Dr. Simons in der Schweiz.
Bern, 17. Aug. (Wolffs Ter deutsche Mi-s nister des Su^xxärti^en, Tr. Simons, der au> yit in der Schweis auf Ur Ixruf) weilt uw) gtftcrn. <rtot£> im Hotrl „Berner Hof" lto gestiegen ist I)*t henk in Begleitung des deutichen Gesandten in Bern, Dr. M aller, dem Bundespräsr- be « te n entert offiziellen Besuch abgestattet.
Bern, 17. Aug. (WTB.) Mini,ter Dr. Simons, dessen Urlaub smisirnthall in der SÄvei^ sich nur noch auf wenige Taye berechnet, hat Bern heute nachmittag Wieder verlassen.
Aus dcsn Ueicye«
Die Aufhebung
der KartsffelzwungSwirtfchaft.
Berlin, 17. Aua. (Wolff.) Ter Volkswirt scha ft sau s s chu st des Reichstages nahm tr.< Vervrdining vom 16. August an, nach dcr tne Ka r to f f e I zwa n g sb c wir t scha f- tung ab 15. September 1920 aufgehoben wird. Prinz Max von Bader, über die Lage.
Mannheim, 17. Aug. (WTB.) In einer vom Prinzen Max von Baden einem Mitglied dec „Neuen Badischen Landeszeitung" (Mannheim) gewährten Unterredung sagte der Prinz über Deutfchands Außenpolitik u .a. föl- genbeS: Lenin sei Psycho oge genug, um zu wissen, datz die militärische Invasion gerade eine Nation sammeln könnte, die er sprengen will. Der Plan ist vielmehr: Entfesselung des Bürgerkrieges in den angvmzenden Ländern. Die revolu- twnäve Bern gung soll ihm entgegenschwellen, so daß schließlich der Vormarsch, w-mn er überhaupt nötig ist, osftire Tüoen findet und nur eine Vereinigung von Bundesgenossen ist. Auf die Weitere Frage, ob er denn gar Keinen Weg ins Freie sähe aus unserer furchtbaren ZwangÄage heraus, OKEWovtele er: Es acht eiine sehr schmale Hoffnung, aber wir müssen ihr nachgehen, denn feder <n£xnx' Wg führt sichre zum Verderben. Das ist die tmbebutgie Aufrechterhaltung der Neutralität nach Osten und Wesftn und ein letzter terwcifclter Versuch, die Revision des Versailler Friedensvertrages herbei^u- sühreu.
Die Neckarfanalisierung.
Mannheim, 16. August. (Wolfs.) Wie Me „Neue Badische Landeszeitung" mitteilt, ist auf eine kleine Anfrage des sozialdemokratischen Abgeordneten Oskar Geck (Manw- heim) betreffend den Beginn der Arbeiten der Neckarkanalisierung vom Reichsver- kehrsminifter folgende Antwort eingegangen: „Bevor die eigentlichen Arbeiten für die Neckarkanalisierung, für die sich die Reichs- oberbauleitung unverzüglich einsetzen wird, in größerem Umfange begonnen werden können, tnust die Bearbeitung der Sonderentwürfe, die Planfcrtigstellung und die Durchführung des Grunderwerbs stattfinden. Der eigentliche Arbeitsbeginn kann daher erst aus das Jahr 1921 festgesetzt werden. Durch örtliche Verhandlungen ist jedoch erreicht worden, daß einige Erdarbeiten — zunächst in Württemberg — zur Beschäftigung von Erwerbslosen sofort in Angriff genommen werden können, außerdem wird es möglich sein, Eisenkonstruk- tionsarbeiien zu verdingen und mit der Materialbeschaffung zu beginnen, wodurch auch namentlich in den S:einbrüchen ausgiebige Arbeitsgelegenheit geschaffen worden ist."
Nus Oesjen.
Der Achtstundentag.
Darmstadt, 17. Aug. Aus dem Jahresbericht der Hess. Gewerbeinspektionen geht hervor, daß das Gesetz vom November 1918, betr. die Durchsührung der achtstündigen Arbeitszeit mw die Lehrlingshaltung besonders auf dem Lanoe bei den Handwerkerkreisen großem WLerspruch begegnete. Vielfach wurde auf dem Lande die Wahrnehmung gemacht, daß tüchtige und arbeitswillige Arbeiter durch Privataustrage sich nebenher in ihrem Berufe betätigten, wodurch viele Betriebe wirtschaftlichen Nachteil hatten.
Den Gewerbeinspektionen wurden 3827 Betriebsunfälle gemeldet, davon hatten 44 tödlichen Ausgang. Die Unfallzahlen scheinen im allgemeinen etwas zurückgegangen zu sein, was mit der verkürzten Arbeitszeit, dem Rohsto's- und Kohlenmangel zu'ammenhängen dürfte. Auch die Gewerbelranlheiten, wie Bleierkrankungen, Milzbrand, Quecksilbererkran- gen, die Einwirkung chemischer Verbindungen auf den menschlichen Organismus bei Granatfüllbetrieben u. a. m. sind infolge der wirt-, schaftlichen Ve hältnisse zurückgegangen.
firm mh mir .TOaEB.imi»a
Au- SiaM und Cattö.
Gießen, den 18. August 1920.
Rctzenfchutzzellerr.
Tie Deutsche Kiosk-Gesellschaft in Karlsruhe hat bei der Gießener <3 tobt Verwaltung Antrag um Aufstellungserlaubnis für mehrere Regenschutz- zellen gestellt und uns ihre Prospekte über diesen Plan unterbreitet.
Tie Errichtung von Schutzgelegenheiten gegen schlechtes Wetter dürfte besonders an den baute» sächlichsten Haltestellen der Stra^nbahn erwünscht sein. Ebenso erwünscht sind wohl auch eine Anzahl über die ganze Stadt verbreitete öftentliche Fernsprechzellen, wodurch es möglich wurde, ohne Kauf- oder Trinkzwang in Laden tuid Wirtschaft eilige Stadt- und Ferngespräche zu erlediaen. ^les Bedürfnis besteht jetzt umsomehr, als durch die Erhöhung der Fernsprechgebühren viele H-ernfprech- anschlüsse eingegangen sind.
Tiefe Schutzzellen werden von der Gesellschaft auf eigene Nehrung, ohne jegliche Belastung des Stadtsäckels errichtet und betrieben. Beim Elttwurf hat die Gesellschaft Wert darauf gelegt, daß sich die architektonische Ausführung der Zellen jedem Straßenbcld anpaßt. Tie Abmessungen der Grundfläche des Zellenbaues sind so gering gehalten, daß die Aufstellung selbst in engen Straßen möglich ist.
Tie Schuhzelle besteht aus einem schmalen, 1,20 Mtr. breiten, 2,20 Mtr. langen und 3 Mtr. hohen Zellen bau, der durch ein hauptsächlich nach den beiden Längsseiten überspringendes Sckpitzdach abgedeckt wird. Tas Innere des Zelltnbaues ist durch eine Zwischenwand in die eigentliche Sprechzelle und einen Aufsi'chtsraunr abgeteitt. Die Wände der Zellen sind mit einer schallsicheren Verkleidung versehen, so daß die telephonische Verständigung durch die Straßengeräusche nicht erschwert wird. Tie Uebertvachung des Telephvnverkehrs würbe eventuell einem Kriegsinvaliden zu übertragen sein, der sich durch den Verkauf von Zeitungen und Rauchwaren noch einen erwünschten Nebenverdienst schaffen könnte.
Leve«smittel<
** Ausgabe kondensierter Milch. Die Milchempfänger, deren Karte auf 7s Liter lautet, erhalten am Donnerstag und Freitag in den im Anzeigenteil aufgeführten Geschäften gegen Abgabe der Milchkarten vom 23, August, der 35. Woche, anstatt der ihnen zu- ftehenden Vollmilch für den 19., 20. und 22. August 1920 eine Dose kondensierte gezuckerte Vollmilch zu 5,50 Mk.
** Städtischer Seefischmarkt. Morgen TvlmerÄag früh treffen wiener lebend frische Nordseüvaren, wie Knbliau, Seehecht, Schellfifche, Rotbarsch ein und kommen von 8 Uhr ab iai den Marttlauben z-wn Verkauf.
** Bei der städt. Obst-und Gemüse- stelle trifft morgen wieher ein Waggon Karotten, Rotkraut, Wirsing, Weißkraut und Zwiebeln ein. ^Außerdem kommt täglich frisches Obst an Aepsell Birnen, Mirabellen, Reineclauden und Zwetschen $um Verkauf.
BeranstsltuxKen.
Mittwo ch, 18. Ang.: LichtfpÄhäjuser wie gestern:
** Amtl iche Personal nachrichten. Ernannt Wurde am 10. August 1920 der Kanzfti- un'o Registraturbeamte bei dem Verwa ttmgsaus- schaiß der LandeSuniversitat Karl Müller zu Gießen mit Wirkung vom 1. April 1923 an zum Sekretär bei der LandeSuniversität Gießen.
** Ungültige Postwertzeichen. Die in den Händen des Publikums noch befindlichen Marken der früheren Wertstufen zu 2, 272, 3 und 772 Pfennig verlieren mit dem Ablauf des Monats August ihre Gültigkeit. Sie können zum Freimachen von Postsendungen nur noch bis zu diesem Zeitpunkte verwendet werben. Ein Umtausch solcher Marken nach dem 31. August 1920 findet nicht statt.
** Militärkonzert. Mehrfachen Wünschen Rechnung tragend, veranstaltet dieRegiments- musik am kommenden Donnerstag, atends 8 Uhr, einen Walzer- und Operettenabend auf der „Schönen Aussicht".
** Heimkehrer aus Rußland, welche bereit sind, als Redner über ihre Cwlebni'se und bie Verhältnis e in Svwse.rußäal^) zu sprechen oder uns Beüräge zu liefern, werden von der Liga zum Schutze der deutschen Kultur, Gießen, Stephan- straße 9, gebeten, ihre Adrcs.e dorthin mitzuteilen.
** Tie Grummetgrasversteigerung der Stadt Gießen soll Montag den 23. Aug- und Dienstag den 24. Äug. stattfinden. Näheres siche Anzeigentell.
**DerHessischeBankverein, Aktien^ gesellschaft, Fittäle Gießen, Hauptsitz Kassel, ha nach halbjährigem Arbeiten den Umbau seines Banklokales Bahnhofstraße Ecke West-Anlage be--1
endet. Die Autzenfassade des Banklokales macht mtt seinem weißen Gitterwcrk einen vorteilhaften Ein- oruck. Der Innen raum hat fein Bild völlig verändert. Ein großer weiter Kassenraum ist gemtbet Worben. Bon der dunkeieichenen Täfelung hebt sich ein huftifenförmiger Zahltisch ab. Außerdem nt eine getrennte Wertpapier- und Zinsscheinab*c^ung für das Publikum geschaffen morden. Anfck>ließend mer- an liegt ein ruhiges Sprechzimmer zur Beguemlich- kett der Kundschaft. Die sonstigen Räume für Buchhaltung, Korrespondenz, Schreibmasclftnenzimn'er, Direktionszimmer ftnd in der praktischsten Werse an-georbnet. Nicht zuletzt auch der Tvesorban, der mit allen technischen Neuerungen crusgestattet ift Dcr Umbau ist als in jeder Hinftcht gelungen und vortellhast zu bezeichnen.
** Giftige und eßbare Pilze ist»das Thema eines vom sliaturheilverein am Donnerstag beit 19. August abends 8 Uhr im Hotel Schütz veranstalteten Vortrag. Der Vortrag wirb in der jetzigen Jahreszeit, in der in unseren Waldungen Pilze gesammelt werden, allgemeines Interesse finden. Nicht an bunten Tafeln und Zeichnungen, sondern an selbst gefemmeten Pilzen wird der Redner des Abends, Inspektor Rehnelt vom Botanischen Garten seine Ausführungen machen. Siehe Anzeige.
Landkreis Gießen.
o Gründer g, 17. Aug. Am Montag wurden hier nicht weniger als zwei Selbstmordversuche verübt. Am frühen Morgen erschoß sich in den Anlagen am Brunnental ein junger Main im Alter von 20 Jahren, der Sohn eines Metzgers und Gastwirts. Ein SSerbältniS mit einem Mädchen, das er gegen den Willen feiner Eltern unterhielt und mit welchem er auch in der verflossenen Nacht die Kirmes im benachbarten Beltershain besuchte, soll die Ursache des Selbst- inoiches fein. Lerner unternahm ein junges Mädchen einen Seldsttnoidverfuch, indem es Salzsäure tränt Wahrscheinlich war aber die Menge des genossenen Gtstes nur gering, denn mit Hilfe eines Arztes gelang es, die Lebensmüde am Leben zu erhalten. Borwürfe der Eltern über zu langes Ausbleiben auf der oben erwähnten Kirmes sollen die Tat veranlaßt haben.
Kreis Büdingen.
△ Nidda, 15. Aug. Zum 50jährigen Ge- ben’fleg der Schlacht bei Gravelo11e fand heute hier eine wfctije Gedächtnisftier statt, woran der Betevanenverban-d Nidda mit den umliegenden Orten und die GriegerDererne von Nidda, Michelnau und'Unter-Schmitten geschlossen mit ihren Fahnen t e^ nahmen. In dem Haupigiot t esd Len st, zu dem fity die genannten Vereine eingefunden hatten, hielt Kirchenrat Werner die eindrucksvolle Festpredigt über den Satz: „Was Wir wllton, und was wir svllon!" Ter PosannenckK-r Vv: Ober- Mocksivr-t Wirte durch Bvttrag mehrerer geizigen Mufitsrücke mit. Hierauf z»gen tne Vereine zum Srirgerbenfmal. Ter Vorfitzeirde des Veterancn- vervands. Bahnhofsvorsteher d. R. Hammel von hier, hielt die Gevächttnsrede und gedachte ihrer tror 50 Jäh-ven gefallenen Kameraden. Borschuß- lttsserechner Hermann Seum sprach im Namen beS Niddaer Kriegervereins kernige Worte als Teilnehmer des Weltkrieges zum Wiederaufbau des Vaterlandes. Beide Redner legten zur El)ve der in 18 <0 Gefalleiten Kränze am Denkmal nieder. Der Posaunenckior eröffnete und schloß, durch ein Musikstück die Feier. Nachmittags hielt noch der Beteranenverband seine Hauptversammlung im Gambrinus ab. Wobei Vercinsangelegenlflüten erledigt und würdigen VererusmitgliLoern größere Gelountersttitzungen bewilligt wurden.
Kreis Friedberg.
sH Friedberg, 18. Ang. In der letzten Woche der Sommerferien ist ift her Nähe sctnes Heimatortes Seckmauern der Schüler der ersten Klasse des hiesigen Lehrerseminars Georg Schäfer, beim Versuche, den Main zu durchschtvimnun wahrscheinlich an den Folgen eines Herzschlages verschieden. Zu seinem Gedächwis üeranftaliebe das Seminar heute beim Wiederbeginn des Unlerrichts eine Trpuerfeier, bei welcher Professor Keller etne ergreifende Ansprache hielt und der Seminarchor zwei Trauerchöre öortrng.
Starkenburg und Rheinhessen.
Ein neues Rathaus. «
fb. Offenbach a. M., 17. Aug. Die Stadt Offenbach a. M. hat für drei Millionen Mark das d'Orville'sche Schloß erworben, das, wie verlautet, zu einem neuen Rathaus umgewandelt werden soll.
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dz. Darmstadt, 18. Aug. Die Aep- felernte wird in diesem Jahre im ganzen hessischen und bayerischen Maintale und in den angrenzenden Gebirgstälern des Odenwaldes und Spessarts ungemein reichlich ausfallen. Vom Untermain bis zum Oberlauf des Flusses hinauf bieten die die Straßen umsäumenden Obstbäume und die großen Obstbaumanlagen in den Feldern
durch ihren überreichen Behang einen hoch- erfreulichen Anblick. In weiten Gebieten erreicht die diesjährige Spätobsternte den Riefenertrag der Rekordernte vom Jahre 1917. Man rechnet angesichts dieser reichen Aepfelernte auch schon sicher mit einer erheblichen Senkung der Ochstpreise. Der Abbau der Weinpreise dürfte jedenfalls auch auf den Preis desneuen Llepfelweins erheblich drücken. Ein Anzeichen für dieje Annahme ist schon darin zu erblicken, daß für Fallobst weit geringere Preise als im Vorjahre gezahlt werden. Man bietet dafür höchstens 5—10Mk. pro Zentner.
rm. Darmstadt, 17. Aug. Die Maul--» und Klauenseuche, welche in Rheinhessew stark im Abnehmen begriffen ist, hat in den letzten ack-t Tagen nur im Kreise Dieburg wieder einige Orte neu heimgesucht, während die verheerende Krankheit in einer ganzen Reihe Ortschaften der ober hessischen Kreise Gießen, Alsfeld, Büdingen, Ftteoberg und Lauterbach neu aufgetreten ist.
N. Ingelheim, 17. Aug. Ter Steuer-- streik bei der Firma Böhringer u. Sohn dahier wurde nach dreitägiger Tauer beigelegt, nachdem die Firma fick bereit erklärt hatte, den Steuerabzug zu tragen. Tic weiter geforderte Lohnerhöhung wurde abgelehnt.
Worms, 17. Aug. Zur teil weifen Deckung des Fehlbetrages im städt. Haushalt in Höhe von etwa 131/2 Millionen Mark wirb von der Stadtverwaltung eine Wohn st euer, eine Vergnügungssteuer und eine Steuer auf die M i n - de ft einkommen vorgeschlagen.
Kreis Wetzlar.
Für den Anfthluß Wetzlars an Hessen-Nasssu.
ui. Wetzlar, 17. Aug. Tie am vorigen Sonntag versammelten 63 Gemeindevorsteher legten einstimmig Protest ein gegen die nach dem Em- ’n»urf der neuen Landgemeindeordnung vorgesehenen Bevormundung der Gemeinden durch Amtsvor- fidper und Landbüraermeister und forderten die uneingeschränkie' Etnsührung der Selbslpec.vältung für die Landgemeinden und zwar auch in polizeilicher Hinsicht. Gleichzeitig forderte die Versammlung die &>3irenirung des Kreises Wetzlar von der Rheinprovinz und den Anschluß desselben an Hessen-Nassau.
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Wetzlar, 16. Aug. Einen jähen Tod fand am Samstag früh der Seilbahnwärter August Raabe von hier. In Ausübung seines Dienstes stürzte er ab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach einigen Stunden starb.
Hessen-Nas^u.
Die Bischofsksnferenz in Fuwa.
fd. Fulda, 17. Aug. Heute vormittag wurde in der Bonifatiusgruft des Tomes die 50. Bischofs- l-onftrenz durch eine feierliche Andacht eröffnet. Im Anschluß an die religiöse Feier begann in der Aula t<s priesterlichen Seminars unter dem Vorsitz des Kardinals Tr. Bertram von Breslau die B-cratungen. Zu der Konferenz sind fast alle deutschen Bischöfe ein getroffen, sogar der SOiäfyrigt Bischof Tr. Komm von Trier, der feit feiner Bischofslveihe im Jahre 1884 ein regelmäßiger Xeilnclymer der Bisck-ofskonferenz-en geit*e en ist und sich trotz seines hohen Alters und eines neulich erlittenen Schenkelbruches einfand.
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mc. Frankfurt a. M., 17. Aug. Das gesamte Vermögen eines bekannten Frankfurter Holzhäudiers wurde beschlagnahmt, da er sich große S teue rhinterziehun- gen zu schulden kommen ließ.^Auch sein Ge^ schäft wurde geschlossen. Der Händler machte natürlich die größten Anstrengungen, wenigstens den Arrest von seinem Geschäft zu lösen, da er aber Die geforderte Kaution von 47; Millionen Mark nicht aufbringen konnte blieb es bei den Anordnungen der Steueö- behörde.
mc. Frankfurt a. M., 17. Aug. Um das städtische Defizit zu decken, werden die Fahrpreise Der städtifchen Straßenbahn be- beuteiib erhöht. Für Fahrten nach zehn Uhr abends und Sonntags nachmittags soll ein besonderer Zuschlag erhoben werden. Außerdem wird eine Gebühr für Gepäckstücke, die seither nicht bestand, neu eingeführt. Durch diese Maßnahmen hofft man rund 10 Millionen herauszuwirtfchaften. — Am Eschersheimer Wasserturm ist eine neue Wohnungssiedelung mit einem Kostenaufwand von annähernd 12 Millionen Mark errichtet worden, die aus 27 Wohnhäusern besteht. Die neuen Wohnstätten sind von den Frankurter Angestelltenverbänden errichtet.
Blinder Haß.
Roman von AlfredSassen. (Nachdruck verboten.) Fortsetzung 9.
ES war auch nicht ihre Art, vor irgenbemem Ansturm aus dem Gleis zu w ick-eu. Bor allem hie sie ihm äuöee.i Kanchm nie g-Battet, dec Umgeb ng Ku ne zu £<jen ton den m- munce i, beivm sie «ich nichi zu en zft^n vermonbe.
So sollte es auch jetzt sein. Ter Frecnde hotte mit ictn- r Lftb"UsWürdigkeit und echten D-il- w^me an ihrem Unfall Wahr a ttg nicht verdient, daß le ihm so stumm und abiveienb gegenüber faß.
Dl.ein ihre Versuche, die frti'e e ll "bciangcn- heit zurückzugewmrdm, h ieb matt und baß. Auch als sie dann in dem von dem jungen Mann besorgte' Wagen saß imb der goldene Tag wieder tn b e.te 1, wtnnm Strömen ferne Schönheit um sie ausgvß, mißglückte das Au'ra'fen . . .
In Kähla lud man das Veio zu ihr in den Wvi^e.l, wär) end H rmcmn Hüt ich imb der Schüler aus ihren Rädern neben ihr herfuh en.
Rena war tem Fremden dankbar für seine Rückfi!<stn--hme, ihr al ein ien Wagen zu übe - lassen Cie in inte, nun aufa:men zu E n: en Un-5 wi k ick) zog fang nm eine gleichmäßige.e Stimmung in sie ein. Es Ward ihr mag i b, aus einen fröelichm ?In nf des Bru e s lä el>id z-i erwidern, und zwifck^n dem „großen" Rit er urd ihr spann sich sogar ein paarmal etwas wve ein kurzes Gespräch an.
Als sie in Lobe da an seiner Hand den StB^gen verließ, ftieg eine wanne edXe Fr.-und i -fei' t-i ihiem Gestcht auf, und i.)re Stimme hatte teil
geiDshnten, vollen Mang und noch ein Wenig Glanz darüber hinaus.
Sie sagte: „Ter Tag war trotz dem tTeinen Unfall schön — sehr säum! Mein Bruder uni) ich sind Ihnen vielen Dank sch>u:dig . . . Und nun bart 'ich Sie wohl Bit en, mit [-ereinyufommen, damit wir unsere R.ch.umg begleichen . . ."
Nicht aus die'em Grund ging H.'tm-ann Hüttich mit. Aber^es fj-.tte für ihn enen ganz eignen Reiz, die Schw Le des Hauses zu Überschreiten, in dem zwei Frauen wofriten — die eine m blühendem Jugnbreiz, die a.-be/e im geb.eichten H«ar, gezeichnet 10 i schwe em Unglück —, die fein Inneres selbst beschäftig en
Er übe.f og mit raschem B ick das Anwcsen, das man im Städtckni das „alte Schloß" ra- nt'. Eine mit elbole Ste nm ner, über die tu kft Baum Wipfel heraus, ickttn, umgab gis Ganze. Ein of.e es, für ten Turü-g ng von Wirt 6a,.swagm e.ngerichtttes, großes Dor gewährte einen Blick in einen ausgedehnten Hof, um ien sich weitläufige Sta.lungen und ©dauern reih. n. Links irom Hof lag^ dos Le'tä6 ge Wohngebäude, das sich m mehrere Teile gliederte, bt" im Laufe b:r Jahre fche.nbar wll.kü.lich anet ander gefügt wa ai.
Auch ohne die Jahreszahl 1620, die ein Stein unter dem Dach aufwies, sah inan ten Mauern bas ehrwürdige Alter an. Trotz dieser Eh wü d g- ceit er!>i- llen sie aber erst eine besondere Phnf-.>og- nomic durch einen uralten, runden Turm, le ein gut Teil darüber hi raus age, und aus de seu ab» geyt.t.etem Dach ei.i lu ig.s (j^midjer war von al er ei Goaöarten und nie'- ig m Bu ch erf — Doge oder her Wind mochten ten Samen dazu I l-erbeig-'trage’i haben
1 Rena t?aite den Wagen an her Hand des jungen
Mannes verlassen, bann aber sofort nach der Schul- tec des Brüters geg ifsen, um sich bi rauf zu stützen. Eng anei'nanlxrgeschmi-gr beraten die G- schnstser den g oßn. freien Pl.tz vor 'em Woch::-- gebäude, den woh.iger Baumschat.^n e.chllte.
Hermann Hütiich folgte, nachdem er den Kutscher abgeftrtigs und das Rad der Patientin selbst vom Wagen gehoben hatte.
Vor dem Haus kam den Ge'chwistem, vom Garten ijer, -eine Magd entgegen. Rena bau» trage sie, die Tan e zu benad) ifitigen, datz sie mit dem B uder zurück sei, und baß sich Besuch eingefunden 'habe.
Dann bat sie den „SJe’ud/', in Las Wvh °> zimmer zu tretzm u.id sich dort einen Augenb.ick zu gedulden. Sie vwllte nur erst noch einmal nach rl/reni Fuß feten, der ihr üb igens auch letzt f t» ;:e lei n nnei-Swerte Beschwerden be uq'aa.e, sie sei gleich zurück.
An der Seitt deS Bruders stieg sie bann bte breite Steintreppe ‘btnan, die in das obere Stockwerk führte.
Ter junge D'utsck-ameri aner sah sich in der Wohnstube um, über deren hohe Schwelle er g - t.e.en war. Von zw> 1 'Seitni siel in den weiten Raum das Licht durch b.eie, ni/ rige Fen t . Jedes dieser genfer wies zwei trauliche Nisüen- sitze auf, die sich zwang'os einfügten in di- dicken Manern. Tieft Ni-chewitze gaben für die ganze Ausstat.ung den Sftnimu. gSton an, ter auch gut getroffen und fest gehalten war.
Von ter Mu e ung der Einzekh iten iru bf der junge Ma-mt plötz ich abge,zogen. Durch ei-.s ter Fenster sah man bis hinüber zu Leuchtcuburq Tort erhob sie sich am fernen Hattze-nt — klar und deutlich, nur ganz schwach verschramm ihre
stolze Bekrönung im Geftimmer der noch immer leuchtttäftigen Spä nachmit agsMtne.
Dort Hatte er heute ein schönes Mädchen w den Armen gehalten — und 1/t.r in ten D iinben, die der fü&? Hauch ihres Atems Tag für u» durchwärmte, fükstie er s nun mit bcjce igenbet Geavalt —: er würde dief.^s Mvdck-e: und den Augenblick, da sie an f-.iner Brust geruht, nie wie.er berge,fm Fön en!
Tas Oesfnen der Tür weckte ihn aus seiner ttäume.rschen Derfmi.'e h tt.
Die Herrin d's Hauses trat ein mit fl) « Nichte und dem jungen Neffen.
Hermann Hüttich sah aber im ersten Augenblick nur die Blinde — einen so übcrwälti e ben Eindruck empfing er von der düster maiestattschen Erscheinung mit dem starren, weiß-'N Eesi ht und ten toieii Augen dar n! Er vergab gani, der Unglück.ichen, die ihn rtf<t sehen Tcunze, mit einem Wort sc ne Ainvese-.?h.it kundzugeben.
Rena sprach dies Wort aus: „Dort steht uni er verehrter Gast, liebe Dan e."
Tie Blinde n'igte ein wenig das H-iupt und streckte di-.' Hand aus: „Seien toie mir null Lorn men, mein Herr," sagte sie mü ihrer tief.n, halft- Stimme. „Meine Nichte hat mir von ter gra'cii Freundlichkeit, mit der Sie sich ihrer an'äsfsi'ch ihres kleinen Unfalls angenommen laben, und auch von Ihrer g oben Li b-nisWürdigkeit vorher, Herr — Herr —" sie hielt inne.
Läche'nd siel R na ein: „Ach ja, ich tonnte Tente Ihren Namen nicht nennen."
(Fortsetzung folgt.)


