und du wirst nicht länger ixm mir bedangen, öcß ich dich nach Tvefendrunn begleite."
„Tas ist unendlich traurig. Ich nvftte, rcb hätte es nie erfahren."
„Pah, was bedeutet es für dich! Schlimmsten- falls könntest du eines Tages tor die Entscheidung! gestellt werden, zwifchen ihm und mir zu nxöflen. Unb an der brüderlichen Liebe eirres imbemiencn Menschen von meinem Schlag ist dir am Ende nutzt gar so viel gelegen."
„Tie Erbitterung macht dich ungerecht. Es wird vielleicht besser sein, wenn nur letzt nicht irritier darüber reden Ich bin sehr müde und möchte ruhen."
Tie Art ihrer Antwort verriet so tiefe Nieder- geschLagenheit, daß Erich seine Heftigkeit -u l-e- daucrn schien. Er stand auf und legte seine Hrnd auf ihre Schulter.
„Ich bin ein einsamer Mensch, Gerda, und das Leben hat mich ein bißchen hart zwischen die Scheren genommen. Es ist möglich, daß meine Umgangsformen banmrer gelitten haben. Aber ich wollte nicht unfreundlich gegen dich sein. Nem, das wollte ich nicht."
,ch)ch glaube dir und fühle mich auch nicht gekränkt. Du bist also gxui$ sicher, daß Doktor Barenthin dich benachrichtigen würfe, wenn — wenn sich der Zustand des Vaters verschlimmert?"
„Er hat es fest versprochen." __
„Dann werde ich auch meine Abreise verschieben, bis Erika mir aur einen Brief antworten wird, den ich ihr morgen schreibe."
(Fortsetzung folgt.)
Zweiter Blatt
Nr. 245
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Nachdruck, verboten.)
Fortsetzung 12-
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„Nichts, Erich? — Vergib — ich will dich nicht einten. Aber wenn ich an unsere Jugend zurück- «ite, ist es mir doch zuweilen, als hätten wir tue sollen Absichten des Vaters oft verkannt. Wenn streng mit uns war, er hat doch siä-erlich immer na das Beste gewollt."
„Tas Beste? — Ja, so wie er es verstand. “Tb das Beste in feinem Sinn war, daß wer uns lohnen sollten, die 2Bdt und das Leben nur jj; fernen dlugen zu sehen, daß uns als gut oder Acht gelten sollte, was für ihn gut oder schlecht «c. Er gestand uns weder eigenes Urteil, noch Znien Willen zu. Wenigstens nicht, soweit es W um mich handelte, berat Ackfim rn iciner Wtegsamen Schwäche war ja immer sein Lreb- .^4- Mir gegenüber aber hieß es bet jeder Gs- “^brit: Biegen ober Brechen! Nicht nur bann, ich im Irrtum ober im Unrecht war, fon* auch, wenn Irrtum und Unrecht aus seiner 5**^ lagen. Meine Kindheit und meine Jugend einziger Dornenweg. Ich- klage nicht '?ybcr, und ich horte darum nicht aut, meinen zu lieben, beim in allem anderen als in t^er Erziehung blieb er mir Borbild und der ^mderungswürdigste aller Menscl?en. Aber ge* kveil ich ihn verehre und hochachte, werde ich die Schmach an tun, mich durch bte vor ihm zu erniedrigen. Will cF-tIa aufnehmen, so wie ich bin, aufrecht und
J^nn auch als sein erklärter Widersacher Fragen des ösfentlicheir Lebens, so
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Zozialüemokratischer Parteitag.
Kassel, 16. Okt.
In der heutigen Bornttttagsfitzung, die bereits starke LLte-. aufwies, wurde zunächst das Ergebnis der rnzwi'chen vovgenonrmenen Vorstands- wahl befcmnifroffcbcn. Es wurden 330 Stimmen abgeg>?ben, von benot auf Hermann Müller 327, am Cltc Wels 309 entiielen. Zu stirssterern mitben Friedrich Bartels und Dito Heinrich zu Sekretären Wilhelm Pfannkuch, Hermann Äolkenbuhr, Mcrie Iucharz. Dc. A>ol Braun, Franz Krüger und Johann Stelling gewählt., Berbern sechs Beisitzer. D-or preupsche Miniiterpräsidenl ist aus eigenen Wunsch richt mehr ausgestellt wenden, er scheid t aus bem Paneivariland aus, um der Regierung gegenüber freie Hand zu hoben. Hermanit Müller sprach bie Hoffnung aus, daß die jetzigen Minister im ÄMe bleiben, was zur Weiterdurchsührunq der Semofto.ie in Preußen unbedingt erfordertütz sei Ion der slontvollkonrmissi.m wurde bann b^annr- ygebm: H 0 fman n-Aachen, der ohne Auftrag tu haben, der französischen Besatzungsbehöroe die ^rflänntg abgegeben batte, bte Sozialdemokrati: oerde, falls die tsteaktivn in Deutschland hoch- iomme, in Rheinland unb Westfalen lieber bte Franzosen bitten, sich des linken Rbetnufers an» umehmen, bat für diese Erklärung d ie Rüge be- i'mmen Eine Beschmerde über die Milde des Zchichsgerich.es und eine solche von Neurath selber Iber die Härte, wurde abgÄviesen. Hieraus trat nan in die Aussprache über
Vie Wohnungsfrage m. Fellisch- Chemnitz bekämpfte den Bauswfs- ».mcher In Sackten merke man bereits die An- finge der Selbsthilfe. Die Mietsteuer wird nach . Ansicht des Redners ebenso verpulvert wie es bei dm Bautestlenzuschüssen geschah. Silber» fchmid 1 - Köpenick verlangt von der Rrichsregie- rmq eine weitere Milliarde für die nächste Bau- rerivde. Das Reich müsse in erster Linie für MSreichntde Ernährung und Wohnung sargen, renn auch die finanzielle Sage noch so schlecht sei. s-t brachte ferner eine Entschließung auf Sozialiierung des BaiteM'srbes und der Baustoffindustrie ! ul Ein trüberer Antrag verlangt die Einberufung fims Ausschusses, der die Frage der Berge s e l l- haftnng des Wohnungswesens in die Hand nehmen habe. Demmer- Wiesbaden brachte Leschwerben über die Franzo sen vor. W freiwerdende Wohnung müstle dort werft cr Be atzunqsbehörde angezeigt werden. Die Zivil- irl>3(f *nmg komme erst in zweiter Linie in Betracht. 2er Redner befürwortet die Mielsteuer, sie dürfe ledoch nicht vom Reiche erhoben werden. Im be- etzten Gebiete türmten nur Genossenschaften bauen, Iwil sonst bie Häuser beschlagnahutt würden. Frau iSchumann - Stettin äußerte sich über iäe Folgen |t<4 engen Zusanttmenwohnens in sittlicher und Icesundheitlichn: Hinsicht intb strrdert energische Rahn ah men gegen bte Inhaber von Grvtzvoh- hiimflfn Als Ort der nächsten Tagung nxiren, |'«te Hermann Müller bekannt gibt, Kiels Altona, l Rann h et in unb Düsseldorf vvrgefchlagen worden. »'Die Vertreter dieser Stäote wollten jeder seine I Stabt als Tagungsott gewählt wissen.
I L Hieraus nahm Hermann Müller das okbluszwort: Die Unabhängigen, so hofft der
I timer, tnürben in erhöhtem Äiaße zu uns kom- I en, weil sie wissen, dast wir für ihre Partei ar- I Men. Niemand von uns hat Sehnsucht zum INedereintritt in die Regierung. Auf dem Partei- I ist auch viel von Rich'.lmien gesprochen Worten, ter in einer revolutionären Zeit ?ö n- |itn Richtlinien nicht gegeben mer» Ibtn. Wir dürfen das Ziel nicht aus den Augeit terlieren. Wenn Verhältnisse Kommen, die alle | Lcgwei'er unörerfen, bann müssen wir den s iche- | jn Kompaß des wissenschaftlichen Sozialismus in der Hand halten. Müller ! *foB mit einem Hoch auf die Internationale und I« deutsche Republik.
Au; der Handelskammer Gießen.
. Zu den Gesetzentwürfen über Arbeits- csenvers iche rung und Arbeitsnach- ^ei,se wie auch zu der Denkschrift des Reichs- tnttschastsministeriums über den Ausbau der l r b e i t e r - und Wirtschaftsräte hat die ' mdelskammer in Gemeinschaft mit bett übrigen wischen Handelskammern ihre Stellungnahme A längeren Erklärungen niedergelegt.
In einem gemeinsamen Bericht an das ' nanzministerium haben die hessischen Handels- i'Dnnern zu den Geseyentwüneit über die Aus- ßüimg des Landes st euergesetzes und Eer die Abänderung des Gemeinbeumlage- 1*1 e6e3 Stellung genommen und darin sich mit et Gnmbzügen dieser Gesetzentwürfe und der
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Tiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Montag, s8. ®tiober 1920
Vbb? der vor geschlagenen Steuersätze enwerfhmben erllärt.
In einem mit Belegen ausaestattetm Bericht an das Auswärtige Amt hat sich bi? Handels- lammer für die Aushebung der Aussuhr- ab gaben ausgesprochen, weil diese 10110510! wirken, die deutsche Ausfuhr erschweren und dadurch zu einer stärkeren Arbeitslosigkeit beitraget.
Bei dem Hessischen Landesemährungsamt ist die Handelskammer dafür eingetreten, daß der bezirkseingeses.ene Handel beiderBewirtschas tung ber diesjährigen Gerstenernte in einer seiner Bedeutung entspreckenben Weise heran gejogen wird und keinerlei Benachteiligung gegenüber der landwirtschaftlichen Zentralgeuoffenschast erfährt.
Das Hessische Landes-Arbeits- und Wirtschaftsamt ist gebeten worden, sich bei dem Reichs- wirlschastsmmislerium in Berlin dafür inzusetzeu, daß die Tür die Einfuhr von böhmischem Bier bewilligten Devisen besser zur Einfuhr ausländischen Malzes verwendet werden möchten.
Gegen die vom Reichswirtschastsministerium rplante Ausschaltung des gewerbsmäßigen anbei 3 beider Beschaffung und Bereitstellung von billigem Schuhwerk für die minderbemittelte Bevölkerung zugimsten der ttonsum- vereine ist zuständigen Orts Einspruch — leider ohne Erfolg — erhoben worden.
Die Handelskammer hatte sich bei dem Finanzministerium für eine den Zeitverhältnissen entsprechende Erhöhu r. g des Zollkredits eingesetzt. Diesen Wünschen der beteiligten Kreisen will man nun insoweit entgegen kommen, als denjenigen Firnten, welche vor dem Kriege Zoll- unb dergleichen Sicherheft durch hypothekarische Verpfändung von Gebäuden in Anspruch genommen haben, gestattet sein soll, eine Neueinschätzung der Gebäude als Psandobiekt durch die Ortsgerichte vornehmen zu lassen, welche den bureb die Geldentwertung gestiegenen Wert der Grundstücke zum Ausdruck bringt, um dadurch evtl, eine Erhöhung des Kredits herbeizuführen.
In Begutachtung eines Berichts über die Sage des Arbeitsmarkts in der Gießener Zigarreirindustrie hat sich die Handelskammer für die schleunige Aushebung der Zwangswirtschaft und Durchführung der schärfsten fomtrolle ber Einfuhr in bas besetzte Gebiet ausgesprochen.
Mit Rücksicht auf die ein getretene Geldentwertung und im Hinblick auf die Notwendigkeit der Vermehrung ber staatlichen Einkünfte hat sich die Handelskammer in lieberemftintnumg mit den übrigen hessischen Handelskammern mit der geplanten Erhöhung der Paßgebühren für das Ausland einverstanden erklärt. Hrngegen haben sie eine Ermäßigung der Gebühren für Jn- landspässe befürwortet.
Zur Behebung der zur Zeit mangelhaften Abendverbindung von Gießen nach dem Vogelsberg und darüber hinaus hatten die Handelskammern Wetzlar und Gießen in einer gemeinsamen Eingabe an die Eisenbahndirektton Frankfurt a. M. die Verlegung der Mrfahrtszeit des Pz. 559 ab Gießen um IV2 Stunde auf etwa 8.25 Uhr nachmittags beantragt; carä einer Reihe von Gründen tonnte jedoch bte Ersenbahndirektion dem Anträge nicht willfahren.
Tie hessischen Handelskammern haben sich einmütig gegen die Einführung städtischer Steuern auf Eröffnung geschäftlicher Betriebe ausgesprochen.
Bei dem Hessischat Landes-Arbeits- und Wirtschaftsamt find die heffischen Handelskammern für eine erhöhte Mitwirkung ber Hanbelskammern bei der Führung der Handelsregister dahin- gehend eingetreten, daß vor Eintragung von neuen Firmen in das Hanbelsvegister bie amtlichen Handelsvertretungen regelmäßig von den Registerrich- tern gehört werden.
Die hessischen Handelskammern haben, sich gegen den Erlaß eines Gesetzes ausgespvoechn, welches den Unternehmern einen Zwang von Einstellung von ehemaligen Heeresan- gehörigen ganz allgemein auferlegt.
Ein bestimmter Fall hat der SxntMKammer Veranlassung gegeben, an das Hess. Landes-Arbeits- und Wfrtschaftsamt das dringerche Ersuchen zu richten, bet den zuständigen Reichsbehörden darauf Hinzuwirten, daß vor dem öffentlichen Verkaufe von Reichsware die beteiligten Meise rechtzeitig durch Ausschreiben rn den F^ch- zeitungen unterrichtet werden.
Wiederholte Klagen und Aorstettungen aus den an der Einfuhr beteiligten ft'retfen über Beschlagnahme der ein geführten Waren haben die hcssisckvn Handels kümmern veranlaßt, bei dem Reichswirtsckastsministerium dafür etn^utreten, daß die hierüber bestehenden Vorschriften und Bestimmungen nickst mehr eine so buchstabenmäßige sondern eine Auslegung erfahren, welche den bered) - fegten Wünschen und Bedürfnissen der Koufmami- schaft entspricht.
Tie hessischen Hcmdelskammern haben in roter Qcmetnfamen din^ibc an das Ministerium des cimcrn zu der 4>aqc3n~ge über den Preisabbau und bte Bekämpfung des Wu- che r s eingehend Stellung genommen und ihrer Auffassung babingjl/aib Ausdruck gcgrbsx, daß d« Tnararigwf-nt Ursack>en ber Vn.isstrign'ung, an denen der Llausmonnsstaud Li/ecla Sckruld trägt, nur durch -’ine Hebung der Vvoduktion intb durch Aufhebung der Zn«angswirtschaft nach unb nad> beseitigt weri>en tarn.
Tie von bayerischen BerkehrSkreistn ausgehenden Bestr,'bungen für bie Schaffung einer Nachtschnellrugverbindung M ün- chen — Frankfurt a. Main mit entsprechenden Anschlüssen nach bsu». aus dem Rheinland und Westfalen haben die Unterstützung ber Handelskammern gefunden.
Da die Hessische In du strr-ste l l e in weiteren Kveisen noch nich' genügend befentnt ist, )ci lperüber a:t dieser Stelle kurz folgendes gesagt:
Die Heiiische IndustriLstelle ist aus ber früheren Hessischen SSencihntgäitdle hervorgegans-n; Träger li-'e' Einrich ung iino die hessischen Han- beId!<nnhiuL.i. Ihre Aufgabe ist cs, bie Inlercssen ber hessischen Industri: und d?s hessisck-en Ha?ü:els. insbesondere den Rrichsbchöt.d:n in B.rlin g?gcn» über wahrzunehmen. Die Industrielle Lear» bettet zur Zeit s2£u5» und Einfichrair,telcge»cheiten, Bescklagnahmeiachen: sie v.rmfttell ferner Aufträge für den Wiederaufbau ber Handclsilottc unb ber zerstörten Gebiete in Beigien unb N)rdfrank» reick'. Für ihre Täligl'cit erheet die Jndusttiestelle Gebühren, selche znnschen 11 biß 1 Prozent der in Frage lömmenden Werte fchwanten. Dem bei der Iirdustriestelle gebildeten Fachausschuß für die Möbelindustrie gehört für dm Bezirk der Kammer Herr stvmmerzienrat Ramspeck 'Alsfeld bem Fachausschuß für die Kvnfek.ionsftidustrie Herr Jabri» kant Georg Dietrich Buettng^Alsfeld an. Tic Bildung eines Fachausschusses für Holz ist geplant.
--- '■■HIWI
An» unb fanö.
Gie ßen, den 18. Okt. 1920.
Neue Nachtvcrbinduuge«.
Neue Nachlverbindungen werben am 15. November zwischen Karlsruhe, Mannl>eim, Wiesbaden, dNoinz und Franifurt einerseits, fnvre Himburg und Bremen andererseits über Gießen, Kassel, Göttingen und Hannover eingerickstet. Wer hatten schon berichtet, daß an jenem Tage Nacht» schnellzüge zwffck-en Hamburg und Franffurt a. M eingelegt werden. Nach neuerer Besttmmung ww- ben die Züge bis Karlsruhe durck^eftchrt. Sie erhalten auch Anschlüsse nach und von Wiesbaden über Mainz sowie von Hannooer nach Bremen unb zurück. Im ganzen ergibt sich so folgender Fahrplan. Man führt von Karlsruhe 6.16, von Mannheim 7.51, von Frankfurt 9.47, von Gießen 11.30, von Kassel 1,52 und ist in Gvtttngen 3.04, in Hannover 5.05, in Hamburg 8.26, in Altona 8.59. Aus Wiesbaden fährt man 7.17, von Mainz 7.30 ftn Eilzug. Von Hannooer ist Anschluß 5.40 früh nach Bremen, an 7.42. Ter Gegenzug gehl von Altona 9.58, oon Hamburg 10.24, von Hararooer 2.00, Göttingen 4.12, Kassel 5.38, an Giehen 8.04, »franffurt 9.42, Karlsruhe 12.55, Mainz 10.10, Wiesoch«! 10L0. Bon Bremen fährt man 11.40.
*
** Das neue Zuckerverbot. Zu der neuen Verordnung über den Verkehr mit Zucker hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft eingehmde Ausführungsbesttmungen erlassen. Für weitere Kreise von Bedeutung ist doroics das Verbot der Verwerrdrarg von Zucker in gewerblichen und landwirtschaftlichen Betrteben, in denen Nahrungs-, Genuß und Heilmittel zum Verkauf bereitet werden. Tort darf Zucker nicht verwendet werden zur Herstellung von natürlichen und künstlichen Fruchtsirupen außer für Arzneien, gezuckerten Früchten, Schaumwein und ähnlichen Getränken, deren Kohlensäuregehalt auf einem Zusatz fertiger Kohlensäure beruht, Wermutwein, Likören und Trinkbranntweinen, Bowlen, Punsch- und Grogertrakten usw., Karamelzucker, Brauzucker und Zuckerkürbemittel, Essig, Senf, Fischmarinaden( Kautabak ^und kosmetischen Mitteur. Zucker bar] aber für Schaumwein und ähnliche Qfetränte verwendet werden, wenn deren Kohlensäuregehalt nicht auf fertiger Kohlensäure beruht, soweit der Zusatz zur Gärung nötig ist, bei Obst- und Beerenweinen loweit, daß nicht mehr als 8 g Alkohol in 100 ccm enthalten ist.
** Der Briefverkehr ist jetzt auch mit Sowjet-Rußland wieder ausgenommen. Es sind aber nur gewöhnliche frankierte Brieffcndungen zulässig. Die Briefe, Karten, Trucksacheir usw. werden zunächst den Auslandsstellen in Königsberg, Berlin W. 8 und Hamburg
?ugeführt, die sie vom 18. an täglich nach Norwegen schickm. Die 5enbungen für die Orte nördlich ber Bahnlinie St. Petersburg—Tsckaljabinsk und für St Petersburg geben über Archangelsk die übrigen über Moskau, bie nach den Hasenorten des Schtvarzen unb des Asowsä)en MeereS, dem Kaukasus und Georgien fonne Ostsibirien wie bisher.
'* Tic Laufbahn der mittleren B e a m t e n g e s ch l 0 s s e n. Für diejenigen jungen Leute, die sich der Laufbahn des mittleren Beamten ividmen wollen, wird es von Interesse sein zu erfahren, daß nach einer Anordnung des Gesamt- Ministeriums bis auf weiteres bie Annalime Mini Vorbereitungsdienst geschlossen ist, bis der tatfäch» liche weitere Bedarf ertbgültig festgestellt imb auch eine endgültige Regelnua der vlnindsätze erfolgt sein wird, nach denen künftig die Annahme weiteren Iustizanwätter erfolgen soll. Es dürfen daher zunächst keine Anioättcr mehr zum Vorbereitungsdienst für die Gerichtsschreibert-.üfung zugelassen werden. Ebenso ist auch die Zulassung 5um Vorbereitungsdienst für die Gerichtsvollzleherprüsung gesperrt.
** Der Hessische Oberförster-Verband hielt am 9. Oktober seinen 20 ordentlichen bandStag in Frankfurt a. M. ab. Zahlreich waren bie alten und jungen höheren Forstbeamlen aus allen Provinzen des Landes hcrbeigceüt Der be- wähtte Vorsitzende des Verbandes, Herr Forstmeister Heyer-Jugenheim a. d. B, leitete die Tagung. Die Tagesordnung fand ihre reibungslose Erledigung. Der Landforstmeister, Herr Tr. Weber, ivohnte ber Bersaminlung bei und sagte lvohltvollende Unterstützung der Anträge zu. Zum Schluß hielt Forstassefior Hesse einen klaren Vortrag über die Aus- und Fottbildung der Forst- beamten. Seine Richtlinien über die Aus- und Fottbildung ber höheren Fvrstbeamten, Einführung der Vorlehre, Schaffung, von Lehrkursen an der Landesuniversität sowie die AusbftdungSvvrschlLge für die Förster sanden einstimmige Einnahme.
** Der Naturheilverein veranstaltet heute Abend 8 Uhr im Saale des Hotel Schütz einen Vortrag für H« r reu über das Thema „Was muß der Mann von seiner gesunden imb kranken Frau wissen?" In den letzten Jahreit hat der Ver- lein öfters Vvrttäge über Frauenkrankheiten verunstaltet, zu denen nur Frauen Zutritt hatten. Einem mehrfach geäußerten Wunsche nachkommend, wird diesinal in einem Vorträge für Männer dieses Thema behemdelt werden. Leichtsinn unb Un- wissenhrit auf Seiten des Mannes, Berkehrtbeitm des Ehelektens sind zum großen Teil die Ursachen der Frauenkranklieiten. Äufllärrmg tut hier not. Der Id'dner des Abends, Naturheilffmbiger Eucker aus Fulda, wird das Borttagsthema vom wissenschaftlichen, sittlichen intb familiären Standpunkte aus behandeln. Wer die bisherigen Vorträge des Vereins besucht hat, wird wissen, daß jeder Teil- itehmer stets außerordentlich v»el Beherzi.ienswertes sowohl zur Erhaltung seiner Gesundheit als auch sur Besserung seiner oder seiner Angehörigen fiei- oen mit rmch Hanse genommen hat.
Landkreis Gießen.
** Beuern, 15. Okt. Ein Reisender, der für eine Frankfurter Buchhandlung Bestellungen auf Gesangbücher in Leder gebunden mit Goldschnitt unb Schloß zum Preise von 20 Mk. aufnahm, gab bei den Leuten fälschlich an, im Auftrag vom Pfarrer und Lehrer zu kommen, ließ sich die HÄfte des Betrages als Anzahlung geben, während die restliche Hälfte an den Lehrer zu zahlen sei, ber auch die Verteilung der Bücher über» Kommen habe. Pfarrer und Lehrer haben aber den Reisenden weder zu Gesicht bekommen, noch mit ihm geredet. Es sollte jeder bei Geschäften mit Anzahlung llnbekannten gegenüber vorsichtig fein.
Kreis Schotten.
e. Ulfa 16. Okt. Tie hvesige Spar - und. Tarlehnskasse, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, wurde in eine G. m. b. H. umgewandelt Tie Haftsumme ist auf eintausend Mark festgesetzt. Anftrile des verstorbenen Gastwirts Ivys. Korrr. Toll würd' Der Maurer Otto Ludwig I. in den Vorstand gewählt.
Ruppertsburg, 17. Okt. In einer der letzten Nächte wurde beim Landwirt und Gastwirt W. Sx>gt) ein Einbruch verübt. Es sollen an 10000 Mk., teils in bar, teils in Wertpapieren, gestohlen worden sein. Zwei Landstreicher samt einem Frauenzimmer, die kurz vorher tm Stall der Hofteile gei'.äck)tigt hatten, stehen im Beobacht des Verbrechens. Es wird eifrig nach ihnen gefahndet. — Es ergibt sich hieraus eine doppelte Mahnung, Derartiger Leuten keine Unterkunft ohne polizeiliche AnmeÜmng zu geben und bann, sich vor Anhäufung baren Geldes zu Hütern Man soll dieses anlegen, daß es arbeite, au chaoenn es versteuert wird. — Die Klauenseuche breitet sich hier aus und nimmt teilwelle eine bösarttg« Form an. Es sind schon mehrere Kühe gefallen.
werde ich die Stunde als die glücklichste meines^ Lebens segnen. Soll ich aber seine Vergebung mit einer Lüge erkaufen, so muß ich es geschehen lassen, daß er unversöhnt scheidet."
„Auch wenn du recht härtest, Erich — es ist schrecklich, solche Worte zu hören. Eine liebevolle Aussprache könntest du doch wenigstens suchen/'
„Eine Ausspvack« ? Jetzt — mit dem todkranken Mann? Stände ich ihm denn mcht im Augenblick des Wiedersehens genau so gegenüber wie in der Stunde, da er mir die Tür seines Hauses wies? Soll ich ihm durch das, was er meinen ungebrochenen Trotz nennen würde, feine letzten Lebenstage verbittern? Nein, Gerda, ich kann nicht anders als aus fernen Ruf nach Tiefenbrunn gehen. Ich könnte es auch dann nickst, wenn ich sicher wäre, den andern nicht mehr da zu finden."
,LLelchen andern, Erich?"
„Doktor Barenthft: teilte mir am Fernsprecher mit, daß Achim auf Lindenhohe em getroffen rst. Er wagte es sogar, mit seiner Frau z-u kommen."
,Meil er den Vater mit seiner Herrat aussöhnen wollte. Tas ist doch verständlich."
„Meinetwegen. Niemand aber soll mir zumuten, auch nur für einen einzigen Tag mit chm unter dem gleichen Dach zu hausen."
„Mein Gott, Erich was ist das? Ich weiß ja, daß ihr euch nie gut verstehen Sonntet: davon aber, daß du Achim so feindlich gesinnt bist, ahnte ich bis jetzt nichts."
„Ich habe ihn aus meinem Leben gestrichen. Ich will ihm nie mehr begegnen."
„Warum nicht? Was ist denn zwilchen euch geschehen?"
„Er handelte wie ein Ehrloser. Mit Leuten solche Schlages habe ich nichts zu schaffen."
„Tenkst du dabei an ferne Heirat?^
„Tas kannst du mich fragen? Weißt du nicht ebensogut wie ich, wie er mit Erika stand? Waren sie nicht so gut wie verlobt, als er nach Pans ging? Und vier Monate später machte er diese Schwedin zu seiner Frau."
„Erika zürnte ihm deshalb niemals; ich wntz es aus ihren Briefen. Sie versicherte mir ausdrücklich, daß er durch fein Versprechen an sie gebunden gewesen sei."
Die brach erschrocken ab; denn Erich schlug mit der Faust auf den Tisch, sein Gesicht war mit einem Male bis in die Stirn hinauf gerötet. „Was küm- merfs mich wie sie es ansieht! Ihre törichte Gros-- mut macht fein Tun und Lasten in meinen Augen nur schändlicher, nicht geringer. Für mich ist er ein Schurke."
„Um Gottes willen, Erich — wie magst du so von deinem föruber sprechen! Wenn Erika sich bamit abgefunden hat . . ."
„Woher weißt du das? Weil sie nicht ms Wasser ging und sich nicht wie eine Verzweifelte gebärdete? Ist das vielleicht ihre Art? Und selbst wenn es so wäre — roenn sie sich damit abgefunden hätte — ich fanb mich nicht damit ab — ich nickst."
Fassungslos sah sie Erich an: „Du? Derr es ixxf) eigentlich gar nichts anging? Oder soll ich mir deinen maßlosen Zorn damit erklären, daß dir Erika mehr gewesen ist als . . ."
„Zerbrich dir darüber nicht bem !" fiel er ihr. kurz und hart in die Rede. „Es hat imi meinem Verhältnis zu Achim nichts zu schaffen. Jedenfalls weißt im feist, wie ich über ihn dente.


