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Erstes Blatt

170. Jahrgang

Bienstag, 18. Mai 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraste 7.

Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts

45 Pf.; für Neklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz.

Vorschrift 20°, f Aufschlag, fjouptfdjrif Heiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: fj. Beck, sämtlich in (Biegen.

Bas deutsche Programm für Spaa.

Turin, 17. Mai. (WTB.) DieGa- retta Popolo" in Turin vom 16. Mai ver­öffentlicht eine Unterredung ihres Sonder­berichterstatters mit dem'Rcichsminister des Aeußern, Dr. ft ö ft c t oorin dieser auf Fra­gen, wie er über die Ergebnisse von San Remo und über die Politik, die die italieni­sche Regierung dort vertrat, denke und mit welchem Programm die deutsche Re­gierung nach Spaa gehe, u. a. erwiderte: Die Ergebnisse von San Remo lassen sich noch nicht vollständig überblicken. Die beiden widerstrebenden Richtungen, die wir in den Ententeländern überhaupt wahrnehmen, schei­nen darin zum Ausdruck gekommen zu sein: Mißtrauen gegen Deutschland einerseits und zugleich die aus der Erkenntnis der Bedürf­nisse ganz Europas geborenen Bereitwilligkeit zu einem gewissen Entgegenkommen. Das Mißtrauen zeigt sich vornehmlich in der Be­handlung der Entwafsnungsfrage. Soweit die geforderte Entwaffnung die Abrüstung Deutschlands bedeutet, kommt sie unseren eigensten Wünschen entgegen. Wir wollen keinen Militarismus, keinen waffenftarrenden Frieden mehr, dem ein Revanchekrieg Frank­reichs folgen müßte und dann wieder eineü von unserer Seite: also Metzelei in Perma­nenz! Diese Gefühlseinstellung muß auf bei­den Seiten aufhören! Der ungeheure Krieg hinter uns und die Zerstörung, die er hinter­ließ, müssen doch den Vernünftigen aller Län­der bewiesen haben, daß die Politik auf Grund der Interessengegensätze im Grunde eine ver­fehlte und zerstörende Politik ist und daß jede fruchtbare Politik vtfi auf die Erkenntnis der gemeinsamen Interessen stützen muß. Die Rot führte uns zu dieser Erkenntnis und sie fängt auch auf der anderen Seite an, dahin zu füh­ren. Wir also wollen die Abrüstung und haben nichts gegen eine Entwaffnung in die­sem Sinne. Wenn aber die Entwaffnung so­weit geht, daß sie die demokratische Regierung, die eben diese friedliche Politik will, wehrlos macht und der militaristischen Reaktion oder dem ebenso agressivcn bol­schewistischen System die Wege bahnt, so wird gerade das Gegenteil, nämlich die erneute Gefahr kriegerischer Entwickelun­gen, herbeigcführt. Nur im Interesse der Ord­nung und des Friedens suchten wir ange­sichts der Größe des Reick-sgebiets und der tiefen Aufwüblung der Bevölkerung um die Erhöhungder Sicherheitstruppen nach. Wir müssen die Auslegung und Ausfüh­rung her Beschlüsse von San Remv ablvarten, um zu sehen, wie weit wir hierfür Verständ­nis finden. Die andere Tendenz, unser Wirt­schaftsleben zu erhalten, die sich bereits im Londoner Wirtschaftsmanifest aussprach, be­grüßen wir umsomehr, als seht auch Frank­reich dazu geneigt zu sein scheint. Die Kon­ferenz in Spaa kann, wenn sie zu Be­sprechungen in wirklich friedlichem Geiste mit gutem Willen von beiden Seiten führt, einen großen Fortschritt zur Versöhnung der Völker und zur Heilung der Wunden Europas beoeu- ten. Insoweit Ihr Ministerpräsident durch seine Reden und seine Initiative und seine Betätigung aus der Konferenz auf einen gün- stigon Ausgang hinwirkte, bewundern wir seine staatsmännische Einsicht und sind mit ganzem Herzen auf Seiten seiner Polittk. Mit alledem aber haben Sie auch die Antwort auf Ihre zweite Frage. Auf die Einzelheiten des Programms einzugehen, wäre verfrüht. Wir wissen ja noch nicht, welche genauen Fragen in Spaa zur Erörterung gestellt wer­den sollen. Wir werden uns jedenfalls be­mühen, in dem Sinne dort zu wirken, wie ich es Ihnen eben angedeutet, im Sirrne einer Verständigung der Völker und der Erkenntnis ihrer Solidarität und der Förderung des Wiederauf­baus des fast zugrunde gerichteten Europas.

Die Konferenz von hqthe.

Paris, 17. Mai. (WTB.) Ministerpräsident Millerand sagte au einem Vertreter desMa­tias" gestern nach Schluß der Konferenz von Lythe, man sei über cingtEo armen, daß Deutschland ran: nach Spaa kommen solle, um Aufklärun - aen zu geben, namentlich über die Nichtaus- 'ührung der militärisckien Bestimmungen des Vertrages.' Man sei auch darin einig gewesen, daß man Erläuterungen nichi abznwatten brauche, bic die deutsch Regierung den vereinig:en Alli­ierten geben werde, um alle Maßnahmen zu treffen, bie die interalliierten Kontrollkommissionen für nötig erachten Auch wegen der nichterfüllten win- schastlichen Klauseln wolle man die.Konferenz von 2paa nicht ablvarten, um il-re Ausführung sicher­er stellen. Dem Vertreter des .Journal" sagte Millerand, man wolle für die deutsche En t- 'chädiyung eine feste Sum^ne festsetzen, damit die ehemaligen Feinde die Schwere ihrer Lasten erkennen, um sie zu einer baldigen Tilgung

zu ermutigen. Ter festgesetzte Betrag werde aber nur das Minmrum fern, unter das man nicht benmtergdjen werde. Tie Türe bleibe aber für Erholungen offen. Wenn sich die wirtschastlichc Lage Tentschlands in besonderem Maße verbessere, dann sei es nur gerech, daß die Mliierten ihren Anteil von diesem Nuten gälten.

Rotterdam, 18. Mai >WTB.) DerNieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus Brüssel: Lloyd George hat wegen Unwohlseins die beiden belgischen Minister Hymans und Jasper er' suchen lassen, die Besprechung, die sie mit ihm in London führen wollten, um einige Tage au fax» schieben.

Die Entschädigungssumme.

Paris 17. Mai. (WTB.)Havas" meldet tu der Konferenz, in Hythe noch, daß die Regio- rnngen sich auf eine Entschädigungs­summe von 120 Milliarden Gol d - mark einigten, um Kursschwankungen zu ver­meiden. Dies ist die von Deutschland zu zahlende Entschädigungssumme. Um die verschiedenen An­schauungen scher die Entschädigung in Einklang zu bringen, schlug die französische Delegation ernte Entschädigung mit 30 Annuitäten vor mit der Möglichkeit, daß sich Deutschland dieser Verpflich­tung durch sukzessive Anleihen entledigen Fönne. Der Anteil Frankrei chs an den 120 Milliar­den Goldmark beträgt 66 Milliarden ober 55 Proz. England erhält 25 Prozent.

Weiter wird gemeldet, daß zwischen den eng- lischn und französischen Kohlenkontrollen ren über die Lieferung von Kohlen ein Abkommen zustandegekommen ist. Dieses Abkommen sichert Frankreich ein Minimum von Kohlen zu, das den in den letzten 8 Monaten erhaltenen Kvhlen- mengen gleichkommt. Man ist außerdem überein­gekommen, daß Frankreich 45 Proz. des für die Lieferung von englischen Kohlen benötigten Schiffsraum stellen muß.

Berlin, 18. Mai. Zu der Nachricht über eilte Mindestentschädigungssumme, die von Deutschland zu bezahlen sei, sagt dieTägl. Rundschau": Reichssinanzminister Wirth hat kürzlich hervvrgehoben, daß eine Bestimmung, wo­nach die zunehmende Leistungsfähigkeit des beut^ scheu Volkes eine Zunahme seiner Verpflichtungen nach sich ziehe, genau dieselbe Wirkung haben müsse, wie der Zustand der Leibeigenschaft und Sklaverei. Wenn £>err Millerand eine solche Be­stimmung für gerecht halte, müssen ihn unsere Vertreter in Spaa darüber auskläven, daß das deutsche Volk unter keinen Umständen einen solchen Zustand der Sklaverei ertragen könne.

Eine Protestnote gegen die Kronen­währung in Schleswig.

Berlin, 17. Mai. (WTB.) Die deutsche Negierung hat gegen die beabsichtigte Em- füi/ruug der Kronen Währung in der er ft en schleswig>'chen Abstimmungszone durch eine Note Protest eingelegt, die dem deutschen Geschäftsträger in Paris und dem deutsch-en Tele- g:er:e.t b i irr in emotionalen ?lbirmmungsLom- mission für SchleÄvig überr. id)t irrurb:. In d.r Nvle wird banauf l/ingewiesen, datz dos Mürz- recht. solange die erste Zone nicht endgültig Däne­mark zugesprochen mnernt sei, unter die HoheilS- rechte falle, ble bis zur eubgühigen Entsckieidung Deutschland zuständen. Tie Einfü'lnung der Kronenwährung würde außerdem d'e Nirtschaftliche Lage der in Mark bezahlten deutschen Beamten so außerordentlich erschweren, daß ihnen die Weiler­führung der Geschäfte nicht zugemutet werden könnte.

Flensburg, 17. Mai. (Wolff. Gegenüber den Versuchen, die Einwohner der vier ^treten* spiele südlich der Elau'enlinie: Älventvft, Moldel- bt), Ladelund und SLxrlügmn, für die Annexion des Gebiets durch Tärremark zu genmmen, ist ton der Bevölkerung selbst eine entscheSxmde Kund­gebung erfolgt: Bon 1800 eitcheimischen Stimm­berechtigten der vier Kirchenfpiele haben 1460 schriftlich darum ersucht, bei Deutschland belassen zu werden.

Belgische Besetzung von Montjoie.

Brüssel, 17. Mar. (WB.'> Havas. Tie belgiidx'n Truppen Ine dm morgen lm Einver- ständins mit ter mrnzösi'chen. Milttärbe'lwrde den Kreis Montjoie besetzen. De Besetzung be­rührt auf der Notwendige it, Sabotageakte an der Eisenbahnlinie zu verhindern.

Tao Martyrium deutscher Frauen in den besetzten Gebieten.

Berlin, 17. Mai. (WB.) Amtlich. In einem Artikel der Pariser Ausgabe derChicago Tribüne" vom 10. Mai zufolge werden die in der deutschen Presse mitgcieilten zählreichen Fälle von Sitt­lich ker t sv er brc cke n der französischen farbigen Truppen in den be'efctcn deutschen Gebieten von dem französischen Mimsterrum des Auswärtigen summarisch in Abrede gestellt. Gleich­zeitig wird von der nämlichen Behörde behauptet, Daß sich in den fraglichen Gebieten überhaupt feine>ckäv.rrz n Truppen" mehr beärihen, wie- wol>l nachträglich zugegeben wird, daß dieielb.n mit sogenannten .^gelben Truppen" belegt sind, die indes'en iranzöiische Bürger und ebenio von feusasischer Rasse kten wie di Franzosen, Engländer und Dmeriboncr. Tie Reichsregierung muß dee Unterscheidung des franzö ischen Mi:r- steriums znnsck^en schwarzen und gelben Truppn grundsätzlich als völlig bereuttmgslos abtetrmm. Sie erblickt in der Besetzung deutscher Landes­teile mif französischen Truppen aftikani'cher £>: kunft, gleichgültig, welckrr Hautfarbe 'ie ein mö­gen, ein Verbrechen g gen die Zivilisation, dos Sie ürengfic Verdammung der gesamten getuteten

Welt herausfordert. Was die von französischer Seile y leugneten SiUftchkeitsverbreck»'n ix?i *r Truppen cuxbclangt, so d findet sichern»' 3u"ammat- stellung mithentischrr Fälle im Tr u cf. Tie ReitxS- regimmg bemerkt indessen schon jetzt, daß die An zahl der beßannt gegebenen Fälle von Vergewalti- girugen nur einen geringen Llnhalt gibt Tür das Martyrum der deutschen Frauen in den besetzten Gebieten, deren unäglich- beiden zunrnst aus l^greiflichem Schamgefühl der Oeftenllichfeit verborgen bleiben.

Wiesbaden, 15. Mai. Durch Familien der frau^ösischen Besä tzun gs t ru ppen [tnb hier btsl)er 500 Wohnungen besetzt nxrr den: in 302 Fällen fanben ^vangseinauartie' tungen statt. Jetzt herkuagen die Frarrzosen weitere 400 Wohnungen. Jnfolgäressen sirht sich die Stadt Nurn Bau neuer Häuser gezwungen. Die Kosten, Cie das Reich zu tragen hat, such auf mehr als 12 Millionen Mark veranschlagt. Die Stadtver- iorduetenversammluna bewilligte für die Grund- erwerbskosben 568000 Mk. und beschloß den so­fortigen Bau von sieben viergeschossigen Etagen­häusern.

sm. Aus Rheinhessen, 17. Mai. Tie Preissenkung auf den rheinchtssischen Spar­gelmärkten bat auch in vergangener Woche noch mtgehttllen. Für erste Qualität wurden in Ingelheim 2,80 bis 3 Mk., für ztveftc Qualität 1,50 bis 1,80 Mk. bezahlt. Tie feuchtwarme Wit- tcrung begünstigte in den letzten Tagen die Spar- gelernte sehr, so daß ganz gewaltige Mengen bester Spargeln auf allen Märkten zum Angebot kamen.

Berhaftuugcu in Paris.

Paris, 18. Mai. (WTB.) Gestern nnirb:n sechs Mitglreder des anarchistischen Ver­bandes verhaftet tvegen Herstellung eines Plakats, dos das Militär zum Ungehorsam und Totschlag auffordert.

Paris, 17. Mai. (WTB.) Tie Polizei ver­haftete das Mitglied der kommunistischen Partei Saarbourg und den Redakteur desP o pu l a i r e" unb des Journal du Pouple" Boris Sou- worine. Erne Lausfuchung bei dem letzteren führte zur Beschlagnahme zalzlreicher Tokumente, welche beweisen, daß er sich der Gefährdung der Staats­sicherheit schuldig gemacht hat.

Paris, 17. Mai. (WTB.) Wie der,,$Ratnt meldet, sperrten heute die Eisenbahngesell­schaften der Südbahn unb der ParisLyon Mittelmeerbahn ihre Reparaturwerkstät­ten. Davon werden 10000 Arbeiter betroffen.

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Paris, 18. Mai. (WTB.) Zum erstenmal seit Friedensschluß hat gestern abend der franzö­sische Ministerprä id nt und Au^enrntnister dem diplomattsclien L'.orps ein Tiner gegeben. Der deutsche G^jchäftsttäger Meyer war dazu eingeta- ben und nahm daran teil.

Wiedcryerstelluttg der Territorialarmee in England.

Amsterdam, 17. Mai. (Wolff.) Ter König von England hielt im Buckingham- Palast vor den obersten Verwaltungsbeamten der Grasschaf en Großbritanniens eine Ansprache über die Wiederherstellung derTerritorialarmec, in der er i'agte, England Ijabc vielen Nationen ein gutes Beispiel unb der ganzen Welt dadurch einen Beweis für fein Vertrauen und seinen guten Glauben gegeben, daß es auf den Grundsatz der Militardienstpilicht verzichte! Hobe und zum Frei­will i g e n s y st e m zurückkehre. Tessen Griind- lage müsse eine Territorialarmee fein, fbirf genug, um die Verwendung derregulären Streitkräfte an Stellen des Reiches, wo sie etwa erforderlich werden sillte, und im Notfall eine Organisation aller Völker des Reiches zum Zwecke feiner Ver­teidigung zu ermöglichen. Regierung habe dementsprechend die Neubillnmg der Territorial­armee als Grundlage des Leereswefens und zwar auf Grund der im Kriege gewonnenen Erfahrungen beschlossen.

unb Oienu&mitteln, für Wohnungseinrichtung, Empfang von Gästen ufro. gezahlt worden seien. Für den vormaligen Kronprinzen gelte das­selbe Für letzteren seien lediglich sehr bescheidene Mittel .uir Verfügung gestellt worben, nm aus der Insel Wirringen eine Wohnung für ihn einzu- richten. Insgesamt seien für den vormaligen Kron­prinzen 14 500 Gulden ausgerovrfen worden. ES werde beabsichtigt, solange der gegenmärtige Zu^ stand fortbauert, in der gleichen Weise wie bisher zu verfahren.

Aus Mexiko.

Amsterdam, 17. Mai. (Wolff.) Nach eurer Meldimg ans El Paso wurden 500 Mann der LeibgardeCarranzas gefangen genvmmen. Carranza selbst leistet noch zähen LAderstand.

Wahlergebnisse in Japan.

Tokio, 13. Mai. (Wolff.> Verspätet. Reuter. Tic Regierungspartelen hoben 256 Sitze erhalten, die Opposition 104. Tie löblichen Bezirke srimmten durchweg für die Regierung.

Äur öcm Neicfte.

Zweiklasfensystem bei den Reichscifenhatplcn?

Berlin, 18. Mai. Wie derLolalanzeiaer" erfährt, wird die Eftlftlhmng des Zweiklasisi systems auf den Reichsciseilbahnen vovaussichtlick» am 1. Juni 1921 durchgeführt sein.

Entscheidungen des ReickzSratS.

Berlin, 17. Rtai. (WTB.) Der Reichs- rat lehnte in öffenlicher Sitzung einen Entwurf über die Entschädigung der Arbeit- nehmet für Verluste am Arbeitsein fom men anläßlich des General streiks ab, Ttarfjixm der Vertreter Preußens erklärte, daß dr Reichsvat zur materiellen Prüfung der Vorlage im Wege der Gesetzgebung bereit fei. Der Reicks rat stimmte der Errichtung eines Vcrkehrsbeirates beim Rcichspostminifterium zu. Angenommen wurde u a. der Entwurf des Gesetzes über die Ent­schädigungsansprüche Verhafteter oder Verurteilter.

Der Ausnahmezustand.

Berlin, 17. Mai (WTB.) Der Reichö- miniftcr des Innern richtete an die auf Grund des Ausnahmezustandes eingesetzten Regierungs- fommifface nachstehenden Erlaß. Mit Rücksicht auf die bevorstehenden Reichstagswahlen wurde erwogen, ob dec in einem großen Zeil des Deut - schen Reiches noch bestehende Ausnahme­zustand aufgehoben worden könne. Nach reifticher Prüfung erscheint dies mit Rücksicht auf tnc ge­samte wirtschaftliche unb politische Lago nicht all- gängig. Die Wahlagitation darf jedoch keinesfalls eingeschränkt werden. Deshalb ersuche ich, von Versarnrnlungs- unb Zeitungsvorboten unbedingt abzusehen, soweit nicht eine unmittelbare Erfahr für bic öffentliche Sicherheit und Ordnung vvrliegi. Auch sind alle auf diesen Gebieten etwa bestehen' den Einschränkungen, z. B. die Anmeldepflicht für Versammlungen, die Vorlegung von Fürgblättern. vor ihrer Veröffentlichung usw. auszuheben. Eine völlig unparteiische Stellungnahme aller politi­schen Parteien gegenüber ist unbedingt geboten. Laudtaasmahlen in Mecklenburg-Neustrelitz.

Neustrelitz, 17. Mai. (WTB.) Bei de,« geftrigen Wa hlen zum Landtag erhielten die Mehrheitsfozialisben 15 Sitze, die Deutsch-nationalen Zusammen mit der Teutsck>en Volkspartei und dem Bauernbund, die eine Listenverbindung dng*?gangen waren, 10, die Demokraten 5, die Handwerker 4 unb die Unabhängigen einen Sitz. Die Rentner errangen keinen eigenen Sitz. Bei den letzten Wah­len errangen die beiden sozialdemokratischen Par­teien, die damals gesckstoften Vorgängen, 18 und die bürgerlichen Parteien 17 Sitze.

Streik der Telegraphenarbeiter.

Berlin, 17. Mai. (Wolft.) Die Tele­graphenarbeiter vyn Groß-Berlin sind heute vormittag in den Ausstand getreten. Sie zogen in einem Tcmonstrationszug durch die Stadt.

Einreisegesuche nach England.

Amsterdam, 17. Mai. (Wolff.) Im eng­lischen Unterhaus sagte in Evviderung einer Anfrage Dhortt, daß 940 Gesuche deutscher Staatsangehöriger auf Zulassung nach England eingegangen feien . Bis 10. Mai hätten 241 Personen die unbedingte, 114 Personen die tebingte Erlaubnis zur Landung erhalten. 69 Gesuche seien abgelehnt worden.

Flugzeugdienst HollandEngland.

Amsterdam, 17. Mai. (WTB.) Heute ist der regelmäßige Flugzeugdienst zwischen Holland und England ausgenommen worden. Wegen mittag landete hier, von London kommend, das erste englische Flugzeug.

Ein Kabinett Giolitti-Nitti?

Rom, 18. Mai. (WTB.)Natronale d'Jta- lia" veröffentlicht eine Unterredung mit Gwlittt, nach dessen Ansicht der Augeirblick gekommen wäre, eine Zusammenarbeit zwischen Gio'rrtt und Nim zu versuchen Giolittt habe die Mögirächeit und Fähigfeit. eine Bemhigungs- unb Reormpolttik zu verfolgen Nftii könntt die KontrnuftSt der Außenpolitik sicherstellen. Aehnlich drückte sich Tu- rati in einem Zeitungsarttfel aus.

Vom früheren Kaiser und Kronprinz.

L>aag, 18. Mai. (WTB.) Lvrresponden^- buceau. In Erwiderung eurer Anfrage erklärte der Minister des Innern, daß für den vormaligen deutschen Kaiser aus dem Staatsschatz niemals irgendwelche Gelder zur Bestreitung von Lebens-

Aus Hessen.

Die Befteiung Darmstadts.

rm. Darmstadt, 17. Mai. Nachdem schon heute früh der größte Teil der Bagage abgezogen und das Telegraphen amt, sowie die Zimmer der Wache im Stadthaus geräumt, die zur Verfügung gestellten Schreibmaschinen unb sonstigen Uten­silien zurückgegeben waren, zog auch bic Wackr am alten Palais ab und um 10 Uhr wurden die letzten Poften am Stadthaus und alten Palais einge- wgen. Die Wachmannschaften sammelten sich vor dem alten Bahnhof mit den aus Babenhausen, Reinheim und anderen besetzten Orten anmarschie­renden Mannschaften und zogen von hier zunächst nach dem Griesheimer Lager unb Groß-Gerau, bas bekanntlich noch im Mainzer Brückenkopsgebiete liegt. Von da soll die Abreiie am Dienstag nach Frankreich erfolgen. Außer einigen unvermeidlichen Neugierigen kümmerte sich niemand um die Ab- ziehenden.

Mainz, 17. Mai. ^WTB.) Havas zufolge erfolgte die Räumung des. ganzen Maingaues ohne jeglichen Zwischenfall. General Bidalon, der Kommandant der Frankfurter Besatzungstruppen, erklärte den deutschen Zivil­behörden, er lege Wert darauf, der ruhigen Hal­tung, welche die Bevölkerung bis zuletzt an den Tag legte, lobende Erwähnung *u tun.

dz. Darmstadt, 18. Mai. Staatspräsident Ulrich und O. t. ürgermeifter Dr. Glässing haben aus Anlaß der Räumung des Maingaues folgenden Aufruf an die Bevölkerung erlassen: Wie die Bevölkerung von Darmstadt und Umgebung beim Einzug der französischen Truppen durch Rub? und Besonnenheit den Beweis dafür erbrachte, das