Zweites Blatt
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durch fee jedem Naturgesetz widersprecheitden Gesetze mrr v.rgrößerte."
negST.S oollt ges, lüinit. niul'if- äug., ö. Heirat L Hei-
Der Klostermüller.
Eine Erzählung von Karl Neurath. Nachdruck verboten.) Fortsetzung 6.
So l’am es, daß jein Ansehen und fern Einfluß msmer melyr schwand, und daß er schließlich kaum nichr war als eine komische Figur, an bereit Schrullen man jeinen Spaß hatte. ES dauerte auch nicht teige und man lies» ihn den Hohn suhlen, er aber kehrte sich nicht daran und beharrte aus seinem Trotz und seinem Widerspruch. Da bei war er im Grunde seines Herzens eigmtlich schon anderer Meinung geworden, aber das offenbarte er nitmanb, nicht einmal seiner Frau, btc sich tn Änge und Harm langsam verzehrte.
Wenn ein Bries von einem ihrer Buben kam, 'tarn flackerte es vorübergehend aus tn ihr, dann teste sie wieder neue Hoffnung, abtr rasch brach <eS wieder zusammen in ihr, und in endlo er Ein verquälte sie sich Tag und Nacht. Am besten i^irs schon, man wär tot dachte sie ost und der- teanbfte die Hände im Gebet, aber ihr Ohr lauscht.' ^ei aus den Mühlbach, der sie laut und lauter tefte. Und immer häufiger gingen ihre Otebar» *n SU dem Wasser, das schäumend burd>6 M ühl- tatter schoßt dann aber ties und klar die Wie en tarchftoß. Sie malte sich alles aus bis inS kleinste, urd die Sehnsucht nach Ruhe lockte und lockte.
Sie sat) sich treiben aus der Flut, langsam Md lautlos unter den verwitterten Weid'n, bi? iFC struppigen Schöpse weit und lies über di'
fcoinmitrafte 15, *♦♦♦ ü. 24 Sag. Q., btji. . ei.q. ob. In «legt n. Zither. in btt t6lt b. (9.8. w
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Ganz Rußland einschließlich der Arbeiter würden das Land verlassen, n>.rtn es dazu eine Möglichkeit gäbe: doch ist jede politische wie wirtschaft- ltche Freiheit vernichtet. Heber die heutigen i'L - h ne wird folgendes mitg-atei t: „Der russische Arbeiter, ganz einerlei, ob Tagelöhner oder Gelehrter, erhält eine Monatsgage von 2400—4200 'Jtubd und außerdem in den meisten Fabriken md Werkstätten sowie bei den Sowjetbehorden bat sogenannten Pajok ,d. h. etwas Suppe und öftütze oder Gemüse täglich Natürlich kann er von dieser Ration nicht existieveu und ist gezwungen, sich bei Schleichhändlern oder aus der W Sulbarewka Lebensmittel zu kaufen. Wie nwit er datei mit ferner Gage kommt, mögen ialgenbc Schleichhandelspreise zeigen: Es lostet l Pfund Schwarzbrot 400 Rubel, 1 Pfund Weiß-
ffiable b.unigm )fl Waise u.t 3* )rtbe. Ab-Hem- a Siellnni tut -sahr., konmiein: jl S»r. ftgü K> an b. Gle^i ).,ge[nnb. <Vräuleti Dliue W, im Haa4 nfvtn.Wiin« rermößcn, roiinit« .jramnans^ ilitcinemSeog
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Avchcniiiche; aus dem Sowje räch.
Briefe aus Sowjetrußland vom Juni 1920, die wohl die authentischsten und anschaulichsten Schilderungen siivd, die aus diesem „Land des Gv- heinrnisies" zu uns gekommen, werden in dem ,,Grenzboten" veröffentlicht. Sie stammen von eawm feutschen Delegier reu, der in Moskau wirt- Hfefttidy Besprichungen gd,xtbt hat. „Die Wohnungsoer hältnisse der meisben L-eute in der Stoffe , heißt es c-i, „sind die gleichen, und zwar i wbnen mehrere Personen in einem Zimmer; vor Illen Dingen im Winter scharen sie sich in größeren Mengen nr.t einen ffeinen eifernen Ofen, um sich ruf die priniiti'oste Art zu ero?armen. Der Ofen t-irb mit Holz geheizt uns raucht furchtbar. Seife .st nickit vorhiade,t, so daß die Stadtbewohner im Vinter fast alle grau und schwarz von Ruß sind, velchen sie mit dem kalten Wasser unb ohne Seife eicht abwosr en llönnen Ueberhaupt sind ine Be- rriffe von Hygiene und ReinlichAnt in Rußland Derart geftilten, daß man von einem Bud oder Väscheiveäsel oder Geschirrwascl^nt kaum mehr spricht. Man inleressiwt sick) nur für das tägliche Sück Bwt und suclst. cs durch die nach wrtigen Wgrillen gefährlichst Spekulationen zu erlar.acn. Zcrrisseite Sti-of. l, zerfetzte Kleider, d.'fekte Wäswe sii7^ cn ter Dag. sordwmg Nur die Kam-- wunisten schwelgen im Luxus. Ich fand in allen Son-'.e^el tz-.'/n fee fegenaraite Sabotage. In Wirklich e t ist es ab?r keine Sabotage be.in jeder- '.rami ist infolge des von der ©oiv,et-regierung fei» .jtfebten immöglichQl G^st.ckts gezwungen, währ<nü) seiner Arbeitszeit private Nefe ibesck-äftigmtg zu mben, um sich sein tägliches Stuck Schstvarzbrot und vielleicht ein paar Kartoffeln! und für den Feiertag etwas Grütze zu erwerben. Oder m-nt
brot 700 Rubel, 1 Pfund Butter 5000 Rubel, 1 Pfund Schweinefleisch 2400, 1 Pfund Kartoffeln 120 usw. Wenrn er Kleider oder Schuh? braucht, so zahlt er für 1 Paar Stiesel 15—20 000 Rubel, Htr einen Anzug ca. 100000 Rubel usw. Im allgememen entsprechen diese Poeie dem Kurs, <innt.mi.fi* 00 man in Rußland für die deutsch? Mark be-
falÄS "E. So erhält man z. B. in Moskau für 1000
MenltlniX deutsche Mark 90 000-100 ODO Sowfeb-Rubel, so nitbiauSfleSiUi daß also, wenn man mit deutschem Gelde dorthin kaien.Lchl.tlii: inrtnit, ein Anzug ungefähr 1000 Mk., ein Pfund
an ben Eleb- futter ca. 30 Mk. kosten^ würde oder, anders
.... (i. uerb. ang! betrachtet, die Gage des ransischen Arbeiters einer Löhnmtg von 30 Mk. mvnatlich entspricht.
Gin eigenartiges Bild bietet die Sucharew- la. der alle Trödelmarkt, der früher in 5 Minuten barchschrirteu ivar und sich jetzt 4 Kifemeler lang inwicht. „Man kann dort alles kaufen. Am tetcressantes^en ist die :og. Btourgwisfercihe. Es ift dies die früifere Intelligenz, darunter dr russi- iche Adel, 'nelch? ihve letzten Sachen verkaufen. Man kört dort alle Sprack^eit, sieht, tvie die blassen kingeschiüchterten Gesichter chre chemaligeil Ball- Helten, seidimen Stfefelchm, goldene Uhren ufiv. rot Verkauf anbieten. Typisch, für das Proletariat ist z. B., daß man die schönsten Künstlcr-- Ilügel Mb so teuer ime ein gewöhnliches Gramme lipn Lauft, und beides für ein paar Mark im O-tgenfeU zu den märchMaften Gitnrmen für Le- tasmittA. Tie wohlhabew-en Russen, die früher, Komfort und Lurus anbelQNgt, wähl ine ver- towbnteftcn Leute der Welt waren, sind heute zn- 'ritten, tvcirn sie täglich etwas Scktwtrzbrot und ‘leige KartoffÄn 'fetten und man sie in irgente einem Zimmerchen in Ruhe läßt. So erhielt z. B. n® Bekamtter aus einer der angereheudsteu und tje .Bekcutnter aus einer der angesel)eni>s:en und aUetn ein Schloß bdrxümte, von bat Bclsck^ewisten ' u? seinem ciganm Hause als Wohnzimmer das Oouettezmrmer (Klosett!) angtinüfciu" Nicht nur tot Städtent, auch den Bauern geht es fd)faf)t, temjte bc^nranen ftlr chr Geld nicht die nob wmdtgsteit WerÄmge zu kaufet, 'fetten fein Petro- teurt unb Jeute giK>Dökrr «und köwwn aus Mangel ca Sal' ferne WrntervvrrLte aufbeten
spekuliert, .9. h. man ter (km ft etwas von seinen mtber erworbenen Sachen. Nach den SowiefeeseMt itbcnbi-.xh^h1 tnes strafbar. Der Hunger ist aber stärker als nk. nthtirh.i. Sow,etg:setz?, so daß man trotz der schärfsten k._lirbn.'g J Maßiüchmea nicht allein den Dieb stähl und die Spekulation nickst tezwinge.l konnte, fantern diese
(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, 17. Juli 1920
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Att» Statt «nd Land.
Gießen, ben 17. Juli 1920.
WaS man vom Obst wissen muß.
Die Obstzeit des Jahres gibt uns trotz der großen Teuerung doch die Mogtichk.it, diese köstlichen Gaten der Natur wieder in reicherem Maße zu genießen, und da verdierren eine Reihe von Tatsachrn Beachtung, die ein englischer Arzt, Walter M. Gailichau, zusammengestellt feit. Frisches Obst ist für den Körper wertvoll als ein milder Anreger der Bcrdauungsorgane und durch die Säuren wie minerallsch.n Substan.zen, die es enthält. Alle stark wasserhaltigen Früchte, wie Grdteeren oder Stachelbeeren, haben wenig Nährwert, da sie etwa 80 Proz. Wasser enthalten. Die nalxrhastesten Früchte, wie Bananen, Datteln, Pflaumen, Feigen und Wcintraubm, haben mehr als zweimal so viel Nährgctelt als Aepsel, Birnen, Kirschen, Erdbeeren usw. Eine gewisse Kraftmenge wird dem Körper auch durch den Zucker zugeführt, der sich in reifen Fruchten findet. Der Nährwert der frischen Frucht wird beim Kochen verringert Bei heißer Witterung wirkt dir Genuß von Obst am testen, wenn es gleich nach dem Pflücken unb in rohem Zustand gegessen wird. Da die Früchte durch ihr Aroma und durch ihr schönes Aussehen die Sinne anregen, so haben sie auch einen gewissen „psychischen Reiz", der das Mlgemeiu- teftnben fördern Fann. Die in den Früchten enthaltenen Säuren wirken auf verschiedene Men- sckieu ganz verschieden: sie nützen dem einen und schaden dem andern. Manche Personm baten z. B. ausprobiert, daß die Rhabarbersäure den Rheumatismus verschlimmert. AnderersTits wird wieder Aepfelsäure angewmdet, um rheumatische Seiten zu bessern. Zweifell-os reinigen die mineralischen und Säureinhalte der Frucht das Blut und verringern die Gefahren von Hautausschlägen bei heißem Wetter. Manche können die Säure der Erdbeeren nicht vertragen und reagieren mit einem Hanlausschlage. Metschnikow befeouptetc, daß das Essen von Erdbeeren in überreifem Zustande gefährlich sei. Die Fruchtsäfte wirken bei heißem Wetter besonders wohltuend: sie führen die von dem Körper geforderte größere Menge von Flüssigkeit in angenehmer Form zu und kühlen. Als die beste Zeit, um Fruchte zu essen, wird ter Morgen bezeichnet, und für Kinder sowohl tote für Heranwachsende sollte ein Teil der ersten Mahlzeit, soweit dies möglich ist, in ter Obstzeit stets aus , Früchten bestehen.
Landkreis Gießen.
* Großen-Buseck, 17. Juli. Ter Oberhessische Tau b stu mme n - Ve rein veranstaltet morgen feier ein Wohl tat igfeitsfe-mmerfest in der Gastwirtschaft Wagner verbunden mit Konzert, Tanz, Preisfchießen usw.
Kreis Schotten.
Volksbildung und Volkstheater.
Ober-Lais, 15. Juli. Pfarrer Weidner in Ober-Lais, dessen volkstümliches „Wilhelm Tell"-Spiel im vorigen Jahr bi” Aufmerksamkeit aller mit Volksbildung beschästigten Kreise erregte, tritt dieses Jahr abermals mit zwei Auf- fübrmmen in seinem Sprengel an die Oessentlich- feit. Nach Festgottesdienst in Uitter-Lais findet von Laien unter Leitimg und Mitwirkung schauspielerischer Kräfte des Darmstädter und Mainzer Theaters bei Glaslstitten eine Ausführung von „Glaube und Heimat" und ,^-oseph Heiderich" statt. Zu diesen Aufführungen wird die Festrede von Herrn Hassinger, dem Direktor ter „Zentralstelle zur Förderung ter Volksbildung und Jugendpflege in Hessen" gehalten werten, in ter dieser Führer ter Volksbilduugsben>egung in Hessen Ziele und Bedeutung der Volksunter Haltung für unsere Volksbildung barlegen wird. Gemeinschoft- lirfje Gesänge unb Lieder ter JugendDcreiiugung, sowie Verlosung einfacher ab.r guter Bilder werten den Nachmittag beschließen. In Ober-Lais reiht sich dann mr diesen Festalt ein Volksunterhaltungs- abend an unter Mitwirkung von Kammersänger Bischoff, Fräulein Gerta Dvppner, Ernst Long- heinz vom Landosth ater in Darmstadt und Fritz SÄotthauer vom ©tabttfexrter in Mainz. Gerate die glückliche Verbindung von Leistungen hervorragender Künstler mit ehtrr Volksunterhaltung, an ter die Laicn künstlerisch tätig mit beteiligt sind, zeigt, wie diese Aufgabe zu erfassen ist und es ftefet zu hoffen, daß die zahlreich anwefenden Geistlichen anderer Sprengel, tn deren Händen zusammen mit ten Lehrern die Pilege ter Volksbildung auf dem Lande rufet, diesem Beispiel zum Segen unserer Hessen-Heimat folget werten.
Kreis Friedberg.
•4 Bad-Nauheim, 16. Juli. Zum gestrigen Bericht über das Großfeuer in ter Altstadt ist nteh nachzutragen, daß ter Brand durch Kurzschluß ter in ten Gebäulichkeiten liegenten elektrischm Leitung entfernten fein kann. Es besteht auch die Möglichkeit, daß fercht eingefahrmes Heu
zur Selbstentzündung gekommen ist, zumal die Dachfenster möglicherweise Glasblafm entlxihen haben, die vielleicht als Brennspi'gel wirkten. Mit Sicherheit ist unter ten vorlieg'.nden Verhältnissen anzunehmcn, daß das Feuer nicht durch llnnvr- sichtigkeit verursacht worden ift. Ter Besitz.r der vom Feuer betroffenen G-'bäulichkeiten war nur mit dem alten Frfetenssatz versichert unb hat so großen Schadcm erlitten, zumal reiche Heu- mtb Strofeu)träte in der Scheuer aufgespeichert nxnen.
Ö Butzbach, 15. Juli. In Bürger- versammlungen will man die schweben dm kommunalpolitischen Fragen vor der breiten Oeffentlichkeit erörtern. Die erste Bürgerversamm- hing zeigte, daß man mit derartigen Veranstaltungen auf dem rechten Weg' ist. Ganrison- unb Wohnmrgsfragen, Wasserversorgung und Fried' hossfragen wurden in Referaten und fruchtbringender Aussprache behandelt.
Hessen-Rassau.
Dreister Bankschwintel.
fd. Frankfurt a. M., 16. Juli. Ein Hnbctounter ßknnter betrog eine hiesige Bank um 50000 Mark. Unter dem Namen Ludwig Feser ließ er sich ein Bankkorrtv eröffnen und hob ort einigen Tagen sein Guti'xrben bis auf 50 Mark ab, die er liefern tiefe Während des stärksten Gc- schästSverfehrs ließ er sich dann 15 Mark nir Auszahlung anweisen. Er begab sich aber mit der Amveisung nicht an die Kaf^e, sondern fügte der Ziffer 15,00 eine weitere Null hinzu und hinter tes Morr „Fünszefen" schrieb er das Wort „tausend" in Schieibmaschinenschrift wie auf der Anweisung, da unbegreislicherweise ter Bankbeamte hinter der Ziffer wie hinter dem Wort „Fünfzehn" einen größeren Raum sreigelassen hatte. Ter Fiälscher begab sich daraus an die Kasse und erhielt anstandslos 15 OGO Mark ansbezalslt. Ten gfed?en Sck:wintel versuchte er gleich darauf mit einer Anweisung über 35 Mar^ die er in 35 000 Mark fälschte und erhielt aucks diesmal ten Betrag. Der an geblickte Kontoinhaber Ludwig Feser ist in ganz Frankfurt unbdhnnt. Auffällig erweise laufen bei ter gleichen Bank noch drei andere Konten, wozu die Antpäge von ter gleichen Hand geschrieben wurden, uno zwar auf Namen, die alle ntit einem „F" beginnen, nämlich Fabig, Fuld und Frank. Auf die Ermittelung des raffinierten Gauners hat die Bank eine entsprechende Belohnung ausgesetzt.
sö. F r a n k f u r t a. M., 16. Juli. Die Sdadt- vevorDnettnversammlung nahm am Donnerstag abend nach mel>rstünd-iger Debatte eine Anzahl neuer Steuern an, deren Erträgnis dazu dienen soll, das für das Wirtschaftsjähr 1920/21 entstehende Defizit von 58 Millionen Mark aus- zugleichen. Zur Mmeinsührung Kommen: Eine Tienstaufmandssteuer (Dienstboten steuer), eine Wolmungsluxussteuer. Ganz erheblich in die Höhe gescknaubt wird die Hanssteuer, die auf die Mieter abgewälzt wird, die Gewerbesteuer, die Bergin, gungssdeuer, die Himvesteuer. die Pferdeluxussteuer (diese non 30 auf 500 Mark pro Tier), das Wassergeld und die Keferichtabftchr.
Gberhesfischer Kim*toerein.
Gießen, 17. Juli 1920.
Die letzte Ausstellung dieser Saison hat mit Recht die fee)ftiefen Künstler versammelt, um auch ili-nen Gelegenheit zu geben, ihre Arbeiten zu Schau und Verkauf zu bringen. Tie stärksten Arbeiten werten wohl drcrch zwei gleichzeitige Gemälteaus- ftdlungcn in Tarms>ldt fern geblieben sein. Aber bereits bei einem fluchtigen Rundgang sieht man bekannte gutfirn geilte Namen und auch die ausgestellten Bilder sind gröfeenteils von einwand- freier Qualität.
Glänzend gemalt sind die Interieurs und Stil leben von F. H u t fe - Bensfeim, zumial der Thronsaal, in dem die gedämpfte Farbigkeit ben ganzen Zauber historisch gewordener Prunki'äle auf» leuchten läßt. Ernst E i m e r--Darmstadt ist mit einem hoteerisck aufgebauten Doppelbilbrris „Großvater und Enkel" und einem,,Sonnigen Stübchen" vertreten, die feite fen starkes Können bestätigen. Sechr beachtenswert sind das Selbstbildnis von Walther I l l n e r - Darmstadt und „Der Dorfälteste" von C. Pfau- München, obwohl sie beite aus grundversckZietenen Ermstellungen entstanden sind. Ettrxrs stumpfe Bauernfiguren aus dem Schwarzwald $ei$t W. Balsam-Badenheim. Figürliche Kvmpositvvnen sind seltsamerweise kaum vorhanden, vielleicht, weil ten Hessen gerate die Eigenarten des Landschaftlichen reizen. In sonnig duftigen Tönen find die Landschaften von A. Bauer- und Anna Bayer- Darmstadt gehockten. Die lauft verklingenden UebergauMtö-ne s-M Abends hall Otta U b b e l o hd e - Gvvtzselten in seiner Landschaft „Aberld am Fluß" und seinem „Wintertag" fest. Man freut hch. nach langer Zeit wie ter einmal neben dem Zeichner Ubfelohde auch ten VLaler Ubbelvhde torirfegen zu Dunen. Der beliebte H. Z e r n i n - Eberstadt stellt ein reizvolles Vor- frichlingsbild und eine Bergwiese aus. Aus zarte Sttnmmng eingestellt sind auch zwei ausgezrichnet
gemalte Landsch'ften von E. B r ackt-Darm''<^t. .In gleicher Reife stehen die Landschaften von I. M üller-Tarinstadt, Marie S e y d - Dann, adt und C. FrieS-Ortenterg. Ten Uebeigang zu träfiigcren Tönen fintet Berta Strauß- Worms mit einer einfachen Landsckraft. In diefeu Zusam- menfeng sei aus die lickstüfenlutete blüfemte Wiese von H. B ehn er-Lang<m liingctoieicu. Martha Veite- Frichferg fehl mit ten „Tädjcrn" entschlossen einen Sdyritt weiter und teiont die gev- metrische Form, ivührend Gertrud ll bl mann- Tarm^adt und Fritz B v d e--O fenbactz die Landschaften in eigenem Formwillen umyestalten. (fer- tnib ll hl mann bleibt hierbei mehr tu s?lcufenltd> leiten befangen, während Fritz Bote in „Marz- Sonne" eine geschlossene Kon,zeption bietet, die auch ter modernen Kuustbestrebunaen Abgeneigte, nicht ablehnen wird. Aehnliches vernicht K. Bolz- Mainz durch eine kin)liche Prinrinvi.ät.
Man möchte gerne ten Lo^ckp2tt7v!iSmus starken und auch von den tzließener Aus'lellungsbe.* schickem ein kräftig Wörtlein sagen, aber es fällt nicht leicht, da ityre Arbeiten durchweg noch sehr unausgeglichen sind, zumal die von H. E. Stein bach, lwtz ersiaunlick-em Gelingen in cimclnen Arbeiten. Ties gilt auch von H. Geil fuß, W. Barthel, nicht so von F Rahn.
Aus gute graphische Blätter sei diesmal aus Raumnmngel nur summarisch hin gewiesen
Tic AuSsrellung ist nur uixü Lrrzt' Zeit geäfft net, sv daß ein Besuch) dringend yu emgxit'fecn ist. zz.
Der wlrtichastrdkM um $rantfurt a. M.
Dr. Otto Linse, Syndikus des Berbantes Mitteldeutscher Industrieller, schreibt uns:
Die Frage ter Bildung und des Ausbaues ter im Paragraphen 165 ter RrchSverfassurm vor- cefevmen Be zirkswirT scha stsr ät e te chäfe tigt im dlugetchlick in hohem Adafe alle an ter Zusammensetzung beteiligten und zur Mitwirftmg in diesen Körperschiften berufenen Kreise, also in erster Linie die Vertretungen der Arbeit>reber und Arbeitnehmer ans Jnduftrie, Grotzhoichel, Klein- femtel, Handwerk und Landwirtschaft, ferneben aber auch die Vertretungen ter Beamtenschaft, ber freien Berufe und ter Verbraucherscha ft in hohem Maße. Mährend die Erörterung über die Stärke ter Vertretung der einzelnen BerusSgruppen und inSbeson- tere auch über die Frage, h^.ch wen und auf welche Weise die Vertreter zu diesem Rat geioählt werten sollten, kaum übet das erste Stadium ter Er-- toägimgen 'hinaus gerieten sind, scheint über die die Frage, für welche Gebiete je ein Bczirkswirtt schaftsrat zu bilden sein wird, ein EbVerständnis unter ten zuständigen behördlichen Stellen erzielt zu fein. Danach sollen BezirkHwirtschaftSrate gebildet werten etwa für das Gebiet eines mittleren oder 'Heineren Bundesstaates otet einer pveußischerr Proviiiz. In einer v-or wmigen Tagen dmfth die Presse gegangenen Nottz winte bereits 'hingewiesen auf einen unlängst von ten hessischen Handelskammern gefaßten Beschluß, ter sich gegen diese Absichten wendet und gleichseitig anregt, rechtzeitig auf die zuständigen RegierungSsdellen ein gittertet halfen, daß für ten für Frankfurt a. M. und die anliegenten Gebiete zu biltenten Be.ziriZwirt- sckxlftsrat ein Wirischoftste^irk mit tem Sitz in Frankfurt a. M. geschaffen werte, ter alle zu diesem Wirtschaftsbezirk gefeireute ßantesteile un- geackstet ihrer bundesstaatlichen Zugchörigfet umfaßt. Dieser Borschbag nxnbet sich aßo gegen ben, in ter angezogonen Notiz erwähnten, schm im Fv- bnoar dieses Jahres mit ten Läntervertietern übrigens ohne Zuziehung von Hessen, besprxhenen Plan ter zuständigen Regierungsstellen, b:c Main- linie als Grenze aufzustellen uird das Gebiet südlich des Mains zu einem Wirtschaftsgebiet mit Mann hei rn als Zentvale und das Gebiet nörte Vianfeheim als Zentrale und das Gebiet nördlich des Mains zu einem WirtschistsfeHirr mtii Fron§- furt am Main als Zonwale zu schagen. Gegen diese Berliner Vorschläge Hafen inzwischen neben ten hessischen Hantelsvammern auch die für ten zu bildenden Mrtschaftstezirk zuständige n Interessenvertretungen von Jnduitrie und Hwrtel, Verband Mittelteutscher Industrieller, Mittelrhei-- nischer Fabrifenten-Verein, Zentralverband des deutschen Großhandels, Verbano hessischer Tedail- listeri-Vereine u. a. m. sowie die preußischen, int Wirtschaftsgebiet um Frankfurt a. M. ansässigen Hantelsvammem Stellung genommen. Sie sind, ebenso wie die fessischen H.indessfernmem zu einer AblÄmung des Berliner Projektes gekommen. Dabei haben sie sich von ter Erwägung leiten lassen, daß der wirtschaftliche Mittelpuntt ter Länder am Main unbestreitbar in Fvanksurt liegt und daß man, wenn man nack wirtschaftlichen Gesickstspim^ ten ein taten will, alles um biefet Mittelpunkt zusammen fassen muß, was schon jetzt wirtschaftlich te- fen neigt. Ein hervorragender Kemrer der wirtschaftlichen Verhältnisse ter in Frage kommenden Bezirke, Fabrikbesitzer Dr. O t t o R ö h m, D a r m- sstadt, rechnete gelegentlich eines vor den Vertretern der wirtschaftlichen Verbände unb Handels Lunmern erstattete,! Referates feerzn ten größeren
Ufer bängten, durch den stillen Wieiengrund bis hinaus zum Rheiu, ter sie dann in ferne grünen Arme nahm und sachte weitertrug — ganz sachte und sanft.
Wie ein großes unfaßbares Glück, wie ein* unsagbare Freude bim es barm über sie, und ihr» Blicke glitten zärtlich über das schimmernde Gewässer, daS in stehlendem Bogen über das Mühlrad sprang und ihr als letzte Zuflucht vorschwebte.
Manchmal dachte sie zwar an die Sette und an das Versprechen, das sie ihrem AeltR'M gegeben hatte unb es gab ihr einen Stich ins Herz, aber das wehrte sie rasch wieder von sich ab. Sie kannte ia doch nichts tun; höchstens, daß sie tem SeUchen etwas vermachte: mit ihrem yjiarm zu sprechen, diS fette ja doch Beinen Zweck; was der lagen würde, das wußte sie von üamferetn. Ater mit dem MKchen sprach sie und gab ihr mandxn Wmk, wie sie sich einmal stellen sollte im febm.
. Und ivenn sie so retete, dann tarnen ihr oft tränen in die Augen und ihre Stimme zittert-» fe'H. ttaen Schmerzcs^ Ater immer li'ter wurd tte das Mädchen, d-zs rief und schwer unter seiner Mutterschaft litt, und es durfte ihr Baum von ter te, am wenigsten abends, wenn d.'r Müller im Dorf weilte und sie einsam saß m ter großen Ätube, in der ihre fetten Buben groß geworden ivaren. Und jede Karte, die aus Frankreich hn- übrrfam, gab sie dem Mädchen zu Ic'en, b?vor sie sie sorglich in die Late legte, wo all's aufgehoben war, was ihre Kinder anging. Das erste Hemdchen und die ersten Sckzui-e, das erfte Schul
buch, ihre Kerzenkränzchen unb manches ander; liefe Andenken an somnge Muttersorgm unb bi'.«* tere Mutterfreuden Mit ihren Kind nm fett.' sie ihr Leten eigc. ticb erst cmgeftmg'n; mit tferm wollte sie es fe|chließen, rontn ss so tarn. Und so hoffte sie unb betete und harrte und gab sorglich aus ihre Träume adjt, wie sie es von jefer getan hatte, unb fand doch keine Rrche, nicht un Wachen und nicht im Schlaf.
Die ersten Schlachten waren geschlagm. Die Mock.m jubelten unaufhörlich Siege ins L'a'.tb, unb die Fahnen flatterten farbig am blauen Hochsommerhimmel.
Von ben Buben tarnen regelmäßig Brief:. in die Mühle Begeistert unb sieg-strunkrn schrieb ter Peter; schlicht unb ernst ter Ehristvf; sein Auge drang tiefer, als das des Bruders unb hinter all dem Jubel unb Kriegsrausch sah er das Elend und die Qual von Taufenden und Afertaufenden, fühlte er die brennenden Träum all bnr Witwen, all ter vaterlosen Kinder, die aferungslos in die allgemeine Freute einstimmten. Abn stolz war er auf das Eiserne Kveuz, das er sich errungm hatte, unb stolz war autf) der Vater, aber er sagte es niemand irnb spielte ben Preußmfvesfer wie seither. Es war ihm wie eine Freud:, daß fast das ganze Dors gegen ihn stand. Das waren ja alles Leimsteter, Herdenvich, das maulend, ater doch gehorsam hinter dem Leithammel herli'f. Mit denen wollte er nichts gemein hab'.n, und es war ihm ein Spaß, sie zu ärgern.
Da kam eines Tages ein Brief mit enter
seinen, zierlichen Aufschrift aus dem Feld m bi Mühle. Der Müllerin stand das Herz fast still, unb sie wendete ihn bestürzt, unb wagte lang: ntayr, ihn auseinander zu offenen. Hin unb her dreht sie das Matt mit scheuen Fingern, unb dann las sie, von einer Krankenschwester teilnehmend unb vorsichtig geschrieben, daß ihr Chrifüos mit zerschossener Brust in einem Feldlazarett liege, daß aber zu Besorgnissen vorläufig fein Anlaß sei. Unter dem Brief standen noch ein paar Zeilm, von zitternder Hand mühsam hingekritzell: ein Gruß an Vater und Mutter, ein Gruß an Haus und Heimat-
Fassungslos krach die Müllerin zusammen, er aber starrte mit harten gläsernen Äugen auf den Bries und schleuderte ihn mit einem Fluch zur Erde.
Ein paar Tage später brachte der Briefträger ein dünnes Päckchen in das Haus; es barg fee Hntterlassenschaft des ältesten Wehrum; ein paar Kleinigkeiten und das Eiserne Kreuz. Die Müllerin siel in schwere Krämpfe und lag tagelang ohne Bewußtsein; als sie endlich wieder zu Sinnen kam, da lagen ihre Augen tief und glanzlos unter der gefurchten Stirne, und die Rede kam ihr nur lallend vom Munde. In ihren zitterndm Händen hielt sie das eiserne Kreuz mit dem beschmutzten, blutfleckigen Bande und drückte es ost inbrünstig au die Lippen: nachts barg sie es mit scheuer Sorgfalt an ihrer Brust.
(Fortftvung folgt.)


