die Ausbeutung des Lagers geht, zumal der 2d tronsport bis zur Bahnstation sehr becmem tft.
kommen.
Kreis Friedberg.
Die
den
Lebensmittel,
** Holzausgabe.
treten.
werden.
nritnrirfrnbfn Gästen galt.
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dem in der Passionsmusik wendeten „SD Haupt do l bett", aus dem »»endliche
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oh. Seb. Bachs Der» Blut und Wun - Wehmut und Trauer
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Aus Statt rrnd Ccinb»
Sieben, den 19. Jan. 1920
Aeutzerfte Sparsamkeit bei der Stromentnahme geboten.
Im Interesse der Aufrechterhaltung seines Be- triebes weist das städt. Elektririlä!swerk an dieser Stelle nochmals aus die Bekanntmachung vom 15. ds. Mts .hin. Die äußerst fchroierigt ftWen* läge mackst eS dringend erforderlich, daß sich die Gewerbebetriebe imb Geschäfte streng an die Vor- sckwiften halten, da sonst die Besorgung der roich- tigsten Betriebe und der Ha Mallungen während der Abendstunden in Frage gestellt wird. Ferner
Veranstaltungen.
Montag, 19. Jan. Statthalter 7 Uhr: Kindertragödie. — Lichtspielhäuser wie Sonntag.
macht das Werk darauf aufmerksam, daß mit äußerster Strenge auf Einhaltung der einschränben- Bestimmungen gesehen m’rb.
**EineFeststellung. Herr Amtsgerichtsdiener Harrpt macht darauf aufmerksam, daß er mit dem Redner Haupt im Cafs Leib und in früheren Versammlungen nicht indentisch ist.
Landkreis Gießen.
Ein neues Brannkohlenlager.
tt. TreiS a. d. L , 16. Jon. In der hiesigen Gemarkung befindet sich, wie schon vor vielen Jahren durch Bohrungen festgestellt wurde, ein Braunkohlenlager, beffcn Kohlen nach Versuchen einen vorzüglichen Brand liefern. Es ist zu verwundern, daß sich bei der herrschenden Krhlennot nicht ein Unternehmer ftnfct, der an
Holzbelieferung wi^xr an diesem Tage die ursprünglich für den 10.
am Nachmittag wurde der Jüngling von der hiesigen Gendarmerie im Bahnhof Fulda abgefaßt, wo er im Wortesaale den ihm in der EinbruäZs- nacht entgangenen Schlaf nachlwlte. Die gestol)- leiren Gegenstäirde wurden vorgefunden bis auf einen Ring, den der Junge versilbert hotte, Reisegeld nach seiner Heimat Offenbach zu
= Rendel (Kr. Friedberg), 16. Inn. _ .Schar mühle" wurde durch emtn Stxinb eitt»
** Bon der Landes-Universität. Das BorlesungsDerzeichnis für das Zn4chen- semester im Frühjahr 1920 (2. Februar bis 31. März) und das für das ©ommeinemefler 1920 sind erschienen. Im Zwischensemester w:r- den in allen Fakultäten Vorlesungen und Hebungen abgehalten, in der Mnlosoplnfchen Fakultät jedoch nur in einzelnen Fächern (Mathematik, Plw» syk, Chemie, Botanik, StaatSwissenschaften); die Dozenten der Ptsilosophifckien Fakultät, die trine Vorlesungen und Uelnrngen angeküntigt hoben, sind bereit, Kriegsteilnehmer zu bcratm und yu niisfenschaftlichen Arbeiten anzuleiten. Die Be- diugungen für die Zulassung zum Zwi'chensemester sind im Vorlesungsverzeichnis mitgeteilt.
** Nächtlicher Ueberfall. In der Nacht vom 16. zum 17. Januar wurde in der Neustadt ein Mädchen von einem Unchilden an- gefallen. Ein des Weges kommender Wächter von dem hiesigen Wach- und SchlietziJnstitut veranlaßte sofortige Festnahme.
** Die Deutschnationale Bolkspar- tet hielt gestern abend im Saale des Einhorn eine Reichsaründungsfeier zur Erinnerung an den 18. Januar 1871 ab, der ein besserer Besuch zu wünschen gewesen wäre. Oberpostsekretär Kohlhase begrüßte die Erschienenen und wies in seinen einleitenden Worten auf die Bedeutung der Feier hin. Der erste Teil der Feier bestand in musikalischen und deklamatorischen Darbietungen. Et wurde eingeleitet durch einen von Dr. Lenz verfaßten und N. Weil gesprochenen Prolog. Den
Rechten und Unabhängigen angenommen. Die Melirheit begrüßt das Abstimmungsergebnis bet« fällig. .
Der Präsident bittet um bte Ermächtigung, den Tag der nächsten Sitzung selbst festsetzm zu unten, sobald der Bericht des Steuerausschusses Doriiegt.
Abg Henke (USP.) hält eine Vertagung in jetziger Zeit für bedenklich. Seine Partei wenrg- stens sehne sich nach den Neuwrhlen.
Abg. Schulz- Bromberg: Wann kommt endlich das Wahlgesetz? Das ist doch die Haupt- 'ache.
Das Haus schließt sich dem Vorschlag des Präsidenten an.
Schluß 6’/< Uhr.
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Das Mörpcrschaftenstenerqesetz.
Berlin, 16. Jan. (Wolff.) Der Nationalversammlung ging der Entwurf des Kör per - chaftensteuergesetzes zu. Nach tz 1 des Gesetzentwurfes unterligen der Körpe schaftssbuer mit ihrem E.nkommen 1. juristisclie Personen öffentlichen und privaten Rechts, sowie alle Berggewerkschaften, 2. nichtreclitssälnge Per onenvereiui- gungen, Anstalten, Stiftungen und andere Zweck- vermSgen. Eine Uebeveinstimmung zwischen dem Reichsrat und der Nationalversammlung ließ sich nicht erzielen. Bei § 11 Abs. 3 des Entwurfes sieht die vom Reichsrat beschlossene Fassung eine steuerliche Begünstigung der Gesellschaften mit besckrän'.ttt Haftung und Gcnossen- 'chaften vor, um die Doppelbesteuerung abMschwä- chen, während die Reichsregierung der Auffassung ist, daß eine solche Begünstigung der sachlichen Berechtigung entbehrt. Die Vorlage enthält daher bei §11 neben der vom Reicktsrat beschlösse um Fassung eilte besondereVorlageder Rerchsregierung.
me. Frankfurt a. M., 17. Jan. Dre Koh- lennot in Frankfurt ist jetzt so wert gestiegen. >aß der elektrische Strom täglich 6 Stunden ab- gesperrt werden muß. — Die Gaswerke sind am Freitag zum Erliegen gekommen und halten bte Oefen nur mühsam mit Holzfeuerung warm.
--- F r an kf ur t a. M., 18 .Jan. Die Sicher- heitstruppen unter der Führung des Obersten
Herr Walter Kunkel (Viola). Herrn Ernst Cahnbley's (Violoncello) Spiel verrät, wer mitunter auch auf das Spiel der einzelnen Instrumente und nicht nur auf ihr Zusammenspiel geachtet bat, wird mir recht geben — "höchstes Künstlertum. Aber auch Herr Karl Wyrott (2. Violine), dessen vornehme Zurückhaltung seine Leistungen vielleicht nicht so deutlich hervortreten läßt, ist seinen Kollegen durchaus ebenbürtig. L. M.
Leipziger Solo-Quartett für Kirchengesavg.
(Professor Bruno Röt hig.)
Gießen, den 19. Januar 1920.
Eine in der Johanneskirche versammelte, große andächtige Gemeinde lauschte geftctti abend dem Leipztger Solo-Quartett für Kirchengesang. Der Vortrag von zwölf dem 12., 15., 16., 17., 18. und 19. Jahrhundert angehören- den ein-, zwei- unö dreistrophigen Choralweisen der christlichen Festeszeiten (Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Trinitatis) brachte ein klares Bild vom Wesen der Choralmusik Durch ihre Unisono-Figur charakteristisch ist die bereits aus dem 12 Jahrhundert stammende Melodie „Christ ist erstanden". Von allen gestern gefangenen Chorälen geht tiefe Wirkuitg aus, ganz besonders von
um den sterbenden Erlöser spricht.
Professor Bruno Röthig ist Gründer und Leiter dieses „Soloauartetts". (Frau C. Rötbig singt den Sopran, Fräulein H. Risch den Alt, Bruno Röthig selbst den Tenor, und Herr E. Tauuewitz den Baß.) Röthig unternahm mit seinem Quartett vor dem Krieg Reisen durch Europa bis nach dem Balkan und der Türkei, nach Palästina,
M. Grün berg 15. Jan. Unsere Nachbargemeinde Lauter bezahlt an die in Gemeinde- dienLst stehende Personen 50 Proz. Teuerungszulage. So erhält der dortige Lehrer statt 900 Mark jetzt 1350 M. aus der Gemetndekafse. Lauter ist wohl die einzige Landgemeinde unseres Kreises, die solche Sätze an die Gemeindebediensteten bezahlt.
x W i e s e ck, 17. Jan. In die hiesigen Standesamtsregister wurden im Jahre 1919 eingetragen: 74 Geburten gegen 30 im Jahre 1918, 54 Ehescl)ließungen (1918: 12) und 46 Todesfälle (1918: 48). Me letzte Volkszählung im Herbst 1919 ergab eine Seelenzahl von 3340 gegen 3254 vor dem Kriege.
Kreis Lauterbach,
K. Lauterbach, 17. Jan. Ein 17jähriger Bäckerlehrling brach hier nachts in das Uhren- warengeschäst von Köhler ein und entwendete für einige Tausend Mark Uhren und Schmuckwaren. Zu seinem Unheil hi ß et auch einen Hut mitgeben, für den er ferne Bäckerwütze zurück! eß, die ihm zum Verräter wurde. Schau
musikalischen Teil hatten Pianist I. Hahn- Gießen und Baritonist Ad. Müller-Frankfurt übernommen, die ihre Aufgabe vorzüglich zu lösen verstanden, so daß das Publikum reichen Beifall spenoete. Ebenso brijällig wurde das von Frl. Knieper eindruckSvoll vorgetragene Gedickst „Glaube" ausgenommen. Den zweiten Teil der Feier bildete die vom Abgeordneten P. Fuhrmann- Berlin gehaltene Festrede. In seinen ^/«stündigen Ausführungen untersuchte er, wodurch das'deutsche Volk von feiner einstigen Höhe herabsank und wie der Aufstieg wieder möglich )ei. Er trat der Anschauung entgegen, daß die Befolgung Bismarckscher Politik zu der Kata- ftropbe geführt habe. Wir stürzten nach seiner Ansicht, weil wir Bismarck verließen. Alsdann übte er in längeren Ausfüllungen Kritik an dem letzten Träger der Krone und bemerkte besonders, daß, gerade die Deut.chnationale VolÄpartei a.s eine monarckstiche Partei berechtigt und verpflichtet ei, hier Kritik zu üben. Nach dem offiziellen Abgang Bismarcks folgte die Politik der großen Worte und des Säbelgerassels. Der Kai,er war nach Ansicht des Redners ein hochbegabter, vom ehrlichsten Wollen beseelter Fürst, ber in ruhigen Zeiten Hervorragendes geleistet hätte, der aber in der kritischsten Zeit deutscher Geschichte als Steuermann versagte. Schuldig war nicht dcr Kaiser, sondern wir, das Volk, das in ihm den Glauben an seine Unfehlbarkeit stärkte. Die Berater des Monarchen, vor allem Bethmann-Holl- weg, waren für ihre Posten nicht geeignet. Der Krieg war schon verloren, ehe er begann, weil der Kanzler vom Anfang des Krieges an nicht an den Sieg glaubte. Der Aufstieg ist nach der Ansicht des Redners nur möglich, wenn wir eS verlernen sentimental zu sein. Wir müssen für die Zukunft eine Politik treiben, die mir die Interessen des eignen Landes im Auge hat. Wir müssen uns vor jeder Illusion hüten, denn erst unseren Kindern und Kindeskindern durfte es vergönnt sein, wieder in einem freieren Deutschland zu leben. Es muß darum unsere vornehmste Aufgabe fern, die Jugend in nationalem Geiste zu erziehen. Der Egoismus, der sich in unseren Tagen so breit macht, kann nicht zum Aufstieg führen, ihn müssen wir ablegen und das Gemeinschaftsgefühl pflegen. Dann werden wir hinter den Wolken wieder die Sonne erblicken. Reicher Beifall belohnte den Redner für feine tiefdurchdachten Ausführungen, für die auch der Leiter der Versammlung noch besonderen Dank auSsprach. Sein Schlußwort klang in ein Hoch auf das deutsche Vaterland aus, das die Versammlung begeistert aufnahm. Mit dem Lied „Deutschland über alles" schloß die Feier.
** Aliceschule. Gesuche um Aufnahme in die Seminare für technische Lehrerinnen (Hauswirtschafts- und Handarbeitslchrerinncn) sind bis zum 1. Februar ein zu reichen. Der Kursus beginnt am 7. April.
** Schule fürhöhe re sKla^i-rspiel von Minna Körner. Gute Musik bclan man am gestrigen Sonntagnachmittag in eaiun Konzert zu hören, dessen Ertrag der Kasse des G i e - ßener Kindergarten-Vereins ruflirßen wird. Veranstalterin mar die Schule für höheres Klavier spiel vvn Minna Körner in Gießen. Angohrnde Künstlerinnen dieser Schule versuchten sich — unter Mitwirkung von Frau Hedwig M üller-Bangert (Gesang) und Herrn Wilhelm Schüttler (Violine), deren musikalischer Ruf bereits gefirfjert ist — an klavieri- stischeu Werken von Weber, Schumann, Chopin, Liszt, Raff unb Bellini Das Spiel von Fräulein Irene Günther, Fräulrin Sbanni Roth und Fräulein Mi Ewa Ich zeugt bereits vvn gewisser Reife der musikalischm Aufsasfung, Technik und Gewandcheit. Uederraschen konnte die fouragierte Sicherheit, mit der das jugendliche Fräulein Frieda Hopfeld Rafss Fablian vortrug. Sie erfreute außerdem im Verein mit Fräulein Aennchcn Wehrheim, deren Schlumnn-rlied schon eigene Note trug, vor und nach dem Spiel durch allerliebst binge&aubcrte Knickse. Starker, herzlicher Beifall, des zum Teil aus „Jugend" zusammengesetzten Hörerkreises — er hatte in Anbetracht des guten Zwecks der Veranstaltung noch größer sein dürfen — war der Ausdruck des Dankes, der ganz besonders auch Fräulein Körner, der verdienten Lehrerin und trefflichen Begleiterin am Flügel, und den
Aeghpten und Nordamerika. Er ist auch literarisch ber Dorgetreten und hat sich als Komponist von Liedern und Motetten einen Namen gemacht. „Unsterblich" geworden ist er aber erst durch die Gesangs kuu st seines Quartetts. Die vier Sttmmen fingen mit der wahvenLeidenschaft der lieber zerpnm ss, mit jener Ver'>. rlichung, die sich spontan auf du über trägt,ine diese Kunst als Ausnehmende gent fe.it Es wäre verfehlt, die verschiedenen Stimmen ihrer musikalischen Qualität nach einanücr gegenüber« zustellen. Man möge sich mit dem Urteil beschci' den, daß die von diesem Quartettgesang ausgehende Wirkung der beste Gradmesser für die künstlerisch Qualität der Vereinigung ist. L. M.
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nve. Frankfurt a. M., 18. Jan. Ein für die deutsche Literatur bedeutsames Werk wurde tiefer Tage in der Freiherr Carl v. Rothichildschef Bibliothek nach 29jäbriger Arbeit vollendet. ist ein S a m me l ka ta lo g über alle deutscher Bibliotheken, der sämtliche wissenschaftliche Werke die in irgendeiner deutschen Bibliothek vor landen sind, umfaßt. So ist es mögl.ch, daß in Frankfurt heute 67 Prozent aller wiiienschasttichei' deutschen Bücher nachgewiesen werden können. Skv terc 20 Prozent ber deutschen Bücher laifen liä mit ziemlicher Sicherheit nachweisen, »nährend du restlichen 13 Prozent noch aufgefunden werden sollen. Der Sammelkatalog, an dem annäbenti1 ein Menschenalter täglich 5—10 Personen ar bet- teten, ist ganz besonders für die Studierenden Sü^deutschlands bedeutsam, da sie ein gesuchter Buch hier ohne rZehlanfragen zu tun, sofort sinder können.
Siebener Konjertoerdn.
Gießen, 17. Jan.
Schörst-Qnattctl:
Streichquartette von Haydn, Schumann und Borodin.
Der Kammermusik wird vielfach nicht die ihr gebührende Beachtung geschenkt. Es ist darum mit Dank zu begrüßen, daß der „Gießener Konter t v e r e i n" von den zehn für das Winterhalb- pchr 1919/20 vorgesehenen Konzerten zwei Abende dieser Musikgattung gewidmet sein liefe. Und wenn man nun gar wie gestern Gelegenheit hat, ein Streichquartett Joseph Haydn's zu Höven, dem wir die Schaffung des Quartetts schlechthin zu verdanken haben, dann sollte man schon dieses einen jHaydn wegen, von einer solchen Gelegenheit Gebrauch machend sowohl der „Anfängeri' in der Musik, der fick» noch vertraut machen muß mit ber £hiartettliteratur und ihrer Bedeutung für die Kammi-rmufik, als auch der ganz im Musikalischen aufgebende begeisterte Musikfreund, nicht minder aber der durch alle Gattungen bet Musik bereits hindurchgegangene abgetlärte Mus!k„kenner". Was ein solches Haydn-Quartett — gleichviel welches — immer aus zeichnet, ist sein „Naturell": jene an- !ieborene und dah.r unwillkürliche Art, sich nach einer eigenen Natur und Stimmung zu äußern. Ind darum nannte ihn Beethoven „groß" und die Nachwelt „unsterblich". Geurde in fernem Quartetten erschaut man deutlich, daß Haydn Mozarts wie Beethovens Vorbild, aber mehr noch, daß er hie ganze Quelle der Erfolge der neuen Italiener gewesen ist, die seine Heiterkeit, seine sinnige Art, seine Liebenswürdigkeit und Anmut nur kopierten Diese geistvollen ersten Sätze, diese sprudelnden Schlußsätze, diese Btenuetts, diese Adagios, immer
und immer wieder voll überraschenden Witzes, voll unwillkürlich ergreifender, oft rührend warmer Herzlichkeit! Da ist in ber Tat „Idee, Ausdruck, Gesang". Man bekam gestern eines der bemerkenswertesten seiner Quartette zu hören, das in C-Dur geschriebene (op. 54 Nr 2) mit dem charakteristischen Menuett und jenem eigentümlicher Finale, das aus einem ein Pvesto umschließenden Adagio besteht.
Umgekehrt sind Robert Schumann's Streichquartette (op. 41) die Frucht des Studiums Beethovens. Am nxmigften allerdings vielleicht in dem gestern gehörten A-Dur- Quartett (op. 41 Nr. 3): diese Mischung von zarter Schwärmerei und jugendlichem Draufgängertum ist echter Schumann.
Weniger ,Fcht" sch?int der Junarusse B o r o- bin ju fein, befien ausgesprochener Klangsinn und Farbenreichtum stark an die jungitalienische Schule erinnert. Doch tragen seine Werk durchaus russische Prägung. Anlehnungen an Tschaikowsky (aber auch an Grieg) sind nicht zu verkennen.
Die vollendete Wiedergabe der erwähnten Werke durch das Schörg-Quartett fordert zu einer Gegenüberstellung dieses Quartetts und des kürzlich hier gehörten Rebner-Quartetts heraus: Die grafe« Präzision, mit der das Schörg- Ensemble die von ihm zu interpretierenden Werke behandelt, stellt es noch über das Rebner-Quartett. Herr Franz Schörg.(l Violine) ist ein Musiker von hervorragender Fnnfühligkeit. Eine große, innere Energie — äußerlich erkennbar an scharfen, durchdringenden Augen — zwingt seinen Partnern mül-elos seinen Willen auf. Das Wunderbare dabei ist, bafe diese Herren — sie spielen in ber $at ganz nach den Jntenttoneir ihres „sitzenden" Dirigenten, — eigene Musikalität sich bewahrt haben. Unb eigene Musikalität besitzt in ganz besonderem Maße
geäschert.
Hessen-Nassau.
Schließung der Cisenbahuhauptwerkstütte Nied.
Frankfurt a. M., 17. Jan. (Wolfs.) Tie Regierung tat die Eiienbahndirektivn Frankfurt (Main) beauftragt, die Eisenbahnhauptwerkstätte Nied, die größte, modernste unb bestausgeßattetste Lokomvtivwerrstätte des Bezirks, wegen Unwirt- schasilichteit zu schließen. Tie Schließung ist heute nachmittag erfolgt. Sämtlichen Arbeitern ist bas Tienstverhältnis zum 2. Februar unter Lohnzahlung bis zu diesem Tage gekündigt unb auf ihre Dienste von heute ab verzichtet worden.
Tie Verhältnisse in dieser Werkstätte waren nachgerade unhaltbar geworden. Schon im Vorjahr entsprachen die Leistungen der Werkstätte trotz Vervielfachung der Arbeiterzahl nicht annähernd mehr den früheren Leistungen. Nachdem zu Beginn dieses Jahres die Arbeiterschaft zwecks Erreichung einer Lohnaufbesserung den Beschluß gefaßt hatte, nach „Vorschrift" zu arbeiten, ging bte Leistung von Tag zu Tag weiter zurück. „Vorschriften "für die Arbeitsweise in den Werkstätten bestehen, abgesehen von den VerhütungSvorschriften, fast nur in ber Art, bafe ordnungsmäßige und kunstgerechte Arbeit Der* langt wirb. ___ ,, r
Seit mehreren Tagen war ber Arknkrschch bekanntgegeben worden, daß die Löhne aller Ar- lei terklasi en vom 1. Januar ab beträdtflid) er* höht werden, so ber Höchstlohn ber Handwerker von 2,40 auf 3,50 Mk. die Stunde: gleichzeitig wurde ber Pauschalvorschufe ber Lolmsteigerung für alle Arbeiter (auch Handwerker) von 40 auf 80 Pf für die Stunde erhöht. Die Wirkung war eine unerwartete. Während in anderen Werkstätten da* vaufhin die Leistungen auf ihre frühere Döhe znruckkehrten, sank in N i eb — entsprechend etnzm Beschluß auf „verschärfte" Arbeit nach Vorschriften — das Arbeitsergebnis derart, daß von ernst zu nehmender Arbeit überhaupt nicht mehr g-.fprochen werden konnte. Die Arbeits- teknnderung unb Verhinderung winke nunmehr in kleftrlichster Weise durchgeführt: vielfach wurde Sck>?inarbeit oder Privatarbeit betrieben. An dringenden und immer w ederholten Mckhnungm aller Aufsichtsorgane hat es nicht gefehlt: fte sind leibet bei der unter dem Einftuß radikalster Element.' stehenden Arbeiterschaft auf feinen fruchtbarm Boden gefallen. Die Regierung glaubt die fnmere Vergeudung von Staatsgeldern nid)t mehr verantworten zu können.
In feiner ber anderen großen Hauptwerkstättni des Bezirks Frankfurt bestehen auch nur annähernd ähnliche Verhältnisse.
Bon morgen nb fetzt ein. Es werben vor- Scheine beliefert, die Dezember ausgestellt
**DieWochettkartosfelmarkenlbis 30 ber ersten Woche werden beliefert bei: Rumpf, Fritz, Zozelsaasse, TvechSler, Heinrich, Stemstratze, Krack, I., Riegclpfad. Die Karwfßümarkcn können bis einschließlich Dotttwoch den 21. b. Mts. emgelöst
gedung des Reichs und Preußens ein, behält sich vor, icben aus,uwi en, ber ünn gefährlich erscheint unb unterstellt verfassungswidrig seiner Kontrolle baS Brief-, Fernsvreck>- unb Fern- schreibegeheimnis und die freie Aeußerung der Ver- eiiisverfammlungen. Er beanspruckn das Reckst, bei den Zivilgericksten anhängige Sachen dtes-en zu entziehen, und den Kreis der Sacken |u b-stim- men, die er vor sein Tribunal o>er die Atilitär- geriite füljren ttnll. Was geben ft die Regi'ning zu tun, um die Innehaltung des Rheinlanb'5- atkommens zu sichern.
Reichsminister Koch: Beständen die Verordnungen zu Recht, so wären die Rheinlanden kein besetztes, sondern ein unterworfenes Gebiet: sie wären eine den Fremden auf Gnade und Ungnade ausgelieferte Kolonie. Wir haben Protest eingelegt. Wir fteben auf dem uns feierlich garantierten Rechtsboden. Wir können die Verordnungen als zu Recht bestehend nicht anerkennen (Beifall) Wie ein roter Faden zieht sich durch die Berordirungen die Begründung, daß bas jur Aufrechte rl-altung der öffentlichen Ordnung erforderlich wäre: diese Ausgabe fällt aber der deutschen Hoheit zu. Die Verordnungen dürfen, nur die Sicherheit der fremden Truppen betreffen, sonst nichts. Sie h.'schränlen aber die Einwolstter in ihren staatsbürgerlichen Pflicksten und den Staat in seiner Verfassungshoh^t. In den willkürlichen Ausweisungen liegt ein schwer tmegenber Uebergriff. 7 6 Beamte sind von den Franzosen, 18 von den Belgiern ausgewiesen worden. Die Engländer und Amerikaner halten keine Beamten ausgewiesen, nur je einen ausgewiefen. Tie Schieber haben sich bte Zwitterstellung der Rheinlande zunutze gemacht, weil sie in den Rhein- lanben Straffreiheit zu sinden hoffen, wenn sie sich gegen die Strafgesetze des Vaterlandes vergangen haben. Ten Üos^öfangsbestrebungen wird dadurch Vorschub geleistet. Gegen Beleidigung und Unsittlichkeit in Wort, Gebärde und Haltung werden hol)e Gefängnisstrafen angedroht: es ist unerhört daß Angehörige eines fremben Volkes sich zum Sittenrichter darüber ausspielen, was Sitte ist. (Sehr richtig!) Tie Verordnungen bedeuten die Errichtung einer fremden Gewalt, die fein Kulturvolk ertragen kann. Wir werden alle Rechtsverletzungen vor das Licht der Oeffentlich- keit bringen. In dem besetzten Gebiet hat das Reich 10 Millionen Mark ausgeivorfen. In der Erörterung über das Rlieinland müssen wir eine nationale Einheitsfront bilden. Die Bevölkerung jenseits des Rlieins nimmt mit nichtssagenden Ausnahmen eine musterhafte Ha'ttmg ein. Unter den FaitstschlLgen dieser Willkür wird das Rheinland fester an uns geschmiedet als je in Zeiten des Glücks. Nach Gesinnung, Blut und Sprache ist das Rheinland deutsch, auch nach dem Frie- densvertrag. (Beifall.)
Die Interpellation ist damit erledigt.
Nächste Sitzung Sonntag mittag 12 Uhr.
Tagesordnung: Dritte Lesung des Bettiebs- rätegesctzes.
Das erst heute eingegangene Körverschaftsgesetz kann wegen des Widerspruch ber Rechten morgen noch nicht auf die Tagesordnung kommen.
Schluß 5’/< Uhr.
Berlin, .18. Jan.
3. Lesung des BelricbSrategesttzeS.
In ber mit Abschnitt 1 (allgemeine Bestim- nnmgcn) verbundenen allgemeinen Aussprache erklärt Abg. Schiele (bntL), daß seine Partei das Gesetz aolehne, da es dem barnieberliegenbat Dirttchaftsteben den Wiederaufstieg crscknvere.
Abg. Dr. Most lD. Vpt.) erklärt für seine Parteifreunde die Nichtzustünmung zu dem Gesetz, das nicht dem sozialen Frieden dienen würde.
Abg. Ehrhardt (Z.) betont im Gegensatz in den beiden Vorrednern, bafe die Vorlage für das Ärbeiterwohl einen großen Fortschritt bedeute. Seine Partei stimme dem Gesetz zu, weil sie es für eine zwingende Nottvendigkcit halte.
Abg. Henke (U. S.) weist darauf hin, daß das Relchstagsgebäude auch heute wieder mit Maschinengewehren besetzt fei. Unter Vorbereitungen zu neuem Massenmord werde das für seine Partei unannehmbare Gesetz verabschiedet.
Abg. D fte ro t b iSoz.) macht ter. äußersten Linken zum Vorwurg, daß von ihren beiden Vertretern bei den 72 Abstimmungen immer mindestens einer fehlte. Das Betriebsrätegesetz fei als Großtat in ber Menschh itsgesckichte zu bezeichnen.
Reichsarbeitsminister Schlicke teilt mit, daß wegen der internationalen Regelung der Sechs- stünbenschicht in den BergwerV.»etrieben die Verhandlungen demnächst aufgerrommen werden.
Abg. Erkelenz (Dem.) glaubt nicht, daß die Industrie, wie es von ber Rechten dar gestellt werde, an diesem Gesetz zugrunde gehen werde.
Tie all gern-"ine Erörterung schließt. Die allgemeinen Bestimmungen werden angenommen, ebenso mit geringfügigen Aenderungen ber Rest des Gesetzes. Tas Gesetz tritt mit dem Tage ber Verkündigung in Kraft.
In namentlicher Qtefamtabftimmintg wird sodann das Gesetz mit 213 gegen 64 Stimmen der


