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Berliner Breffeftimmen.
Berlin, 13. Aug. Nach dem „Bttl. Tgbl." ist Millerand zu seiner Manifestation argen die englisch- Poli'-il durch die völlig zügellose Pariser Presse bestimmt worden. Vermutlich jucht man gegenwärtig bereits nach Rückzugs- Wegen. Tie „Freiheit" glaubt, daß die -^owjet- regierung mit dem General Wrangel fertig werden wird, ganz ohne Rücksicht aus die mehr oder weniger moralisch? Unterstützung seitens der französischen R-publik. Rach der „Kreuzztg." wäre es int höchsten Grade unangebracht, aus dem jetzt offen zutage tretenden Gegensatz zwischen England und Frankreich auf eine dauernde Verstimmung zwischen den beid-m Staaten zu schließen und an diese llnsnmmigteilen irgendwelche lMhgespanntcn Erwartungen für Deutschland knüpfen zu wollen. Wenngleich England und Frankreich ihre eigenen Wege gehen möchten, so sei doch mit Sicherheit ^u erwarten, daß beide Teutschland gegenüber in jedem Falle einig sein würden. Man werde in England und Frankreich nichts unversucht lassen, auch diesmal die Gegensätze zu überbrücken, zu welchein Ziveck ja auch eine erneute Zusammenkunft von filiohb George und Millerand in AuWcht genommen sei.
Rigoroses Vorgehen der interalliierten Ueberwaehung-kommisfion in Oesterreich.
Wien, 12. Aug. (WTB.) Das „Achtuhr- Abendblatt" sckweibt in einem Artikel über das Vorgehen der in Wien weilenden inicr- al liierten Uebe rwachun gs ko m Missionen, welche infolge des Standpunk es der Entente, daß das gesamte Kriegsmaterial und alles, was zu seiner Erzeugung gedient habe, ihr auszuliefern sei, daß auch halbserttges Material und eine Unmenge von Rohstoffen in einer. R.i'he von österreichischen Jndustri?- mrternehmun gen durch Palrauillen von Ententesoldaten beschlagnahmt, unter dem Vorwand der 23er< Hinderung der Erzeugung von Kriegsmaterial die letzten iverwollen Rohstoffvorräte der österreichi- schen Industrie weggcnonrmen und der Arbeiterschaft die Arbeitsgelegenheit vermindert ivorden, sv daß, wenn dieser Zustand noch kurze Zeit cm- tmiere, in einer Reihe von Unternehmungen zu Massenentlassungen und zur Stillegung der Be- 1 riebe geschritten tvcrden müßte.
2leußerungen LudcudorffS.
München, 12. Aug. General Ludendorff, der zurzeit bei dem Erbgrafen Fugger- Babenhausen auf Schloß Wellmburg bei Augsburg weilt, erllärte einem Vertreter der „München-Augsburger Abendzeirung" gegenüber, sein Aufenthalt in Wellenburg diene nur dec Erholung, deren er vor seinem Umzug nach München, wo er ein Landhaus gemietet habe, dringend bedürfe. Von der Ludendorff-Spende habe er sich vollkommen zurückgezogen unb er wisse auch mcht, was mit ihr geschehen sei oder noch geschehen werde. Zu den politischen Verhältnissen erklärte Ludendorff, er stelle sich auf den Boden, den die Regierung betreten Hobe. Um aber den Neutralität s ftanbpunkl. wirklich wahren zu können, sei Deutschland zu schwach; ohne bewaffnete Macht sei Deutschland weiter nichts als ein Spielball zwischen der Entente und Rußland. Der Bolschewismus werde immer noch falsch beurteilt, auch von der Entente, die sonst eine Verminderung der Reichswehr in diesem Augenblick mcht hatte verlangen können. Ein Zusammengehen mit Rußland sei gewiß zu erstreben; ob ein solches aber mit einem bolschewistischen Rußland möglich sei, müsse er bezweifeln.
Lin Attentat auf venizelor.
Paris, 13. Aug. (WTB.) Havas. Der griechische Minister Präsident Venrzelos, der am Donnerstag abend Paris verließ, um sich nach Nizza' und von dort aus nach Griechenland zu begeben, wurde in Lyon in dem Augenblick, als er den Zug besteigen wollte, von zwei Individuen angegriffen. Der eine der Angreifer gab drei Schüsse ab, ohne jedoch fcu treffen, wahrend der andere fünf Schüsse abseuerte, wo- durch Venizelos angeblich leicht verletzt wurde.
Einer späteren Meldung zufolge ist Venizelos sowohl an dec lütten Schulter wie auch auf der rechten Körperseite verletzt worden. Er wurde tn ein Spital verbracht. Die beiden Attentäter wurden verhaftet. Es find dies der 23jübrige griechische (^enteteutmmt Kari dis Georges, wohnhaft in Paris, und der 25jährige Journalist Thoravis, Korrespondent des Börsenblattes in Athen. Auf "dem PolizeiLimmissariat erklärten die Beiden, daß sie das Verbrechen wohl überlegt habest und daß sie Griechenland von einem Bedrücker befreien wollten, um so die Freiheit der Bürger sicherzustellen.
Aus öem Reiche
Das Entrvaffnungsaesetz.
Berlin, 12. Aug. (Wolff.) Das Reichsgesetz über die Entwaffnung der Bevölkerung vom 7. August tvird in Nr. 169 des
ReichSgefetzblatles vom 11. August veröffentlicht. Das Gefetz ist mithin am 11. August rn Kraft getreten. Die Diensträume des Reichsrom- m i s s a r s befinden sich im Rcichsmrnisteciirm des Innern, Am Königsplatz 6. Der Entnmrf der Aussillwungsbestirnmungen zu dem Entwaffirungs- gesetz ist in Arbeit Der Entwurf wird rn den nächsten Tagen mit den beteillgten Rerchsresivrts und sodann mit den Vertretern der Lander erörtert werden. Er bedarf alsdann der Zustimmung des vom Reichstag gewählten Beirates.
Die Notlage von Künstlern und Gelehrten.
Berlin, 12. Aug. (WTB.) Die Mitglieder des R e i ch s w i r t s ch a f t s r a t e s, Dr. Leon Zeitlin und Professor Dr. >zäckh, brachten den Abendblättern zufolge einen An-, trag ein, der Reichswirtschaftsrat wolle beschließen, daß der wirtschaftspolitische Ausschuß beauftragt werde, zur Abhilfe der lnirt- schaftlichen Notlage der in wissenschaftlichen und künstlerischen Berufen tätigen Personen und zur Sicherstellung der wissenschaftlichen Forschungsarbeit und oes künstlerischen Schaffens die in Betracht kommenden Maßnahmen umgehend zu prüfen und dem Reichswirt- schaftsrat Vorschläge zur Beschlußfassung zu unterbreiten.
Die Auswüchse bei Lohn- und Arbeitskämpfen.
Don deutschnationalen Abgeordneten ist im Reichstag folgende Anfrage eingebraclft worden: ,,Tre Lohn kämpfe nehmen neuerdings wieder schärfere Formen an. Aus verschiebencn Gegenden des Reiches toerden Fälle schwerer Ausschreitungen gemeldet. Meist handelt es sich um Bedrohungen imd Erpressungen, vereinzelt auch um Körperverletzungen. Viele Arbeitgeber und ihre leitenden Beamten sind gegenüber diesen ?lus- schreitungen ihres Lebens nicht mehr sicher, auch die Erhaltung und Fortführung des Betriebes ist bedroht, wenn die Arbeitgeber nicht nachgeben. Zweifellos führt die Verschärfung dec Lohnkämpfe von dec Einführung des Lohnabzuges her. Bisher haben sich die Arbeftgeber der ihnen durch Reichsgesetz auserlegten Pflichten nicht entzogen und im Interesse des gesamten Volkes für den Reichssiskus die höchst undankbare Ausgabe des Steuereinnehmers übernommen. Sollen sic diese Aufgabe iveiter erfüllen, so erwarten sic, daß ihnen die Behörden den notwendigen Schutz für ihr Leben, ihr Eigentum und das sonstige ihnen anvertraute Gut gewähren. Sind der Regierung diese Auswüchse der Arbeitskämpfe bekannt und wie gedenkt sie wirksam einzugreifen? Wir bitten um fchleu- irige schriftliche Antwort.
Sus dem besetzten Gebiet.
Französische Gerichtsbarkeit.
fd. Königsstein, 12. Aug Ein ILjcchr. junger Mairn mußte mit einem Rade auf dec Hauptstraße einem Fuhrwerk ausweichen. Er kam dabei nahezu zu Fall. Um sich vor dem Ueber- fahrenwerdcn zu retten, hielt er sich am Arm eines zufällig am Platze stehenden französischen Sergeanten fest, wobei das Bein des Franzosen von dem Pedal gestreift wurde. Für dieses „Verbrechen" wurde der junge Mann von dem französischen Militärgericht wegen Beleidigung der französischen Armee zu acht Wochen Gefängnis und 100 Mk. Geldstrafe verurteilt.
Ares Stadt und Land.
Gießen, den 13. August 1920.
Pilze.
Tie fruchte Witterung der letzten Wochen war dem Wachstum der Pilze sehr günstig. Tie Pilz- liebhaber, deren Zahl während des Krieges ja sehr gewachsen war, mögen aber beim Sammeln einige Vorsicht bewahren. Vor allem beim Ehampignon, t>er jetzt auf feuchten Wiesen in Massen wuchert. Tiefer Pilz ähnelt äußerlich dem sehr giftigen Knollenblätterschwamm. Wer aber daraus achtet, nie einen champignonähnlichen Pilz zu pflücken, Unterste des Hutes weiß ist, der kommt auch hier nicht in Gefahr. Der Champignon ist unter seinem Hute nie weiß, sondern stets gefärbt, .anfangs rosenrot, später rotbraun, bis schokoladenfarben, ffn Alter fast schwarz; auch riecht er stets auffallend nach Ams oder Mandeln. Die ganz jungen kugeligen Pilze, die eben erst aus der Erde kommen, meide der Laie; ihre Eßbarkeit ist erst nach dem Zerschneiden fest- zu stellen (im Innern schimmern die zukünftigen „Blätter" rötlich!). War beim Champignon die rötliche Farbe ein gutes Zeichen, so rst sie beim Steinpilz immer und stets zu fürchten! Der Satanspilz, der vor kurzem eine Vergiftung hervorrief, hat z. B. eine rote Hut-Unterseite. Der Stein- fülz hingegen darf weder am Hut noch Stengel rot sein, seine Unterteile ist stets iveiß oder gelb-grün
die T o ni Jmpe koven und CarlMathern
IdieToni Impekoven nnb CarlMath zu Autoren Hal. Im letzten Jahre haben diese den Frankfurter Poeten mit ihren „Drei Z
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Frankfurter Poeten mit ihren „Drei Zivil-
— Expressionistisches Bühnen- experiment Aus Berlin wird uns ge- jchrleben: Curt Cocrinlh, als Erzähler-Ex- presslonijk radikalster Richtung, Worlwürger und Uebcrliefeninnfitöter, stellt sich im Neuen V o l ks t he a te c als Dramatiker vor. In Pfeifen
lingen" einen durchschlagenden Erfolg errungen, der dem Stück auch Zugang auf die melften übrigen deutschen Bühnen verschaffte. Sie waren mit „NeunzehnhundertnLpizehn" ohne Frage weniger glücklich. Zwar kommt in den drei Akten so ziemlich alles vor, was in unseren Tagen sich abspteleii Gönnte. Aber man Hal doch zu sehr den Eindruck, daß es sich um eine mehr oder weniger flüchtige (Aneinanderreihung von Auftritten handelt, die lediglich auf Situaftonsromir eingestellt sind. Eine Frau Professor treibt Schiebergeschäfte, mit betten sie falliert, eine Spieler Hölle wird auSgehoben, die ganze Gesellschaft der Gefangenen und Mitgehan- genen kommt auf die Polizei usw. An belachens- toetten Einfällen hat es den Verfassern dabei nicht gefehlt, ^mpeköven bewährt sich sowohl in der Darstellung der Hatlptfigiur eines trottelhaften Poli- zeikommisiars wie als Spielleiter wieder ganz vorzüglich. Der Beifall war stürmisch.
In einer Neueinstudierung von Hauptmanns „H ann11e* sah man zum erstenmal eine aus der Frankfurter Schauspielschule und Earl Eberts Unterricht l^cvorgegangOte jugendliche Straft: Rose Weber, die mit recht gutem Gelingen die Mär- chenftgur des Dichters verkörperte
frankfurter Theater.
Aus Fr a n kfur l a M. schreibt man uns: ! Die Theaterkrisis an den städtischen Bühnen ist beendet, soweit es sich um die Regelung der Nachfolge für Geheimrat Dr. Zeiß, der nach München geht, handelt. Wie zu bermuten war, hat sich der Auf- sichtsral der Theater-Aktien-Geiellschaft entschlossen, für die Oper und vas Schauspiel eine «getrennte Direktion zu schaffen. An die Oper wird als Direktor der Baseler Bühnenleiter Dr. Ernst L e r t, der früher in Leipzig wirkte, berufen, wcih- icend Richard Weichert, der bisher schon am Schauspielhaits wirkte, die Leitung dieser Bühne übernimmt. Vom Wirken Weicherts kann nur Gutes berichtet werden. Er kam zu ims nach Frankfurt von Mannheim, wo er unter Hagemann Gelegenheit hatte, selbständige Aufgaben zu loten. Hier bat er am Schau spiel haus eine Reihe sehr sorgfältig auscefeilier Inszenierungen herausgebracht und sich insbesondere durch seine ganz außerordentliche Leistung als R-sgisseur bei der Wiedergabe von Stephans Oper „Die ersten Menschen" Ruhm erworben. Sein: Ernennung zum Spielleiter be: Schauspielhauses kann ziemlich allgemein auf Zustimmung rechnen.
Ernst fiert kommt von Basel. Er hat u. a. ein fc'iyr kluges und gedankentiefes Buch über Mozart als Bühnenpcobl-em geschrieben, dem in mehr als einer Hinsicht zu entnehmen ist, daß er die Tätigkeit des Regisseurs nicht von her alltäglichen Seite auffaßt. Auf Grund seiner bisherigen Arbeiten wird Dr. Ernst fiert freundlich ausgenommen.
Die erste Uraufführung, di? das Schauspiel
haus zu Beginn feiner neuen Spielzeit heraus-.^. UlS> ^uimuiurr oor rtn wetten
brachte, galt einer „Zettschnurre" in bret Akten, 1 und Jubel eingebettet, steht der Erfolg dieses
uttb sieht aus, als ob sie lauter NadÄftichc '(hie Röhren) aufweise. Zfffferlinge dagegen sind mit Gistschwämmen nicht so leid# zu verwechseln. Es gibt wohl einen „falschen" Pfifferling (er ist nicht bottergeib und fettig, sondern trocken nne Glaceleder und rötlich), aber er ist nicht giftig!
Pilze tollten nie bei Regenwetter gepflückt und auch nicht in einem Rucksack ober einer Tasche gequetscht transp-rtiert teeret n; am zweckmäßigsten ist ein Körbchen oder auch eine Pappschachtel. Außerdem sollte man sie vor dem Slvckjen gcteissen- haft aus Maden untersuchen und nicht allzulange wässern; am besten wäscht man sie, nachdem sie gut gesäubert und zerkleinert sind, und bereitet sie sofort zu, da ihrem Cteschmack das lange Liegen nicht günstig ist. — Champ gnons und Steinpilze sind oft, Pfifferlinge sehr selten madig. Behandel! man Pilze sv vorsichtig roie im Somnter Fische und Fleisch, bann geben sie ein Gericht, bas an Wohlgeschmack unb Bekömmlichkeit Fleisch ähnelt.
Kartoffelausgabc.
Tie Wochenkarlvfselmarken der 32. W-xhe :txu- den mit je drei Pfund beliefert bei: Konsum-Verein, in sämtlichen Filialen, F. Ruinpf, Zvzelsgasse, Drechsler, Steinstraße, Karl Schott. West-Anlage.
Ter Verkaufspreis beträgt 45 Pf. das Pftnrd. Tie Belieferung beginnt morgen Samstag.
Veranstaltungen.
Freitag, 13. August: Üniversitälsvaffee, 6V2 Uhr, Generaltoersammlung des Kvnzertrereins. — Hotel tÄnhorn, 8 Uhr, Gastspiel Buchwald. — Lichtspielhaus, „Die Brüder von St. Parasitus" und „Das Schloß am Whang". — Lichtspiele Sellersweg wie gestern.
** Amtliche Personalnachrichlen. Nachdem die Ernennung des Gefängnisinspektors Lein zum Staalsanwaltschaftsober- sekretär bei der Staatsanwaltschaft Gießen auf dessen Nacksuchen wieder zurückgenommen worden ist, wird diese Stelle erneut Kur Bewerbung ausgeschrieben. Meldungen sind bei dem Ministerium dec Justiz bis zum 1. September einzureichen. Schon auf das erste Ausschreiben erfolgte Meldungen find bis zu dem genannten Zeitpunkt zu wiederholen.
** Aus dem Stadttheaterbureau. Ter Vorverkauf zu „Zwangscinquartie- rung" und „H än fel und Gre tel" am Dienstag ten 17. ds. beginnt am Sonntag. Näheres ist aus der Anzeige zu ersehen.
** In der alten Stiftskirche auf d e m S ch i f f e n b e r g soll <nn tftmmenden Sonntag, den 15. August, auf Veranlassung des Eo. Arbeitervereins und des Wartburg-Vereins morgens um 8 Uhr ein Frühgvttesdienft gehalten werden, wobei der gemischte Chor des Ev. Arbeitervereins und der Pvsaunenchor des Wart- burg-Bereins Mitwirken. Tie Predigt hat Pfarrer Becker übernommen. — Mancher Besucher des schönen Schiffenbergs wird dies geiviß mit Freude begrünen und seinen SvnntagsMMg danach eiw- richtea, daß er an dieser Feier in der stimmungsvoll«! Kirche teituehmen kann. Näheres' siehe An- Keige.
** Die Aus-ahlung der Familienunter ft ützungan die Angehörigen Gefangener, Vermißter, im Ausland durch feindliche Maßna'h- men Znrückge'halteuer und von Gefallenen, falls deren Hinterbliebenen-Versvrgung noch nicht geregelt ist, ffndel für die Zeit vom 16.—31. August am Samstag, den 14. August, vormittags von 10—12 Uhr im Stadthaus, Zimmer Nr. 7, statt.
** Eine unbemittelte Frau verlor gestern ihre Brieftasche mit 300 Mk. Inhalt entweder in dem Geschäft Schade u. Füllgrabe, Bahnhofstraße, ober ans dem Wege von bort nach der Äietzgerei Voigt, Neuemvog. Ter ehrliche Finber wirb gebeten, bie Brieftasche mit Inhalt auf dem Polizeiamt Gießen abzugeben.
** Silberne Hochzeit feiern morgen die Eheleute Johannes Bender unb Frau Elisabeth geb. Ruppenthal, Wiesecker Weg 28.
** Die Ta bar fteue c. Zu der Nottz in der Mittwoch-Nr. unseres Mattes wird uns bon sachkundiger Seite erklärt, die Tabaksteuer betrag.- außer dem G^wickftszoll schon seil dem 1. April, dem Inkrafttreten des neuen Talmlsteuiergesehes, 25 Pvoz. der ursprünglich vorgesihenen Bando- rolensätze. Wegen der geradezu verheerend wirkenden Sätze sollten vorläufig bis 1. Oktober nur 25 Pwz. der vollen Steuersätze erhoben nxrden. Durch die neue Anordnung des Reichsministers der Fänanzeu ist bie Frist zur Erhebung dieser 25 Pwz. bis 31. Mär^ 1921 verlängert worben. Es ist also gegen die bisherige Berechnung durchaus keine Ermäßigung emgetreten, im Gegenteil, es ist zu berücksichtigen, daß seit dem 10. Juli ds. Js. der Getvickstsz-oll wieder von 85 Mk auj 130 Mk. für 100 Kg. erhöht worben ist. v'luf diesen G'wichtszoll wird «roch ein Goldauffchlag von 700 Pooz erhoben.
** Ter Verband hessischer Finanz- beamte» 'hält nächsten Sonntag den 15. Aug. seine diesjährige Hauptversammlung rn Darmstadt im Fürstensaal (Grafenslr. 18) ab.
Stückes „Famili e", bon dem niemand sagen kann, ist es Groteske, ist eS nur kecke Verulkung alles Bürgerlichen, nur der Versuch eines Respektlosen, Herkömmliches auf den Kops zu stellen. Jedenfalls hat diese mit Schoankmotiben reich ausgefüllte Komödie nichts gut Expressionismus zu tun, sie hat auch nicht allzu biel mit Literatur gemeinsam und ist so ein gesichtsloses Zwischending von Satire, II eher mut unb Possenwitz. Spaßhafte Situationen, bie von Gaunern unb Familien- veihöhnuugen berichten, sinb ohne bie rechte bra- nwt'sche Puste zu Akten »erdehnt, unb selbst bas Drolligste an ber ganzen Angelegenheit, eine Ein- fdjränfung des Darstellerischen auf bezeichnen.de yJtarionettengebätben reicht nicht für bad Vek- gnügen eines ganzen Abends. Die Regie des Direktors Heinz Goldbery arbeitete gerade dieses Marionettenhasle, Unwirllich!- und darum so Satirische mit. äußerster Sorgfalt und bestem Slil- empfinden heraus. Es war em Thealerulk unb fein Expressionismus. Curl Corrinth nahm ben Beifall gleichgültig, bas Zischen mit Ijeraudforbember Gebärde zur Kennttiis.
— Eine technische Neuerung für Parlamente. So laut reden zu formen, um Tausenden bon Personen berständlich zu sein, war von jeher eine große Kunst. Heute, im Zeitalter der Beherrschung der Massen durch die Rede, ist sie notwendiger als je. Da ist nun die neuzeitliche Technik diesem Bedürfnis zu Hilfe gekommen. Zum eritenmal wurde auf einer Riesenversammlung der republifani!ch?n Konvention im Kolofseum von Chicago, die bestimmt war, einen Kandidaten für äsidenlschafl der Bereinigten Staaten zu bezeichnen, eine sinnreiche Einrichtung praktisch er-
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probt, bie es ermöglicht haben soll, die Worte dec Redner auch dem Letzten berständlich zu machen. Und zwar wurde dies folgendermaßen erreicht: Der Redner spricht so laut ober leise er will, vor einem AufnahmeatHarat, ber auf ber 91 ebner* tribüne ausgestellt ist. Dieser Apparat übermittelt ben Ton mit Hilfe elektrischer Uebertragung bank einer im Fußboden und in ben SBänben verborgenen Leitmig auf Sprachverstärker, deren Schall- rvhve über hem Kops des Redners angebracht unb^nach allen Setten bes Saales gerichtet sinb. Es handelt sich also um eine Art telephonischer Uebertragung, die aber derartig geregelt ist, baß ber Ton beliebig verstärkt werben kann. Die prak- ttsche Wirkung ist so, baß ber vom Rebner ausgesprochene Ton gleichzeittg mit bem ber Schallrohre ist. So hören bie zunächst Sitzenden Stimmen unb Schall zusammen, wähvenb bie Entfernteren nur ben Fernsprecher hören. Diese Er- sinbung auf bie Parlamente übertragen, roid) bie Frieblichkeit ber parlamentarischen Sitzungen noch erhöhen. Denn es ist nun nicht mehr bei erregten Wortgefechten ein Zusammen ballen vor ber Rednertribüne, was am ehesten zu Tätlichkeiten Anlaß gibt, notwendig. Auch bietet sie den lebensfroheren Abgeordneten die Möglichkeit, bei erwarteten Reden nun nicht knehr die behaglichen Wandelgänge oder bie beschaulichen Erfrischungszimmer verlassen zu müssen.
fd Offenbach a. M., 12. Aug. Der Leiter ber Of enbacher knnstgewerbli ten Ansto tcn, Pw- ftsfor Eberhardt steht in Un crhandlimgen Mr Hebernähmc ber Leitung der Kuust-crkademte in Tresben als Nachfolger Pölzigs.
Kreis Büdingen.
sb. Hirzenhain, 12. Aug. In ber NanzenB bacher Gemarkung wurde ber verheiratete Berg* manu Gustav Bastian von hier durch unbekannte Täter erschossen. Die Untersuchung der Leiche ergab, baß ber Mann burch ein Dum-Dum- Geschoß getötet worden ist. Als Täter komme» wahrscheinlich Wilddiebe in Frage. Auffällig ist es, baß bei Bastian selbst Dum-Dmn-Gefthosse vorgefunden wurden.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Groß-Gerau, 12. Äug. Durch bie polizeiliche Kontrolle wurden bei bem Bäckermeister Traiser über 40 Laib Brot beschlag* nahmt, bie bas v o r ge s ch r iebe ne Gewicht nicht hallen. Der Laben wurde beljörb» lich geschlossen.
fd. Offenbacha. M., 12. Aug. Ter Bor- a n s ch 1 a g der Stadt Offenbach für 1920 schließt mit einem Fehlbetrag von 37 Millionen Mark ab, für die vorerst feine Teckung vorhanden ist. Tern augenblicklichen städtischen Vermögen von 100 Millionen Viart steht eine Sckjuldenlast von 80 Millionen Mark gegenüber. " --
ivz. Worms, 12. Aug. Ter Vorsitzende der Pieisobbaukommissron für Herren- und Tamen- lionfettion, Hüte, Mützen und Schirme gibt betau nt, daß für diese Artikel bis auf loeiteres folgende Rabatts ätz- feit grient wurden: Für Herren- und Tamenidntettioa 20Pro-., Storchhüte 20 Proz., Filzhüte und Mützen 10 Pooz., baumwollene und -ljalbsaidene Schirme 20 Pooz., seidene Schirme 10 Prozent.
Kreis Wehlar.
ra. Wetzlar, 12. Aug. Nach Anhörung der Kveisprüfungsstelle sind bie Fleisch Preise für ben Kreis Wetzlar tote folgt festgesetzt: Rinbfleisch 9 Mk., Kalbfleisch 7 Mk., Haiuinelslnsch 8 Mk. imb Schweinefleisch 11 Mk. pro Pfund. — Weiter ljat die Kreisprüfungsstelle für ben Stunben- b ru schpreis solgenbe neue Richtpreise festgesetzt: 1. Wenn bas Dreschen im Hofe bes Erzeugers statlfinbet unb biefer bie Betriebsncittel stellt, sowie bie Verpflegung ber Facharbeiter übernehmen muß, 36 Mk. 2. Bei fogenanntem Felb- brusch, wobei bie Verpflegung der Facharbeiter vom Treschmaschinenbesitzer übernommen imb bie Betriebsmittel von bresem gestellt werben, 60 Mk.
va. Wetzlar, 12. 9uig. Zu der Grunderwerbs st euer erhebt der Kreis rückwipkerrd vom 1. Oktober 1919 an einen Zuschlag von 1/2 vom Hundert, solange aber die Gemeinden von ihrem Zuschlagsrecht keinen Gebrauch machen, 1 vom Hundert.
Iva. Wetzlar, 12. Aug. Vermißt wird feit Donn-v-stag voriger Woche ber 12jährige Schulknabe Wilhelm Opfer von hier. Der Junge war bekleibel mit bunkelgrüner Hose, bunkelbllruier Jacke unb gelben Schuhen.
Hessen-Nassau.
sb. 23 ab Homburg v. b. H., 12. Aug. Die Slabtvervrdnetanversammlung beschloß eine Erhöhung ber Lustbarkeits steuer um 100 Prvz. Ermäßigung soll nur den Vereinen zugeftanben werden, die bei ihren Veranstaltungen gemeinnützige Zwecke verfolgen.
mc. Frankfurt a. M., 12. Aug. Aus eine Umfrage bei ben bevorzugtesten Industrien Frankfurts unb ber Umgebung über ben Grab ihrer Beschäftigung bezeichnet allein bie chemffche den (Geschäftsgang als iwch befriebigenb. Man habe bisher von größeren Arbeilseinschrän- kungen absehen können, zumal aus bem Auslanb noch immer ziemlich rege Nachfrage nach deutschen Erzeugnissen herrsche. Die Llutomobil-, Fahrrad- und Fahrzeugwerke klagen ohne Ausnahme über schlechten Geschäftsgang. Die einlauftnben Bestellungen genügten kaum, um bie verkürzt arbeitenden Betriebe zu beschäftigen. Noch schlimmer liegt die Sache in ber Möbelmbustrie. Hier ist völliger Stillst anb ein getreten. Soweit noch gearbeitet werben kann, geschieht es auf Sager. Elektrotechnisclic Bedarfsartikel sind teilweise gesucht. Namentlich Präzisionsmeßinstrumenie u. Schwachstromartikel. Die Portefeuillebranche liegt ebenfalls nahezu lustlos. Hvchwerttge Qualitätswaren bleiben hegen, wäljrend billigere Sachen in beschränktem Umfang äbgeben. In der Schuhindustrie ljat sich in der letzten Woche das Geschäft etlvas gehoben, doch ist dies im Hinblick auf die Lagerbeftänbe ohne große Bedeutung. Gleiches gilt von ber Konfektionsbranche. Das Publikum kauft nur bas allernotwen- bigfte unb von einem Geschäft ist, trotz ber neu auf genommenen Ausverkäufe, kaum bie Rede. Normal beschäftigt ist bas Karosserie- unb Wagenbau- gaoerbc mit Räbem unb Wagenteilen für bas Wie- beraHfbairgebtet.
so. Frankfurt a. M., 12. Aug. Die Not ber geistigen Arbeiter brachte einen Kläger vor ben Schllchtnng-scmsschuß. Ein Softer dec Chemie verdiente als Betriebsleiter einer hiesigen chemischen Anstalt 800 Ml. tthmwU- lich, und damit, wie er aussührtc, weniger als der dort ebenfalls tätige H)ilfsschreiber. Er verlangte deshalb tarifmäßige Bezahlung, die ihm auch der Schlickstungsausschuß mit Rückwirkung vom 1. Januar 1920 zu sprach.
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