Arrs Stadt «md La«d.
Gieren, bett 17. Febr. 1920.
Drohender Zufnmmenbrnch der deutschen Presse.
Die deutsche Presse steht vor schwerwiegLicke» Entscheidungen. Die '.Regierung Ivar aus Forderungen des Vereins deutscher Zettungsverleger nach der Richtung tätig gewesen, ein weiteres ständiges Steigen der Preise für das Druckpapier an zu halten. Die Papierfabriken zeigten Jedoch bisher nicht das erforderliche Entgegenkommen, und weitere erhebliche Preissteigerungen liefern die gesamte deutsche Presse einem trostlosen Zustand aus, weil Ausgleiche der Einnahmen mit den wachsenden Ber- teuerungen kaum mehr gefunden werden können. Der Aufgabenkreis aller Zeitungen würde ganz erheblich eingeschränkt werden, ja diele Unternehm»- gen müßten überhaupt zu Grunde g-efcm. Es gilt, die breite Oesfentlichkeit Bei Zeiten für diese Lage zu interessieren. Der Verein deutscher ZeitungS-- Verleger veranstaltet am 22. Februar in Weimar eine große Versammlung, in der als einziger Punkt „Drohender Zusammenbruch der deutschen Presse" auf der Tagesordnung steht. E>s ist eine Fruge, die die L-ebensinteressen des ganzen Bolles ongebt, und es wäre zu begrüßen, daß bis zu dem. gehanxten Zeitpunkt noch Mittel und Wage gefunben werden könnten, der ernsten Gefahr zu bogognen
Dem „Berl. LokalanzeiOer" zufolge beschtoß in Karlsruhe eine Versammlung des süddeutschen Z«- tmtgsverloger-Vereins einstimmig, die BepagS- preise für die Zeitungen vom 1. Apoil 19Ä) ab neu zu regeln, da die jetzigen Preise in feinem Verhältnis mähr zu den öerftefümg&bitat stehen.
Heimkehrer.
Rach telographischer Mitteilung der Gruppe Rhein hat das Durchgangslager in Gießen mit dem Eintreffen weiterer französischer Heimkehrer- Transporte zu rechnen: Am Donnerstag den 19. Febr., am Samstag den 21. $ebr., am Dienstag den 24. Febr. und am Donnerstag den 26. Februar.
♦* T ie Kr ie gsgef an gen en-H ei inte hr stelle sieht sich zu der (Mnrmtg veranlaßt, daß weder ton dem EntpstrngsauSschuß noch von ihr selbst oder dem Roten Kreuz in Gießen Tanz- MufHgimgen für heimfehrende Kriegsgefangene veranstaltet morden sind. Näheres stehe Änzeigen- teü.
Die Verdoppelung der Fahrpreise.
Tie DerdopPÄung der Sätze der P'rsonm-, Gepäck- und Expreßguttarife der deutschen Eis?n- bajynen ist zwar zum 1. März in Aussicht genommen, steht ober noch nicht endgültig fest. Nach langen Verhandlungen sind die Eisenbähnverwal- tungen hierin einig geworden. Ern Neudruck oder eine lieber)tentpdung der vorhandenen Fahri rrten ist im allgemeinen nicht möglich. Andererseits schlt es für eine Ausgabe von zwei. Fahrkirten für sch: Fahrt an den nötigen Beständen und an der erforderlichen Pappe. Um unter diesen Umstandm bi? doppelten Preise zu erhebm, sind g^visse Förmlichkeiten notwendig, deren Erfüllung nicht abge- schlossen ist. Im Fernverfehr wird das Kilometer in der vierten Klasse nicht weniger als 9 Pf. festen gegen 2 in den ersten Jahren d?s Krieges, in der man noch für 7 Pf. erster Klasse fahren fernnte. Die dritte kostet künftig 14,4 Pf., die zweite 23,8 M., die erste volle 54 Pf. Eine Reis? von Gießen nach Fvankftrrt a. M. wird etwa 6 Mk. in der vierten Klasse, 9,60 Mk. in bet dritten, 16,80 Mk. in der zweiten und 35,70 Mk. in dec ersten Klasse festen. Eine Reif? von Gießen nach Koblenz festet in den vier Klassen 10,60 Mk., 16,90 Mk, 37,90 Mk. und 63,20 Mk. Nach Marburg: 2,70 Mk., 4,40 Ml., 7,20 Mk., 16,20 Mart. Nach Berlin 52 Mk., 83 Mk., 140 Mk. und 312 Mk., alles ohne den ebenfalls vcrbopp'.ltm SchnellzugsMschlag mit 6 Ml. in der dritten imi> 12 Mk. in der zweiten und ersten Klasse. Für den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortverkehr und den Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorottverfehr sind wiederum niedrigere Sähe vorg'sehen. T« Fahrkarten müssen um gestern Pelt werdm. Es ist deshalb nicht möglich, hier die Erhöhung schon am 1. März dlttchzufühven. Sie wird wiederum einen Monat, wenn nicht zwei auf sich warten lassen.
Gegen die Erhöhung der Borlefungs- gcbühre«.
Ter Allgemeine Studenten-Basschuß an b?r Universität Gießen hat an den Präsidenten d?s hessischen LandesamtS für das Biloungswesen, Herrn Tr. Sttecker nachstehende Eingab? g?ridrtet:
Die Gießener Studentenschaft hat mit b?m größten Erstaunen erfahren müssen, daß ein' rund 50prozentige Erhöhung der Vorlesungsgeb üh re nander hiesigen Unfl>*rfiiü nicyt nur vorbereitet, sondern bereits zur Durch- fü’fynmg gelangt ist, ohne daß, die bett. Behörden sich vorher mit dem Studenben-Ausschütz in Verbindung gesetzt bzw. dessen Guta ästen über bi? soziale 3age dec Studentenschaft gehört haben. Tat Ausschuß der Gießener Studentenschaft mutz fin Bedauern über diese s Vorgehen aus- sprechen; er kann den Schritt der liesflschen fstv- gierung nichts weniger als demokratisch bezmch- nen.
Gewiß bertamt der AuSschatz bei der ha upt- sächlich durch die Umwälzung hervorgerufenen traurige« finanziellen Lage auch des hessischen Staates nicht die Not- toenbi gteit, durch Erhöhung der Vorlesungsgebüh- ren sich Mckreimcktzmea? zu schaffen. Er mutz jedoch fehl größtes Befremden darüber ausvrückm, doß die Erhöhung geradejebtimZroischen- Semester, das für Kriegsteilnehmer bestimmt ist, zur Durchführung gelangt.
In der Studentenschaft stellt nwt die Frage, ob hierin der Dank der Regierung und des Landes für bteiemyn best.che, die doS Glück hatten, jahrelang bie Heimat vor schweren Schadm schützen zu dürfen, im Vergleich zu beiten, bi? das Unglück hatten, nicht zum Kriegsdienst hevan- geiogtn zu wecken, sewdern schnell und billig ihr Studium zu beenden. Weiterhin wird mit Recht daraus hin gewiesen, daß es in Zikunft wohl nur noch Söhnen von Kriegs- bgw. Resoluttonsgenstnn- fent und Groß kbpitaksten möglich sein wick, zu studieren. Ob das im (sinne einer sich als demokratisch bezeichnenden Regierung lr?gt, be? dcn Grundsatz „Freie Bahn dem Tüchtigen" vertritt, muß bezweifttt werden. —
Der Ausschuß hat es für feine Pflicht gehalten, dos hessische Bundesamt ftst das Btldungsweßm von der innerhalb der Studentenschaft herrsch m- den Stimmung zu ueeterrizftfen. Der überastegmd-? Teil der Studaahmschaft «trxtvxt sich nicht aus begüterten Kreisen, sondern s-?tzt sich — darauf muß, nachtzeücklichst hingewtesen wecken — aus dem finanziell schwer ringenden Mittelstamd — dem geistigen Träger unserer Kultur — MMrunm.
Der Allgemeine Studentew-AussäTuß macht deshalb den Vorschlag — und crpacht brs ilaebeikiwt für das BiLnngs wesen, rerntekben nckherMttchen —, bei Studenten, dadurch ihre Teilnahme am Striae mehr als 4 Semester verloren haben, von eine r Erhöhung der Kvlleggelder ab- zusehe«.
Diotzn Ävg dürfte femu Bedenken tet geldlicher SxmW hervornsten, da die Zahl der m Bettacht fenrmotien Kriegsteilnehmer van Semester zu Semester sich start verringert «ni> in absehbaver Zett gew& 'oerschwint^t. .
Wie der Amkschutz erstchven hat, feTfen ftch ixe Sttckentra-AnsschSsse an den preußischen U«v?rsi- töten mit dem gleichen Ersuchen an den pv?utz. Äulfcdrwrexfkr gewandt haben. Für Gießen ist die plötzliche Erhöhung nach umfo befvemvlicher, als dem Gießener Studenttn-Dusschuß auf An- foage is einer vom Präs identen des hessischen Landesamtes für das Bi l- dnngswese« veranlaßten Zuschrift des Rektors vom 21. November 1919 nretgetrilt wurde, daß ,chie in den Kreisen der Gießener Stubentens chast bestehende Befürchtung, da h in allernächster Zeit eine Erhöhung der B»r-- kesnngsgebühren betwrgrundlos" sei!
Bera»stalt»«ge«.
Dienstag, 17. Fckr.: ©tabifbeater 6 Uhr: Zar u. ßimmeunajm. — Dentschckemokr. Partei 8 Uhr AcpZarrnm Mttglttderabend. — Lichtsptet- SXMß „Lwurrmäuschen". — Lichts ptete SetterS- weg „S)te Heroin der 2Mt HL TÄl.
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** Overhessische-r Knn stver<rn. Die AuSstelkung der z^stlackeuvsthgung 3-StLckbun» ist as&er von 11—1 Uhr auch morgen urachnrittag tum 3—5 grSWntt. Dieße AuSvellZcug ttsrbt nur kurze Zeit.
** Die Wocheukartosfelmenye wird ab Mittwoch den 18. FsOruar 1920 (7. Woche) auf vier Pfund erhöht. Die WochenkartoffeL- marken Nr. 1 bis 40 der 7. Woche werden beliefert bei Carl LöSsack, W^tz-Anlage, Fritz Rumps, Zozelkgasse, I. Krack, Rtegelpfab, Konfumvere«, sämtliche Filialen, I. Weisel, Sonnenstvaße, Ed. Weisel, Schrttstraste, Heinrich DrechSter, 'Stein* straße. Die Kartosselmarken können bis einschließlich Sonnabend den 21. Februar 1920 eiagelöst werden.
** Tas Orchester des Deutschen Jugendbundes Gießen gab am Samstag unter Leitung des Herrn Richard Mulch in der Aula des Gymnasiums sein zwei'es Sbwrt.. Tos reichhaltige Programm mürbe eröffnet durch einen Schube«marsch zu vier Händen (op. 51 Dr. 3), der von Irl Schon und Frl. Schmoll recht gut durch- sefühct wurde. Daran reihte sich das Flöten- qunrteti D-Dur von Mv-art, in dessen Magno zwar die Beglestung manchmal zu wünschen übrig ließ. Ferner trat R. Mulch als Solist lFlöte) auf, von K. Welter ebenbürtig bereitet. Beiden mucke reicher Beifall gnollt. Den zweiten Teil des Ko n- zeutes füllte der Vortrag der 11. Symptzsnte (Mi- ktarstzmphanie) von Hayden auS. Unter der treffe lieben Leitung tarn es zu eixrr todelbasen Wtetzer- gabe der MilNarstzmMwste. Ter reiche Beißrll war berckstigt.
** Lichtspielhaus, Gtest«, Bahuhof- fttatze 34. „Das KaviarmäuLchen" ul «ne richtige Opertete mit Filmvorstellung durck erste Kräfte Berliner Theater. Die Gchaugstexte sind >Origchal-
dichtungen von Hans Kräly und vertontLurch Originalkompositionen von Carl Alfvedy. Sie werden »argetragen durch ein Ensemble guter Sänger und Sängerinnen. Das Zusammenspiel zwischen Gesang, Musik und Darsteller und die Illusion sind vollständig, wie denn überhaupt die Leistungen weck über den durchschnittlichen Darbietungen des Kinos stehen. Auch wer sonst kein Freund des Kinos ist, wird hier auf feine Kosten kommen.
Landkreis Gieften.
O Grün berg, 16. Febr. In seiner letzten Sitzung genehmigte der Gemeinderat den vor- gekgten Ortsbanpiian für das Gelände Höfenttänke- Heege. Vorgefehen ist hier für einen späteren Termin der Erwerb eines an der Hösenttänke liegenden alten Hauses, womit sich der Besitzer bereit erklärt hat, zur besseren Straßendurchführung. Die Bullenhalter hatten Erhöhung ihrer Vergütung beantragt. Nach Feststellung der Zahl der Kühe ergibt sich, daß die Stabt einen Bullen abschaffen kann. Dies wird beschlossen und her dadurch ersparte Bettag ftll als Wehrvergütung bewilligt werden. Für bte städtische Fuhrwerkswage werden die Gebühren, welche bisher kaum die hohen Reraratur- kosten deckten, bett ZeitverhÄttnssen entsprechend erhöht. Stenerzeit war der Antrag gestellt, die Kastaurenbäume am Dvtkmalsptatz, welche den An- kstgern Luft und Licht sperren, zu befettigen und an ihre Stelle Kugeiakazien zu pflanzen. E- wurde dies abgelehnt, dagegen sollen die Bäume stark beschnitten werden. Die LeSholzkarten, bce bisher für Minderbemittelte ausgestellt wurden, wurden allmählich immer trott weiteren Kreisen begehrt. Deshalb sind zunächst sämtlich? Karte» aufter Gültigkeit gesetzt und in der nächsten Sitzung soll unter Zuziehung doS Forstpersonals über ihre ne»c Ausgabe beschlossen werden. Die Fürsorge für die Gräber auf dem Ehrensrietchos, der sich inmitten des angewcmeit FriedhosS befindet, übernimmt die Stadt.
n Inheiden, 16. Febr. Beftn Holrnwchen tm Wakde Vervnglü ckte heute der hteftge, an- ftmgs der 40er Jahve stehende, verheiratete Bäcker Parr. Er wurde von einem fallenden Bcwm ge- truffen und erlitt schwere innere Verletzungen, die feer llebersühnrng ins KvanLuchous nwh Hungen notwendig machten.
* Watzenborn, 16. Febr. A» Sountag- nachuttttag sand hier ein außerordentlich «ndrucks- voller Borttag des Herrn Dr. Schlarh aus Gießen statt, zn dem zahlreiche Besucher auch ans den Nachbarorten gekommen waren. Die Ausführungen des Redners machten tiefen Eindruck und f&nben starken Beifall Im Anschluß an den Vorttng bildete sich eine Ortsgruppe der ,Liga zmn Schutze der deutsch« Mtnr", der Dtele als MftMeder beihxtten.
Kreis Bst-ingen.
Der Berkaus oberstefsischer Brarmkohöen- aruben.
v. Ge i tz - N i d 8 a, 15. Febr. Das unweit unseres Bochnhofs gelegene Braunk'ohlen- bergtoerT, das tat her HapterfebrKObev-^chmit- ten von W. ustb I. Mvuftrng, A.-^., und den Verein der chemischen Industrie in Mainz ver- 1a*X wurde, beschäffttzt gegenwärtig beinahe 100 Personen, und soll bedeutend erweitert werden, doch werden dem Vernehmen nach die gerooomenen Kohlen nur für die FabrrkenderKäu- fer verwendet werden.
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A So9b en, 14. Frbr. Der Arbeiter Wichum Scharch von hier oernnglückte aus dem Him- melsbachfchen Sägewerk beim Verladen von schweren Bohlen. Die beinahe volle Ladung kam vom Bahnwagen ins Rutschen und traf den Verunglückten so schtrer, daß das eine Bein fast völlig zergnetscht wurde. Bewußtlos wurde Scharg vom Platze getragen und in bte Klinik nach Gießen gebracht. Das Bein wird wahrscheinlich amputiert wecken — Rentner Ludwig Hoffmann verkruste seine an der Niddaer Straße gelegene Villa an Papiersabrikant Staffel in Nidda für 55 000 Mk. — Die Gemeinbejagd unserer Gemarkung wurde an Konsul Engler in Bad Salzhausen für 1850 Mark verpachtet. Bisher betrug der Pachtpreis 310 Mark.
Starkenburg mrd Rhemhesfen.
Der Lluckcskonrmiffar der besetzten hessischen Gevtetsteile.
Darmstadt. 16. Febr. (Wolff.) Wie die „Darmstädter Zeitung'" mitteflt, ist der Provinzial- dttektor der Provinz Rhei nhe s s en, Geheimrat Best in Mcrtnz, unter Belassung in ferner Dienststellung und der Bezüge aus derselben zum Lan- deskommissar der besetzten hessiiehen 9k, bietzfeoüe ernannt nxb als solcher ermächtigt worden. die hesissche Aegimu»g und sämtliche hesstscheu Behäcken des besetzten Gebietes gegenüber dem Detetfterten der Hohen .Kommissiou bei der Rhein- promnz und de« Oberkommando der fttrnHöftschen Rheinartn« tu Mainz zu vertreten.
Kreis Metzlar.
** Dutenhofen, 16. Febr. Der wfte Mai- kSstr ist am Samstag 8 Zentimeter unter der Oberfläche -rnsgeftrnden «rocken. Tos früh^eittg- Gewitter bei Lauterbach und die frühe Ankunft der Maikäfer bedeuten hoffentlich °Mt gutes Jahr.
Hessen-Nassau.
Raubmord im Frankfurter Stadtwald.
= Frankfurt a. M., 16. Febr. Durch ehte holz sammelnde Frau wurde heute nachmittag im westlichen Teil des zum Besetzungsgebiet ge- ^hörenden Stadtwaldes dte Leiche einer gut gekleideten, etwa 25jährigen Dame aufgefunden. Tie Leiche wies mehrere Stichwunden auf, auch fehlen verschiedene Gegenftände, so daß ein Raubmord vorzuliegen scheint, lieber die Persönlichikeft der Ermordeten fenute näheres noch nicht ermittelt werden.
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X Hanau, 16. Febr. Der Inhaber der vollziehenden Gewalt Generalleutnant v. Stolz- manu hat Druck und Vertrieb der in Hanau erscheinenden „Freiheit", Organ der femnra* nispschen Partei Deutschlands, wegen eines Artikels „Die Gehälter der Nvskiderft' erneut auf die Dauer von 4 Wochen verboten.
au. Frankfurt a. M., 16. Febr. In dar Adlerwerken kam es am Samstag zu Wei folgenschweren Explosionen. In-Werk I explodierte ein fahrbarer Karbidkessel, wobei ein Arbeiter lebensgefährlich verletzt wurde. In Werk II in der Schmiedeabteilung ging dann ein Benzintank in die Lust. Hierbei wurden drei Ar bester schwer verletzt. Der Sachschaden ist in beiden Fällen bedeutend und wttd auf 20 000 Mk geschätzt.
mc. Frankfurt a. M., 16. Febr. $n dar letzten acht Tagen vereinnahmte der Magistrat an Billetsteuer aus Karnevalsfestlich- weit über 30 000 Mk. Das ist eine Zahl, die zu denken gibt.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
** Das Amtsverkündignngsblatt Nr. 23 vom 16. Februar enthält: BerordniMg betreffend Ueberwachung von Press?erzeugnissen. — । Das öffentliche Anschlägen von Druckschriften. — | Familienunterstützung für beim Durchgangslager Gießen eingestellte Militärpttsvnm. — Ausschluß oom Handel mit Buch. — Ausbruch der Pferde- raube. — AöaßregÄn zur Unterdrückung des an* ftedeaben S checke febarrhs des Rindviehs. — Felo- tcreinigaing Wi-eseck, Großen^Linden, Ktern-Lin- ben, Lumda, Reinhcrrdshain.
Das Neuerscheinen von Tageszeitungen und sonstigen periodischen Druckschrifterr sowie Druck und Äerttieb von Flugblättern ist verboten.. Ausnahmen unterliegen der Gntehrm- gung der Landespolizeibehörde.
Das öffentliche Anschlägen von Druckschriften. Druckschriften ohne ltt^ter- schied ^dürfen, ob dies gewerbsmäßig geschieht oder nicht, -nur cm solchen Stellen öffentlich angeschlagen oder angeheftet wecken, welch? von der Ortspolizeibehörde als hierzu geeignet bezeichnet worden sind. Eine Austvchrne machen nur amtliche Be- eanntmachulnyen öffentlicher Behörden, die der vorstehenden Beschränkung nicht unterliegen. Abgesehen davon, daß. durch den geradezu zum Unfug gewordenen Anschlag von Druckschriften verschiedenartigsten Inhalts an Häusern, Laterneumasten und dergleichen das Sttaßenbild verunziert und der Eindruck der Unordnung und Willkür 'hervorgeruftm wird, 'handelt es sich dabei meist um die Veröffentlichung von Druckschriften, au) denen weder Name und Wohnort des Druckers und des Verlegers oder Versass-ers angegeben sind
Zum Handel mit Vieh ist gemäß Beschluß des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 5. Februar Adolf Stickel von Mendorf o. d. Äurnda wieder zugelasfen.
Der Ausbruch der Pferveräudc ist unter den Pfecken des Heinrich Klos zu Harbach- Wilhelm Lepper zu Beuern, Fritz Lützeaberg, Mühlenbesitzer zu Grvßen-Buseck, Ludnng Vogel zu Gvoßew-Buseck, Konrad Krieg zu Linvensttuth und Abraham Mondheim, Handelsmann in Atten- Buseck, sestyestellt worden.
GorrchtrsaaL.
Der ous^eraubte Schießplatz.
rm. Darmftadt, 16. Febr. Bor der Darmstädter Sttaffemmer standen am Samstag 5 Angeklagte aus Lampertheim, welche, beeinflußt durch bi* Revolutionsereignisse im Jahre 1918 an der Ausräumung des Schießplatzes des Jns.-Rgts. 118, der damals geräumt und ohne Aussicht geMvben war, teilgenommen haben. Etwa 25 weitere Angeklagte werben demnächst noch abgeurteilt. Tte AngeÄlvten haben sich dabei Militärgewehre ungeeignet imd in unberechtigter Weise die Jagd crusgeübt. Sir hatten sich dort vollständig eingerichtet und werden wegen Diebstahl bestraft. Jak. Grünewald zu 1 Jahr 6 Monaten, Peter Hammer, vorbestraft, aus Worms, unter Einbeziehung einer wegen eines anderen Diebstahls erhaltenen Sttafe zu 2 Jahren 4 Monaten, Joh. Hamm zu 2 Monaten 2 Wochen, und die beiden Jak. Wüst und Friedr. Griesheimer zu je 3 Monaten und 2 Wochen Gefängnis. Alle sind etwa 20 Jahre alt, Taglöhner, und wohne» in Lampertheim, von wo sie den Schießplatz bei Rosengarten leicht erreichen konnten. Der außerdem noch beschuldigte Karl KLth aus Worms ist flüchtig und wird später abgarrteilt.
Seegespenftec.
Roman von LnnyBothe.
Cepy*«trt IW* by Kwy Leiyee.
(Nachdruck verboten.) 9w**m8 U.
Es war totenstill in der StxSe. stttrr das schwere Atmen des Kranken schwebte berdr den Raum und dann nach eteer Weile seine ffarAe
Stimme:
„Arme Estrid, du bist ungltEpcher als uh. Mein Weg wttd bald vollendet fern und bis duchtn wird Sölve bei mir ausharren."
„Dein Kind?" fuhr er ganz sanft fort. „Ein Knabe ist e$?"
,La, Jngewart, er ttägt bebten Tovnen. Ans daß sie mtt stets lebendig blecke, meine Schuld in® Sühne ."
Die an Schluchz«! rang es sich ans des K»w-
„Meinen Namen," flüsterte er, ,/>u hast meiner gckacht? Jngewart, der kleine Jngav«t? Du wirst rbn rufen mft meckern Ruunen und ich wecke nie bei dir vergessen sein?"
Nie, Inge wart, bat. verspreche ich brr."
Mit unendlichem Mitleid sah der Kremte ernt baS junge Weid, bas noch immer vor ihm nff d« «grim lag Seine decken müden Hände legte er n*e tntm Segen auf das geliebte blonde SyuiyV
Ilm dieses Kindes willen," spreä> er langsam trrtb feterlich, „das dein H?rr Esttck, auf cke rechte Bohn leitete, soll dtt ver^cen iv
A»ch, der dem Haupt und dem Hav^ treff* ^’*"
er möge sich in Segen äuckdetn, so lange Mckter- licke baren wnndeit, denn Btutterttebe ist heilig "
«Lstrck beugte sich crufschluchtzent) über ferne Hand und drücke ihre zuckmcken. Lipck» hwairf Er fühlte SstrckS heiße Tränen und mrkdwte Früh- lrngckegen löschten sw den letzten Rest bet Stiere feit in seinem Herzen.
„D«rk, Dank," stmnmelte Estrid, sich erhebend, ferne HL»cke in den ihnen haltend.
3-Möwct FerkS lächelte, tote Menchhen fächel», btt über allem .Jckifthen Vku.
„Du muht hermMhen, SchSn^tsttid," sagte er tauft. „Sei ohae Fnrcht," teöfiiete et, wtt nwt ein Kind teiltet, ,chtt öeegefeenftcr komnnm nicht mehr M dir ober nur, roawt fte btt GuteS tfiebeu."
Grütze mir beet Kind, das Jckgenwrt heißt Er und SWve, dtt Heine Sälve, sotten meine Ecken sein."
Erschöpft sank er auf sein Lager zurück und Söfee wckkte Estckb ans dem Zimmer.
Mil einem langen, ttämenvollen Blick nahm Elttid rbhchttd vo« dem Ma« ihrer ersten jnn-m Liehe, den stt vereater u*b der fie getegnet batte, meä jie Mutter war.
Zögernd ging sie aus dem Zimmer Sie wußte, es leer ein Ldschttd fürs Leben.
Tie Sonne warf rott Strahlen in die Stube, und die m übc Hanv des IVenfe*, bem Sälve sorglich dtt Kisten glatt strich, hafthte benewb.
Sälve tagte dringend:
„Xu iRii&j- «zbe?i, Aitgemert Fa«W, to war zn oift ftr dich."
,£k," nickte er mit einem glücklichen Lächeln, ,^ch habe dtt Sonne gesehen."
Sökve wagte nicht, ihn zu berfctffat, der mit geschloffenen Augen und selig verklärtem Antlitz da teg. Sie hörte draußen den Wagen fortftchren and ftch das bekümmerte Antlitz der Mutter, dtt zur tür hereinftch. Sie winkte ihr Schweigen.
„Schweigen," das würbe jetzt befc Ende feiet.
Dtt Sonne verglomm über dem Matt. Weiße, fftberschnnmernde Möwen flatterten »och einmal vmckber, dann wob btt Dämmerung chre Schatten.
„Bist bu ba, öetne Sökve?" fragte der Konnte.
„Ja, Jngewart, ich bin hier."
Er hielt chr- Hand fest.
„Du wirst mich geleiten," sagte er leise. ,Hch tenne setzt das Opßer, bas bat mir bringen wolltest mit bocke« jungen Otihf, mit betecm Leib, beiner Liebe. Dn hast Großes an mtr getan, kleine Säcke. Wtt her Heiland selbst hast bat mich gehalten und emporgelenkt, daß ich ans vollem Herzen segnen kann, wie ich duft geflucht."
„Sprich ckcht so viel, Jrtgenrärt, bu mußt schlafen."
„Ja, das werde ich Leine SScke, süß und fest. Du wrenst, daß ich sterben will? Ich muß, Leine, tnmnne Deren. Der Arzt hat es mir schott lange *21*' 5* «ecke Lunge mchts auMtett, damals LD .ehe, rch miebertetm und so lange schwer fe«r m ^enck« ^ncken lag. Sage es Estrck, wenn es chr em Trost fern kann. Und bu, Leine
feige noch einmal röt Lick, t>a weißt 9hxeHliA, bas ich so liebe tzs soll mit
-n« geh», Smk Säcke."
Socke griff zögernd rmch der Laute an der Wand.
Das Herz war ihr so wund und die Stimme zitterte, als sie unsicher begann:
„Ich träumte nächtens wundersamen Traum:*> Am lauen Strande saß ich in Gedanken, Und sah nach fernem Westen — ohne Schranken Das weite Meer, den bkruen Himmelsvaum!"
Immer ruhiger und fester, immer schöner wmde Sölves Ton, als sie sah, daß der Kranke mit einem glücklichen Lächeln zu schlafen schien, und hock ipti> innig hallte es durch die dämmrige Stube:
„Da scholl ein Rauschen an des Users Saum! Das holde Haupt und Antlitz und den schlanken Schnoeweiße« Seib der Nixe sah ich schwanken Aus grünet Woge tote des Meeres Schaum."
„Schön-Cstrid," kam eS leise ton Jngewart^ Lippen, und Sölve sang:
„Mich sollst bu, rief ich, nimmermehr berücken!
Mit deiner Schöne, bernen süßen Blicken Hast manchen Träumer bu hinabaezogen. Doch als sie lächelto winkte mit der Hand, Ta hab ich froh erschrocken dich erkannt — Mit lautern Jauchzen sprang ich in die Wogen."
„Sprang ick in die Wogen," wiederholte Inge- wart wie in Verzückung, dann drehte er das Ant litz still zrr Wand.
*) Johann Hinrich Fehrs-
(Fortsetzung folgt.)


