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Aus Stadt und £an&.

Gie ßen, den 17. Juni 1920.

Veranstaltungen.

Donnerstag, 17. Juni: Hotel Einhorn, SV, Uhr, Gastspiel Paul Buchwald. Schöne Aussicht, 8 Uhr, 2. Abonnementskonzect derReuhs- wehrkapelle. Lichtspielhaus wie gestern. Lichtspiele, Seltersweg,Vieine Frau, die Film­schauspielerin" undGaleotto".

LU. Von der Landesuniversität. In unserer gestrigen Notiz handelt es sich selbst- verstcndlia) um den Professor der Forst wissen schäft Heinrich Weber, der einen Rus nach Frei­burg erhielt; nicht der Volks wirtschaft, wie cs infolge eines Druckfehlers irrtümlich hieß.

** Billigere Schuhwaren! Die Schuh­warenhändler von Gießen haben beschlossen, m Anbetracht der derzeitig herrschenden Verhältnisse die Preise der Schuhwaren ganz erheblich herabzusetzen. Der Verein schreibt hierzu: Nach Ansicht maßgebender Fachleute dürste der Tiefstand dec Preise in der Lederindustrie bereits erreicht ober sogar überschritten sein. Die Pfälzer Schuhindustrie, die etwa 40 Proz. der deutschen Schuhwaren herstellt, hat ihre Betriebe zum großeii Teil stitrgelegt und wartet die Zeit ab, wo der Bedarf wieder stark einsetzt, so daß sich die Wieder­aufnahme dec Fabrikation lohnt. Im übrigen muß auch das Publikum den Vorgängen im Wirt­schaftsleben selbst kritisch gegenüberstehen und sich überlegen, daß nur das Rohmaterial, die Haut, gesunken ist, aber immer noch zehnmal mehr als in Friedenszeiten kostet, dagegen alle anderen Unkosten, wie Löhne, Fracht, Gehälter Mieten usw. gestiegen sind. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus dürfte daher das Vorgehen dec Schuhwarenhändler, welches ihnen immerhin größere Verluste auferlegt, anzuerkennen sein."

** Kohlenpreise. Es ist allgemein zu beobachten, daß die versorgungsberechtigte Bevölkerung, welche Kohlenscheine bereits in Empfang genommen hat, mit dem Bezug von Kohlen zurückhält in der Annahme, daß mit einer Reduzierung des Kohlenpreises zu rech­nen sei. Demgegenüber wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß zurzeit keinerlei An­zeichen vorhanden sind, die auf einen Preis­rückgang schließen lassen. Im Gegenteil ist er­neut eine Lohnerhöhung bewilligt und nur eine Preiserhöhung dadurch vermieden wor­den, daß das Reich den größten Teil der Lohnerhöhung übernommen hat. Die über die Kohlenmarktlage informierten Stellen sind übereinstimmend der Ansicht, daß wohl eine Erhöhung der Kohlenpreisc vorerst nicht ein­treten wird, aber auch mit einem Preisrück­gang vorerst nicht zu rechnen ist. Es wird des­halb den Bezugsberechtigten empfohlen, jetzt die trockenen Kohlen zu kaufen, als bis zum Eintritt nasser Witterung zu warten. Es wäre auch denkbar, daß später, nachdem gewerbliche Betriebe und ein großer Teil der Bevölkerung sich mit Kohlen eings- deckt haben, bichenigen, die mit dem Kohlen­kauf zurückgehalten haben, Schwierigkeiten in der Kohlenbeschaffung haben können.

** Ein 14jähriger Einbrecher. Ge­stern wurden in hiesiger Stadt durch Einsteigen in offene Fenster und unverschlossene Türen ver­schiedene Diebstähle ausgeführt, wobei dem Täter ein Geldbetrag von 3000 Mark, ein solcher von 31 Mark, ein goldener Kneifer, eine Lupe, goldene Ohrringe, 1 goldene Brosch 1 Rum ohne Stein 1 vergoldetes Armband, ein wert Willes Messer mit Nagelfeile usw. und 1 Paar brounlederneOffiziers» gamaschen in die Hände fielen. In dem ersten Falle wurde ein etwa 14jahriger Junae, der bar­fuß war, beobachtet, wie er durch das Küclienfenster .das Haus verließ. Bor Antauf wird gewarnt.

ans

** Fleisch-Verteilung. Die bei dem Mehgec Karl fttug, Marktplatz 23 abgegebenen Fleischmarken der 24. Woche werden von dem Metzgermeister Julius Rosenbaum, Kirchenplatz 4 beliefert. Fleischmarken dürfen für die Folge an den Metzger Karl Krug, Marktplatz 23, nicht mehr abgeliefert werden.

die erforderliche politisch? Rüfe gewonnen , können. Diesem Wunsche wird in voll Um Rechnung getragen werden, und schon in

** Orchesterkonzert. Zur Feier des fcrf'djähripttt Stiftungsfestes des Bundes Mr Pflege vvn Musik und Literatur, des Mitbegründers der Literarischen Gesellschaft, wird am Dienstag, den 22. Juni, abends 8 Uhr, in der neuen Aula ein Konzert stattfinden, zu dem der Bund gute mufi- kalische Kräfte gewonnen hat: Den von seinem öfteren erfolgreichen Wirken her in Gießen bekann­ten Orchesterverein und außerdem als Solisten Kon- zertsänger E. Schuchard (Tenor) und Musiklehrer lehrer W. Schüttler (Violine). Herr Schuchard wird das von der vorletzten OpernaufführungWalküre" her rod) in fnscher Erinnerung stehende Liebeslied Und bie Gralserzählung ausLohengrin" singen, während Derr Schüttler die F-Dur Romanze von Becthoveil und tue Faust-Phantasie von Sarasate als Violmsoll zum Vortrag bringen wird. Aus dem guten Programm des verstärkten Orchesters sei noch besonders envähnt die Egmont-Ouvertüre von Bee­thoven, Heimkehr aus der Fremde von Mendels- ,ohil und die Militärmärsche von Schicken. Um Nicht den hiesigen Musikfreunden die Möglichkeit zum Besuch eines in Anbetracht dieses reichhaltigen und guten Programmes so genußreichen Konzertes M nehmen, soll von Freitag, der, 18. Juni, an in

-Usl/alienhandlung E. Challier der Rest der Eintrittskarten und die Karten, die van den Mit-

Bundes und der Literarischen Gescll-

rJ"*1 «f^Mt sind, zur Deckung der hohen n.nh cc angemessemm Preis von Mk. 3

EL®m ^rtauft werden. Da nicht all-

* * » . Gelegenheit geboten wird, ein Streich-

"ut M'ter Besetzung zu hören, so fiSL besuch des Konzertes emp­

fohlen Nrerden. (Näheres liehe Anzeige.) r#- mYV.9UflC^bffrut)^c t'er Deut- ^ttjcn Volks parlei teilt uns mit: Um wich- tfge Fragen des tieferen Ausbaus und der ?)citcreii Organisation zu besprechen, trat Montag abend die Su<iendm>l»vk der TMischm V°lkSp-mc? in aufit orbentltd) »aHlrr.ch befucfeter Waiieberhcriamm- U-u» Ujter Settaö löteä «orfisenben, Obcrlehrrr flammen. Insonderheit der so den die Partei bei den bintcc uns liegenden Wahlen bestanden hat, ließ den Rerben der Mitglieder den Wunsch laut den, auch die Jahrgänge von 17 bis 20 zur politischen Ausbildung heranzuziehen sie durch vorlrerigc Zugehörigkeit za, ?mj gruppe mit Eintritt in das wahlber.-chiia'

nächsten Wochen setzen trotz der für politische Ber-1 ammlung wenig günstigen Jahreszeit dem Wunsche der Mitglieder der Jugendgruppe entiprechend die politischen Diskusfionsabende wieder ein. Zahl­reiche Anregungen gaben zu eingehenden Erörte­rungen Veranlassung, an denen sich außer den eigentlichen Mitgliedern der Jugendgruppc im bc- onderen Profesior Dc. Vigener, Landgcrichts- rat Schudt unö Parteisekretär Dr. Lutsch be­teiligten. Mit Freude konnte festgestellt werden, daß dec Sieg der Partei auch der Jugendgruppc eins große Reihe neuer Mitglieder zugefühct hat.

* Stenographie. Tie vorn Deutschen StenographenbundGabelsberger"' füc den Be­zirk Gießen am 30. Mai in Lollar veranstaltete Geschäftsstenographenprüfung hatte ein schönes Ergebnis. Es bestanden die Prüfung und erlangten hierdurch die Befähigung zum Ge­schäfts stenogcaphen in 180 Silben (10 Minuten Diktat): August Hirsch, Ernst Pfeiffer iGesell- schaft Gießen: in 150 Silben (10 Minuten Diktat): Alfted Mäher (Friedbergs, Fridel Balken, Heinr. Eanß, Karl Heß Tilly Hofmann, Helene Peter, Willy Reinhardt, Karl Böhm (Gesellschaft Gießen), Emil Grube, Heinrich Müller (Verein 1861 Gießen», Walter Schmidt (Gvoßen-Linden> Karo- line Pöst (Wieseck).

** I m Lichtspielhaus wird der vierte Teil des spannenden Abent-mrerfilmsI u d e x" nur noch heute gegeben, worauf die Direktion die Freunde dieser Filmserie besonders aufmerksam machen läßt. Die Fortsetzung ist vollständig in ich abgeschlossen und auch ohne die twrhergehenden Teile zu verstehen.

Landkreis Gießen.

-m. Inheiden, 16. Juni. Ein merkwürdiger Streik, an dem nur ein Mann beteiligt ist ist gestern abend hier ausgebrochen. Dec Gemeürde- chäfer hat nämlich seinen Dienst eingestellt und eine Herde ins Dorf gebracht, wo er die Tiere ihren Besitzern zustellte. Da sich auch viele aus­wärtige Tiere darunter befanden, brachte er diese in einem in der Nähe des Orts aufgeschlagenen Pferch unter, wo sie sich selbst überlassen warew Tie Gründe sollen aber nicht in Gehaltsforderun- gen zu suchen, sondern anderer Natur sein. Es handelt sich um einen Hitten, der bisher für seine Herde äußerst besorgt war, was der vorzügliche Zustand der Schafe beweist. Deshalb dürfte es der Gemeindevertretung nicht schwer fallen, die Diffe­renzen zu beseitigen, so daß der gute Hirte sich wieder seiner Herde annimmt.

Kreis Büdingen.

B. Burkhards, 15. Juni. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten in körperlichen und geistiger Rüstigkeit die Eheleute Stephan und Elisabethe Katbarine geb. Käiser. Dem Jubelpaar zu Gissen wurde eine kirchliche Feier veranstaltet, bet dec Kirchen- und Ortsvorstand ihre Glück­wünsche überbrachten.

na. Nidda, 16. Juni. Bei der Versteigerung des städtischen Heugrases wurden am Mon­tag in Nidda 52 000 Mk. erzielt. Vergangenes Jckhr mit seinen immerhin hohen Preiseit brachte 21000 Mk., während vor dem Krieg der gewöhn­liche Ertrag sich zwischen 4 urtib 5000 Mk. hielt.

Kreis Alsfeld.

np. Aus dem Ohmtal, 16. Juni. Tie Heuernte ift| in vollem Gange: das Ergebnis bleibt hinter dem vorjährigen wohl um ein Drittel zurück. Die lange Trockenheit und die kalten Nächte hemmten den Graswuchs: nur die guten Grundwissen bringen volle Erträge, die Bergwiesen '(Jabern dünnen, zurückgebliebenen Gras­bestand. Ter bisher schon hohe Preis des Heu­grases erfuhr bei den Versteigerungen eine Er­höhung um das Tappelte bis Vierfache. Die Qua­lität des Heues' ist bei der anhaltenden Dürre ganz. vorzüglich.

Kreis Lauterbach.

la. Schlitz, 16. Jüni. Wie der Lauter­bacher Anz." erfäihrt, wird die letzte Reichs­tagswahl 'hier noch ein gerichtliches Nachspiel 'haben, da der hiesige Wahlvereinj der Deutschen Vvlkspartei infolge einer Flugblattpolemik sich jetzt veranlaßt sie'Ä, gegen den Vorstand der hiesigen Ortsgruppe des- Hes­sischen Bauernbundes auf dem Klageweg vvrzugeihen.

sb. Schlitz, 15. Juni. Durch Wachtmeister Haust wurden am Samstag zwei Michnner ststge- nommen, welche einen aus einem Pferch bei Hün­feld gestohlenen Hammel an einen hiesigen Metz­ger verkaufen wollten. Wahrend crner der Hammel­diebe in der Günthergasse sestgenommen werden konnte, wurde der mckeve, der vorher Reißaus genommen hatte, in einer Scheune bei der Berle­burg verhaftet.

Aus dem Vogelsberg, 16. Juni. Infolge der anhaltenden Dürre macht sich ein steigender Wassermangel in den Flußläufen und den Wasserleitungen bemerkbar, der bereits zur Schließung bzw. Einschränkung mehrerer Be­triebe führte.

Starkenburg und Rheinhessen.

** Darmstadt, 17. Juni. In einigen: Müttern, auch in Oberhessen, war die Meldung zu lesen, daß dieHes s. Landeszeit un g" (früher Neue Heffische Bvlksblätter") am 1. Juli ihr Erscheinen einstellen würde. HierM veröffent­licht nunmehr dieHeff. Landeszeitung" folgende Erklärung:Gegenüber verschiedenen, teilweise auch von Zeitungen verbreiteten Gerüchten stellen wir fest, daß die Hessische Landeszeitung" ihr Erscheinen nicht einstellen wird. Sie wird es sich nach wie vor angelegen sein lassen, den nationalen Gedanken in unserem tassiscken Vaterlande ent­schlossen zu vertreten. Tie Schriftleitung."

ma. Mainz, 16. Juni. In Mainz und Uni» geglnb wurde in verflossener Woche rationier­tes Frischfleisch zu dein vom rheinhessischen VichhandlesveLband festgesetzten Preise von 12 Ins 13 Mark pro Pfund verkauft. Die große Mehr­zahl der Bevölkerung, besonders die minderbemittel­ten Arbeiter- und Heamtcnfamilien, haben das Fleiscb mangelsgeringcr Kaufkraft nicht gekanft. Aus Heideslieim N-ird berichtet, daß dort so viel rationiertes Fleisch nicht getauft wurde, baß ein Metzger, um das Fleisch nicht verderben M lassen, Dauerwurst daraus herstellre Terlei Er- ichknnmgen, die deutlich davon sprechen, oaß es seine Grenzest hat, wenn man dem Verbraucher alles aufhalsen zu können glaubt, sollten doch ?u d, tuen geben.

Mainz, 16. Juni. (WTB.) Wie der Polrzcibenckt meldet, wurde gestern in der öorHabt ein Auto angehalten, in bem sich 23 itDerDQrren tm Gewichte von 10 Zent- 11 uern jc^nnben. Die Insassen desselben wur- I den Df rboftPt. Die Barren üMb hnä 91.

Hessen-Nassau.

Riesen-Kokainfälschungen.

= Frankfurt a. M., 16. Juni. Die Kri­minalpolizei deckte nach wochenlanger harter Arbeit ein ganzes Rattenncst von Kokainfälschern und Verläufern des gefälschten Arzneimittels auf. Tic Fälscher stellten in raffiniertester WeiseOriginal"- Flaschenpackungen der bekannten Firma E. M e r d- Darmstadt her, versahen die Flaschen mit täuschend riachgeahmten Etiketten, Siegelmarken und Plom­ben. Der Inhalt bestand aus Borax imo ähnlichen Substanzen, denen eine leise Spur Kokain zu- gesetzt war. Hiesige Geschäfte gaben sich bedauer- lidfecweise zur Anfertigung der Siegelmarken usw. mit dem AusdruckE. Merck" her. Der Haupt- älschec, der 63jährige Schneider Alexander W e ß- o 1 o n s k i hatte ftch zudem noch eine Menge Re.zeptformulare mit drei fingierten Aerztenamen anfertigen lassen, die ebenfalls prompt geliefert wurden. Bisher sind in die aufsehenerregende Affäre 25 bis 30 Personen der verschiedensten Berufsklassen verwickelt und größtenteils verhaftet worden. Die Fälscher und Hehler haben bann das falsche Kokain echtes ist int freien Handel überhaupt Nicht zu 6oben durch Schieber in be­deutenden Mengen zum Preise bis zu 18 000 Mk. das Kilo absetzen lassen, während das echte schon zu 10 000 Mk. zu haben ist. Die Affäre zieht noch weitere Kreise in Mitleidenschaft. Es ist fest- gestellt worden, daß sich von den Fälschungen erhebliche Mengen im Handel befinden, selbst in Apotheken und Handlungen mit pharmazeutischen Erzeugnissen.

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Bad Ems, 16. Juni (WTB.) Gestern abend brach hier im HotelEnglischer Hof (Fürftenhos)" Großfeuer aus, welches die ganze Nacht an hielt, und nur mit Zurhilfenahme der Feuerwehren aller benachbarten Bezirke glücklich gelöscht werden konnte. Mehrere Nachbarhäuser wurden in Mit­leidenschaft gezogen.

Frankfurt a. M., 16. Juni. Der neue städtische Haushaltsplan weist ein un­gedecktes Defizit von 5 7 Millionen Mark auf. Zur Deckung dieser Riesensumme plant der Magistrat eine Fülle neuer Steuererhöhungen, bie sich erstrecken sollen auf: Realsteuecn, Haus- und Landsteuern, Waüergeld, Lustbarkeitssteuer, Fried­hofsgebühren, Hundesteu.rn, Kehricht- und Kanal- benutznngsgebühr. An neuen Steuern sind geplant: Wohnungs-Lux ussteucr. Biersteuer, eine Steuer aus Dienstboten. Die Troltoirreinigung soll in städtische Verwaltung übernommen werden, für ihre Durchführung wird dann eine besondere Straßenreinigungs-gebühr erhoben.

ht. Herborn, 16. Juni. Wie dasHerb. Tgbl." erführt, ist vsm Landesausschuß bestimmt worden, daß die Geisteskranken der Anstal­ten Weilmünster und Hadamar sämt­lich nach Herborn verlegt werden. Tie Für- svrgezögttnge kommen von Herborn ganz fort und es soll Weilmünster als Fürforgeanstcüt einge­richtet werden. Tie Anstalt Herborn wird somit wieder voll belegt werven.

hl. Kirchhain, 16. Juni. In der letzten Kreisansschußsitzung wurde eine ander­weitige Aufbringung des Schlachtviehs besprochen. Es wurde angeregt, die Schlachtviehablieferung auf die einzelnen Grundeigentümer nach der Größe des Besitzes derart umzulegen, daß für einen Hektar Besitz jährlich 75 Psund Schlachtvieh geliefert wer­den sollten. Allseitig war man der Ansicht, daß diese Umlage dem bisherigen Verfahren vvrzuziehen sei. Die Angelegenheit soll aber vorerst durch eine Kommission vorberaten werden und wird dann end­gültige Beschlußfassung erfolgen.

[1 Marburg, 16. Juni. Dem Magistrat gehört jetzt auch zum erstenmal eine Dame, die bisherige Stadtv. Frl. Oberlehrcriu Jahnow, an. Sie wurde in der gestrigen Stadtverordneten­sitzung in ihr Amt erngesührt und verpflichtet. Ferner genehmigte man eine Anleihe von 1280 000 Mk. zum Bau von 30 Kleinwohnungen hinter der Vorstadt Weidenhausen. Unter Zurech­nung der Staatsbeihilfen betragen die Kosten für eine Drei- und eine Zweihäusergruppe 1 364 700 Mark. Bei 700 Mk. Miete für jede Wohnung muß die Stadt jährlich noch rund 75 000 Mk. zulegen. Wie dec Oberbüraermeister mitteilt, liegen rund 500 Wohnungsgesuche vor. Für Notstands­arbeiten wurden 150 000 Mk. und ferner 10 000 Mark für die Begutachtung eines Projekts, durch welches die Wasserkraft der Lahn durch Anlage von 3 Kraftwerken nördlich und südlich, sowie in der Mitte der Stadt besser ausgenuht werden soll.

r. Aus bem Kreise Marburg. Nach- bem nunmehr bie Preise für Schlachtvieh einheitlich geregelt sind, sollte man meinen, daß auch bie Fleischpreise gleich seien. Demgegenüber sei darauf hingewiesen, daß im Kreise Gießen das Pfttnd Fleisch 9 Mk. tastet, während in un- uin'erem Kreise das Pfund Kalbfleisch 10,50 Mk. Rindfleisch 11 Mk. tostet. In Fachkreisen glaubt man, daß bie jetzigen Vie'hpreise ber Uebergang zur freien Fleischbewirtschaftung seien, ba sich bie Zwangswirtschaft nicht rn^hr lange halten könne.

Kirche und Schule.

B. Gießen, 16. Juni. Tie diesjährige all­gemeine Verfammluny ber evangelischen P farr er ber Provinz Ober'hbssen wurde heute in dem Konftrmandensaal der Jöhanneskirchc ab- g^halten. Nach gemeinsamen Gesang und einem t»n Tetan Engel gesprochenen Gebet eröffnete der Vorsitzende, Geh. Oberfonsistvrialrat D. Pe­tersen Darmstadt, die Verhandlungen, indem er zunächst der feit der letzten Versammlung ver­storbenen Mitglieder in der üblicken Weiß: ge­dachte. Sodann hielt Pfarrer Weber -Lang-Göns einen Vortrag überKirche und Gemeinschaft" Er führte aus, daß die Kirche eine große Gabe urrd Ausgabe in der Verkündigung des Evan­geliums und in der Verwaltung der Sakramente 'habe, eine Aufgabe ber sie sich in aller Treue wibmen müsse, auch gegen die Zeitströmung. Tie äußere Ordnung in ber Kirche soll in Ehren ge­fallen werben; auch die 9tbTjängig?eit vorn Staate t*abe manches Gute. Habe die Kirch? ihre Stärke, so sei diese and) bei bet Gemeinschaft zu finden. Sie könne sich auf die Schrift, auf Suffer u. a. berufen. Zu wünschen wäre ein inniges Zusammen­gehen van Kirche und Gemeinschaft. Der zweite Referent war Pfarrer Becke r-M arienschboß, der mehr Anbetung im Gottesdienst forderte. Tie Pre­digt sollte volkstümlicher und erbaulicher werden Sie braucht Krüik nicht zu fürchten, solange sie auf dem Boden des Evangeliums bleibt. Bei der Gemeinschaft fette es vreltach an religiöser rlese und Nüchternheit der Auffassung: Kirche unb Gemcrnschan sollen sich gegmieirig verstehen 'mb ichätzen lernen. In ber Aussprache, an der nch zahlreiche Herren beteiligten, Tarnen zu stim­mende und gegnerische Ansichten zum Ausdruck.

Gerichtssaal.

Die Gefangenencrfchießung in Thüringen.

Marburg (Lahn), 16. Juni. (Wolff. Heute morgen sand auf der Straße Eisenack Gotha bei den Orten Sattelstedt, Mechterstedt und Teutleben ein Lokaltermin des Kriegs­gerichts ber ehemaligen 22. Division wegen ber Vortamlnnisse bei Bab - Thal statt. Außer ben 14 Angeklagten waren auch 12 Zeugen und einige Sachverständige erschienen. Die einzelnen Tatorte unb bie Lage ber 15 Leichen würbe festgestellt. Die Aussagen der Angeklagterr stimmten wieder darin überein, baß auf bie 15 Gefangenen wädrcnb ihrer Flucht geschossen worben ist. Um 10 Uhr vor­mittags wurde ber Termin beenbigt. Morgen früh finbet bie Fortsetzung ber Verhandlungen in M ar> bürg statt.

Die Meuterei im Offenbacher Gefängnis.

sw. T arm stabt, 15. Juni. Am 18. April b. Js. haben bie Ana^lagten Hch. Tobi er, Otto Griesche, Jos. Malsy, Mich. Spachrnann unb Emil Hofmann, bie sich im Gefängnis zu Offenbach tu Untersuchungshaft befanden, versucht, nach vor­heriger Abmachung ben Gefaugenenaufseher Jvft zu übermütigen, um ausbrechen zu können. Zu bieiem Zwecke liehen sie sich vvn dem Auffeher Schreibmaterial bringen. Beim (Eintritt des I. lag Hofmann am Boden und markierte Kvampfe. Wahrend ihm ber Aufseher Hilfe leisten wollte, fielen bie Angeklagten über ihn her, überwäl­tigten ihn unb entriffen ihm die Schlüffe!. Sie flohen dem Ausgang $u, fanden diesen aber ver­schlossen. Hierauf versteckten sic sich int Kbosett des ersten Stockes, wo sie von ein getroffener Hll^ festgenommen und in Einzelhaft abgeführt wur­den. Tas Gericht verurteilte Spach mann, Tvbler unb Griesche zu 1 Jahr Zuchthaus. Doalsy zu 11 Monaten und Hofmann zu 5 Mvnaten Ge­fängnis.

Millionendiebstähle im Mannheimer Rangierbahnhof.

Mannheim, 16. Juni. Ein Riesen» Prozeß, dessen Dauer auf sieben Tage berechnet ist, hat vor Der Strafkammer begvmten. Wie an vielen anderen Eisenbahnknotenpunkten, so nxirbe in den Jahren 1918 und 1919 auch auf dem Mannheimer Rangierbahn Hof, ber zu ben größten Anlagen dieser Art gehört, in einem Umfange gestohlen, daß die Ersatzansprüche an die Bahnvcrwaltung nach Millionen zählten. Nun stehen 114 Bahnbedienstete unter Anklage, fast ans- nahrnslos Leute gefetzten Alters vvn vorher tadelS- freier dienstlicher Führung, die aber durch die Re- nolutton und vor allem durch das schlimme Beispiel der von der Etappe und der Front zurückflutcnden Truppen mit ihrer heillosen Vergeudung von Na» fionalgut aus der Bahn von Recht und Amtspflicht geworfen worden waren. Für die Plünderungen, hatte sich ein förmliches System heransgebildel. Won den Revisionsbnreaus wurde mündlich ober burch Telephon weitergemelbet, wenn Wagen in einem Transport waren, deren Beraubung sich be­sonders lohnte. Daltn wurden diese Wagen an einen geeigneten Platz gestellt, die Plomben erbrochen und dcnm nahm jeder was ihm paßte. War es Wein oder Champagner, dann wurden förmliche Gelage veranstaltet, unb es kam vor, daß bas ganze Per­sonal mehr oder weniger betrunken war. Schuhe, Fett, Margarine, Speck, Seife, Schokolade, Zi­garren und Zigaretten waren besonder» begehrt. Unmittelbar vor Beginn des Prozesses hatten noch die Eisenbahnerorganisationen an den Landtag eine Eingabe gerichtet, worin um N ie- derschlagungdesVerfahrens und W i e* deranstellung der Schuldigen gebeten wurde. Dabei ist aber zu berücksickttgen, daß eine große Menge von Anklagefällen schon durch die Amnestie von 1918 ausgeschieden sind und wettere 5060 Fälle im Laufe der Untersuchung gestrichen wurden. Dem Prozesse werden noch weitere folgen.

fn. Ein ganzer Eisenbahnzug Messing verschoben! Wenn es nicht in einet Gerickstsverhandlstng festgestellt worden wäre, daß aus dem Artillerie-Depot in Kassel eine Menge von 9000 Ztr. = 45 Eisenbahn­waggons voll Messing verschoben worden ist, man hielte es für unmöglich. Diese Menge entspricht der Gesamtlabung eines ganzen Eisenbahnzuges^ wobei angenommen wird, baß jeber Waggon eine Labung von 200 Zentnern ausgenommen hätte. Um welche Millionenwerte es sich bei biefer Riesenschiebung hanbelt, kann sich jeber ausrech­nen, ber weiß, was heutzutage ein einziges Pfand Messing kostet. Diese Riesen-Schiebung Mm Nach­teil ber Heevesverwaltnng ist nicht bie einzige; es waren bereits viele ähnliche oorausgegangen, als biese Schiebung burch die Ausmerffamkeit eines revibierenben Eisenbalinbeaniten, welcher einen ge­fälschten Eisenbahnfrachtbrief entbeckte, ans Tages­licht kam.Verschoben" wurden biese Riesen­mengen von Leuten, welche im Artillerie-Depot beschäftigt worden waren: Kaufleuten, Technikern und Arbeitern. Die Urteile lauteten auf 31 Jahr Gefängnis: der Hauptschieber hat eine Kaution von 100 000 Mk. im Stich gelassen unb ist ge­flohen.

Berlin, 16. Juni. Wie basBert. Tage­blatt" aus Dessau meldet, hatten sich drei An­gehörige des 1918 in Armentieres einguar» Uerten Lichtmeßtrupps 134 des Garde-ReservekorpS vor dem Deffauer Schwurgericht wegen der Be­raubung einer Schankwirtin in Armen- tteres zu verantworten. Die Aburteilung bet Sol- baten durch das Kriegsgericht war durch den Mck- zug und die Revolution verhindert worden. Das Schwurgericht erfaimte auf je zwei Jahre Gefäng­nis und drei Jahre Ehrverlust.

Sport.

Kiel, 16. Juni. <Wolff.( Zum ersten Mall seit Kriegsausbruch beginnt heute wieder die K i e - ler ®od)f. Die Segelregatten werden wieder vom Jachtklub, dem Norddeutschen Regattaverein und der Kieler Segdbereinigung veranstaltet. Ins­gesamt sind 58 Nennungen eingegangen, darunter eine schwedische Rennjacht. Die Regatten haben heute mittag 12 Uhr begonnen und finden am 23. Juni mit einer Wettfahrt Kiel-Travemünd, ihren Abschluß.

Vermischtes.

Berlin, 17. Juni. Dem ehemaligen österreichisch-ungarischen Bot­schafter in Madrid, Prinzen Karl Emil Fürftenberg, wurden, wie demBerl. Lokal- Anzeiger^" aus Wien gemeldet wird, heute in seinem Wiener Schloß Juwelen int Werte von 68 Millionen Kronen oe* stöhlen.

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