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Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)

Ur. m Zweites Blatt

Heues von der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung.

Der ton der Rcichsregierung der National­versammlung oorgdpflbe Gesetzentwurf über die Erhöhung der Leistungen und Beiträge in bet Invaliden- und Hinterb.iebm.'Nversich nmg ist von letzterer nicht verabschiedet worden. Um aber die Versicherungsanstalten vor dem drohenden wirt­schaftlichen Ruin zu bewahren, sind durch Notgesetz die Beiträge der setzt bestehenden 5 Lohnklassen ganz beträchtlich in die Höhe gesetzt worden. Es kosten demnächst die Marken

in Lohnklasse 1: 90 Pf. (früher 18 Pf.)

in Lohnklasse 2. 100 Pf. «früher 26 Pf.)

in Lohnklasse 3: 110 Ps. (früher 34 Pf.)

in Lobnklaise 4: 120 Ps. (früher 42 Ps.)

in Lohnklasse 5: 140 Pf. (früher 50 Pf.)

Das ist eine Verteuerung in der 1. Lohn klasse um 500, in der zweiten um etwa 400 und in den anderen drei Lohnklassen um etwa 330 Prozent. Diese Erhöhung wird aber immer noch nicht aus- reichen, die Eristenzfähigkeit der Dersichenmgsan- ftalten zu sichern. Es kann keinem Zweifel unter­liegen, daß sehr bald durch den Aufbau weiterer Lohnklassen iwch eine beträchtliche Belastung der Arbeitgeber und Versicherten cintreten wird. Natür­lich werden dann auch die Leistungen der Ver­sicherung in die Höhe gesetzt werden müssen.. Tar- Über, wann das (veietz in Kraft treten wird, ist bislang noch nicht bekannt geworden; baß dieser Zeitpunkt aber mcht mehr fern liegt, ist durchaus Heftet. Selbstverständlich müssen his zu diesem Zeit­punkt noch die alten Marken Dernxmbct werden.

Für die freiwillig Versicl;erten ist es vom wirt­schaftlichen Standpunkt von der allergrößten Be­deutung, möglichst schnell die für die zweijährige Anwartschaftsfrist der Gebrauchskarte mindestens erforderlichen Marken der alten Lohnklasse zu ver­wenden. Geschieht das nüftt, so sind später die teuren Marken zu verwenden, oftne das; dadurch die Ansprüche Hoyer werden. Im Interesse der Ver­sicherten liegt es, wenn die sämtlrchm Wochen des letzten Jahres durch Hiurfcn alter Sorte der höch­sten Lohnklasse belegt werden. Die Quittungskarten brauchen nicht sofort umgetauscht zu werden, son­dern können bis zum Ablauf ihrer Gültigkeit liegen bleiben. Für die Pflichtversicherung fönnen die alten Marken auch noch nach dem Inkrafttreten des Gesetzes für die rücktvärts liegende Zeit geklebt werden.

Arrs Stadt nnd Land.

G i e tz e n, den 12. Mar 1920.

Zur Sicherung der Ernte 1920.

Zweifellos sind die großen Ernten vor dem Striege an Getreide aller Art, Kartoffeln, Zucker­rüben, an gehaltvollen, kräftig ernährenden Futtcr- pstanzen durch eine regelmäßige lünstliche Düngung mit PlwSphorsäure. sowohl mit Thomasmehl als aber aud) inionbedkit mit Super Phosphat, er­zielt nxnjben. Die Rohstosse für die Kali- und Stickstossoünger waren selbst während des zkricgcs im Inland vorhanden; die (Einigung an Super- pl-osphat mußte über in Teutichla d zurückgehen, da die Rohstoffe daftit über See nach Teutsckstaind hercinzubnngen nicht möglich toar. Dve Folge da- von ist eine schon jahrelang bestehende starke Ein-- ichränkung der Phosphorfäurrdüugung mit allen ihren Nachteilen. Nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten: hohe Preise für Phosphate tn Amerika, teure Seefrachten beide verschärft durch den imgünftigen Kursstand der dcut>ck)en Mark ist cs aber doch gelungen seit Anfang des Jahres 1920 amerika: ifde Ro.p^osphatc wach Deutschland wieder einzusühren. Es gibt also in Teutsckrlmd wieder Su e.plos' hat; und auch jetzt noch t am jede Supc hatfabrik gen ist. Mengen ton Superphosps>at Tie em. Kohlen- u d Säuremangel behinderte freilich die Fabriken b i der Verstellung; später komrte sie wegen des an- dniernden Wagenmangels nicht schnell g nug ab- liefern. D t der günstigen FrühjahrÄvitterung war­teten ant rer e ts die Landwirte das Eintreffen des Superp os h ts oder Ammoniak-Eu erphos Phots nickst meh nb ilnb dochbogeften alle prcfc,iric jetzt auf eine P'osphor'äuredüngung ve zicht- n, einen großen Fehler! Gerade die Düngung mit Phosphorsäure ist notwendig, wenn man eine gut Wirkung de an sich teuren Stickstv'f-üngemittc: erreich^ will. Die Kalidüngi'ng. so nützlich ne auch sickxr ist faim tn dielet B. z ehung btc Tün- ffung mit P.ospftorsäure burdjau? nickst ersetzen. Es ist daher dringend zu raten, schwache Winter-

Die Gräfin.

Roman von G. W. Appleton. sNechdruck verboten.) Fortsetzung 38.

Ich hatte mich nach einer reineren und freie­ren Atmosphäre geie'ftnt, in ber teft meine Tätig­keit entfalten und Höheres erreichen könnte, mrd nunmelst tat sich dieses neue Ltben unerwartet vor mir auf Meine Arbeitskraft wat, nxitn nur mein Ehrgeiz ein weites Feld zu leinet Betätigung vorsand, we igstens noch ungebrochen: meint Fä­higkeiten konnten sich mmincftr ungehindert ent­wickeln. Ich konnte mich jetzt über mein Schicksal nicht mel,r bett:gen.

Bet meiner Ankunft m Ehartng-Eron b.-gab ich mich sofort auf mein Sprechzimmer. Nie zu­vor war es mir so elend borge kommen, so völlig Übereinstimmend mit seiner Umgbung, als ein Teil der alles durchdringenden Fäulnis ber Umgebung Und ich unmberte" mich immer trieder, im: es mir möglich gewesen, drei Jahre Inndurch tut derartiges Leben zu führen.

Tick wat bereits rorgge gangen. Et ftatti mir ein paar Worte htntctlaffen. Sie lauttten:

Lieber alter Petigvrd!

Bin sehr betrübt über die traurigen Nach­richten von Deiner Mutter. Ich hoffe, daß sit übertrieben sind und daß sich alles wiedw zum Besseren wenden wird. Ich rechrte darauf, bei Deiner Rückkehr von zu Höven oder Dich zu sehen. Kingston ist von d-tWatLrlao- Station" aus leicht zu erreichen. Ich gto-üe- Dir dies schon öfters gesagt zu habem Nichts Besanderes zu vermelden, als,daß ich heute ieht beschäftigt mar. In der Kas'c ivitst Tu eine hübsche Sammlung von kleinem Si bergeld rot­finden. Gruß.

Dick.

Alsbald begab ich mich zum nächsten Postamt jmb setzte Tick telegraphisch vom Tod meinw Mutter in Kenntnis

saaten, Raggen wie Weizen und solche gibt es genug noch mit einer Kopfdüngung mit Super- bhosohat ober Ammoniak-Suter^ hos. ha zu (Lei* ftreuen. Das gleiche ist lehr ».«ckmäßig für de in ihrer ersten Entwicklung noch begriffen n Sommersaaten, Gerste und Sixner. Tonn nlxr empfiehlt^ sich namentlich de Düngung mit Am- nloniak-Suverphospchat besondr-. zu Kartoffeln und Rüben, denn bei diesen Feldfrüchten läßt sich der Stunitbünger entweder beim Hacken ober beim Anhaufeln sehr wohl noch letzt in den Boden bringen.

Politische Denunziation?

Man schreibt uns von deutsch nationaler Seite: Der Vorstand des sozialdemokratischen Wohl- veretns Gießen versucht es in Nr. 99 desGieß. Anzeigers" deck Stadtverordneten Mann gegen den Vorwurf der Denunzierung des Amtsgerrchts- bitektvts S ch m a h l in Schutz zu nehmen und defsen Verhalten zu rechtfertigen. Die angeführten Gründe sind recht fadenscheinig. Mehr nne läckxw- llch muß insbesondere wirken, daß der frühere Staat, in dem die Staatsgewalt einzig und allein bei den einzelnen Landesherren ruhte, der viel ge­schmähte ,,Obrigkeitsstaat" mit dem jev genVolks­oder Freistaat" in eine Linie gestellt wird. Der frühere Staat, insbesondere die Träger der Staats- gemalt, waren nicht nur berech igt, vielmehr aus Selbsterhaltungstrieb sogar verpf.ichtet, jede Aende- rung ber Staatsform mit allen zu Gebote stehen> dien Müteln zu bekämpfen, und deshalb mußte olgerichtig jeher Beamte entfernt werden, der die­sen Staat negierte, bekämpfte und zu stürzen ver- uchte. Der alte Staat beging allerdings die Tod- unde, daß er seine Macht gegen die Reichsseinde nicht gebrauchte und infolge seiner Schwäche gegen alle stnatszerstörenden Elemente dieglorreiche" Revolution herbeiführte. Im Gegensatz zu diesem ,L)brigkeilsstaat" ruht in dem neuenFreistaat" die geiamte Staatsgewalt beim Volk, so daß auch die Verfassung auf gesetzlichem Wege durch den Willen des Volkes geändert lverdcn kann. Dement- spreckxnd bestimmt Art. 130 Abs. 2 der neuen Reick)sVerfassung, daß allen Beamten die Freiheit ihrer polillsck-en Gesinnung und die Vercinigungs- freiheit gewährleistet wird. Es ist deshalb die jetzt überall beliebte Gesinnungsschnüffelei unb die Ent­kernung der Beamten, die oen Rechtsparteien an> gel-öven, geradezu ein Verfasfungsbruch. Aber was will dies heute heißen? Hat sich doch auch die Reichsregrerung durch das Abkommen mit dm Ge­werkschaften über die Verfassung weggesetzt und der Masse , und Gasse gefügt. Wer wollte bestreiten, daß wir tatsächlich in einer nur dürftig verhüllten Räterepublik leben, in der die notwendige und be­dingte Minderheit vollständig entrechtet ist. Aber auch ans Gründen der Klugheit sollten die neuen .Herren, die meistens ohne die erforderliche Vor­bildung und Befähigung lediglich auf Ghrunb der veichterworbenen Mitgliedschaft zu einer Partei als Revolutionsgewinnler in hohe und höchste Stellen (gelangt sind, etwas vorsichtiger fein und sich sagen, daß sie ohne die Beamten des alten Systems gar nicht regieren können. Hätten diese Beamten nach dem Umsturz des 9. Mwember gestreikt, die Re­volution wäre in sich zusammengebrochen und die neuen Herren säßen heute nicht an der Futterkrippe.

Jedenfalls werden sich aber alle rechtsstehen­den Beamten auch durch die jetzt beliebte Jngui- sition ihre staatsbürgerlichen Rechte nicht verküm­mern lassen und das jetzige verderbliche, uns immer tiefer in den Abgrund führende System nach wie vor mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln b.'kämp- ften. Und es wäre eine Tat, wenn alle diese Be­amten auch einmal gegen die ihnen immer mehr drohende Vergewaltigung demonstrierten und pro- testierten, anstatt sich an die Wand drücken zu lafien. B.

** Der Himmelfabrtstag gesetz­licher Feiertag. Zur Behebung mehrfach ge­äußerter Zweifel über die Zulässigkeit ge- werblicher Arbeiten am Himmel­fahrt s tage wird im Regierungsblatt daraus hingewiesen, daß der Himmelfahrtstag ein ge- letzlicher Feiertag ist im Sinne von § 105b bei Gewerbeordnung. Demgemäß sind an ihm alle Arbeiten in geroerblidjen Betrieben insoweit ver­boten, als sie nicht aus Grund der §§ 105cd xrr Gewerbeordnung allgemein erlaubt oder ge­mäß § 105 f desfe.den Gesetzes von Fall zu Fall rut besonderen Antrag zugelassen worden sind zugelassen werden dürfen nur solche Arbeiten, für die zur Verhütung eines unverhältnismäßigen Schadens ein nicht vor herzu sehendes Bedürfnis eintritt.

Bis zehn Uhr an diesem Abend ereignete sich nichts Besonderes. Ich saß in meiner Bude, die Pseife im Mund, unb dichte über die Vorkomm­nis c dieses Tages und meine ftftfam veränderten Vermögensumstände nach, als ich einen Zwr- spänner vor meiner Gartentür halten hört:. Es folgte ein Glockenzeichen, dem ich in eigener Per­son Folge leistete.

Ein La kn in einfacher Livree zog den Hut.

Herr Doktor Perigord? fragte er.

Ia-vohl.

Tie Gräfin Frangipani in Formoa Man- sions, Queens Gate, wünscht Sie sofort zu spre­chen, Herr Doktor!

Siebzehntes Kapitel.

Mein erster Impuls war, wie ich offen ge­stehe: Flugs Hut unb Uederziehn geholt, tn dm Wagen gesprungen und fort, nach Queens Gat:! Aber meine Vorsicht hatte sich während der letzten paar Tage tüchtig verschärft. Ich war schon einmal her ringe ft.l en, und ttwtzdem fnre ernsten Folgen daraus entstanden waren, hatte mich das Erleb­nis doch miß rauisch gegen alle angenehmm Aus­sichten gemacht.

Haben Sie einen Brief von der Gräfin bei sich? fragte ich.

Ter Lakai schien critaunt.

Nein. Herr Doktor!

So. Nun, es tut mir leid, oberes ist mir heute nacht gans umnöglick., die Gräfin noch auftuluchm. Teilen Sic ihr mit, ba& ich j<den sAugmblick erwarte, zu eii«r wichtigen Konsultation geholl zu werden, bei der es sich um Leben unb Tod han­delt. Ich kann nicht ich wage es nicht, weg- zngehen, aber sagen Sie Jh^.r Herrm, daß ich bestimmt morgen früh um zehn Uhr bei ihr vor­sprechen werde.

Ter Lakai zog den Hut und eilte die Treppe hinab. Ich bemerkte, wie er, b'vor er den Bock bestieg, sich flüsternd mit dem Kutscher untnchielt. Hierauf rollte der Wagen nneber leer von dannen.

** Auch der Po stscheckverke hr ist teurer geworden, da der Preis für eine Reihe twn Vordrucken und mich verichicd^'rre Ge­bühren erhöht worden sind. Ein Zahttartcnvor drilck dostet seitdem 1. Dich 5 Pf Dian muß auch mindestens 5 Stück auf einmal nehmen Ein 5dxd heft zu 50 Stück, da* einst für 50 Pf. zu liabcri nxrr, kostet jetzt 2 Ml ErhölN mürben ist ferner der Preis für die Vordrucke mit an hängender 3abl> Carte zu Posdaufivägm, Pvstprvte^n und 'Jiad) nahmen. Ein Block mit 1O<) Sammelüberweifmigr n Lostet jetzt 1 9)iT Für iedc Zahlkarte, bte mar dem Landbrief tröget übergibt, ist jetzt eine An­nahmegebühr von 30 Pf. im voraus zu entrichten. Tics kostete ursprünglich nur 5 Pf Für die Ein- lieserungsbeschcmigungen ber Sck-eckümter er hielten die Rechnungsinhaber ursprünglich Vordrucke für diese Lasfftftriftzettel in Blocks zu 100 Stück für 20 Ps., sie kosteten zuletzt 75 Pf., jetzt nicht weniger als 2,50 Mk. Laufschreiben lvegrm Sen düngen des Ptosffcheckverk.'hrs kosten 1 Mk. 10 Stück der gelben Briefumsd-läge mit ber Aufschrift des Scheckamts kosten jetzt 50 Ps., also zehnmal soviel wie ursprünglich.

** Unbestellbare Postsendungen. Tie Veröffentlichungen über die bei ber Ober-Post-- direttion in Darmstadt lagernden unbestellbaren Postsendungen erfolgen nicht mehr durch die Zei­tungen. Ueber fjld>e Sendungen werden viertel­jährlich Verzeichniffc aufgestellt, die in dem Schal- tcnwrraum der Pvstanstalt am Aufgabeort vier Wochen ausgehängt werden. Tieienigen unserer Leser, die über den Verbleib einer Postsendung sei es eine Wert- ober Einschreibsendung, ein Paket ober ein Bries mit Geldinhalt im unge­wissen sind, werden gut tun, diese Verzeichnisse ein* zusehen und festrustellcn, ob etwa der vermißte Gegenstand bei der Ober-Postdirektion lagert. Trifft dies zu, so Ivürben sie sich wegm Wiedererlangung der Sendung an die Ausgabe-Pvsurnstall zu roenbrn Haden.

** Für Benützung ber Bohrgeräte der geologischen Lanbesanstalt von nickMaatlichen Instituten, Städten, Gemeinden und Privaten ist, nach einer Bekanntmachung des Landesernäbrungsamts, vorn 1. April 1920 ab an Stelle der bisherigen Gebühr von 18 Mar! eine solche von 25 Mark für jeden Tag zu ent­richten. Außerdem hoben die Interessenten die für die Bohrarbeiten erforderlichen Arbeiter auf ihre Kosten zu stellen. Auch müssen sie die Kosten des Transportes des Bohrapparates tragen. Für Ueberlassung des Bohrzeugs bis zum Ausbau eines Brunnens beträgt die Abnutzungsgebühr 3 Mark täglich.

Kreis Alsfeld.

a. Merlau, 9. Mai. Nachdem schon ein Teil unseres Ortes, nämlich die in der Näl)e der Holzschneidevei des Derrn Willig gelegenen Hos- reiten mit elektrischem Lichtocrleftai ivarrn. welche durch Maschinen des genannten Holzwerfts gespeist wurden, wird bis zum kommenden Winter aud) der größte übrige Teil unserer Gemeinde mit elektrischem Strom versehen sein. Dieser wird bamt durch Mühlenbesitzer Töch'er geliefert iverdcn unb ba^r bedeutend billiger kommen. Besonders erfreut ist die Gemeinde darüber, baß noch Fertig- stellung des Ellktrizitätswerlies auch die Errich­tung eines Wasserwerkes geplant ist, »velches aus einem vorzüglichen Brunnen des näfen Burg­waldes gespeist wird. Ist doch die Wasserfvage noch brennend r als die Lichtsrage^ da im Sommer kaum Licht nötig ist, auch IDreher Beleuchtung material en vorhanden sind, während das Was'er einer Leitung Sommer wie Winter nicht zu schätzende Vorteile bietet. Außerdem bildet 'ine Wasserleitung nach Mtvagung der Schuld eine Fee @imta,f)incqikTc für die Gemeinde, b?r kaum Ausgaben gegen Überstehen.

Kreis Friedberg.

* * Friedberg, 11. Mai. Am Sonntag, 16. Mai, 10 Uhr vonnitiags, wird das Museum in Friedberg feierlich eröffnet. Damit ist eines ber Ziele erreicht, für die ber Friedberger Ge­schichtsverein 24 Jahre lang geworben und ge­arbeitet hat.

Hessen-Nassau.

Fran kfur t a. M., 10. Mai. Unter dem NamenWeiße Brüder des Urchristen­tums" hat sich hier eine neue politische Partei gebildet, deren Programm selbst von den kundigsten Politikern bisher noch nicht entschleiert werden konnte.

Als bas Gevassel in der Feme erstorben war, schlüpfte ich in meinen Ueberjrebcr, brückte memen Hut fest am den Kopf und eilte zur nächsten Durch­fahrt. Im gleichen Augenblick fuhr eine laere Droschke vorbei. Ich ftvclt sie an und stieg rtn.

Charing-Ewß-Telegraphenbuvvau! rter ttft bmt Kutscher zu.

Ein Peitschenknall war die Antwort, und be- vor ich mrr's noch recht beguem gemacht, hiell dts dampfende Roß geynüber dw Marmrskirche.

Ein gutes Pferd habt Ihr da, Kutscher, be­merkte ich beim Aussteigen.

Kein besseres gibt's auf dem ganzm Londoner Pflaster nich, stimmte ikr Kutscher schmunzelnd bn.

Tas glaub ich, sagte ich. Einen Moment! Damit eilte ich in das Bureau und setzte in aller Elle das folgende Telegramm auf:

Gräfin Frangipani, Formosa Mansions 1, Queens Gatc. Zweispänner mit Lakai *ben bei mir vorgefahren. Lakai sagte. Sie wünschten mich sofort zu sehen. Wenn richtig, bebaute ich l 'bhfft, aber habe Gründe zu Variicht, daher nicht ge­kommen. Sehr verbunden, wenn Si' mir durch letzte Post ein Wort zukommen lassen. P.rrgord."

Ich gab das Telegramm ab, zahlte und eilte wieder tu der Droschke hinaus.

Lassen Sie das Pferd laufen, was es tarn, sagte ich zu dem Kutscher, Queens Gate ich sage Ihnen dann, wo sie halten sollen.

Sogleich hörte ich den Ktuscher etwas ragm wohl eine Keine Ermunterung, di' er ieinem Tier zuteil werten ließ und los fuhrm wir, daß die Hufe des Pferdes auf bmt Pflaster nxe Trommelschtegel llaprerten. Volle zehn Minuten dielt es die spitze vor einem Automobil. Ter Chauffeur lachte. Es war offenbar ein gutmütiger Bursche, ber seinen Spaß an dem flrnkm Pwrdchen hatte unb es gewinnen ließ, woraus Kutschtr unb Chauffeur, zum ersten Male in meintr Erfahrung, sehr höfliche Zurufe tauschten, als nxr uns oben an Queens Gate trennten.

Mittwoch, 12. Mat 1920

Vereine nnd Veranstaltungen.

* ' Taubringen 11 Mai. Am £>munde fahrtstag findet ein Ausflug tvi Turtuntmen und Turnei ber Frrieit Turnerscftaft unb ber Sänger des C-esangmeins Sättgerlust statt.

< j Geber n, 10. Moi. Am samStag abend spradi im Bergnrrlsbauü in sehr gut beiutütet Versammlung Parteisekretär Tr. Lutsch auS Gießen. Er enhouMte flat unb sachlich das Pro­gramm ter Teutsckxn ko Partei In der Dis­

kussion ftnadi der s^zialbenwkratisck»? Parteisekre­tär Schiesser- Hirz,'nhain.

* * H u m berg, 11 Mai. Aus Voranlasiuirt ber Deutschen Volkspartei ^ntb am iXm» nerstog abend in S?jmberj a. Ohm im Diezschen Saale eine, ruimenllid) auch von den sttachbarorten. put besuchte öffentliche Wahltxrsammlung statt, tn der iid) Landgericktlsrat Schudt aus Gießen in nahezu ztvcistündigen 9Iu»tiiftrun.)en über dic derzeitige Lage in unserem Vaterland und die Wege zum Wiederaufbau und die Ziele der Detu schcn Volkspariei ausließ. MS etnziger Tiskus- sionsrebner sprach Obevamtsrichter Ion, der dabei mitteiltc. baß er sich von der Denrbkmtu: abge­wendet habe, und diesen Schritt njtftcr rcdfefertigtc.

* * Merla u, 10. Mai. Für die dcutsd»- nationale VolkSvartet sprach in einer öffentlichen Wählerversammlung am Somttag abend Herr spitze- Gießen über die politischen unb wirtschastspolitischcit Zeitftagen. An der sehr lebhaften Aussprache beteiligten sich vornehmlich Vertreter bet Linken

W. Londors i. d. Rabenau, 9. Mai. Ter hiesige Gffang.e.einFroh i.m" veranstaliete am Sonntag nachmittag im Saale der ,Sttcht Offetzen" fein 1. jtvnzert Ter Verein, ber infolge bet Kricgszeit nicht an die Oeifc ;tlidjf it trat, ver­fügt über gu.es St mmcnmi.te ial, bas auch in den Pianostellen ausgeglick)en ist. Tie unter der Leitung seines Dirigenten, Lehrer Schmidt in Kesselbach, zum Vottrag gebrachten Chöre waren in dynamischer wie rhythmischer Deziel.w.g reckst gut. Die Leistungen sanden burebne. bervditigten Beifall. Das Möblsche Streicha uanett aus Gießen verschönte d.S Konzert durch gut geiväl-lte Stücke. Am Abend folgte ber üblidx Ball.

X Selters, 10. Mai. Gestern nbatb sprach bei Gastwirt Mynle in einer Versammlung d r Deutsch-nationalen Volts Partei Dr P f e f f e r a u s F r a n ks u r t a. M. Der Redner beleuchtete das Wesen der Teutschavationalen Volls­partei und ihre Stellung zu den Tagesfvigen. Zum Schluß kam er auf die Mahlen zu sprechest. Bürgermeister Kraft eröffnete, begrüßte unb lei­tete die Versammlung unb bankte bem Redner.

Turnen, Spiel nnd Sport.

Fußball. Am Himmelfahrtstage finden auf dem V. f B.-S poriplav, Trieb" olgen'e Wettspiele statt: Nachmittags 3 Uhr tritt die Liga Mannschaft des Wetzlarer F. C. v. 05 gegen die erste Mannschaft des Vereins für Bewegungsspiele Gießen zum Diplomspiel an. Wetzlar verfügt über eine synrpathische Mannschaft von guten spie­lerischen Könncn, so daß ein interessantes Spiel in Aussicht steht. Das Spiel der dritten Mannschaft beginnt morgens 10 Uhr, wähveiü) vormittags 8 Uhr und nachmittag 2 Uhr Iufendmannschaften des V. f. B. gegen gleiche von Wetzlar spielen

* * E i n H o ck e »-Wettspiel wird aus dem Sportplatz an der Hardt am Himmelsakrtstag, nachmittags 3,15 Uhr. zwischen der Sportavteilung des Turnvereins 1860 Marburg I. unb Verein für Rasenspiele 1900 t- V. Gießen I. veranstaltet.

Auirst und w.ssenschaft.

= Schönberg i.£)., 11. Mai. AuS ber Privatsammlung des Fürsten Erbach- Schönberg wurden am Montag in Fvanffuri a. Main zahlreiche Gemällir des 16. bis 19. Jahr­hunderts, meistens teil italienischen, ntederläwst- schen, bclgischcn und deutschen Schulen angeljorcnb, in öffciit.icfvr Auf ton ixrcigert. Die Oemälbc erzielten auvewrdentllch ftjfc Preise. Ein kletner Rubens z. B. Barn aut 240 000 Mk., ein TeinerS aut 65 000 Mk. Ferner kamen zum Vertäut ein flämischer Gobelin für 103 000 Mark, ein Auboff on-Gobelin für 136 Mk. ein Aub»>isson- Fußleppich für 60 000 Mk unb eine flämische Tapisserie für 345 000 Mk. Mehrere bi:i'er Jfunft- fadien gingen durch Vermittlung deut cher Agenten in das Ausland.

= Frankfurt a. M, 11. Mai. Die Senckenbergische Naturfvriche bt Ge el schäft ver­lieh dem Herrn Gustav Winkler in Fechnhcim wegen seiner erfolgt*ieften ftultuioerurfx mit ber Sojabohne einen Ehrenpreis von 500 Mk.

Als wir diese zur Häl'p entlang gefaftrni naren, ließ ich halten imb ging langlun in ber Richtung auf Formosa Man ions zu Für weiter. Ich war überzeugt davon, daß wir den Wagen überholt ch-tten, für den Fall, daß bie5 wirklich fein Bestimmungsort wir. Er würde, wie ich mir sagte, gemüllich wi der nach fcau'e zurück- ' fahren, nicht ohne wie ich mit fast unbedingter Sicherheit annehmen Konnte nnen Aufenthalt für die Vertilgung von vier Glas Bier zu nehmm. Softer stellte ich mich vo ler Zuversicht nah- bei ber Einfahrt zu den Mansions auf, in ber festen Zuversicht, daß sich die Sache in wenigen Mi­nuten entscheiden mußte.

Ich brauchte nicht lange zu warten. Kaum war eine Minute verflossen, cls eine Eauipage in sehr gemütlichem Tempo in den Hof 'ffnfuhr. Ich konnte nur einen fluch.igen Bick aut iftrt In­sassen werfen, aber Kefir Blick genügte. Ich er­blickte den melierten Bart d.s Marquis und ein liebliches, Don Spitzen umrahmtes Gesicht: uft wußte, woran ich war.

Als ich zu meiner TroschHe zurückkebrte, war Julius Perigord in meiner Achtung beträchtlich gestiegen.

Tiefes Mal ist es rricht gelungen, figti ich mir Ich bin gespannt, was sie zu meinem Tel?- gramm sagen wird. Sie wird natürlich schrerben, unb daraus kann eine Kvrrespoirdenz enfft-hen. ein Austausch von $.Ttnrulid#fciten unb doch ftclt! Nicht zuviel Pro pH z.iungen, mein Jungi! Kutscher, haben Sie Zeit?

Soviel Sie .vollen, Herr, unb das Pferd is auch wieder zu Atrm gekommen.

Tiefes Mal ß.irte Hetzjagd fahren Sie mich in aller Ruhe zumRevellers*) Klub"! Wissen Sie, wo er ist?

Gewiß, sagte er, unb fünf Minuten später hielten wir vor dem Hovel. (Fonesung folgt.)

*) Nachtschwärmer.