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Neuenweg 181.
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m. 220 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, (8. September (920
Litauische Hohrten.
von Povf. Dr. L. Bergfträßer.
Kann as.
Jo nennen die Li crucr die Stadt, die derzeit ihre Larrd^shaupsbadt ist und der Geschichtskundige erinnert sich r<xbri, daß die Kaufleute der Partie gen Kaum führen: später erst ist der Name verteil worden imb im Kriege Haden auch wir, zu Unrecht, ftäni'ig ton SUonmo geiprochen. Wir töiui tm uns rufifa die alte deutsche Namensfarm Kauen wieder an gewöhn en.
Namens ttu-erungen sind bekanntlich immer die ersten Motzrahmen, die getroffen werden, tvemt eine Stabt ihre staatliche Zugehör.gkrit verändert: es ist bequem, kostet nur Farbe und Malarbrtt uno ist tabet so ungemein bezeichnend So wird man sich nicht wundern, daß auch die Litauer ihre Hauptstadt übermalt haben: eS gibt letzt tine (tiebimrn, eine TonafaitiSstraß?, nach dem liauiscken Eprker, und derlei nttfit- Was früher 'Jfitblaiprof'pet:, dann Kai. er Wilhelm-Allee hieß, ist letzt zur Freibri:Sall« gr-worden, natürlich tn !i auisckter Sprache. Immerhin Ll man in Litauen wesentlich weniger einseitig als anoerortv. Wle Ctvaßenschilter sind auch in polnischer und jiddi- itter Sp nche auSgefüvrt. den Geschrf.en ist frei- qestcllt, welche Sprocke sie neben der li'anisch-m tn ihren Fi mr-msck-il em gebrauchen wollen. Ma ' hält sich alo tewutzt fern von der intolera"u Einseitigkeit, die die Polen in den deutschen Gebieten Uwes Staates anwen^en.
Twtzoem wttd, wer fionnw von früher her kennt, sich fragen, ob der litauischen Uetermalung mnh eine innere Veränderung en spricht. Kvwno iter zu russischer Zer eine Festung mit viel Militär mit Gouvcrnemen'shauptstadt mit grvhem bureau- kran'schen Apparat: das war, was zuerst in die Augen sprang. Dahinter sah man dann, gegen den Zusammenfluß von Njemen und Wilia, die eng gebau'en Gassen der alten Stadt, die gedrängten Behausungen einer zahlreichen jüdischen lperölkerung Während der Cffupa ion trat an Stelle der Russen das deutsche Militär. Von Litauen war äußerlich niete viel zu sehen: nur unten am Parade platz, im Bannkreis der Kirchen, des Bischof 2ntz's. des Seminars, aab es einige Ii'miifc5e Geschäfte, eine litauische Buchhandlung und auch ein li arisches Versammlungöhaus.
Und gerade d es bat sich jetzt nicht nur äuher- lich gewandelt. Wieder sicht man eine Menge Militär, aber diesmal sind es die litauischen Soldaten, die Bauernsöhne vom Lande, kenntlich an hem typisch li aui'ch)en Gesicht, schmal, mit langer Nase und blondem toeidKn Haar, falt durchweg rat gemacfrf -ne, ütermitt lgwh? Gewalten. Sie füllen ob n 4 btt Laiswesallee und fachm am Tor mit li'a llschen Machen zusammen. Das Land ist in fit Saht hi nein gerückt, und daS Land ist «mj litauisch Sonntags kommt bie Ma'se der Bauern zum Einkauf, zum Spaziergang: auch auch Dvcken'ags sich' man sie am Markt anfahren mit Gemüs', Giern, Geflügel.
Dazu kommt aI8 zw ite Gruppe des litauischen Elements die teteutende Anzahl der Beam- O:n und Beam'innen: sie sind fair durchweg litauischer Nationalität und ihre Zahl ist beträchtlich, temt die neu eingerichteten Aemter stehen vor ber Tatsache, daß ihre Arbeit ständig wächst und sie immer neuer £>iIf8Trä‘te bedürfan. Auch die It- ramschen Schulen, die libauischen Lochschulkun'e riehen eine Menge Menschen hierher. Der sich bildende litauische Mittelstand zeichnet sich tm Stadt bilde deutlich ab, unverkennbar für jemand, der sich geübt bat, den Klang der Sprache ebenso schnell zu unterscheiden, wie aus Beinen äußeren Änzttäien aut Wesenheit und nationale Zugehörig- Int zu schließen. (Sin Konzert, das bie litauischen Stutenten k rzlich veranstalteten, gab gute und rtl'.kommene Gelegenheit, den litauischen Mittelstand aus der Nähe zu sehen, mit diesem und jenem zu sprechen. Etwa 70—80 Litauer studieren in Berlin, eine große Anzahl anderer hont falb dort ihn? Bildung erweitern zu können: sie alle sind der deutschen Sprache mächtig, wenig- itens so weit, daß sie alles lesen und das gefaxtene Sfart versteben. Man wird sich über die ^ln- «ehungskraft unserer Sxxhfcfrulen nur freuen f&v* rten, denn die politischen Bezrehnngen werden davon oft mehr befruchtet, als man bet uns zur Zeit vohl annimmt, wo wir unter dem Katergefühl nannigfaäwr Enttäuschungen stehen und nicht bedenken, tatz jeder Nattonalgesinnte im Kontlrtt ,wischen den Interessen des eigenen Landes und ines fremden keine Wahl hat. Wenn die deutsche Politik viele ihrer früheven ausländischen Dwch° schiller vor diese Wahl zwangs \o mutz man Oie Schuld an der rechten stelle suchen. Rfan wird Nvtzdmi sagen dürfen, datz. von wenigen 9hrä» nahmen abges-Hen, die Ang.hörrgen fremder Völker, bie in Deutschland studiert hatten, sich von Ge- Wigveit frei breiten. Hier ber den litauischen Studenten kommt überdies in Betracht, datz sie zur Seit gezwungen sind, im Auslande zu strckneven.
Blinder Hah.
Roman von Alfred Sassen.
Nachdruck verboten.) Fortsetzung 33
Er blieb äußerlich ruhig. Mit ernstem Nachdruck sagte er nur: „Sprich nicht so an eurrr Stätte
„An einer Stätte," entriß sie ihm das Wort, .Ao sich ein Grab wölbt, das du gegraben hast — in deinem Sohn, den du über das Meer geschickt, kmit er das Zerstörungswerk vollende, das sestt $ütr begonnen!"
Keulenschlägen gleich war von ihren Lippeit ^•tagc aut Anklage auf 'ihn nieder gefallen. Er schwer. Ein bitter zorniges Lächeln um- seine Lippen.
.. „Nun Mächte ich mich wircklich säst zur Mut- ^.'Steit bekennen," sagte er „Ja. wie soll es gelingen, einen solchen Berg blinden Hasses ^utragen?! Tu machst arme, irrende Menschm ^vontwortlich für das Unglück, mit dem dunkle Schicksals gewalten in dein Leben ein griffen, Magdalene. Nun gut, wenn auch ich mich deinem Datz ohne Widerrede als Opfer überliefern möchte--
aber ich kam nicht als mein alleiniger Anwalt U dir. Linder mir stehen zwei bange pingt .-Jtotfajenfhiber und erbitten von deinem yuge» icklossenen Herzen ein bißchen Milde —"
.. Walter Lütttch," unterbrach sie ihn mckser- „du gefällst dir in Ucbergriffan. Tu wagst un Namen deines Sohnes sprechen — ich kann v»ch nicht daran hindern. Aber zum Fürsprecher wemer Nichte Renata Bodenbach solltest du dich
und wenn wir sie nicht aufnehmen, sie nach Paris ober nach Prag gehen: beides dürste für uns wenig erwünscht sein.
Bei dem Zbvnzert war die litauische Gesellschaft ziemlich unter sich. Polen würden eine solche Veranstaltung nickte besuchen, die wenigen Russen, die eS hier noch gibt, gleichfalls nicht, 'dagegen sah man eine gewisse Anza!:-l Zuden Und oiä ist denn doch für die Verhältnisse charak.eristiich. Tfaienigen Juden, die g.ivittt sind, sich zu alii* milicren, im wesentlichen die besitzenden, smd frülzer im Rusfantum oder Polen tum aufgegrngen Str wmden sich jetzt dem litauischen Staate zu. Und die Umstellung crrolgt umso schneller, als dte Spvachschwieriglvite.i hier, wo eigentlich lebr Ntensch mindestens drei Sprachen beherrscht, in fabelhaft schneller Zeit überwmiben werden. Man gehe z. B. in Kauen in irgend ein Geschärt, überall wird heute litauisch gesprockrn oder ive nigstens aus litauische Fragen lteiuisch geantwortet. Die Kraft der Anziehung ist für den werdenden litauischen Staat ungemein wichtig tenn er erreicht dadurch, datz die schmale Grundlage seiner akademisch gebildeten Intelligenz sich in kurzer Zeit wesentlich verbreitert haben wird, datz die nationale Geschlossenheit bedeutende Fortschritte mackrt.
Tazu tragen zwei Umstände bei. Was von lilauischer Intel! genz und gehobenem Bürgertum in Rußland war, ist vor den Bolschnviki geflohen und hat sich jetzt in den nationalen Staat begeben, findet hier den Grund, auf dem es neu ankett. Aehnlich verstärken die amerikanischen Rück- Wanderer das litauiiche Element. - In dlmerika gibts rund eine Million Li aner: viele von ilynen sind dort ins kaufmännische und ins nibctftncl!c Leben übergeg-ang-n. sie haben Geld, schon durch die Valutaverhälniiste, sie haben Erfahrungen, und sie freuen sich jetzt unter fa besonders günliigcn persönlickien und nationalen Umständen i । v Sei- mat zurückkehren zu können lieber all • et man sie. auf dem Bafartof WirbaUen, aus der Frei heitsallee, in den Aemtern, wo sie fragen, sich orientieren und sehen, wie und wo sie an die Arbeit gehen können.
Ich erinnere mich noch gut, wie die deutschen Befatzungsbehbrden eigm lich als stehende Formel für Litauen die geprägt hatten, das sei ein lenkbares Bauernvolk ohne eigene Fül/rer, mit dem man also bald fertig werden könne. Man ging dabei von der Tatsache aus, daß die Givßgrund- besitzer, der gefam e Adel so ziemlich vollständig verpolt war. Auch in dieser Dinsicht bat sich manches geändert Die jüngeren Mi glieder der alten Familien besinnen sich auf die alte litauische Tradition aus der Frühzeit ihrer Familien, sie gehen als Offiziere ins litauische Sxtr, dienen ifan als Beamte, sprechen wieder li auisch und befreien dadurch den werdenden S aat von unerfreulichen Gegensätzen. Man mag lagen, daß läes nur aus ma e ieller Berechnung g^chrhe. und wir wollen das nicht abstreiten. Born Ltandpunkt des Litouettums aus gesehm, ist bieic Fragestellung z emlich gleichgültig, eS handelt sich um die Wirkung.
Während ich diese Srlen schvibe, reitet auf der Stvaße ein Trupp litauischm Mi.itärs singend vorbei: ein altes nationales Liod bringt mit schwermütig getragener Melc^ie zu mir herauf. DaS Bolt, das Volk im eigentlichen Srnne, hat m seiner Volkskunst, seinen Lie -em, iener ech en und festen Bauernatt sich den köstlichen Schatz erhalten, der ein Jungbrunnen nationalen Lebens ist Ohne den geht es nicht: dagegen ist es ziemlich g6rrd>- gültig, ob man erst jetzt anfängt, ein litauisches Theater, eine litauische Operette zu schaffen Es ist abwegig, von dem geringen Umfang der litauischen schäng i igen und w s enfehaf lichm Literatur aut die PvoduKivität dreses B.lkes Schlüsse zu ziehen. Man erinnere sich immer daran, daß auch andere kleine BauerNvölk.-r, daß Serben und besonders Bulgaren überrafabmb schnell von unterdrückten Kl.inbauern zu Staaten und Kulturzentren geworden sind, die etwas bedeuten.
Gerade darum, weil man hier einen Staat im Entstehen und ein Volk in seiner kulturellen Umbildung beobach.en kann, ist eine Reise hierher so interessant: man sieht von außen, sieht im Innern gleiche Bilder und gleiche Linien, bie geradlinig hinaufführen. Und da man ein Deutscher ist, der an die Kraft des Willens und idealer Hingabe glaubt und sich ihrer freut, so empfindet man dies mit Lebendigkeit und einer allgemein-menschlichen Anteilnahme.
Gesunkcheitrftand und Sterblichkeit im »reife Siehe« im Jahre fyfy.
In den 79 Gemeinden des Kreises Gießen sind im Jahre 1919 2110 Kinder lebend geboren worden: hiervon kommen als Bevölkerungszuwachs nicht in Bettacht 422 Kinder, die in der Frauen-
nicht aufnxrfen. Frage sie. ob sie nach deinem Togerunrnten Glück Gelüsten trägt —?"
Der Deutschamerikaner wollte der Blinden ein rasches Wort #urufen, ein Wort, das sie beschuldigen sollte, eine wehrlose Menschenseele erbarmungslos gefnebelt zu haben. Allein er bezwang sich im letzten Augenblick und versetzte mit scheinbarer Gelassenheit: „Ich frage Rena Bodenbach nicht. Wozu auch? Ihre Antwott kann ich mir denken .. Ich möchte lieber eine Bitte an dich richten. Meinem Sohn gegenüber hast du mir mit Worten, denen ich mich fügen muß. verwehrt, die Schwelle deines Hauses zu überschreiten. Nimm dieses Verbot zurück. Latz mich einmal, ein einziges Mw nur zu dir kommen, datz wir unter vier Augm Rocht und Unrecht gegeneinander abwägen 6w- nen —"
„Ich wiederhole, daß ich mein Daus für immer verlassen werde, sobald es dein Futz betreten sollte, Walter Hüt tick)!" _
Tiefer entsetzlichen Halsstarrigkeit gegenüber fand der Deutscknmerikauer plötzlich ein Lächkln, ein xuhiges, entschlossenes Läck^ln.
„Lebewohl für heule, Magdalene," sagte er. „Ersparen kann ich es dir nicht, datz du -nri) in Zukunft von mir hörst. Zu einem wehmüngen Verzicht wirst du mich nie bereit finden. Ter la hab’ ich drüben über dem Wasser wahrhafttg nicht gelernt — und hier in der Heimat werde ich mich auf meine alten Tage auch nicht dazu betermen. So sptech' ick klar und bestimmt mit dir. Ta du mich wie einen Feind behandelst, werd.- ich Krieg mit dir führen, werde ich nicht eher ruhen, als bis ich dich befregt habe. Ich deik-, unter alter Herrgott wird mir im rechten Augenblick schon die rechte Waffe in die Hand geben. Tann aber,
Firmt geboten als Kinder kvrisfremder Mütter alsbald wieder ireggcbratfit wurden, so daß 1688 Neugeborene als Gebuttenzuwachs Mlzunehmen sind. Legt man die Ermvohnerzahl des Kreiser Gießen von 97 674 Personen nach der Volkt-zählung 1919 zugrunde, so berechnet sich ein Zuwack^ von 17,2 auf 1OOO Einwohner des Karies. In der Gieste- ner Frauenkänik kamen im Berichtsjahr im ganzen 572 Kinder zur Welt, wovon 150 dem Kreite Gehen angehönen. Totgeboren wurden im Kreis Gteßen im ganzen 82 Kinder, rin größerer Teil dieser Totgeburten betrifft kreisfremdc Mütter.
Gestorben sind im Kreis Gießen im Berichtsjahr 1621 Personen, und zwar 805 mann« lichen und 816 roeiMidjcn Geschlechts. Wenn wir die in den hiesigen Krankenanstalten dem Kreise Gießen nicht tmgebärenben (furiefremben) 280 Versterbe- nen in Abzug bringen, behalten wir 1341 Kreisangehörige übrig, denen Sterblitfi feit Ziffer sich auf 13,7 auf 1000 berechnet.
Wie sich die Verstorbenen aus die einzelnen Altersklassen verteilen, gebt aus folgenden Tabellen hervor, v-on denen die beiden letzten die in der Stadt Gießen Verstorbenen getrennt von den im Landkreis Verstorbenen aufführen:
fireis (Bitten
Stabt (Btefjen
Canbfcr.Sieben
0-13afir 153 =
11,4%
65= 14,9%
88= 9,7%
1-5 „ 63 =
4.7%
20= 4,6%
43= 4,8%
5-15 „ 48 =
3.5%
13= 2,9%
35= 3,9%
15-30 „ 166 =
12,3%
65 = 14,9%
101 = 11,2%
30 -60 „ 313 = 23,4 /, 102 = 23,2% 211 = 23,3%
60-70 „ 218 = 16,3% 63 = 14,4% 155= 17,2%
über 70 „ 380 = 28,4% 110 = 25,1% 270 = 29.9%
zusammen 1341 100 438 100 903 100
Es gebt ans dieser Zusammenstelllmg hervor, daß im Landk.ris ein beträchtlich geringerer Prozentsatz der Verstorbenen aus das Säuglingsalter entfällt als in der Stadt Gießen und femer. daß eNva Va der Toten des Landkreises das 70. Lebensjahr erreicht hatte, während in der Stadt Gießen nur etwa l4 auf dieses Alter kam.
Von den einzelnen Monaten brachte der Januar, Februar und März die weitaus größte Anzahl der Todesfälle, der Monat Dezember die geringste.
Betrachten wtt die Todesfälle geordnet nach den toitfitigeren Krankheiten und Krankheitsgruppen, so ergibt sich folgendes:
Von ben 153 Säuglingen sin dallein 78, also die Hälfte im Lause der ersten Lebensmonate an Lebensschwäche infolge mangelhafter Entwicklung, Frühgeburi, Mißlnidungen u. dgl. gestorben. Altersschwäche ist 267 mal als Todesursache an» gageben.
An Wochenbettfieber sind von den uns im Berichtsjahr aus dem Kreis Gießen gemeldeten 10 Grfixmfungen 2 Pers, nen grilorben (in Gießen und Gwßen-Buseck, anderen Folgen der Geburt erlagen 3 Frauen. Von dm tnfct.iäfen Kinderkrankheiten fordrte die Distl-Iherie 15 Opfer von 168 uns gemeldeten Erivankungen und von 94 an Scharlach erlrirnf en Personen ist eine an den Folgen dies.r Kranih it gefterben (Saa'cn). Dem Keuchhusten erlag m 5, Masern und Rö.eln 6 Kinder. An Thpl/us starben von den in der ©tobt Gießen erkrankten 2 Personen eine, die übrigen aus dem Kreis Gießen gemeldeten Erkrankungen an Typhus, je ein Fall aus Röthges, Lauter und Klein-Linden gingen in Genesung über, ebenso auch eine ans Ober-Hörg.-rn gemll.ete Erkrankung an Pavatnphus-L. Tee epidemische Genickstarre sor- berte rin Opfer lGroßen-Bnstck'.
Grippe finden wir 38mal als Todesursache angegeben, und zwar.verteilen sich diese Todesfälle auf die Monate Januar mit 16, Februar mit 10, März und April mit je 4 und auf die anderen Monate mit nur vereinzelten Fällen. Die meisten Oper farberte diese damals in seuchen- artiger Weise auf getretene Krankh it im Jahre 1918 in den Monaten Oktober mit 101 und November mit 162 Todesfällen, im Dezember folgten 39, dann schließen sich, den absteigenden Teil der Kurve biloynd, die angeführten Todesfälle der Monate des Berichtsjahres an. In Wirtlichkeit war die Sterblichkeit an dieser gefürchteten Krankheit eine noch größere, als diese Zahlen angeben, da ein beträchtlicher Teil der Todesfälle an Lungenentzündung (124 Fälle! und den Erkrankungen der Atrnungs-- unb Kreislaussorga ne (75 bzw. 121 Fälle) auf dos Konto der Grippe zu sehen sind.
An Tuberkulose sind im Kreis Gießen 203 Personen gestorben, unb zwar an Lungenschwindsucht 162, an Tuberkulose anderer Organe 38 und an Miliartuberkulose 3. Bei der oben genannten Einwohnerzahl des Kreises kommen auf je 10 000 E nwolner 16,7 Todesfälle an Lunoenschwindsucht, diese Zahl bettägt für die Stadt Gießen allein — ohne den Landkreis — 19, für den Landkreis — ohne die Stadt Gießen — 15,5.
Gehirnschlag ist in 63 Fällen als Todesursache angegeben, an Magen da rmka'arrh unb Brechdurch-
roertn unser Kamps 'ausgekämpft ist, soll es meine vornehmste Aufgabe sein, die Besiegte auf ernen Thron zu erchöhen, so hoch und köstlich nur je einer errichtet wurde . . . Auf ein andermal, Magdalene !"
Ehe er ging, trat er rasch zu Rena heran unb drückte einen leisen Kuß auf ihre ©hm.
Tas junge Mädchen lietz ihn gewähren, aber der müde, todestraurige Ausdruck schwand nicht von dem blassen Gesicht.
XIV.
Als die beiden Frauen kurz nach dem Deutschamerikaner den ^rricblfat verlassen hatten, trii Mar Bodenbach butter einem btritäfhgen Fltedec- busch hervor, w) er sich schon eine ganze Weite verborgen gehalten hatte.
Er war heute, wie an jedem Sonnabendnach- mittag, aus Jena herausgekommen. Daheim hatte er erfahren, daß die Tante und die Schwester zum Friedhof gegangen seien, und war ihnen dahin gefolgt. Auf dem Wege zum Grabe Oskars hatte er bann die erhobenen Stimmen gehört iminbcn Fremden bemerkt, in dem er sofort Hermann Hüttickis Vater vermutet — fa, er mußte es fern der Schilderung nach, die Schwester Rena ihm von dem vornehmen, alten Herrn entworfen hatte:
Unwillkürlich war der Schüler hinter einen Fliederbusch zurückgewicßen, nicht um zu horchen, sondern weil et das instinktive Gefühl hatte, ferne Jugend müsse der Auseinandersetzung fern bleiben, bie dort am Grabe Oskars in fj erregtem Ton geführt wurde.
Es waren auch mir vereinzelte Worte in sein grünes Deriteck gedrungen, die cr sich gar nicht bemüfitjjatte, ihrem ein ne nach zu eriassen. Seine ganze Seele war in feinen Augen gewesen, und
fall starben 15. an anderen Krankheiten der Ver- dauungsorganr 31 Personen. T.c Folgen der Er- f.anhniiXn des $?uri:iforliace5 lBlinddarmentzündung hatten in 3 Fällen de:i Tod zur Fo.ge, Erkrankungen der Ham und G.schlechtzorgane in 26, Krebs und anberc bösartige Neubildungen in 101 Fällen Durch Sechstmord enoe-en 17 Personen im Krris Gießm, infolge Mordes 1, unb an den Folgen von Verungllickrtng sind 16 männliche Personen gestorben
Aus dem rlmtsvcrknndillunftöblatt.
** Tas AmtsvetkündigungSblatt Nr. 134 vom 17. September ent bä. t Aufhebung des Verbots der Errichtung von LuTUsbauten. — Verordnung zur Heh biutg bei brtngenüc.i Wohnungsnot. — Baustolsbewitticha tung — Bekannt- mochimg der Hessische Staatsschuldenverwaltung. — VorauSzahlungen out das Rctck^notopfer bei den öffentlich-n Sparkassen. — Ausführung des Gesetzes über die Entwaffnung der Bevollcrung. — Obstversorgung. — Zuckeroerbrauchs regel ung. — Herbstserim. — Tienstnachrichten. — Feldbereinigungen Steinhrim und Treis a. d. Lda
Tie am 1. Oktober 1920 fälligen Zinsen der in das Hessische Staatsschuldbuch eingettagenen Forderungen werden be-. allen in Bettacht kommende hessischen Kassen unb bei den Relchsbankanstalten vom 17. September ab gezahlt. Vom gleichen Tage ab rotrb die Hau pt- staats lasse die durch die Post oder durch Gutschrift aus Reichsbank-Girokonto zu bericht igendei: Sckickdbuchzinsen überweisen.
Obstversorgung Die Besötcherung von Obst als Fracht- oder Ellfrachtgut von mehr als 50 Zentner nach außerhessiickvit Stationen ist nur gestattet, wenn der Frachtbrief einen Sickst- vermerk dos Kreisamts nebst Dienst iegel trägt Der Antrag auf Erteilung des S.chtt'rmerkS ist so frühzeitig zu stellen, daß in der Be fe ibung des zur Verladung kommmdm Obi'teS leine Verzüge - rung eintritt. Der Sichtvermerk wird mn vollzogen, wenn nachfafamde Beourgungen vom An- ttagsleller erfüllt werden: Nachwers der Groß- Handelserlaubnis, Angabe des yfamen^ und Wohn- otts des Verkäufers, sowie des Empfängern des Obstes, Angabe von Polls und Meng- be5 Obstes (von der Bürgermeisterei des Wohnorts des Verkäufers zu b.fdKtnitfnt), Angabe des Vc lrierages, Angabe von zwisch n Käufer und Verkäufer etwa getroffenen Nebenabreden über besondere, nicht int Kaufpreis einb.grifiene Vergütungen für Verpackung, Transvott nach der Bahn uiro. Zur Deckung der Unkosten ist dem Antrag auf Erteilung des Sichtvermerks ein Betrag von 5 Mk. beizufügen.
Zuckervcrbrauchsregelung Die für den Monat September zustehende Zuckermenge in Höhe von 750 Gramm auf den Kovf der Beoölle- rung gelangt zur Ausgabe. Es könnm auf die Zucker marken 159, 160 und 161 te 250 Gramm = 750 Gramm bezogen w'rden. Mit Ablauf des 15. Oktober d .I. verlieren die Marken 159, 160 und 161 ihre Gültigkeit.
Dienstnachrichten des KreiSamtS. In der Gemeinde Odenhausen lKr. Wetzlar) ist die Maut- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
Aunst und Wissenschaft
— Weihnachtsgabe Grenzdank. Die Deutsche Dichter-Ofa>LchtniS-Stiftung Hambu'-g-- Gvoßborstel veröfient ickst folgenden Aufruf: Trotz des schweren Unglücks, das durch den Krieg und feine Folgen über Teutsch'and herringebrochen ist, halten di« deu sckei Grenzgebicte innerl-nlb und außerhalb der politischen Gre zen des Rrickjes treu zum Mutterfand. Für diese Treue gilt es durch die Tat zu tonten. Laßt uns unfern Volksgenof'en Die geistigen Masten schmieden, die sie brauchen, um in ihvem Kfampf zu bestehen. TieS ist Au'gabe der von der Deutschen Tich e.-GedächtniS-Stifttmg ms Leben gerufenen WnhnachtSgrbe Grenztonk Sie soll ei ermöglichen, die zohlrrickxn B-vlksbüche- reien an den Marken des Reichs in ihrem Ta- einSfampt gegen fremdes Volkstum mit Büch-> orien zu versorgen, infantorfirit, formt sie tn den besonders gefährdeten Heineren Städten unb 3)3r- farn liegen und feine ober nur geringe Mittel haben. Wie dringend die Not ist, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Große Mittel sind erforderlich, um sie nur einigermaßen zu beheben. Mr richten desl>alb an alle Deutschen bie herzliche Bitte: Tte WrihnackrtSgabc Grenzdank als gemeinsames Geschenk aller Deutschen durch vrichliche Geldmit el zu unterstützen. Allen Sondern im voraus herzlichen Dank. Einzahlungen erbeten auf das Postieckkonto der Deutschen Dichter- Gedächtnis-Stistung Hamburg Nr. 737 ober Bankkonto „Deutsche Bank", Depositenka fe H, Filiale Hamburg. „Für Weihnachtsgabe Gvenzdanst'.
diese hatten in tieftetroffanem Ausdruck am Antlitz der geliebten Schwester g?bangen.
War das seine Rena? War dies totenbleiche, schmer-entstellte Gesicht daS ih«? O, dann hatte fie sich ihm gegenüber verstellt, dann war es eme Unwahrheit gewesen, als sie ihm versichert hatte, sie fühle sich nicht unglücklich, der Verzicht aur ihre Liebe um ihrer Pflicht willen fei ihr nicht allzu schwer gefallen.
Tann fah es ganz anders in ihr auS — so wie er's jetzt von ihrem Gesicht a&Iejen konnte! Sie war unglücklich, tief unglücklich!
Später, als sie dann an der Seite der Tante dickt an seinem Versteck vorüber gekommen war, hätte er beinahe auf geschrien, so furchtbar weh war ihm ums Herz geworden bei ihrem Anblick aus nächster Nähe!
Ter starre, leblose Ausdruck ihres Gesichts hatte ihn an das Totengesicht Vetter Oskars erinnert, wie es auf dem weihen Atfaskisfan tm Sarg gelegen!
. Mit wildem Entsetzen war die Vorstell-mg über ihn Herringeb rochen, Schwester Rena firme gleichfalls sterben — weil sie gar so unglücklich sei!
Er war vom Friedhof fort in die Berg' firnri*gelaufen — — und als er in ber Abenddämmerung endlich dem Haus der Tante zuschritt, lagerte über den hübschen, offenen Zügen des jungen Gesichts ein ganz verzweiiell trotziger unb doch auch wieder seltsam rührender Ernst.
(Forttetzung folgt.)


