Mittwoch, 18. Zebruar 1920
uns bcr Zivilisation aufrütteln imb bcrtn un* fdbulbigc Op'cr namentlich auch so viele bjll 'inbiidx Staatsangehörige wurden. Es stimmt vollständig überein imi den Zielen des Völkerbundes, Beihilfe zu leisten bei der Bestrafung solcher Verbrechen, Verbrechen, für welche die Schuldigen nach den Worten Grotius „Sunt puniendi aut delendi aut certe amovendi“ Buch II, Kapitel 21) zn behandeln sind. Di? tönnte man verkennen, welche gefährliche Stärtiing alle jene eriahren, die sich der gerechten Bestrafung der Sdiulbiflvu und ihrer eramvlarischen Aburteilung, welcher E^esellschasts- klasse sie aud) angehören, widersetzen'? Holland, dessen,Geschichte lange Kämpfe um die Freiheit aufwcist, intb das um der Gerechtigkeit willen so schtver gelitten hat, sollte nicht eine so enge Auffassung ihrer Pslid>ten belimden und sich damit außerhalb der Gemeinschaft der Welt stellen. Zu den Pflichten, denen Iich aus nationalen Gründen niemand entzie'nen kann, gehört es, sich mit uns zu vereinigen in der exemplarischen Bestrafung der verantwort stchen Urheber des Unheils und der Schrecken des Krieges und sich zu bemühen, die deutsche Nation zur Auffassung der Solidarität und der Menschlichkeit zurückzuführcn. da sie immer noch zögert imb auf den falschen Theorien ihrer Regierung verharrt, die offen aussprach, daß Gewalt vor Recht gehr und daß der Erfolg das Verbrechen heilige.
Von diesen Gesichtspunkten aus und nicht ausschließlich von nationalen Gesichtspunkten aus, l-aben die Mächte die Königliche Regierung gebeten, ihnen Wilhelm von Hohenzollern auszuliefern und erneuern es mit diesem Gesuch. Die Mächte möchten der Negierung der Niederlande in Erinnerung bringen, daß sie, falls sic darauf verharrt, sich um die Anwesenheit der kaiserlichen Familie auf holländischem Gebiet nicht zu beküm. mern, obwohl sie rechtsverantwortlich dafür ist, einen Verbrecher vor den Regierungen in Schutz zu nehmen, sie auch verantwortlich ist für eine für Europa und die ganze Welt so gefährlichen Propaganda. Die Anwesenheit des Exkaisers unter durch, aus unwirksamer Kontrolle in geringer (Entfernung von der deutschen Grenze, so daß er dos Zentrum einer tätigen und wachsenden Jntrigue Vieler bleibt, stellt für die Mächte, die zur Beseitigung! dieser tödlichen Gefahr übermenschliche Opfer gebracht haben, eine Bedrohung dar, die anzunehmeit man nicht verlangen kann. Die Mächte haben die Absicht, solche Maßregeln zu ergreifen, tvie sie ihnen ihre eigene Sicherheit gebietet.
Die Mächte können die peinlichen Gefühle nicht verbergen, die ihnen die Weigerung verursachen würde, den Exkaiser auszukiesern ohne irgend eine Prüfung der Möglichkeit, >vie bk Bedenken Hol - lands in Einklang gebracht werden könnten mit wirksamen Borsichtsmaßrsgeln, sei es in der Entfernung des Exkaisers vom Schauplatz seines Ber- brechens, durch die er gleichzeitig außerstande gesetzt wird, auf Deutschland zukünftig fernen unaftrt- fügen Einfluß ausMuben. Obwohl ein solcher Bar- schlag dem Verlangen der Mächte nicht ganz entsprochen hätte, hätte er doch Zeugnis gegeben von jenen Gefühlen, denen sich Holland unmöglich entziehen kann. Die Mächte machen in der verbind lichsten und dringlichsten Horm die holländische Regierung aufmerksam auf dre Tragweite, die sie einer neuen Prüfung der ihr gestellten Frage beimessen. Sie wünschen zu verstehen zu geben, wie ernst die Lage werden könnte, rvenn die Negierung der Niederlande nicht in ber Lage wäre, Zusiche- rungen zu geben, wie sie die Sicherheit Europas so gebieterisch verlangt.
Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Nr. 41
sich im
Mit Genehmigung der dienstlichen Behörden
Vulkanisier-Anstalt Giessen
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Hk. Marburg, 16. Febr. Für das Fach der Mathematik habüitierte sich in Marburg Tr. Georg Wiarda mit einer Antrittsvorlesung über das Thema „Ter Wert ber geometrisd>en Anschauung". Tr. Wiarda, ein geborener Elberfelder, war früher Assistent bei Prof Feußner (Marburg) und 1915—16 bei Pros. Landau (Göttingen). 1916—1918 war er mit der Vertretung im mathematischen Unterricht an der Universität Marburg beauftragt.
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Mächte gegenüber ihren Völkern, die Tragweite bet in Rede stehenden Frage und die so schwerwiegende politische Verantwortlicl keil bestimmen die Macht.-, tlne Forderung aufrecht zu ersten und zu er neuern. -iie Mächte verlangen von der Königlichen Regierung nicht eine Preisgabe ihrer traditionellen Politik- sie glauben aber, daß die Ratur ihres Ge- sucheS, die nach ihrer Meinung nidit allein oder doch nicht zur Hauptsache von der internen Gesetzgebung der Niederlande ab hängt, nicht genügend gewürdigt würbe. Es l-andelt sich um keine Frage des Prestige. Ihn ieboch den verantwortlichen Ur» lieber des großen Krieges abzuurtcilen, können sie nicht die Errichtung eines obersten Gnichles ab warten, bas mit der Verfolgung internationaler Verbrechen betraut nnrb. Gerade das in Aussicht genommene Urteil wird einem solchen (Herichtsöos den Weg bahnen. Tie Mächte wünschen festzustellen, daß der Völkerbund nod) keinen solchen Grad der Entwicklung erreicht hat, daß es ihm oder irgend einem der durch ihn ins Leben gerufenen Gericht' gdingen könnte, voll- ständige Genugtuung zu schaffen. Würde die Weigerung der löniglichen Regierung, den chnnrligen Kaiser auszultesern, falls die Wei.-rerung aufrecht erhalten bleibt, nicht einen unhrittwll.m Tmdenz- fall schaffen, der g-eignet wäre, iedes Verfahren eines jeden intcrnationnlcn Gerichtshofs gegen hod>gestellte Schuldige unwirksam zu mache>t? Tie Negierung der M<-derlande macht geltend. daß dhs Auslieferungsgesuch gegenüber dem eltemaligen Kaiser von ihr nur vom Standpunkt ihrer eigenen Politik ans ins Auge gefaßt werden könne. S« ld>eint dabei nicht in ErMmmig zu -Men, daß sie gemeinsam mit den ziviMertcn Natron en br Pflicht hat, die Bestrafung der Verbrechen gegm das Völkerrecht und gegen die Grundsätze d;c Menschlichkeit sicher zu stellen. Verbrtd'Mt, für die in fcnte unleugbarer Weis: Wilhelm von L>ahenr-ollern etne schwere Vntmtiwortticht-tit zufällt.
Tie Note vom lä. Januar wurde überreicht im Namen^von 26 aviirrten und assoziierten Mächten, den Signataren des Friedensvertrages und gemeinsamen Mandataren des größten Teils der zivilisierten Nationen. Das beweist, daß man un» möglich die gemeinsame Kraft dieser Forderung öerfeween kann, die md>t nur der Ausdruck des Urteils derjenigen ist, die gelitten haben, sondern auch der Ausdruck der Bedürfnisse der Gerechtigkeit, die im Namen der Menschlichkeit sprechen.
Wie könnte die hotlcmdische Regierung vergessen, daß es der Politik und dem persönlichen Handeln des von den Mächten hrrianatrn Mannes zuzuschreiben ist, wenn nahezu 10 Millionen Menschen in der Blüte ihres Alters dahmgeworbet wurden, wenn dreimal mehr Meschen gräßlich vcrHnmmelt ober in ihrer Gesundheit pesctMigt wursten, wenn tausende von Quadratkilometern bis dahin industriellen, bis dahin glücklichen Landes zerstört wurden, wenn die Kriegsschuld Irunbcrtc von Milliarden übersteigt, imb wenn alles dies geschehen ist zum Schaden von Menschen, die ihre Freiheit wie die Freiheit ihrer Kinder und die Freiheit der ganzen übrigen Welt verteidigt haben. Tas wirtschaftliche und soziale Leben der Völker wurde erschüttert und ist noch gefährdet. Lungers- tod und Elend sind eine, fürchterliche Folge des von Wilhelm II. entfesselten Krieges. Tie Alliierten können die Ueberraschung nicht verbergen, die sie empfanden, als sie in der holländischen Antwort nicht ein einziges Wort der Mhbilligung für die durch den Kaiser begangenen Verbrechen sanden, Verbrechen, die die Urgefühle der Menschlichkeit
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legt wird. Wir dürfen diese Fahrzeuge uns mcht etwg als Flugzeuge voruellen, die dann ,o o r altet sein iverden, wie beut: di» Tragtiere, ion- Vern Fahrzeuge der perschiedmst'n Formen, Schisst so groy wie ber Imperator und ganz kleine Autos, werden durch die Luft rasen. Auch eie Reis - nid' dem Mond wird dann eine Kleinigkeit sein Nimmt man die Entfernung des Mondes von der Erde mit 210 000 englischen Weilen an und rechnet nur inr. enter Schnelligkeit von einer M »il.» in ter Sekunde, so läßt sich die Fahrt lud) dem Mond nt 60 Stunden zurück legen. Berechnet man di' Entfnnu.tg vvm Mars mit 30 Mlllionen engltsch.-.t Meilen, so würde die Falwt uad) diesem Planeten mit c i angegebenen Geschvindigleit in twrs w.'niger als einem Jahr gemacht werden lonnen, also in d'c- idten Zeitspanne, in der Clive inn: erste Reise nach Indien zurücklegte."
(In einem Test der Auflage wstedrrholt.)
Die Antwortnote der Entente an Holland.
Paris, 17. Febr. (ATB.) Die Antwott des Obersten Rotes der IMIvierten, bte in der Frage der Auslieferung Wilhelms II. an Holland gerichtet wurde, Hut folgenden Wortlaut:
Die Mächte haben b»n der Antwort der 'holländischen Regierung auf ihre Note vom 15. 3<tn. 1920 hinsichtlich der Auslieferung des deutschen Exkaisers Wilhelm von Hohenzolkern zwecks dessen Aburtellung K^ermtnis genommen. Die von den Mächten während des Krieges im allgemeinen Interesse gebrachten ungeheueren Opfer geben ihnen das Recht, bte Niederlande zu bitten, von ihrer Weigerung abzusehen, bte sich stützt auf annehnr- bare, aber ganz persönliche Erivägungen eines Staates, der an Kriege abseits stand und vielleicht nicht genau alle Pflichten und Gefahren der gegen- wärttgen Stunde abwägt. Die Verpflichtungen der
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g. Göttingen, 17. Febr. Hier gerieten zwei Kvuleurstudenten des Korps Teutonia aut dir Rückkehr von einem Festkommers bei dnn Versuche, das Firmenschik» des Malermeisters Gleitz- ab- zunehmen, mit diesem in einen Wortw'ckstel, dcm Tätlichkeiten folgten. Gleitze rief um Hllf:, worauf sein Sohn herbeieilte imb einen sck-arstn Schuß abgab, der den Studenten Rode aus Dortmund tötete.
* Die Reise nach dem Mond in 60 Stunden. Während der selige Münchhausen fick) zu seiner Reife nach dem Mond noch ein'.r schnell- wachsenden Bahnenpflanze bedien 'n mußt:, irill jetzt ein amerikanischer Professor ein' Ra^te nid) bieicm freundlichen Begleittr dw Erde abschie^en, und ein unternehmender Fliegrr will sich sogar in einer solchen Ravete hin aufs chießi'n lassen, wis wieder an den Ritt Münchhausens auf der Kanonenkugel erinnert. Bon solchen Phantasten l'nkt zu einer mehr wissenschafüichen Betrachtung d'r Möglichkeit einer Mondreise ein mglischer Gelehrter hin, der die Berwirllichung dieses uralk'n Tichterplanes von der Verwertung der En agr' der Atome erwartet. Dieses Problem, di' in d'n Atomen anfgespeicherden Kvaftinengm ausGuiutz-m, wird ja gegenstärtig diel erörtert, und Harold F. Myatt entwickelt mrn im Nineteenth Eentury ein Zukunftsbild drvvn, welche Folgen di>:se Ent^ dcckimg haben dürfte. „Kohlenfelder uno Pstro- leumguellen werden dann g-anz überflüssig 'n *r» den," schreibt er, „und alle Transportbedingungen iverden revolutioniert. Eine bew'gmde Kraft, die ungel-euer, unbegrenzt und nach Anlage d;r nö- ttgen Apparate Vostenlos ist, wird in den Dienst der erst-aunten Menschheit gest'.llt sstn." Aller Verkehr und Transport wird dann nur nach onrch die Lust stattfinden, und cs werden Schnelligk'it.'n erreicht sein, die wir uns heute noch gar nicht torftellen können. „Tie einzige Grmz-» für bte Schnelligkeit ber Fortbewegung wird dann nur noch der Punkt sein, wo sich die Körper entzünden. Aber auch dafür wird sich bet dem Vorhanoenseitt unbegrenzter Kräftemengen viellstcht eine Schutzhülle von unsichtbarer Stärke finden lassen, die iwischen ine Fahrzeuge und die umgeb:ntv £'yft Q<,
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