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Nr. HO

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170. Jahrgang

Donnerstag, 17. Zum 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univ. Such- und Steindruckerei R. Lange. Schristleltrmg, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verkitt dlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34mm Breit- örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf. Bei Platz­vorschrift 20°/? Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Sparsamkeit und Kommunismus.

Ohne Sparsamkeit ist ein wirtschaftlicher Fortschritt für eine Wirtschaftseinheit mag sie eine Einzelperson sein, eine Familie, eine Gemeinde, ein Staatswesen, einfach unmög­lich, undenkbar. Lebt ein primitiver Bolks- stamm in gesegneten Gefilden, so wird er ohne Sparsamkeit vielleicht buchstäblich von der Hand in den Mund leben, bei Naturkatastro­phen unbedingt in Not geraten mässen und einen Aufstieg auf eine höhere Kulturstufe un-^ möglich machen.

Der Bauer, der seine gesamte Ernte, die ihm gewachsen ist, verzehren wollte, müßte überhaupt schon im folgenden Jahre unwei­gerlich verhungern, da er eben nichts für die Aussaat, die weitere Aufzucht, erspart hätte, und würden alle Bürger eines Landes, das ahne Bearbeitung keine Nahrung spendete, in gleicher Weise verfahren, so wäre ein solches Volk in kürzester Zeit vom Erdboden ver­schwunden.

Was für die Urproduktion, wie Land­wirtschaft, Viehzucht, Bergbau gilt, trifft auch auf Industrie, Handel und Gewerbe zu. Das Ersparte nennt der Nationalökonom Kapital, das derjenige £eit des Vermögens ist, der als Produkt menschicher Arbeit wieder zur Neu­produktion, also nicht zum Verzehren, be­stimmt ist. Der volkswirtschaftliche Laie denkt bei den Begriffen Kapital und Vermögen in erster Linie nur an Geld, während Kapital.ge­rade in erster Linie Güter sind, deren Wert nur in Geld ausgedrückt wird. Wegen dieser unklaren Vorstellung wird es vielen so schwer, einzusehen, inwiefern die Ersparnis von Geld eigentlich ein Reicherwerden des Volkes in Sachgütern wie Getreide, Vieh, Häuten und andern Dingen bedeuten könne, ohne deren Ansammlung ein Volk, wie eben gesagt, nicht reicher werden, seine Produktion und so seinen Vorrat an Bedarfsartikeln vermehren könne, wodurch erst mancherlei Gebrauchsgegenstände zu schassen sind, die eine gewisse Behaglichkeit des Lebens ermöglichen, damit man nicht wie der Urbewohner der Natur ganz auf Gnade und Ungnade ausgeliefert auf Bäumen oder in Erdhöhlen wohnt, sondern einen gewissen Luxus genießt, ohne den selbst der Aermste bei uns nicht denkbar ist.

Was aber heißt nun sparen? Wer hun­dert oder tausend Mark int Jahre zurücklegt, die dann durch Sparkassen und Banken den Vergrößerungen der Unternehmungen zu­fließen, tut nichts anderes, als daß er auf den ihm in Höhe des ersparten B^rages zustehen­den Anteil an wirtschaftlichen Gütern ver­zichtet, die also nicht von ihm verzehrt wer­den, sondern der Bereicherung der Allgemein­heit dadurch zuk'ommen, daß die dem Konsum, also der Vernichtung entzogenen Güter für Erweiterungsbauten verwendet werden kön­nen. Wer einige hundert Mark erspart, wird nun so viel weniger Güter verzehrt haben, sei es, daß er weniger Kuchen, also Mehl und Getreide für andere Verwendung dadurch frei­ließ, oder daß er weniger Holz verbrannte, das nun zum Häuserbau verwendet werden wird, oder daß er sonst irgendwie einen Bei­trag lieferte. Daß man natürlich auch falsch sparen kann, ändert nichts an der Richtigkeit und Wichtigkeit des Sparens, denn int allge­meinen kann man nur sparen, was man et- behren kann, und die Institute, die mit den Ersparnissen arbeiten, müssen im eigenen Interesse für die nutzbringende Verwendung des Ersparten sorgen. Und wir sahen ja, daß ohne Ersparnisse Fortschritte unmöglich sind.

Was aber Hat das Sparen mit dem Kom­munismus zu tun? Kann nicht auch ein kom­munistischer Staat sparen oder vielmehr, wird er nicht besonders sparsam wirtschaften? Zur Beantwortung dieser Frage geben wir uns erst einmal eine ehrliche Antwort auf eine wei­tere Frage, wer denn eigentlich spart? Nun, niemand anders als der Egoist. Und warum spart er? Er will später einmal die Früchte seiner Arbeit genießen, wenn er alt oder schwach ist oder seine Freude an seinen .Erben erleben will. Der Staat aber, auch der.kom­munistische Staat, ist kein Wesen, das denken und wollen kann, das müssen die ihn bilden­den Menschen besorgen, die einzeln aber nicht der Staat sind. Wenn aber der einzelne im Sparen, was doch Entbehren heißt, nichts mehr findet, was ihn in Zukunft persönlich entschädigen kann, so wird er bald gerade ins Gegenteil verfallen. Das Wohl der Gesamtheit wird in den meisten Fällen ihm so uferlos fern liegen und so weltenfern erscheinen, daß der! menschliche Egoismus das Gegenteil von Spa­ren bewirkt. Warum sind denn die Staatsbe­triebe am unrentabelsten? Warum lebt man so gern und so großzügig auf Regiments­unkosten? Am liederlichsten geht man mit fis­kalischen Gütern um, wenn man dies unge­straft tun kann, was doch alle Revolutionen! und die letzte nicht zum wenigsten gelehrt ha­ben. Wenns flticht aus der eigenen Tasche geht,1

versteht mau großzügig zu handeln. Nur das Einzelinteresse bleibt in der Regel das Lebens- interesse, unbi jede Staatenform, die diesen Grundsatz verkennt, mitergräbt die Wurzeln chres Lebensbaums, womit natürlich nicht ge­sagt ist, daß zu den Wurzeln die doch nur am Lebensmarke zehrenden wilden Triebe ge­hören.

Eine Regierung der bürgerlichen Mitte?

Berlin, 16. Juni. (Wolfs.) Die Abend­blätter bringen zu den Mitteilungen des Vorwärts" über die Ministerkri- s i s noch einige ergänzende Einzelheiten. Dem Tageblatt" zufolge erklärten die Mehr­heitssozialisten heute gegenüber Trimborn nochmals, daß sie sich nicht von vornherein auf eine grundsätzliche Opposition festlegen, sondern erst die Taten der neuen Re­gierung und den Ausgang der Verhandlungen in S p a a abwarten würden. Trimborn habe darauf geäußert, daß er nunmehr das Kabi­nett aus der Deutschen Volkspar­tei, dem Zentrum und den De­mokraten zu bilden versuchen werde. Als Reichskanzler soll nach demselben Blatte nicht Fehrenbach in Aussicht genommen sein. Wie derLokalanzeiger" erfährt, würde ein anderer Zentrumsabgeordneter in Frage kommen. DieGermani a" ent­hält feine neuen Mitteilungen über die Kabi­nettsbildung.

Berlin, 16. Juni. (Wolfs.) Wie der Vorwärts" erfährt, sind die Verhandlungen über die Bildung einer Regierung der bürgerlichen Mitte heute vormit-- tag weiter fortgeschritten und scheinen unmit­telbar vor dem Abschluß zu stehen. Für chenj Kanzlerposten sei nicht T r i m b o r n, der sich auf die Rolle des Vermittlers beschränken wollte, vorgesehen, sondern ein anderer Zen^ trumspolitiker.

Berlin, 17. Juni. Heber die gestrigen V er- handlungenTrimborns teilen verschiedene Blätter mit, daß sich der genannte Zentrumsführer u. a. mit dem Vorsitzenden der volks­parteilichen Reichstagsfraktion in Verbindung setzte, .um ihn zu fragen, ob er das In stizm inisteriu m zu übernehmen bereit sei. Dr. Heinze machte die Annahme von bent Be­schluß seiner Parteifreunde abhängig. Diese ent­schieden sich in verneinendem Sinne. Die Deutsche Volkspartei, so soll erklärt worden sein nähme an der Zusammensetzung des neuen Kabi­netts nur insofern Anteil, als sie Wert darauf lege daß das Reichswirtschaftsministerium mit dem Geheimrat Wiederfeld besetzt inerte und das Reichswehrministerium einem Fachmann über­tragen werde.

Dr. Mayer-Kaufbeuren als Reichskanzler?

Berlin, 16, Juni. (WTB.) Tie Ger­mania schreibt: Staatssekretär Trimborn verhandelte am Mittwoch vormittag nochmals mit den Vertretern ter Meprheitssozia listen. Er mußte dabei feststellen, daß für die Teilnahme dieser Partei an ter Regierung zur Zeit keinerlei Aussicht vorhanden ist. Es bleibt also nichts wei­teres übrig, als das Aug-enmerk nunmehr auf die Bildung einer bürgerlichen Regierung zu richten. Trimborn brachte in diesem Sinne dem Reichs­präsidenten in erster Linie Fehrenbach als Reichskanzler in Vorschlag, der jedoch, obschon er allen Parteien genehm ist, aus triftigen Grün­ten glaubte able^hnen zu müssen. Darauf benannte Trimborn in Uebereinftimmung mit Fehoenbach und umter voller Billigung ter Zentrumsfraktion und des Parteivorstantes, die '^eute eine gemein­same Sitzung abhielten, den deutschen Geschäfts­träger in Paris, Dr. Mayer- Kaufbeuren. Die­ser Vorschlag fand die volle Billigung des Reichs- präsitenten, ter seinerseits sofort telegraphisch sich mit einem entsprechenden Angebot an Dr. Mayer wandte. Dessen Antwort steht zur Stunde noch aus. Nimmt er an, was' in parlamentarischen! Kreisen allgemein gehofft wird, darf inan eine befriedigende Erledigung ter Trimboruschen Mis­sion bestens erwarten.

Berlin, 17. Juni. Verschiedenen Blättern zufolge kann das Eintreffen Dr. Mayers in Berlin nicht vor Freitag erwartet werten.

Die voraussichtliche Kabiuettsliste.

Berlin, 17. Juni. In parlamentari­schen Kreisen spricht man von folgender Liste: Reichskanzler Mayer, Inneres Koch, Aus­wärtiges v o n N o ft i z (früher sächsischer Ge­sandter in Wien), Wirtschaft Wiedfeld, Fi­nanzen Wirth, Schatz von Siemens, Arbeit Stege rwald, Verkehr Gröner, Justiz Heinze, Reichswehr G e ß l e r.

Der Zusammentritt der Reichstages.

Berlin, 16. Juni. (Wolfs.) Der Präsi­dent der Nationalversammlung erläßt fol­gende Bekanntmachung: Auf Grund der Ar­tikel 27 und 180 der Verfassung wird .der neugewählte Reichstag berufen, am Don­nerstag, den 24. Juni 1920, nachmittags 3 Uhr, zusammenzutreten. Der Präsident der Nationalversammlung: C. Fehrenbach.

Die Abstimmung in Ostpreußen.

Danzig, 16. Juni. (Wvlsf.) Wie wir er­fahren, muß ieder stimmberechtigte Ostpreuße, der bisher noch nicht bei dem Abstimmungsausschuß seiner Geburtsgemeinte in die Listen der Stimm- Iterechtigten ausgenommen ist, bis spätestens 20. Juni bei der für ihn zuständigen Kontroll­kommission für die Volksabstimmung schriftlich oder telegraphisch Einspruch wegen nicht erfolgter Eintragung in die Listen erheben und zwar in folgender Form: Ich bin am .... in Kreis .....geboren, bin also laut Artikel 95 des Ver­sailler Friedensvertrages berechtigt, an ter Volks­abstimmung in Ostpreußen teilzmiehmen. Ich er­hebe hiermit Einspruch wegen Nichteinttagung in die Stimmlisten. Diesem Einsprüche füge ich in ter Anlage die polizeilich beglaubigte Abschrift meiner Geburtsurkunde bei. ... (Eigenhändige Unterschrift, Adresse.)

Falls der Einspruch telegraphisch erhoben wird, muß die Geburtsurkunde sogleich nachgesandt wer­den. Bei schriftlichem Einspruch empsiehlt sich die Absendung unter Einschreiben und durch Eilboten. Die zuständige Kontrollkommission für die Volks­abstimmung hat ihren Sitz in ter Kreishauptstadt desjenigen Kreises, wo der betreffende Abstim­mungsberechtigte geboren ist.

Die Notifikation der schleswigscheu Grenze.

B e r l i n, 16. Juni. (Wolff.) Der Präsi­dent der Friedenskonferenz hat gestern dem Vorsitzenden der deutschen Friedensdelegation die offizielle Notifikation der neuen sch les-» wigschen Grenze übersandt und mitgeteilt, daß die Alliierten das nördlich der Grenze ge­legene Gebiet Dänemark zuweisen würden.

Abzug der Franzosen aus Flensburg.

Berlin, 17. Juni. Gestern mittag san­ken in Flensburg die Fahnen der vier.alliier-» ten Mächte unter dem Jubel einer großen Menschenmenge. Als die Franzosen ab- 8 0gen, ertönten deutsche, vaterländische Lieder.

* Die deutsche Abrüstung.

Paris, 17. Juni. (WTB.) Die Kammer­kommission für auswärtige Angelegenheiten nahm einen Bericht Andrae Lefevres über die deutsche Abrüstung entgegen. Der Minister gab seiner Mei- fnung dahin Ausdruck, daß, wenn Deutschland auch gewisse Punkte des Frietensvertrages ausgeführt habe, es doch im ganzen genommen feinen guten Willen an bat Tag lege. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß es ter Entschlossenheit und der Uebereinstimmung unter den Alliierten schließlich doch gelingen werte, von Deutschland doch die vollständige Ausführung ter Bedingungen zu erlangen, die ihm auferlegt wurden.

Holländisch-deutsches Kredit- und Kohlen- abkommen.

Haag, 16. Juni. (Wolff.) Der Gesetzentwurf über das holländisch-deutsche Kredit- und Kvhlen- äbkmnmen ist ter Zweiten Kammer zu gestellt wor­den. In ben Erläuterungen heißt es:Auf Grund des Abkommens wird Holland einen zweifachen Kredit für Deutschland eröffnen, einen von 60 Millionen Gulden für den Ankauf von Lebens­mitteln holländischen ober niederländisch-indi­schen Ursprungs und einen zweiten von 140 Mill. Gülten für ten Ankauf von Rohstoffen. Für beide Kredite ist ter Zinsfuß auf 6 Proz. festgesetzt. Ms Unterpfand werden deutsche Schatzanweisun­gen bis zu einem Betrage von 200 Mlltonen Gül­ten bei der Niederländischen Bank deponiert. Die Rückzahlung des Lebensmittelkredits soll durch Verrechnung mit 25 Prozent des Preises für Koh­len erfolgen, die auf Grund des Abkommens durch Deutschland an Holland geliefert werten, mit der Maßnahme, daß Deutschland nicht mehr als höch­stens 20 Millionen Gülten jährlich abzuzahlen braucht. Es wird damit gerechnet, daß der Lebens­mittelkredit auf diese Weise in fünf Jahren getilgt sein wird. Der Rohstoffkredit muß spätestens am ,31. Dezember 1921 getilgt fein. Hierbei ist nicht bestimmt, daß die Rohstoffe nieder ländisck>en ober niederländisch-indischen Ursprungs sein müs­sen, so daß Deutschland auf ben vo rteilhaf te­sten Märkten laufen kann."

Wiederaufrichtung der deutschen Konsulate in Italien.

Berlin, 17. Juni. Wie derDeutschen Ml- gemeinen Zeitung" aus Rom gemeldet wird, hat die italienische Regierung die Wiederaufrichtung der deutschen Konsulate, auf die Deutschland Nach dem Friedensverttag keinen Anspruch hat, zugelassen.

Da; Kabinett Giolitti.

Rom, 16. Juni. (Wolfs.) Das neue Kabinett Giolitti weist folgende endgültige Zusammen- ftellimg auf: Vorsitz und Inneres, Giolitti, aus­wärtige Angelegenheiten: Graf Sforza, Kolonien: Rossi, Justiz und Kultus: Fern, Finanzen: Te­desco. Schatz: Meda, Krieg: Bonomi, Marine: Admiral Seechi, Unterricht: Croce, öffentliche Ar­beiten: Peano, Landwirtschaft: Michele, Industrie und Hantel: Alessio, Post und Telegraphen: Pas- aualine Vassalo, befreite Gebiete: Reineri, Arbeit: Labriola. Die Minister haben am Mittwoch vor­mittag 11 Uhr dem König ten Eid geleistet.

Die Neubildung des polnischen Kabinetts.

Warschau, 16. Juni. (Wolff.) Deutsch-Pol­nischer Pressedienst. Der Staatschef betraute den bisherigen MinisterpräsidentLN Skludskimitter Neubildung des Kabinetts,

Die Kabinettsbildung in Norwegen.

Kopenhagen, 16. Juni. (WTB.)Ber-- lingske Titente" meldet aus Kristiania: Die Rechte des Storthin^s erklärte sich bereit, die Bildung ter neuen Regierung zu übernehmen. Als Mitglieder ter neuen Regierung werden fol­gende Namen genannt: Haelsvorses Ministerpräsi­dent und Justizminister, Michelot Minister des Aeußem, Lykke Handelsminister, Riddervolte Jensen Unterrichtsminifter.

Ein Attentat aus den japanischen Ministerpräsidenten.

A m st e r d a m, 16. Juni. (Wolff.) lieber Neuyork wird aus Tokio gemeldet, daß auf den japanischen Ministerpräsi- denten ein erfolgloser Anschlag gemachL wurde. Der Täter, ein Japaner, wurde verhaftet.

Keine Aburteilung Wilhelms II.

Brüssel, 16. Juni. (WTB.) Havas. Auf eine Anfrage erklärte ter Minister des Aeußem, daß die alliierten und assoziierten Mächte nicht daran denken, den deutschen Kaiser rn con- tumacio abzuurteilen. Die Bildung eines Justiz- ausschusses, der mit der Bildung eines ständigen internationalen Gerichtshofes in Haag sich befas­sen soll, stehe, wie der Minister weiter ausführte, mit ter Frage der Aburteilung ober Auslieferung des Kaisers in keinerlei Zusammenhang.

Aus dem Reiche.

Republik Preußen.

Berlin, 16. Juni. (Wolff.) Der Ver- sassungsausschuß der preußischen Landesver­sammlung hielt.bei der Beratung der einzel­nen Paragraphen der Verfassung im 8 1 die Bezeichnung Preußens als Republik (nicht Freistaat) aufrecht.

Das Nachspiel des Kapp-Putsches.

Berlin, 16. Juni. (WTB.) Beim Unter­suchungsausschuß für die Märztv-gange im Reichs- Wehrministerium wurde gegen 691 Offiziere An­klage erhoben. Bisher ist in 307 Fällen ent-> schieten wurden. In 97 Fällen wurde auf Dienst­entlassung und Beurlaubung erkannt, ter Rest durch Versetzung und Nieterschlag erledigt. Um auch dem Unterpersonal zu seinem Recht zu vev-, 'Oetien und unrechtmäßige Entlassungen zu ver­hüten, tourte ein weiteres Referat für Beschwer­den von Unterpersonal mit einem Ofsizier, einem Unteroffizier und einem Zivilreferenten errichtet.

Obsteinfuhr aus Ungarn.

Budapest, 16. Juni. (WTB.) Wie die Blätter melden, hat Deutschland Ungarn 600 Waggons zur Durchführung der Obstaus- f u h r zur Verfügung gestellt. Ein Teil davon ist bereits unterwegs. Die Obstausfuhr nach Oesterreich und Deutschland hat bereits be­gonnen. *

Düsseldorf, 15. Juni. (WTB.) In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurde ein Antrag angenommen, daß die st r e i k e n - den städtischen Arbeiter unverzüg­lich aufgefordert werden sollen, die Arbeit wie­der aufzunehmen. Wer der Aufforderung nickt folge, soll entlassen werden.

Aus Hessen.

Neuwahl des hessischen Landtags?

rmk. Darmstadt, 16. Juni. Eine Neu­wahl des 'hessischen Landtags hat der Abg. Kiel (USP.) in einem Mittag an die Kammer geforbert. Ter Antrag, ist hauptsächlich mit ter Er-, llärung begründet, daß die jetzige Zusammensetzung ter Kammer bent termaligen Volkswillen nicht mehr entspreche und daß auch in den Staaten Bayern, Württemberg, Braunschweig usw. Neu- wählen statt gefunden haben.

Ter Staatshauptvoranschlag für Hessen ist, wie wir erfahren, soweit fertig ge- gestellt, daß er in Truck gegeben werten Sonnte und in den nächsten Tagen den Kam rnermitglietem «u- gestellt toerten wird. Ter Finanzausschuß Ser Kammer wird sich jedenfalls noch Ente dieses Mo­nats damit beschäftigen, so daß der Zusammen-, tritt des Landtags selbst für Anfan g des Juli zu erwarten ist.

Bekanntlich ist wegen ter Unmöglichkeit den diesjährigen Voranschlag von Seiten des Finals Ministeriums fertig zu stellen, eine Verlängerung des vorjährigen Voranschlags durch die Kammer genehmigt Worten. Wie roir, erfahren, wird nun in Anbetracht ter ganz unsicheren Finanz-- und Zählenverchältnisse die Frage aufgeworfen, ob es sich nicht empfic'hlt, überhaupt eine Verlängerung für das ganze Jckhr eintreten zu lassen.

Has dem besetzten Gebiet.

Der drohende Generalstreik.

Ludwigshafen, 16. Jüni. (WTB.) Tie Arbeiterschaft von Ludwigsttasen nahm gestern! nachmittag tn gut besuchten Versammlungen Stel­lung gegen die Verhaftungen ihrer Führer durch die Franzosen. Sie erklärte sich bainit ettwer stau­ten, daß, wenn die Führer bis Freitag abend nicht freigelaffen würden, ter Generalstreik für das ganze von den Franzosen besetzte Ge­biet (Pfalz, Hessen-Nassau Saarge«. biet) erklärt toerten würde.