Nr. KJ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)
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Kreitag, (8. Juni P20
Ans Sta-t und Land.
Gießen, den 18. Jnni 1920.
** Amtlich e Personal nachrichten. Ueb2rLragen wurde am 8. Juni bjm Le.-rer Jakob Wolf zu A.ckchach eine Lchcerstelle an dec Volksschule zu Ober-Wöllstadt, Kreis Friedberg. Erledigt ist eine mit einem evange.ischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Kefenrod, Kreis Büdingen; dem Inhaber der Stelle kann Organisten-- und Lettocenttenst übertragen werden.
** Aus dem Militärwochenblatt. Stellenbesetzung im n.wn 100 009-Mann-Heec vom 16. Mai 1920 mit Gültigkeit für das Frie densveri'ä.tnis. Rw.-Gr.-Kdo. 2; Abwehroffizier: Hptrn. Henke, Jnf.-Rgt. Nr. 11?, Landes- kommandant für Dessen: Generalmajor Kundt. Befehlshaber der N.ich^we.rbcigade 11. Jnsantertelchuie, 1. Lehrgang: L hrec: Hauptleute K ü ch l e r, Feldart.-Rgt. Nr. 2j, Quade, Jnf.-Rgt. Nr. 168: 2. Lehrgang: Lehrer: Hauptmann Möller, Jnf.-Rgt. Nr. 116. (Die Angabe des Truppenteils usw. hinter den Nam^n bezieht sich auf die letzte Dienststelle vor dem Kriege.)
** Ausgabe dec Einkommensteuer- marken. Die Einkommensteuermaricn werden jetzt von dec Reichsdruckerei hergestellt. Sie kommen durch die Postämter am 21. Juni zur Ausgabe. Sie sind 28 mm breit und 21 mm hoch. Zunächst gibt es in roter Farbe zu 13 Pf., braun zu 50 Pf., grau zu 1 Mk., braun zu 2 Mk., grün fcu 5 Mk., grün mit hellrot zu 13 Mk. und vio.ett mit gelbbraun zu 23 Mk. Später werden solche M 50 und 100 Mk. ausgegeben. Das Bild der einzelnen Marke ist verschieden. Der Werl tritt überall in großen Zahlen hervor. Sie haben außerdem sämtlich die Inschrift „Einkommensteuer" in Fraktur. Die Marke zu 1 Mk. zeigt den neuen Reichsadler. Bei den ersten zu 2 mil> 5 Mk. ist auch der Werl „zwei" und „fünf" in Buchstaben wiedergegeben. Die Marken werden in Buchdruck auf weißem Papier mit dem Wasserzeichen „Bier- paß" hergestellt. Sie werden in Bogen zu 50 Stück «. Für den Ersatz verdorbener Marken und
atausch gelten dieselben Vorschriften wie für die Umsatzsteuermarken. Auch die Postanstaltcn in den Abstimmungsgebieten führen die Marken, ausgenommen in der ersten Zone Schleswigs.
** Schwindler. Vor etwa 14 Tagen kam zu einer hiesigen Firma ein Monteur, angeblich aus Düsseldorf, um für eine hier auszufühcende Montage ca. 2 Meter Rohr 2" sowie einige Flanschen gegen sofortige Bezahlung zu kaufen. Einige Tage nachher erschien derselbe Monteur und entlieh eine Kluppe 3/4" und einen Rohrschneider ’/«" im Werte von zusammen 3000 Mk. mit dem Bemerken, daß er sie am gleichen Nachmittag wieder zurückbringen wollte. Dies ist bis heute nicht geschel)en. Zur Erfassung des Schwindlers ist es dringend erforderlich, daß festgestellt wird, wo in Gießen diese kleine Arbeit von diesem Monteur ausgeführt wurde. Wer hierüber irgendetwas weiß, wird gebeten, seine Adresse bei der Expedition des Gießener Anzeigers abzugeben.
Kreis Lauterbach.
oz. Lauterbach, 17. Juni. Auch in der Gemeinde Reuters ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die «Auche ist durch ein Ferkel des Händlers Konrad Lomp in Maar eingeschleppt worden. Die Gemeinde Reuters ist zum Sperrgebiet erklärt worden.
up. Vom vorderen Vogelsberg, 16. Juni. Die langanhaltende Trockenheit erinnert an das Jahr 1911. Nur setzte sie damals erst nach der Heuernte ein, während sie jetzt schon vor ihr herrschte. Die gesetzten Heckpflanzen gehen meist verloren, der größere Teil ist überhaupt noch zu setzen. Die Sommerfrucht, Hafer und Gerste, kann nicht aus dem Halm heraus und keine Rispe und keine Aehre entwickeln. Am nachteiligsten wirkt die Trocknung sür die Kartoffeln, sie sitzen noch teilweise unter der Erde und können nicht heraus. Der zweite Kleeschnitt wird nicht wie der erste werden.
Kreis Friedberg.
bz. Bad-Nauheim, 17. Juni. Der Blumentag zugunsten notleidender Kinder brachte die Einnahme von über 4000 Mark. Diese Summe ist einem schon bestehenden Fonds der Kveiskinderhilfe Friedberg überwiesen worden und wird somit im ganzen Kreis dazu beitragen, Kräftigungsmittel verbilligen zu helfen oder zu Zuschüssen zu Solbadekuren Verwendung finden.
** Friedberg, 16. Juni. In der zweiten Sitzung der Handelskammer Friedberg für die Koeise Friedberg, Büdingen und Schotten erstattet zunächst Dr. Reimüller Bericht über die Tättgkeit der Kammer seit der letzten Sitzung. Besonders zahlreich waren die Anfragen über Ein- und Ausfuhrerlaubnis von Waren. Die Kammer verwies die Interessenten unter Beifügung dec notwendigen Antragsformulare an die Hessisch? Jndustriestelle in Berlin. Zahlreiche Großhanoels- erlaubnisarrträge wurden der Kammer vom Kreislebensmittelamt übersandt und gutachtlich erledigt. Aus einem hierauf von Dr. Reimüller weiter erstatteten Berich über die wirtschaftliche Lage im Handeskammerbezirk während des vergangenen
(Bered? tsiaal.
ab;
Vörsenknrse
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150, |
278,
280.
287,
243,50
350,
213,
215,
222,50
223,
16.6.
a m Am
208.
178,
454,
345,
275,
17.6.
14,35
7,22
15,75
12,50
Wien (altes) Deutsch. Oesterr Prag Budapest. . . Bulgarien . . Konstantinopel
26,09
85,40
21,97
317,15
689,30
659,35
859,10 174,80 221,75
156,30
39,45
305,70
711,75
646,85
Kurs 17.6.
79,75
Zürich . . . . Amsterdam . Kopenhagen. Stockholm. . Wien
317,85 600,70 660,65 860,90
175,20 225,25
156,70
39,55 306,30 713,25 648,15
317,15 684,30
619,35 849,10 177,30 224,- 154,55
39,07 304,70 709.30 654,35
265,50 177,- 144,50 158,- 188,-
4—6 Monaten aus. Am dritten Verhandlungstage des großen Prozesses wurde mit einer fldnen Mittagspause von acht Uhr früh bis in die zehnte Abendstunde verhandelt. In drei Gruppen hatten sich diesmal 51 Angeklagte zu verantworten. In diesen Prozessen handelte es sich um Ott, Pfeffer, Margarine, Schokolade, Kaffee, Zigarren und Zigaretten, ferner um eine beträchtliche Menge Schuhsohlen und Stoffe. Die Bahnvern>altllrng hatte 2V2 Millionen Mark Schadenersatz zu leisten. Es wurden am gestrigen Tage bis zu 9 Monaten Strafe ausgesprochen. Die Verhandlung dauert fort.
Geld Brief 17.' Juni
Kurs 16. 6.
79,75 73,60 66,10 74,-
155,- 279,25 207,25 178,50 144,50 159, - 186,50 179,87 262,75
282,- 301,50 291,- 196,-
243, 414,- 450,- 346,- 284,50 174,- 397,- 214,50 250,-
226,- 86,75
300,-
685,70 650.65 850,90 177,70
224,50
154,95
39,17
305,30 710,70
655,65
26 J 5
85,60
22,03
Kurs 16.6.
79,75
handel.
Die Kohlenprodultion in Hessen.
Die monatliche Statistik der Kvhlenproduktton des Landes Hessen weist für den Monat M a i 1920 folgende Zahlen nach. An Rohbcaunkoh en wurden gefördert 40 988 To., verkauft wurden davon 18 825 To.; der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weit wen Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereipwdukten 'wz-engt: 228 Tonnen Braunkohlenbriketts, 1920 To. Naßpreßsteine. Außerdem wurden in Hessen erzeugt 1519 Tonnnen Steinpreßkohlen. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig: 9469 To. Rohkohlen, 21 To. Briketts, 2156 To. Naßpreßsteine, zusammen 11646 To. Braunfohlen und Braunkohlenprodutte im Gesamtwerte von 1 714 300 Mk.
Markrrotieruugen.
Datum:
Devisenmarkt.
Geld Brief
(In einem Teil der Auflage wiederholt.)
Dr. Mayer lehnt ab i
Berlin, 17. Juni. (2MB.) Der deutsche Ge- schäftsttäger in Paris, Dr. Mayer, hat auf eine Anfrage des Reichspräsidenten, ob er bereit stt, das Amt des Reichskanzlers anzunehmen, unter Hin- iveis auf die Wichtigkeit seiner gegenwärtigen Ausgabe in Paris geantwortet, daß er die Berufung a blehne.
Der französische Senat und die Ausführung der FricdenSverträge.
Paris, 17. Juni. (WTB.) Die Senatskommission beschloß, dem Ministerpräsidenten Ab-
Kurs 17.6.
79,75 74,-
65,60 73.40
155,— 280,-
207,25 177,25
144,50 151,-
184,50 177,75
262, - 279,- 299,75 283,-
191,25 240,- 409,-
450,- 343,50
275,25 174,- 381,-
213,50 253,50
334,50 84,25
291, —
Tahtm: S’A.'Deut.Jteieqsant 4<70Deut.9\e:d)sanl 3°^Deut.Re chsanl. 4% Preuh. fionjots Darmstädter Bank Deutsch« Bank. . . •Disconto» Besellsch. Dresdener Bank. . Nationalbank f. D. Mitteld.Creditbank H.-Amenk.-Paketf. NorddeutscherLloyd Boch. Gußstahlwrk. D.-Luremb-Bergw. Gelsenkirch.Bergw. Harpener Bergbau Oberschl. Eisend.. L Oberschles.Eiseninb. Phönix.Brgb.-Akt. Bad.Anilin-u.Soda Höchster Farbwerk« Elektr. A. E. (8. . . Schuckert-Werk«. . FeltenScGuilleaum« Daimler Bud.-Etsenw.-Akt. Adlerwerk« ... . 4°/0 Hess. Saatsanl. Electron Gri«h«tm
Müller'sche Badeanstalt.
Wasserwärme der Lahn: 17 Grad R.
26,34 26,40
87,15 87,35
22,09 22,15
. 7,95 . 15,25
. 11,75
. 120,-
Berlin, 17. Juni. Börsenstimmungs- bild. Kennzeichnend für den heutigen Börsenverkehr war die auf alle Umsatzgebiete sich erstreckende Abschwächung, die beim Fehlen dringlicher Angebote allerdings besonders erhebliche Kursrückgänge nicht zur Folge hatte. Auch waren dagegen einzelne Besserungen zu verzeichnen. So stellten sich Thaler Eisenhittte 71/2 Proz. höher und am Bankattienm-artte zogen Deutsche Bank, Diskontogesellschaft unb Dresdner Bank etwas an. Im Verlaufe trug auch die Ablehnung Dr. Mayers, die Kabinettsbildung zu übernehmen, zur Verstimmung bei, was in einer weiteren Einschränkung des schon recht stillen Geschäfts zum Ausdruck kam. Am Montanmartt verloren Phönix unter Schwankungen 9, Bochumer 6, Lothringer Hütte 3 Prvz. Elberfelder Farben büßten 6, Höchster Farbwerke 4 Proz. ein. Petroleumaktien stellten sich zum Teil gegen die gestrigen Notierungen höher, wiesen aber im Vergleich zu den aus Frankfurt gemelbeten Kursen einen Rückgang auf. Vom Anlagemarkt sind nur vereinzelte Kurs Veränderungen zu berichten. Die Börse schloß befestigt, da die anfangs nicht unerheblich ermäßigten Devisenkurse späterhin wieder anzogen.
Frankfurt a. M., 17. Juni. Bör senkt i m m u n g s b i l d. Die Abendbörse verlief ruhig. Die Fortdauer der inneren Krisis übte im allgemeinen nur insofern einen größeren Druck aus, als das Geschäft auf den meisten Gebieten sehr bescheiden blieb. Schantungbahn gingen 625 um, konnten sich später befestigen bis 630. Oesterreich. Staatsbahn lagen schwach 218, minus 10 Proz. Bankaktien fest. Berliner Handelsgesellschaft zogen 2'/z Proz. an, 208. Montan Papiere behaupteten den Kursstand, Mannesmann mit 338, 4 Proz. höher. Bad. Anilin sind 5 Prvz. gebessert 454, dagegen gaben Farbwerk Mühlheim 4 Prvz. nach 1235. Schuhs. Wrgust Wessels 212, plus 2 Prvz.
** Die Millionendiebstähle Mannheimer Rangierbahn Hof.
2. Verhandlungstag halten sich 44 Angeklagte vor der Straffammer zu »er antwort en. Neben Stückgütern, wie Wein, Zucker, Margarine, Schuhe, Schokolade, bildete ein Hauptpunkt dieser Anklage die Beraubung eines Wagens mit Sekt. Die Straffammer sprach an diesem Tage Strafen von
Frankfurt
Abend- Avend- Schluß- Schluß-
Datum: Amst-rvam - Rotterd. Brüssel-Antwerpen . Ehristiania Kopenhagen Stockholm Helsingfors Zta.ien London New°7)ork .... . Paris Schweiz Spanien
Zellstoff Aschaffenburg gaben 83/< Proz. auf 310 nach Es notierten ferner Daimler 215, plus 1, Vereinigt. Oeliabriken 222 (minus 8 Pwz.), Allu- mulatoren Berlin 400 (minus 5 Pcozll. Otari Minen sowie Genußsch in: flehten sich mäßig höhe^. Deutsch Petroleum 63o bis 628. He ö >urg 289. Mexikaner gut behauptet. An der Nachoörte Sclwn- tnngbahn um wettere 4 Proz. gebelfert 631. 5pi0j. Reichsanleihe 793/<.
Essen, 16. Juni. (Wolff.) Die Firma Thyssen in Hamborn, die das Mutungsrecht an der westholsteinischen Küste bei Husum besitzt, hat laut Deutscher Bergwerkszeitung mit den Vorarbeiten zur Ausbeutung des Braunkohlenlagers bei Drelsdorf begonnen. Der Umfang des Braunkohlenlagers wird auf etwa 1 Million Kubikmeter Braunkohle geschätzt. Die Schicht Braunkohle beträgt 2,60 bis 3 Meter.
Berlin, 17. Juni. Verschiedenen Blättern zufolge bestätigt es sich, daß Verhandlungen zwischen einem russischen Konzern und einer deutschen Bank über die Gründung einen neuen, deutsch-russifchen Bank schweben.
Frankfurt a. SOL, 18. Ium.
16. Juni
1428,60 1431,40 1393,60 1396,40
- ----- ----- 317,85
kommen, deren erste Rate größtenteils dem für die verwüsteten G bi t? gescka fenen Spezialnw.-s zufließen müßte. Die nächste Rate könnte dann unter gewissen Bediniung-m zum wi ftchaft chn Wieder» aufbau Deutschlands Verwendung ftnXm.
Aus dem Tschechenparlament.
Prag, 17. Juni. (WTB.) In Fortsetzung der politischen Debatte über die Regierungs'rklä- rimg sagte Senator Dr. Jessen ldeutschnatio- Haler Sozialist) das böhmische Problem sei kern inneres, sondern ein Weltproblem. Seine Parteigenossen wollten, daß die alte Wirtschaftsgemeinschaft, die vor dem Kriege bestand, wi.cher her- gestellt werde, weil sie auf das Wirtschaftsgebiet des alten Oesterreichs angewiesen se-ien. Die Deutschen seien zur Mitarbeit bereit. Wenn man sie aber haben wolle, müsse auch auf sie Rücksicht -genormten tverben. Wir wollen einen Völkerbund, eine Umgestaltung ganz Europas, eine Gruppe befreundeter Staaten. Auch in Amerika und in Italien, sogar in Frankreich mehren sich die Stimmen für eine Revision der Verträge. Es ivird auch den anderen Völkern immer klarer, daß das größte Pfusch werk in der Welt dte Friedensverträge sind. Wir wollen mit Ihnen arbeiten. Wir bieten Ihnen die Hand zum Frieden. Wir wollen eine zentraleuropäische Politik. Mer wir hüllen dte alten Fehler nicht wieder erneuern, sondern wir wollen eine Interessengemeinschaft, die auf gegenseitiger Hilfe beruht.
Einspruch gegen die Pres'ekneblrmgen im besetzten Gebiet.
Düsseldorf, 17. Juni. (WTB.) Im Hiw- blick auf die durch dte Besatzungsbehörde erfolgtem Verbote von Zeitungen im besetzten Ge-> biete, dte mit der Veröffentlichung unfremidlichev Artikel über dte schwarzen Truppen begründet wnr- den, beschloß der Verband rheinisch-westfälischer Presse folgende Erklärung: Der Vorstand des Verbandes der rheinisch-westfälischen Presse erhebt Einspruch gegen die Kneblung der freien Willensäußerung, die durch das Vorgehen der Obersten Rheinlandskommission gegen eine Anzahl von Zeitungen im besetzten Gebiet durchgeführt wird. Die rheinisch-westfälische Presse ruft die Aufmerksamkeit der Presse der Welt gegenüber der Schmach auf, die der iveißen Rasse zugefügt wird, durch 'die Verbrechen schvarzer franzö ischer Trup- ben im besetzten Gebiet. Es ist die Pflicht aller unabhängigen Journalisten, dte Verbrechen der Schwarzen wahrheitsgetreu zu schildere und das Gewissen der kulturell hochstehenden Nationen wachzurufen zur Sühne vergangener und zur Verhütung neuer Verbrechen.
Eine neue französische Willkürverhaftung.
Wiesbaden, 17. Juni. (WTB.) Eine nent aufsehenerregende Verhaftung ist hier erfolgt. Der erste Vorsitzende des Rheinischen Mieterichntzver- bandes, Direktor E. A b ig t, nxirbe von den Franzosen oerhaftet unter der Beschuldigung, einen Brief politischen Inhalts an den preußischen Ministerpräsidenten gesandt zu haben. Der Brief ist durch eine grobe Indiskretion aus den Akten des Regierungspräsidenten verschwunden und den Franzosen in die Hände gespielt worden. In der Bevölkerung Wiesbadens herrscht über diese Maßnahme der Fran- zosen große Erregung. Man erwartet, daß die Re- igierung baldigst Maßnahmen zur Befreiung deS Verhafteten trifft.
Die Bolschewisten am Schwarzen Meer.
Teheran, 17. Juni. (WTB.) Die bolschewistischen Streitkräfte, die in E n s e l i landeten, bestehen aus einem Armeekorps- verstärkt durch ein kleines Geschwader Flugzeuge und Kavallerieabteilungen. Die Stadt und Umgebung wurden besetzt. Die bolschewistischen Schiffe steuern mit ungefähr 15 Kreuzern direkt auf Baku zu.
Die Kämpfe in Kleinasien.
Paris, 17. Juni. (WTB.) Der „Temps" berichtet, daß ein f r a n z ö s i s ch e s Bataillon, das die Stadt Bezanti in Sy- lizien besetzt hatte, auf dem Versuche, sich nach» der Küste durchzuschlagen, in der Nähe von Adana sich den Türken ergeben mußte, da ihm die Munition ausgegangen war.
änderungsvorschlägezu dem Wortlaut imb Sinn des französisch-eng.i chcn Abkommens über die Gebote des ehemalig tüik.sche.i Kaiserreiches zu unterbreiten. Ferner wurde beschloß en, auf Grund der Abkommen von 1917, 1918 und 1920 dte Beziehungen zwisch n den Alliierten und den im früheren türkischen Gebt te Klemas! n^ und Syrien neu cntfianDen.n R g ecungen aufzuneh- men. Die Kommission erörtert ,oDann die Fe st- setzung der deutschen Entschädigungssumme und die demnächst statts:m enden englisch-französischen Verband unweit über biete Frage. In der Debatte rouro' otr angt, daß eine Festlegung der deutschen Entschädigung an gewisse Bedingungen geknüpft werv.n müje. Es mülle eine internationale Anleihe zustande
Jahres ging hervor, daß sowohl dte Industrie trotz I des Mangels an Rohstoffen als auch dec Handel relatw gut beschäftigt waren und dasstalb auch! Arbeitsloftgteit im £)anbei5tammerb zitt kaum zu uemerten war. Der Syndikus R-chtsanwalt und Notar Stahl beuchte; in einem längeren Resecat über die Bertretcroespvechung hes rsch.r Handelskammern am 29. April in Frankfurt, lieber die Frage, zu welchem Bezirk der Handels kam mec- dezirk Friedberg bei der Wahl zum B^irkswirt- schastsrat gehröen müsse, wurde besch.ojsen, in gemeinsamer Sitzung mit der Handelskammer Gießen zu braten und das Ergebnis btt der nächsten V.'rtrtteroesprech ng dec Hess. Handelskammer.i am 2?. Ma: gi leg ent ich der Erörterung dieser Frage b kanntzugeben Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1920/2 1 wurde ansgesteift und gen.hmigt. — Zum Vorsitzenden der Kammer wurde Herr Kommerzienrat Langsdorf, zum 1. stellv. Vorsitzenden Herr Ph. Millner, zum 2. stellv. Borsitz-.'nden Herr L. Fertsch gewä lt. Ferner wurde zum Rechner Herr E. Rothschild gewählt.
Die Grskin.
Roman von G. W. App le ton. kNachdruck verboten.) Fortsetzung 59.
Ich war für einen Augenblick starr vor Erstaunen; dann eilte ich lauf den Bahnsteig, wo ich meinen Gepäckträger beottts nach mir Ausguck hallen sah. Dort blickte ich scharf um mich und gewahrte sie ein paar Meter von mix, wie sie sich mir rasch näherte. Einen Augenblick später wir sie vorüber. Sie unterhielt sich, wie mir schien, ziemlich aufgeregt mit dem Marguis. Sie sckh mich wohl — davon war ich überzeugt —, über tn ihren Augen las ich kein Zeichen des Wtederertennms, unb im nächsten Augenblick war sie in dem Mteil neben dem meinigen verschwunden. Eine Zofe und ein Lakai folgten ihr mit em paar Gepäckstücken, und bevor ich mir recht bewußt war, was sich ereignet hatte, ertönte ein Pfiff, eine grüne Fchn> wurde geschwenkt, ich sprang in mein eigenes Abteil, unb der Zug setzte sich in Bewegung.
Es ist nicht nötig, meine Gedanken unb Gefühle während der Fahrt nach Folkstone näher p beschreiben, da leicht zu erraten ist, womit sie beschäftigt waren. Bei unserer Ankunft goß es in Strömen, und ich sah die Gräfin über die Planken huschen unb in den Salon verschwinden. Ich selber Verfügte mich sofort in don Rauchsalon unb be
stellte mir einen steifen Grog, den ich, tote ich fühlte, jetzt bringenb benötigte.
In Boulogne sah ich sie wiederum und merkte mir den Wagen, den sie besti'g. Ich hätte letzt Gelegenheit gehabt, sie anzufrechen, du der Marquis mit den Zollbeamten beschäftigt war, aber ich hätte mich ihr um alles in der Welt nicht nähern mögen. In Amiens wiederum kam ich am Fenster ihres Abteils vorüber, als ich mich zum Büfett begab, aber ich wandte den Kopf nicht um eines Haares Breite nuch ihrer Richtung.
Währerib des Restes unserer Reise hxtr ich höchlich gespannt daraus, was sich bei unserer Ankunft am Niordbähnchof in P-aifts ereignen würde. Würde sie mir irgend ein Zeichen geben? Bn unserer Ankunft verließ ich eilen.ds den Wagen und wartete stockstill die weitere Entwickedmg ab. 9Fbcr es tarn niemand. Ein Herr und eine Dame auf dem Bahnsteig begrüßten sie und den Marguis sehr lebhaft. Dann verließ die g-anze Gesellschaft den Bahnhvf. Ich folgte ihr in gebührlicher Entfernung unb sah, wie sie eine prachtvoll ausgestittete Equipage bestiegen, die rasch davonrollte.
„Ties geht," sagte ich mir, intern ich eine Phrase aus dem Wörterschatz des würdigen Herrn Mimms entlich, „noch über das Bo'hnenlieo!"
Meine Ucberiegungen wälrrnid der letzt.n Stunden hatten mich indes zu der Neberzeugnng geführt, tertz sie sich ihren eigenen Plan zurechtgelegt hatte und danach handelte und ihn auch
yu jedermanns Zufriedenheit durchführen toürce. So beschränkte ich mich forgfältig darauf, die weitere Entwickelung geduldig abgunxrrten. Tatsächlich blieb mir auch gar nichts anderes übrig.
Ich bestieg mm sofort eine Droschke, fuhr zum Lyoner Bahnhof und gab daselbst mein Gepäck ab. Der DurchgangHug nach Rom fuhr um halb elf llhr ab. Sv blieben mir eine ganze Reih' von Stunden zu meiner Verfügung. Ich speiste etwas zerstreut, aber vorzüglich im Gafs Anglais. Ta das Wetter sich wieder zum Bessern gewandt hatte, schlenderte ich die Boulevards hinunter, besuchte da und dort ein Eafö, unb um zehn Uhr fünfzehn traf ich wieder auf dem Lyoner Bahn- l)vs ein.
Dort erblickte ich vor meinem Schlafwagen dieselbe Gruppe wieder wie auf dem Nvrbbahnhof. Absichtlich ging ich langsam vorüber, holte mem Handgepäck.ab und ließ es in einen Rancherwagen tragen. Ich habe noch genügend Zeit vor mir, dachte ich, mir einen Schlafplatz zu sichern. So blieb ich auf dem Bahnsteig stehen unb schaute zu, wie meine Bekannten sich verabschieden: b„nn bestiegen die Gräfin und ihre Zofe den Zug. Ick toollte schon in mein eigenes Abteil steigen, da näherte sich mir ein Beamter, grüßte und händigte mir ein Briefchen ein. Das Abfahrtssigna, ertönte, als ich in den Wagen sprang. Dann riß ich mit zitternder Hand den Umschlag auf uno las:
Cher ami!
Man muß bisweilen vorsichttg fern. Da Sie meine Hilfe in Rom brauchen werden, f-chre ich via Turin, Genua und Pisa dorthin. Mcw w, beim Lunch, werden Sie im Speisewagen Gelegenheit haben, mich zu sprechen. F.
Eine starkes Gefühl der Erleichterung und dann eine freudige Zufriedenheit durchdrangen beim dieser Worte mit einem Male mein ganzes Sem.
Glücklicherweise benützt sie dieselbe Route tov» ich, dachte ich. Und loas sie für ein slxes, schneidiges 2Beib ist! Wie ste das klug angezettelt hat! Bei Gott, es gibt Dein zweites Weib auf Erden, das ihr gleichtäme!
Eine Stunde oder noch länger beschäftigten sich meine G-edanten in dieser närrischen Richtung. MS ich zwei Zigarren geraucht hätte, begab ich mich durch eine Reihe von Wagen zu meinem Schlafplatz, wo ich bald von den schönsten Träumen umgaukelt war.
Am anderen Morgen ernxrchte ich erst um neun Uhr und erfuhr vorn ©dMiffncr, daß wir uns Ehambert) unb dem Mom-EeniS Tunnel näherten. Tabea' ließ ich mir eine Tasse Kaffee bringen imb kleidete mich nachher in aller Gemüttichteit an. Tann begab ich mich wieder in den 91.11!drrnxigm, jünbete mir eine Zigarre an und vertiefte rauf) in ein Buch, so daß die Zttt ziemlich mfd) verstrich.
(Fortsetzung folgt.)


