usdele gierten ausMoskau find hier eingetvoftcn. Die ixnipb- punkte des Vettw.ges sind lei»ingmrgslost Anerken­nung der litauiicfen lluablcngur'cit, Zuerleu- ung der Hauvt^adt Wilna und der Stabte Grofero, Loba und Savnorrmy, AuL-ahl«rng iwn drei Mll- (innen Rubeln in Gold, ioirtnige Heimschnffung der Gefangenen unb Flückstlinge. Zu Berchrnp- lungen über die Ueb-ngabe Witmis und der anderen lilautfchen, von rufiiid>en Truppen festtz en biete begab sich eine Delegation noch Wilna. Die li au» ifeilen Truppen sind in Wilna einigmuft, von der Bevölkerung mit größter Begei <erung empfangen. Dann folgte russische Kavalier«. Ster rus,ische Brigabeführer erklärte in eurer Anspiachc, daß bie Russen nicht lange in Wilna bl eiben wurden, sondern im Verfolg des Friedeusvertragcs die Stadl Litauen übergefen würfen.

Kopenhagen, 17. Juli. (WTB.) Wie die Beilinpste Tibende" aus Konnw mdbel, ver­pflichteten sich die Bolschennsten in b?m zwisckim Li anen und SmvieN'ußl'rnd a^geschLossen-en Z-rie- densoerttag den Litauern ein ? Entschä­digung von iufammen breiMillronen Rubel in Gvlo zu bezahlen. Zwei Milg vb-r der litauischen Friebeiisdelegattoii (4?iben vorläufig in Moskau, um die Hcimsenbung ber litauifchcn Flüchtlinge zu regeln.

Tcr Friedeu4vertra7 mit der Türkei.

London, 17. Juli. (Wolff.) Aus die tür> kisckie Note betv.'ffend den F r i e d e n s p e r t r a g haben bie Alliierten eine' Antwort erteilt, in der eS abgelehnt wird, die Beslimmungen üfer Tl>ra- zeni, Smyrna, bie Grenzen Syriens und Arme­niens abzuchrbern. tiefer bie Meerengen Hafen die Alliierten entschieden, daß die Türkei als Usermacht das Reckst haben solle, einen Delegierten, für den M e e r e n g c n a u S s ch u -u ernennen. Sie machen ferner eine Anzahl wichtiger Zuge­ständnisse wie z. B. Berzickst auf die Bedingung, daß die Türkei den Miierten alte türkischen Damp­fer über 1600 Tonnen abzutvsten febe. Die Ant­wort besagt ferner: Wmn die Türkei ablehne, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, ober nicht im­stande sei, ihre Autorität in Anatolien wieder herKustellen, so würfen die Alliierten möylicher- we.se g zwung n fein, die für Konstantinopel getroffene Regelung in der Weise abzuöw.-ern, daß die Türken endgültig aus Europa v rt.i.-ben wür­den. Den Türken wird für die Unterzeichnung eine Frist bis zum 2?. Juli zugestunden.

(Ein Uebereinfommen zwischen Italien, Japan, velaien und pertugal.

Spaa, 17. Juli. (Wolff.) Huve.s Zwischen Italien, Japan, Belgien und Portugal wurde ein Uebercintommen ur.terzeichuet, um safort unter diesen Mächten einige Probleme zu lösen, die sich aus der Aenferuna des F r i e - bensver tra ges van Versailles ergeben:

Art. 1 bestimmt, daß bie Summe, fee von Te'itschl>rnd als Wiet.ergutmackmng auf Grund fes F^ieidens'oertrages vm Versailles gefehlt werfe, wie folgt verteilt wird. England 22 Pro-, Frank- reich 52 Proz., Italien 10 Pro-., Japan 0.75 Pro­zent, Belgien 8 Praz. und Portugal 0,75 Pvoz. Tie reftlito 61/» Prozent werden für Griecktenland, £>en serbischrn, trociscfen unb sloiv?nisck)en Staat, sowie für die Mächte, fee auf Wiedergutmachung Ansprücfe erheben, aber das gegenwärtige Abkom­men nickst mittrnterzeickMt haben, ter.eilt

Art 2. D-e als Wiefergutmachung von Oester­reich und Bulgarien erhaltene Gesamt summe wird zw'ammen mit der Kontribution zu den Ausgaben stir die Befreiung der LÄrier aus fern ö-errr.chi'ch- 'ungarischen Staate wie folgt verteilt: a' zur eii<en Hälfte in ber in Art. 1 vorgesehenvl Proportion; b) von ber anderen Hälfte erlfeltei Jtal.en 40 Pro­zent, Griechenlonb, ber serbi>ch-Loattsck)e Staat unb Rumänien 60 Prozent.

Art. 3. Tie alliierten Regierungen inerten un­tereinander fee nötigen Maßnahmen tre-fen für die Sicherstellmw dieser Zalstungen, folls nötig, werfen sie De u t s ch l a nd d u r ch A n l e ih e n he l f e n, fee dazu beftimml sind, seinen inneren Verpflicfe fcungen nack^ukommen, und fee es ihm gleichzeitig erlauben, seuie Schuldenbrst so schnell rote möglich abzusck)ütteln, um seinen Wiederaufbau mu vollen Kräften zu heben.

Art. 4 enthält einz?Ine Bestimmungen über fee Aufstellung der Abr^mung für jede eft'-.feine Mackst von ter W,el> rgutmachungschmmisiion er beltimmt bie Regeln für fee Tlbsthriit und Lasst"corift.

Art. 5 befiinrrnt die Maßnahmen, die Bel­gien eine Priorität von 2V2 Milliarden Francs rn Gold sichern, auf die es Anspruch hat, gemäß den Bestimmungen des Ueberei'.ckommcns -wm 26. Juni 1919 und für de Kategorien der Zahlungen, die für feefe Priorität bestimmt )uri>.

Art. 6 präzisiert die Schätzungsmethofe der Schiffe, die konform der Friedensverträge von Versailles und St. Gernrain abgeliefert werden müssen, Tonne für Tonne, Platz um Platz und die Handels- unb Fischereilchttst, die infolge der kriegerischen Handlungen zerstört oder bescvädrgt worden, sind zu ersetzen. Er bestimmt außerdem fee für feefe Schiffe zu schiente Miete. Beiim­mungen für Lösung der übrigen Fragen, fee durch die Entscheidung des belgischen Prr^engerichts aitt- gemorsen wurden, sind getroffen. wird

eme auf die Anteile der übrigen alliierten Mächte erhobene Kompensation erhalten.

Art. 7 bezieht sich auf die leichten schifte, auf die Schwimmdocks und das bas auf Grund des Protokolls vom 10. 6. 1920 geliefert wurde. , . .

Art. 8 bestimmt als Kompensatton für die versenkten Kriegsschiffe, daß fee Trspostttonnr des Prowkolls vom 10 1. 1920. aut de» Erl^ aus bem Verkanf ba Srjegs;chckke unb des Strien