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Nr. 112

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170. Jahrgang Zreitag, H. Mai 1920

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GichenerAnzcigcr

ILy MM Vorschrift 20», Auf,»lag.

General-Anzeiger für Oberhessen WZ

Drurf und Verlag: vrühl'fche Univ. Buch- und 5teindrucserei R. Lange. Zchristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7. ftt"m!uch tn Gießen

Pflichten aus beiden Seiten.

Der Wiederaufbau unserer Volkswirt- schaft vollzieht sich auf der Grundlage einer neuen Arbeitsverfassung, die aus denr Geiste der neuen Zeit heraus geboren ist und aus ihm heraus verstanden und gewertet sein will. Daß die Bauleute, zumal bei einem so schweren Werke wie der fundamentalen Wie­derherstellung unserer einst so stolzen Volks­wirtschaft, sich nicht in den Haaren liegen, sondern in Einmütigkeit und gegenseitigem Vertrauen Zusammenarbeiten, ist die erste Vorbedingung dafür. Tie seelische Einstellung auf ihr neues gegenseitiges Verhältnis ist darum für die Arbeitgeber wie für die Arbeit­nehmer von der allergrößten Wichtigkeit. Diese Einstellung muß erfolgen unter dem obersten Gesichtspunkte des sozialen Pflicht- bewußtscins. Tie Vorstellungswelt des Ar­beiters ist heute beherrscht von dem Gegen­sätze zwischenKapital unb Arbeit", der ihm so eingehämmert worden ist, daß er die Achse seiner ganzen Gedankenwelt bildet. Ist der Unternehmer aber wirllich jenesKapital" genannte Ungeheuer, das dem Arbeiter den Ertrag seiner Arbeit raubt und ihn auf einem kümmerlichen Mindestmaß von materiellen und kulturellen Daseinsbedingungen mit eiserner Faust festhält? Nach der Klassen­kampftheorie allerdings, nicht aber in der Wirklichkeit des wirtschaftlichen Lebens.

Das Kapital ist das unentbehrliche Werk­zeug rastlos schaffenden Geistes, der die großen Unternehmungen aus kleinen, schwach rentierenden «Anfängen auf ihre Höhe gebracht hat und sie technisch und organisatorisch immer vollkommener auszugestalten unab­lässig bestrebt ist. Das Maß von Sachver­ständnis, Erfahrung, Ueberblick, schöpferischer Initiative und Gestaltungskraft, das diesem Streben inncwohnt, ausschalten oder lahm­legen, hieße die Feder des Uhrwerks zer­stören, das den Betrieb in Gang setzt und erhält. Auch die tüchtigsten Arbeiter ver­mögen diese Eigenschaften nicht zu ersetzen, denn ihre Leistungen und Leistungsfähigkeit liegen auf ganz anderem Gebiete auf dem der Ausführung, nicht auf dem der schöpfe­rischen Konzeption und der Richtung und Dege weisenden Organisation. Weder von ihrer Arbeitsstelle, noch auch, wenn sie an ihn gesetzt würden, vom Platze des Unter­nehmers aus könnte ihr kollettivcr Wille den Persönlichkeitswert des Betriebsleiters er­setzen.

Der Arbeitnehmer muß also, wenn er seinen Persönlichkeitswert vom Arbeitgeber respektiert sehen will, auch seinerseits den unwägbaren Wert gelten lassen und achten, den der Unternehmer durch seine Jnoi- vidualität in die Bilanz der Unternehmung einstellt. Sieht er in ihm, nach Marx, nur einen Ausbeuter und Menschenschinder, den mit allen Kräften systematisch zu verdrängen das letzte, mehr oder weniger verhüllte Ziel aller Arbeitnehmerpolitik sein muß, so schneidet er nicht nur in das Fleisch der Unternehmung, sondern erst recht in sein eigenes. Noch immer hat der Kopf die Arme, haben aber auch die Arme den Kopf nötig gehabt. Daß beide sich ergänzen und aufein­ander angewiesen sind, sollte einzusehen ihm nicht schwer fallen, und ebensowenig, daß er nicht seinen eigenen Interessen dient, wenn er das Gegenteil sich einreden läßt, sondern den Jitteressen derer, die soweit sie nicht verbohrte Ideologen sind aus der Auf­stachelung der niedrigen Instinkte der mensch­lichen Natur ihr einträgliches Geschäft machen. Die Macht, die ihm der Sturz der Unternehmer bringen würde, wäre, wie das Beispiel Rußlands zeigt, in Wirklichkeit eine Ohnmacht. Der Schmeichler, der ihm ein­flüstert, daß sein starker Arm alle Näder zum Stillstand bringe, verschweigt ihm, daß nicht stillstehende, sondern nur hon der Arbeit un­ablässig getriebene Räder ihm sein Brot brin­gen, und daß der komplizierte Mechanismus des Räderwerks unb Der Rhythmus, in dem es schwingt, Auswirkungen schöpferischer Kraft sind, die Tinge und Menschen richtig zusam­menbringt, im Produktionsprozeß hinreichend verwertet und den Erzeugnissen unablässig neue Absatzwege nach den fernsten Weltmärk­ten erschließt. Wird bem Unternehmer bie Freubigkeit am Schaffen, die U^berrcugung der Gewißheit lohnenden Erfolges, der An­trieb zur Anspannung aller Kräfte und Fähigkeiten uub der Mut zu Wagnissen kühnster Art gelähmt, so wird die Schwung­kraft des- Unternehmergeistes, der dem Unter­nehmen Ziele und Wege, Mittel und Metho­den weist, gebrochen. Der entseelte Mechanis­mus bringt dann freilich keinen Unternehmer- ge-mmt, aber auch den Arbeitern keine Lebens- Möglichkeiten mebr, und auch der etivn im Wege derSozialisierung" zum Konkursver­walter der sterbenden Masse gemachte Staat, haucht dieser feinen neuen Lebensodcm ein.

Sein Geist ist ganz anderer Art als der spe- zifische Unternehmergeist

Um dieses Bewutztsein in feinem Arbeit­nehmer zu erwecken unb ru erhalten, muß ber Unternehmer sich freilich stets bewußt sein, daß dieser im Grunde so gut ein Geschäfts­mann ist, der Leistungen gegen Geld aus- tauscht, wie der Lieferant ferner Roh- und Hilfsstoffe und der Abnehmer seiner Erzeug­nisse. Gewiß schließt jedes Arbeitsverhältms in dem Maße, wie die Arbeit gesellschaftliche geworden ist, die unbedingte Notwendigkeit von Autorität und Disziplin in sich. Insofern ist die Stellung des Arbeitnrehmers bei der Lieferung seiner Arbeitskraft eine andere als die des Verkäufers stofflicher Ware. Aber der dieser Lieferung zugrunde liegende Arbeits­vertrag hat so aut tauschwirtschaftlichen Cha­rakter wie die Lieferunas- und Leistunasver- träge, die der Unternehmer sonst abschließt. Das will sagen, daß "der Arbeitnehmer das­selbe Recht hat, möglichst günstige Arbeits­bedingungen für sich anzustreben, wie jeder Geschäftsmann ihm günstige Bedingungen eines Geschäftsabschlusses. Dieses Recht des Arbeitnehmers ist sogar schwerwiegender, weil die Arbeits- für ihn zugleich die Lebens­bedingungen schlechthin sind. Er wird aber auch in dem Matze, wie der Produktions­prozeß ergiebiger wird, gesteigertem Anteil an dessen Erträgnis beanspruchen, weil er in ihm schöpferisch mittätig ist. Dieses Streben des Arbeiters ist seiner Natur nach kein feind­liches, keine Sabotierung der Unternehmung, keine Beleidigung des Unternehmers. Erst wenn es Formen annimmt oder unter Um­ständen sich betätigt, die eine den Interessen ber Unternehmung entgegentoirtenbe Tendenz enthalten, bie namentlich ihre Leistmrgs- unb Wettbewerbsfähigkeit bebrohen, ist es anders zu werten. Die Grenzen mögen im Einzel­falle, im Widerspiele der Interessen, nicht immer klar erkennbar sein, und doch muß auf diesem grundsätzlichen Standpunkte Die Er­kenntnis beider Teile sich immer wieder ein» stellen. Nur auf diesem Wege der Erkenntnis der beiderseitigen sozialen Pflichten nnd eines beständig darauf eingestellten Handelns kann es gelingen, das deutsche Wirtschaftsleben vor der Verblutung zu bewahren und seiner Ge­nesung und Wiedererstarkung zuzuführen.

Die vorbereiwngen siir Spaa.

Die Vorbedingungen für Deutschlands Konfercnzbcteiligung.

Berlin, 13. Mai. Das Kabinett hat am Mittwoch abend gemeinsam mit den in Berlin anwesenden Ministerpräsidenten und Ministern der einzelstaatlick)en Regierungen die von ber deutschen Regierung in Spaa zu behandelnden Fragen besprochen. Ueberein- stimmung ergab sich, iwie wir hören, darin, daß die deutsche Regierung weder Vertreter zur Konferenz nach Spaa entsenden sollte, noch zu den am 16. Mai in Paris stattfinden­den wirtschaftlichen Besprechungen, wenn nicht vorher die französischen Truppen aus Frankfurt a. M. und dem übrigen Maingau zurückge­zogen seien, da fcbe Voraussetzung für bie weitere Aufrechterhaltung ber Besetzung hin­fällig geworben sei. (F. Z.)

Berlin, 14. Mai. Verschiedenen Blättern zufolge wird der Vorsitzende der deutschen Friedensdelegation in Paris, Göppert, in den nächsten Tagen in Rom erwartet. Seine Anwesenheit hier hängt mit den Vorbereitun­gen für die Konferenz in Spaa zusammen.

Tic Finanzkonferenz.

London, 13. Mai. (Wolff.) Im Unterhaus wurde gestern das Budget in zweiter Lesung an» benommen. Auf eine Anfrage erwiderte Sonar Law , daß die * vom Völkerbund einberufene Finanzkonferenz wahrscheinlich Ende Mai loder Anfang Juni in B r Ü s s e I stattfinden werde. Jchenfalls werde sie aber n a ch der Zmammenkunst von Spaa ftattfinben.

Deutsche Denkschriften über die Kriegsschäden.

Berlin, 12. Mai. (WTB.) Die deutsche Kriegslastenkommission in Paris übergab dem Wiedergutmachungsausschuß am 10 Mai zwei Denkschriften über die Kriegsschäden in Belgien und Frankreich. Die Denkschriften, die eine Zusammenfassung des gesamten verfüg­baren Materials über den Umfang unb Wert der Sachsck/äden in den genannten Ländern enthalten, sind von der Rerchsentschädigungs- kommission unter Zuziehung von Sachverstän­digen ausgearbeitet worden.

Die angeblichen Verletzungen des FriedenSvertragcS.

Paris, 13. Mai. ,"WB.^ Wie ,^emps" aus London melder, beschäftigt fid) Lord Curzon mit der Liste der angeblichen Verletzungen dcs Fri ebensVertrages durch Deut'ck>- land. Tas englische Ministerium des Deutz-'w

habe aus Paris eine ausführlickx Liste darüber er­hallen, da England bis letzt dieser Frage nickst die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt habe wie Frankreich.

Die Auspowerung Deutschlands.

Washington, 13. Mai. (WTB.) Reuter. Der bisherige Direktor für das Eisenbahnwesen ist im Begriffe, mit einem vertraulichen Auftrag des Präsidenten Wilson nach Europa abzu reisen. Der Zweck seiner Entsendung ist, die Be- sitzvechte an Den Schiffen festzustellen, die gegen­wärtig unter deutscher Flagge auf der Donau, der Elbe, dem Rhem und der Oder verkehren. Die an der Angelegenheit interessierten Nationen Belgien, die Tschecho-Slowakei und Rumänien hatten Wilson um die Ernennung eines Schieds­richters gebeten.

Vom Botschaftsrat.

Paris, 13. Mai. (Wolff.) Der Bot­schaftsrat beschäftigte sich unter dem Vorsitz von Jules Cambon mit dem Handels- regime in Deutschland; er bestimmte, daß die in Artikel 317 des Versailler Vertrages vor­gesehene internationale Donaukommission demnächst zusammentreten solle. Ferner genehmigte er das Abkommen, das der Oberkommifsar in Danzig, Renald Tower, mit den Vertretern Polens über die Verpflegung Polens abgeschlossen hat.

Paris, 13. Mai. (Wolfs.) WieJournal des Tebats" feststellt, beschäftigte sich der Bot­schaftsrat mit den von der deutschen Regierung erlassenen Ein- und Ausfuhrverboten, die man als Verletzung des Friedensvertrages an- sehe. Er faßte keinen Beschluß. Die Prüfung der Frage soll fortgesetzt werden.

Die Abstimmung in Eupen und Malmedy.

Berlin, 12. Mai. (WB.) TieDeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht bie Anfang Mar von ber deutschen Regierung ber Friedenskonferenz unb dem Völkerbund übergebene Note, welche die Erklärung des belgischen Ministers des Aeutzern, Hymans, in der belgischen Kammer widerlegt, wo­nach jeder Stimm be re chtrgtein den Krei­sen EupenundMalmedy frei unb ungehin­dert seinem Willen Ausdruck geben Birne und keinerlei Nachteile zu gewärtigen habe. Dre Note führt als Beweis dafür, wie die belgischen Behörden dem Friedensvertrage und dem Versprechen, das die Volksbefragung frei und unbeeinflußt vor sich gehen soll; zuwiderhandeln, zunächst eine belgische Zirkularverfügung an, wonach Personen, btt für Deutschland stimmen, von bestimmten Vergünsti­gungen ausgeschlos'en werben. Ferner timten aus der Fülle ber der Regierung täglich zugehen:<en Klagen aus beiten Kreisen eine Reihe Zuschrfftm wiedergegeben, von denen mehrere betrugen, daß belgische Bamte Personen, die sich in du Protest­liste einzeichnen wollten, mit Auswnsung und Ent­ziehung gewisser Bergütrstigimgen drohten.

DicWirtschaftSverhältttiffe imRheinland.

Mainz, 12. Mai. (Wolff.) Bon fran­zösischen Geschäftsleuten im Rheinland war Klage darüber geführt worden, daß im besetzten rheinischen Gebiet seit dem Friedenstertrag all­mählich die deutschen Wirtschaftsgesetze eingefüfrrt worden seien unb daß die RhünlarrdÄiomMission dem zugestinmrt habe.

DemEcho du Rhin" zuwlge hat nunmehr der französische Minister des A-ußern eine Mit­teilung veröffentlichen lassen, daß infolge des Fric- densvertrcrges und des RheinlandalEommens das währ'end des Waffenstillstandes geltende Regime durch die deutsche Reglementierung ersetzt worden sei. Tie interalliierte Kommission habe nicht bieBefugnis, sich der Anwendung derbeut- schen wirtschaftlichen Gesetzgebung zu widersetzen. Tie Aenderung des Regimes habe jedoch ernsthafte Verwirrung in den französischen Handelskreisen heövvrgerufen. Tie französische Re­gierung habe deshalb mit der deutschen Regierung Verhandlungen eingelötet, um zu emnrfSen, daß bie deutsche Regierung ihre wirtschaftliche Gesetz­gebung m o di fr ziere, sie mit den Bestimmungen des Friedensvertrages in Einklang bringe unb einen Modus Vivendi zwischen Deutschland und Frankreich schaffe, der eine normale Wiederauf­nahme bei- Geschäfte gestatte. Die französische Re­gierung stütze sich out den Gesichtspunkt, daß ge­wiße wirffckZaftliche Bestimmungen Teutschlands dem Artikel 265 des Friedensvertrages wider­sprechen. Tie französischen Kauffeitte müßten die­selben Vergünstigungen genießen wie ihre Konkur­renten. Tre Verhandlungen würden sehr intensiv geführt und es fei zu hoffen, daß sie in sehr naher Zeit zum Abschluß kommen würden.

Tie Ausfuhr deutfcheu Eigeutum» aus Elfatz-Lothringen.

Berlin, 12. Mai. (WTB.) Deutschen Be­mühungen ist es gelungen, in der Handhabe des beutfch-franzöfischen Abkommens vom 15. 11. 19 über bie Ausfuhr von in Elsaß-Loth- r in gen befindlichen Mobiliar deutschen Eigm- tum5 namhafte Erleichterungen zu erzielen, ite von französischer Seite ;ugestandene Neuordnung besteht hauptsächlich in der Beschleunigung des Ge­schäftsgang-- bei den in Frage kommenden fran- zösischm Behörden, sowie der Verem'ackmng der Nachweise, die vor der Aufhebung des Secmesters über die Begleichung der Steuer unb anderer be­rechtigter Forderungen von den Franzosen ver­langt werden Für Anträge um Aushebung des Seguesters ober Erteilung ber Äusfuhrerlaubnis ist nach wie vor bie deittsche Möbellmsfuhrkom- mission in Kehl zuständig.

Der Streit in Hranireich.

Paris 12. Mai. (WTB.) Die parlamen­tarisch: Gruppe ber Sozialisten und der National­rat der sozialistischen Partei, erlassen einen Protest gegen den Beschluß der Regierung, eine Unter­suchung mit der ?lbsicht auf Auslömng pogen den allgemeinen Arbcitervcrband (EGT.) nnzuleiten. Tas Borgelten der Regierung wird als Gewalt­streich bezeichnet. Auch die EGT. erließ einen Pro­test, worin erflärt loird, sic habe eine legale Exi­stenz, bie ftc sich nicht nehmen lasse. Auch das Zentralkomitee der Liga für MensckZmrechte pro­testiert gegen das Vorgehen. Die Unters uckping gegen die EGT. wurde gestern damit begonnen, daß an ihrem Sitze sowie bei ihren iüljrenben fünf Gewerkscha ftsführ ern, darunter auch bei I o u- ha u x, Haust uchun gen gehalten wurden. Ucbcratl wurden Papiere befdilagiiafomt. Im Lause deS gestrigen Tages wurden übrigens sowohl in Paris als auch in ber Provinz viele Verhaftungen von Streikst! ltrern vorgenominen.

Paris, 13. Mai. (Wolff.) Nach einer HavaS- Meldung werden die Gasarbeiter vor Paris und Umgebung morgen früh bie Arbeit nieder legen. Die Nord- unb Südbahn hat verschobene Werk­stätten, so in Tours, Mezieres usw. schließen unb ihre Reparaturen der Privatiitdustric geben müssen. Die C. G. T. hat in Erwiderung der Maßnahmen der Regierung den Streik der Beleuchtungsindustrie ungeordnet und hat auch Verhandlungen eingcleitet, um die gesamte Möbelindustrie stillzulegen.

Paris, 13. Mai. (Wolfs.) Der Allgemeine Arbeiterverband (C. G. T.) teilt mit, daß er sich an die gewerkschaftliche Internatio­nale gewandt habe, damit ihren Protest mit dem des französisckten Proletariats vereinige zum Zwecke der Verteidigung der Organisation. Die (Serba f tun gen von Streikst) hvem werden in ganz Frankreich fortgesetzt. Nach demExcelsior" wur ­den gestern 42 Verhaftungen vorgenommen.

Paris, 13. Mai (WB.) Die Arbeiter der Pariser Elektrizitätswerke haben bie Arbeit wieder ausgenommen.

Der Rücktritt der Kabinetts Nkttt.

, Mailand, 12. Mai. (Wolff.) AuS den Aeuße- rungen ber Blätter über die Ministerkrise ist fvl- genbec' zu entnehmen:Tas Kabinett Nitti ist nicht einer Frage ber inneren ober äußeren Politik, sondern lediglich einer Frage der parlamentarischen Geschäftsordnung zum Opfer gefallen. Die Kammer zählt 508 Abgeordnete. Davon waren während der Wstimmung 309 zugegen, von welchen sich vier der Stimme enthielten. Das Mißtrauens­votum war nur möglich dadurch, daß die katho­lische Volkspattei sich mit den Sozialisten soli­darisch erklärte. Der Minister des Aeußern Seia- l o j a ist bereits auf der Rückreise von Pallanza, wo er mit den jugoslawischen Delegierten Be­sprechungen in ber abriatifdxm Frage hatte.

Rom. 13. Mai. (WB.) Ter König bar sich am Mittwoch nachmittag wegen ter Minrster- kreise mit Nitti, Tittoni und Orlando besprochen.

Rom, 12. Mai. (Wolff.) Nitti er Härte, daß das Kabinett innvlge der gestrigen Abstim­mung dem König seine Demission unterbreitet habe. Er forderte die Kammer auf, sich bis nach Lösung der Krise zu be'r tagen. Die Sozillistvn haben einen Anttag eingebracht, daß bie Kammer weitertagen solle, um über die Bewegung ber Post- und Telegraphenbeam ten zu beraten.

Englands Triumpf.

London, 13. Mai. (WTB.) Reuter. Auf einem Essen des Verbandes brittscher Bankiers in London tagte Chamberlain: Wir haben mit bem Borgen aufgehört und mit der Rückzahlung angefangen. Unser Kredit steigt: wenn die nötiger Opfer gebracht werben, müssen wir triumphieren unb uns ftärfrr beim je erheben. Tie gegenwärtige Zeit ist rerbeißungsvoll. Jedes Opfer wird unsere Zukunft sichern und unseren Kredit festigen.

Unruhen in Irland.

London, 14. Mai. (WTB.) Gestern hier eingelaufene Telegramme melden, daß in ganz Irland planmäßigeEinäsche- rungenvonPolizeibureaus und An­griffe auf Zoll- und Steuerbureaus stattg^- funden haben in einem Umfang, wie dies noch nicht geschehen ist.

Kämpfe um Kiew.

Warschau, 12. Mai. (WTB.) Die Sttert- fräfte der Bolschewisten haben, verstärkt durch Truppen aus dem Norden und Süden, am 15. Mai den Tnjepr überschritten und bie polnische Stel­lung, die den Zugang M K i e w schützt, angegriffen. Tie Polen hielten ihre Stellung und nahmen zwei feindliche Bataillone gefangen. Feindliche Flugzeuge haben Kiew mit Bomben belegt.

Tic Auslieferung Wilhelms II.

Amsterdam, 13. Mai. (WTB.) Ein Mit­glied des englischen Unterhauses stellte wiederum eine Anfrage über bie Auslieferung bes ehe­maligen deutschen Kaisers. Harmsworth antwortete, die Regierung sei sich der Wichttgkeit dieser Frage vollkommen bewußt und behalte sie bauernd im Auge. Im Unterhaus erklärte der Schatzkanzler au Berbern, bie Wiedergut- machungskomnrission beabiidjtige, von Zeit zu Zeit eine Uebersicht über die Einnahmen aus den feind­lichen Ländern unb ber an bie feindlichen Länder geschuldeten Beträge zu veröffentlichen.

Amsterdam, 12. Mai. (WB.) Xie lieber* fiebetung tes vormaligen Kaisers tun Ameron- gen nach Haus Toorn ist auf Sonnabend bes 15. Mat verschoben nvrbat.