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Aus öem besetzten Sedlet.

Ein Proteststreik in der Pfalz.

Ludwigshafen, 18. Juni. (WTB.) Der Aktionsausschuß der Arbeiter- und Angestrilteu- schaft der Pfalz weist in einem Aufruf an die Be­völkerung der Pfalz infolge der erneuten durch nichts begründeten Ueberariffc der Be­satzungsbehörde, darauf hin, daß für die Pfalzbewohner es gar nichts anderes geben könne, als durch eine einheitliche geschlossene Demonstration gegenüber den Besatzungs- beHörden zum Ausdruck zu bringen, daß sie nicht mehr gewillt sind, derartige Maßnahmen wider­standslos hinzunehmLn. Tie Arbeiter-- und Ange­stelltenschaft habe demzufolge beschlossen, ab Frei­tag nacht 12 Uhr bis einschließlich Samstag nacht 12 Uhr die Arbeit ruhen zu lassen. Diese Demon­stration solle den Zweck verfolgen, nicht nur die Augen Deutschlands, sondern ganz (Europas auf die unerträglichen Verhältnisse, wie sie durch die Be­setzung besonders in der Pfalz hervorgerufen sind, hinzulenken. Das Verhältnis der Pfälzer zur Be- satznngsbehörde habe durch das erneute Vorgehen einen schweren Stoß erlitten. Der Aufruf mahnt am Schluß die Bevölkerung, wer die Demonstra- tion unterstützen nolte, solle nicht a uf die Straße gehen, sondern in seinem Heim bleiben.

Berlin, 18. Juni. (WTB.) Die am'sehen- erregenden Verhaftungen von Arbeiterführern durch die französische Befatzungsbehörde in der Pfalz naben dem Reichskommissar in den be­setzten rheinischen Gebieten Anlaß zu Vorstellungen bei der interalliierten Rheinlandskommission. Diese sagte den Vertretern der Pfälzer Arbeiterschaft die sofortige Entsendung eines Offiziers nach Ludwigshafen zur Erörterung der Angelegenheit zu.

Ludwigshafen, 18. Juni. (WTB.) Heute früh wurden von der französischen Besatzungs­behörde neue Verhaftungen von Ar­beiterführern vorgeiwmmen. Verhaftet wur­den Stadtrat und Arbeitersekretär Reuschert (SP.), Stadtrat und Metallarbeiterverbandsbeamter Fischer (SP.), Stadtrat und Eisercbahnverbands- eamtcr Baum (USP.). Sie wurden in einem Auto aus der Stadt weggefuhrt. Heute früh rückte eine größere Kavallerieabteilung mit Maschinen­gewehren ein. Die Lage hat sich hiernach weiter zugespitzt.

Aus Hessen.

Kammcranfragen.

rmk. Darmstadt, ,18. Juni. Zu dec katastrophalen Verheerung durch die M'aul- und Klauenseuche hat der Abg. Hofmann eine Anfrage an die Regierung gerichtet, um Auskunft bittend, ob sie in der Lage ist, den Viehbesitzern eine dem heutigen Wert ent­sprechende Vergütung zu zahlen, und welche Schutzmaßnahmen gegen die weitere Verbrei­tung und Verschleppung sie zu unternehmen gedenkt? Derselbe Abgeordnete fragt auch we­gen des Schutzes der Bauern gegen die Maß­nahmen der Reichsgetreidestelle an, die weyen zu geringer Ernte zur Pflichtablieferung nicht in der Lage waren.

Zum Schutze der Gemeinde Münster bei Dieburg vor Hochwasser hat der Abg. Lang einen Antrag an die Kammer gerichtet, in welchem die Regierung ersucht werden soll, eine neue Brücke als Wasserdurch­laß bei Hochwasser an der Kreisstraße zwi­schen Münster und Eppertshausen baldigst zu erbauen.

Eine bringt. Anfrage richtet der Abg. Kiel (U. S. P.) an die Kammer wegen Un­terstützung der Forschungen des Privatdozen­ten Dr. Thomä durch.Bereitstellung geeig­neter Räume an der Lanoesunivecsität.

Das Staatskninisterium bringt zwei Re­gierungsvorlagen betr. Einstellung von Straf­verfahren gegen A. Fehr Ehefrau in Rimbach, und M. Schloß in Tauberbischofsheim.

Die Abg. D i n g e l d e y und Gen. fragen an: Aus welchen Gründen ist die Auszahlung der B e s a tz u n g s z u l a g e n an die hessischen Staatsbeamten des besetzten Gebietes bis jetzt unterblieben? und was gedenkt die Regierung zu tun, um die Frage in gleicher Weise wie das Reich in befriedigender Weise zu lösen.

Der Abg. Roß beantragt Einreihung der Stadt Bensheim,in die Servisklasse C.

Der Finanzausschuß der Hess. Kammer ist für Donnerstag den 24. d. M. ein­berufen und wird vor allem zunächst der bis dahin vorliegende Voranschlag zur Beratung kommen.

Aus Statt und Land.

Gießen, den 19. Juni 1920.

Die Rathausfrage.

Son einem Mitglied der Sonderkommission zur Beschaffung von Diensträumen für die Stadt- ?CnDr^un9 cr^Itcn wir nachstchmde Zuschrift, die sicb zwar nicht ganz mit unserem bekannten Standpunkte deckt, die wir aber gerne roiebergeben tan m der Bürgerschaft das Interesse für diese Nnchttgc Frayc aufzuwecken.

Schon seit längeren Jahren entsprechen die der Stadtverwaltung zur Verfügung ftrihmbrn Räume nicht mehr dem Bedürfnis. Die Mängel sind lebermamt bekannt, der öfter dort zu tun hat. Eine Anzahl Beamten ist verurteilt, in Räumen zu arbeiten, die zualeich als Warte-, Sprech-, Ttlt- Won- inrb Abseriigungszimmer dienen. Dabei mupen in dielen Räumen noch Arbeiten erledigt n. die nicht immer für die Oesfenllichkeit be­stimmt unb^ Tag nun diese Beamten nicht mit P£r.Jtni(Je11 Sorgfalt arbeiten können, die die Ge- fchällSsuhmng erfordert, bedarf wohl feiner Er vrterung.

K. ^K^rordnetenversammlimg sowie

Kommissionen haben sich mit der BeWofrimß geeigneter Räume in vielen Scdungen ^U cEre Errichtung eines NendanL, Lr ? h 2?^000 Mk. veranschlagt mar, eine damals fefjr hohe «umme, erschien noch nicht spruchreif 1? ra,m;-maDn 3" dem Entschluß, die frühere Kl imk sur Zwecke der Stadtverwaltung cin>u sichten, wobei bcfonberS Wert auf die Zusammen legung der gesamten Aemter gelegt murb Tic durch Preisausschreiben erlangten Plän- bestäti ten, daß die alte Klinik für die Verwaltimi d'r städtischen Acmter vollständig ausrncb n s - 7 sogar noch ca. 230 Quadratmeter Raumiläch

zur Verfügung bleiben. Für Herstellung der alten Klinik wurden 260 000 Mk. bewilligt: die Aus­führung unterblieb durch die Gewerbeausstellung und den unmittelbar darauf folgenden Kriegs­ausbruch.

Während des Krieges ist der Raummangel der Stadtverwaltung noch größer, gegenwärtig fast unhaltbar geworden. Die zur Zeit im Amt stehende Stadtverordnetenversammlung hat die Dringlich- keit der Beschaffung von Tiensttäumen für die Stadtverwaltung anerkannt und eine Sonderkom- mission gewählt, die geeignete Vorschläge machen soll. Schon in vielen Sitzungen stand die Ange- legenljeit zur Beratung, ohne daß man bis jetzt zu einem bestimmten Entschlüsse gekommen ist.

Alle Stadtverordneten sind sich darüber einig, daß ein Neubau die geeignete Lösung fei, doch muß der hohen Kvsten wegen zur Zeit davon abgesehen werden.

Zur Beschaffung provisorischer Räume wurde eine ganze Anzahl Vorschläge gemacht; einer davon, der dahin ging, die alte Klinik teil­weise für Bureauzwecke zu benutzen und teilweise zu vermieten, fand Linklang. Inzwischen wurde der frühere Steins Garten angekauft. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung scheint nun die Ansicht zu vertreten, dem Vorschläge des Herrn Oberbürgermeisters entsprechend, in Steins Garten die Hauptämter der Stadtverwaltung unterzubringen, evtl, sollte das Lebonsmittelamt, das bald abgebaut werden wird, in die alte Klinik verlegt werden.

Durch die Verlegung der städt. Hauptämter nach Steins Garten, entern abgelegenen für dos Publikum nicht leicht zugänglichen Platz, werben die einzelnen Stadtämter noch mehr als bisher auseinandergelegt und der Verkehr statt erleichtert noch erschwert. Durch den Hin- und Herverkehr mit den Akten, der Beamten, der Diener und des Publikums wird unnötig Zeit und Geld ver­schleudert; der Beamten- und Dienerapparat muß noch mehr vergrößert werden.

Steins Garten kostet int Ankauf 350,000 Mk.; mit Unkosten und Zinsverlust wird sich dieser Betrag wohl auf 400 000 Mk. erhöhen. Der Um­bau kostet nach den heutigen Voranschlägen, ohne Heizung, 310 000 Mk. Nach den bisherigen Er­fahrungen, welche die Stadt mit den Neubauten in der Mühlstraße gemacht hat, ist wohl mit einem Betrag von 400 000 Mk. für den Umbau zu rech­nen, so daß das ganze Objekt rd. 800 000 Mk. kosten wird. Hierfür ist eine jährliche Verzinsung mit Unterhaltung von über 40000 Mk. aufzu­bringen.

Ein solcher Betrag soll für ein minderwertiges Provisorium aufgewendet werden, das niemals diesen Wert auch nur annäbernb erreichen wird, zu einer Zeit, wo mit den städtischen Geldern sehr gerechnet werden muß. Man kann nun über die Verwendung der alten Klinik denken, wie man will, aber so viel steht doch fest, baß sie als Provi­sorium, wenn sie auch als solches bedeutend mehr als Steins Garten kostet, den Vorteil bietet, daß dort die Hauptämter vereinigt werben können, wo­durch die Geschäftsführung wesentlich erleichtert wird. Mit der Zusammenlegung der Aemter würde an Beamten- und Dienergehältern mindestens so viel erspatt werden, als kapitalisiert mindestens eine Summe von 500 000 Mk. darstellt, ganz abgesehen von der Erleichterung des gesamten Geschäftsbetriebes für den Magistrat, die Beamten und das Publikum. Ein Teil der jetzigen Aemter würde, wenn die alte Klinik für Bürgermeisterei­zwecke Verwendung finden würde, frei; die Räume könnten bei dem herrschenden Wohnungsmangel als Wohnungen eingerichtet werden. Der Eintours, daß die alte Klinik sich nicht für Bureauzwecke eigne, wird dadurch schlagend widerlegt, daß Ver­waltungen, wie Bahn, Post, Finanzverwaltung und Großindustrielle die Räume für Bureauzwecke zu mieten wünschen.

Auf der Stadtverordnetenversammlung liegt eine große Verantwortung, hier das Richtige zu treffen; es wäre daher erwünscht, wenn die Bürger der Stadt Gießen, besonders der Bürgerverein, auch einmal die Sache öffentlich behandeln wollten, um die Stellungnahme der Stadtverorbnetenver- sammlung zu erleichtern, die selbstverständlich das Beste prüfen wird.

Der Steuerabzug vom Lohn.

Bon zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Die Bestimmungen über die Erhebung einer vorläu­figen Einkommensteuer durch Abzug vom Ar b e i t s l o h n treten am 25. Juni *1920 in Kraft. Wer als Arbeitgeber Gehälter oder Löhne, die nach dem 25. Juni 1920 fällig werden, vor diesem Tage auszahlt, handelt nach §5 der Reichsabgabenord­nung unzulässig und ist nach § 50 des Einkommen­steuergesetzes persönlich haftbar. Zudem macht er sich nach § 350 der Reichsabgabenordnung wegen Steuerhinterziehung strafbar.

Veranstaltungen.

Samstag, 19. Juni: Hvtri Enchorn 81/2 Uhr, Gastsriri Paul Buchwald. Lichtspiel­theater wie gestern.

Sonntag, 20. Jüni: Sportplatz des V. f. V. aus dem Triri», Dorrn, ab 8 U'fjr und nachm. ab 2 U'hr, Fußballwettspiele. Sportplatz des V. f. R. von 1900, nachm. ab 2 Uhr, Fußballwett- fpiele. Siebtgmufeum, lll/< Uhr, Vvlksvorlesung über Leonardo da Vinci. Verein der Gießener Kunstfreunde, 2 U'hr Ausflug und Vertrag nach dem Schiffenbera. Cafe Leib, 3 Uhr, Jubi- liäumssest deS Verbandes der Fabrikarbeiter. Hotel Einhorn, 8Va U'hr, Gastspiel Paul Buch- '«lld. Lichtspieltheater wie gestern.

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** Geheimerat Dr. Andreas ©rei­be r t t. Am 16. Juni 1920 verstarb zu Darm­stadt der Großh. Provinzialdirektor i. R. Gc- beimerat Dr. Andreas 'Öreibert. Er war von 19021910 Provinzialdirektor der Provinz Ober- Hessen und Kreisrat des Kreises Gießen um dann mehrere Jahre die gleichen Aemter in Mainz zu be­kleiden, bis ihn Kränllichkeit zlvang jn den Ruhe­stand zu treten. Der Ruf, der ihm aus seinen früheren Aemtern als Kreisrat zu Erbach und Worms und als Ministerialrat zu Darmstadt vor- ausging, war der eines vornehm denkenden, über­aus verbindlichen Mannes und eines ausgezrich- neten Verwaltungsbeamten. Er gewann sich hier rasch alle Herzen und viele werden sich noch er­innern, wie ihn feine Untergebenen, sowie wer je mit ihm in Berührung zu kommen das Glück ge­habt mit aufrichtigem Bedauern von hier zur Urieinahme neuer ehren voller Aufgaben fdieiben sah. Seine Tätigkeit stellt einen Markstein in öer | Geschichte der Provinz Lberhefsen dar. Ist doch I u. a. seiner Anregung allein die Gründung des j Wasserwerkes Jnhecden zu verdanken, die er mit ber ihm eigenen Tatkraft trotz aller anstürmenden , Hindernisse durchführte, der Provinz dauernde hohe I mnaljmen schuf und so die nnanudle Möglich- icit brachte, jbie von ihm bereits geplante Versor­

UeberfaH ober Unglücksfall?

'lm Dienstag, 15. Juni, abends gegen 12 Uhr, | von ihnen sind bereits in dem hiesigen Landkranken-

wurde hier ein junger Mann in der Frankfurter Straße mit einer blutenben Wunde am Kopfe in seiner Wohnung aufgefunden. Er soll von anderen Personen nach Haufe gebracht worden sein. Ob Ueberfall ober UnglücksfÄl vorliegt, konnte bis jetzt noch nid>t festgestellt werden. Personen, welche über den Vorfall Auskunft geben können, werden ge­beten, sich auf dem Polizeiamt, Zimmer 2, Krimi­nal-Abteilung, zu melden.

** K i r s ch e n v e r st e i g e r u n g. Dienstag, 22. Juni d. I., nachm. 3 Uhr, wird die Kirschen- ernte von den Bäumen auf dem Trieb in zrrka 25 Losen meistbietend versteigert. Auswärtige Stei­gerer und Händler sind vom Mitbieten ausge­schlossen. Siehe Anzeigentell.

** Die Lebensmitteltabelle für die Woche Dom 21. bis 27. Juni ist im Anzeigenteil! der heutigen Nummer veröftenllicht.

** Der Fahrpreis für die Straßen­bahn beträgt vom 20. Juni ab für jede Person und Fahrt 30 Pfennig. Es gelangen Zahlmarken, 8 Stück für 2 Älark, zur Ausgabe. Der Preis für die Monatskarte beträgt 25 Plark. *"

** N r. 1 der Holzbezugskarte verliert mit dem 19. d. M. seine Gültigkeit. Alle noch im Umlauf befindlichen, bei der Bezahlung des Holzes ausgegebenenblauen roten und gelben Zettel" können bis spätestens Freitag den 25. d. M. auf dem Lagerplatz in der Steinstraße eingelöst werden. Die noch nicht abgeholten Holzbezugskarten können täglich von 812 Uhr vormittags auf dem Stadt, Brennstoffamt, gegen Vorlegung der Lebensmittel­ausweiskarte, in Empfang genommen werden.

** Ausgabe von Kohlenbezugs- karten. Auf dem Brennstoffamt werden an Haushaltungen ohne Zentralheizung Kvhlenbezugs- farten ausgegeben, und zwar: Bezirk 11 Montag bis Mittwoch, Bezirk 3 Donnerstag bis Samstag. Näheres siehe Anzeigentell.

** Das 1. Ziel Schulgeld des Recll- ghmnasiums, der Oberrealschule und der Gym­nasial Vorschule kann in Den nächsten acht Tagen noch ohne Kosten an die Stadtkasse Gießen be­zahlt werden.

** Zur Versügungsbeschränkuna bei Abschluß von Miet Verträgen sind im Anzeigentell unseres Blattes wichtige Bekannt­machungen abgedruckt, auf die wir auch an dieser Stelle Hinweisen.

** Zur Sv nnenwendfeier in Mün­ze n b e r g am morgigen Sonntag ist es in letzter Stunde gelungen, von der Eisenbahnbehörde die Gestellung zweier Sonderzüge auf der Strecke Butz­bachMünzenberg zu erlangen. Näheres über die Fährtgelegenheit ab Gießen ist aus dem An­zeigentell ersichtlich.

** Paul Buchwa 1 b und seine Truppe, die feit einigen Tagen im großen Eisthornsaale gastie­ren, traten gestern abend mit einem vollständig neuen Programm vor den Kreis ihrer Zuhörer. Schade, daß sich diese noch immer in verhältnis­mäßig kleiner Zahl eingefunbeit hatten. Es ist überhaupt bemerkenswert, wie in Gießen jegliche Theaterveranstaltung so geringes Interesse findet, Während zum Beispiel in dem doch soviel lleineren Marburg das dortige Sommerthxtter den ersten Teil des Faust sogar zweimal kurz hinterein!- anber geben konnte, ganz abgesehen von den an­deren Stücken seines Spielplanes, die man auch im 'hiesigen Stadttheater gerne sehen würde. Doch liegt es uns fern, Unverglerchxrres zu vergleichen, denn was Buchwald im Einhorn bietet, ist humor­volle Unterhaltung. Die beiden Eftrakter, je ein Sing- urfb Lustspiel, stöben einzig durch ihre Dar­stellung, und diese besitzt in Paul Buchwald einen Mittelpunkt, der sich sehen lassen kann. Selbst dem vet härtesten Griesgram wird es nicht ge­lingen, ernst zu bleiben, wenn Paul Buchwald als überheblich aufgeblasener Barbier auf Freiers­füßen und Ähnlichen Rollen auf der Bühne herum- schwadroniert. Seine äußere Erscheinung schon wirkt unwÄerfte'hlich auf die Lachmuskeln und dazu eine unnachahmliche Komik in Gebärde und Sprache, die unbedingt mitreißen. Mer also ein­mal gründlich lachen rottf, wen das Gvau der Zeit­läuften miesepeterig gemacht, brr gehe zu Paul Buchwald; er wirds nicht bereuen.

** Der Evang. Arbeiterverein ver­anstaltet am Sonntag in Gemeinschaft mit dem Wartburgverein einen Familie naus- f l u g nach dem Ludwigsbrunnen (siehe An­zeige). Am 4. Jutt ist eine Zusammenkunft mit oem Bmderverem Wetzlar im Jagdschlößchen Dutenhofen geplant.

Kreis Friedberg.

Autoverbindung FriedbergBüdingen.

Das Ministerium des Innern hat der Firma Gondner & Mohr in Friedberg unter Vorbehalt des Widerrufs die Erlaubnis erteüt, auf den Strecken Friedberg Homburg Usin­gen Büdingen Personen mit Kraft­wagen gegen Entgelt zu befördern.

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0 Friedberg, 17. Juni. Eine kirchen­musikalische Festwoche beginnt hier am nächsten Sonntag. Jn der Stadtkirche wird das Kirchenoratorium für Soli, Chor und OrgelChri­stus der Tröster" von Fritz Zierau zur Aufführung kommen. Diesem Oratorium folgen am Freitag, Samstag unl> Sonntag darauf Werke Iah. Seb. Bachs, wie sie Prof. Dr. Karl Schmidt zu einem schönen Bach-Fest zusammen gestellt hat.

4 Bad-Nauheim, 18. Juni. Hier .vurde heute wieder Fleisch ausgegeben, das Pfund zu 9,20 Mark. Während die meisten oberhessischen Orte mehrere Wochen ohne Fleisch gewesen sind, konnte hier kürzlich schon einmal Fleisch zur Aus­gabe gelangen, welches vom Lebensmittelamt mit Hilfe der Metzgerinnung nach gegeb.mer behörd­licher Genehmigung durch Selbstbeschaffung er­worben wurde. Da dieses Fleisch aber 11,20 Mark kostete war der Ankauf vielen [leinen Leuten nicht möglich

Starkenburg und Rheinhessen.

n>8. Worms, 16. Juni. Ter Streik bei Zimmerleute hat gestern begonnen- Sie ver- lanacn die gleichen Stu nden löhne wie Lud- wigs'hafen und Frankenthal (7,2l>9 Mk.). Bis- 'her wurden 6,50 Mk. bezahlt. Ein Stundenbohin von 9 Mk. entspricht bet achtstündiger Arbeits­zeit einem Wo chenverdien st von 432 Mk. und einem monatlichen Einko mmen von 1872 Mk.! Man fragt sich, wohin solche Lohn- fteigerur.gen fuhren sollen.

Hessen-Nassau.

Diez, 18. Juni. Das hiesige Publikum streikt seit längerer Zeit im Fleischein- kaufe. Es lehnt den Ankauf von Flrischtvaren ab, well es die Preise für ungerechtfertigt hoch hält. Bei der letzten Kartenabgabe verzichteten allein 600 Bersorgungsberechtigte auf ihren Fleischanteil.

ge. Hersfeld, 18. Juni In dem Dorfe Widdershausen (Kr. Hersseld> sind etwa 2 0 P er- s onen teils schwer, teils leichter er fran f t. Drei

gung der Provinz mll Eleürizllät in die Wege zu leiten. Das Andenken an diesen seltenen Mann wird hier immer in hohen Ehren gehalten werden.

** Geh. Iustizrat August Metz t- Am 17. d. Mts. verschied in Fulda, zrvei Wochen vor seinem 50iähr. Tienstjublläum, unser Mitbürger Herr Geh. Justizrat Metz. Er hatte sich in Salz- iclstirs zur Kur auf gehalten und war wegen enter Erkrankung, die ihn befallen hatte, nach Fulda verbracht worden. Mit Geh. Justtzrat Metz ist eure der bekanntesten Persönlcchkriten unserer Stadt und unseres Hcsfen.andes aus dem Leben geschiricn. Am 6. Juni 1849 als Sohn des betontten Volksmannes und Parlamentariers August Metz in Darmstadt geboren, absolvierte er das dortige Gymnasium, bezog dann die hiesige Hochschule, wo­selbst er sich dem Studium der Jurisprudenz zuwandte. Er war ein fröhlicher, leichtlebiger Student und ein rühriges Mitglied des Korps Starkenbnrgia, dem er sich auch in späteren Jah­ren noch mit Eifer widmete. Er wurde später Ehrenmitglied desselben, zog sich aber in den letzten Jahren von den studentischen Angelegen­heiten zurück. Als Hilfsarbeiter des weithin be­kannten und angesehcnm Hofgerichtsadvokalen und späteren Rechtsanwalts Dr. Diery verehelichte er sich im Jahre 1874 mit der Tochter desselben und lebte in glücklicher Ehe, aus der vier Söhne und eine Tochter hervorgingen. Nach dem Tode der Gattin und mebrjähriger Witwerschaft trat Metz in zweite Ehe, die jefc't durch den Tod gelöst ist. Geh. Justizrat Metz war mit ganzer Seele Jurist und Rechtsanwalt, er war mit reichen Rechts­kenntnissen, namentlich auch auf den Gebieten der Privatrechte unseres Hessenlandes, der fteiwilli- gen Gerichtsbarkeit und des Verwaltungsrechts ausgestattet, führte eine treffliche Feder, und wenn ihm auch die Gabe der Rede nicht in vollem Maße gegeben, war, so hatte er doch auch rednerisch glückliche Momente, und jedenfalls blieb der Eifer und die Warme, mit der er für die ihm anver­trauten Interessen eintrat, niemals ohne Eindruck. Metz vertrat die Stadb' Gießen 18821900 im hessischen Landtag, dessen zweiter Präsident er eine Zeitlang war. Seit Beginn der achtziger Jahre stand Metz als eifriger und leidenschaftlicher Kämpfer im politischen Leben. Als Mit­glied der Fortschrittspartei, der Deutschen Frei­sinnigen Partei, später der fortschrittlichen Volks­partei und seit der Revolution der Deutschen demo­kratischen Partei, war Metz durch seinen uner­müdlichen Fleiß, sein entschied-enes Eintreten für die freiheitlichen Gruirdsätze dieser politischen Rich- tungen und versöhnliches Wesen den Gegnern gegenüber, in den weitesten Kreisen bekannt und beliebt. Seine Stellung in den politischen Fraaen so bei den Militärfragen, die im Jahre 1887 im Mittelpunkt des Interesses standen, bei der Lösung und dem späteren Zusammenschluß der freisinnigen Richtungen war Metz mehr nach der linken Seite orientiert, als dies z. B. bei Gut­fleisch, mit dem er lange Jahre politisch wirkte, der Fall n>ar. Bei der Vorbereitung der Wahlen zur Nationalversammlung erfuhr Herr Metz eine Zurücksetzung seitens der Mehrheit des Demokratt- schen Vereins zu Gießen, die er als Kränkung empfand und von der, wie man wohl annehmen darf, ein Gefühl, daß ihm Undank widerfahren sei, in ihm zurückgeblieben fern mag. Gewiß ist aber, daß er mit der Politik der Demokratischen Fraktion der Nationalversammlung unzufrieden war, er billigte insbesondere nicht die, tote er meinte, zu weitgehende Nachgiebigkeit gegen sozial­demokratische Forderungen, hielt die Ausgaben für Erwerbslosenfürsorge für falsch und trat in Wort und Schrift für diese seine Meinung ein. Es ist hier nicht der Ort, um darüber zu rechten, ob seine Auffassung ober die bet Demokratischen Partei die richtige war, ob insbesondere er in der Lage gewesen ist. die Schwierigkeiten zu beurteüen, {unter denen die Demokratische Fraktion ihv» Politik führen mußte jedenfalls aber wird niemand demalten Metz" das Zeugnis versagen, daß er das, was er vertrat, auch ehrlich emp­funden hat. So werden ihm auch seine früheren Parteigenossen sein Auftreten während des letzten Wahlkampfes, mit dem er sich völlig von ber Demokratischen Partei abwandte, nicht allzusehr verargen, und vor der Majestät des Todes mehr eingedenk sein der treuen Mitarbeit, die Metz jahrzehntelang unverdrossen und unermüdlich ge­leistet hat. Vervollständigen wir das Lebensbild des Heimgegangenen, indem wir noch daran er­innern, daß er den Feldzug 1870/71 clls Lmtnant im 4. Großh. Hess. Jns.-Rgt. mit Auszeichnung mitgemacht hat, und daß er lange Jahre Mitglied des Vorstandes der hessischen Anwaltskammer toar, sowie endlich, daß in seinem Privat- und Fa­milienleben Krankheit, Verlust teurer Angehöriger und manche Sorge ihm nicht erspart geblieben ist, so ergibt sich das Gesamtbild eines begabten, lebendig empfindenden und bis in das Alter hinein impulsiven Mannes von ehrlichem Streben und starkem Willen, dessen Heimgang in den Kreisen, in denen er tätig war, insbesondere in Famllie und Beruf, eine große Lücke hinterlassen wird.

** Eine Sitzung ber Stadtverord- netenversammlung findet Dienstag den 22. Juni, nachmittags 5 Uhr, im Stadthaus statt. Auf der öffenllichen Tagesordnung steht: 1. Bau­liche Veränderungen im Hause Frankfurter Str. 1. 2. Reparatur des Fußbodens in ber Wagenhalle; hier: nachträgliche Genehmigung ber Kreditüber­schreitung. 3. Erweiterung des Bebauungsplanes für die Waldkolonie am Trieb. 4. Gesuch um Ge­nehmigung zur Vergrößerung ber Temperei auf dem Bänninger'schen Grundstück. 5. Entlüftungs­vorrichtung für das Elektrizitätswerk. 6. Ein­richtung einer zweiten Wohnung im Torhaus am Walltor. 7. Beschaffung von Amtsräumen für die Stadtverwaltung. 8. Voranschlag für 1920; hier: Ermächtigung zur Fortführung der Geschäfte nach Artikel 171 der Städteordnung. 9. SSeriängertmg des Vertrages zwischen Stadt unb Lanbes-Universi- tät über ärztliche Behandlung und Verpftegung hilfsbedürftiger Kranker in ber Stadt Gießen 10. Erhöhung des Wasser Preises. 11. Genehmi­gung einer Rechnung der Buderus'scheu Ei^nwerke We^ar über Lieferung von Eisenteilen zur Kana- lisationscmlage der Kleinhaussieblung ber Bau­genossenschaft 1894. 12. Höchstsätze der Erwerbs­losenfürsorge. 13. Beitritt dec Stadt zum Privat- wclldbesitzerverband. 14. Tagegelder für die Feld- geschworenen.

** Einspruchsfrist für Abstim- mun gsber echtigte. Ter Deutsche Schutzbund tritt mit, daß die Einspruchsfrist für Abstim- mungsberechti<?tc in Ostpreußen bis zum 20. Juni verlängert worden ist Sttmmbevechtiste, die ben Wahlausweis bis zum 15. Juni mich nicht erhalten hiben, tun daher gut, unverzüglich bei der Ab- lümmungskommisswn ihres Geburtsottes eDcnturil telegraphisch Einspruch zu erheben.