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man zu nahe an den über dem Nordstollen ftch l system. Es beteiligten sich an den Avftimmun

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gen nur solche Arbeiter, die im Gedinge ar­beiten.

Bus dem besetzten Gebiet.

Auch ein Trost.

mc. Frankfurt a. M., 15. Sept. An dem Wahnhof Louisa haben die Frankfurter Kriegsbe­schädigten eine mustergültige Anlage von Kleingärten geschaffen. Gleichzeitig wurde eine Klemgartengenossenschaft der Kriegsbeschä­digten gegründet.

mc. Frankfurt a. M., 15. Sept. Die gest ige Stadtverordnetenversamm­lung beschäftigte sich mit den Frankfurter Er- ioerbslosenurrruhen. Dabei wurde von den Unab­hängigen, wie das ja gar nicht anders zu erwarten war, dem Magistrat alle Schuld dafür in d'e Schuhe geschoben. Mit der Bereitstellung von annähernd 13 Millionen für Notstandsarbeiten erklärte sich die Versammlung einverstanden, jedoch wurde in einzelnen Punkten noch eine Ausschußberatung ge­wünscht. D'e Einführ-ung einer Nachttaxe bei der städt scheu Straß nbahn wurde mit den Stimmen der beiden sozial stischen Parteien und der Deu.sch- nationalen abg lehnt. Teich o sen wurde ferner die Einführung des staatsbürgevlrchen Unterrichts in den Schulen.

Die ttartoffelversorgung.

Gießen, 16. September 1920.

Das Gewerkschastslartcll Gießen und die Or­ganisation der Versorgungsberechtigten des Kreises Gießen hielten gestern nachmittag im Felsenkeller eine Versammlung ab, der auch Vertreter von Stadt, Kreis und Landesregierung beiwohnten.

Oberregierungsrat Becker machte zunächst darauf aufmerksam, daß mit dem 15. September bekanntlich die Zwangswirtschaft für Kartoffeln aufgehört und der freie Handel nncter eingesetzt habe. Das ünglückliche System der Kartoffelliefe- rungsverträge sei im Frühjahr zustande gebrm- men, als die Regierung mit einer weiteren Ster- ' gerung von Löhnen und Lebensmittelpreisen glaubte rechnen zu müssen. Sie wollte durch diese Verträge von vornherein eine größere Kar­toffelmenge zum einheitlichen Preise von 30 bzw. 31.75 Mk. ter Bevölkerung sichern. Nun habe der Sommer die Wirtschaftskrise gebracht, die es der breiten Masse unmöglich mache, diese Kartoffelpreise zu zahlen. Die hessische Regierung habe sich schon seit Wochen bei der Reichs reg ierung bemüht, die Annullierung dieser Lieferungs­verträge zu erwirken leider bis jetzt erfolg­los. Am vergangenen Montag seien nun die Ver­treter sämtlicher hessischer landwirtschaftlicher Or­ganisationen in Darmstadt zusammeng b)mmen und hätten folgenden Besckstuß gefaßt:

1. Die hessischen landwirtschaftlichen Organi­sationen erklären sich bereit, ihre Mitglieder, soivrit diese Herbstkartofseln angebaut haben, zu verpflichten, für jeten angebauten Morgen Herbst­kartoffeln durchichnittlich 4 bis 5 Zentner je nach der Leistungsfähigkeit der einzelnen Be­triebe zum Preise von 20 Mark für den Zentner der Landeskartoffelstelle zur Verfügung zu stellen. Die Verteilung dieser Kartoffeln soll an die minderbemittelte Bevölke­rung durch die Landeskartofselstelle unter Mit­wirkung der Kreisämter erfolgen.

2. Diese von der hessischen Landwirtschaft freiwillig übernommene Aktion kann aber nur zum Gelingen führen, wenn jeder unbefugte Eingriff in die weitere Kartoffelversorgung für die Folge unterbleibt und dem ab 15. Sep­tember her gestellten freien Verkehr in bezug auf Versand- und Lieferverträge keine Erschwernisse mehr in den Weg aelegt werden.

Tie hessische Landwirtschaft erachtet es für ihre Ehrenpflicht, den Bedarf der hessi­schen Verbraucherschaft überhaupt in erster Linie sicherzustellen.

Hessischer Bauernverein, Hessischer Bauern­bund, Freie Bauernschaft Rheinhessens, Land­wirtschaftskammer für Hessen, Landwirtschaft­licher Provinzialverband für Rheinhessen.

Oberregierungsrat Becker teilte weiter mit, daß die Negierung hierzu Stellung genommen habe und diejenigen Personen als minderbemit­telt und zum Bezüge dieser 20-Mari-Kartoffeln für berechtigt erachte, deren Einkommen 1 0 - bis 12 000 Mark nicht übersteigt. Weiter selbstverständlich diejenigen, die Erwerbs­lose nunter st ützung beziehen. Weiter bat der Redner im Namen der Regierung, daß die Verbraucher jetzt noch nicht allzu scharf vorgehen möchten: dies sei die allergrößte Dummheit. Er habe die Ueberzeugung, daß genug Kartoffeln vorhanden seien und daß das Gesetz von Nachfrage und Angebot bald auf die hohen Preise drücken würde. Vor allem sei es auf das entschiedenste zu verurteilen, wenn die Verbraucher jetzt schon größere Mengen ein­kauften, als sie überhaupt für den Winter be­nötigten. Es sei unerhört, wenn man schon jetzt große Mengen Karlvffrin zur Schweinemast emkellere. Jede übertriebenen und über­eilten Käufe würden sich an der Höhe der Preise bitter rächen. Qm Frieden habe man sich mit Winterkartofseln ja auch erst Mitte oder Ende Ottober eingedeckt. Man möge auch deswegen mit dem Einkauf zurückhal­ten, weil begründete Aussicht vorhanden sei, daß es dem Handel gelingen werde, bald g r ö -1 ßere K a rt o ffe l me n g en zu billigeren!

Eisenbahnunfall.

fd. Betzdorf, 15. Sept. Auf dem hiesigen Bahnhofe fuhr eine Lokomotive einem Personen­zuge in die Flanke. Zwei Eisenbahnbeamte erlitten leichtere Verletzungen. Das Hauptgleis von Köln nach Gießen war etwa drei Stunden gesperrt.

Billige Braunkohlen.

fd. Fulda, 15. Sept. Die Aufschlußarbeiten der Gewerksck-aft Keutzelbuch bei Finten zur Ge­winnung von Braundhlen sind soweit gefördert, daß mit der Ausbeutung begonnen werden kann. Die Grube kann bis 20 Tonnen pro Tag liefern. Die Kohle soll mit 6Mark der Zentner ab Werk an die Bevölkerung abgegeben werden.

Unterschlagung.

fd. Siegen, 15. Sept. Am 7. Septem­ber wurde bei der hiesigen Filiale des Bar­mer Bankvereins der Kassierer Artur Bu- scholt, angeblich aus Berlin, eingestellt. Schon nach drei Tagen brannte der Kassierer mit der ihm anvertrauten Kasse, in Höhe von 111630 M. durch. Die Unterschlagung wurde erst nach drei Tagen bemerkt. Bon dem Täter, der auf Grund gefälschter Empfehlungsschrei­ben eingestellt war, und mit einem Helfers­helfer namens Stowasser bei der Unterschla­gung zusammen arbeitete, fehlt bis jetzt jede

Aus Sfafrt rind Cattö«

Gießen, den 16. Sept. 1920.

Sperrzeit für Zuziehende.

Das Stadt. Wohnungsamt ersucht unter Be­zugnahme auf unsere Anmerkung zu der Mittei­lungSperrzeit für Zuziehende nach Frankfurt a. M." in Nr. 215 um Ausnahme folgender Notiz:

Tie Sperrung des Zuzugs besteht auch in Gießen. Tas Zuzugsverbot ist zwar aufgehoben worden, doch ist nach der Verordnung des Ober­bürgermeisters vom 2. Januar 1920 die Ver­mietung, Uebcrlassung und Ingebrauchnahme von benutzten und unbenutzten Wohnräurnen, Läden und Werkstätten nur mit vorheriger Zustimmung des Städt. Wohnungsamts zulässig. Diese Zu­stimmung wird an auswärtige Woh- nung suchen de, abgesehen von Ausnahme- fällen (Flüchtlinge und versetzte Beamte) nicht erteilt. Sie ist übrigens auch erforderlich, wenn Hausbesitzer ihr neuerworbenes Haus oder eine Wohnung in demselben beziehen wollen. Zuwider­handelnde werden aus den Wohnungen entfernt und zur Anzeige gebracht. Wohnungsuchende, die von auswärts ohne Genehmigung zuziehen, trifft selbst die Schuld, wenn sie hier obdachlos werden. Die Wohnungsnot ist in Gießen so außerordentlich gestiegen, daß die im Wege der Beschlagnahme und durch Neubau geschaffenen Wohnungen nicht im entferntesten hinveichen, die bei dem Wohnungs­amt gemeldeten dringenden Fälle zu erledigen.

Beranftal tungen.

Donnerstag: Hörsaal des Liebigmuseums, 8 Uhr, Reichsbund deutscher Technik, Vortrag des Geh. Rats Sommer. Caf6 Seih, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung der Medick-Meidinger. Hotel Einhorn, 8V- Uhr, Gastspiel Buchwald. Licht­spielhaus, wie gestern. Lichtspiele, Seltersweg, Der Kampf unter dem Meeresspiegel" undBri- gantenliebe".

fd. Oppenheim a. R h., 15- Sept. Drei hiesige Frauenzimmer, die von französischen Soldaten mit je einem Kinde beglückt und von den Vätern sitzen gelassen wurden, er­hielten dadurch einen Trost, daß der Kom­mandant von Oppenheim die Mütter besuchte, sie tröstete, ihnen ein Geldgeschenk über­reichte, und dann die Kinder auf den

** Amtliche Personalnachrichten. Am 11. September wurden die Forstrefcrendare Hermann Schefers aus Amorbach i. O., Dr. Wilhelm Lang aus Griesheim a. M., Wilhelm Faatz aus Assenheim zu Fvrstasses'oven ernannt. Ernannt mürbe am 13. September der Ober­lehrer an ber Höheren Bürgerschule in Nidda Dr. Kurt Becker zum Oberlehrer an dem Wolfgang- Ernst-Gymnasium in Büdingen mit Wirkung vom 16. Oktober 1920 ab. In den Ruhestand versetzt wurde am 11. September der Reallehrer an der Oterroalschule zu Gießen Jakob Grimm auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste vom 1. Oktober 1920 ab. In den Ruhestand versetzt wurde am 6. Sep­tember ber KveiÄ)berwachtmeister Karl Streu- 6er in Büdingen auf fein Nach'uchen unter Aner­kennung ferner dem Staate geleisteten Dienste mV Wirkung vom 1. OÜoter 1920 ab. Die Prüfung zum Zvllsekretär haben bestanden die Zoll- oetriebssekreiäre Wilh. Fischer. Herrn. K a a f und Gg. Beck zu Gießen und F. Kans zu Butzbach.

** D ie Technische Nothilfe hat zur Zeit im Schaufenster der Ferber schen Buch­handlung, Seltersweg, eine Bilderserie aus den Hanauer Generalstreiktagen ausgestellt. Tie Bilder zeigen die Nothelfer bei ihrer Tätigkeit in den lebenswichtigen Betrieben, wie Gas- und Elek­trizitätswerk, beim Schlackenabfahren, Holzaus­laben für den Hausbrand usw. JMeressant ist das Bild, das die Nothelfer als Totengräber zeigt. Bekannttick war ein Vater wegen des Streiks der Friedhofsarbeiter gezwungen, feinem eigenen .Kinde das Grab zu schaufeln, worauf die Technische Nothilfe" eingesetzt wurde. Anmeldungen zur T. N. werden in der Ferberschen Buchhaltung entgegengenommen.

** Tas Dilfswerk unserer deut­schen Stammesverwandten und Freunde in Amerika xugunften ber not­leiben den Bevölkerung Deutschlands hat schon viel Eilend gelindert und ungezählte Herzen zu Tank Verpflichtet. Neuerdings sind in Gießen durch Vermittlung des Deutschen Roten Kreuzes als amerikanische Liebesspenden 2 Kisten Liebesgaben verteilt worden, z. H. v. Dr. Eger, Vorsitzender! der Assistentenverbindung der Universitäts-Augen­klinik.

** Ter Wo chenmarkt beginnt Donners­tag den 16. September um 8 Uhr und endigt um 2 Uhr mittags.

** Unfall im GießenerBraunftein- berawerk Am Dienstag abend, kurz nachdem die Belegschaft das Werk verlassen hatte, ereignete sich ein Unfall, ber, eine Stunbe früher ein getreten, schwere Folgen hätte nach sich ziehen können. Bei Neuanlegung eines Schachtes stieß

dieses Jahres allgemein zur Fveimachung von Postsendungen zugelassen. Auch ber Umlauf (Weier Wertzeichen sollte mit dem 15. September auf» Höven, ist aber jetzt ebenfalls bis zum Ende des Jahves verlängert worden. Es hat sich heraus- gefteüt, daß'noch große Bestände an diesen Marken sich in den Händen des Publikums beftriteii. Früher wurden ältere Wertzeichen von der Post über­haupt nicht für ungültig erklärt. Sie wurden von selbst ausgebvaucht und verschwanden mit der Zeit aus dem Verkehr.

** Den Flachsanbauern des Jahres 1920 werden auf besonderen Antrag nach Ab­lieferung ihres Flachses und Ausfüllung eines Lieferscheines Flachs und Webwaren zurückgeliefert, worüber das Nähere von den Aufkäufern oder der Deutschen Flachsbau-Gesellschaft zu erfahren ist. Ter Strahslachs ist an die Destische Flachsbereitung G. m. b H. in Hünfeld zu liefern. Flachsein­käufer im hiesigen Kreise sind für Flachs aller Arten: Johann Töring, Otto Töring, Arthur Döring, Josef Töring und Karl Döring in Fulda, Georg Langsdorf in Leihgestern.

** Das Fest der Silbernen Hoch­zeit begehen am 18. b. M. Karl Fleischer und Frau.

** Tie Ausstellung ber abgehen den Schülerinnen des Gießener Fröbel-Semi- n a r s ist, wie eine Bortesichtigung ergab, in diesem Jahre ganz besonders sehenswert. Die Ab­teilungHandfertigkeiten und HandarbeitLn" be­weisen, wie man nfit geringen Mitteln auf ge­schmackvolle Weise allerlei Hübsches und Pral- tisches Herstellen Rinn. Es sei daher an bieier Stelle besonders auf die Ausstellung verwiesen. Sie ist geöffnet Samstag, den 19., Sonntag, Den 20. und Montag, den 21. September, von 11 bis 1 und von 3 B 6 Uhr.

** Einhorn. Ab Donnerstag beginnen die Toppelgastspiele von Kurt Gäbler und Hildegard Gebhardt vom Landestheater in Strelitz inTie Schulreiterin" von Emil Pohl. Paul Buchwald wird sich inGraphologie" ausGemeiner" vor­stellen. Die Vorstellungen beginnen pünktl. 8A Uhr.

Kreis Alsfeld.

§ Aus dem Ohmtal. 15. Sept. Von allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist wohl am besten ber Kleefarnen gebiehen. Ter überaus trockene Sommer begünstigte sowohl beim weißen wie roten Klee reichen Samenansatz, den das trockene Wetter auck sehr gut ernten liefe. Die reiche Kleefarnen- ernte hat den bisher übermäßig Hohen Preis für Kleefarnen um die Hälfte heruntergehen lassen.

Kreis Büdingen.

na. Nidda, 14. Sept. Anläßlich seines Silterhochzellstages stellte Konsul Engler Brd- Salzhausen dem Kriegervavcin den Betrag von 2000 Mk. zur Verfügung, der unterstützungsbedürf- tigen Kriegstellnehmern und solchen Mitglreberu, die nicht durch eigene Schuld in fftot geraten sind, zugute kommen soll.

Kreis Lauterbach.

oz. Maar, 14. Sept. Samstag morgen bri­eten einem ber hiesigen Gemeinteschäs er bte S cha f e aus dem Pferch und fraßen auf einem danebenliegenden Acker Klee, wodurch bei einer großen Anzahl der Tiere Blähungen entsbano-en. 14 Schafe mußten auf der ©teile abgeschlachtet werden.

Kreis Friedberg.

4- Ba d-Nauhe im, 16. Sept. Die durch die Presse gegangene Mitteilung, daß Schwierig­keiten bestanden, die zahlreich angemeldeten Be­sucher des Aerzte- und Naturforscher- t a g e s unteraubringen, entspricht nicht der Wirk- lichkrit. Im Gegenteil, der Wohnungsausschuß hat bereit für sämtliche Angemeldeten Quartiere bereit gestellt und daneben noch zahlreiche Neservequar- ticre vor gemerkt für noch etwa einlaufende Anmel­dungen.

Starkenburg und Rheinhessen.

Darmstadt, 14. Sept. Vielfachm Wün­schen entsprechend soll wieder das schon vor dem Krieg gepflegte Turmblasen vom Wahrzeichen Darmstadts, dem altehrwürdigen Stadtkirchturm, an Feiertagen ober sonstigen festlichen Gelegen­heiten ausgenommen werden.

Kreis Wetzlar. .

ra. Ebersgöns, 14. Sept. Im Anschluß an die Zusammenlegung wurden hier über 400 Morgen Ackerland dräniert, eine Arbeit, die für sich im ganzen Kreise noch kein Gegen­stück findet. Die Kosten ber "Drainage stellten sich auf 23 000 Mk., wozu eine Beihilfe von 11000 Mark gewährt wurden. Der Mehrertrag der Län­dereien ist insolgeteften so ergiebig geworden, daß die GefaimVosten bald gedeckt sein toerben.

Hessen-Nassau.

Die Eisenbahner gegen das Akkordsystem.

fd. Frankfurt a. M., 15. Sept. Bei einer Urabstimmung der Arbeiterschaft der Eisenbahnwerkftätten im Direktivnsbezirk Frankfurt a. M. über das Gedingeverfahren (Akkord) haben sich in Frankfurt 1180 Stim­men gegen das Gedinge und 51 für das Ge­dinge erklärt, in Nied 958 gegen, 186 für; in Limburg 1500 gegen, 100 für; in Betzdorf 433 gegen, 19 für das Gedinge. In der Werk- stalte Gießen ftimmten von der gesamten 1 Belegschaft nur neun Mann für das Akkord-

Aur Hessen.

Kinderpflege in Hessen.

rmk. Darmstadt, 14. Sept. Die in Hessen im Jahre 1918 in entgeltliche Pflege gegebenen Kinder unter 6 Jahren betrugen nach der amtlichen Statistik 943, davon 184 eheliche und 759 uneheliche. 110 Kinder wur­den von den Eltern in Pflege gegeben. 607 un­eheliche von einem Elternteil. 84 eheliche Kin­der waren ortsfremd, ebenso 506 uneheliche. 7 eheliche Waisen wurden durch den Vormund in Pflege gegeben, ebenso 13 uneheliche. Auf Kosten der Landeswaisenkasse wurden 11 ehe­liche und 7 uneheliche Kinder verpflegt. Im Wege ber öffentlichen Armenpflege waren 56 eheliche und 132 uneheliche Kinder unter­gebracht. Von den in Pflege gegebenen Kim­bern stammen 399 aus Starkenburg, 202 aus Oberhessen und 342 aus Rheinhessen. Am meisten beteiligt sind die Städte Mainz mit 209, Darmstadt mit 132, Offenbach mit 115, Gießen 84, Worms 69, Friedberg 53, Bens­heim 41, Groß-Gerau 34, Dieburg 33, Bü­dingen 31, Bingen 23 usw.

Preisen aus den Uebersckußgebieteu Ostdeutschlands nach Hessen zu bekom­men. Weiter teilte ber Redner mit, daß die l a n d- wirtschaftliche Zentralgenosse ns chaft bereits Kartoffeln zum Preise von 2 5 Mark anbiete. Deshalb glaube er kaum, daß für die breite Masse ein Preis von 30 Mark und darüber hinaus in Frage komme. Unangenehm seien nur die Aufkäufe der industriellen Werke des Ruhrgebiets, die jeden Preis zahlten. Hessen habe vor zwei Jahren etwa 12 Millionen Zentner Kartoffeln erzeugt. Die diesjährige Ernte sei, be­sonders im Ried, geradezu als eine Rekord­ernte anzusehen. Durch Lieferungsverträge seien in Hessen dagegen im aanzen nur 650000 Zentner ge bunten. Nun habe die Reichsregierung die Zu­sicherung gegeben, baß, 500000 Zemner dieser Vertragskarwffeln auf die Reichsreserv-e übernom­men werden sollen, damit die Preisgestaltung der übrigen Versorgung vorerst völlig unbeeinflußt durch die Vertragskartoffeln bleibe. Die übrigen 150000 Zentner seien für die Städte Frankfurt, Wiesbaden, Griesheim a.M., Höchst und Saar­brücken bestimmt: diese Lieferunyen seien auch von der Regierung gutgeheißen worden. Weiter bat der Redner, alles zu tun, um eine Aus­fuhrsperre z u verhindern. Hessen sei zwar ein landwirtschaftliches Ueberschußgebiet, aber nur für Kartoffeln. In allem anderen fei es auf die Einfuhr angewiesen. Wenn es seine Grenze für Kartoffeln schließen würde, würde als Re­pressalie jegliche Zufuhr nach Hessen, besonders ter doch so sehr benötigten Kohlen und Fette ge­sperrt werden.

Beigeordneter Dr. Seib meinte, .wenn die Preise ber Lieferungsverträge allgemeine Norm würden, müßte ber Verbraucher infolge höher Uri­bosten tatsächlich mit einem Kartoffelpreis von 38 bis 40 Mark rechnen. In Berlin habe man im Frü'hjckhr recht planlos gehandell. Die Mehrzahl ber Landwirte, die mit einem Preis von 18 bis 20 Mark zufrieden gewesen wäre, sei erst durch die Regierung kopfscheu gemacht worden. Natürlich sei es der Regierung sehr schwer, ihr« Vertragsverpflichtungen untreu zu werden. Er, der Redner, habe die Ueberzeugungudaßdie Land­wirte bei einem Preis vo n 2 0 Mark voll-

befinbenben Teich, das Wasser brach durch imo ergoß sich in reißender Flut, vermischt mit uw- ungeheuren Massen von Schlamm, in bte Stollen. Es ist ein Glück, daß ber Unfall nach Feieratend eintrat, denn bei ber Wucht, mit ber das Wasser unb ber Schlamm eindrangen, hätten sich die Bergleute unmöglich letten können und viele Menschenleben wären verloren gewesen, ^vie Arbeit mußte an diesem .Teil des Werks vorläufig ein- gestellt werben, ba die Stollen unb ber Schacht verschlammt sind unb vollständig unter Wasser stehen. Ter angerichtete Sachschaden burfte be­deutend sein, da sich außer Arbeitsgeräten aller Art auch viele Wagen in den Stollen befinden.

** Zu dem Unglücksfall auf dem Bahnhof, wobei bekanntlich einem Lokomotiv­führer die Beine abgefahren wurden, wirb uns mitgeteilt, daß eine Fahrlässigkeit des Verunalück- ten burch vorzeitiges Verlassen feiner Maschine nicht 'vorliege, ba er nicht von feiner Maschine, sondern von einem Wagen beim Ueterschreiten der Geleise gefaßt wurde.

*"- Die a utze r Kurs gesetzten Brie t- marken wieder gültig! Tie ffreimarßen ber Reichspost zu 2, 2^ 3 und 7V2 Pf. waren bekanntlich zum Ende des Monats August für un­gültig erklärt worben, wurden aber später wieder zur Ergänzung von Postkarten usw. zugelasfen, wähvend sie für Briefe, Drucksachen ufw. ungültig blieben. Jetzt sind sie wieder für gültig er­klärt worben und werden zunächst noch bis Ende

ständig aus ihre Rechnung kämen. Durch das Preisprüfungsgesetz läge es ja auch in der Hand der Regierung, Richt- ober Höchstpreise zu erlassen. Selbstv-erständlich sei es Unsinn, bie Preise in einem Heinen Bezirk zu regeln. Hier müsse mindestens in ganz Hessen einheitlich vorgegangen werten. IM übrigen halte der Re­form du nd der Gutshöle fein bekanntes Angebot von 20 Mark aufrecht. Auf Grund des DarmstLster Beschlusses toüiben für ben Kreis Gießen ater nur auf dem Papier 16 000 bis 20 000 Zentner für Minderbemittelte zur Ver­fügung stehen. Diese Menge fei nicht ausreichend, um die minderbemittelte Bevölkerung des Kreises zu versorgen. Dr. Seid sprach noch die Befurch- tung aus, daß man die Erfahrungen in ber Kar- tofselversvrgung vielleicht schon in 14 Tagen wie­der bei ber Aufhebung der Fleischbe­wirtschaftung machen werde. Man höre schon jetzt davon, daß alles erreichbare Viehzu wahn­sinnigen Preisenaufgekauft werde, um über das besetzte Gebiet wahrscheinlich nach dem Ausland verschoben zu werden.

Oterregiemngsrat Becker bemerkt hierbei, daß die Regierung größere Mengen Fleisch ein- geführt habe, um die nötigste Versorgung ber Be­völkerung mit Fleisch für die nächsten drei bis vier Monate sicherzustellen.

Dr. S i e g e r t vom Komr^maloerbandGießen. meinte, daß sich ein Weg finden lassen müsse, auf dem Hessen in Sachen ter Lieferungsverträge un­abhängig vom Reiche Vorgehen könne.

Es sprachen noch eine große Reihe 'von Red­nern, die aber meist nur Klagen vorzubringen wußten. Fast allgemein wurde der Auffassung des Negierungsvertreters entgzgeitgetreten, datz ber freie Handel eine Senkung des Kartofsstlpreises bringen werbe. Von mehreren Herren wurde für einen H öchst preis vo n 15 Mark eingetreten: ein hundertprozentiger Aufschlag gegen bas ver­gangene Jahr sei mehr als ausreichend. Ms von einigen Rednern betont wurde, daß mit Aushebung der Zwangswirtschaft eigentlich auch die Kar­toffel l i e fe run g s ve rtr ä g e als hin­fällig angesehen werden müßten, erklärte Ober- regierungsrat Becker, baß die Reichsverorbnim- über die Aushebung ber Kartvffelbüvirtschaftung ausdrücklich das weitere Bestehen der Lieferungs­verträge betone. Es wurde Weller vorgeschlagen, Preis kvm Mission en zu bilden unb einen Ueberwachungsausschuß, der jeglichen Mucker sofort zur AnKri^e bringen.solle, weiterem« Straßen- und Bahnsperre für die Aus­fuhr von Kartoffeln. Ferner, den Gütertarif der Eisenbahn für Kartoffel sendungen auf bie Hälfte herab zu setz en. Letzterer Vor­schlag wurde auf bie Bedenken mehrerer Eisen­bahner fallen gelassen. Weiter wurde angeregt, Arbeitslose zur Einbringung ber Kartvffll- emte den Bauern zur Verfügung zu stellen: auä- hiergegen wurden Bedenken laut. Weiter rourbt vorgeschlagen, daß bie Regierung, wenn \v bie Verträge nicht zu annullieren wage, einffflP einen Z uschuß leisten möge, um ber Bevöllb rung bie Beschaffung von Kartoffeln zu anncW barem Preis zu ermöglichen. Das Reich könne diese Beträge dann ja durchNachtrags steuern bei ben Bauern wieder einziehen.

Zum Schlüsse würbe folgenbe Entschlie­ßung einstimmig angenommen, die vorläufig de: am Freitag in Frankfurt tagenden Vertreter«» sammlung fämtliajer Gewerkschaftskartelle und de: Arbeitsgemeinschaft freier Angestellten Hessens unt Hessen-Nassaus als Material überwiesen werter. soll, falls diese Versammlung weitergehenbem Maßnahmen beschließen sollte:

Die Versammlung von Vertretern des Gc- werkschaftskartells unb ter Versorgungsberechllg- ten tes Kreises Gießen protestiert in (Se­genmart von Vertretern ber Stabt, des Krem» unb ber Regierung g e g e n b i e von ber Reichs regierung abgeschlossenen Lieferungs­verträge, wonach ein Kartoffelpreis vo» 31,75 Mark festgelegt ist, unb verlangt, baß bteir Verträge sofort für ungültig erklär» werben. Die Reichs- und Landesregierung wei ­den aufgefortert, unverzüglich Richt- und Höchstpreise für Kartoffeln mit b ö dH stens 20 Mark zu erlassen. Die Hessisae Regierung wirb aufgefortert, sofort im Smrs dieser Enffchließung bei ber Reichsregierung vor­stellig zu werten. Der Vorstand des Geweck« fchaftskartells unb ber Versorgungsterechtigtcn des Kreises Gießen werten beauftragt, falls bie Regierung nicht innerhalb 10 Tagen handel:., bie schärfsten Maßnahmen zu er­greifen. Ferner fordert bie Versammlung scharss« Bekämpfung des Wuchers unb be§ I Schleichhandels."