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Nr. 219 Zweites Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)Freitag, (7. September (920

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 17. -sept. 1920.

** Personalnachrichten. Der tech- mschen Lehrerin Ma-l/ilde Euler aus Gießen, VrSnderrn und Leiterin derOppenl^imer Frauen «beilsschulc", wurde die Leitung der Wvrmscr Aicc-Jndustrie- und Haiisholmngsschule nbcr- ttagen mit Wirkung vom 1. Okoober 1920.

** Grunds ätze für das Reichsnot­opfer. Für die Wertermittlung beim Reichsnot­opfer bot der Reichsminister der Finmrzen um-

zörderang bes IDohmingsbauts.

Ueber dem jur Zeit dem Reichsrat vorliegenden Gesetzeniwu'.s über die Erheburrg einer Abgabe »ur Förderung der Bautätigkeit (in der Presse meiil alsMietssteuer" bezeich net s nd vielfach unzulvef«rde Ansichten verbreitet. Es e>. daher aus folgeüde grundsätzliche Punkte, die br iten Lefs.ntlrchkeit nicht zur Genüge bekannt sind, hingewiesen: w

Tie Bekämpiung der Wohirungsnot erfordert die Sxrftellunq von möglichst vLlen neuen Woh- nungeii Be, der enormen Verteuerung des Bauens die Baukosten betragen durch chnittlim mehr als das Zehnfache der Friedenspreise können in­dessen die Mieten der Neubauten die aufgewandten dosten nicht verzii.en Jnsolgedes en sind Zu chü.se aus össentlichcn Mitteln erforderlich. Diese sind bis­lang von Reich, Ländern und Gemeinden aus all- gemeinen Steuermitteln gegeben worden. Die Fi­nanzlage des Reick-es, der Länder und Gemeinden läßt dies aber im bisherigen Umfange nicht mehr zu. Es mÜsen daher brs- ndere Einnabmeguellen er- ösfnet werden, wenn nicht die Zuschüsse vollkom­men eingestellt werden sollen: wodurch jede Bau- tätiglcit unmöglich gmacht werden würde.

Während die Prei e für alle Lebensbedürfnisse sich der allgemeinen Geldmtwerlung angepaßt haben, sind die Mie?en durch die Mieterschutz- gesctzaebung bislang verhältnismäßig nied­rig gehalten. Die nach den heutigen wirtschaft­lichen Verhältnissen an sich zu erwartende Steige­rung der Mieten und der Prm'e für bebaute Grund­stücke ist daher nicht in dein Umfange eingetretcn, wie es bei freier Wirtschaft aus dem Wohuungs- rnarkte der Fall sein nriirbe. Wem: es auch völlig ausgeschlossen ist, diese freie Wirtschaft in abseh­barer Zeit wieder herzustellen, so erscheint doch eine gewisse S.eigerung der Mietpreise dann nicht ungerechtfertigt, wenn sie zu G u n ste n d e r All­gemeinheit nicht des einzelnen Hausbesitzers) erfolgt, und wenn die Erträge zur Unterstützung und Neubelebung der Bautätigkeit verwendet wer­den Daher ist geplant, die alten Gebäude mit einer »Nbgabe zu Gunsten der Länder und Gemeinden zu belegen und so d e Mittel m gewinnen, um durch Zuschüße die Prei'e für Wohnungen in den Neu­bauten lferabzumindern, also einen Ausgleich zwi­schen de.i st osten für die Wohnungen in alten und neuen Gebäuden herbeiznführen.

Es sollen aber nicht nur die M i e twohnun - oen zur dlbgabe herangezogen werden. Auch die Wohnmrgrn in Eigenhäusern, ebenso die Läden, Geschäftsräume, Fabri ken und landwirtschaftlichen Gebäude sollen ab­gabepflichtig sein. Denn b i allen diesen Gebäuden ist im allgemeinen eine Steigerung der Preise im Zusamnrenhcrng mit der seither erfolgten Geldent­wertung eingetreten oder zu erwarten. Werden sie mit einer Abgabe belegt, so bedeutet das, daß der Wertzuwachs, der dem Privateigentümer infolge der Veränderrmg der wirtschaftlichen Verhältnisse zufliesten loürde, von vornherein für die G e s a m l- heil nutzbar gemacht werden soll.

Das Gesetz beruht also auf dem in der Reiclfsverfassung ausgesprochenen Gedanken, daß eine Wertstrigerung der Grundstücke, welche ohne äufnen bimg von Arbeit oder Kapital erfolgt, der Gesamtheit nutzbar gemacht werden soll. Es ist nun keineswegs die Absicht der Regierung, wie man mit­unter annimmt, im Zusammenhang mit der geplan­ten Abaab-e die bestehende Mieterschutzgesetzgebung, die willkürliche Mietpveissteigerungen verhütet, außer Kraft zu setzen Vielmehr soll auch in Zu­kunft eine Steigerung der Mieten über die gestiegenen Selbstkosten der Hausbesitzer für Ab­gaben, Verwaltung usw. hinaus verhütet werden. Zu dvesem Zweck ist ein besonderes tiefet? in Vor­bereitung, daß die künftige Bemessung der Mieten unter Mitwirkung der Miteinigungsämter, die be­stehen bleibm, im einzelnen nach diesen Gesichts- punk.cn regeln wird.

Der Gesetzentwurf über die Erhebung einer Ab­gabe zur Förderung der Bautätigkeit sieht vor, daß die Länder die Abgabe in Höhe von 15 vom Hun­dert des Mietwerts von 1914 erheben sollen. Bei den Gebäuden oder Wohnungen, die nicht ver­mietet werden, soll der Mietwert durch Schätzung ermittelt werden. Die Gemeinden sollen für ihre Bedürfnisse Zuschläge von 15 vom Hundert er­heben. Dee Zuschläge können mit Zustimmung der obersten Landesbehörden außer Kraft gesetzt "oder herabg-stetzt merben. Befreit bleiben die Gebäude des Reichs, dec Länder, Gemeinden, soweit sie einem öffentlich^ Gebrauch dienen, sowie gemeinnützige und kirchliche Gebäude.

fangreicbe Grundsätze aufgestellt. Anders als die Kriegsabgabe wird diese Abgabe von allen Ver­mögen erhoben, entweder nach dem gemeinen Wert oder den Ettragswect am Stichtag, in der Regel dem 31. Dezember 1919. Der gemeine Wert wird durch den Preis bestimmt, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre. Zn Betracht kommt nur der dauernde Wert. Auch für den Ertragswert, haben lediglich vorübergehende Er- tragssteigeruiigen oder Ertragsminderungen außer Betracht zu bleiben. Ms steuerbares Vermögen gilt regelmäßig das gefam e bewegliche und unbeweg­liche Vermögen nach Abzug dec Schulden. Genaue Bestimmungen regeln die Ansetzung des Grund» vermögens, des Betriebsvermögens und des Kapi­talvermögens sowie die Bewertung der Schulden. Ein besonderer Abschnitt ist dem Vermögen der Erwerbsgesellschaften gewidmet. Diese sind mit ihrem gesamten beweglichen und unbeweglichen Gesellschaftsvermögen abgabepflichtig.

** Dem Zentralverband Deutscher Uhrmacher ist es dank der Opferwilligkeit der Uhr macker in Schweden, Herwegen und Dänemark gelungen, 147 erholungsbedürftige Uhrmacherkinder aus allen Trilln des Reichs, während 34 Monate in obigen Ländern in Uhrmach.-rsamilien unferzu bringen Der erste Transport Kinder ist jetzt zurückgekehrt. Die Kinder waren überglücklich über die herzlich: Aufnahme und alle hatten sich gut erholt. Di- Uhrmacher Norwegens haben im Laufe des Sommers für in Deutschland gebliebene Kinder 70 Zentner Lebensmittel geschickt und dieser Tage sind nochmals 100 Postpakete mit Lebensrnitteln eingetroffen

** Der Deutsche Jugendbund'Gie- ßen, P r o vi n z i a l ve r ba n d für Ober­hessen, schreibt uns: Ter Niederbruch und das nationale Elend des Vaterlandes hat die Jugend, die immer Trägerin aufbauender Ideen war, stark ergriffen und eine mächtige nationale Jugend­bewegung geschaffen. Ueberall im Vaterland fand sich die Jugend zur Pflege echt deutschen Wesens zusammen und gründete Bünde, deren höchstes Ziel die nationale Ertüchtigung der Jugend ist. In dieser Zeit, in der die Bünde in irgendeiner Form die Welle der Bewegung zu festigen suchte, wurde auch der Deutsche Jugendbund. Gießen, Provinzfalverband für Oberhessen, zunächst unter dem Namen Deutscher Jugendbuno dm 22. August 1919 gegründet und bald darauf dem Kartell der Deutschen Jugendgemeinschast Berlin angesäflossen. Unter strenger Ablehnung jeglicher parteipoli­tischer Bestrebungen verbreitete er sich von der Oberrealschule ausgehend, über särnlliche Schulen Gießens, und von da aus wurden die Ortsgruppen Hungen, Grünberg, Nidda und Laubach gegründet. So nun am 9. Ium 1920 der Verband unter dem Namen Deutscher Jugendbund Gießen, Provinzial- verband für Oberhessen, mit dem Sitz in Gießen zustande. Gießen wurde zur Tausendschaft und die Ortsgruppen zu Hundettschasten des Verban­des^ auch zahlreiche Zehnersck-aften, die den Bund in jedem Dörfchen ermöglichen sollen, sind in Vor­bereitung. Nach einjährigem Bestehen zähll er schon fast 1500 Mitglieder. Diese Ausdehnung konnte der Bund mir durch seine breite Grund­lage erlangen. So stehen wir in der Zeft immer schärfer werdenden Partei- und Klassenkampfes vor der löblichen Tatsache, daß unsere Jugend dieses größte <£lenb mrserer Nation erkannt hat und durch ihren jugendlichen Eifer und ihre Kraft zu be­seitigen sucht. Hoffen wir, daß wir von diesem Jammer befreit, den Weg zur wahren nationalen VolkSgemeinschaft auf diese Weise finden mögen.

KreiS Büdingen.

la. Stockheim, Hessen, 15. Sept. Am Bahnhof wurden zwei Eisenbahmvagen mit Stück­gut erbrochen und zum Teil ausgeraubt. Fest­gestellt konnte werden, daß ein Sack mit Reis und ein oder mehrere Säcke Frucht fehlten. Eine Kiste mit Schuhwichse wurde im Wasser der Nidder bei Glauberg von Kindern gefunden, die das Vieh dort hüteten. Anscheinend haben die Diebe den Weg nach Glauberg eingeschlagen und sind von hier aus mit dem ersten Zug weitergefahren.

Kreis Alsfeld.

Fl Ans dem Feldatal, 16. Sept. Kaum ist die Grummeternte beendigt ohne Nach­zügler, da beginnt man auch schon mit dem Kartoffelausmachen. Das ist für die dies jährigen Verhältnisse zu früh. Ter ttockene Sommer ließ die Kartoffeln in ihrer Entwicklung um Wochen zurückbleiben, so daß die Reise der Erdapfel sich umgekehtt zu der der Baumäpfel ver­hält. Tie meisten Kattofscln haben iwch nicht die zum Halten über den Winter erforderliche wioer- standssähige Schale: sie löst sich beim Ausmacl^en von selbst ab. Tadurch werden aber die Knollen zu leicht beschädigt. Gewiß lockt das schöne Sep­temberwetter zum Ausmachen, allein die Erfahrung muß hier Lehrmeister bleiben.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Da rmstadt, 15. Sept. Ein Stadt- wir t schal tsrat, der einen Versuch $ur Er­richtung eines S.a^-twirtsckaftscatcs, eines Sdck» wirtsck.aftsamtcs und des statistischen Amtes am gemeinsamer Grundlage ba rfteflcn soll, ist in der Bildung begriffen. Ihm sollen außer dem Ober- bürgermelfter Vertreter der Handelskammer, der

Handwerkskammer, vier von der Stadl verordneten- > ixrfammlung zu wählende Mitglieder, bar unter mindestens eine Frau, des Crt3genrrbecerein5, der käufm. Angestelltenverbäiche und die Gfcroeil- I chaftcn bzw. Betriebsräte an gehören. '.Weitere Er­gänzung ist zulässig. Tie neue Einrichtung lost allen Wirtschaftszweigen, der Stadtverivaltung und allen sonstigen wirtsch. Unternehmungen mit allen nur irgendwie tauglichen Mitteln hellend und för­dernd, unterstützend und anregend zur Seite stehen.

Hessen-Nassau.

X. Hanau, 15. Sept. In den von der Sie- delungsgesellsch'.rftNeue Heimat" in Berlin ermoiben-eu Gebauten des hi iiaen ehemaligen Be­kleidung samt es des 21. Res.-Armeelbrps rurtict die Berliner Eisenbahnbau- und Bc.riebsgesell- schaft auch Wine Waggon-Rcparaturw.rkstätte ein, welche über 150 gelernte und ungelernte Arbeiter aller Berussar:en beschäftigen kann.

X £>a na u , 16. Swt. Nach einer dem Kreis­tag' zu gegangen en Vorlage bcabsickstigt der Land­kreis 5>anau für die Zwecke des Ausbaues der elektrischen Ueberlandzentrale, die bekanntlich Anschluß an das großzügige staatliche Mainkraftwerk finden wird, eine weitere Anleihe in Höhe von einer Million Mark autzunehm»'n. Bis setzt sind bekanntlich für dreien Zweck bereits 5 Millionen Mark im Wege der Anleihe mitgenom­men worden.

Aus dem Amtsverkündigunqsblatt.

** Tas Amtsverkündigun^sblatt Nr. 133 vorn 16. September enthält: Sammlung von Karten und Notgeld als Sbticbauungymaterial. Tagung des Vereins für Knabenhandarbeit und Werkunterricht. Beschäftigung von rusji- fdytit Kriegsgefangenen. Urlaub wegen Fir­mung Einkauf von Flachs. Zuckerver- lrauck)sregelung. Viehseucl)en. Tienstnach richten. Feldbcreinigung Treis a. d. Lda.

Urlaub wegen Firmung am 28. Sep­tember 1920. Tienstag, den 28. September 1. I., soll hi Gießen die Firmung gespendet werden. Ten katholischm Schülern und Schülerinnen sowie auch den katholischen Lehrkräften ist auf deren Ansuchen zur Teilnahme an der Firmung Urlaub zu erteilen.

Zuckerverbrauchsregelung. Ta ver­schiedene Zuckerfabriken mit ihren Lieferungen im Rückstand sind, wirk in nächster Zeit in der Zuckerversorgung eine Stockung un- vermeidlich sein. Um diese Stockung nicht weiter zu vergrößern, ist es unbedingt erforderlich, daß die den Büraermeistereien der Landgemeinden über­sandten ZuckerbezugsscheinL für die Monate Sep­tember und Oktober d. I. von den Kleinhaichels- geschäften unverzüglich den Großl)<rndelssirmen übersandt werden.

Maul - und Klauenseuche. In Ulfa ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Es ist vom Kreisamt Schotten ein Sperr­bezirk, bestehend aus der Gemarkung Ulfa, und von uns ein Bcobachtungsgebiet, bestehend aus den Gemarkungen Rabertshausen I und II, Langd und Bill in gen bestellt worden. Jh Steinheim ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Es wird gebildet ein Sperrbezirk, bestehend aus der Gemarkung Steinheim, als Veobachtungs- gebiet gelten die Gemarkungen Trais-Horl-oss, Rod- beim, Utphe, Langd und Rabertshausen, die bereits Sperr- bzw. Beobachtungsgebret waren. In Birklar und G a r b e n t e i ch ist die Seuche erloschen. Die Gemarkungen Birllar unb Gar­benteich w-wden aus dem Sperrgebiet ausgeschieden und dem Beobachtungsgebret anaealiedert. In den Gemeinden Storndors und Berns fei d, Kreis Alsfeld, ist der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche amtlich festgefteltt worden. In An­ge r s b a ch, Kreis Lauterbach, ist die Maul- und Klauenseiiche ausgebwchen. Die Gemarkung An­gersbach ist fritm Sperrbezirk erklärt. In Frisch­born, Kreis Lauterbach, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrvchen. Die Gemarkung Frisch­born ist zum Sperrbezirk erklärt worden. In der Gemarkung Michelbach, Kreis Schotten, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und ge- naimte Gemarkung zum Sperrbezirk erklärt worden.

Ter ansteckende Scheidenkatarrh unter den Rindviehbeständen in Gr ünberg und Treis an der Lumda ist erloschen. Die angeord­neten Sperrmaßregelu sind aufgehoben.

Dienstnachrichten des Kreisamts. Lotterie. Tas Minisberium des Innern hat der Landesgruppe Baden des Hilfsbundes für die Elsaß-Lothringer im Reich, Freiburg i. Br., die Erlaubnis erteilt, 5000 Lose einer am 28. Januar 1921 zu veranstaltenden Geldlotterie innerhalb des Freistaates Hessen zu vertreiben. Nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten Verlosungs- plan dürfen 70 000 Lose zu je 2 Mk. ausgegeben werden.

Der Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen.

Sitzung vom 8. September 1920.

1. Der Firma Heyligensiaedt & Co. in Gvehen wird aufgegeben, den Lohn für 11 Stunden 'Ine Hälfte der ausgesetzten Arbtilszeft vom 28., 29.

und 30. Juli 1920) nachzuzahlen, bie weitere Forderung der Arbeitnehmer auf Ersatz der vollen Arbeitszeit wird für unbegründet erklärt. Es wurde davon ausgegangen, daß bei Einführung der ver­kürzten Arbeitszeit das betberfeinge Verhalten de» maßgebenden Besnmmungen nicht gar.fr eutspro- cten bat, daher die Teilung des eingetrctai.m Ausfalles angeordnet.

2. Tie Abwicklungsstelle deS TurckrgangSlagers Gießen ist verpflickstei, ihren Angeüe lten das Ge­halt für Augu'i in ter seitherigen Hole zu zahlen. Tie nachträglich von der übergeordneten Stelle entgegen der unter Utbcreinfnmmung von Be­triebsrat und Leiter üorgcnoiümem-n Eingrup- picrung einseitig angeorb;ietc 'Jlcnxtung mit Ge­haltskürzung wurde wegen Nichtbea lüung ber bc. treffenben Kündigungsfcitt für unwirksam crtlärt.

Vier weiter anstehend.- Sachen tauben durch Verständigung ihre Erledigung.

Sitzung vom 9. September 1920.

1. Tein Anspruch des F. Hock in Ohetien aut Weiterbesckwittgung bei dem Reicktsverpflo- gungsamt in Gießen mirb nicht stattgegeben.

2. Ter Anspruch des Heinrich Erlach .hjh Schröck g<*gtn Finna H. Deibel in Lollar aut Lohmiachzahlung wird als unbegründet zurück- gewiesen. r

3. Die Verhandlung des Bauarbeit.rwerbwtdes gegen die Gemeinde Maar wegen Lohnfestsetzung ifixier Arbeiter findet durch Verständtgung ihre Erledigung.

4. In einer Sache desselben Verbandes gegen die Buderus-Werte in Hirzen Harn wird ine Un­zuständigkeit ausgesprochen.

5. Den Arbeitern der Baugeschäftie Johannes und Ludwig Ruchlshausen und Gebrüder Reitz in Burggemünden ist vom 23 Auguß 1920 ab im Gebiet von Burg- unb Niedergemunden und südlich 4,25 Mk. und vom 15. September 4,50 Mk.; tm Gebiet nördlich vom 23. Auguft 3,80 Mk. und vom 15. September 4 Mk. Stunden!.>hn zu zahlen.

b. Ebenso ist den Arbeitern von 15 Bau­geschäften in Alsfeld, Schlitz, Lauterbach, Uetz- Haufen und Hatterslxrufen vom 23. August 1920 an der der Lohngruppe IV des Lohn- unb Arbeits­tarifs entspreckfende Stundenlohn von 4,50 ML und 4,30 9J?t. zu zahlen.

Eingesandt.

(Für Form und Jnl)alt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantivortung.)

Die Sicherheitspolizei.

Zum Eingesandt in Nr. 208 desGießener Anzeigers" vorn 4. Sept. 1920 erwidert oas Reichsvermögensamt:

Der Grund, den das Eingesandt für die Ver­legung der Sicherheitspolizer aus Gi.hen voraus-' setzt, daß es hier an der genügenden Unterkuicft für sic mangele, ist durchaus rickftig. - Wenn Gießen seine zukünftige Rcichstvehrgamiion ex» fyalten bat (1. 1. 21), wird für diese der Ka­sernen raum sehr beschränkt fein, und bis zu biciem Zeitpunkt ist sogar dauernd mit einer Ueberbelegstrng der Kasernen zu rechnen.

lieber die Raumgebührnisse ber neuen Gar­nison, die durchaus feine übertriebenen fern wer­den, konnte die Oefsentlichkcit bereits m einer vor Monaden erfolgter. Rückschrift aufgeklärt wer­den, unb ebenso über die Gründe dafür, daß ttotz Berringerwrg der Garnison unb besckLidnier Raum- zufixtisung an den einzelnen RcichSwehrmanif dre verfügbaren Kasernen doch voll belegt bleiben werden.

Die derzeitige vorübergehende Leere ber Ka­sernen ist damit zu erklären, daß die Truppen augenblicklich zur Hebung ausgerückt sind, von ber sie ledoch in den nächsten Tagen zurückfehren fixtben.

Wenn nun, wie nach den Ausfühnmgen des Eingesandts zu schließen, die Bürgen ck aft Gießens out die Beibehaltung einer Garnison und den Verbleib der Sicherlieitspolizei sa hoben Wert legt, so kann demgegenüber nicht v.'rslnvicgen w.rdeu, baßes in ber Absicht -der Stabtuenualhnig zu liegen scheint, den Raum für die Truppenun'.erbringung trotz aller Gegenvorstellungen dr militärischen Tienststellen und beteiligten Behörden nock) zu beschränken, insofern sic nicht genullt ist, bw städtischc Mteiskaseme weiter für Trup- pemmterkunft zur Verfügung zu stellen. Die in dieser 2ln gelegen beit scknvebenden Verlandlungen scheinen trotz allen bisher bewiesenen Entgegen­kommens seitens des Fieichsfiskus billige Mgabe des Landsturmlagers) und brr Ausgleickx, die der Stadt damit gebo^n wurden, und die ihr ge­gebenenfalls noch meiter geboten werden sollen, zum Schtitern bestimmt zu sein.

Ein nritcrer Ausfall an Kasernen raum ob ber hygienisch nicht einwandfreie Bau der Zeug- hauskaseme noch fernerhin als 56aferne voll aus­genutzt werden (arm, steht auch dahin müßte bann allerdings auch die weitere Ernschränkung der Garnison Gießen zur notwendigen Folge haben.

Rcichsdermögensamt Gießern

VImder Hatz.

Roman von Alfred Sassen.

Nachdruck verboten.) Fortsetzung 32.

Ter Hügel, unter dem Lsvar Borowsky schlum­merte, war von einem eifernen Gitter umfrxebigt. Men der Ruhestätte des jungen Ntannes Ivar ein ^latz vorgesehen, wo bereinjt wohl bte Mutter zur Seite des Sohnes gebettet sein wollte.

Jetzt stand auf diesem Platz eine Bank, aus ^r sich die Blinde niedergelassen hatte.

Rena stand seltsamern'rise außerhalb b:5 Gtt- ^8, nicht einmal ihre Hand ruhte an den schlauch'u ^täbei- Auch sah sie über das Grab besten, der ihr Verlobter gewesen, mit einem ^lusdruck Da, als könne und toolle sie ihre Gedanfen nicht ® dem traurig ernsten Ort sesthalten. ,'2tn einem ftöhlichen weilten sie darum auch nicht das sah ihren Zügen nur #u gut an.

Langsam wandte das junge Mädchen den Kops, als sie den Hera,mähenden hastigen Schritt vernahm.

Bei dem Anblick, der ihr ward, mußt,' sie nun allerdings mit beiden Händen nach dm vorher verschmähten Gitter staben fassen um sich barm ru halfen. Ihre Lippen öffneten sich wie zu entern unnniitürlidjen Aufschrei, legten sich bann aber trieber stumm autehimber.

Leben jedoch trat in bte eben noch so todes-

leeren Augen. Sie scknckfen dem Nahenden die angstvoll Nhende Bit:e entgegen, umzubrhren. Was wollte er hier? Ein betretendes Won konnte er ja doch nicht sprechen. Niemand konnte das

Walter Hüttich kehrte sich nicht an das rührend beredte Flehen in den tiefeingefuntenen Mädchen- äugen, bre jetzt in ber Erregung entert Abglanz ihrer früheren Schönheit zeigten. Festen Fußes trat er dickst heran an das Gitter

Er niefte Rena zu unb legte seine Rechte in begütigendem Druck aus die ihre, die sich aber nur fester, gleichsam abwehrend, an den Eifenstab an» klammerte. _

Tann umfingen seine Augen in Schmerz und Liebe die Ersck?einung ber aufhorckenden Blrndii Da sah er sie nun dicht vor sich, bte grauiarn Gezeickstiete, die gvausam Gesckstagure!,

Er mußte erst einen Sturm in seiner Brust Niederkämpfen, e^-e es in notdürftig beherr>chtem Ton van feinen Lippen tarn:

Magdalene Schumann arme, arme Mag­dalene --"

Nicht durch das Auge senken sich unveclösck)- liche Erinnerungsbilder tn die Seele sie nehmen shven Weg durch das Ohr. Dis Auge kann ver­gessen, es ereignet sich, baß es ohne alle Anteil- naljnie bleibt im Wiederbefristen einer Erschernung, bte in weiter Vergangenheit sein heißes Entzücken gebildet auch nicht das leiseste dämmernde Er- fennen zuckt au'. Im Ohr aber ist dies Ltimucken

da, sobald ihm ber fflang einer Hernals betau w- ten, vielleicht geliebten Stimme zuweht, mag auch das dazwischenliegend« Verstummen der jahr.ner- schlingcnbe Teil einer Ewigfeit gemelcn lern!

Ter Winden auf 'ihrer Bank erging es so, als sie die wenigen Worte des Teutschamerikaners vernahm.

Es riß sie von ihrem Sitz empor oor- gebeugten Hauptes stand sie da, gwtz so, als fei ihr Auge nickst tot, als Ebime es weiter forscken anr der Spur, die durch das Ohr anzebahnt worden war.

Ein Zittern und Schwanken war über sie ge­kommen einen Augenblick sah es aus, als rrvrbe sie jählings nidierftürgcn. Tann aber reckte sich ihre Gestalt noch höher auf, und die Entgei- ftcrung, von der ste überrumpelt worden war, wich aus ihren Zügen.

Eine heiße Lobe schlug darin ans, unter der eine wilde Leidenschaft heroorzüngelte So sieht jemand aus, für den endlich, endlich die Stunde der Abrechnmig gekommen ist, aur die er gewartet hat mit allen Kräften ferner verftnsterfen Seele:

Gedämpft zwar, aber gesättigt von jener Leidenschaft, fielen die Worte von den Lippen ber alten Frau:Magdalene Sckstcmann ganz recht so nannte man mich einst! So nanntest du mich, der du vor mir stehst! Ich weiß, fixer du bist! Ich habe dich am fflang der Stimme er­kannt, wenn meine Augen auch nicht nachsorscheu

können, ob die Seele reckst hat. Sie hat jedoch recht tausendmal ja!"

Ter Teutschamerikaner versetzte:Ja, sie hat recht! Magdalene, nach mehr als einem halben Menschenalter siehe ich dir zum erften Riale wieder gegenüber, ich bin über das Meer gevommen, um dich zu sehen und meinen Frieden mit txr zu machen"

In alle Ewigkeit will und werde ich kernen Frieden mit dir haben, Wal'.ec Hüttich!"

Ter Ton ihrer Stimme war in erschütterndem Klang ang.'schwollen, es lobte ivie ein unausgespro­chener Schwur darin, wie dec Schwur, treu zu bleiben einem Haß, der ihre geschlagen- und zer­tretene Seele allein noch aufrechlerhielt.

Magdalene, du ivillst einen Wall der Hoft- nungslosigk-tit zwischen dir unb mir auftürmen. Aber es ist noch kein Wftll in der Welt errichtet worden, der nicht schließlich doch ehrlich beigen Bemühungen erlegen wäre . . . Sieh, das Schick­sal hat dir seine schwersten Prüfungen geschickt"

Ja, das Schicksal, in das du mich hinein- gestoßen! Für jedes größte und kleinste Unglück, das mich traf, mache ich dich verantwortlich"

Magdalene"

Dich, dick! Für mein ganzes vergiftetes Leben dich allein!"

(Fortt'etzung folgt.-