daß nichts geschehen werde, um Schwierigkeiten zwischen England und Frankreich entstehen zu lassen. Der Emir habe seinerzeit durch seine Armeen Frankreich angreifen lassen und die allgemeine Wehrpflicht in Syrien eingeführt, um gegen Frankreich zu kämpfen.
Die amerifanüdie Note über die polnisch-ruMchr Fragt.
Köln, 13. Aug. (WTB.) Die „Köln. Ztg." schreibt: Die amerikanische Note an Italien ist die Antwort auf die Anregung Italiens, Washington möge seine Ansicht über die gegenwärtige russisch-polnische Lage zum Ausdruck bringen. Wir sind in der Lage, aus einem umsangr.-ichen Schriftstück, das sich scharf gegen die jetzige Sowjetregierimg ausspricht, vorerst die Schlußsätze mitzuteilen. Sie lauten wie folgt: Nach Ansicht dieser Regierung kann es keinen gemeinschaftlichen Boden geben, auf dem sie mit einer Macht stehen könnte, deren Auffassungen von Yen nationalen Beziehungen so völlig im Gegensatz stehen zu ihren eigenen, die so völlig ihrem moraliscfan Empfinden zuwiderlaufen. Es kann fein gegenseitiges Vertrauen, nicht einmal Respekt bestehn, wenn Versprechen gegeben und Uebcreinkommen getroffen werden, während eine der Parteien bereits die zynische Verweigerung ihrer Verpflic^ungen im Sinne hat. Wir können tnc Vertreter einer Regierung, die entschlossen und verpflichtet ist, gegen unsere Einrichtungen! zu konspirieren, berat Diplomaten die Erreger eines gefährlichen Aufruhrs sein wollen, deren Wortführer sagen, daß sie Vereinbarungen unterzeichnen, ohne die Absicht %u haben, dieselben zu (»alten, nicht anerkennen, nicht amtliche Beziehungen mit ihnen unterhalten oder ihnen freundschaftliche Ausnahme gewahren. Um die Stellung dieser Regierung zusammenzufassen, möchte ich in Beantwortung der Anfrage Eurer Exzellenz sagen, daß sie mit Genugtuung die EAlärung der Eierten und assoziierten Mächte begrüßen würde, daß die Unverletzlichkeit des Gebiets der wahren Grenzen Rußlands respektiert werden sollen. Tiefe Grenzen sollten naturgemäß die deS ganzen früheren russisckien Kaiserreichs umfassen, mit Ausnahme von Finnland mtb dem eigent ichen ethnographischen Polen und solcher Gebiete, die auf Grund eines Ueber- einkommens einen Teil des armenischen Staates bilden würden. Die Ansprüche dieser Völker ans Unabhängig feit sind als Zu Recht bestehend zu betrachten. Fedes von ihnen wurde durch Gewalt annektiert. Ihre Befreiung von der drückenden Fremdherrschaft stellt fernen Angriff gegen russische Gebietsrechte dar und sand die Billigung der offen Hülfen Meinung bei allen freien Völkern. »Solch eine Erklärung setzt den Rückzug aller fvem- den Truppen voraus, aus einem Gebiet, das inner«* "halb dieser Grenzen liegt. Nach Ansicht niemer Regierung würde sie erreicht werden durch die Ankündigung, daß keine Ucberschreitnng dfeser so gezogenen Linie durch Palen, Finnland oder irgend eine andere Mackst geduldet wird. Nur auf dies« Weise kann die bolschewistische Herrschaft um den Erfolg ihres falschen, aber wirksamen dlppells an den russischen Nationalismus gebracht und ge- sjwungen werden.. Die 'hier in ihren Umrissen bar gefegte Politik kann der Unterstützung meiner Regierung sicher fein.
Tie ganze Note ist, wie die „Kölnische Zeitung" fvrckfckhrt, eine glatte, in drastischen Formen gehaltene Absage an die gegenwärtigen Machthaber Rußlands in© damit eine unzweideutige Warnung an alle, die es unternehmen sollten, mit der Sowjetregierung Unterhandlungen zu pflegen oder gar sie anguerfeitneit. Tas Schriftstück ist unverkennbar ein echter Wilson und arbeitet mit allen juristischen und moralischen Wendungen, die aus seiner umfangreichen Notenliteva- tur hinreichend bekannt sind. Wilson erklärt, daß er gegen den Waffenstillstand zwischen Rußland und Polen nichts einzuwenden habe, daß er sich aber, wenigstens für den Augenblick, weigere, an einem Plan teilzmrchmen, der darauf hinausgeht, die Waffenstillstandsverharürtungen zu einer allgemeinen euvoväischen Konferenz zu erweitern, die nach aller Wahrscheinlichkeit zwei Ergebnisse Ijafcen wurde, die beide AmeriLa. gleich unangenehm waren, nämlich die Anerkennung der Bolschewisten'herr- schaft und die Lösung des russischen Problems auf der Basis einer Aufteibmrg Rußlands. Er beteuert, daß Amerika ein Freund des russischen Voltes sei und daß diese Regierung die erste gewesen sei, die die Gesetzmäßigkeit der russischen Resolution und die vorläufige Regierung anerkannte. Aber es sei der Regierung Amerikas nicht möglich, die gegenwärtigen Herrscher Rußlands als eine Regierung $u betrachten mit der Beziehungen, wie sie zwischen befreundeten Regierungen Mpffogcn werden, aufrechterlialten werden können. Tie gegenwärtige Regierung Rußlands fei gegründet auf öer Verneinung von jebem guten Glauben und
von jedem Brauch und HerLommen, die dein Gebäude des Völferrecküs zugrunde liegen.
Paris, 13. Aug. (WTB.) Der amerrkanisäie Geschäftsträger Harrington stattete heute vormittag dem (Generalsekretär des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, Paleologue, einen Besuch ab, um ihn in Kenntnis zu fetzen von einer Note, die der französische Geschäftsträger in Washington dem Staatsdepartement übermittelt habe. In dieser Note tritt die französische Regierung dem Standpunkt bei, den das Staatsdepactemcnli in der Mitteilung an den italienischen, Botichaster in Washington über den rufsisch-polnilchen Konflikt angenommen hat. Diese stiote ist an alle französischen Botschafter und Gesandtschaften m Europa übermittelt worden. Der „Temps" sagt: Präsident Wilson hat die Hauptfrage der gegenwärtigen Stunde in der amerikanischen Note gestellt, dadurch, daß er schrieb, er könne eine Regierung nicht anerkennen, und chre Vertreter nicht fteuildschastlich aufnehmen, die gegen Institutionen anderer Regierungen konspirieren, deren Diplomaten gefährliche Revolten vorbereiteten und von denen behauptet wird, daß sie Verträge abschließen würden, in dec festen Absicht, sie nicht zu halten. Das sei auch die Ansicht Frankreichs. Millerand sei diesem Standpunkt vollkommen beigetreten und aus diesem Standpunkt heraus erkläre sich auch die Anerkennung der Regierung des Generals Wrangels. Dagegen habe England eine bolschewistische Mission in England ausgenommen und Lloyd George habe alles getan, um zu beweisen, daß England gewillt fei, entgegenzukommen mib Geduld zu üben bis zum äußersten. Auch das „Journal des D^bats" ist von der amerikanischen Note sehr befriedigt. Es hofft, daß durch diese Note die Vereinigten Staaten vielleicht wieder dahin gebracht werden könnten, sich gemeinsam mit England über die Frage zu einigen. Das Blatt hofft auch, daß England dem Beispiel Frankreichs folgen werde, und daß es beweisen werde, daß es aus der amerikanischen Note über die Gefahren des Bolschewismus nützliche Mfkläriungen erhalten habe.
Ein Bund der baltischen Staaten?
L i b a u, 12. Aug. (Wolff.) Durch Funkspruch. Bei einem Festmahl zu Ehren der Delegierten der baltischen Staaten führte der Präsident der Konstituante, T s cha ffte, aus: , Wir 'haben uns vor genommen, das vor einigen Wochen in Helsing- fors begonnene Werk fortzufetzen, dessen wesentlichster Punkt die Schließung eines Bündnisses ist, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Wir müssen die kleinen Differenzen und Meinungsverschiedenheiten der Vergangenheit vergessen, nur dann können wir uns zu zuftiedenstellenden Resultaten beglückwünschen. Im Anschluß daran begrüßte er die Vertreter der anderen Mächte, ins- pesonbeve die der großen Entente, die die Vtenschheit vom Joch des Despotismus befreit habe. Die AntwortrEn hielten der Präsident der finnischen Delegation, Stroem, und der Führer der britischen Militärmiffion, Oberst Ta- lerts. Bei dem von der Stadt Riga gegebenem Feste betonte de Iartiges, der Oberkommissar Frankreichs, daß die Alliierteii einen Bund der baltischen Staaten, desfenAufgabe u. a. der Kampf gegen den Bolschewismus sein würde, unterstützen wurden. Zur Förderung ihrer Arbeiten fetzte die Konferenz der baltischen Staaten drei Soiwerkommissionen ein: 1. eine wirtschaftliche und politische, 2. eine juristische, 3. eine kulturelle und soziale Kommiffion.
Die italienische Presse.
R'vm, 13. Aug. (Europreß.) Die Anerkennung der Regierung Wrangels durch Frankreich wird von der italienischen Presse scharf verurteilt. Die offiziöse „Tribuna" betrachtet diesen Beschluß Frankreichs als besorgniserregend. Die von Millerand fortgesetzte Politik Clemenceaus werde zu einem vollständigen Mißerfolge führen. „Messagero" sagt, diese Politik Frankreichs fördere nicht die Sache des Friedens und drohe, zu ernsten Verwicklungen zu führen. Gegenüber dieser Herausforderung Frankreichs dürften England und Italien nicht zögern, die von der Zeitlage gebotene Ber- anllvortung zu übernehmen. Die „Epoca" bezeichnet die Haltung Frankreichs als unbegreiflich. Sie bilde eine Folge der Angst vor Deutschland. Die „Jdea stLazionale" meint, das Vorgehen Frankreichs beweise die verzweifelte Verteibigunh gegenüber dem Unvermeidlichen, nämlich die Revision des Vertrages von Versailles.
Ein deutsches Dementi.
Berlin, 13. Aug. (WTB^ Die Pariser Ausgabe des „Newyork Herold" bringt die Nachricht von einer angeblich in den letzten zehn Tagen zwischen Deutschland und Sowjetrußland geschlossenen militärischen, Pottaschen und wirt-
sckiaftlichen Allianz, die die ^.l^bung des Versailler Vertrages bezwecken soll. Diese Nacl-rickN und die daran gelnupften >kombinativnen. sind ebenso wie die gleichartigen früheren .Wbungen völlig aus der Luft gcgrtf Ten. E^-.hmi- delt sich offenbar um eine Preßkampagne, die bezwecken soll, nufere klar umschriebene Neutvatttats- politik zu verdäckstigen.
Kundgebungen in Straßburg.
P a r i s, 13. Aug. (WTB.) Havas meldet aus Straßburg: Die s o z i a l i st i s ch e P a r - t e i chatte beschlossen, in Straßburg eine Protestversammlung gegen die Intervention in Polen abzuhalten, in welcher die deutschen Sozialisten Tiedt und Zieger das Wort ergreifen wollten. Die Regierung hat nunmehr die Teilnahme der deutschen Sozialisten an der Versammlung verboten. Friede zwischen Rußland und Armenien.
London, 13. Aug. Reuter. Die Arbeiterkonserenz erhielt eine D r ahtung aus Moskau, wonach der Friede zwischen Rußland und Armenien abgeschlossen worden ist.
Die Grenzfestsetzung im östlichen Abstimmungsgebiet.
Berlin, 13. Aug. (Wolff.) Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist eine Note wegen der Gr en z feftsetzung im ost- und westpreußischen Abstimmungsgebiet eingegangen. Tie deutschen Einsprüche wegen Uebcrlassung euted 50 Meter breiten Streifens auf beiden Weichselufern und der Abtretung einiger Ortschaften an Polen haben keine Berücksichtigung gefunden, sondern es ist bei den Beschlüssen der Bot- schafterkonferenz geblieben.
Das Befinden Venizelotz'.
Paris, 13. Aua. (WTB.) Der ärztliche Bericht über das Befinden Venizelos besagt, daß die Kugel entfernt werden konnte. Das Befinden Venizelos ist befriedigend.
vom Reichrwirtschaftrrat.
Berlin, 14. Aug. (WTB.) Die vereinigten Ausschüsse des Reichs Wirtschaftsrats für Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik nahmen- nach längerer, mehrmals unterbrochener Beratung die allgemeinen Anträge des Nnterausschusfes über die Ursachen der Produktionsstockungen imb der Preissteigerung und über die Mittel zur Abhilfe an, darunter den Ausschußvorschlag (ein durchgreifender Preisabbau kann nur durch eine nach dem Gesichtspunkt höchster Wirtschaftlichkeit zu regelnde Mehrproduktion, insbesondere auch m der Landwirtschaft, erfolgen).)
Der Streit im Saargebiet.
Saarbrücken, 13. Aug. (Wolff.) Seit «heute früh 6 Uhr ist der Generalstreik, zunächst für 24 Stunden, erklärt worden. Morgen wird die Arbeit von allen Streikenden. restlos roieber ausgenommen werden. Sollten die Verhandlungen fehlschlagen, so tritt Montag der Generalstreik wieder voll in Kraft. Die , Verhandlungen werden von der Interalliierten! Rhemlandkomrnission ui Koblenz unter Hinzuziehung von Geheimrat v. Doch geführt. Sämtliche Bauten, Geschäfte und Wirtshäuser sind geschlossen, die Stw.ßnchahnen Verkehren nicht. Auf den Straßeii ist alles ruhig. Auf den wichtigsten Plätzen sind Maschinengewehre aufgestellt, mich auj verschiedenen Dächern der Stadt.
Saarbrücken, 13. Aug. (Wolff.) Die Regierungskom Mission hat erklärt, fte sei nicht bereit, an dem Beamten statut irgend etwas zu ändern. Ferner hat sie erklärt, daß sie nicht mit den Vertretern der Streikenden verhandeln werbe, solange nicht bie Arbeit wieder ausgenommen^ sei. Falls bie Arbeit bis morgen nieder ausgenommen wird, verpflichtet sie sich, weit- gehende Nachsicht bezüglich der Arbeiter und Beamten vorzu schlagen, die sich einer Strafverfolgung ausgesetzt 'baffen. Besonders wird sie bie Militärbehörden veranlassen, von der Strafverfolgung von Arbeitern und Angestellten, bie sich vor einem Kriegsgericht zu verantworten falben, abzusehen, die sich dem Regmrtermrgsbefehl wiberfetzt 'halfen. Togegen sollen alle biefenigen, die sich der öffentlichen Gewalt widersetzt oder Sabotageakte verübt haben, von dieser Vergifn- fligimg nicht betroffen werden. Diese Erklärungen sind für die Regierungskommission nur dann bindend, wenn die Arbeit innerhalb 24 (Stirnbein, b. h. bis Samstag früh, nrteber ausgenommen wirb.
Aus dem besetzten Gebiet.
Französische Schikanen.
mc. Frankfurt a. M., 13. Aug. Die Franzosen haben an ber Grenze bes besetzten
Gebietes wieder eine außerordentlich scharfe Paßkontrolle eingeführt, bie sich namentlich auf'bie Lanbstraße ausdehnt. An ber Mainzer Lanbstraße vor Griesheim würben am Donnerstag nicht weniger als 20 Personen, bie keine Pässe bei sich batten, verhaftet unb burch Offiziere verhört. Waren sie int besetzten Gebiet wohnhaft, konnten sie nach Feststellung ihrer Personalien gehen und werden nun vor das Polizeigericht kommen; wer aus dem unbesetzten Deutschland kam, mußte die Strafe sofort zahlen oder entsprechende Sicherheiten an Uhren, «Schmuckstücken usw. dalassen. Die französische Be- satzunasbehörde in Königstein macht ebenfalls ausdrücklich darauf aufmerksain, daß die Paßkontrolle verschärft ist.
Königstein, 13. Aug. Nach einer Mitteilung der Besatzungsbehörde wird ber Straßenverkehr im Kreis Königstein künftig einer b e s o n b e r em .Kontrolle unterzogen. Es ist deshalb nokwendig, daß die Einwohner immer mit ihrem Personalausweis versehen sind, damit unliebsame Weiterungen vermieden werden.
Arrr Hessen.
Regierungskrise?
rm. Darmstadt, 13. Aug. Zu der Frage der Berufung eines sozialdemokratischen Lehrers in das Landesamt für das Bildungswesen (Diehl- Offenbach) erfahren wir von eingeweihter Seite, daß von feiten der Zentrumsfraktion zum Ausgleich die Berufung eines katholischen Lehrers verlangt bzw. zur Bedingung gemacht wurde. Wie uns hierzu weiter mitgeteilt wird, ist die Berufung Diehls bisher nicht veröffentlicht worden, auch hat sich die Regierung über die Forderung des Zentrums bisher nicht geäußert.
In der „Darmstädter Zeitung" wird heute abend an der Spitze eines längeren Artikels: Regierungskrise? nri(geteilt, daß für die Dauer der Beurlaubung eines erkrankten Oberschulrates (Lucius) als provisorischer Hilfsarbeiter der Lehrer Wilhelm Diehl aus Offenbach in das Landesamt berufen worden sei. Der Artikel bestreitet das Vorhandenseir einer Krise und führt u. a. aus: Es wird sich auch angesichts der Berufung des Herrn Dich! der Weg zu einer sachlichen Erledigung finden lassen!
Anr Stadt und Land.
Gießen, den 14. August 1920.
Frühkartoffel Höchstpreis.
Die LandesDartoffelstelle fatt den Höchstpreis für Frühkartoffeln aus der Ernte 1920 vorn 16. bis 31. August auf 30 Mark für den Zentner festgesetzt. Tiefer Preis ist Höchstpreis im Surne des Gesetzes.
Ter Höchstpreis gilt für die in Hessen erzeugten Wrlöffeln unb für den Verkauf durch bat Kartoffelerz-enger. Er gilt für bie Lieserueng ohne Sack sowie für Barzahlung beim Empfang; er schließt.bie Kosten der Beförderung bis zur Verladestelle des Ortes, von dem die Ware mit der Bahn ober zu Wasser 'versandt wird, fettne die Kosten bes Einladens bafelbst ein.
Für Lieferung gesackter Kartoffeln, ausschließlich Sack, frei Keller 'des Bestellers, kann höchstens ein Zusclstag von 1.50 Mk. tzu dem Höchstpreis von 30 Mk. für den Zentner gefordert werben. Bei Lieferung ber Kartoffeln vom Lager eines Kvrnmunalverbanbes, einer Gemeinde oder eines Händlers erhöht sich ber Zuschlag von 1.50 Mk. auf höchstens 2.50 Mk. für den Zentner.
Bei Lieferung burch den Erzeuger innerhalb seines Wohnortes frei Keller ober an einen Ort im Umkreis von nicht mehr als 4 Kilometer tret Keller darf der Aufschlag höchstens die Hälfte der im vorhergehenden Absatz genannten Satze 6e* tragen.
Beraustaltnngen.
Samstag, 14. August: Hotel Einhorn, 8 Uhr, Wvhltätigkcitssest zum Besten ber abstini- stirnrnnngsberechtigten Oberschlesier. — Cfetfe Evi» Horn, Bunter Abend ber Buchwaldtruppe. — Rest. Rössinger, 81/» Uhr, Mitgliederversammlung ber 50er — Lichtspiele SelterÄveg, „Ein Abenteurer^, „W ich eine Leiche war" unb , ^Wochenschau"
Sonntag, 15. August: Hotel Einhorn, 4 unb 8 Uhr, Gastspiel Buchwold. — Lichtspieltheater wie Samstag.
Aus hrdbrir vichtcrwerkstatt.
«Selten können wir in bie Geisteswelt und die Seelenkämpfe eines Dichters so tief hiueinblirten wie bei Hebbel, der in unermüdlicher Selbstbrobach- tung und «Selbsbzerglichenrng die Eigenart fernes Lchaffens beleuchtet «hat. Die aus fefaoeren Qualen lidi empvningeiüe Cestiltuugskv lft ves Gcniis erleucktet den Tovnenweg seines Lebens, dis yeute mehr als je ein Borbllb fein muß für den echck- beutscheu Idealismus, mit dem Ixus den Tiefen des Volkes ein Begnadeter zu den Höhen der Menschheit aussteigt. Dieses großartige Emporringen Hebbels ist besonders eindringlich betont in einer neuen Biographie des Dichters, bfe Etta Federn im Del- phin-Verlag zu Attrnchen erfeteinen läßt. Das Werk ist so auf gebaut, daß farupffächlich Hebbel selbst aus feinen Briefen unb Tagebüchern spricht, unb es wirb uns dadurch der immitctbare Einblick in feine gähvende Gedanken- und Gefühlszeir gestattet, aus ber feine Werke entsprossen. Für Hebbel ist die Dichtung stets etwas Heiliges ge- ivesen, zu der er „in einem Verhältnis stand wie zu feinem Gott". Trotz ber materiellen Not, ber beständigen Augst vor dem Verhungern yidt er an dieser Auffasfung fest. „Tas fühle ich," schreibt er um 29. November 1836, „niemals werd 'ich, schnöden Lohns wegen, dasjenige, was mir am Ende an Kraft uub Talem geworden, mißbrauchen, schon allein aus dem Grunde, iveil ick's, wenn ich auch woltte, nicht flutn. Dies mag bann Bürgschaft dafür fein, oaß vielleicht was dahinter steckt, denn elendes K.impern und Nachkliiapem muß, da es Handwerkögriff und technische Gesckßcklichkeit ist, wenn einmal, immer gelingen: es iit aber gj' sck-liinm für Vörie unb Ma<nm. Iwo -eit-v Fruchtbarleck, die einigen auch wahrhaft Dichtem gegeben ist, hat mir die 9tatur versa
bevor aber die Welt die tieferen Fäden, bie sich, I will Gott, durch die besten meiner Arbeiten als ' befruchtende Adem 'hindurclMehen, erkennt, kann ich zehnmal verhungem." Hebbels Schaffen vollzog sich sprunghaft, in einzelnen jähen Ausbrüchen, baten Zeiten der dumpfai Erschaffung folg«en. „Wie selten find bei mir schon jetzt die Segens- inrmente bes Hervorbringens," schreibt er am 12. Januar 1839, „wie dürr und wie widerspenstig ist mein Geist: Ich habe Stunden, wo es mir ist, als löste sich mein zkops Di Rauch auf, als verströmte mein ganzes Ich in die Winde. Rem, ivant ich bedenke, was ich unter ankern Umstanden geworden wäre, wenn ich überrechne, irrte viele Kraft ich an den erbärmlichsten Hindernissen dabe versplittem nrüffen, wie mancktes Ziel bloß deshalb spröde vor mir zurückveicht, iveil ich in Der Jugend, wo ich es mit drei Schritten erreicht hätte, in Block und Eisen lag, wahrlich, da beiß ich die Zähne zusammen, und ich kann es der allwaltendai Macht kaum vergeben."
Doch für alle diese Entdecllmgen entfehäbigen ihn bie seltenen Stunden seines höfarm Lebens. „Für das, tvas den Menschen Glück heißt, hab' ich niemals viel Simi gehabt und verliere ihn mehr unb mehr," gesteht er Elise Lensing. „Dafür gibt es einzelne Stunden, die mich mit einem uberschwänglickien Reichtuni innerer Fülle über- schütten: bann löst sich mir irgendein Rätsel, tch fühle mich selbst in meiner Würde unb in meuter Kraft, ich erferatr, daß meine großen Schmerzen nur bie Geburtsa>'hen mciiici höchsten Genüsse sind." Und viele Jähr- später, im Dezember 1854, schreibt er an Uechtritz:^ „Wenn ich ein solä-es Weri endlich von der ^eefe los bin, fühle ich
,ft eine feitlang tote ohne Kaps und Eingeweide. Probüzieren ist b'i mir eine Art von Nachtet und greift mich «m wie im Physischen em
Aderlaß; es mürbe mich aufreiben, loemt nicht znisck^en meinen einzelnen Arbeiten immer große Pausen lägen, in die ich mich nicht ohne Widerwillen ergebe, die aber am Ende doch so notwendig sind wie der Schlaf." In diesm Zeiten der Ersckstafftmg, in denen er sich nicht ausgeben kamt, möchte er um so mehr in sich aufnehnien. „Halt' ich mir Bücher!" ruft er in einem solchen Augenblick 1841 in seinem Tagebuch aus. „In diesen Pausen, wo das Pnoduttionsvcmiögen stockt und aus einer bestimmten einzelnen Richtung sich wieder ins Allgemeine verliert, würde ich wütend studieren und allerlei Wiftenschaflliches bewältt'gen können. Aber Campe bietet mir feine Bückxr an, unb eben tveil er es nicht tut, mag ich ihn nicht fragen, ebensotvenig mag ich jemandem zu muten, auf ber Stabtbibliokhek für mich zu bürgen, und so muß ich bie Zeit vorüber gehen lassen itne ein Huhn, bas zur Brütezeft aus einem leeren Nest sitzt." Allmählich aber, je mehr er Herr unb Meister feines «Schicksals winde, gestalteten sich auch bie Geburtssttindaen feiner Werke weniger qualvoll und krampfhaft. Tie Zeugnisse einer vo- haglichen Lebensfreude «veiden häufiger, und ber ringende Titane endet schiieUich mit dem fast spießerhaitii Geständnis: „Ich freue mich meines Morgenkaffees, meines Mittagessens, meines Abendbrotes, meines Bettes, unb ich halte selbst an dem verdrießlichsten Tag meinen Unmut noch dadurch im Zügel, daß ich deute: er kann Dir noch einmal als em unerreichbares Ideal, als ein Sektor aus der goldenen Zeil Vorschweben, wenn Du alt, arm, krank unb einsam dalieg st."
— Die Leistung der deutschen Felb- ärzte in Zahlen Eine imponierenbe Würdigung her Großtaten der deutschen Aerzte im
Weltkriege stellt bie kurze Einleitung dar, bfe ber Chef bes beutfeben M^itärarNreiwesens Otto von. Schjerrnilg zu bem großen auf neun Bände berechneten „Handbuch ber ärz.licken E.ßrhrunges im Weltkriege" geschrieben hat. Nach bat hier mit- geteilten statistischen Angaben standen 24 000 Aerzd im Dienste bes Heeres, davon zwei Drittel m Feld, während ein Drittel in der Hefinat tätig war. Gegen Ende des Feldzuges hat Tod und Krankheit unter den Aerzten so aufgeräumt, ba^ nur nn>d} 18 325 AerAe zur Verfügung stauben, von baten fich 11 583 im Feldheer, 6740 in der Heimat befanden. Es fielen 562 Aerzte, an Krankheit starbai 763, 2194 wurden verwundet, 46/ vermißt. Die Zahl ber sämllichen befarnbdteii deutschen Hoeresangehörigen betrug 19 461264. Von diesen wurden im «ersten Kiergsaihr 88,7 Pvoz, wiÄ>er dienstfähig, im zweiten 91,3 Prozent, ii« dritten 91,8 Proz. und im letzten Kriegsiahr 92,8 Pvoz. Durch die Tätigkeit der Aerzte wurde erreicht, daß fick" die Zahl der Tuberttilösen int Heere dauernd verminderte. Tie Zahl der Lungenkranken wurde von 7168 'im ersten Kriegs ahr auf 686d im zweiten, 5525 im dritten imb 3929 im letztem Äriegssahr herabgesetzt.
— Neue Dickens-Briefe entdeckt. Wie englische Matter berichten, hat man eine wertvolle «Sammlung bisher unbeDaunter Briese unb Manuskripte von Dickens gefunden, die ein ganz neues Licht auf das Leben des DickwerS werfen werden. Man sieht der Veröffentlichung dieses Fundes mit großer Spannung entcegcn., doch wird zu gleicher Seit betont, daß Tickend, der doch bisher als der eigentliche „Narvvnaldichteri' des englischen Publikums g-alt, jetzt viel wenige gelesen ttrtri) als noch vor 10 Jahren.


