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Erster Blatt

Sreitag, 19. März 1920

170. Jahrgang

noch nicht cuszestorben Schleswig herzlichsten G

Gruß und unsere hei besten

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vn bereits zu neuen politischen Entschlüssen

üt sie doch ein Zugeständnis eben dieser früheren Unterschätzung der politisch erreg-

.Ter geschichtlich denkwürdige Tagten dem die Deutsche Nationalversammlung in Stuttgart in schwerer Zeit zusammentrat, trug in seinem Aeuße- ren den Charakter einer außerordentlichen Begeben­heit. Vom Kunstgebäude am Schl oßv atz wechnte die s^ahne des republikanischen Deutschland. Scharfe Sicherheitsmaßnahmen und ein großes Aufgebot von Polizeimannschcften vor und im Versamm-

folg unserer Taktik schlägt jeden Einwand nieder. (Selm richtig.) Das ganze Volk erhob sich und stellte sich hinter die Regierrmg. Es rtif nach Waf­fen gegen die deutsch-nationale Reaktion, die ost­elbischen Junker unb die Osfiziers?aste, dre uns in die"en Zustand hineingefüHrt hat. Nach fünf Tagen haben wir den Sieg aur der ganzen Linit. Der Beweis ist geführt, biß m der deutschm Re­publik sich keine Äcilitärherrschaft halten kann. Den del lern und Mitstrri«ern im ftampr lei herz­licher Dank getagt Anck der deutschen Arbert'r- schost, an deren Widerüa d Abenteuer »nr- schellt ist. Zum Jubeln haben nxr tone Zeit. Das Verbrechen Kapps hat uns um Monate, wenn i ''

teln und Wegen erreicht werden können. Wir Hellen mit freudiger Genugtuung gleich allen Stimmen, die in der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung in Stuttgart zum Aus­druck gekommen sind, die schnelle und ein« rirütigc Entschlossenheit der Gesamtheit un- s'cres Volkes fest, von allen Gewaltplänen und ^ewaltstreichen sichtbar und entschieden ab» yrrürfen.

Wenn man in diesem Zusammenhang die Zchuldfragen erörtert, so darf man sich frei­lich nicht verhehlen, daß auch die Regierung narb die Mehrheiten des Parlaments nicht die rechten Wege gewandelt sind. Sie haben die 'Gefahren der Nichtachtung und Zurückweisung inner immerhin ansehnlichen Minderheit sehr unterschätzt. Wenn die Gewährung baldiger Neuwahlen fein Zugeständnis an die neuen Revolutionäre darstellt, was von Stuttgart

«Klommen. Interessant war, daß der Sprecher dts Zentrums beschleunigte Neuwahlen als unvermeidlich hingestellt hat, während ttcr Redner der Demokraten in diesem

W'ila isschlü Jiäti 1920 hegt i Kesselbach bei >r die ÄhebM t Unterlagen p

des Ausschlusses afterei Kessclbach

gifrung sollte ans diesem Putsch erkennen, daß sie streng an der Verfassung festhält und zur Wahl des Reichspräsidenten Maßnahmen trifft. Das wird

Nr. 67

Ter ekt*eer Anzeiger erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertag«, -ezvgrprei,:

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zranftnn a. M. 11686

| tuen Lesern ganz ähnliche Gedanken über dtc lungshause mahnten an den Ernst den Stunde. Orage der Neuwahlen und die damit im Zu- In der .Euvr^lkalle des Kunstgebäudes sammelten j.minenhang stehende Politik zum Ausdruck'sich gegen 4 Uhr ungefähr 20ü Mitglieder der Na-

H unkte sich zurückhaltend zeigte. Auch über iftc gemeldeten interfraktionellen Abrnachun- ijen in Berlin ist noch nicht völlige Klarheit vorhanden, und bis dahin muß man es sich versagen, die Notwendigkeiten der Lage im einzelnen zu erörtern. Daß die Urheber des Oewaltstreichs vor Gericht gestellt werden, ver­langt nicht nur der Antrag der sozialdenio- ^atischen Fraktion, sondern darin sind sich die Ordnungsliebenden im ganzen Volke rnig. Nur parteipolitische Befangenheit und ungezügeltes Propagandabedürfnis werden i ch, nach dem Muster einiger Mehrheitsblät- tor, fortgesetzt bemühen, die Parteien der Rechten für das Unheil der letzten Wocl)e ver­antwortlich zu machen und damit das poli tische Leben in Deutschland unnütz zu verschär­fen und zu vergiften.

Der plötzliche Ausbruch des General­streiks am Samstag hat uns verhindert, un-

Unfewit Brudern in

Deutsche Nationalversammlung.

Stuttgart, 18. März.

Annahme von Anzeigen s. die iogeenumincr tms ginn 91(1 di mit tag vorher ohne jedcBerhini'lichkest. Preis für 1 mm höhe iitr An<eiaenv.34mmBreite 8rtUd) 25 Pf., auSivärt» 30 Bk.; snr Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 90 Ps. Bei Platz- Dorf(tiri,i20* Ausschlag. Hauptschri'tleuer: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz: für den Anzeigenteil: p. Beck, sämtlich in ®i«6en.

___________l nicht geeignet sein, Ruhe, Ordnung und Wiederaesun- um Jahre in der Erneuerung Deutschlands zu-1 düng des wirtschaftlichen Lebens zu gewährleisten, rihfg: inorfcr In Schlesien und Ostpreußen hftw- Wir verlangen auch heute baldigeAusschrei-,

tionalveriammlung, darunter drei Deutschnationale und ein Volkspartriler. Der Platz des Präsidenten war mit einem großen Blumenstrauß und die Rcd- nerttitüne mit den Reichsfarben geschmückt. Vor ihr hatten die Rcichsminister Bauer, Müller, Noskc, David, Bell, Koch, Geßler, Giesberts und Unter- staatssekretär Mösle sowie die Vertreter der süd­deutschen Negierungen Platz genommen.

Präsident Fehrenbach eröffnet um 4^4 Uhr die Sitzung und gab eine große Anzahl von Tele­grammen der Abgeordneten bekannt, die ihr Fern­bleiben entschuldigen, darunter auch die Herren aus Berlin vo nder Deutschen Volkspartei, die mit­teilten, daß für sie keine Reisemöglichkeit bestehe. Auch eine Reihe anderer Abgeordneter aus Berlin konnten nicht rechtzeitig fortkommen. Nach einem Hinweis des Präsidenten, daß man eigentlich am heutigen Nachmittag in Berlin die Beratungen wie­der aufnehmen wollte, ging er kurz auf die poli­tischen Ereignisse ein. Leichtfertiger ist eine Revo­lution >vohl noch nie in Szene gesetzt worden als wie der Putsch der Kapp, Lüttwitz und Genossen. (Sehr richüg.) Unsere Feinde schienen zu ter Eriu- sicht gekommen, daß es unmöglich sei, den Friedens-, Der trag aufrechtzuerhalten. Im Innern begann Ordnung einzuziehen. Die Hoffnung wuchs im deut­schen Volke wieder auf. Man begann aufzuatmen, ganh nur hingegeben einer Friedenstätigkeit. Diese ruhige Entwicklung entsprach nicht dem Geist von Menschen, die viel vom Vaterland reden, aber ihre persönlichen und Parteiintevessen nicht dem allge­meinen Wohle unterzuordnen en verstehen. (Leb­hafter Beifall.)

Es ist etn ungeheures Verbrechen am deut­schen Volke begangen worden. Wehe den Menschen, auf die die Verantwortung für die Freveltat fällt. Wehe den Verführern, die nicht bloß den Eid, den sie der Verfassung geschworen, brachen, sondern die es über sich brachten, die unterstellten Mann­schaften zum Ungelvrsam zu verführen. Ten Trup­pen, die treu geblieben, sagen wir unsere berg lick'ste Anerkennung. (Bravo.) Tank auch dem großen Beamtenkörper, der mit verschwindenden Ausnahmen seine Pflicht in Treue erfüllte. Tank auch dem deutschen Volke, das namentlich im Süden und im Westen die Treue zur demokratischen Verfassung gewährte. (Beifall.) Mit inniger Freude und Genugtuung haben wir tvn dem Ab­stimmungsergebnis in der zweiten Zone-in Schles­wig Kenntnis genommen. Politische Reife und deutsche Vaterlandsliebe sind in unserem Volke

Lin amerikanischer Kredit für Deutschland.

Haag, 18. März. (WTB.) DerNieuwe Rvtterdamsche Lourant" meldet aus Was hing- ton: Im Repräsentantenbause wurde ein Ge­setzentwurf eingebracht, der für Deutsch­land einen Regierungskredit von einer Milliarde Dollars zum Zwecke des Ankaufs von Lebensmitteln und Rohstoffen vorsieht. Deutschland muß für diesen Kredit Sicherheiten geben, die durch die Wiedergutmachungstommission genehmigt werden müssen.

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Wünsche

Staatspräsident B l o s begrüßte die National­versammlung namens der würitembergischen Re­gierung imd wünschte ihren Arbeiten besten Erfolg. Das deutsche Volk in seiner ungeheuren Mehrheit verwarf die Putschpläne in Berlin. Württemberg habe in alter Zeit das Recht gehabt, die Sturm- sahne voranzutragen. Heute erfülle es Württem­berg mit dem stolzen Bewußtsein, daß es der Nationalversammlung seinen Schutz gewähren kann. Mit dem Wunsche, daß die Verhandlungen. die notwendige Klarheit und Entschlossenheit zeigen möge, schloß der württembergische Staatspräsident seine Ausführungen. (Beifall.)

Reichskanzler Bauer:

Regierung und Nationalversammlung haben zum zweitenmal, dem Zwang brutaler Gewalt fol­gend, und um das Leben der jungen deutschen Re­publik zu retten, Berlin verlassen müssen. Es ge­schah dies einzig und allein, um von dem Reich den Zusammenbruch unb die Bedrohung von nuten und außen fernzuhalten. Tann gibt der Reichs­kanzler eine Darstellung der bekannten Ursachen und Vorgänge des Berliner Putsches und betont besonders, daß v. Lüttwitz eine Verstärkung der Reichswehr und eine Vorbereitung der Revanche verlangt habe. Bezeichnend für Kapp sei, daß er im November 1918 dem damaligen Reichskanzler einen Ergebenheitsbesuch abi'battete und ihm seiner festen Lovalität versicherte. Auch der Admiral von Trvcha, der seinerzeit zu der entscheidenden Kabmettsitzung zugezogen war, hat sich später zu ben Leuten um Lüttwitz geschart. Wenn die Aus- rübter nicht durchgedrungen sind, so ist dies dem Verhalten der Beamten in ben Ministerien mit- zudanken. Tie Agitation für Fachminister, die man entfaltet hat, ist lediglich eine verstärkte Agi­tation für reaktionäre Ziele. Es ist gewiß, daß die geeigneten Männer berufen werden sollen, aber in einem parlamentarischen Teutschland kann man nicht mehr unpolitische Fachmänner haben. Ein führender Politiker und geeigneter Fach­mann m einer Person muß deshalb das Ministeramt bekleiden. Tie schwersten Vorwürfe wurden gegen Erzberger gwichttt.1 Trotz der ungeheuren Angriffe und des schw'r verständlichen Urteils muß man sagen, daß es kaum einen tüchtigeren Fachminister gegten hat, als Erzberger. Es wird kaum einen Miami geben, der eine solche Riesenarbeit geleistet hat wie er als Finanzminister. Es sind auch VerdäcArgungen gegen die Regierung gerichtet worden. Sie hatte ruhig in Berlin bleiben und sich mit den Am- ritbrem auseinander fetzen sollen. Aber der Er-

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gderhessen

Zwlllingrnmdtznttk u. Verlag: vrShl'sche Univ.-Such- il $temtni<erei 8. Lange. Lchristleittmg, Geschäftsstelle n. Drutferet: Zchnlstr. 7.

schen noch die Helfershelfer b*r KVrpv und Genossen, aber ihre Herrschaft wird nad) Jagen zersckiellen. Der nütjona(ini|d)e Ausstand l.nt die crcrmc B> ipegung hervewgerufen. Der Ruf nach Dik­tatur des Proletariats cricbaHt. Wir werden fort fahren, jebe Gewalt zu mu rbmden, die gegen die Verfassung steht. Unser wartet letzt d.e ganiltige Auigale des Witd- r.iufdoues. Der Putsch ist beseitigt Morgen (xginnt die Ar­beit zum Wiederaufbau des deutschen Volkes. Wir wolle,, den Wahliprnch mit InnauSneornen, der leit alters her xm schwäbisäieu Wappen steht, unb der fernerhin über der Reichsregxerung stehen soll: Furchtlos und treu!"

Abg. Scheidemann (Soz.): Dieselben Preußen, die rms in das Elend des Krieges trieben, haben auch diese verbrecherische Revolution angc- zettelt. Ich muß hier in aller Ceftvntlid)ifl*it feit- stellen, daß bei dieser Revolution nur Leute der Micditcn beteiligt waren, daß die Deutschnationale Partei und die Deutsche Volkspartei kein SBort der Verurteilung dafür gefunden haben, ia sogar dec Regierung Kapp treue Mitarbrit zugesichert haben. Ich glaube, mit dieser Parole werden wir die kommende W a h l s ch 1 a ch t glänzend gewin­nen. Wir verlangen unverzügliche Entlassung aller Offiziere, die nicht zur Republik stellen, und Ent­waffnung der Truppen, die gemeutert haben. Wir verlangen ferner Auslese unter der Beamten­schaft, Bestrafung der Berbreckier in Uniform unb Zivil, Konfiskation des gesamten Vermögens derer, die diese Verbrecher angezettelt haben.

Abg. Bur läge (Ztr.): Falschpit und Hin­terlist, Bruch der Ehrenworte, Verführung der Soldaten zum Treubruch kennzeichnen die Kräfte diejer (ikgenretwlutwnäre von vxhts. Schonung ist nicht am Platze. Wir stehen jetzt vor einer neuen Zeit, die nicht Vorüber geben darf, ohne daß dem deutschen Volke Gelegenheit gegeben wir zur Meinungsäußerung. Tie Wahlen müssen bald ausgeschrieben werden. (Zustim­mung im Zentrum.) Von einem abgepreßten Zu­geständnis zu reden ist unzutreffend. (Sein richtig bei der Mehrheit^) Von einem Beschluß unserer­seits, den Reichspräsidenten durch das Volk wählen zu lassen, kann feine Rede sein. Dir stellen auf dem Boden der Verfassung Ter Wunsch, Fachminister an die Spitze der Ministerien zu stellen, ist unbesonnen und unvereinbar mit dem parlamentarischen System. (Beifall links.) In listiger Weise forderten die Ausrührer Aushebung der Zwangswirtschäft. Tie Zwang roirischuft aegenroättifl aufzuheben, wäre Wahwvitzig.. (Ber­fa U.) Vor den Neuwahlen sind noch wichtige gesetz­geberische Aufgaben abzuschließen.

Abg. v. Payer (Dem.): Noch sind wir nicht über die neue Lage orientiert, aber eins könne» wir sagen: Nach rechts wird sich die Politik unserer! Fraktion unter keinen Umständen orientieren. Wir danken den treugebliebenen Beamten unb ben ver­fassungstreuen Arme hörigen des Heeres unb Dank allen Arbeitern, Bürgern und Soldaten, die sich und ihr Leben für das Wohl des Vaterlandes ein­gesetzt haben. Wir verlangen, daß das Verhältnis Der Regierung zu den innerlich nicht auf dem Boden der Verfassung stehenden Offizieren ein klarer wird. Wir verlangen dasselbe für d« Beamtenschaft Wir erwarten, baß bie Gerechtigkeit gegen bie Urheber und Mithelfer des Putsches unverzüglich und scho­nungslos ihren Lauf nimmt. (Lebhafter Beifall.) Vor einer Woche noch haben sich bie Mehrheüs- parieien aus sachlichen Gründen für bie Wahl i m Herbst eingesetzt. Diese Grünbe bleiben be­stehen. Daran ändert auch die putfchistische Regie­rung nichts. Es laßt sich noch nicht übersehen, bis wann unser Volk zur Wahlurne schreiten kann. In der Frage bet Präsidentenwahl haben wir nie daran gedacht, bie Verfassung zu ändern. Ick glaube be» Itfmmt, daß die Entwicklung bon Hcmoel und In­dustrie von selbst in der Richtung der Fachminister gehen wirb.

Abg. Kraut (D.-N.): Zunächst möchte ich feststellen, daß es der überwiegenden Mehrheit meiner Fraktionsfreunde nicht möglich gewesen ist, hierher zu kommen. (Zurufe: tote sind bei der Kappregierung.) Den >chärssten Protest muß ick einlegen gegen bie Zensur, bie besonders scharf an rechtsstehenden Blättern geführt wird. Eine Revolution geht niemals ohne 3djulb der «Re­gierung vor sich. Die Gemüter mußten auf^tegt werden burch den Verstoß, entgegen ben Stim­mungen der Verfassung bie Wahl bes Reichspräsi- Denten durch die Nationalversammlung vornehmen zu lassen. Auch die Verzögerung Der Wahlen hat mit dazu bei getragen, die öffentliche Meinung aufs äußerste zu erregen. (Jnioloe bet vielfachen Zwi­schenrufe blieben viele Aeuherungen des Redners unverständlich.)

Minister H e y m a n n (©oj.): Der Protest des Vorredners gegen die Anordnungen dt Zenlur tft unberechtigt. Dxe württembergische Regierung über­nimmt die Verantwortung für alle Vorbeugungs­maßnahmen.

Reichsmrnister Koch: Kraut hat die Stunde benufct, um Angriffe gegen die Regikrung zu rich­ten. Die Abrechnung mit den politischen Freun­den, die dem Redner nahestchen, will ich auf Ber­lin verschieben.

Abg. Dr. Becker-Hessen sDt. Vpt.) spricht als einziger Vertreter seiner Frattion. Tie Deutsche Volkspartei stehe in offener Opposition der Regie­rung gegenüber. Sie hat stets deren cmfeitige Zusammensetzung bekämpft und verlangt bei Aus­wahl der Minister in erster Linie fachliche Tüchtig­keit. Wir verurteilen den Putsch auf das Schärfste und lehnen ihn ab, wie bieNovemberrevolution 1918. Die Re-

Der deutsche Sieg in Schleswig.

Hamburg, 15. März. (Wolff.) Ter Deutsche Ausschuß für das Herzogtum Schles­wig teilt mit: Das vorläufige Absrimmungs- ergebnis in der zweiten norbschleswigschen Zone brachte eine Sechssiebentel-Mehrheit für Deutschland. Im Kreise Flensburg stimmten für Deutschland 6751, für Dänemark 1421 Wahlberechtigte. In der Stabt Flensburg be­trug bie Stimmenzahl für Deutschland 27 056, für Dänemark 8935.

Flensburg, 15. März. (Wolff.) Bis 10 Uhr abends lagen aus der zweiten Zone aus etwa 80 Orten Wahlergebnisse vor. Es erhielten von diesen 80 Orten 85 Prozent deutsche und 15 Prozent dänische Mehrheiten.

zu bringen, wie bie eben angeführten. Das Blatt mar bereits druckfertig, als die Parole zum Streik Druck unb Ausgabe verhinberten Es traf sich für unsere örtlichen Verhältnisse insofern recht ungünsttg, als gerade durch unser Blatt manche Ziveifel Und manche Er­regung im Publikum hätten unterbunden werden können. Es blieb uns nichts anderes übrig, als mit Hilfe spärlicher uns zur Ver­fügung stehender Mittel die regelmäßigen Quellen des Wolff-Bureaus und einzelner Frankfurter Blätter in Anspruch zu nehmen, um durch Aushang und später durch Ausgabe eines Sonderblattes die städtischen Leser in beschränkter Zahl mit ben wichtigsten Ereig­nissen bekannt zu machen. Hiesige Druckerei- besrtzer hatten sich dankenswerterweise für diese Dienstleistungen im allgemeinen Inter­esse zur Verfügung gestellt, während aus der Studentenschaft die ebenso dankenswerte Hilfe des Austragens und Verbreitens der Blätter uns zuteil wurde. Frellich ließ sich nicht vermeiden, baß bie eine unb bie andere Meldung je nach den Quellen, aus denen sie entstammten, einander widersprachen, aber es war uns ja durch den Streik unmöglich ge­macht, durch erwünschte Kommentare Klar­stellung zu versuchen. Das Vertrauen in un­sere Wahrheitsliebe unb Loyalität war nur in ganz vereinzelten Köpfen erschüttert, bie ihre Parteipolittk unb bie allgemeinen Inter» essen nicht auAeinanberhalten konnten.

Die Lage in Berlin.

Berlin, 18. März. (Wolff.) Die auf bem Wilhelrnsplatz und Umgebung bei dem Putschversuch ausgestellte Marinebrigabe sam­melte sich heute nachmittag, um durch bas Brandenburger Tor nach Döberitz abzuziehen. Bei dem Ausmarsch der Truppen nahm die Unter den Linben angesammelte Menge in berßtegenb des Hotels Adlon eine drohende Haltung an und stieß Schimpfworte aus AlsSchießbereitschaft'' kommandiert wurde, ergriff die Masse eine Panik. Alles flüchtete in die offenen Häuser. In diesem Augenblick fielen mehrere Schüsse, wodurch zwei Personen schwer verletzt wurden. Als ein großer Teil der Truppen bas Brandenburger Tor bereits erreicht hatte, drängte bie Menge aufs neue nach, worauf vom Brandenburger Tor eine Maschinengewehrsalve ab­gefeuert wurde. Eine größere Anzahl Personen wurde schwer (verletzt.

Schießerei in Kassel.

Kassel, 18.März. (WTB.) Heute vor­mittag kam es hier zu Unruhen unb anschlie- ßenb daran zu einem Feuer gefecht zwi­schen Aufrührern unb Reichswehrtruppen, wobei es Tote und Verwundete gab.

Lin schnelles Ende des Berliner Gewaltstreichs.

Heute vor acht Tagen druckten wir bie letzte Ausgabe des Gießener Anzeigers; was dazwischen liegt, ist leider nicht nur ein wüster Traum, sondern eine tiefbebauerliche Berket- tung frevelvoller und verderblicher Ereig- «isse. Alle Welt war ahnunyslos von diesem plötzlichen Emporschießen eines Putsches in per Reichshauptstabt. Das bedeutet zugleich, daß dieses unverantwortliche Unternehmen keineswegs einer Verschwörung weitester LolkSkrerse im Reiche entsprungen war, unb daß auch bestimmten Parteien nicht ber Vor- öurf bes Verrates gern acht werben kann. Die Herren Lüttwitz unb Kapp vertraten nur ihre eigene Sadje, nicht bieienige irgenbeines grö­beren Bolksteiles. Höchstens bie ihrem Macht­bereich unterstehenben Truppenkörper ver­folgten eigene Pläne. Unb von diesen zum größten Teil aus den Balttkumkämpfen z"- rückgekehrten Wehrmännem und ihren Füh­rern wurden in erster Linie soldatische Wünsche verfolgt, ähnlich wie früher in den heißen Tagen nach der Novemberrevolution Die Berliner Marinetruppen sich einer fried- licken Auflösung zu widersetzen suchten. Frei­lich, bei dem Unternehmen Lüttwch spielten größere politische Gedanken mit hinein, Ab­sichten, bie aus ber augenblicklichen politischen Lage ihre Nahrung sckwvften, aber darum nicht minder verwerflich erscheinen. Wenn bie Ver­schwörer nichts anbered zu erreichen trach­teten, als Neuwahlen für den Reichstag, Dolkswahl des Präsidenten, demokratische Umbildung ber Regierung, so waren sie bamit einer Meinung mit einem großen Teile des deutschen Volkes. Das war bei der entschei­denden Abstimmung über einen entsprechen­den Antrag der Rechtsparteien in der Natio­nalversammlung deutlich zum Ausdruck ge> kommen. Von ber friedlichen Verfolgung sol­cher Ziele, von einer erlaubten Agitation gegen den Willen der Mehrheit der bis­herigen Nationalversammlung bis zu einem gewaltsamen Eingriff in bie Ordnung der Dinge ist jedoch em sehr weiter Schritt. Auch Lucnn die Wirren der letzten Tage als Teih- ergebniä die Beschleunigung der Neuwahlen unb der anderen soeben erwähnten Ziele herbeigeführt haben sollten, so ist bamit die Revolution der Regierung Kapp keineswegs gerechtfertigt oder rerngewaschen. Diese Er­folge hätten am Ende auch mit anderen Mit-

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5 ^Karten- äufgeraift haben, ist in den Stuttgarter Re- ' -ttt k sierungserklärungen noch nicht zum Ausdruck

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