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Die MiettrMtzffrsetzi^bimy.

Berlin, 11. Sept. (Wolff.) In der Presse hnrb vielfach die Besorgnis geäußert, daß die bestehende Mieterschutzgesetz» gebung abgebaut und eine unbeschränkte Steigerung der Mieten zugelassen werden soll; dies trifft nicht zu. Die behördliche Re­gelung der Mieten wird vielmehr noch lange notwendig sein. Es muß dafür gesorgt wer­den, daß auch in Zukunft eine Steigerung der Mieten nur insoweit zugelassen wird, als sie zur Deckung erhöhter Aufwendungen des Hausbesitzers für Unkosten und Verwal­tung, insbesondere für öffentliche Abgaben, Gebühren und Reparaturen, notwendig wird. Demgemäß bereitet das Reichsarbeitsmini­sterium einen Gesetzentwurf vor, welcher die Bemessung der Mieten regelt und eine unberechtigte (Steigerung der Mieten auch für die Zukunft verhindern soll. Die Einigungsämter sollen auch in Zukunft bestehen bleiben, mtb die Entscheidung über die Hohe der Mieten im Rahmen der gesetz­lichen Bestimmungen bebalten.

Eine Tranerfeier in München.

München, 12. Sept. (DB.) Ter heutige Tag war für München ein Tag der Trauer und te5 wehmütigen Gedenkens an seine 13 000 im Weltkriege gefallenen Heldensöhne. Es wurde eine Trauerfeier veranstaltet, an der sich rund 30 000 Personen beteiligten. Tie Teilnehmer sam­melten sich um 9 ilhr vormittags im Hofgarten und marschierten von da zur .Kirche.^ An fcem Buge nahmen viel« höhere Offizier«, darunter btc Generale Ludendorfs und Lhlander so-me Ob.-rst Epp, Vertretet des KriegsminißerrumS, der Bürgermeister von München und zahlreiche Prinz-n teil. Rach dem Gottesdienst zogen dre Teilnehmer Mm Friedcnsdenkmäl, wo Kränze niebergelegt wurden.

Aus r?cfietu

Esperanto als Unterrichtsfach?

Das Hess. Landesamt für das Bildungs- Wesen, unterzeichnet Dr. Strecker, erläßt'fol­gende Umfrage:

Ti,' Völterverftändiguny wird durch bi? Verschiedenheit der Sprachen außerordentlich er­schwert. Das Erlernen füemtec Sprachen hilft mir entern Bruchteil jedes Volkes über die be­stehenden Klüfte lsinweg und auch das nur für wenige einz-lne Nwivnen. Eine leicht erlernbare einhntlich? Welthilfssprache mürbe dagegen rasch einen Bw^en für einen allgemeinen und unmittel­baren (fe^ankenaus lausch unter sämtlichen Völkern der Erde schaffen. Sie wird und soll natürlich niemals die organisch gewachsenen Kultursprachen ers b, n. §i: i'ann unö soll aber neben ihnen ein allgemeines einheitliches Hilsswerkzeug der 23er» ständmung werden. Für die Zukunft bekommt das Streben narb einer neutralen Kunsthilf s- sprache bei alten internationalen Verhandlungen 23öllerbund, Schiedsgericht, Kongreß noch eine besondere Bedeutung im berechtigten Kampf Mgen die kulturell, politisch imb wirtschaftlich be- bcr.nidfe Vorherrschaft einer der gegebenen natio­nalen SpvachrM. Daß die Lösung tos Problems sehr schwierig ist, soll nicht verkannt werden. Uns Deiits.fe aber darf es ermutigen, daß kein anderer als unser großer Leibniz der Kulturmenschheft diese große Ausgabe frfjiou vor zwei Jahrhunderten stellte. Als wohl teirck)fechi und se'hr leicht erlern­bar sowie auch als ganz wohlk.ingeud hat sich das bereits vemlkfy verbreitete Esperanto er­wiesen. Deshalb ergeht an die Schulen Hes­sens hierdurch die Aufforderung, fest- zustrellm. welch. Lehrer utnb Schüler sich bereits mit Eiperan'o beschäftigt haben, und womöglich wei­ter? Vnsucs!' mit wMsreiem Esl>cranta-Unter- rickit überall :<a zu machen, wo sich geeignete Lehr- träile freiwillig dazu bereit finden und für Spra­chen gir begabte Schüler ohne Ueberlastung sich dem Erlernen w-dmra können, lieber das in Lehrerlbeifcii etlox begehende Interesse und die mit dem Estoranlo-Unterricht gemachten Erfah­rungen sehen wir am Ende dieses Schuljahres Berichten an c-as Landesamt für das Bildungs­wesen entggen.

Wir silld der Meinung, daß die Schulen an Ballast schon' genug zu tragen haben, und daß man in dieser Beziehung keine neuen 'Zumutungen recht zweifelbafter Natur an sie stellen sollte. Wenn sich die bisherigen Illu­sionen unserer Pazifisten in Sachen der Völ­kerverständigung so gänzlich verflogen haben, so liegt der wahre Grund wohl nicht darin, daß die Esperanto-Weltsprache imSchulunter- richt noch nicht als Lehrgegenstand eingeführt war. DiesenFehler" nachträglich auszuglei­chen, würde selbst der größere Leibniz in der heutigen Weltlage wohl nicht anraten. Es wäre fatal, wenn nach allen deutschen Miß­erfolgen auf dem Gebiete der Verständigungs­politik das Ausland jenes wenig imposante Bild gewahren sollte, daß deutsche Ähutlei- tungen nilnmehr kommen und sagen:Jetzt muß es einmal mit Esperanto versucht wer­den." Esperanto wird eine Utopie bleiben wie manch andere pazifistische Hoffnung.

Ein Antrag gegen die Steuerhinterziehung.

rm. Darmstadt, 12. Sept. Gegen die Steuerhinterziehung hat ber Ländtogs- abnenrbnete Lang (Soz.) bei ber Kammer einen dringlichen Antrag emgereicht, nach welchem die Regierung ersucht werden soll, sofortige ernsthafte Schutt- bei ber Reichsvegienour zu unternehmen, damn in aller .Kürze andere Zahlungsmittel go- fttwiseii werden und das derzeitige Geld in einem kamen Zeitraum bei ber Sträertehörte ober einer anderen amtlichen Stelle abgeliestrt tew ein» getauscht wird. Gelder, welche bis zu dem ange» efcten Termin nicht abgeliefert ober eingetauscht sind, sm» für wertlos zu erklären. Tie SBtfrim- mungen gelten auch für das deutsche Geld im Ausland. Hier sollen aber besondere Bestimmungen getroffen werden. In der Begründung wird barcruf hingewiesen, baß die meisten Kriegsgewiniüer, .Schieber und Wucherer, die durch beit Krieg ihre Mitmenschen gewaltig ausgebeutet und sich da­durch gewaltige Reichtümer erworben haben, diese der gerechten Besteuerung entziehen, als sie bas Geld entweder zu Hause liegen lassen ober in bas SUSlattb verschoben haben. Damit diese BolksauS- beuler entsprechend versteuert worden können, ist ein Vorgeh n der Negierung unbedingt

Nus Stabt ttttb Ottö.

Gießen, den 13. Sept. 1920.

Die .^ohienprovuktion in Hesse«.

Die monatliche Statistik ber Kohlmprobuktion des Landes Hessen weist für den Monat August 1920 folgende Zahlen nach: An Rvhbmunkohlen wurden geförbert 13 041 Tonnen, verkaufr wurden davon 16 608 Tonnen; der größte Teil der Roh­kohle würbe weiter verarbeitet ober war zur wei­teren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbei­teten Rohkohlen routben neben Schwelereiprodukten erzeugt: 310 Tonnen Braunkohlenbriketts, 1825 Tonnen Naßpreßstnne. Außerdem wurden in Hessen erzeugt: 8825 Tonnen Steinpreßkohlen. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten über­nommenen Bestände, sowie des Absatzes _ und Selbstverbrauchs verblieben am Monattschluß ab­satzfähig: 8118 Tonnen Rohkohlen, 413 Tonnen Briketts, 3921 Tonnen Naßk-veßsteme; zusammen 12 452 Tonnen Braunkohlen und Braunkvhlen- probukte im Gesamtwert ton 1 806 475 Mk

Veranstaltungen.

Montag: Neue Aula, 8 Uhr, 23ortrag Graf Luckncr. Hotel Gmhom, 8 Uhr, 2. Bietermeier- 2ltenb. Cafe Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstel­lung ber Medick-Meibinger. Lichtspielhaus, Gallarbo, brr König ber Arena". Lichtspiele Seltersweg, wie gestern.

*

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt würbe am 6. September ber Privatbozent an ber Universität Frankfurt a. M. Tr. Hans Schneiberhöhn aus Mainz zum etatsmäßigen außerorbentlichen Professor für Mineralogie imb Petrographie an ber Laubes-Universität Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1920 ab; ber Regik- rungs- unb Baurat Tr. ing. Karl Thürnau zu Kassel zum orbentlichm Professor für Ingenieur- Wissenschaften, insbesonbcre für bas Wasserbaufach, bei ber Technischen Hochschule in Tarmstabt mit Mirkmig vom 1. Oktober 1920 ab; am 2. Sep­tember b. I. die Geometer 1. Klasse Karl Morb zu Gießen imb Otto Eich zn Büdingen zu Land­messern bei dem Katasteramt, sämtlich vom 1. April b. I. an; am 8. September 4920 ber Schrei b- gehilfe Friedrich Kopp zu Gießen mit Wirkung vom 1. April 1920 an zum Kanzleigehilfen bei ber Külturinspektion Gießen. Erledigt sind die Forstwarteien Burkhards in der Oberförsterei Schotten, Glaubzahl in der Oberförsterei Bad- Salzhaujen, Horchen l>a in in ber Oöerförsterei Grebenhain, Kiliansherberge in ber Oberförsterei Feldkrücken, Köbbingen in der Oberförsterei Storndorf, Lanab in ber Oberförsterei Hichels- borf. Tie Melbungen zu der Enbe Oktober stattfinbenden Juristischen Fakultäts­prüfung sind mit ben in § 5 ber Prüfunas- vrbnung vorgeschriebenen Anlagen bis zum 15. Ok­tober an bas Universitätssekretariat einzureichen. Kriegsteilnehmer, betten ein Semester der Kriegs- dienstzeit auf die Studiendauer in Anrechnung ge­bracht werden soll, haben au Berbern einen Nach­weis ihrer Kriegsleilnähme 'Militäipaß ober Kriegsranglistenauszug) beizusügen. Die schrift­liche Prüfung beginnt Donnerstag den 21. Ok­tober, morgens 8V2 Uhr, in der kleinen Aula der Universität in Darmstadt. Eine besondere Ladung erfolgt hierzu nicht.

** Abonnement-Vorstellungen des Stadttheaters. Bisherige Abon­nenten des Stadttheaters, die noch Ansprüche auf ihre Plätze erheben, können diese bis spätestens Mittwoch, den 15. September 1920, mittags 12 Uhr, auf dem Stadthaus, Zim­mer Nr. 15, schriftlich geltend machen.

* * Die Milchempfänger, deren Karte auf Va Liter, lautet, können voraussichtlich in dieser Woche nur Dienstag, Mittwoch unb Freitag be­liefert werben. Näheres siehe Anzeige.

* * Freibank. Dienstag, 14. Sept., werden von 13 Uhr die Nrn. 22012300 beliefert.

* * Die Maul- unb Klauenseuche ist in Gießen weiter in folgenden Gehöften amt­lich seftgestellt worden: 1. West-Anlage Nr. 31, 2. Marburger Straße Nr. 58, 3. In Löbers Hof Nr. 5, 4. Rodheimer Straße Nr. 11, 5. Schiffen- berger Weg Nr. 54. Die Sperrmaßregeln sind angeorbuet.

** Vorsicht beim Drachensteigen- lassen. In Niedervellmar bei Kassel ließ ein Junge Drachen steigen, bie er an Blumenbraht befestigt hatte. Der Draht kam ber Leitung ber Ueberlanbzentrale zu nahe unb ber Jung« wnrhe schwer verletzt. An seinem Auskommen wird gezweifelt.

** Gegen bas neue Reichsversor- gungsgesetz wurde gestern in ganz Deutsch­land von sämtlichen Kriegsfeschäbigtmorganisatio- nen, einschließlich bes Deutschen Offizier'ounbes, protestiert In Gießen war bei Träger dieser Be­wegung vornehmlich ber Reichsbunb ber Kriegs- tesä»äbigten, ber gestern nachmittag im Cafe Leib eine Prote st Versammlung veranstaltete. Herr Spieß- Frankfurt bedauerte zunächst, baß nicht schon währenb bes Krieges ein Gesetz ge­schaffen wotben sei, bas bie Existenz ber Kriegs­opfer verbürge. Dann unterzog ber Rebner bie besonders nachteiligen Einzelbestimmungen bes neuen Bersorgungsgesetzes und namentlich dessen Ausführungstestimmungen einer scharfen Kritik. Wenn schon eine ganze Reihe von Paragraphen des Gesetzes für die Kriegsbeschädigten unannehmbar sei, so hätten die Aussührungsbestimmimgen bas Gesetz in ein richtiges Klassengesetz verwandelt, da durch sie die Offiziere einseitig bevorzugt würben. Der Redner trat bann sehr lebhaft für die Aermsten ber Armen, für bie noch jetzt in Lazaretten und Heilanstalten untergebrachten Schwerkriegsbeschä­digten ein, denen vor allem eine bessere Verpfle­gung beschafft, werden müsse. Unerhört sei es auch nach Ansicht des Redners, daß ben Kriegs­gefangenen zugemutet werb«, den Nachweis zu er­bringen, baß sie unverschulbet in Gefangenschaft geraten seien. Herr Kr a m er - veuchelheim beschäftigte sich ebenfalls mit ben Einzelbesbimmun- gen des .Gesetzes Ebenso Stadtverorbnetev Weiß. Auch biefer Redner wandte sich scharf gegen bie angeblichen Klassenunterschiede, bie das Metz schaffe, besmchers in ber Behanblung ber Offiziere unb in ben Ausgleichszulagen für bie Angehörigen der verschiebenen BerussgruvpOi. Ein Vertreter des internationalen .Kriegs feschä» digten-Bmibes forderte nicht nur Aenderung ein­zelner 23estirnmungen, sondern Schaffung eines vollständig neuen Gesetzes. Weiter forderte dieser Herr Zusammengehen derKriegsteschädigtmorgani- istioncn mit linksstehenben politischen Parteien und ben Gewerkschaften, um eventuell buxch Ar- ^'^iustellungen die ftorbemngen ber Krieg s- teschadigten burchzusetzen - $xrr Meibinger regte bie Abhaltung größerer Wohltätigkcitsder-k

! mstaltungra zugunsten bet Kriegsopser an. 1 iterr Feldmann wies darauf hin, baß nur die altitoii Offiziere zwischen dem alten unb neuen Bersorguiigsgcsetz wählen könnten. Der roeitnuö größte Teil ber Offiziere, bie bes Beurlaubten- stantes, würden nur nach dem neuen Gesetz abge» runben, bas keinen Unterschieb -zwischen Offizier und Mann kenne. Stabtv. Weiß widersprach dem Vorredner. Stabtv. Volz (SPD.) unb ReichstagSabg. Beck mann USP.) erklärten im Namen ihrer Fraktionen, energifdjjür bie Kriegs- opfer eintreten zu wollen. Am Schluß ber Ver­sammlung wurde folgende Entschließung ein­stimmig angenommen:

Die feilte tagenbe üfteattliche Versammlung betont aus das (-ftttschiedenste bie slövtwendigLnc ber Beseitigung ber nachteiligen Bestimmungen des N< icksver sorg ung?gcfetzes. Tie Vorbeiseiungen, die bas neue Gesetz bringt, werben ;edoch durch bieies selbst Mim großen Teil wieder vollständig aufgeho­ben. Die beredüigtcn Fvrberungen ber Opfer des Krieges sind im Bersorgungsg«>etz nicht erfüllt. Tie Versammlung anerkennt bas Recht der Be­schädigten und Hinterbliebenen, für br von ihnen gebrachten Opsec ausreirljende Entschäpigungen zu erhalten. Aus das Sck)ärfste wird gegen bie un­erträglichen Bestimmungen über bas Ruhen Oer Rente unb gegen die Anrechnung des von ben Kvankenlässen auf Grunb eigener Beitragsleistung ber Beschädigten gewährten Danken- unb Sterbe­geldes auf bas nach dem Reichsversorgungsgesetz zusdehende Kvank^nlxrus- unb Sterbegelb Einspruch erhoben. Ter 8 28 des Gesetzes, ber die alte dienst- gvadmäßige Versorgung teilweise toreber auslefen laßt unb eine K^ssenversorgung bedeutet, muß beseitigt, der § 25 Abs. 3 abgeänbert werden. Tie Vcrsorguiigsgebührnisle der vollständig Erwerbs­unfähigen müssen zumindest an bie Bezüge der Reichswehrsoldaten angepaßt werden. Tie Ein kom­mensgrenze, von ber ab fttiegereltent em Rechts­anspruch auf Rente zusteht, muß entschieden höher gesetzt werden. Unter Aufrechterhaltung ber gegen­wärtigen EinLommenSgrenze müssen bie meisten fttiegerellecn wie bisher Unferstützung aus öffent­lichen Mitteln beziehen. Tie Reutenbezüge der Hinterbliebenen sinb unzulänglich. Alp das Schärfste wird dagegen Einspruch erhoben, daß b?r § 30 des Reichsversorgungsgesetzcs offen gegen den Artikel 121 ber Reichsversassung verstößt. Die Ver­sorgungsgebührnisse ber Beschädigten müsfen zum Zwecke des Erwerbs von Grundbesitz minbestens bis zur Hälfte kapitalisierungsfähig fern. Der §96 muß entweder aus alle Versorgungsbere,chtigle.i ausgedehnt ober vollständig beseitigt werden. Keinen Platz dürfen im Gesetz die §§ 93 und 100 haben. Ter Rechtsanspruch auf 'Heilbefendlung und Be­rufsausbildung muß für die Hinterbliebenen ge­geben werben. Ten aus jahrelanger qualvoller (Äfangensclxrft zurückgekehrten einmaligen. Krie^fs- g?sangenen müssen die größten Vergünstigungen in b?zug auf 'Steuerleistmrg eingeräumt werben. Es wirb eine vollständige Meuerbefrenmg und die sofortige Beseitigung des Steuerabzugs mindestens für das Stnieriahr 1920 für alle bieienigtn ehe­maligen Kriegsgefangenen verlangt, die em iäl)r- lickns Einkommen von 14 000 Mk. nicht haben. Tie Versammlung betont, daß bi« vorstefenden Forderungen nur das Mindestmaß 'darstellen. Von ber Regierung und vom Reiä)stage wirb verlangt, daß diese bevechttgten Forderungen umgehend er­füllt werden."

** Vortrag Graf Luckner. Auch ber zweite Vortrag des Grafen Luckn-er in Offenbach, Tarmstabt, Bensheim, Lindenfels und anderen Orten hat, wie die Deutschmationale Volkspartei mitteilt, überall starken Beifall gefunden. Wir empfehlen daher den Besuch des beute Abend in der neuen Aula der Universität stattfindenden Vor­trag aufs wärmste. Nach dem Vortrage werden sich bie Parteifreunde mit Herrn v. Luckner zu einem Abscküebstcunk im GaschosHmbenknirg" ver­einigen.

** Im Lichtspielhaus wirb bis ein­schließlich Donnerstag ber spanische Stierkampffilm Gallaido, der König der Arena" ge­geben. Die Wirkung dieses spanischen Original» films, welcher in Dcucschtanb zum ersten Male ge­zeigt wirb, liegt in bei hervorragenben Hanblung, in ber Spannung ber wechselnben Arenaszenen unb dem Doppeltalent Callarbos, ber nicht allein ber König ber Arena", ber Bezivinaer der Stiere, son­dern auch ein ausgezeichneter Schauspieler ist.

** Die Koh lensparapparat« in ber Stabt Mainz", Kveuzplatz 5, werben heute bte 7 Uhr abends zum letzten Male vorgeführt.

Landkreis Gießen.

te* Beuern, 11. Sept. Der Gemeinberat beschloß für die seinerzeit abelieferten Glocken Neu anschaf funa. Die Ausführung wurde ber Glockengiebevei zu Sinn übertragen.

v. Lich, 1L Sept. Die Ifter ausgebvochene Mauk - und Kka u enseulche greift rafertb itm sich. Bis zum Freitag absnd waren nicht weniger als 67 Gehöfte als verseucht geineÄet. Zum Glück tritt bie Seuche nicht so heftig auf, wie dies früher schon ber Fall war. Großvieh ist noch gar nicht eingegangen; nur fallt bas Jungvieh, ins- befbnbere Ferrel, der KvanUert Ä gerne zum Opfer.

Kreis Lauterbach.

la. Bermuthshain, 13. Sept. Vor eini­gen Tagen wurde auf der hiesigen Bahnstation eine Hamsterin festgenommen, bte ihre HMnfterware gut verborgen »u haben glaubte. Der Umfang der Dame erschien den Gendarmen doch etwas zu stark. Sie wurde dvshalb eingeladen, aus dein Zuge aus- ^usteigen' im Dienstraum ber Station half eine freundliche Bauersft«u der ausfallenden Reisenden die Kleider ausziehen, wobei 16 Pfund Butter zum Vorschein kamen. Die Dame wurde von 12 Pfund befreit und durfte mit dem Rest bie Weiterreise nach Frankfurt tmtretat

Kreis Schotten.

_, * Gebern, 11. Sept. Gestern machte ber Schmiebemeister Birx seinem Leben ein Enbe. indem er sich mit einem Messer bie Kehl e burch- schnitt. Aerztüche Hilfe blieb erfolglos. Der Grunb zu biefer Verzwrifliungstat mag wokil in erster Linie in einer hartnäckigen und schmerzhaften Krankheit zu suchen sein, die ihn seit Monaten ans Bett fesselte. Die schwergeprüfte Familie wirb um­somehr bcbauert, als ihr vor fast genau einem Jahr ber größte Teil ber Hofteite mit vielen Fnicht- öorräten abbramtte, die inzwischen neu unb größer wieder aufgebaut worden ist.

Kreis Friedberg. Brmtukohltn.

fb. Obererkenbach, 11. Sept, Aus ber GewerkschaftErlkönig" werden aus einem neu aufgeschlossenen Tiefbauflötz stückreicfe, feizkeaftig? Braunkohlen gefördert. Di« Kohlen .nerixm von bin Werke fuhremveise abgegeben unb können ben Abnehmern durch Lastauto zu gestellt ttrrb?n.

Q. Bad-Nauheim, 11. Sept. Die heute im SaalbauThalysienhof" eröffntte O b st - unb G e m ü s c a u s st e 11 u n g des Obst- unb Qkmen» bauvereins ist außerordentlich zahlreich beschickt. Auch bie Staatsgärtnerei unb bie Stadtverwaltung sind mit sehr schönen Erzeugnissen.ihrer lanowirt­schaftlichen Betriebe vertreten. Für bie am 19. b. Mts. beginnend? Aerzteversamm- lang sind bis heute etwa 1500 Zimmer an ge­meldet. Es hat sich ein eigener Wvhnungsausschnß gebildet, ber bie Beschaffung roeiteret 3immer übernommen hat. Von ber Bade- und Kurverwal­tung unb ber Stabtverwattung werden große Vor­bereitungen getroffen, um ben Gästen das Leben in Bad-Nauheim möglichst angenehm zu gestalten.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Mainz, 13. Sept. Die Stadtver­ordneten bewilligten in ihrer letzten Sitzung den Bau von etwa 135 Kleinwohnun­gen zur Behebung der durch die Besatzung besonders großen Wohnungsnot. Die Kosten sind cruf über 8 Millionen Mark veranschlagt, die etwa zur Hälfte durch das Reich ersetzt werden. Baumaterial ist in "chinrelchender Menge vorhanden. Für Erwerbslosenbeschäf- tigung werden weitere 3 Millionen Mark be­willigt.

Hessen-Nassau.

Tagung des A8grmeinen Eisenbahner-Verbandes

Frankfurt a. M., 13. Sept. D4e BeziM- Vereinigung des Allgemeinen Eisenba'hner-VerbLn- bes für ben Eisenfehndirertivnsbezir'k Fvamffurl a. M. hielt am Samstag unb Sonntag in Frmik- suri a. M. ihren diesjährigen Bezirkstag ab. Er wurde mit einer öffentlichen Eisenbahnertorsamm­lung eingdeitet. Landtagsabgeovbneter Riedel (Charlottenburg) sprach über die wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse ber Eißmfehnbeamten und Eisenfehnarbeiler . Er behandelte ausführlich ben neuen Reichslohntarif ber Arbeiter und die Besoldungsorbnung der Beamten, um bann das arbeitstechtliche Programm der nöchslien Zukunft in großen Zügen zu skiWieren. Außerdem behcrn- beite er die UnwirtschaftlicÄeit des EÄenbäh» betriebet und gab dabei bekannt, daß ber A. E. B. hervorragende SachtorstÄrdige mit der Ausarbei- hing von Wicdevaufbaudvr schlägen betraut habe. In der Aussprache richteten einige Funktionaw des ,svzialistiich-r»bikalen deutsck-en Eisenbahner- Verbandes Angriffe gegen ben Vvrlragmrden und den A. E. V., die aber unter starkem Beifall der überwiegenden Versammlungsmehchcit mit Leich­tigkeit zurückgewiesen wurden.

Die eigentliche Verbandstugurig begann Sonn­tag unter Teilnahme von zirka 70 Delegierten aus allen Teilen des Direktivnsbeziftk>s. ÄozirK- leitet Hertel konnte in seinem Geschäftsbericht mitteilen, daß die Mitgliedei^ahl des Verbandes im Bezirke sich im Saupe des letzten Jahres trotz der rabi(taten Gegenströmung von 5000 auf mehr als 6400 gesteigert habe unb ein Wachstum statt­findet. Die Telegierien nahmen ein weiteres Rv- fevat des Abgeordneten Riedel über die Stellung des Verbandes inner halb der deutschen Gewerk­schaftsbewegung und zu ben wichtigsten Gegen­wartsfragen entgegen. Hetvorgehoberr au werden verdient, daß ber A. E. D. mit den Htrsch-Dun- letscken Gewnckverrinen und beut GütorkfchaftK- burtb ber Angestellten sich zum Gewerkschaftsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Bvamten- vetbände zusamnrengesckSoffen hat. Dieser Gewerk­schaftsring wird in allen größeren Orten, afio auch m Frankfurt a. M., eigene Ottt-verbände bilden unb tritt als dritte große Arbeitnehmer- gruppe zwischen ben freien imb den chrisckichn ^Gewerkschaften auf. 901 gemein kam der Wunsch zum Ausdruck, daß angesichts ber Freigabe ber Kartoffelwirtschaft auch in diesem Jahve den Eisen­bahnern eine Emkeklerungsbeihilfe gewährt werde. Anherbem befaßten sich zählteiche Anträge mit dem Reichslokmtarifvrickrag imb mit ber Besol» dunosvrbnung. In einer besonderen Entschließung rouroe gegen dos JLKordversahren im Eisenbahn­betriebe Stellung genommen, das als Unwirtschaft-' lick, und unpraktisch abgelehnt mutte. In einer werteren Entschließung tvurde ber Abbau ber Le- beusmittelpreise gefordert.

In ben engeren Bezirksausschuß wurden SchmLtt-Limbura, Latsch-Fulda, Erbard-Giehen, Klein-Opsen, Wilfelüv-Fvankfirri a. M.. und Gres- Nassan gewählt.

Sperrzeit für Zuziehende nach Frankfurt a. M.

fb. Frankfurt a. M., 11. Sept. Die Sperrzeit für neu zuziehenbe WohnNngs- suchenbe beim städtischen Wvhnimgsamte zur Be­schaffung von Wohnungen, ist vorläufig bis zum 1. Dezember verlängert worden. (Unseres Wissens ist be Spsrrzeit für Gießen aufgehoben worben, weil sie ben gesetzlichen Bestimmungen entgegen wäre. Hat Gießen etwa verhältnismäßig weniger unter ber Wolnrungsnot zu leiben als Frankfurts Die Red.)

*

mc. Frankfurt a. M., 12. Sept. Meder einmal einen Demonstratio nszug, bei dem es an ben beftumfeit kommunistischen aufreizenden imb Volk«verhetzenden Plakaten neb stben dazuge­hörigen roten Fahnen nicht felgte, veranstaltete brate vormittag bet internationale Bund der Kriegsbeschädigten durch bie Straßen ber Stadt, nachdem man vorher im Zillertal vonGw^ Frankfurt" gegen bas angebliche neueDreiklassen* gesetz" in ber Ktai-egsbeschäbigtcnfürsorge protestiert hatte. Die Rebner erklärten, bas Gesetz müsse sal­ben, sonst würbe man es mit Gewalt zu Fall brin­gen. Eine Deputation, die mit fern Magistrats' Vertreter unter Han beite, konnte nur bie Zusage er­reichen, daß ber Magistrat bie Wünsche der Temov- ftrantai an bie tetr. Reichsftellen weiter leiten wolle.

fb. Frankfurt a. M., 12. Sept. Zur Ver­minderung des gewaltigen Fehltelrages bei ben städtischen Krankenanstalten ist bei ber Stadtver­waltung bie Veranstaltung einer Lotterie an­geregt torrben. Mit dem Pstm Hit sich« der Haupt- mksschuß ber Stablverorbnetenversammlung bereits beschäftigt; er >vird darüber in ter nächsten Stabt- vervrdnetenvcrsarnmlung Mitteilung machen.

mc. Frankfurt a. M., 12. Sept. Zum ersten Male nach dem Kriege trieft der Prankfurter Kreist riegerverbanb im Hippodrom einen Kriegertag, der von einigen tausend Männern besucht war. Aus allen Reben ging das treue Bekenntnis zum Vaterland h.-rvor. Nicht grollend zur Seüe stehen, sondern arbeiten, bas sei die Losung. Die Veteranen von 1870/71 wurden dann noch besonders geehrt.

ft*. Möttau, 11. Sept Die drei Söhn« des Gasttoirt-s Heinrich Hardt Gerieten in Mwesenhert ihres Vaters in Streit. Nach dem Streite schvtz ter 26jährige Friedrich Hardt mit einem Ättra-