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Samstag, 17. April 1920

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheisen)

M. 90

eamter

kommen.

rterbliebenen:

Fortsetzung

(NacUrruck verboten.)

ub

(Fortsetzung folgt.)

Truppen neu besetzten im übrigen nicht statt.

lme bei dem n ^en wir

Abg. Kunert trag seiner Partei,

eignet und würde haben, wenn dort

Turnen, Spiel und Sport.

Turnverein von 184 6. Auf das mor­gen stattsindendc Wett -und Schauturnen des Turnvereins in seiner Turnhalle (Oswald Garten) machen wir nochmals aufmerksam. Zu diesen Veranstaltungen haben auch Nichtmitglieder

Zutritt. .

Am Donnerstag, den 29. Aprrl, abends 8 Uhr, findet in der Turnhalle des Turn-

8 Jahrgänge ausdehnen will. Dem Unfug des Pri- vatfchuürc.ens muß baldigst ein Ende gemacht teer» den Das wünschen auch die Prioatschullehrer. Meine Fraktion wird wahrscheinlich dem Gesetzent­wurf im ganzen zustimmen, wegen seines wichtigen Grundgedankens, trotzdem uns die Fassung der ein­zelnen Paragraphen dies sehr schwer macht.

UnterstoatSsekretär Schulz stellt ftst, daß eine tveitgehende Uebereinftimmung in allen Parteien über den Gedanken der Einheitsschule sich heraus- gestellt hat. Die Frage der Konfessionsschule hat mit dem vorliegenden Gesetz nichts zu tun. Ich per­sönlich bin der Meinung, daß eine längere Dauer der Grundschule wünschenswert wäre, aber wir (müssen zunächst das Mögliche erreichet. Das Lehrerbildungsgcsetz liegt vor. Der Kapp-Putsch hat die Beratungen zur Reichsschulkonserenz gestört. Sie soll nunmehr stattfinden unmittelbar nach den Wahlen. Ihre Ergebnisse werden dann dic Reichs- schulgesetzgrbung ermöglichen.

§ 1 wird mit dem Abänderungsantrag der Mehrheitsparteien angenommen. Zu 8 2 bemerkt Abg. Mumm (D.-N.), daß den Privatschulen durch die Wegnahme ihrer Borschulen die Existrnz- möglichkeit genommen wird.

Abg. Frau Schmitz (Ztr.): Die Reichsregie­rung muß bei den Einzelländern darauf dringen, daß beim Abbau der Privatschulen Lehrkräfte und Schulleiter entsprechend entschädigt werden.

§ 2 wird nach Fassung des Ausschusses an­genommen.

§ 3 sieht vor, daß beim Abbau der Borschul­klassen entbehrlich werdmbe Lehrpero en auch ge­gen ihren Willen an öffentliche Volksschulen oder andere Lehransuallrn versetzt werden können. Der § 3 wird in der Fassung des Ausschusses angenom­men. § 4 will nur in besondTven Fällen Privat­unterricht zulas'en. Die von den Teufch-Nario- nalen imb Unabhängigen gefiel ten Anträge >ruf Streichung des 8 4 werden abgelehnt. § 4 bleibt nach der Fassung des Ausschusses unverändert, ebenso der Rest des Gesetzes.

Es folgt dic erste Lesung eines Gesetzentwurf.'s auf Aufhebung der Gebühren frei heil im Post- inib Telegraplien verkehr.

Tas ffie'rfc w rd ohne Aus'pvache in erster Lesung erledigt und an den Haurckousschuß ver­wiesen.

Nächste Sitzung morgen 1 lHjr: Interpella­tionen bttr. Eupen und Malmedy imb betr. bw polnische Berkchrssperre, außerdem Wochenhilfe und Bericht der Ausschüsse.

Schluß nach V28 Uhr.

Fußball. Auf dem neuen P. f. B.-Sport­platz Trieb treffen sich am Sonntag, 18. April, der Verein für Bewegungsspiele Gießen und der SportvereinMerkur" zum fälligen Diplomspiel. Da Wettspiele zwisckien Lokalr.valen stets span­nend un*b beide Mannschaften sehr spielstark sind, dürfte ein guter Sport geboten werden. Die drillen Mannschaslcn spielen morgens 10 Uhr, dic zweiten nachmiltags 2 Uhr und die ersten nacknnittags 3 Uhr. (Siehe Inserat.)

24. rch

Die Gräfin.

Roman von G. W. Applet01t

Ich .vandle die Karte um und sih, daß out der Rückseite, mit einem Blnsttst hinge kritzelt, ine Worte standen:

Formosa Ntanfions 1, Queens Gate.

So! sagte ich. Tas genügt. Wrc sah ine Dame aus?

Fesch, Herr Doktor. Ich kann es Ihnen ia sagen: sie hat mtr eine halbe Krönt gegeben.

Sot War es eine alte Dame?

Billy grrnste.

Bewahre. Herr Doktor. So schön, wie man sich's nur wünschen kann!

Tanke, das genügt. Sag' der Köchin, td) möchte so früh als tunlich spersen:

Billv verschwand, während ich meine Bude betrat und mich in meinen Lieblingslehnstuhl ivarf.

Was zum Teufel bedeutet das?" lagt ich mir.Es beginnt Gräfinnen zu hageln und daiu alles Fvangipanis. Ein wenig se ta:n ist das: und idj bin plötzlich zu einer solch wichtigen Per­sönlichkeit vorgerückt in diesem Bcnrk, wo bv be'sere Ebehälite ds Haup-k Vitali'c.. rin cs Ila'cktenbierv.-rkäusersa T. von mir nick Inders als von demQwick'alber" spricht. Es t". wu de - b-ar, alter Junge geht noch über bas Bohnen- lied, wie Mimms fügt. Es handelt sich bi um eine neue und gefährliche Erickteimrngsfvrm von Gräfin, wie ick? fürchte, die nicht ^Lem meinem Bi ly den Kopf verdreht hat, sondern^ tau i en» gegen eins zu wetten mit der Frau identisch ist.

von dem Dick heute mittag geschwärmt hat. Und jetzt wünscht sie mich zu sehen nicht später als els Uhr! Gerade spät genug um weiß Gott! ein Unheil anzurichten in ihrer Woh­nung zu Queens Gate. Uebrigens: Formosa Min- sions das habe ich irgendwo schon nennen hören. Aber in welchem Zusammenhang? Wohnt ein Bekannter von mir in jenem Binttel? Nicht, daß ich mid; erinnerte. Offengestandm scheint mir die Geschickte nicÄ ganz sauber zu fein. Dr: Situation ist nicht gewöhnlich, um nicht zu ugen ein wenig regelwidrig, und verspricht Aufregung, aber wohin treibe ick eigentlich? An _ welchen Klippen soll mein Schifflein^ießlich zerschellen? Vorsicht muß dein Motto sein, junger Mann! Schöne ©rärinnen sind nicht dir zulieb hinter dir her. wenn sie auch nicht so schlimm sein mögen: imb ich glaube nicht, daß du es unter gewöhn­lichen Umständen nicht mit einem wohlgezählten Dutzend von ihnen aunichmen würdeit; aber

Bei de'em Punk.e ang-langl, wurdm meine Ueoerlegungcn durch den Eintritl Billys unrn> brocken, der mir mitteilte, daß das Eisen aus Omi Tische ftehe

Tiefe Arbeit erledigte ich im Hcmdum drehen imb betret mein SprcdMmmer aus den Glock An­schlag.

An diesem Abend hatte ich, wie ich mich deutlich rrmrere, ungewöhnlich vill zu tun, und es wir bereit; halb K?hn Uhr vorüber, als ich

das Gas ausdrehte, die Glastür abschloß und mich aur die Suche nach einer Droschke madjte, die mich nach Queens Gate bringen sollte. Da Hörti ich hinter mir meinen Namen rufen. Ich wandt' mich um und sah mich Mimms gegenüber.

Freut mich, daß ich Sie noch getroffen habe, sagte er. Bin den größten Teil b*5 Weges ge­rannt. Muß Ihnen was mitieüen, Herr Doktor. Es hat heute abend wieder jemand Vorgesprächen, vor einer halben Stunde etwa.

Jemand? Was für ein Jemand? fragte ich.

Na ja, Herr Tottor. Wegen den Sachen von der Gräfin.

So, wirllich? Ich denke. Sie haben nichts hergegeben?

Her gegeben! Werd' mich hütm:

Nattrriich. Aber was hat fcer Mann gesagt?

Es war gar Gern Mann, Herr Doktor, lin­dern 'ne Dune, imb gerade das kommt mtr mrrf» würdig vor.

Ick) spitzte mente Ohren.

Kam sie gefahren? fragte ich.

Das glaub' ich, im Zweispänner sogar. Sie war ganz verbissen darauf, die Sachen geradm- wegs rnitzuschleppen.Nee, Madam," jag' ich, daraus wird nichts. Ter Bries ba nützt Ihnen wenig bei mir."

Was für ein Brief? Ich verstehe 2i: nicht ganz.

deutsche Nationalversammlung.

Berlin, 16. April.

Präsident Fahrenbach eröffnet die Sitzung nm 1 20 Uhr und teilt mit, daß ein Antrag nxgen Strafverfolgung des ?lbg. Braß nx*gen Landes­verrats usw. eingegangen ist. Er wird bem_ Ge- schästsordnungsaus chuß überrotexn. Präsident Keinen dick gibt sodann den Tod tes Abg. Kott- nann (T Nil.) bekannt. Die Abgeordneten erheben

Tas weiß ich. Dick, erwiderte ich: aber wünschte, ich hätte die Gräfin nie getroffm.

Ick) auch. Tein Berus wird dabei, wie fürdJte, zu kurz kommen. Nun, qui vivra, verra!

Damit verabschiedeten wir uns voneinand'r.

den durch Musikvorträge und Lirivr ausgefüllt. Nim fehlen noch zwei .strieger aus unfrei »tobt, nämlich Lehrer Mail Wols und Sattler Hermemn Merz, die sich in rufiifdxr Gejaiigenfcßaft b.*» sinden.

X Ober-Bessingen, 15. April. Am ver­gangenen Sonntag spnack, Partei ek, klär Hriler in einer össcmlidvn Versammlung d r Teutfchen bemohatifdicn Partei üöerTeiiwkrui- .Ker Dik­tatur?" Ter Redner juchte die SckiUd dn beiden Rechtsparteien und die des Bundes der Landwirte an Len bedauerlickien Vorgängen brr letztcm llLock'en nachzuweisen. Te.nokratie, nicht Diktatur vermög: wieder flhibe und Ordnung im Reickic zu sdrafsm und das Vertrauen des Auslandes zu ims zu fördern.

n. Scko 11 en, 13. ?lpril. Der Gesarntvoritirnd des Vogelsberger Höbeu-EIubS hol b*n ein stimmigen Beschluß gefaßt, in fein -in Wander- gebict zu Ehren seiner im F'lde gefallenen M i t g l i e b e t eine würdige EnnnrungS- Hätte zu fdjaffen zu in bleibenden G ch ichttnS an alle V. H. E.er, die ihr Leben für bi* Heimat ge­lassen haben. Gleichzeitig wird durch Aus ührun,t dieses Planes ein neu *s Wanderziel gridkiiteu für alle Zweigveveine, triten Gelegcirdeit gegeben wer­den soll, an der Stätte einen Grdenksrein oder irgend ein anderes sinniges Z.'ichen der Treue für ihre gefallenen Mitgliedrr zu errichten. Da bc- züglick) der "Auswahl eines gccign*tcn Platzes be­reits verschüdeue Vvrscksläg? vorliegen, so wurde ein Ausschuß bcflimmt, der alle Vorarbeiten bis zur Hauptversammlung erledigt und die er tcrmr einen fertigen Plan zur Beschlußfassung imvu- breitet. Auf jeden Fall wird ba'ür Sorge g'tva- gen werden, daß sich die Eriimerungsstatt' in leglicher Hinsicht dm Landsck-astsbilde in harmo- nischer Weise einfügt.

D Orientier g, 11. Apickl. Im Auftrage der Liga zum Schutze der deutschen Kul­tur sprach gestern abend in öffentlicher, von Herr« Hch. P fei sfer-Orlenberg, geleiteter Versamm­lung Professor S ch l a r b aus Pearsbura, zur Zeit in Gießen, über sein-iErlcbnijse int bolschewistrsd)en Rußland" Mit voller Aufmerksamkeit hatte die Versammlung dun Red- vier über 2 Stunden zugehört und dankte ihm für seine Worte und feine Liebe zum deutschen Volke mit lebhaftem Brifall. Eine Ortsgruppe brr Liga zum Schutze der deutschen thiltur wurde g'gründct, eine größere Anzahl Mitglieder aus allen Parteien und Schichten trat sofort bei.

Auf Anfrage T-r. Kötzsch (D. NH? ,oegen I Männerturnvevein- unter Mitwirkung des Bauer- Verweisung d.s Religionsunterrichts aus der jäck- scheu (^Gesangvereins und des Orchesterveierns statt, sijcheu Volksschule wi.d regierungsseitig g.ant-^Auf die Einzelheiten werden wir später zurück - wortet, daß aus Einspruch des Rria»sminifters kommen.

des Innern die iäcbvdje Rezicnmg eine Verord­nung erlassen habe, welche die Weiterertrilimg des Religionsunterridtts ermöglicht.

Es folgt die zweite Beratung des GesetzQtt- wurfes über das Enteignuugsrccht der Gemeinden bei Aushebung von Rai-onbeschräullungen.

Ter (ftesetzentwurs wird nackt den Anträgen des Ausschusses mit geringen Milderungen olflic Erörterung angenommen, ebenso in dritter Lesung.

Es folgt die -wei:e Lesung des (^ejetzentwuries betr. die Grundschulen und i'lufhebmtg der Vor­schulen.

Abg. Hellmann (S.): Tas Gesetz bietet uns das aller bescheidenste Minimum von dem, was wir fordern müsien. Wir hoffen, daß die Regierung uns bald eine sechsjälpnge Grundschule vorlegen wird, ebenso eine Vorlage berr. der Lehr erbildungs frage.

Abg. Rheinländer (Z.): Tas vorliegende Gesetz schasst Garheit über ben Begriff der Grund­schule. Ter Me<l>onismus des bijIrrigen Sd-ul- wesens muß zum Organismus werden. Auch die verschiedenen Le^hvertätegorien werden sich jetzt näher treten.

Abg. Tr. öltzsch (D. Natl): 'Die Abschaf­fung der Vorschule ist sehr zu bedauern. Wir hoben die allerfditoerftcn Bedenken geg»?n das Gesetz.

Abg. K i l z (Dem. > begrüßt das Gesetz als einen wirklichen Fortschritt. Die vierllassigc Grundschule ist dic richtige Grundlage.

Abg. Dr. R u n k e l (D. Bv ): Nicht die Grund­schule als solche bekämpfen wir, aber wie kann man einen Grundstein legen, ohne über den weitere« Bau sich Flor zu, fein. Die Bestimmungen des Ge^ setzes dürfen leine Anwendung auf dic Hilfsschulen für Schwachsinnige finden.

Vereine und Veranstaltungen.

** La u b a ch, 12. April. Am Samstag abend sand in Laubach, sowie am Sonntag nachmittag und abend in Ruppertsburg unb Freien­fee n je eine öffentliche Versammlung statt, in welcher der deutsch-aratiionale Parteisekretär Tr. Schmidt sprach, der vom Kappsch-n Putsch aus- ging, den er wie dic ganze Partei verurteilte. Er sei äußere Veranlassung zum Aufstand im Ruhr­revier u. a. Orten gewesen, die längst vorbereitet waren. Seit der Revolutton sei es in jeder Be­ziehung abwärts mit unserem Volk gegangen. Daß die Deutsch-nationale Bolkspartei und die Deutsche Volkspartei sich nicht bekämpfen, fei selbstverständ­licher Wunsch aller, die das Vaterland wahrhast lieben und die gemeinsame Gefahr von links ver­stehen. Mitglieder beider Parteien zollten dem Redner warmen Beifall. Die Versammlungen wa­ren gut besucht, verliefen würdig imb eindrucks­voll und brachten der deutsch-nationalen Partei, die hier eine Ortsgruppe hat, neue Mitglieder und Sympathie ein.

E. Laubach, 15. April. Nun sind alle Kriegsgefangenen von hier aus der Gefangenschaft zurückgekel/rt bis auf einen, namens Eh iilim Günther, ivelcher noch in russi.chcr Gefangen­schaft ist. Den Heimgekehrten wurden von dec Stadt Laubach ein festlicher Empfang und Will­kommengruß im Solmser Hof dargebracht, wormi sich alle Vereine beteiligten.

A Nidda, 12. April. Erst gestern abend konnte die schon lange geplante Begrüßungs­feier zu Ehren der heimg.'kehrten Zkriegsgefan- genen unserer Stadt stattsinden: wtgen der biet herrschenden Grippe mußte si' so lange verschoben werden. Der Saal im Gambnnus war überfüllt. Bürgermeister Eck von hier begrüßt: die Erschic- nenen. Tie Fe streb-' hielt Geh. Justizrat Röm- Held. Kirchen rat Werner von hier gckacht in feiner Ansprache insbe'ondore der g:fallenen Helden aus unserer Stadt. Jeder, der in Gefangenschaft ge­wesen war, erhielt vom Bernn Kriegshilfe em größeres Geldgeschenk und nn Palet Liebesgaben. Tie Firma Schäfer und Fischer hier hatte dazu 1000 Mk. gestiftet. Für alle Ehrungen und Gaden dankte namens der ebemaligm Gefangenen Lehrer Geiger. Die Pausen zwischen dm Ansprack/en wur-

(USP.) befürwortet einen An­der u. a. die Grundschule auf

nicht eine deutsche Abteilung eingebaut gen wäre.

Inzwischen ist der bei dem Zusammen­treffen mit einer französischen Patrouille bei Oberwöllstadt schwer verwundete, seinen Ver­letzungen erlegene Reichswehr-Leutnant Graf Kal nein unter gewaltiger Teilnahme der Bevölkerung Don der Friedberger Leichenhalle nach dem Bahnhof übergeführt worden. Tas Hessische Viinisterium des In­nern gibt jetzt eine Darstellung des wahren Sachverhalts, wie er auf Grund von beeidig­ten, vor dem Richlier gern ad) ten Zeugenaus­sagen von dem Jnfanteriesührer 11 in Bad- Nauheim übermittelt worden ist. Der Bericht lautet:

Der Leutnant Graf K a l ne i n von der 4. Es­kadron des Reichswehr-Kav.-Regts. 11 hatte am 7. b. M^s. den Auftrag, den Verlauf der franzö- sisck>en Besetzung festzustellen und ritt deshalb mit einem Vizewachtineistcr unb brei Mann im Schritt von Ober Wöllstabt nad) Nieder-Wöllstabt, wo sich «ach Ptilteilung der Landl'evölkerung Franzosen fanbm. Als biese Patrouille die Essenbahnunter- flyrung vor Nieder-Wöllstadt erreicht hatte, wurde sie von dem Führer einer zehn Mann starken fran­zösischen Patrouille mit vorgehaltener Pistole an- perusen. Fast gleidMcirig sprangen andere Fran­zosen von dem Bahndamm l>erab, wobei einer einen Schuß abtefeuert hat. Dies alles, während Graf ßalnein hielt und durch Hochlheben der rechten Hand auch feine Patrouille zum Halten veranlasste. Auf den Schuß l 'nb bas öinyifbringett der Franzosen scheuten bic Pferde der Patrouille und diese ritt in scharfer Gangart gegen Ober-Wöllstabt zurück. Hinter der Patrouille schossen die Franzosen 10 His 12 Sckwß her. Bei der am Wege liegenden idMhle hielt Graf Kalnein und mußte von seinen Leuten schwer verwimdet ins Haus gebracht wer­den Er hatte den Einschuß im Rücken imb den Ausschiß im Bauch. An biefer töblichen Verletzung ist Graf Kalnein am gleichen Tage in Friedberg gestorben. Durch die beeideten Aussagen aller Zeu­gen des Vorfalls ist nachgewiesen, baß bic deutsche Patrouille lei ten Schuß abgegeben bat. Eskann sonach nicht, wie von französischer Seite be hauptet wird, von einem Kugelwechsel bie Rebe fein; auch nicht von einem Einbringen ber an Zahl der französischen Patroullle weit unter- kgemm deutschen Patrouille (tiner Abteilung!) in die von französisckten Truppen neu besetzte Zone, indem diese Zone am 7. April gerade so wenig feft= stand, mit' an den folgenden Tagen, und die deutsche Patrouille, wie sie durch ihr Verhalten mimißver- füandlich MM Ausdruck brachte, sich lediglich bei den Franzosen über die derzeitige Abgrenzung der neuen Zone unterrichten wollte. Der Zwischenfall bei Nieder-Wöllstadt hat der hessischen Regierung sofort zum schärfsten Protest Anlaß gegeben.

3um Schluß teilt das Ministerium mit, daß eingehende, obiger Darstellung env- 'prechende Schilderungen des fraglichen Vor- qangs von der französischen Zensur unbeanstandet in den D a r m st ä d t e r B l ä t- terit «erschienen sind, unb daß bie fran-l fische Zensur stelle in Darm­stadt die eingangs genannte Veröffent­lichung bes Kommanbanten ber 37. Division aus Darmstäbter Zeitungen herausgestrichen hat.

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<38 '«terbliebenen P® Gießen.

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ver Grafen Hainan.

Zn oem Zwischenfall, der sich in ber Nähe von Frieoberg zwischen einer französi­schen ante) deutschen Patrouille ereignet halte, war eine Bekanntmachung Kommanoarv- tun verönenthd)t worben,

in der gesagt war:

Dte^er Vorfall beschränkt sich auf einen Mngel- wechsel, der tatsächlich stattgrfunden hat, im übrigen aber bn beiben Parronilleii nichts netter oerur­sachte. Er hat sich vielmehr in der von französische

Gberhesfilcher Kanftoeretn.

Gießen, 16. April.

Daß die Ungunst polittscher Verhältnisse auch den Kunstmarkt beeinflußt, erweist die augenblick­liche Ausstellung Berliner Kiinstter. Werke über­ragender Bedeutung sind kaum vorhanden, aus dem einfachen Grunde, weil man es scheute, sie der Gefahr eines Bahntransportes auszusetzen. Wenn doch ein Künstler besonderes Interesse beanspruchen Darm, so ist er vielfach nur mit einem Bild ver­treten, so daß sich in seine Art kein Einblick gewinnen läßt. Es föhnen daher nur wenige hevauSgegrisfcn werden, die mit mehreren Arbeiten vertreten sind. Da ist Ekcl-ard Reuter mit einer LandschaftLudwigstein" in Hellen, kühlen Tönen unb männlichen Akten, die verhältnismäßig aka­demisch geblieben sind. Daneben zeigt er Aquarelle, die an der Art des Mannes irre machen Hermann Dienz zeigt eine Reihe verschiedenartiger und verschiedenwerttger Arbeiten, die anscheinend aus getrennten Entwicklungsstufen heraus gegriffen sind und eine wachsende Tendenz zu erpresiionistischer Einstellung bemerken lassen, wie das Porträt eines! Zdomponisten, das mit der subjektiven Auffassung des Erprcssionisten Persönlichkeitswerie auszu­schließen sucht. Formal gut gegliedert sind die Landschastslithographien, von denen ein aquarel­liertes iarbircudiges BlattGleiberg" auch dem Kunstliebhaber älterer Richtung Freude machen wird. Alle Arbeiten tragen den Stempel eines oiel- verspiechenden Talentes. Starkes Können verraten die Bilder von Willy Brandes, von Martin Tro ft und Max Dürschke. Steinzeichnungen von großer Feinheit sind die Arbeiten von H. Hirzel. Aus die weichgetönten Blätter von Ru­dolf Brünnings Meßen) haben wir bereits bei anderer Gelegenheit fjingenriefen.

Nach längerer fett sind wieder Kleinvlastiken vertreten. Gutersaßte Tierbronzen von Joh. Rob. Koch, sowie die geschlossene Gestalt einerBaden­den" von Ködding (Gießen) 2z.

Ich machte meine übliche Besuchsrund' und kehrte Schlag sechs Uhr nach Hause zurück.

Mein kleiner Tiener kam mir m b:r Halle entgegen.

Eine große, elegante Dam: ist hier gcnxicn, Öerr Dokter, unb hat diele Karte da hrntcrlassm.

Ich fdjante daraus und las erstaunt die Worte:

La Contessa di Frangipani.

Elftes Kapitel.

Tas war allerdings verblüffend. Doch bc- rnübte ich mich, in Gegenwart meines flnnen Dieners Billy nicht bie Fassung zu verlieru und sagte, mit einem zweiten Blick aus bi: Karte, leichthin:

Ach so, ja. Hat sie dir irgend etwas aus- gttragen?

Ob Sie so freundlick) sein und sie heut: abend aufsuchen wallten, Herr Doktor, hat sie gcsigt. Dis um els Uhr fei ihr febe Stunde recht. Die Adresse steht hinten aus der Kart:,

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 50 vorn 16. April enthält: Bezug ber be­stellten Nährmittel. Ausschluß vom Handel. Dienstnachlichten. Feldberriuigung Geilshausen.

Bezug der bestellten Nährmittel. Die gemäß unserer Bekanntmackumg vom 18. März 1. I. bei den Klcinhandelsgesc^sten bestellten Waren können von den Bestellcm vom 23. Avril ab bezogen werden. Es entfallen aus die Nähr- mittelfarte B rote Farbe) Marke 64 100 Gramm Haserslocken (lose), 1.40 Mk. das Pfund, 500 Gramm Grieß, 0.92 Mk. das Pfund: auf die Nähr mittel karte C (blaue Farbe) Marke 74 50 Gramm Graupen, 0.71 Mk. das Pfund, 100 Gramm Teigwaren, 1.18 Mk. das Pfund, 250 Gramm Haserjlocken,/< in Paket wäre zu 0.65 Mk. für 250-Gramm-Paket und 1.22 Mk. für 500 Gramm-Paket, und/4 lose, zu 1.40 Mk. das Pfund. Bon einer Zuweisung in Kunsthonig unb Marmelade ist mit Rücksicht auf die erhöhten Preise (7.30 Mk. für das Pfund Kunsthonig und 6.20 Mk. für das Pfund Marmelade) abgesehen worden. Es findet die auf die Marken 63 imb 73 ber roten unb blauen Nährmittelkarten ausge­schriebene Verteilung nicht statt. Mit bcm 3. Mai 1920 verlieren bie Marken ihre Gültigkeit.

Metzger Lubwig Emil Sd>äfcr in Wieseck ist gemäß Verfügung des jrieisamtS Gießen wieder zum Handel mit Vieh, Fleisch und Fleisch­waren zngelassen.

Dien st Nachrichten des Kreisamts. Das Ministerium des Innern hat dem Verein für bic Wieberherstellung ber St. Lorenzkirche in Nürnberg bie Erlaubnis ertei.t, je 5000 Lose der 13., 14. und 15. Reihe der ihm zugunsten seines Vereinszn'ectes genehmigen Geldlotterie innerhalb des Freistaates Hessen zu vertreiben. Das Ministe­rium bes Innern hat dem Ausschuß vertriebener Elsaß-Lochringer (Landesgruppe Baden des Hilss- bundes für bie Elsaß-Lothringer im Reich) zu Frei­burg i. B. bie Erlaubnis erteilt, 10 003 Lose ber 1. Reihe ber von ihm zu veranstaltenden Geld­lotterie innerhalb des Freistaates Hessen zu ver­treiben.

l(ird>e ttnö Schule.

Bad-Nauheim. 15. April. Am Mitt­woch findet im Eloonorenhospiz h^er bie alljährlich tagende N i ebe r ro ö 11 ft ä b t e r. Kon seren- statt. Im Mittelpunkt ber VerlMndlungen steht das zeitgemäße Th?ma:Ter heutige Stand der Frage des Religionsunterricht^', über das Protefor Keller-Friedbrrg sprechen wird. Eine Abendmo'füssrier ani Abend vorher und eine MorKmandacht, gehal:en von Cberpfarrer Knodt- Schlitz, beide in ber Tankeskirche, geht der Tagung voraus, bzw. leitet sie'ein.

sich von ibren Plätzen.

Es folgen Anfragen. Eine Reibe von ^nrrigcn bleibt mierledigt, weil die ^bgcorbneten zur Ver­lesung bei" Anfragen nicht erschienen sind.

Auf Anfrage Jungnickel (So;.) /wgen Unterstützung nvileid.nder Gemeinden im sLch i.ch.-n Erzgebirge mit Beklcid.mgsgegenst änden ,vird re» tienmgdfritig gmutroortet. daß bie Reichsregierung ljch mit dem säck ischetr Wirtschistsminisier ins B>,----------- --------- . .

nehmen gesetzt habe. Diese werde im B.'r.'in mit Vereins von 1846 eine Gedachtnisieier zu iahten den Ortsbehörden eotl. eine besondere Hilfsaktion der für das Vaterland gefallenen Mitglieder ber enttarn. > Gießener Tur nerschaft -Turnverem und

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