Nr. U6
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170. Jahrgang
Mittwoch, 19. Mai 1920
GlehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: Vröhl'sche Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstratze 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen v. 34mm Breit« örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz. Vorschrift 20' ? Aufschlag. Hauptschristlciter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für ben übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil: Sy Deck», sämtlich in Gieße«
wirtschastsprobleme Unwahlkampf.
Das betannte Wort „Politik verdirbt den Charakter" läßt sich mit entsprechender Umwandlung auch für das Wirtschaftsleben anwenden, (^anz abgesehen davon, daß politische Ereignisse den Gang der Wirtschaftsmaschine mitunter sehr störend beeinflussen können, lvird es einer Volkswirtschaft niemals förderlich sein, wenn. die wirtschasts- und sozialpolitische Gesetzgebung durch die Machtkonstellation aus dem Gebiete der reinen Politik beeinflußt und bestimmt wird. Verderblich für das Wirtschaftsleben lann es auch werden, wenn die Erörterung der schwebenden Wirtschaftsprobleme — nament- lief) wie jetzt im Zeichen des Wahlkampfes — durch rein politische Erwägungen bestimmt wird. Vor kurzem hat der Reichsfinanzminister Wirth in der Nationalversammlung eine Rede gehalten, in der er aus die neuen, organisatorischen Zusammenfassungen hinwies, die große Produktionszweige der Wirt- chaft zu umfassen haben, und in der er sagte, »aß er die prinzipielle Frage nach der Wirt- chaftsform, ob privat-wirtschaftlich oder sozialistisch, den politischen Machtverhältnissen zur Entsä-eidung überlassen will. Aus dieser Aeußerung acht der verhängvolle Einfluß auf daS Wirtschaftsleben deutlich hervor: denn diese Bemerkung tann doch nichts weiter bedeuten, als daß über Wohl und Wehe des deutschen Wirtscl>aftslebens von Faktoren entschieden wird, die nicht von den allein hier maßgeblicl)en Erfordernissen des deutscl)en Wirtschaftslebens geleitet und bestimmt werden.
Nun sind von der Mehrzahl der Parteien die Wahlprogramme zu den Neichstagswahlen vom 6. Juni veröffentlicht worden, und bei der überragenden Bedeutung, die den Wirt- schaftsfragen für die Zukunft des deutschen Volkes beizumessen ist, bilden die in diesen Programmen enthaltenen wirtscl)aftlichen Forderungen und Grundsätze hier einen viel größeren Bestandteil als früher. Die Wahlaufrufe der bürgerlichen Parteien bieten keine besonderen Ueberraschungen. Besonders umfangreich ist der wirtschaftliche Teil der von der deutschnationalen Volkspartei aufgestellten Grundsätze. Hier steht unter der Abteilung „Wirtschaftsleben" der Satz an der Spitze: „Jede ; oenssähige Volkswirtschaft baut sich auf dem Privateigentum und der Eigenwirtschaft auf", also ein von sämtlichen bürgerliclfen Parteien zu unterschreibender Satz. Besonders umfangreich sind die sozialpolitischen und bevölkerungspolitischen Forderungen dieser Partei. Tie Deutsche Volkspartei stellt sich mit ihrem Wirtschaftsprogramm auf den Boden derjenigen Forderungen, die eine Beseitigung des Bureaukratismus innerhalb der Wirtschaftsorganisation, aber doch eine solche Organisation für notwendig halten. Keine scl)e- matische Kommunalisierung und Sozialisierung, aber auch kein freies Spiel der Mäste wird hier verlang, und 'mit besonderem Nachdruck nnrd die Forderung nach einer Kammer der Arbeit, die nicht nur als vorberatendes und begutachtendes Organ, sondern als berufsständische Ergänzung des politischen Parlaments zu gelten hat, erhoben. Erhaltung der persönlichen Leitung und Verantwortung im Wirtschaftsleben wird ferner als für den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft unerläßlich betrachtet. Die Deut- schedemokratischePartei stellt inner- halb ihres Wirtschaftsprogramms selbstverständlich die Demokratisierung der Wirtschaft obenan. Mit dieser Demokratisierung, so heißt es, „ist die Arbeitsgemeinsck>aft aller lchaffenden Kräfte im Betrieb angebahnt und damit der einzige Weg zur Ueberwirrdung des Klassenkampfes durch Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Frieden beschritten". In diesem Programm ist der Versuch einer Versöhnung zwischen Kapital und Arbeit sehr scharf herausgearbeitet. Man will den Arbeitnehmern ihr volles sozialpolitisches und wirt- schastliches Recht erhalten wissen, „nicht weniger, aber auch nickst mehr", und, wie man sich gegen kapitalistisck)e Ausbeutung wendet, so verwirft man auch jede Diktatur oder Nebenregierung einer Berufsschicht, „sie sei noch so bedeutend". Auch in diesem Programm nehmen die sozialpolitischen Forderungen eine besondere Stellung ein.
Es ist selbstverständlich daß man den Wahlprogrammen der soziati stischeu Parteien diesmal ein sehr lebhaftes Interesse entgegenbringt. Kann man doch aus diesen Programmen die Machtansprüche innerhalb der deutschen Arbeiterschaft erkennen, wie sie zu keiner Zeit mehr mit zäherem Willen auf Verwirklichung erhoben kvorden sind. Das Programm der Unabhängigen Sozialdemokraten bietet in
dieser Hinsicht eine gewisse Enttäuschung, I muß aber auch als ein Zeichen dafür betrachtet werden, daß sich diese Partei auf I einen sehr realen Boden stellt und von den kommunistischen Schwarmgeistern ein gutes Stück abrückt Die Errichtung der sozialistischen Weltordnung, die Erlangung der Dit- tatur des Proletariats mit Hufe des Rätc- systems wird hier zwar als das Ziel bezeichnet, aber der Nachdruck liegt doch mehr auf den sofort zu erfüllenden lieber gangs>- Maßnahmen, unter denen die Sozialist^ rung wohl die Hauptrolle spielt, aber nicht mehr eine volle Sozialisierung, sondern nur eine „Durchführung der Sozialisierung, beginnend auf dem Gebiete des Bergbaues und der Energieerzeugung — Kohle, Wasser, Kraft, Elektrizität —, Weiterführung der Sozialisierung der konzentrierten Eisen- und Stahlproduktion, des Transport- und Verkehrswesens sowie anderer hochentwickelter Industrien", ferner umfassende Kommunalisierung. Zu den Wirtschafts- und sozialpolitischen Forderungen der Unabhängigen Sozialdemokraten gehören u. a. auch Ueberfüh- runa des Großgrundbesitzes und der großen Forsten in aesellschaftlickZes Eigentum, Sicherung der Lebensmittel, Versorgung und Ausbau der Sozialgesetzgebung (ÄupassuW der Löhne, Gehälter, Renten und Unterstützungen an die Kosten der Lebenshaltung). Auch die mehrheitssozialistische Partei legt sich in ihrenl als ersten veröffentlichten Wahlaufruf eine bemerkeiis werte Beschränkung auf. Sie bleibt ihrem Ziele treu, den Sozialismus durch Demokratie zii verwirklichen, umschreibt aber ihre tatsächlichen Forderungen dabin, daß sie bemüht war und bleibt, „für alle Schaffenden zu wirken, Arbeiterlöhne und Gehälter der Beamten und Angestellten in Einklang zu bringen mit der Verteuerung der Lebenshaltung, für Kriegsverletzte und Kriegsinvaliden, für Kriegerwitwen und KrieHertvaisen ausreichend zu sorgen". Als Endziel verkündet diese Partei die Herrschaft der schaffenden Arbeit, oer geistigen und körperlick-en in werktätiger Verbindung. Im wesentlick)en und im besonderen enthält dieser Wahlaufruf aber nur eine Aufzählung dessen, was in der deutschen Republik in wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften seitens der Sozialdemokratie durchgesetzt worden ist.
Wer die einzelnen Programme betrachtet, wird finden, daß sie in ihren wirtschaftlichen Teilen, die uns hier allein angehen, bei den b ärgerlichen Parteien sehr viel gemeinsames haben. Diese Uebereinstimmungen mack-en es dem deutschen Wähler zur doppelt ernsten Pflicht, feine Stimme so abzugeben, wie er es nicht nur in seinem Interesse, sondern in dem der Allgemeinheit für richtig und notwendig hält.
Da; Ergebnis der ttonserenz von hythe.
Am st er da ni, 18. Mai. (Mvlsf. „Dar ly Chronicle" schreibt zum Ergebnis der Kon- fernts in Hythe: „Tor Vorschlag Frankreichs, in de erste gleite die Besä tzungs knien, dann die En!-- schädigung Belgiens und an dritter Stelle uic Entschädigung Frank.oicks zu setzen, würde in Praxis bimuf lünausgetvmmen sein, das; die anler-n Länder überfpu-pt nichts erhalten hätten. Dreier Vorschlag ist nicht angenommen Worten, fontern de [ eite nie; i Staatsmänner haben sich über vernünftige Pläne g«.einig:, durch die zimschen den deutschen und alliierten Schulden eine Verbindung hergeüellt wird Die Last dieser Kvmbmatfon fällt in erster Lime auf England, aber vom Standpunkt der Billigest und Klugheit läßt sich viel für ben Plan sagen. Als internationaler Plan wurde er natürlich viel vollständiger sein, wenn sich Amerika ihm angeschlossen hätte.
Berlin, 18. Mai. Wie das Datum der Konferenz in Spaa, so sind auch die Nachrichten über die Wiedergutmachungssummen schwankend und unsicher. Fast scheint es, so schreibt die „Deutsche Allgemeine Zeitung", als würde bei ben Verhandlungen vergessen, daß die Goldmark auch jetzt nach der starken Aufwärtsbewegung der deutschen Valuta noch immer das Zehnfache des Paviergeldes ausmache. Was der englische Wirtschaftssachverständige Keynes als äußerste Leistungsgrenze für Deutschland bezeichnet hat, nnrb frebeutenb überschritten. Wenn die Konferenz in Spaa überhaupt einen Zweck haben soll, so darf das Ergebnis vorweagenommen werden. Man muß erwarten, daß von den Gläubigern ein Ausgleich gesucht werden wird zwischen Gewüm'cbtem und wirklich Möglichem. Dieser Grundgedanke ist rn Deutschland begrüßt worden als Ausgangspunkr für friedliche Beziehungen auf Grund der Gleich- berechtiiung. Diese deutsche Auffassung wird so lange die gleiche bleiben, als sich die Grundlagen Per Einladung nicht verschieben.
Paris, 18. Mai. (WTB.) In einem heute vormittag abgehaltenen Ministerrat erstattete der Ministerpräsident Bericht über die Verhandlungen finanzieller 9?atur in Hythe, die zwi- I scheu den technischen Sachverständigen weilerge- führt werden. Ter Minister für öffentliche Arbeiten erläuterte den Gesetzentwurf über die Eisen
bahnen, der heute nachmittag dem Bureau der Kammer zugehen wird.
Rücktritt PoiucareS ans der Wiedcr- gutmachungstommisfion.
P a r i s, 19. Mai. (WTB.) P o i n c a r e übermittelte Millerand sein Rücktrittsgesuch als Mitglied der Wiedergutmachungskommis»- sion. — Millerand wird am Samstag im Finanzausschuß und im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten über bie Besprechungen von Hythe Bericht erstatten.
Paris, 19. Mai. (WTB.) Poincar4, dessen Demission als Mitglied der Wiedergut- machungskiommissivA bereits gemeldet wurde, wurde durch den ehemaligen Handelsminister und Abgeordneten des Saine-DepartementS, Louis Dudois, ersetzt.
Tie Vernehmung der „Kriegsverbrecher".
Berlin, 19. Mar. flüach dem „Berliner Tageblatt" sind die in der kürzlich überreichten Liste der Entente der KriegSce. brechen beschuldigen Teuischen vom Oberreist-s,nwalt für bi: Zeit vom 7. bis 20. Juni zur Vernehmung nach Leipzig geladäi worven.
Tas Loch int Weste«.
Wiesbaden, 18. Mai. Tie Vereinigung der im Rheinland ansässigen ftan-Ssischen und befaifdjen Industriellen protestiert in öffentlichen Anschlägen im besetzten Gebiet gegen die Gesetze und Verordnungen der Reichsregierung, durch die dos „Loch im Westen" verstopft wurde. Sie verlangen die Aushebung dieser Gesetze und Verordnungen, andernfalls würden sie ihre Regierungen bitten, dafür zu sorgen, daß Artikel 270 des Friedensvertrags angetvendet wird, der erlaubt, in den Rheinlanden einen besonderen Zolltarif eniiufülyren. Ter Protest teregt sich in scharfen Ausdrücken gegen die deutsche Reichsregierung.
Lnde der Streifs in Zranfreich.
Paris, 18. Mai. (WTB.) Der Streik der Gas ar bei ter ist erledigt, da die Streikenden der Gasgesellschaft morgen die Arbeit wieder aufnehmen werden.
Paris, 18. Mai. (WTB.) Die Kammer verwies ben Gesetzentwurf über die Reorganisation der Eisenbahnen an die Kommission für bie öffentlichen Arbeiten und eröffnete sodann die von der Regierung sofort angenommene Diskussion der Interpellation über den Streik.
Kabinettsbildung in Italien.
Mailand, 18. Mai. (WTB.) Die Blätter berichten, daß die Bemühungen B o n a m i s, ein Kabinett zu bilden, vergeblich seien, und daß der König daraufhin N i 111 mit der Bildung des Kabinetts beauftragt habe.
Rom, 18. Mai. (WTB.) N i tti erhielt den Auftrag zur Bildung des Kabinetts. Wie man versichert, hat Nitti bis jetzt noch keine Angebote gemacht und ist noch mit Sondierungsarbeiten zur Feststellung der Auffassungen der verschiedenen Parteiführer beschäfttgt.
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Oesterreichs Notlage.
Wiest, 18. Mai. (WTB) Ter Gouverneur der öswrreichisck>-ung>rrischen Bank S p i tz m ü l l e r hielt heute eine Rede über die finanzielle La g e der österreickstsch-ungarischen Bank, in der er erklärte, die Zlvangsrnleih' im Wege der Abstempelung sei Tür die hmftgen österreickstschen Ver- liäihriile unbedingt abzulehnen. Tas jetzige Defizit sei ein unüberwindümes yinberm-j für bie Einrichtung einer neuen Notenbank. Eine einheitliche WirischMswlitik könne nicht gemacht toerben in einem Staate, der nur von Aushilfe Aushilfe sich gewissermaßen durchh.rngere. Dem S.aate könne nur durch eine Anleihe in gutem (Velde geholfen werden. Tiefe Anleihe müsse natürlich garantiert nxrbcn. Es sei u nmöglich, daß das österreichische Volk nochmals einen Winter wie den letzten Winter auslpltsn könne und daß ihm zum Leben das unbedingt Notwendige gegeben werden müsse.
Prag, 18. Mai. In Hcchmelbe tarn es heute zu großen Hungerdemonstrationen, bei denen der Bezirkshrupttnann verwundet wurde. Mehrere Sichrrhritsfoldouen uitb Gendarmen wurden entwaffnet und mißlMidelt.
Tie Anschlußbestrcbungen Tirols.
Innsbruck, 18. Mai. (WB.) Weilern fand in St. Johann ein großer Bamrntag statt, an dem auch der Staatssekretär für Land- und_Jorst- ii'irtld<rt Stockler und Landes»rurEn:onn afn te In ahmen. Erne vom La. des <nrp nwirrt Lchr' ffl vorgeschlagene Resolution, die den 'onmigai wirt- schaftlichen Anschluß an Deutschland fordert, tourae inner großem Drifoll angenommen.
Handelsdelegierte der Sowjet» in England.
London, 18. Mai. (Wolff.) Reuter. Drei Handelsdesegürte der russischen Sowjetregierung trafen in England ein.
Bolschewistische Truppen in Persien.
Paris, 18. Mai. <2Solff.) ®mer Havas- Meldung zuwlge erfährt heran vom 11. Mai, balfchsmuiche Truppen hätten bei Astera die vert"d>2 Grenze überschritten Die Bolschewisten hätten ertart, daß sie mit den Per'ern keinen streit luch^n und nur den Rückzug der britischen Truppen verlangten.
5chluhtagung öcrHationalDerfammlung.
Berlin, 18. Mai. Tic Deutsche Nationalversammlung wirb am M i 11 w o ch zu einer kurzen letzten Tagung zusainmenkommen. 3nxn bis drei Tage soll sie nur dauern, dann kämen die '?rbgcarbnctrn in ihre Wahlkreise zurück, um dort bie letzten Vorbereitungen für den (>. Juni, diesen. Enricheidungslag für Deutschlands Zukunft zu treffen. Einige wirtschaftliche Gesetze sollen nock) verabschiedet werden, baruntcr an erster Stelle die Vorlage über die steuerlich' Behandlung der im Reichsausgleichsgesetz und im Enteignungsgesch geregelten Anlprüche und Verbindl ichkeiten Mü der Aushebung der Militärgerichtsbarkeit will bie ZboalitwnZregierung noch ein von ihr gegebenes Versprechen cinlösen. Geplant ist, daß der Minister des Auswärtigen Dr. KSstcr eine Interpellation aller tveiblichen Mitglieder der Nationalversammlung über die Verwendung farbiger Truppen in den besetzten Gebieten beantworten wird.
ein politischer Mord in Oberschle'ien.
B e u t h e n i. Oberschl., 18. Mai. (WTB.) Der „Bolkswille^" in Gleiwitz meldet ans Altdorf (Kreis Pletz): Gesbern abend wurde der sozialdemokratische Parteiselkretär K r o c - z c k durch Revvlverschüsse so schwer verletzt, daß er bald darauf seinen Verletzungen erlag. Der Mord ist von großpolnischer Seite vollbracht.
Zusammensetzung de» Danziger BolkSrates.
Berlin, 1.9. Mai. Der Danziger B o l k s r a t wird sich nach dem Wahlergebnis zusammensetzen aus 34 Deutsch-Nationalen, 21 Unabhängigen, 19 Mehrheitssozialisten, 17 Zentrumsvertretern, 12 Abgeordneten der freien wirtschaftlichen Bereinigung, 10 Demo traten und 7 Polen.
Zucker gegen Eisenbahnwagen.
Berlin, 18. Mai^ Deutschland hat mit derTschecho-Slowakeiein Abkommen krhm getanen, daß es dieser gegen Zucker Eisenbahn- Waggons liefert. Bisher tarnen 7500 Tonnen Zucker an, in der vergangenen Woche allein 1500 Tonnen. An Eisenbahnwagen wurden bereits 1386 Stück übergeben. Tiefe Zuckereinfuhr verhindert die jeürjung des Zuckerquantums unter das bereits bekanntgegebene Maß.
Wohnungsnot in Berlin.
Berlin, 15. Mai. Die Baukosten für eine Zweizimmernwhnung betragen jetzt in Berlin etwa 60 000 Mk. Nicht weniger als 40 000 Wohnung- snchenben fehlt es zur Zeit in Berlin an Unter- kunftsräurnen.
Stillstand der Hamburger Schiffswcrsteu.
Hamburg, 18. Mai. (WTB.) Anläßlich des Streiks der Werftangestrllten hat nun auch die Vulkanwerft, die einzige Werft, auf der bisher noch gearbeitet wurde, ben Gesamtdetrieb eingestellt, so daß nun die Arbeit ans sämtlichen großen .Hamburger Schiffswerften $uni Stillstand gekommen ist.
An» Hessen.
Die BeamtenbcsoldungSvorlage.
R.M.K. Darmstadt, 18. Mai. Die etn- yjnen Fraktionen der Volkskammer sind hmte zu- sammen getreten, um sich übet den Inhalt und Umfang der neuen Beamtende,oldungs- Vorlage zu unterrichten. Da nach den bestimmten Eiklärungen der Regierung, die auch von den Ausschußmitgliedern der Mehrheitsparteien unterstützt werben, keinerlei wesentliche Aenderungen mehr an der Befoldungsottmung, wie an dem Taris votgenommen werden können, eine Revision jedoch im Herbst schon zu erwarben ist, wird die Vorlage wohl ohne nennenswerte Widersprüche zur An- italjmc gelangen. Wie man jetzt schon hört, sind trotz der langen Vorverhandlungen, noch lange 'nicht alle Wünsche der Beteiligten erfüllt. Man .nimmt an, daß die Vorlage, wenn nicht besondere Schwierigkeiten entstehen, in einem Tage verabschiedet werden kann.
Eine dringliche Anftage haben die Abgg. Dr. Diehl und Genossen an die Regierung gerichtet, in der sie an fragen, ob der Regierung bekannt sei, daß das Gräfl. L e t n i n g e n'sche Gut zu Ilbenstadt im Kreise Friedberg in feiner Gesamtheit an einen einzelnen Käufer abgegeben sei und was bie Regierung zu tun gedenke, um den die Gemeinde Ilbenstadt schwer schädigcaiden Verkauf zu verhindern. — Dieselben Abgeordneten haben auch eine Anftage an die Regierung gerichtet, in der sie um Auskunft ersuchen, ob der Regierung bekannt ist, daß gegen verschiedene Beamte, die der Hess. Volkspartei angehören auf Grund von Denunziationen Anklagen wegen Beihilfe zum Hockwerrat iKapp-Putsch^ gestellt wurden und was sie zu tun gedenkt, um die nach der Reichsverfassung jedem Deutschen gewährleistete Metmmgs- fteiheit sicher zu stellen?
Ein neuer Zentrumsabgeordneter . im Landtag.
dz. Tarrn stadt, 19. Mai. In der letzten Sitzung der Landcswahllommis'ion rouri>e Jeftgt» stellt, daß nach bem Wahlvorschlag der Hessischen Zentrumspartei für die erfolgte Wrhl zur vcr- fas'ung gebenden Volkskammer des Freistaates Hessen der Rechtsanwalt August Nuß in Worms als Ersatzmann für den verstorbenen Abgeordneten Gewerkschaftssekre.'är Georg S ch e r e r in Offenbach a. M. in den Landtag emzutreten hat.


