(Hört! Hört!) In der „Roten Fahne" die auch dank dem Eingreifen des Reichswehr Ministers nicht zur Ausgabe gelangt ist, beißt es: Eine große Demonstration dec Massen für ihre revolutionären Rechte sei musterhaft verlausen, bis um Vs5 Uhr die Kanonade begann. Tie Regierung verspricht, die Ruhe der Tagung des Hauses zu garantieren! (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.)
Als Präsident Fehrenbach hieraus mitteilt, daß er nach der Rede des Ministers nochmals einem Unabhängigen das Wort erteilen müsse, ertönen laute Protestruse aus der Rechten. Auch Reichs- wehrminister Noske ru^t: Unerhört, diese ewige Zurückl-altung! (Tie Abgeordneten dec Rechten verlassen den Saal.)
Abg. Henke (Unabh.): Ich iveise mit Protest die Behauptung zurück, daß u;i&b: äagige Abgcott- nete durch Tüchersdyvenkni ocer Zurufe die Massen zuin Sturm aufgefordert hätten. Xieute unseter Partei haoen die Soldaten nicht angegriffen, das war Spitzel-arbeit. Die Behauptmigen des Herrn Heine sind nur VcrlegenhriLredensarten und wenn er crflärt, unabhängige Abgeordnete hätben d?n Tumult unb utc Angriffe auf Las Reichs!ags- geL uu.e l s.as.eu wol en, so ist das eine Züge! (Der Abgeordnete wird zur Ordnung geruien.) Die Geschichte w.rd für in.5 sprect/en. (Gelächter.)
Abg. Bender-Magdeburg (Soz.): °sn ter Beurteilung der gestrigen Vorgänge schließe:: wir uns ganz den Darlegungen des Herrn Reichskanzlers an. Wenn man bi: Bestimmungen des Gesetzes mit den Zuständen vor dem Kriege vergleicht, so ist es ein ungi^nrer Fortschritt, aber wäh- vend der Rwolutvonszcit hatten sich die Arbeiter wffterg?hende Rechte errungen. So schlecht wi? die Unabhängigen Las Gesetz mndyen, ist es allerdings r-icht, aber baß es nicht besser geworden ist, daran tragen die Unabhängigen die Schuld. Tie Unablyan^igen haben in den Kommissivns- fi nmgen iast Hinter g.sel-t, ober es war nur ein schweigendes Mi glied da.
Abg Schwarzer (Z.): Wir haben uns in mehr als 39 Sitzungen genügend ausgesprochen. Heber die Stellung der Parteien besteht kein Zweifel mehr. Verabschieden wir also das Gesetz rasch und sachlich. (Beisall im Zentrum.)
Adg. W e i n h a u s e n (Dem.'»: Das Ergebnis dec Ausschußbera^ungen befriedigt uns keines- roegs restlos. Man hat im Ausschuß affe unsere Verbesserungsanträge abgelehnt. Wir wollten das Schwergewicht aus die Zusammenarbeit zwischen Betriebs eitung und Betriedsrat legen. Wir wollten wegen der Vorlegung der Bilanz Bestimmungen treuen, die den Arbeitgebern auch von Wert gewesen wären. Unsere Anträge wurden verworfen, und heute ist gerade diese Bestimmung des Gesetzes ein Messer olyne Kraft und Klinge und muß die Arbeitgeber enttäufeßen. Das Gesetz ablehnen, hietze inncrpolitiiche Zustände Ijcrbeiführen, gegen die die heutigen Vei- hältniste ein Kinderspiel wären. Es ist nicht wahr, daß dadurch jede freie Bewegung der Industrie unmöglich gemacht werbe. Eine wirksame Sickerung für d.s Zusammenarbri en von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist die baldige VerabschiÄung des Gesetzes gegen wilde Streiks. Ein solches Gesetz ist noch vor Weihnachten bestimmt versprochen morden. Wir e.warten, baß bis jur Februartagung der Entwurf vorgelegt wird.
Abg. Schiele (D.-Nat.): Die HMrerlosig- feit und Ziellosigkeit der Regierung, ihr Mangel an Mut, dem RLtegedanken ent gegciuu treten, hat uns diese Vorlage beschert. Uniere Anträge aus der Kommission hinsichtlich des Wahlrechts werden wir auch im Plenum wiederholen und von beten Schicksal die enbgültige Haltung unserer gesamten Partei abhängig machm.
Reichsarbeitsminifter Schlicke: Die Gefahr, daß wirtschaftliche und vor allem politische Fragen in die Betriebsräte hin eingetragen werden, wird dadurch tormicbcn, baß den Räten bestimmte Aufgaben zugennZen werden. Gegen den Mißbrauch des Koalitionsrechts und gegen den Koalitionszwang verspreche ich mir nicAs durch Strofvvrschriften, sondern durch Erziehm^; und Belehrung der Arbeiter. Ein Gesetz über Bestrafung des Koalitionszwanges könnte ich er ft einbringen, nachdem das Koalitionsrecht positiv geregelt ist.
Abg. Bögler (D.B.): Die Einsülyrung des Klassenkampfes in die SBetride kann nicht zum Besten der Wirtschaft ausschlagen. Durch dieses Gesetz werben 5—600000 Betriebsräte in die deutsche Wirtschaft eingeführt. Tas bleutet, daß 10000 Bergarbeiter ihrer eigentlidyen Arbeit entzogen werben, daß soviel weniger produziert wird, als etwa zur Versorgung Württembiergs nötig ist. Glaubt man dadurch die Freude an der Arbeit zu steigern? Nur der Reichswirtschaftsrat kann die Vorlage zu einem Gesetz zur Förderung unserer Wirtschaft machen.
Abg. Geier-Sachsen (Unabh.): Die
Massendemonstrationen sollten Jl"nen zeigen^ wie groß die Gegnerschaft gegen diese Spottgeburt eines Gesetzes ist, das durch Kompromißvcrhand- limgen hinter verschlossenen Türen ein Gesetz zum Schutze der Kapitalisteninteressen geworden ist. Verwirklich wird ber Sozialismus in Deutschland nur durch die Diktatur des Proletariats, die
Dagegen vergehen. Wir sind sicher, die ganze öffentliche Meinung hinter uns zu haben. Tie Leute, die unser Volk in den Abgrund stürzen wollen, gehören hinter Schloß und Riegel. Wir werden alles tun, um Las Volk vor dem Abgrund zu bewahren. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit, Lärm bei den Unabhängigen.)
Berichterstatter Schneide r-Sachsen (Dem? setzt daraui seinen gestern u.ntcrbrodyencn Bericht fort. Es folgen dabei wieder erregte Zwischenrufe von der äußersten Linken.
Abg. Henke (Unabß. Soz.): Das Recht auf Demonstrationen t]t auf das eng* e verbunden mit allen demokratischen Rechten (Zustimmung bei den Unabbänqif.en). Tas Sonder(»are an allem ist, daß auch Vertreter der Arbeiterschaft die Herren von der Rechten unteritüben. Wenn die Regierung jetzt auch wieder Zrilungsverbotc erläßt und den Bclazecungsmiand erkürt, so roerxn bie Arbeüer auch weiter hui bie Wahrheit erfahren. Die große Masse ber Arbciterfdxiit weiß auch, was sie von dem Vetriebsrätegesetz zu halten hat, das doch nur ein .'m Schutzgesetz füt die Unternehmer uiiö den Klipitalismus gleicht. Diejenigen, die an den Eingängen zum Rcick^tags- gebäude Rcaschinengewehre aufstellten, brachten das Blut der Arbeiterklasse erst in Wallung. (Sehr wahr! bei den Unabhängigen, Widerspruch rechts mrd lärmende Zurufe.) Weil der neue Militarismus im Geiste des alten noch weiterlM, Ivar es möglich, daß man das Reichstagsgebäude in eine Festung verwandelte, daß man auf die Massen schießen konnte. Wäre kein Maschinengewehr ausgestellt worden, wäre auch nichts passiert. (Heiterkeit und stürmischer Widerspruch. Zuruf: £>eud> Jer!) Es wäre zroeifellos der Nationalversammlung nichts geschehen. Es ist eine falsche Behauptung, baß durch solche Demonstrationen an sich sclwn eine Gefahr heraufbeschworen wirb. Angesichts der Todesopfer wei.cn wie jede Blnt- schuld von uns. Tie Regierung lx>t aufs neue bewiesen, daß sie der gegenwärtigm geschichtlichen Mission nickst gewachsen ist. Gegen eine solche Regierung müs'en bie Arbeiter ans ihren ureigen- sten Lebensinteressen heraus von allen ihren politischen Rechten Gebrauch wachen, wobei es für sie nm Sieg ober Tod geht. (Stürmische Zumfe, gvofre Erregung.) WirpfeifenaufdieMaß- nahmen ber Regierung und den Belagerungszustand. (Reichswehrm-miftcr Noske ruft: Kommen Sie nurraus aus dem Hause. Stärkster Beifall bei der Mehrheit.) Wir werben auch w.i'erhrn zu bet Politik des Klassen! am pfes gezwungen fein. (Beifall bei den Ihtabf öngigen.)
Preußischer Minister des Innern Heine: Die Verantwortung für die von mir ge toffenen Sick-erheitsmaßauchn cu übern hme ich. Die Offiziere und Man7rsck)aften haben mit gerrbe- zu bcwunL-ernÄverter Ru'e (eblyatt.- Zu inmung im ganzen Hanfe) sich ber Vorschrift gemäß zu- rückgelxckten und von der Waffe keinen Gebrauch gemacht, bis das Gebäude leibst in Geferlyr geriet. Aber welcher Art Waren denn dicke demonstrierenden Massen! Ein so ruhiger Röann wie der Abg. Hev mann ist vom Brandenburger Tor bis zum Hanse beschimpft imb bespuckt worben. Die Herren in diesem Hause haben gesehen, wie die Mannschaften der Sicherbettswehr mit geradezu ungeheuerlicher Geduld Beschimpfungen ertragen haben, bis ihnen die Waffen entrissen wurden. (Lebhaft. Beif.). Tie Mannschaften, bie ber Sidicr- heitswehr zu Hilfe kommen wollten, würben von der Menge überrannt und entwaffnet und konnten nur mit sckxweren Verwundungen zurückkornmen. Dir haben einen Toten, 8 Schwerverwundete und 5 Leichtverletzte. Ter Schuß, der den Mann im Innern des Hauses verletzt hat, wat kein zu- fällicjer. Kaum wußten aber die Herren hier im Saale, daß nun ihre Saut Frucht tragen würbe, da (die weiteten Worte gehen in einem ungeheuren Lärm unter, man hört Zwischenrufe wie: Unverschämtheit, die der Präsident rügt). Kaum war der Schuß gefallen, so lief ein unabh. Abg. zu uns hinauf und rief: Spitzelarbeit! (Hört! HörlO Wäre nicht geschossen worben, so wäre die Sicher- beitspclizei überwältigt worben und die Massen m das ©ebäube etngebrungen. Es ist aber sogar - gesagt werben, man hätte früher fdßeßen sollen. Ich übernehme bie Verantwortung, daß das nicht geschehen ist, obgleich es mir sehr leid tut, baß eine so große Zahl von tüchtigen unb aufopferungsvollen Beamten %u Schaben geklommen ist. Ach spreche tönen meinen Tank für ihre Zurückhaltung unb ihre Treue aus. Sie haben dadurch, haß sie das Unerträgliche jo lange ertragen haben, dazu mit gewirkt, jeden Schein zu verhindern, als vb die Regierung provoziert hätte.
Tie heutige Ausgabe ber „Freiheit" ist verboten toor en. (Zuruf bei den Unabhängigen: Weil die Wahrheit darin stand! Sckyallendes Gelächter.) ftn dieser nicht erschienenen Nummer wird berichtet, baß die Soldaten mißhandelt unb ihnen die Abzeichen entrissen würben. Sie riefen vorhin: „Tas ist die Wahrheit!" Soweit ist es Wahrheit. Nun aber kommt ber unverantwortliche Schwindel, baß auf die flüchtenden Demonstranten Dte jede Veranlassung geschossen worben fei.
Geegespenfiec.
Roman von AnnyWothe.
ÄJDeHkmlsches Copyright 1918 by Anny Wothe-Mzhn, Leipzig
lRachdtuck verboten.) Fortsetzung 27.
Bents Atem ging keuchend. Die Last, die ihm anfangs so leicht gedünkt, wurde bleiern in seinen Armen. Mühsam klomm er eine hohe Düne hinan.
„Nur die Höhe erreichen," dachte er.
Die Augen quollen ihm vor Anstrengung fast and den Höhlen.
Da, noch ein kurzer Anlauf und er lieft, tiei msiatmend, Sölve aus seinen Atmen in den Sand gleiten. Der Sturmwind warf eine große Sandwolke über sie, doch Bent Banken stand fest und spähte mit scharfem Seemannsblick vorwärts.
„Gerettet, kleine Sölve," rief et, „ba unten liegt List. Was da durch Staub und Nebel glimmt, ftnb Herdfeuer."
Sölv-e, sich an ihn klammernd, richtete sich verstört empor. Jetzt sah sie mit flarem Blick um sich unb ihre blauen Augen leuchteten auf.
,^Jhr, Ihr, Käpten, habt mich gerettet," sagte sie leite. „Ganz ohne Bewußt,ein war ich schon. Wie soll ich Euch danken."
„Na, bas sollte Euch wohl nicht schwer werden, wenn OCbt ernstlich wolltet," antwortete Bent mit leuchtendem Blick.
Sie ließ seine beiden Hände, die sie gefaßt hatte, fallen.
„Wir müssen ecken, Bent Banken, sonst laben wir noch mehr von dem Hagelwetter auf."
Er nickte, aber er faßte ihre Hand nicht wieder. Stumm trabten sie nebeneinander dem Torfe zu.
Nun war Jngaoart FerV Hütte schon ziem
lich nahe. Regen und Hagelwetter prüfe te hernieder. Sölves Helgoländer hing vollständig durchnäßt über ihrer weißen Stirn.
„Beherzigt, was ich Euch sagte, Sölve Wed- betfen," sagte der Kapitän, ihr ernsthaft ins Auge schanenb. „Kehrt sobald als möglich nach Keitum zurück. Estrid bedarf Eurer."
Sölve sah ihn hilflos an.
„Versteht Ihr es denn nicht, daß ich es iridyt darf? Ich bin ja selbst in taufend Aengsten um Estrid. Ich kann hier nicht fort, kommt und seht selbst."
Sie standen vor der Haustür. Eine finstere Falte grub sich in die eckige Seemannssttrn.
„Ich verzichte darauf, Jngewart Ferks Wieder zu begegnen."
„Ihr könnt doch bei dem Sturm nicht über das Watt segeln?"
„Ich habe schon anderen Stürmen getrotzt, sorgt Euch nicht um mich."
„Ich ängstige mich um (Sud)," kam es wider Willen von Sölves Lippen.
Da leuchteten die grauen Mäurneräugen leidenschaftlich auf und Bent Banken, mit festem Druck dem Mädchen die Hand reichend, sprach:
„Denkt Daran, baß. ich Euch liebe. Es ist Bankenfche Art, festzuhalten, was sie einmal mit ganzer Seele erfaßten. Da hilft fein Sträuben, Sölve Wedderien, seitdem ich in Euren Augen sckelen, baß, Ihr mich liebt."
Er griff an die blaue Mütze mit dem breiten Goldstreifen, und olyne sich noch einmal umzu- sehen, schritt er durch den niederraufck-enden Regen dem Strande zu.
Sölve sah ihm ganz betäubt nach. Sie bemerkte gar nicht, daß der Regen ihre Kleider.
nichts weiter ist, als die Konsequenz des Gedankens, daß der, der nicht arbeitet, auch nichts essen soll.
Abg. Gandorfer (Bayer. Bauernbund): Der Gesetzentwurf ist für uns nicht annehmbar. Betriebsräte in ber Landwirtschaft würben unsere L-Lensmittelversorgung aufs schwerste gefährben, wie bas schon bas Beispiel gezeigt hat.
Es folgt eine Reihe persönlicher Bemerkungen.
Um 8'/s Uhr wirb bie Weiterberatung aus Donnerstag 10 Uhr vertagt.
Aus 5ta>t Nttd Land.
Gießen, den 15. Jan. 1920.
Neue Äasfperrstuudcn.
Die verschärste Kohlennot, verursacht durch den Eisenba hne r streik in Sßeiijalen und Ablieferung ton Kohlen an die Entente, zwingt zur weiteren Einschränkung des Gasverbrauchs. Die Abgabe von Gas kann bis auf weiteres nur erfolgen:
von 6V2 bis 8 Ühr vormittags, von IIV2 bis 12’/2 Uhr mittags und pon 5 bis 10 Uhr abends, jedoch Wirb ton
8 Uhr abends der Gasdruck ganz wesentlich vermindert.
Es liegt int .Interesse der Gasverbraucher, daß während der Sperrzeit Gas nicht entnommen wird, weil die Gefahr einer gänzlichen Stillegung des Gaslmwks droht, (rin Gasverbrauch während der Sperrzeft hat ohne weiteres die Gasentziehung unter Fortnahme des Gasmessers zur Folge. Eine strenge Kontrolle ist angeorbnet.
Der Demobllmachungsausschuß Gießen-Stadt hat in seiner Sitzung vom 13. b. Mts. beschlossen, die Benutzung von Gas- und elektrische r B e l e u ch t u n g i n d e n Geschäftsräumen gänzlich zu verbieten unb bie Kraft- a bn a h me nur für den Zeitraum ton vormittags 8 Uhr bis mittags 12 Uhc zu gestatten. Die Ab- nrijmer werben dringend ersuch, größte Sparsamkeit zu üben, andernfalls die Stillegung ber Betriebe in den nächsten Tagen erfolgen muß.
Die Spcrrmaßnahmcui treten sofort in Kraft.
Veranstaltungen.
8 Uhr, Eaf6 Leib, Versammlung des Gewerk- sckyaftskartells: Die Kartvfselnot in Gießen: Redner die Stadtvo. Diener unb Fourier. — 81/\ Uhr, Schipkapaß, Volkskirchliche Arbeitsgemeinschast: Vortrag Prof. Weißgerber über bie neue Kirchen- verfassung in Höffen. — Cafe Astoria, Wohltätigkeitskonzert für bie Wiener Kinder. — Lichtspielhäuser wie gestern.
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** Den 70. Gebu rtstag begeht heute der Direktor des Oberlyesfiichen Mu'eums und der Gailschen Sammlungen Prozessor Tr. phil. h. c. Carl Kramer, Major a. D. — Nach Absol- Dicnmg einer höheren Schule feiner Vaterstadt Düffeldorf widmete sich ber Jubilar bem Offi'iers- beruf; nach Teilnahme am Feldzug von 1870/71 unb nach längerer Tätigkeit beim Generalstab gehörte er bem Offizierskorps bes Gießener Regiments an; bie militärische Laufbahn würbe 1889 durch einen schweren Unglücks all jäh abgebrochen; doch 1914 stellte sich Hauptmann Kramer sofort zur Verfügung; als Bataillonssührer im hiesigen Gefangenenlager würbe er zum Major bejörbert. Die Zeit nach bem Abschied ans bem aktiven Offizierskorps wurde ber Altertumskunde gewidmet. So war ber bamalige Hauptmann Kramer I>efonbers geeignet, nach bem 1897 erfolgten Tode des verdienten Begründers der Sammlungen des Oberhessischen Geschichtsvereins, des Oberlehrers Professor Buchner, das Amt des Konfervators zu übernehmen. Hinzu kam bald als weiteres Ehrenamt die Bezirksstellvertrctung des Hesiilchen Tenk- malpslegers für die Al ertümcr. Die hervorragenden Leistungen als Leiter des Mu'eums und als Erforscher der heimischen Vorgeschichte erkannte die philosophische Fakultät der Landesuniversität 1910 durch die Ehrenpromotion an und 1912 das deutsche archäologische Institut durch die Wahl zum korrespondierenden Mitgliebe; wegen der Veedienste um die Denkmalpflege erfolgte 1919 die Ernennung zum Professor. Möge Pro.e.sor Dr. Kramer, „der ausgezeichnete Kenner heimischer Vorzeit, der unermüdliche, verständnisvo.le Mehrer, O.buer, Leiter dec Sammlungen des Oberhessi^chen Geschichts- veriens", als den ihn schon das Ehrendiplom der Fakultät rühmte, noch lange Jahre erfolgreichen Schaffens erleben! -n.
** Ter Verkehr mit dem besetzten Gebiet. Laut Mütrilung des französischen 93er» bickdungsoffiziers ist für den Verkehr mit dem besetzten deutschen Gebiet ab 12. Januar 1920 mittags ein Visum ber Befatzungslxhörbe nicht notwendig. Es wird jedoch darauf aufmerksam gemacht, laß nach wie vor zur Einreise in bas besetzte Gebiet ein ordnungsmäßig ausgeseriigter deutscher Reisepaß notwendig ist. Sobald Näheres befemnL ist, erfolgt sofort die Veröffentlichung.
durchnäßte, baß er in Heinen Bächen art ihrer Gestalt hernieder floß, sie sah nur unverwandt auf bie höbe Gestalt, die allmählich im Nebel verschwand.
„Er geht in den Tod," schluchzte sie auf. Dann glätteten sich ihre Züge unb eine eiserne Ruhe zwang sie in ihr Gesicht, als sie m bie Wohnstube trat, wo die beiden Kranken am Herdfeuer hockten und Freudenrufe aussticßen, daß Sölve endlich zurück sei.
Wirr sprachen beide durcheinander, wie sie sich geängstigt hätten. Sölve gab knappe Auskunft, daß der Sturm sie überrascht unb sie ben Weg in den Dünen verfehlt. Bon Bent Bonfen sagte sie kein Wort.
Darauf ging sie, ihre Kleider zu wechseln. Lange stand sie oben in ihrer kleinen Giebelstube und blickte gedankenverloren auf das Moer.
Ihr Auge suchte ein weißes Segel. Sie sah nichts als grauschwere Wolkenberge mit mächtigen Sckyaumlronen, die sich grollend gegen ben Strand wälzten.
Das Geschrei der Möwen, das vom Strand herüber gellte, schnitt ihr in die Serie unb doch war es ihr, als hänge aus Sturm- unb Wogen- gcbraus eine wonnige Weise an ihr Ohr unb in ihr erschauerndes Herz.
Es war eilt süßes Lied, das vergessen fein mußte. x
Mit zerfetztem Segel unb zersplittertem Mast War Bent Bouken in den Gotteskoog heimgefehrt.
Es war nicht leicht geivesen, bas Boot durch die tobende See glücklich in den Hafen zu bringen, unb der ©dyweiß perlte noch in großen Tropfen von der Stirn, als er die Haustür öffnete.
** Einbruchsdiebstahl. In letzter Zest Würbe einer hiesigen Speditionsfirma aus einem verschlossenen. Raum mitt lst Einbruchs z.toi Kisten Schokolade, Marke „Rockwood" entwandet und eine Kiste des Snljalted beraubt. Die Kisten haben eine Größe von 44mall2mal40 Zentimeter, tragen das Zeichen E. A. R. mit dec Nummer zwi.chm 1115 bis 1134. Für die Ermittelung des Taters sind 200 Mark Belohnung ausge.etzt.
** Marken-Ausgabe. Am F.ettag und SamStag den 16. und 17. bs. M.s. gelangen i.t ben Bezirken Brot-, Butter- unb Fleifchuiarien zur Ausgabe. Nälieces liehe Bcvann.n.achung.
** Freibank. Morgen Freitag werben von 1—3 Uhr bie Nr. 451—530 beliefert.
** Aus dem Stabttheaterbureau. Der fommenbe Sams ag bringt als 13. Vor- sirilung im Sams ag Alonncmenl das mit so ÖJoßcm Erfolg aufgeinonuncne Lustspi-1 „Ter blinde P a s s a g i e r", bas an Bord cines 28er« gnügungs.am^fers spielt- — Sonnllrg nachmittag 1 intet die letzte Aufführung des Märchcnspicls „N 0 t k ä v pche n" statt; adcuds ist eine Wieber-» l.i?Iung der Operette „Eine Bal Inacht" an- geirid. — Adontag gelangt Schönhcrrs „Kin-, de r t r a g ö d i e" als 13. Vvrße.lmm im Mow- tag-Abonnenrent zur Tarslellung. — Es wirb darauf hiugcwicscn, laß Bestellungen zur „Gießv il e r O p e r n w 0 ch e" im Februar erst angenommen wcrcen rönnen, wenn darüber näheres be=> tanntgvg. ben ist.
** Leipziger Soloquartett für Kirchen gesang. Es sei nochmals auf das Sonntag den 18. ds. Mts. abends 8 Uhr in der Jolyaniieslicche stattfmdende Konzert hingcwi s:n, das allen Besuchern nicht nur eine Stunde n-inm Kuustgenuffes bieten, sondern auch einen erhebenden Eindruck von der Jmngkett, Schönheit unb Kraft ber evangelischen Kirdyenlieder vermitteln wird. (Siehe die Anzeige in der heutigen Nummer unseres Blattes.)
** Zum Besten ber hilfsbebürf- tigen Wiener Kinder findet am heutigen Donnerstag, Wie auch aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, ein Wohltätigkettsvonzert tm Eafö Astoria statt, wobei neben verstärkt r Ktapelle auch ein Mitglied des Slabttheaters, Frl. ÄLargot Werner, Mitwirken Wirb.
** Stadtmission Löberstraße 14. Die Vorträge bes Herrn Pastor Mobersohn ans Bad Blankenburg, die jeden Abend 8l/2 Uhc ftxittfinbcn, lyabcn solchen Zulauf, daß das Haus überfüllt ist.
** Eine seltene Naturerscheinung. . Äns Klein-Linden erhalten wir nachbedende Zuschrift emes Lokomotivfübrers: Heute morgen 5.30 Uhr, als ich zum Dienst gehen wollte, b&* merfte ich von meinem Fenster aus einen Regenbogen in N.-N.-Wesllicher Richtung, nur war er nicht farbig wie ein gewöhnlicher Regenbogen, sondern w.iß. Das letz'e Mondrierbel stand in S.--S.-O. Also muß es wohl ein Regenbogen gewesen sein. Eine leichte Regenboe ging gerade vorüber. Auch rin Heizer hat die Erfcheümng etwas früher gesehen.
Kreis Friedberg.
O Butzbach, 14. Jan. Medizrnolrat Dc. Vogt Txxt aus Gesundhritsrücksichten sein Amt als Gemrinderatsmi; glied niedergelegt. Don allen pvlitifchen Parteien wurde in der letzten Sitzung des Genntinderats das Ausscheiden des Mannes bedauert, der sein ganzes Leben in den Dienst bet Stadt gestellt und sich um sie große Verdienste erworben hat. Er wurde zum Elyrenbürger bet S'adt ernannt. Für Dr. Vogt tritt Adolf Sauer» l-icr als Etfatzimann in den Gemcinderat. Für tie städtischm Arbeiter werden folgende Lohnsätze festgesetzt: für Arbeiter ton 14—16 Jahren l Mk., 16-20 Jahren 1,40 Mk., 21—24 Iahten 1,60 Mark, Übet 24 Jah.m 1,90 Mk. Jeder Verheiratete erhält außerdem pro Stunde 10 Pf. Aufschlag. Außerdem wurde die Herstellung von 200 000 Mark in 25 unb 50 Pf. beschaffen. Eine Vergnügungssteuer für den Stadtbezirk Butzbach >'oll, ein geführt werden. Ein Antrag auf Errichtung eines WvhLfalyrtsamtes wird ber Finanz Kommission überwiesen.
drlsen-Nasiiu.
me. Frankfurt a. M., 13. Jan. Tie Autodroschkenfahrten kosten jetzt mit Erlaubnis des Polizeipräsidiums das zwölffache des Friedenspreises.
me. F r a n k f u r t a. M., 12 Jan. Tie Stadtverwaltung nird voraussichtlich außer dem fünften auch noch ein sechstes Steuerquartal zur Erl-ebnng bringen müssen, um ihre finan- ziellen Verpflichtungen erfü.len zu können. So fordert das Lebensmittelamt einen Vorschuß von „nur" 33 Millionen zum Ankauf von Lebensmitteln, außerdem die neuen Teuerungszulage und Defchaffungsbeihilfen die Äleinigfeit von 22 Millionen ausmachen.
met Frankfurt <l M., 14. Jan. Infolge von Lohnforderungen und Steigerung bet Kvhlen- preife wird der Frankfurter Gasprers abermals auf '81 Pf. pro .Kubikmeter echöht. Bisher kostete er „nur7' 57 Pf.
Affe kam ihm entgegen. Geheimnisvoll legte sie den Finger auf bie Lippen und sah kopfschüttelnd auf feiie nassen Kleider.
„Macht schnell, Herr Bent." flüsterte sie, während sie möglichst geräuschlos über die Diele schlürfte, „baß Ihr trockene Klebage auf den Leib kriegt. Ich habe Euch in Eurer Stube sdyon alles zurecht gelegt, denn ich möchte mit Euch reden."
„Ist irgend etwas geschehen, Akke?" fragte Dent in Sorge. „Du tust so geheimnisvoll, baß einem angst unb bange werben kann. Fehlt Peter etwas, ist — ?"
„Ist ganz gesund," gab die Alte unwirsch zurück, „wenn er auch schlecht aussieht, sehr geiiuiO sogar. Jetzt aber, Herr Bent, geht nach oben, bitte, ganz leise, ich komme auch gleich."
Kopfschüttelnd stieg Bent die Stiege hinan.
Da hatte Akte Recht, die nasse Kluft mußte erst runter.
In ungewöhnlicher Hast kleidete er sich um. Etwas Schweres, Sorgenvolles legte sich auf seine Seele.
Kaum hatte er seinen Anzug gewechselt, hörte er schon Aktes Klopsen an der Tür.
„Was gibts. Alle?" fragte er freundlich, „setz dich und spanne mich nicht länger auf Oie Folter."
Akte nahm unfidyer auf einer Stuhlecke Platz. Es war eigentlich gegen den Respett, daß sie soft body ihre alten Fuße zitterten, daß sie sich kaum aufrecht erhalten konnte.
(Forsetzung folgte


