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Hr. 58 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Samstag, (4. Zebruar (920
dies heute das Ende einer gw-gelten Volks- ernahrung bedeute.
Graf Erasmus von Erbach f.
= Erbach, 12 Febr. Der Ches des Hauses, Gras Erasmus von Erbach-Erbach, ist 39 Jahre alt in Frankfurt an Lungenentzündung gestorben. Er war seit einigen Jahren entmündigt. Tie Herrschaft geht nun an die letzten Agnaten, Gras Alfred und Alexander von Erbach, über.
Aus StaM und Land.
(Sieben, ben 14. Febr. 1920.
** Tie Ergebnisse der Volkszäh- lungen im Krrege. Tie Ergebnisse der Volkszählungen im Kriege am 1. Tczember 1916 und am o.. Dezember 1917 liegen jetzt zum ersten mal vor. Tre artSanweiende Zivilbevölkerung betrug im Deutscheu Reich 1916 insgesamt 58 539 415. Bis jur.t 5. Dezember 1917 fiel diese Zahl wegen der sieigerrden Einziehung zum Heere auf 58 267 206. Es zeigt dies deutlich der Anteil der Geschlechter in der Bevölkerung. 1916 wurden noch 23 776 760 Männer gezählt, 1917 nur noch 23 408 539. Tie weibluheit Personen haben sich in dieser Zeit noch vermehrt. Deren Zahl stieg von 34 762 655 auf 34 858 667. Preußen hatte 1917 eine Zivilbevölkerung von 36 672 476, Bayern 6166 403, Sachh.ni 4 6B5 756, Württemberg! 2 202 498, Baden 1882 925, Hessen 1 127 305, Meckleillurg-Schlvc- rin 580 761, Braunschw.ig 122 282, Hamburg 872 854, Bremen 267 819 usw. Von der ortsan- wcsenLeu Bevölkerung waren 1917 768 337 geboren, 1916 bis 1913 insgesamt 4 838 917, 1847 und früUn- 1 874 304.
** Tie heutige und frühere Tätigkeit der deutschen Münzstätten. Tie deutschen Münzstätten verarbeiten jetzt ausschließlich Eisen, Zink und Muminium. Im ganzen sind bis jetzt an Muininiummünzen für 5 764 294 Mk. geprägt worden. Im Dezember hat man nur noch Füu fzigpfennigstucke aus diesem Metall geprägt. Früher waren noch für 507 256 Mk. Einpfennigstücke geprägt worden. Zinkmünzen wurden im ganzen für nicht ganz 12'/- Millionen Mk. in Zehnpsennigstücken geprägt, im Dezember allein beinahe 1'/» Mlllion. Eisen münzen hat man im Dezember nur zu 5 Pf. lzergestellt und zwar für 573 468 Mk. Im ganzen gibt es solche im Betrage von über 43*/? Millionen, solche zu 10 Pf. für 22 Millionen, zusammen für über 65'/« Millionen Mk. Eisenmünzen. Nickelmünzen wurden im ganzen für etwas über 100 Millionen Mk. geprägt, 64 Millionen an Zeh lpjeunigstucken, fast 36 Millionen an Fünspfc mugftiüden. Aus Silber ivareit im ganzen 1156'/, Millionen Mk. berge= stellt worden. GoLmünzen sind für mehr als 5 Milliarden Mk. ausgeprägt worden, genau noch Abzug der Wiederebigezoguien für 5 155 840 320 Mark, zu 10 Ml. für nicht ganz 705 Millionen.
** Eine Lebensmittelkarten-- schwindlerin wurde m der Person der Dorothea Stein von Ilbenstadt hier feftgenommen. Sie versuchte mit einem gefälschten, mit nachgeahmten Stempeln versehenen Buch, hier auf dem Lebensmittelamt für acht Personen Karten zu ersckxvm- bdn, trotzdem sie nur allein steht. Die Klein gehört der in Frankfurt a. M. festgenommenen Lebensmittelkarten schwindlerbande an, ivelche durch ihr verwerfliches Treiben die Allgemeinheit schwer schädigte und ein vollständiges Gewerbe aus dem Berkaus her Karten machte.
** Aus einem hiesigen Institut gestohlen wurde ein sieben Monate alter, brauner Jagdhund, mit weißer Brust. Der Hund ist rhichi- tiskrank und hat dadurch krumme Beine und Auf- treibung auf den Rippen. Vor Ankauf wird gewarnt.
** Schüler-Anmeldung. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Anmeldung aller in Gießen wohnenden Kinder, die bis zu Beginn des neuen Schuljahres (12. April d. I.) das 6. Lebensjahr vollendet fjaben, Dienstag den 17. und Mittwoch den 18. d. Mts. statt- finbet. (Siehe Anzeige.)
** Tie A n l a g e n m u s i k der Kapelle des Reichsw.^Jnf.-Regts. Nr. 36 fällt morgen aus.
Landkreis Gießen.
Volkshochschule.
x Wieseck, 13. Febr In der geftrigen erweiterten Ausschußsitzuug unserer Volkshochschule wurde eine Kommission bestehend aus Pfarrer Sattler, Fräulein Hunkel, Karl Bremer und Ludwig Reuter beauftragt, bis zur nächsten Sitzung, Anfang März, einen Entwurf von Leitsätzen und Statuten vorzulegen. Eine darnach cinzuberusende Hörerversammlung solle über beten Annahme endgültig entscheiden Volks Hochschulabende für die ganze Gemeinde sollen vom nächsten Semester ab möglichst alle 4 Wochen stattfinden: für dieses Semester noch einer, an dessen Schluß, als Schluß- feier etwa am 21 März. Er soll zeigen, wie mit kleinen Mitteln eine gute Volksunterhaltung möglich ist. $rau Burk Ludwig Daup.'ri, Karl Euler, Heinrich Keller sollen ihn vorbereiten. Endgültige Beschlüsse über einen zur Besprechung an gesetzten Vorschlag bett. Griindung eines Vereins für unsere Volkshochschule wurden
noch nicht gefaßt. Tie Gründung erscheint aus ibeellen und finanziellen ^Gründen wünschenswert
O Grün berg, 13. Febr. Die Freiwillige Feuern ehr ©runberg wählte in ihrer letzten Hauptversammlung veiler meister Karl Seifert zu ihrem ertten ."oauptmarm an Stelle des verstorbenen Spe dtteurs August Jäckel, der bisher dieses Amt be- klerdet hatte In früheren Jahren halte der Vater des Gewählten ebenfalls dieses Amt inne. Tic Ft|chereü»erpachtung in dem fiskalischen ^'tesdnns back erbrachte für die Strecke Grimberg bis Ettingshausen 620 Mk: Pächter wurde Spinnereibesitzer Schlörb aus Lauter. Die bisherige Pack^summc betrug 205 Mk.
Kreis Schotten. Scharlach.
d. Gla shu 11 c n, 14. Jebr. Hier waren in letzter Zeit eine Anzal)l Schulkinder an Schar l a ch erkrankt. Da die Krankheitsfälle sich mehrten, ist aus Anordnung des KreisgesundheitSamtes Schotten die Schule bis auf weiteres geschlos- s t n worden.
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X Gedern, 10. Febr. Am Sonntag hielt die hiesige Ortsgruppe des Einheitsverbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegshinter. Siebenen seit Bestehen ihre erste Generallecsamm- lung ab. Die Ortsgruppe ist seit Gründimg von 17 auf 200 Mitglieder an gewachsen. Der Vorsitzende betonte in seinem Rückblick über die Ent. stehung der Ortsgruppe und des Ern^itsverbandes ganz besonders die politische und konfessionelle Neutralität. Im Anschluß hieran wurde hervorgehoben, daß die Regierung und das gesamte deutsche Volk gar nicht eindringlich genug darauf hin gewiesen iterben können, baß eine Ausbesserung in den Rentenbezügen der Kriegsbeschädigten und ganz be- 1bnber3 der Hinterbliebenen bitter not tue.
d. Hirzenhain, 14. Febr. Eine Sammlung für Naurnschafftmg der Kirchenglocken ergab een Betrag von 1400 Mark.
b. Oberlais, 14. Febr. In der General- terfammlung der hiesigen Spar- und Darlehenskasse wurde Beigeordneter Gustav Pfeiffer als Vvrsitzenber des Vorstandes, Gastwirt Otto Schaucrmann als Direktor des Aufsichtsrates und Maurermeister Louis Werner als Rechner der tö’affe gewählt. — Bei der vor kurzem erfolgten Neuverpachtuug der Gemeindejagd wurde ein noch nie tageroefener Pachtpreis erzielt. Während der bisherige Erlös für die Feldjagd 600 Mark, für die Waldjagd 400 Mark betrug, werden jetzt für die Feldjagd 3500 Mark, für die 2BaIbjagb 6000 Mark bezahlt. An der Waldjagd ist die benachbarte Gemeinde Fauerbach mit der Hälfte des Bettages beteiligt.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 13. Febr. Die verweigerte Erhöhung der Kinderzulage an Beamte, Lehrer usw. war Gegenstand der Beratung .'in?r Versammlung von Lehrerit, staatlichen und städtischen Beamten, Angestellten und Arb.'item, bic im Fürstcusaal unter SSorfifc des Rektors Claß. - Darmstadt ein berufen worden war. Der Vorsitzende beleuchtete in ausfuhrlick)em Referat zunächst, daß der Deutsche Beamtenbund bas Jnterffft bet Angestellten mit Kindern nicht hinreichend v:rir:ten habe und ging bann ein gehend unter Gegm Überstellung früherer und jetziger Verhältnisse und Einnahmen auf die Notlage der Familien mit Kindern ein, ivobei er nachwies, daß, die Erhöhung auch der Kinderzulage Vvn 150 Proz. eine absolute Notwendigkeit sei. — Es schloß sich eine lehr lebhafte Aussprache an, an der sich u. a. Stabt* fefretär Hille, Effenbahnobersekrttär Neste, Fi- nanzamttnann Fournier, Stadtverordneter Krug beteiligten. Es wurden drei Entschließung.'n, iv’IrfK die vorgebrachten Wünsche enthalten unb von d> nen eine an den Landesverband d?s Deutschen Beamtenbundes, die zweite an dm H.'amtenbuno selbst, dem das Miß trauen der Versammlung ausgesprocl-en, und eine dritte als Eingabe an den Oberbürgermeister zu Darmstodt erfolg.m soll.
Aus dem Amlsverkündigungsbiatt.
** Tas Amlsverkündigungsbiatt Nr. 22 vom 13. Februar enthält: Baustoffbewirtschaftung. — Arbeitszeit in ländlichen Betrieben.
Gesuch der Feuervisitatoren um Erhöhung bet Gebühren. — Verbrauchsregelung bar in bie öffentliche Bewirtschaftung genommenen Nährmittel: hier: Preis für Marmelade. — Tie Aufstellung ber Gemeinbevoranschläge für 1920. — Felbberei- nigung Aliendorf a. b. Lumda: hier: Geldaufnahme. — Fastnacht 1920.
Baustoffbewirtschaftung.
Preise für Zie'ieleierzeugnisse, Zement unb Kalk: Die anßerorbentliche Verteuerung ber Ziegelher- tellung, bie seit der Festsetzung der Richtpreise vom 17. September 1919 eingetreten ist, hat es not= nendig gemacht, für Ziegeleierzeugnisse neue Richtpreise festzusetzen.
Für Ziegeleierzeugnisse werden folgende Richtpreise festgesetzt: Backsteine (Hinter- mauerfteine) 150 Mk., Backsteine (ausges. Vormauersteine) 150 Mk., Lehmsteine 85 Mk., Klinker (bis zu 300 Kg. Druckfestigkeit) 160 Mk., Hohlsteine
Die Forderungen der südwestlichen Landw rtschaft für die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Erzeugnisse im wirt- schastzjahr (920.
In einer Vertreterversammlung südwestdeutscher landwirtschaftlicher Berufsverkretungen, die vor einigen Daaen in Wiesbaden ftattfanb, an ter auch bie Bezirksbauernschoft für Nassau und den Kreis Wetzlar teilnahm, mürben einstimmig folgende Forderungen der iüdwestdeutschcn Land- wirnckaft für bie Bewittickaftung landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Wirtschaftsjahre 1920/21 gestellt :
1. S ro t ge t r e i be. Es sind schon jetzt, und zioat unverzüglich, Mindestpreise fest- zusetzen, bic ben derzeitigen ErzeuguargsLasten ent- fpDerfxni. Zu den Mindestpreisen haben Zuschläge zu treten gemäß ber nach ber Ernte 1920 be- ftefamten Erzeugungskostenverteuerung. Für bic Mindestpreise fonxofÄ als auch für die f einer zeitigen Zuschläge toerben die süd- und westdeutsckien land- wirffchaftlichen Berufsvertretungen Sonderforderungen unter Beibringung des begründenden Zahlenmaterials unverzögert stellen.
2. Kartoffeln. Für die Kartoffel wird angesichts des erschreckenden Rückganges, den die Kartofielanbaufläche unter ber Wirkung der Zwangsbewirff choftung erfahren hat, von Ernbrin qung ber Ernte 1920 ab freie Wirtschaft, die jetzt schon allgemein anjtfCünbigen ist, gefordert. Tie landwirtschaftlichen Berufsverttetungen Südweft- teutschlands legen Wert darauf, besonders hervorzuheben, daß die freie Wirtschaft für Kartoffeln nicht im Erzeugerinteresse (denn der Erzeuger kann ohne nennenswerten Kartoffelbau ebensogut und billiger wirtschaften als mit ausgedehntem Kartoffelbau!, sondern ganz allein angesichts der Notwendigkeiten der Äolksemährung, also im Verbraucherinteresse, für unabweisbar angesehen werden muß.
3. Fleisch. Für die Schlachtvtehbewirtschaf- timg wirb mit sofortiger Wirkung bähingehendc Henberung gefordert, daß das Schwein völlig aus ter öffentlichen Wirtschaft herauszulassen ist. Für Rindvieh ist nach dem Trierer System und dem Vvrbilte des Untertaunuskreises freier Aufkauf des Schlachtviehs durch die Metzger auf Grund von durch den StiornmunalPerband ausgegebenen Be- zugsscheinen unter Ausschaltung der Biehhandels- berbänte rinzuführen. Lediylich Ladenver- fau f 8 preif e sind festzusetzen, für bic als Richtpreise z. Zt. 5 Mk. pro Pfund Kalbfteft'ch unb 6 Mk. pro Pfund Rind- und Hammelfleisch vor geschlagen werden. Die Verwertung der Haut ist Sache des Privatodkommens zwischen Landwirt und Metzger. Allvierteljährlich findet Revision dec Ladenverlaufspreife bixd) BewirtschaftungsHrlle- gien, gebildet aus Erzeuger- und Verbrauchervertretern, und unter Terlnahme der zuständigen Behörden tot Rvgterungsbezttke unb Kreise statt.
4. Mil ch. Milchpreise unb Milchzuleitung Vv mben Erzeuyeogebieten M ben Verbrauchsgebieten regeln mit sofortiger Wirkung Luftig nach La nies teilen WittschaftsDllegien gemäß ben Vorschlägen ber Bezirksßettstelle für ben Rvgierungs- bezirk Wiesbaden vom 2. Februar d. Js.
Berlin 13. Febr. (Wolff.) Der Wirischafts- rat beim Reichswirtschaftsministerium nahm zu dem Wirtschaftsplan des Reichswirtschaftsministe riums für das kommende Erntejahr endgültig Stellung. Rach eingehender Aussprache, wobei auch Vertreter der Landwirtschaft wiederholt zu Worte tarnen, entschloß sich ber Wirtschaftsrat, der Reichs regierung vorzufchlagen, baß bie Zwangswirtschaft sowohl für Gelneide wie Kartoffeln aufrechterhalten, und daß Hafer wieder in die Bewirtschaftung einbezogen wttd. Trotz erheblicher Bedenken wurden die Mindestpreise, die bas Reichswirtschastsministerium varge- schlagcn hatte, als angemessen anerkannt, lieber geeignete Formen ber Bewirtschaftung auf ber Grundlage engsten Zusammenarbeitens zwischen den Erzeuger- unb Verbraucher-Organisationen sollen sofort Verhandlungen gepflogen werben.
A«r Hessen.
Ernährungsausschuß.
Darmstadt, 12. Febr. Wie bic Blätter melden, trat der Ernährungsausschuß. der hessischen Volkskammer zu einer Beratung zusammen. Es wurde einmütig beschlossen, an der Zwangs- wirts chafl f e st zu hal t en , befonders für bie wichtigsten Nahrungsmittel, Nie Brotgetreide, Kartoffeln unb Fleisch. Den berechtigten Wünschen b:r Landwirte soll insoweit entgegengefornmm wttden, als künftig Preisfestsetzung, Erfassung und Verteilung unter weitestgehender Mitwttkung der landwirtschaftlichen Organftattoneit vor sich geben soll. Für das kommende Wirtschaftsjahr wurde eine vorbeugende Preispoliti k beschlossen, in dem Sinne, daß schon vor der Aussaat Minoest- • preise für die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse garantiert werden sollen. Ti: Bkstte- bungen, die nun unter allen Umständen Die ZwangsNittschaft beseitigt sehen wollen, werdm einstimmig abgelehnt unter der Begründung, daß
0eegefpcn(ler.
Roman von AnnyWothe.
Amerikanisches Copyright 1918 by Anny Wothe-Mahn. Leipzig.
(Nachdruck verboten.) Fortsetzung 42.
„Sölve wird auch einen Kranz im Haar ttlagen unb ein weißes Kleid," flüstritte er vor sich hin. „Nein, sterben soll sie, wie ich gestorben bin! Nachts," er kicherte leise, „da besuche ich sie immer im Traum. Sie> fürchtet sich vor mir, die dumme Deem. Sie glaubt an Gespenster."
23lebet lachte der Kranke.
„Aus dem Meer steige ich vor ihr auf mit durchnäßtem Haar und bringe ihr Grüße von ben Toten, die alle unter ben Wassern schlafen. Einen Ring reiche ich ihr da, sic soll ihn fragen, wenn ich sie mit. mir hinabziehe auf den Meeresgrund. Sie meint unb jammert und will nicht mit nur kommen — sie — meine Braut."
„Sie ist eines anderen Nttnrnes Weib, Jnge- irxrrt. Sie kann deine Braut nicht sein."
„Kann nickst," gab er klagend zurück, „doch du, Söloe, du kannst es."
„Ich kann cs, Jngewart."
Er sah nicht, wie blaß der rote Mädchennnmd geworden.
„Sing, fleine Sölve, du mußt singen."
Und Sölve drehte das Spinnrad und ihre süße Sttmme schwebte klangvoll durch die Stube:
„Ade, abe, de Summer gerbt!
Ade bet tofum*) Jahr!
Ade, ade, bie Bläder weiht!
Ru ward bat Hart**) mi ftoar.
Ick hew wull jungen en fdjöne Tied, De ganze Sunimer hin;
Nun reis' ick fort, nun reis' ick weit Naht Süden, na de Sünn!***)
„Na de Sünn," nickte der Kranke unb seine Augen wurden groß und sehnsuchtsweit.
Da hielt ein Wagen vor dem fleinen Haus.
Sölve stockte das Herz, als sie die Schwester erkannte.
Still stand sie aus unb stellte das Spinnrad zur Seite. Besorgt glitt ihr Blick zu dem Kranken hin. Er halte das Räderrollen wohl kaum gehört. Draußen vernalM sie schon die gebämpfte Stimme ber Mutter unb bie von Esfrid.
Inge wart Ferks hatte ein Lächeln auf den Lippen.
„Na de Sünn," murmelte er immerzu, bann versank er wieder in seinen Dämmerzustand, der ihn oft befiel.
Sölve ging schweigend hinaus.
*) tofum: künftig. **) Hari: Herz. Sünn: Sonne.
In der grofeen Wohnküche stand Esfrid mit der Mutter in erregtem Gespräch.
,/XSr bars dich nicht sehen," beharrte Mutter Wilke, nachdem sich die Schwestern herzlich begrüßt, „gleich verschlimmert sich sein Zustand. Der Arzt meint, an einem seidenen Faden hänge sein Leben."
Esfrid war totenblaß.
„Es hilft nichts, Modder, ich muß Jngewari sprechen. Wenn er stirbt, ohne tzrß ich mit chm geredet, so muß ich ihm in bas Schattenreich folgen. Laß mich zu ihm."
Mies Abmahnen der Mutter und Sölves hals nichts, da ging Sölve zu Jngewari hinein, um ihn vor^ubereiten.
Er sah ihr unruhig entgegen.,
„Eine Stimme habe ich gehört," flüsterte er, „eine seltsame Stimme. Ich hörte s« mandynwil in meinen Träumen."
„Tu hast recht gehört, Jngewart." __
Unsicher irrten des Kranken Augen zu ^olve auf, die sich terupigenb über ihn baigte. Rauh stieß er ihre Hand zurück und seine Augen rollten wild, als er ganz laut schrie:
„Sie kommt zu mir, die Ungetreue? Sic soll fort, sie ist nicht mit mir gegangen, als ich sie rief — nun brauche ich sie niäjt. Denn es Zeit ist, werde ich sie schon holen."
Unb er lachte ingrimmig in sich hmern. Doch EstrD stand schon in der Tür.
(Normalformat) 170 Mk., Hohlsteine 10 12 25 230 Mk, Hohlsteine 10 14/25 280 Mk., Biber- schiränze 15 31 180 Mk , Biberschr»änze Reichs- Ute'nat 240 Mk , Biberschwänze 18 38 1. Sorte -b0 Mk, 2. Sorte 245 Mk., Falzziegel 1. Sorte 400 Mk , 2. Sorte 390 Mk. Die Preise verstehea ftch „aufgeladen auf Waggon ober Wagen ab Ziege- ler für unverpackte Ware Für Verpackungsinalc- ^9.. Unb für 10 Tonnen 3 Mk Preiszuschlag zu- ausgenommen für Hintermauersteine. So'reit bie Veräußerung von Ziegeleierzeugnissen in Frie- benszeiten durch ben Hänbler üblich war, darf ein Handlerzuschlag für Backsteine von böckriens fünf Prozent unb für Dachziegel von höchstens lOProz. ber obigen Richtpreise berechnet werden.
Preise für Zement:
^ie süddeutsche Zementverkaufsste.le Heidel- berg gibt an bie Händlerfirmen ben Zement zu folgenden -stationssrankopreisen ab: 21,80 Mü, bic 100 Kg. in Stoffsäcken zu 50 üg einschließl. S^r«Icsung-9e^ül)r lüi Swffsäcke, 19,80 Mk. die 100 Kg. in Papiergeivedesäcken einschließl. Papie» gcn»cbeiä(fen, 19,40 Mk. die 100 Jlg. in Papier- fäden zu 50 Kg. einschließl. Papiersäcke. Für Stoff- lacke tritt eine Rückerstattung von 1,80 Mk. für das Stück nach Rücksendung ein. Papier und Papiergewebesäcke werden nicht iurüdgenommen. Als Händlerverdienst können folgende Sätze zu- gesck'lagen werben: Bei Abgabe von 1—50 Sack 30 Proz., von 51—100 Sack 20 Proz., von über 100 Sack 10 Pvoz., bei Waggonlabungen (200 diS 300 Sack) kann ein Uebcrpreis von 10 Mk. für 10000 Kg. genommen werben. Bei Abnahme von 10—30 Doppelwagen lMinbestabnahme 10 Doppelte agen) kommt ber üblid>e Hanbelsrabatt von 7,50 Mark für 10000 Kg. sowie ber jfriegSralxitt von 60 Mk. bei gleichen Sebmgungen hinzu.
Preis für Kalk. Der Preis für Kalk befragt zur Zeit: 1350 Mk. pro Waggon Stückkalk, 2200 Mk. für gewöhn!ickwn Sadkalk, bis zu 2600 Mark für Spezialsackkalk inll. Säcke. Händler- verbienst von 10 Proz. Aufschlag unter geionber* ter Berücksichtigung der entstandenen Spesen.
Die Freigabe von Ziegeleierzeugnissen bei Mengen bis zu 400 Formsteine, 600 Backsteine, 200 Dachziegel, 500 Drainageröhren je Monat unb Baustelle, Zement bei Mengen bis zu 3 Säcke ----- 150 Kg., Kalk bei Mengen bis zu 3 Säcke — 120 Kilogramm, erfolgt für kleinere Reparaturen an Gebäuden unb dergleichen im unbesetzten Gebiet durch die Bezirkswohnungskommissare aus Vorlage einer orisbehörblich beglaubigten Dringlichkrits- bescheinigung. In Städten über 10000 Einwohner hat die Freigabe auf Grund einer von dem städtischen Baupolizriamt ausgestellten 2ringlick»keits- bescheinigung durch den Oberbürgermeister- zu erfolgen. Die Freigabe aller größeren Mengen erfolgt durch bic Baustoffbeschaffungsstelle für Hessen, Sitz in Frankfurt a. M, Obermainstraße 51.
Wagengestellung. Die für Hessen in Betracht kommenben Eisenbahnbirektionen haben ihre Güterabfertigungen sowie (Eilgüterabfertig gen angewiesen, bie Gestellung von Wagen für Zement, Kalk unb Ziegeleierzeugnisse nur gegen Borzeigen einer von ber Baustoffbeschaffun,^stelle für Hessen, bei kleinerer Abgabe gurch bic hessisckvn Bezirkslrvhnungskommissarc bzw. Kreisämter, ober Oberbürgemirister, ausgestellten Freigabebeschenig- img auszuführen.
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Arbeitszeit in ländlichen Betrieben. Ter Staatskommissar für die wirtschaftliche Demobilmachung in Hessen hat, um die im Interesse ber Bolksernährung bringenb nötigen Reparaturen bet Dreschmaschinen und landwirtschaftlichen Maschinen burch Ueoevarbeit zu beschleunigen, bie jdyerseit wiberrufliche Genehmigung erteilt, bie nach brr allgemeinen Landarbeiterordnung übliche Arbeitszeit von 11 Stunben mich auf bic länblichen hanbwerksmäßig betriebenen Wagne- reien, Schlossereien unb Schmiede bis spätestens 15. Oktober 1920 — lediglich zur Reparatur land- wirtschaftlick)er Maschinen — auszudehnen Vorausgesetzt wirb bie Zustimmung ber großjährigen Arbeiter. Beginn ber Arbeitszeit nicht vor 6 Uhr vormittags. Ten Arbeitern ist währenb biefer verlängerten Arbeitszeit eine einstündige Mittagspause und je eine halbstündige Frühstücks^ unb Besperpause zu gewähren. Diese Genehmigung erstreckt sich nicht auf die fügend!ichen Arbeiter funter 16 Jahren».
Preis für Marmelade. Nachdem durch bie Reichs stelle eine weitere Preiserhöhung für Marmelade stattgefunden hat, ändert sich der Kleinverkaufspreis für bie auf Marte 72 ber Nährmittelkarte C vorgesehene Marmeladeverteilung auf 3.70 Mk. per Pfund.
Fastnacht 1920. Nach Verfügung des Ministeriums des Innern hat auch in diesem Jahr jedes Maskentreiben auf öffentlichen Straßen und Plätzen ober in öffentlichen Lokalen un- bebingt z u unterbleiben, ba es die Gefühle weitester Bvlkstteise verletzt und darum ber öftentlichen Ordnung widerspricht Es wird erwartet, daß bie Bevölkerung der Stadt dem Ernst der Zeit Rechnung trägt unb dieses Verbot beachtet. Zuwiberhandelnde werden zur Anzeige gebracht werden. Musik- und sonstige Radauinsttu- mente werden abgenommen Tie Polizribeamten haben dementsprechend Weisung erhalten.
Wie in endlosem Jammer ftch sie luf bie bin* fällige Gestalt des Mannes, den sie betrogen, bann trat sie langsam näher.
Fest wurzelten beider Aicke ineinander.
Sölve ivußte nicht, ob sie gehen ober bleiben sollte, aber die Angst, Jngewart könnte Estrid etwas tun, ließ sie nicht los. Bestngt zog sie sich an das Fenster zurück.
„Ei, Schön-Esttid," HSHite Jngewari, „nun findest du ben Weg zu mir? Wollen wir tanzen? Die Bvoutschuh stehen bereit und aut dem Meeres- gnrnt- klingen die Hoc^ritsglocken. Hörst bu sie?"
„Sprich nicht so, Jngewari," bat Esfrid sanft, nahe an sein Lager tretend, „ich bin gekommen, um Frieden mit dir zu machen."
„Friedens lachte Jngewari aus. „Wo gibt es Frieden? Nein, Esfrid, Kampf gibt es, Kampf bis aufs Mester. Was willst du hier? Geh fort! Du wolltest aricht mit mir kommen, also warte, bis td) dich hole zum letzten Tanz."
Ein Zittern lief durch Esttids Gestalt. Wie um Hilfe stehend blickte sie zu Sölve herüber. Die aber sah es nicht.
Ihre Augen hingen ag der golden hervor- brechenden Sonne, die eine Flut tom Licht über das graut Watt ergoß.
(Fortsetzung folgt.)


