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Nr. 88
Der »ieheoer Snjdaet «rschernt täglich, autzer Sonn« unb Feiertags.
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170. Jahrgang
Donnerstag, 15. April 1920
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
druck und Verlag: yrühl'sche Unrv.-Such- und bteinöruckerei R. Lange. 5christlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.
Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jebe Verbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen v. 34mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz. Vorschrift 20" „ Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aua. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil: ff. Becke, sämtlich in Giehen.
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nungen dazu benutzt, was natürlüh furche gxn bat. Bis -um Herbst war das Le rinigermafeen erträglich, aber dieser Witter hat
Dittatur des Proletariats.
Der Rhein-Mainische Volksbund stellt uns einen Brief aus Petersburg zur Verfügung, der die dortigen Zw- stände in folgender Weise sehr scharf charast- lerisiert:
Tie Zustände spotten jeder Beschreibung. Die Htadt ist verödet, die Häuser swhen leer, ein «ü(irr Teil der Fensterscheiben fehlt, und Wind, vcknec und Regen haben ungehinderten Zutritt. Tie Arbeiter lZoben die leeren kalten Winningen längst wieder verlassen, trotzdem man sie mit Gewalt daran verhindern sollte und wohnen wieder in ihren kleinen Häuschen in der Nähe der Fckbri- frn, die leichter zu erwärmen sind. Die Stadt hot weder Wasser, noch Licht. Tas Walser schleppt faf die Bevölkerung aus dem Flusse (man. Man wäscht sich tagelang nicht, Seife ist nicht zu haben. Tie Frauen schneiden sich aus Reinlichflritsrück- Kckten die Haare ab. Ta die Klosetts nicht mehr funktionieren, werden die Zimmer in den Woft-
hrrd tbaTe Verheerungen angerichtet. Ein Teil des Sommcrgnrtcn3 ist ansge'l»lrt, ein großer Teil der Holzhäuser verheizt, ebertrö Möbel, Bücher usw. Tie Familien und Dienstboten sind in ein Zimmer lufammcn gesogen, alles andere steht leer. Von der Intelligenz ist fast rrichts übrig geblieben, die Menschen sind vollkommen vertiert, Anstandsgc- fühl, Sinn für Reinlichkeit und Ordnung sind verschwunden. Zu Schalten abgemagert ober vom Hunger gedunsen, schleichen die Leute untrer, nur mu dem Gedankten beschäftigt, Ivo sie etwas zu eisen beliommen können. Geistig? Interessen gibt r» nicht mehr, um Politik kümmert sich» niemand, und von irgend einem Widerstand gegen die heute beftebenbe Staatsgewalt kann kaum mehr die Rede sein. ES gibt feine Zeitungen und feine Bücher, nur bolschewistische Broschüren Tie Theater spielen wohl, sind aber ebenso wie die ganze Stadt, ,-irtsctzlick sclmrutzig und was hort geboten wird, ist Baum mehr Kunst zu nennen. — Die Sterblichkeit ist weiter sthr grast und da ferne Arbeiter zu jubelt sind, um Gräber zu graben, so sind die Leichen den Winter über unbeerdigt auf dem Krrch- fof ausgessavell worden.
Ern Bild auf bie Ernahrmtgsherhättnisse wirst der Umstand, dass im Alexander hospi toi in Petersburg die verstärke Nährung von einem Kranken aus 1 Hering, 3 Kartoffeln und Vs Glas Milch besteht. Tie Bevölkerung lebt vom Ausverkauf irr Stadt, und es ist tnefl auszuveffkmffen, aus <mer vormals reichen Stadt von 21/$ Millionen Einwohnern, öoii denen jetzt nur 600 000 übrig» irbltcben sind. Mit ihren Habseligbeiten bepackt, i iiUetnimmt die Bevölkerung gvoste Streiszüge in hie Umgegend, um einige Lrirensrnittel dagegen nnzuta» scheu. Geld ist entwertet, daß es als Zah- kmgsmütel eigentlich überhaupt nicht mehr in Betracht kommt. Tie Bauern nehmen alles, was mm ihnen an Sacken bringt, mit Borliebe Gold imb Brillanten. Wer nichts mehr zu verkaufen tut trcrfr.mgcrt. Selbstmorde sind in Petersburg kridemisch geworden. — Ter Zugverkehr hat sich keineswegs gebessert und Reisen sütd so gut wie lUisgeschlassen, da die Erlaubnis frerzu nur mit itbr grasten Schwierigkeiten verknüpft ist und fast «uisschlieUich den .tüonrmissaren erteilt wird. Tiefe Aommissare und einzelne Spekulanten, die unter bereu Schutz slshen, sind noch die einzigen Leute ir. Petersburg, die einiger masten menschlich leben Wunen.
Die Auslieferung der deutschen Schiffe,
„-richt genügend Gründe".
Berlin. 14. April. (Wolff.) Die deutsche Schissahrtsbelegativn hat von der Re - »arationskommission svlgende Benach- tchtiguug erhalten: Wir beehren uns. Sie zu benachrichtigen, dast bie Reparatrorrskornrnission das won der d utscheu Schissahrtstelcgation untr dem E April 1920 vor gelegte Memorandum eingehend Olpriist hat, in dem daraus hingewiesen wird, daß d notwendig sei, dast Deutsch and, um seine soziale, ökonomische und stnanzielle Organisation auf.echtzuer a.tcn, nicht gezwungen werden ''ollte, d».e Uebertragung seiner gesamten Schiffe auszuführen, zu der es durch Anlage 3 Teil 8 des Vertrages von BersaUles gezwungen ist. Dio Kommission hat auch eingehend die ergänzenden Mit- ttilungen berücksichtigt, welche bei der am Vor- mtrtag des 6. März abgehaltenen Sitzung der tÄom- «issron gegeben wurden, an der auch die Schifs- Üchrtsdelegierteu teiinabmen, um persönlich ihre Äuffassuugen vorzubringen. Wir beehren uns Sbnen rnitzuteilen, dast nach etngefamber Prüfung dler Einzelheiten der Angelegenheit die Korn- niffion zu dem Beschütz gelangt ist, daß nicht genügend Gründe vorgebracht wurden, um rnc Abänderung der Bedingungen des Annei 3 in len: von der deutschen Delegation g.'focderten Art i;i rechtfertigen. Die Reparationsdimmission for- b*rt die deutsche Schissahrtsdel?gation ans, unver- ^iglich die llcbcrtragung des in Frage stehenden Schisssraums gemäß den Direkttven der Services «arttimes in Angriff zu nehmen.
Eine neue deutsche Note.
Berlin, 14. April. (WB.) 5olgenb' Note mir de von der deutschen Regierung an d»e Revarationskommission refandt: Die de t'che Rcgieru-ng bee'rt if, den Empfang Wt Note der Reparattonsst>mmis ion vom 31. 3. j:i bestätigen, w.lche die Antwort auf das Mnnc- anbirm enthält, in dem um Beladung des für Leutfchlarids Existenz notwendigen Sein 'frrums ge- Otten orortKn ist. Nach dem Friedwsvertrag und
der im Memorandum anK-zogenen Not.' der Mli- ierten ist es der Reparationskommission zur Pflicht gemacht worden, aut die Wirts cha f t- licke Lage Deutschlands bet ihren Ent- sckeiduugen Rücksicht zu nehmen, insbe- vmxrt nickt durch (Erjunirgung der Fried-nZbelän- ginigen Tcltt'ckl^ d fa weit zu zerrütten, dast seine Fähigtz it, den Wied'rgutmachwrgsoervflü1> tungcu zu genüg n, in Fr qe geHIt wird. — Tas von der de t chen Regierrmg übmriditc Memorandum schirrte in llurzen Linien die nxrt* schaftliche Lage Deutschler L»s und zeigte, m'. Tentschlmch ohne Belas ung eines bestimmten Schiffsraums nRrttU'tlick -u ammenbrechen must. Ter Maritt'me Service, dem di» deutsche Selbst- fahrls eleget on ck Memp-.a dum vo-g.ttrag>n unb übergeben hat. sagte zu, ba^clb? mit cbtem entsprechenden Kommentar an dir Reparatrons- koniinissiou weiterzuleitcn. Taes ist g>rschehen. D« ReparatianSkommis ion hielt das Memorandum für so anchtig, dost sie die deutsch: Sch'ffahrtSldm- Mission nach Paris gebeten hat, um in Gegenwart des gleichfalls dort aun.-Senbcn Mankirn' Service die Sach: rwäMchs zu bertrefrm. — Tas ein» ganqs ern>rf)nte Schreiben der Rrparationslsm- mii.ion lehnt jedoch) nunmehr den deutschm Antrag mit dem Berner!en ab, dast „feine genügen de n Grün de" vorstbracht worden fnen. Tie deuttch: Retterung lärm bi'f< Entscheidung nicht stillschweigend hinnehmen. Obwohl nach ihrer Ansicht die bereits vorgelegt.' Ten Schrift cme schon mehr als eindringliche Sprach? führt, wird die deutsche Regierung gleichwM weiteres zahlenmästiges Material der Reprra- timrs km Mission unterbreiten. Sie wird zu gleicher Zeit diesen nunmehr bestimmt formulierten Antrag dahin stellen, wieviel ^Schiffsraum, welch? Art Schisse und für welch Zeit die Rcharations- dunmisjion Tent'chland übcrlaften möge. Die deutsche Regierung wird fick erlaubm, in einer zweiten Note demnächst auf die Ai»g''egenheit zu- rückzutommeu. Der Vorsitzende der dnttschon Sckifd- fahrtsdeleg.ition ist wegen der Fortsetzung der bisher in London geführten Berharkdl^mgen betreffend bie Ablieferung bet Schiffe inzwischm unmittelbar mit dem Vorsitzenden des Maritime Snwi'ce in London in Berbindung getreten.
Die Zranzosen In grantfurt
Die Zahl der Toten vom 7. April.
Frankfurt a. M., 14. April. fWolft'.) Der komm and ievende französisch General hat bie Veröffentlichung folgender Notiz angeordnet:
Durch eine gemeinsam von den französischen und dautsckien Behörden vorgenommene Untersuchung ist einwandfrei festgestellt worden, dast die Zahl der Opfer bet Vorfälle vom 7. April, wie sie burch die Agentur des Wotff- schen Bureaus imb den „Generalanzeiger" verbreitet würbe, ungenau ift Die Zahl der Opfer befragt: Sechs Tote (davon vier erschssen und zwei ihren Wunden erlegen), 22 SJernrunbete.
Tie Ankunft der belgischen Truppen.
Frankfurta. M., 14. ?lpril. (Wilff.) Ein Bataillon belgischr Sokdatest tvaf gegen 4 Uhr zur Verstärkung der französischen Truppen im hiesigen Güterbahn Hof ein und wurde unter Entfaltung reichen militärischen Gepränges von der getarnten h eigen französischen Gerni vn, die auch Spalier in den Turckgangssfro sten dorn Güterbahnhof bis zum Opemplatz bildete, empfangen. Nach einer Begrüstung durch die hier anwesende französische Generalität wurden bie Belgier von den Franzosen nad> ffrer KommEkantur im Imperial-Hotel geleitet. Im Anschluß an den Empfang sand eine Parade der Belgier und Franzosen auf dem Opemplatz statt.
Tie vlerüchte
von einem neuen Militärputsch.
Berlin, 15. April. (WTB.) Das „Berl. Tagebl." schreibt: Seit einigen Tagen fnben sich nicht allem bie dwchrichlen über eine andauernde staatsfeindliche Agi ation der Reaktionäre, sondern es werden ailck Gerüchte verbreitet, wonach ein neuer Militärputsch unmittelbar bcporstelie. Ta diese Gerückte, wie uns bekannt ist, auch in Ententekreisen Widerh-U gefunden haben, so ersuchten wir den britischen Geschäftsträger in Berlin, Lord Kilmanrvck, uns seine Auffassung mitzuteilen. Dieser erklärte siol- geickes: Ich bin überzeugt davon, dast ein neuer Militärputsch die gräme Entrüstung in (Snglanb Hervorrufen und daß die britische Regierung ilm auf das entschiedenste zurückwei'-en würde Zeoc Mögtickkeit, daß Teutscklmrd Hilfe durch Lieferung von Rohstoffen, Lebensmitteln oder durch .Kredite erhalten förmle, würde durch irgerrdwelchc Gewaltaktionen, von woher sie auck fonrnen, zerstört sein. Tic Erklärungen, »die ich in diesem Sinne am 19. März he-, ansgegcbcu habe, sind von meiner Regierung genehmigt worden. Man brauche nur die englischen Zeitungen während der Zeit des Kapp-Vutsckes gele'cn zu haben, um zu wissen, daß jeder Versuch, ein r-ak-ionäres Regime ai'f= zurichten, von der öfsentlrchen Meinung Englands auf das schärfste vernr'.e.l: werden würde.
Von der Reichswehr im Ruhrgebiet.
Münster Westieüen), 15. April. In der ersten Ausgabe be? „Münsterer Anzeigers" vom 13. April ist bas Nachrichtenb att der R ei chs- rocbrbrigabc veröfse.tt icht, das tie Stellung- nah me der Brigade zu der Haltung der Parteien bei den Vorgängen im Ruhrgeoi't enthätt. Das Webrkommando mitzbilttgt d-.csen Versuch der militärischen Dienststellen, sich politi'ch zu betätigen. Es leitete bereits öl? erfordertichm Schritte tir, um derartige Borkommnisse tu Zucunst auszuschiietzen.
Tumultschn^en in Duisburg.
Duisburg, 14. April. (DB. Die AnnV- bungen von Tumult schöben b« i bet 5 tobt- verw lttmg haben zur Zeit 13 Millionen Mark erreicht.
Räuberhauptmann Hölz.
Plauen i. V. 14. April. (Wolff.) Hölz wr- lietz mit seinen Leuten nachts Klingenthal plötzlich, nachdem er bic geforderte eine Million von den feftgenommenen Geiseln erhalten hatte. Gegen 4 Uhr morgens erschienen Hölz unb Genossen in sechs Automobilen in Auerbach im Vogtland, wo bie Wagenrnsaffen von der dortigen Polizei und Einwolmerwehr sofort erkannt und festgehalten wurden. Es entwickelte sich eine Schietzerei bei der niemand verletzt wurde. Die Polizei hielt vier Automobile fest und verhaftete zehn Insassen, während Hölz mit den beiden anbenen Automobilen entkommen ist. In Plauen ereignete sich nichts Neues. Die Stadt ift ruhig.
Prag 15. April. (WTB.) Bevor Hölz sich aus Klingenthal entfernte, bat er das Gemeinde amt, ihm einen Reisepatz mit falschem Namen auszufteklen, ebenso seinem Abfutanten Gebharbt aus Ehernnitz.
Die Reichswehr im Vogtland
Plauen, 14. April, lWolfs.) Unter klingendem Spiele rückte heute die Reichswehr in Plauen ein. Die Truppen wurden von der Bevölkerung freudig begrüßt. Auch in Klingenthal ift heute morgen eine große Zahl Reichs- wehr truppen eingetco nen.
Plauen, 14. i>lpril. (WTB.) In Z ä g e r s- grün rücke heute die FliegerauD^olonne des De- tackements Häusel ein, bic bic Berstrlgung ber in den umliegenbcn Wäldern u m hc rstr c i fe rüden Rotgardisten aufnahm. Es flam zrvi- scken den Truppen unb Rotgardisten zu vereinzelten Schießereien, ivobei einige Rotgardisten getötet und verwundet wurden. Bis Mittags waren 72 Rotgardisten gefangen, darunter ber Führer des AttronSauSlckmsses namens Fork. Unter den Gefangenen befanden sich auch zwei Russen. Alle Rotgardisten hatten bedeutende Geldbeträge bei sich Die ReichSwchrfrm»- Den erbeuteten außerdem ein Attto mit 200 Gewehren. Auch in Fakkerr stein ist heute vormittag bie Reichswehr cingcrütB. Holzist seit dem Vormittag verschwunden, er soft sich nach Gottesbrrg begeben haben. Die Reickrs- wehr verhaftete in Falflenstein eine größere Anzahl Spartakisten, darunter die „rechte Hand" des Hölz den ehemaligen Sprachlehrer unb Kiirolehrer sturch.
Der KommuTnst Nobler verließ gestern nachmittag gegen bie ihm von den Glauchauer Arbeitgebern an gebotene Zohlimg von 25 000 Mark bie Stadt mit 30 Mairn seiner Anhänger.
Reue Sitzung öes parlamentarischen Untersuchungsausschusses.
Berlin, 14. April. (Wolff.) Ter zlveite Unterausschuß des parlamentarischen Untersuchungsausschusses nahm heute nach fünfmonatiger Pause seine Arbeiten wieder auf. Ter Dorsi tzerrde Go t he in erklärte, oem Grasen B ern ftvrff soUe Gelegenheit gegeben werden, auf verschiedene Angriffe, besonders L u d e n d o r s s s, zu antworten. Lwdendorff Hat sich nicht eingefunden. Gras Bernstorfs erklärte, er sei auch heute iwch ber Ansicht, daß durch die Friebenseermittlung Wilsons der Friede fyrbeb geführt worden wäre und daß otyrxe i>-n U-Bovt- tri eg ber Krieg mit Amerika nicht entstanden wäre. Wilson habe ursprünglich nur beabsich igt, die kriegführenden Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen. Wiison habe im Senat gesagt, er alaube, Amerika wäre in den Krieg gefbmmen, auch wenn Deutsck hnck keine feindlichrit Akte gegen Amerika vorgenommeli hätte. Diese Bemerkung hätte iich> auf bie Ublchwing der amerifanifdm Friedens- Vermittlung bezogen. Tie Wili-vnsche Forderung „freier Zugang zum Meere" l-abe sich nicht auf den späteren „polnischen Korridor" bezogen. Bern- siorff glaubt nicht, datz man in Amer fla an eine deutsche Gebietsabtretung in Westpreutzen dachte, sondern nur an zwischenstaatliche Abmachungen.
Der Donauverkehr.
Budapest, 15. April. (WTB / Korr.-Bur. Der Vorsitzende der Donaukommirsion, Admiral Troubridge, unternahm mit sonstigen Korn- mrssronsinitgttebern eine Reffe zur Orientierung über die Änchälttriffe des Donauverkehrs. Die Donaustoaren zeivn Bereitschaft, auch für die Mittelmächte die freie Schiffahrt zu sichern. Die serbische Regierung Mite der Don au ko mm ff non eine gröbere Kohlenmenge zur Verfügung lieber den gegenwärtigen Zustand des Tonauverkehrs lassen sich die Erfahrungen Troubridges folgender- masten zusammcnfaffen: In ,Deu t k ch l a n b beginnt der Donauverkehr auf den Friedens stand zurückzukehren. Zn Oesterreich kämpft man noch mit verschiedenen Hindernissen: dock beginnt auck dort die Schiffahrt sich yt heben. Die Tsche che n haben graste Pläne. Sic wollen in Pretzburg einen Konkurrenzhafen gegen Budapest einrichten, haben aber vorläufig keine eigenen, sondern bloß geliehene Schaffe. Düe mtgarische Tchissahrt kann crit nach Fmedens- scklutz einen Auf.ckwung nehmen. Die Serben haben wohl Kohlen g irug, aber es mangelt ihnen an Beförderungsmitti!n. Die rumänische Schifffahrt ist yrar ziemlich lebhaft, Hal aber noch nicht den Friedens stand erreicht.
Holländische Leben-mittel.
Am sterb am, 15. April. ,WTB.) Wie die Blätter mclben, billigten alle Gewrkschaft-- gruppen der streikenden Rotterdamer Arbeiter bot Beschluß, für Deutschland bestimmte Lebensrnittel zu löschen. Die Besprechung« bauern fort
Siege betjapanet über die Bolschewisten-
Amsterdam, 15. April. (WTB.) Aus Tokio wird gemeldet: Die japanischen Truppen trugen in «Sibirien einen vollständigen Sieg davon. Sie eroberten u. a. Nikolsk. Die Bahnen im Gebiet von Wlaoi- wostok befinden sich sämtlich in der Hand Japaner. Diese erklärten, datz sie nicht an eine dauernde Besetzung denken, sondern nur die Ordnung wiederherstellen und die Bob- schewisten vcrniclsten wollen. Än der Ostküste des Baikalsees wurden die Bolschewisten ebenfalls von den Japanern geschlagen. Aus Japan -.eben drei neue Divisionen zur Unterstützung der in (Sibirien kämpfettden Truppen ab.
Die neuen Steuern in Frankreich.
Paris, 15. April. (WTB.) Im Lause der Kammersitzung erklärte bei der Diskussion über die von der Regierung eingereichtew neuen Steuern Finanzminister Mar- sa l, daß die zur Erhebung der Kriegsgewinn^ steuer ausgestellten Verzeichnisse bis zur Stunde den Betrag von 6030 Millionen Franken aufweisen, und daß sie bis zum Ettde des Jahres auf 8 Milliarden anwachscn wüo- den. Weiter erklärte der Minister, daß die bero Deutschland verlangten Lieserungen hinter dem Zurückbleiben, was es leisten soll.
Vevtsche Nationalversammlung.
Berlin, 14. April 1920.
Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1,20 Uhr. Aus ber Tagesordnung steht die Fortsetzung der Besprechung der Sirgimm g serktL- rung und ber ersten Beratung bes Notetats.
Abg. Braß (USP.): Ter deutsche Trili'ariä* mus ist mcht niedergebrochlm und wirkt weiter. Unser Gedenken gilt den Helden, die im stumpfe gegen bie Rcaklion gefallen sinb. Es ist Scktwindel, baß ein Putsch von links von langer Hand vorbereitet gewesen war. Wenn ein Schutz ber Ruhrbergwerke nickt zu vermeiden ist, fo ist eine Besetzung seitens der Entente derjenigen bnrck die Reickswehr vorzuziehen, bemt es handelt sich um eine Sache ber europäischen Arbeiterschaft. (Pfuirufe.) Ter Putsch im Westen ist von Münster ans ins Werk gesetzt worben. Lützow h'.elt schon am Samstag vormittag in Münster Parade ab und verkündete, bic Slegifrungjci ans Berlin geflüchtet. Tie Reichswehr hat die Si'ualfon im Rulwgebiet erst geschaffen. General Wattens Haltung nxn durchaus unklar. Tas sagte auch Herr Setveriny. Es ist selbstvernändlick, bah gegenüber dem militärischen Truck ber Gedanke an eine Räterepublif nuhaiufte. Beziehungen bestehen zwisthen den deutschen unb den russischen Revolutionäven. Tie Vollzugsräte stellten sich auf den Boden des Bielefelder Abkommens unb wollten es halten. Leider übertrug man bic Ausführungsbestimmungen dem General von Walter. Es war vonmszusehen, tufc sie undurchführbar ausfallen rnufffen; die Arbeiter tonnteu garnickst darauf eingehen. Tie Regierung schien bas ja auch eingesehen zu haben. Tie christlichen Gewerkschaf-eri haben bie Reak.ion unterstützt. Es ist versucht worden, die Abschniltsflom- mandeurc der neutralen Zone in bet Sicherhrils- wehr unterjubringen. Ein Tell der Arbeiterschaft hat sich flüchrcn müssen unter ben Schutz ber 6ru lenic vor dem Wü en ber Reaktionäre. Tie Nachrichten von einer Roten Armee südlich ber Ruhr sinb erlagen. Wir befinden uns in ber Neuorganisation eines stapp-Putsches. Tie Regierung mutz sick mehr auf bie organisierte Arbeiterschaft stützen unb die acht Punkte bewllligen.
Reichspoftminister Giesberts' Meine Ausgabe im Ruhrgebiet war, alles zu versuchm, um Blutvergies??n unb Bürgerkrieg zu verhüten. Ausschreitungen auf beiden Seifrn oerurteilcn auch wir, auch das Zentrum. Bürgertum, Beamten» rum unb weite streife der Arbriterschafl waren sich einig, dast das schlimmste basieren müßte, wenn bie Reichswehr abmarfdiert, vH ? daß Ersatz geschaffen war ober Rule herrscht' Nach den Bieleftlder Behandlungen hatte die Rote Armee Lin stampf; el mein. Der Kopp-Puttch a»ar erlck'.gt. Das Nachri-f t nwe'en während des Putsches mutz noch besonn rs unter udt werdm. Ter gute Wille ter übergroß m Mehrhett bet Bevölkerung des Industriegebiets darf nicht andauernd beunruhigt werden, von teinn Seite. Vor allem sind die zu entwaffnen, b;e ihr? Waffen gegen Briafsung unb Reg erung brauchen wo.'lcn. Mo restlo'e ?(bgabc der Waffen! Wir mü'fm cme Kontrolle ber B völLrung haben, nickt aui Grund politticher Ge'icktspunffe, io? dem auf G und ff rer Betätigung. Hätte b.:s Indu''ri-'S'.b'e: fick ruhig verwalten, wäre der Kapc^Putfck sch:ell-?r erledigt worben. Tas Reich muß zu ammengehaldm werden. Die Be etzung von Franl u tt unb D "rnv- ftabt beweist, dass die Ausefttanderfr'ibrm-z Tenttsch- lands Frankreichs Ziel blecken soll. Sollen wir es darin urueriLüfcat ?


