Nr. <67
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Erster Blatt
<70. Jahrgang
Montag, < . Juli <920
General-Anzeiger für Gberhesien
druck und Verlag: Vrühl'sche U«iv.-Y»ch- uni> SteÄöruckerei 8. Lan^e. 5chriftleftnn-, KefchaftsfteSe mrd vruckerri: Zchulstratzr 7.
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Nachklänge zur Nonserenz von Spaa.
Unsere deutsck-e Negierung hat über einen ziemlich trockenen Rkchenichastsbericht hinaus und über die Tragweite der Beschlüsse von Spaa noch nichts erhebliches gesagt. Die beteiligten amtlichen Instanzen werden jcbod), wie uns heute mitge:eilt wird, in den allernächsten Tagen darüber beraten, und dann wird wohl auch die deutsche Oessentlichkeit an diesen Dingen etwas mehr teilnehmen dürfen. Die deutsche Presse hat die Ergebnisse im allgemeinen mit den größten Bedenken verzeichnet und jcstgestellt, daß die Verantwortung für alle schweren Folgen von den Staatsmännern der Entente getragen werden müssen. Diese haben sich inzwischen über ihr Werk schon etwas ausführlicher geäußert. Während Herr Millerand sich den Anschein gibt, als wäre den sranzösiichen Bedürfnissen noch keineswegs Genüge geschehen, worin er von der französischen Presse eifrig unterstützt wird, war Derr Lloyd George etwas redseliger und hat im Gespräch mit englischen und amerikanischen Pressevertretern, wie wir im Berliner „Lok.-Anz." lesen, allerlei merkwürdige Aeußerungen getan. Er lobte z. B. die „anßer- ordentliche Arbeitsfähigkeit" von Simons, die ihn in Erstaunen gesetzt habe. Die neue deutsche Regierung sei beim Zusammentritt der Konferenz erst einige Wochen im Amt gewesen, aber sie habe alle Probleme erstaunlich und mit großer Geschicklichkeit beherrscht. Wir haben uns zu fragen, warum der weise Beherrscher der englischen Politik unserer Regierung, der er in Spaa in so brutalem Ton begegnete, nunmehr ein so auffälliges Lob spendet. Lloyd George gibt in seinen Unterredungen selbst darauf die Antwort. Er erklärte, es handele sich nun darum, daß die in Spaa vertretenen Regierungen auch im Amte blieben. Rach dieser Notwendigkeit hat Lloyd George seine Politik bemessen. Aus eine Anfrage erwiderte er, der § 7, die Einmarschklausel, sei hauplsächlicl) für die öffentliche Meinung Frankreicl)s bestimmt gewesen, denn Millerand habe einen großen Teil der öffentlichen Meinung Frankreichs gegen sich und gehe schweren Kämpfen entgegen. Aber auch die deutsche Regierung habe einen schweren Stand und wenn sie zum Rückzug gezwungen würde, so geschehe es, weil das deutsche Volk glaube, daß sie zu viel Zugeständnisse an Frankreich gemacht habe. Wenn aber die deutsche Regierung gestürzt würde, entstünde eine ernste Situation für ganz Europa.
Aus all diesen Redensarten Lloyd Georges ist zu entnehmen, daß für ihn nicht die gerechte Sache entscheidend war, sondern daß er eine Verlegenheitsvoli.ik auf der Oberfläche getrieben hat. Nun sucht er der deutschen Oeffent- lichkeit wieder Mut zu machen, indem er ihre "Regierung lobt und die Schwierigkeiten der Lage Deutschlands den Pressevertretern gegenüber, mit denen er sich unterhalten hat, (titerfennt. Uns würde es lieber gewesen sein, icenn diese Anerkennung auf der Konferenz selbst unzweideutig, und zwar auch durch die Tat, zum Ausdruck gekommen wäre. Es Meibt dabei, trotz aller Schönrederei des eng- lischen Ministerpräsidenten, daß die Konft- nenz von Spaa eine äußerst schwierige Lage jur Deutschland geschaffen hat und daß das Auftreten Lloyd Georges äußerlich zwar mäch-
JtQrf gewesen ist, daß jedoch seine Äollttk der Nachgiebigkeit gegenüber Fcank- icich als schwach und unzulänglich sich erwei- ftn wird.
Ein dreister Berbandsbericht über die Schlußsitzung von Spaa.
Spaa, 17. Juli (Wolss.) Der amtliche Ver- famteberitbt über die geftrige Sitzung der Konferenz lautet:
Die Konferenz trat um 5 Uhr nachmittags zu eurer Vollsitzung zusammen. Delacroix legte erneu abgeändertm iert vor und gab Erklärungen über die Abänderungen. Die Alliierten prüften dis Dokument unb beschlossen, den Text des Pro- tevolls voll und ganz aufrechtzuerhalten, bis auf eine formelle Aenderung im Artikel 1. Die deutsche Sdegattoii zog sich zurück, um einen endgültigen Entschluß zu fassen. Sie kam um 8 Uhr zu der Sitzung zurück und teilte den Alliierten mit, daß sie das Protokoll unterzeichne, aber einen Vorbehalt betr. Artikel 7 mache, der Vergeltungsmaßnahmen bei Nichtausführung, z. B. Besetzung des Ruhrgebiets, Vorsicht. Tela- nvix nahm diese (SrtLärung an. Millerand irrb Lloyd George wiesen daraus hin, daß di-ser Bord h lt keineswegs die Aus ührung der vorgesehenen Bergeltuirgsmaßnohmen beeinträchtige. Dr. Simons crEamitc den versöhnlichen Geist an, von bem die Beratungen d«r Konferenz getnag-m gewesen seien und gab den Willen der deutsck^ir Regierung zum Ausdruck, in jedem mvglick-en Maße den Versailler Friefensvertrag auszusühren wobei er die Drohung dcS Zwanges der Alliierten bedauerte. Delacroix schloß mit dem Vorschlag, einer Kommission von je zivei Mitgliedern jeder Macht, ** V* ixt euriqcu Wochen in mein
wurde, die Prüfung der deutschen Vorschläge über die Wiedergutmachungen zu übertragen. Er begrüßte den Geist, der die Beratungen der Alli irrten mt Sinne eines Wiederaufbaues Europas geleitet habe
Sicherlich ist dieser Bericht drcist gefärbt: es ist sicher, daß Tr. Siurons roeti . entftrnt ist, den Ve hindlungötton der Gegenseite zu loden und als versöhnlich zu bezechnen. Finsterer Ernst muß die Schlußstimmung fein.
Berlin, 17. Juli. lWB.) Der vorläufige Reichswirtschaftsrat tritt am 22 Juli zur Beratung des Bericksts der Reichs- cegietung über die Verhandlungen in Spaa zusammen.
Ein amtlicher deutscher Rechen chastsbericht.
Spaa, 17. Juli (WTB.) Amtlich Die Kvnferenz hat von den tnei Gegenständen der Tagesordnung folgerst^ erledigt: die milftärischc Frage, die Frage der Kri ^gsver^efenl und die Kohlensrage: die Ft age der Wiede gutmachung fotwte nickst mehr behandelt w-rten. Am ra chesten wurde das Problem gelöst, das noch vor kirr »-er Zeit die Gemüter am heftigsten bew.'gtc, nämlich die Bestrafung der Deut l eben, roeüb? tP’-gen Vergehen gegen die Kri^gsreafen angesch-ydigt waren. Siev ist es einer gennscksten Kommission von Sachverständigen in kürzester Zeit gelungen, eine Ver- standigung über die einzuschlagende Methode zu erzielen. Hätte man in der Frage der Entwaffnung Deutschlands und seiner Kol,ckenlieierungen an die Alliierten einen ähnlichen Weg eingejchlagen, so würde man sich Zeit und Kraft erspart haben. Leider wurden in beiden Fragen die Verhandlungen mit einem Verhör der angeklagten deutschen Regierung begonnen unb mit einer einseitigen Entscheidung geschlossen. Die deutsch.'u ©egengrünbe komrten nicht mit der nötigen Ausführlich teil zu Gehör gebracht werden. Das Berhand.'ln im Plenum machte eine geschäftsmäßige Erledigung unmöglich. Wenn man auch die schwierige Lage der Alliierten aneifennt, die immer erst unter sich einig werden mußten, um Deutschland eine Antwort zu geben, und von dieser Antwort dann kaum'wieder abgehen konnten, und w-'nn man die Absicht der Alliierten zugibt, Deutschland entgegenzukommen, so bleiben bte von der deutschen Delegation unterschriebenen Protokolle doch eine außerordentlich schwere Belastung unseres i n n e r po l i t i s ch en unb wirtschaftlichen Lebens. Sie erhalten einen besonders gebäfiigen Charakter dadurch, daß die Alliierten es für nötig befunden haben, in beiden Fällen ihre Entscheidung uns aufzuzwingen.
Immerhin enthalten die unterzeickyieten Ent- scheidungen nicht nur Nachteile für Deutschland, die militärische 6ntid)rihimn läßt uns die Möglichkeit, die Ruhe im Jndnsst-iegebtet, nötigenfalls durch militärische Machtmi:tel, au frech! zu- erl-alten. Sie verlängert die Fristen für die Entwaffnung und die Herabsetzung der Heeresstärke um weitere drei bis sechs Ndonate. Auch gibt sie dem Rest des deutschm Hteres in mehreren Punkten eine besser»? Organisation.. Das Kohlen- quautum wird nach dem Beschluß des Wiedergutmachungsausschusses über die Höhe d?r monatlichen Kohlenlieserungen voclättftg von 2,4 Millionen auf 2 Millionen Tonnen herabges'tzt. Es ergibt sich ferner die Aussicht, den Ausfall an Ruhrkohle, der durch die vereinbart-m Lieferungen entsteht, durch eine Melnchrlieferung mit obersch l e f r s che r Kohle einigermaßen zu mildern. Außerdem wird für Oberschlefien eine besondere Kohlenkommission eingerich.et, rn der Deutschland als Mitglied vertreten ist. Für auf dem Landwege gelieferte Kohle wird eine Prämie von 5 Mk. Gold pro Tonne und ein Vorschuß in Höhe des Restes der Differenz zwischen dem deutschen Inlandspreis und dem auf beiHmmte Art sestzust-?Ilenden Weltmarktpreis genxibrt, der nach Maßgabe der Höhe der Kvhlenlies'rilng fällig wird. Prämie und Vorschuß föitnen und sollen sofort zur Erhöhung der Lebenshaltung des deutschen Volkes verwendet werden, insbesondere der Bergarbeiter, durch deren Mehrarbeit in erfter Linie die Durchführung der Kohlenlieferungen an die Alliierten ermöglicht wird. Die nötigen Maßregeln zur Beschaffung auswärtiger Läensmittelzusuhren sind schon in Angriff genommen worden.
Die von den Alliierten mit großem Nachdruck »erlangte Unterzeichnung der Klausel, daß im Falle nicht genügender Kohlenli.'serung sofort das Ruhrgebiet besetzt werden könne, hat die deutsche Delegation abgelehnt; das Ab- tommen wurde unter Ausschluß dieser Klausel unterzeichnet. Da ftn Lause ber Verhandlungen die Stellung ber deutschen Delegierten sich der normalen Stellung immer mehr näherte, wenn sie sie auch noch keinesw'gs erreichte, ist zu hoffen, daß bie Frage der W i ed ergutmachung in Genf von vornherein in wefeger mißtrauischem Geiste verhandelt wird als die Vorgänger in Spaa. Ein Sonderbericht des Vereins deutscher
ZeitunAöperieger.
Spaa, 17. Juli. Mittags. Abschiedsstimmung. Die Massenslucht ber fr mben Delegierten unb Journalisten hat bereits begonnen. Um 7 Uhr bie Engländer, mn 11 Uhr die Franzosen. Bei uns wirb schnell gepackt, werden Stiften unb Kästen zugenagett unb <kt fee bereit stellenden Lastautos geschafft. Es vegnet in Ström-n. Te'e- graph unb Telephon sind wieder völ'.if gestört. Doch heute läßt es uns gleichgültig. Die eiligen Nachrichtmr sind erschöpft Ter drohmde Einmarsch ins Ruhrgebiet mit seinen katastrophalen Folger: ist noch einmal verhindert ivorven, wenn auch um den Preis großer unb schwerer Opfer, und das Damoklesschwert des Ein mar - sches hängt weiter über uns. Am 6. Oktober tvirb v.e EinmarschL-rusel zum crüeumal brühen, wenn wir bie fnuiid^be^iug«; igat nicht er-
füHen; am 15. November zum zweitenmal, wenn I nxr nickst seckB Mrllvmor Tonnen Kst,len gt* liefert haben Nach b-r fmxht.-arcn Soannung | von gestern ist ber Rücksch ag eingetreten. Wenn man das Resultat der Konferenz uoersrhaut, so idjeint es für Deutschland unerträglich. Wie konnte es aber and) anders sein, da man wohl im ere Grrmde ang-'jört hat. aber die letzte Entsckieidung uns doch inst dem Schiverte in der Hand au'zwang?! Und doch ist ent Fortschritt von Versml.es nach Spaa ein firner Fort djritt Der Weg von Tvaa zur Zuammcnarfe'it der Völker Europas und ber ganzen Welt ist em langer, langer Weg für unter deutsches Vaterland, ein dornenvoller Wog bitteren Leides. Aber wir müssen hindurch, alle Kra t ,vu ammensafs n. Dazu mut) es aber ictem Deutschen immer w'eder cin- gehämmert toetten, daß wir den Weltkrieg verlöten haben und unter "inziger Schild das moralische Recht ist und bleiben muß.
E n vernünftiges englisches Urteil.
Amsterdam, 17. Juli. (WTB.) Die ,,D c ft rt i n ft e r Gazette" schreibt in einem Leitartikel: Die Deutschen hab.'N, wie es zu en n<arten war, die Forderungen ber Allii-ttten aus Licsennig von zwei Millionen Tonnen Kohl:n monatlich angenommen. Die Bedingung ist drn Deutschen von den Alliierten auf gezwungen rwrben. könne aber bie tatsächliche wirtschaftlich; Lage nicht ändern. Das Bedauerlichste bn allen bisherigen Kviiferenzen war, daß di-; alliierteii Staatsmänner ihr Augenmerk nur auf bie ihnen aus bem Friedensvertrag zustehrr.dcn Rechte tver- fen, ohne dabei die wirtschaftlichen Tatsachen zu beachten. Wenn bie E.itentepoli- tifer Deutschland eine große Mmge Kohlen abzu- licfecn zwingen, so wird die deutsch: Jndustrte nicht in ber Lage sein, ihre Produktion derart zu gestalten, daß die eine groß.' Entschädigungssumme aufbringen ftnm. Wenn die Entente deutsche Kohlen fordert, so hat Deutschland noch lange nicht die Mittel, seine unterernährten, entfräfteten Bergarbeit w in einen besseren Ernährungszustand zu versehen.
Lord Robert Cecils Kritik an der Gewaltpolitik.
Am ste rbam, 17. Juli. (WTB.) Lord Robert Cecil sagte in einer Rode in Lontvn, ein grüner Teil ber englischen StaatÄiusgaben sei eine Folge der auswärtigen Politik. Es sei zu befürchten, baß Vnrck) diese Politik die Rüsmngs- la'en in bedooch'ichem vergrößert würben. Robert Cecil erklärte zum Schluß, ber Völkerbund biete eine bessere Bürgschaft gegen den Krieg als die Gewaltpolittk.
Der Vorfall vor der französischen votschast In Berlin.
Berlin, 17. Juli. (Wolff.) Amtlich. Die Vernehmung des Täters, der am 14. Juli die Flagge von ber französischen Botschaft he runter holte, hat einwanbfrei ergeben, oaß der Säter, der durch die Erregung der Menge auf bem Pariser Platz mitgerissen wurde, vollständig s e l b st ä n d i g aehandelt hat. Seine Anwesenheit fei dem Vorfall war rein zufällig. Trotz sorgsamster Nachforschung Hafen sich irgendwelckre Anhaltspunkte für eine Anstiftung des Täters durch dritte in irgendeiner Form nicht erbringen lassen. Politisch ist ber jugendliche Täter bisher in keiner Weise bervorgetreten.
Berlin, 17. Juli (WTB.) Wie der Berliner Lolal-Arrzeige"r meldet, ist in Verfolg der Vorfälle vom 14. Juli tvr der fvanzöfisckten Botschaft jetzt als angeblicher Hauptschuldiger der VLaivr H a u v t, Führer ber 1. Abteilung der Berliner SicherheitStVlizei, ohne jede fesnbtgung fristlvs entlassen w-.wfen, desgleichen auch die anderen Beamten des beteiligten Kommandos.
Frankreichs Vorgehen in Syrien.
Paris, 17. Juli. (WTB.) Nach einer „Matin"-Meldung aus London ist dort das Gerücht verbreitet, die Franzoi'en hätten bem Emir Foical ent 24stündiges Ulttmatum geüeklt. Syrien Jolle das französische Mandat unb die französische Spracfe als offiziell anerkennen, sowie französisches Geld als Zahlungsmittel in Syrien zulassen. Da nach abgelaufener Frist teilt? Antwort eingegangen war, hätten französische Truppm den Vormarsch auf Aleppa und Damaskus begonnen. Wie man in London sage, hätten fee Araber bis jetzt keinen Widerftmib geleistet. Nach einer weiteren Meldung aus Syrien sind auch die syrischen Eisenbahnen unter bi? direkte Kontrolle oer Franzosen g>?stellt worden.
Der potniiche Heeresbericht.
Kopenhagen, 17. Juli. (WB.) Emern Telegramm aus Warschau zufolge meldet der polnische Heeresbericht: Im nördlichen Absch ftl besetzten bie Bolschewisten Smsrgon unb Osthmiany. Der Kamp festert am Oschonianflusse an. Tie bolschewistischen Angriffe nordöstlich Luzk in ber Richtung »rach dem Kniazsee unb in ber Gegend von Botow sind unter fedeutenoen Verlusten für den Feind abgeschbrgen worden. Die festigen Angriffe aus Luzk werden fortgesetzt, in der Gweird von Dubno greift ber Feind unaufhörlich an.
Italien und Oesterreich.
Wien, 17. Juli. (WTB.) Tie italienisch-? hat ber österreichischen Regierung zur Kenntnis gebracht, daß mit dem Tage des Austausches der Ratifikativnsurkunbeu über den Frieden von St. Germain die militärische Besetzung von Gebieten bmetfeilb Oe- erreichs durch iÄtenische Truppen ein Errde geftudte» habe.
Der Friedezwischen Litauen nnd Rußland.
Kowno, 17. Juli. (WTB) Litauische Ido- groDfenageniur. Tie Friede usdele gierten ausMoskau find hier eingetvoftcn. Die ixnipb- punkte des Vettw.ges sind lei»ingmrgslost Anerkennung der litauiicfen lluablcngur'cit, Zuerleu- ung der Hauvt^adt Wilna und der Stabte Grofero, Loba und Savnorrmy, AuL-ahl«rng iwn drei Mll- (innen Rubeln in Gold, ioirtnige Heimschnffung der Gefangenen unb Flückstlinge. Zu Berchrnp- lungen über die Ueb-ngabe Witmis und der anderen lilautfchen, von rufiiid>en Truppen festtz en biete begab sich eine Delegation noch Wilna. Die li au» ifeilen Truppen sind in Wilna einigmuft, von der Bevölkerung mit größter Begei <erung empfangen. Dann folgte russische Kavalier«. Ster rus,ische Brigabeführer erklärte in eurer Anspiachc, daß bie Russen nicht lange in Wilna bl eiben wurden, sondern im Verfolg des Friedeusvertragcs die Stadl Litauen übergefen würfen.
Kopenhagen, 17. Juli. (WTB.) Wie die „Beilinpste Tibende" aus Konnw mdbel, verpflichteten sich die Bolschennsten in b?m zwisckim Li anen und SmvieN'ußl'rnd a^geschLossen-en Z-rie- densoerttag den Litauern ein ? Entschädigung von iufammen breiMillronen Rubel in Gvlo zu bezahlen. Zwei Milg vb-r der litauischen Friebeiisdelegattoii (4?iben vorläufig in Moskau, um die Hcimsenbung ber litauifchcn Flüchtlinge zu regeln.
Tcr Friedeu4vertra7 mit der Türkei.
London, 17. Juli. (Wolff.) Aus die tür> kisckie Note betv.'ffend den F r i e d e n s p e r t r a g haben bie Alliierten eine' Antwort erteilt, in der eS abgelehnt wird, die Beslimmungen üfer Tl>ra- zeni, Smyrna, bie Grenzen Syriens und Armeniens abzuchrbern. tiefer bie Meerengen Hafen die Alliierten entschieden, daß die Türkei als Usermacht das Reckst haben solle, einen Delegierten, für den M e e r e n g c n a u S s ch u -u ernennen. Sie machen ferner eine Anzahl wichtiger Zugeständnisse wie z. B. Berzickst auf die Bedingung, daß die Türkei den Miierten alte türkischen Dampfer über 1600 Tonnen abzutvsten febe. Die Antwort besagt ferner: Wmn die Türkei ablehne, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, ober nicht imstande sei, ihre Autorität in Anatolien wieder herKustellen, so würfen die Alliierten möylicher- we.se g zwung n fein, die für Konstantinopel getroffene Regelung in der Weise abzuöw.-ern, daß die Türken endgültig aus Europa v rt.i.-ben würden. Den Türken wird für die Unterzeichnung eine Frist bis zum 2?. Juli zugestunden.
(Ein Uebereinfommen zwischen Italien, Japan, velaien und pertugal.
Spaa, 17. Juli. (Wolff.) Huve.s Zwischen Italien, Japan, Belgien und Portugal wurde ein Uebercintommen ur.terzeichuet, um safort unter diesen Mächten einige Probleme zu lösen, die sich aus der Aenferuna des F r i e - bensver tra ges van Versailles ergeben:
Art. 1 bestimmt, daß bie Summe, fee von Te'itschl>rnd als Wiet.ergutmackmng auf Grund fes F^ieidens'oertrages vm Versailles gefehlt werfe, wie folgt verteilt wird. England 22 Pro-, Frank- reich 52 Proz., Italien 10 Pro-., Japan 0.75 Prozent, Belgien 8 Praz. und Portugal 0,75 Pvoz. Tie reftlito 61/» Prozent werden für Griecktenland, £>en serbischrn, trociscfen unb’ sloiv?nisck)en Staat, sowie für die Mächte, fee auf Wiedergutmachung Ansprücfe erheben, aber das gegenwärtige Abkommen nickst mittrnterzeickMt haben, ter.eilt
Art 2. D-e als Wiefergutmachung von Oesterreich und Bulgarien erhaltene Gesamt summe wird zw'ammen mit der Kontribution zu den Ausgaben stir die Befreiung der LÄrier aus fern ö-errr.chi'ch- 'ungarischen Staate wie folgt verteilt: a' zur eii<en Hälfte in ber in Art. 1 vorgesehenvl Proportion; b) von ber anderen Hälfte erlfeltei Jtal.en 40 Prozent, Griechenlonb, ber serbi>ch-Loattsck)e Staat unb Rumänien 60 Prozent.
Art. 3. Tie alliierten Regierungen inerten untereinander fee nötigen Maßnahmen tre-fen für die Sicherstellmw dieser Zalstungen, folls nötig, werfen sie De u t s ch l a nd d u r ch A n l e ih e n he l f e n, fee dazu beftimml sind, seinen inneren Verpflicfe fcungen nack^ukommen, und fee es ihm gleichzeitig erlauben, seuie Schuldenbrst so schnell rote möglich abzusck)ütteln, um seinen Wiederaufbau mu vollen Kräften zu heben.
Art. 4 enthält einz?Ine Bestimmungen über fee Aufstellung der Abr^mung für jede eft'-.feine Mackst von ter W,el> rgutmachungschmmisiion er beltimmt bie Regeln für fee Tlbsthriit und Lasst"corift.
Art. 5 befiinrrnt die Maßnahmen, die Belgien eine Priorität von 2V2 Milliarden Francs rn Gold sichern, auf die es Anspruch hat, gemäß den Bestimmungen des Ueberei'.ckommcns -wm 26. Juni 1919 und für de Kategorien der Zahlungen, die für feefe Priorität bestimmt )uri>.
Art. 6 präzisiert die Schätzungsmethofe der Schiffe, die konform der Friedensverträge von Versailles und St. Gernrain abgeliefert werden müssen, Tonne für Tonne, Platz um Platz und die Handels- unb Fischereilchttst, die infolge der kriegerischen Handlungen zerstört oder bescvädrgt worden, sind zu ersetzen. Er bestimmt außerdem fee für feefe Schiffe zu schiente Miete. Beiimmungen für Lösung der übrigen Fragen, fee durch die Entscheidung des belgischen Prr^engerichts aitt- gemorsen wurden, sind getroffen. wird
eme auf die Anteile der übrigen alliierten Mächte erhobene Kompensation erhalten.
Art. 7 bezieht sich auf die leichten schifte, auf die Schwimmdocks und das bas auf Grund des Protokolls vom 10. 6. 1920 geliefert wurde. , . .
Art. 8 bestimmt als Kompensatton für die versenkten Kriegsschiffe, daß fee Trspostttonnr des Prowkolls vom 10 1. 1920. aut de» Erl^ aus bem Verkanf ba Srjegs;chckke unb des Strien


