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Erster Blatt

170. Jahrgang

Mittwoch, 12. Mat 1920

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Zteindruckerei N. Lange. Schristleitung, Geschaflrstelle und Druckerei: 5chulfttatze 7.

Annahme von Anzeigen für die logesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen v.34mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz- oorfchrift 20'9 Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Henz; für den Anzeigenteil: H. Deck, sämtlich in Gießen.

lieber die Möglichkeit der Beschlag­nahme deutscher Ueberseegüter.

Befürcktungen, daß Eigentum, Reckte und Interessen von Deutschen auch nach Frie- densschluß in den Gebieten der früheren Feindstaaten gefährdet seien, werden vielfach geäußert. Offiziell ist derartigen Bedenken »um erstenmal in den Gegenvorschlägen der deutschen Regierung zu den FriedenSbeoin- gungen Ausdruck gegeben dahin, daß öie alliierten und assoziierten Regierungen sich vorbehielten,auch künftighin noch Eigentum, Rechte und Interessen deutscher Reichsan gehöriger im Auslande mit außer­ordentlichen Kriegsmaßnahmen zu beleget (vgl S. 52 der Ausgabe des Verlags Reimar Hobbing). In der Antwortnote der alliierten und Assoziierten Mächte ist hierauf folgendes erwidert:

Es wird in der «deutschen Rote darauf hingewiesen, daß die alliierten und assoziierten Regierungen sich das Recht Vor­behalten. das Liquidationsverfahren auf solches deutsches Eigentum auszudehnen, welches künftighin in ihr Gebiet kommt. Zur Erläuterung mag sofort erwähnt wer­den, daß Paragraph (b) des Artikels 297 nur auf das bei Inkrafttreten des Frie­densvertrages vorhandene Eigentum in seiner derzeitigen Gestalt angewendet wer­den wird."

(Vgl. S. 68 der Ausgabe des Verlags Reimar Hobbing.)

Es dürfte außer Zweifel stehen, daß der Artikel 297 b des sogenannten Friedensver- trages zu derartigen Befürchtungen keinen Anlaß gibt, da das den Mächten vorbehaltene Recht, alle den deutschen Reichsangehörigen oder den von ihnen abhängigen Gesellschaften gehörenden Güter, Rechte und Interessen innerhalb ihrer Gebiete zurückzubehalten und zu liquidieren, ausdrücklich auf diese im Zeit- vunkt des Inkrafttretens des gegenwärtigen Vertrages, also den 10. Januar 1920, ge­hörende Eigentum begrenzt ist. Auch die Be­stimmung des Art. 297 e muß in diesem Sinne ausqclegi werden, wenn auch hier die Zeit­grenze des Abs. b nicht ausdrücklich genannt ist.

Bedenken wegen der Sicherheit der nach Friedensschlufi in das früher feinbfidy? Aus­land gelangenden Güter sind allerdings durch die Bestimmungen des §9 der Anlage zur Art.298 gegeben, der lautet:

Güter, Rechte und Interessen der deut- ftfym Reichsangehörigen unterliegen weiter-- bis zur Durchführung der im Art. 297 m«<b vorgeschriebeneu Liquidationen den im Hinblick auf sie getroffenen oder zu treffenden außerordentlichen Kriegsmaß- uahmen."

Nach der oben erwähnten klaren Antwort der Mächte muß man jedoch auch in diesem »alle anuehmen, daß gleichfalls nur das bet Inkrafttreten des Vertrages in den frühe­ren Feindgebieten bereits befindliche Eigen­uin derartigen Kriegsmaßnahme u unter­liegen soll.

Dagegen rechtfertigt bie Bestimmung des [18 der Anlage 2 zu Teil VIII die geäußerten befürchtungen. Der § 18 bestimmt:

Die Maßnahmen, zu denen die alliier­ten und assoziierten Regierungen, falls Deutschland vor'ätzlich seinen Verpflichtun- gen nicht nachkommt, berechtigt sind und die Deutschland sich verpflichtet, nicht als feindliche Handlungen zu betrachten, können fein: wirtschaftliche und finanzielle Sperr - und Vergeltungsmaßregeln, überhaupt sol­che Maßnahmen, welche die acncnuiten Ne­gierungen als durch die Umstände geboten erachten."

Die schrankenlosen Befugnisse, die dieser Paragraph den Macksten gibt, bieten natürlich fie Handhabe auch zur Beschlagnahme des erst nach Friedensschluß in das Ausland ge- 'ommeneu deutschen Eigentums. Wie hoch die befabr der Anwendung dieser Bestimmung nnzuschätzen ist, läßt sich natürlich schwer agen. Immerhin darf nickst übersehen wer­den, daß zu ihrer Anwendung die v o r s ä tz - iche Nichterftillung der deutschen Verpflich­tungen erforderlich ist, wenn auch die letzten Vorgänge, die zur Besetzung von Frankfurt : M., Darmstadt usw. geführt haben, zeigen, baß die Entente sich über den an und für sich utr schwer zu erbringenden Nachweis des Vorsatzes leicht hinweKusetzen geneigt scheint. Gegenüber derartigen zweifellos gerechtfertig- Ln Befürchtungen, wird man aber nicht über» Hetzen dürfen, daß die Interessengegensätze, bie zwischen den einzelnen alliierten Mächten '.rit der Wiederaufntchme der Handels- «Ziehungen mit Deutschland mehr und mehr entstehen, einer derartigen Anwendung des $18 entgegenwirken werden.

Zusammenfassend kann man daher sagen, baß eine unmittelbare Gefahr für das nach

dem 10. Januar 1920 in das feindliche Aus­land gelangende deutsche Eigentum nicht vor­handen ist (Art. 297 Abs. b), wohl aber eine mittelbare Gefahr (§ 18, Anl. 2 zu Teil VIII).

Die erste Hamcnslifte der Kriegsverbrecher".

Berlin,ckl. Mai. ,(Wolff.) In Verfolg der Zusicherung in ihrer Note vom 16. 2., im einzelnen die Straftaten eines jeden, der des Kriegsverbrechens verdächtigt wird,zu sammeln, zu veröffentlichen und "der deut­schen Regierung mitzuteileu, haben die alliier­ten der Reichsregierung mit einer Note die erste Namensliste übersandt. Die Liste wird sofort dem Oberreichsanwalt übergeben, und sobald die einzelnen, öfter ungenau wie­dergegebenen Namen identifiziert sind, ver­öffentlicht.

Berlin, 11. Mm. (WTB.) Die erste Liste der von den alliierten Mächen zur Aburteilung vor dem Reichsgericht unter Anklage gestellten Personen umfaßt folgende Namen:

1. Patzig, Hellmut, Oberleutnant z. S., Kom­mandant des U-Bootes 86 (Torpedierung des englischen HospitalschifsesLlandowery Castles. 2. 4-eumann, Karl, Oberleutnant z. S., Kom­mandant tx>nn. 67" (Torpedierung des eng^ lischen HospitalschifsesDover Gaftte"). 3. Werner, Will-clm, Kapitänleutnant, Kommandant vonU. 55" (Torpedierung des englischen Hospi- talschffesTerrington"). 4. Müller, Haupt­mann .Landsturm-Batl. 57 Gelsenkirchen, Kom­mandeur des Lagers Flavy-le-Martel in Frank­reich (unmenschliche Behandlung englischer Ge­fangener in diesem .Lager). 5. Heinze oder Heimann, Unteroffizier (unmenschlickie Behandlung englischer Gefangener im Lager der Herner Zeche Friedrich der Große"). 6. Trinke, Unteroffi­zier und 7. Neumann, Soldat (unmenschliche Be­handlung englischer Gefangener im Lager Pommr- rensdorf, chemische Fabrik». 8. Stenger, Gene-- ral-Kommandcur der 58. Brigade (112. und 142. Jnf.-Reg., 14. A.-K) (Befehl jur Niedermachung von Gefangenen und Verwundeten bei der 58. Bri­gade). 9. Carl5, Leutnant, 10. Schröder, Haupt­mann, 11. Müller, Kommandeur, 12. Curtrus oder Crusius, 13. Malier aus Badenweiler, sämtlich vom 112. Infanterie-Regiment (sind beschuldigt der Mitwirkung bei der Aus­führung des Befehls des Generals Stenger). 14. v. Oven, General, früherer Gouverneur van Metz, und 15. v. Staufer, Major im Landw.- Inf.-Regt. 65, angeblich früher beim 28 Inf.- Regt. in Koblenz (diese beiden wegen Gewalttaten ihrer Truppen in zahlreichen Fallen in Nomeny, Jarny, Jauln.y und St Julien le Metz im Llugust 1914). 16. Michelsvh.i, Osbar, Arzt, Tiict^r des Lazaretts der 7. Armee in Esf y-le^-Trslon und in Tizi'-le-Gros (Tönung ^rhlr.-icher iiym an vertrauter 5t ranken und Vem.mnd t n durch syste­matische Misch.mdlungcn; D iebfa-l Von.Nal/rmigs- mitteln und sonstigem Eigentum seiner Pflcolingc). 17. Krusw, General, Kommandant des Lagers Kassel, und 18. v. Tack, Gouverneur tK>n Kassel (Verbreitung einer Typhus-Epidemie int Lager Kas el und Mißhandlung der Ge angenerr. 19. v. Arnauld de la Pcrriöre, Leulnant, Kommandant v-on ll. 35 (Torpedierung der italienistl-on Schiffe Siena^,Doris" undLilla"). 20. Scholtz, General, Kommandant des Lagers Langen a za. 21. Koch, Fosef, Haup mann, 8. Compagnie, Lan­gensalza, 22 Krauß, Unter»rasier int Lager Lart- gensalza (diese drei wegen Mißhandlung vonKrügs- gcfangenen in diesem Lager». 23. Graf v. Eär- mer, Komma'..denr der EtappenLnnma'.rdantur 167 in TanieUi del Friuli (willkürliche Requisitionen und Mißhandlungen in seinem Etappengebiet). 24. v. Bülow, Führer der zweiten d.utscheu Armee; 24 a. v. Below, General, ^ntmanbeut der 5. Ins-Brigade (5. Jns.-Regt.), dieser unter dem Dorbehall, baß möglicherweise eine Berwecls- lung mit General v. Bülow borlicgt. 25. Fache, v. Langermaam, Gen-rralma o , Komn-andeur der aus dem 1. und 2. Res.-Regt. bestehenden Brigwe. 26. Prinz Ernst zu Sachsen. 27 Jung (ober Junge), Major ober Hauptmann im Gard-e- Schutzen--Bataillon. 28. Wognitz, 3. Komp., 28. Pionier-Batl. 29. Steiitmetz, Leutnant in derselben Kvmpagnie. 30. Bronsart v. Schellen- borf, Masor im Schützenbatail on. 31. Baron ü. Brunau (B«mau in bem eiben Bataillon. ( 9hr. 24 bis 31 lautet die Ank.age auf Gewalttätig­keiten in Anbmne und Seittes.) 32 Ramder, Max, Agent der Gelrimen Fcldpolizn in Grimme (Ostflaichent), angeb ich wohNl«ft Leipzig, SCk v» bahnstt Uöe. 33. Zahn, Ernst, Agent d.-r G?Her­men Feldrvliz."i in Ghxtmme, angeblich nrohrtchatt Brei test roste tOer Kei'er-Io'es-Straße in Leir^g (Mißchandsung der Bevölk-rung in E-ramme und Umgegend. 34. Danzig (ob.r Dmzin oder Tentzin', Feldwebelleutnant, Kommaatdwit deS La­gers Sedan. 35. Engel loder Engels), Leu:- nant im Lager Sedan. 36. Holz, S<-r- geant, Lager Sdan. 37. Mnecht, Ge-- freiter, Lagrr Sedan, und 38. Dtgodznv, Qv Hüter (Rang tmbekannt). Lager Sedan Bei Nr. 34 bis 38 lautet die Ankla« auf Mißhandlung von Gefangenen und Diebstahl von Eigentum der Gefangenen). 39. Preusker. Maior. Komman­deur des 2. Bataillons des 135. Regiments. 40. mm Kirckbach. General, 41. von Schdlitz. Oben,. (Tie>e brüt i.ck ang^kl'gt wegen Gewalttätigketten tn staliick 1914.) 42. Hauff, Kommandeur der 26. württcml>erg. Landn'ehr-Diviiion (cmgeEIagt wegen Misthandluwr rumänischer .'Kriegsgefangener im Elsa stV 43. Limburg, Major, Ävmmandant de-5 Gefangetlenlagers in Breesat in Mecklenburg, 44. Nöring, Leumant und Adjutatu des Kvmman-

danten des Gefangenenlagers in Breven (beide an- gellagt roegen Mißhandlung rumänischer Krieas- i Kfengencr i. 45. Ren der, Chef der deutschen Mllitärpolizei in Radonj (Serbien) wegen Tötung der Milona Ljombistaoliewrtsch im Bezirk Randanj.

vom Völkerbund.

Paris, 12. Mai. (WTB.) Senatspräsi- deut Bourges, der ftanzösische Vertreter des ausführenden Rates im Völkcrbuitd, reist heute zur Tagung des ausführenden Rates nach Rom.

Die Truppen ou$ dem Ruhrgebiet zurückgezogen.

Berlin, 11. Mai. (Wolff.) Gestern wurde der Entente nvtifiziert, daß die überschießen­den Truppen aus dem neutralen Gebiet zurückgezogen worden sind. Ein fran» zösischer Kvntrolloffüier hat sich in Beglei­tung eines beutfd)en Offiziers in das neutrale Gebtet begeben, um die Richtigkeit der Er­klärung uack-zuprüfen.

Berlin, 11. Mai. (Wolff.) Wie von »u- ständiaer Seite mitgeteilt wird, beträgt die deutsche Truppenmacht im neutralen Gebiet seit gestern 10 Bataillone, 9 Eskadrons uttd 2 Batterien, bleibt also mit einem Bataillon und einer Eskadron unter der uns zuaestan- benen Masse. General Nollet wurde die Tatsache mitgeteilt. Er hat Major Graves zur Nachprüfung in das Ruhr gebiet entsandt.

Deiuobilisierung der Armee-Fliegertruppe.

23er (in, 11. Mai. (Wolff.) Von zustän­diger Stelle wird mitgeteilt: Die gesamte deutsche Armee-Fliegertruppeistde- mobilisiert. Die Armee berfügt über keine militärischen Luftfahrzeuge mehr. Die letzten noch bestehenden Flicgerformationen, der Flie­gerhorst Döberitz mit dem Fliegerzeugamt Königsberg, Stolp, Brieg, Großenhain, Pa­derborn, Böblingen und Schleißheim sind oe- mobil gemacht. Das gesamte Fliegergerät aus allen Fliegerhorsten, ausgenommen Stolp, ift vollständig der Reichstreuhand-Gesellschaft übergeben worden. Auf dem Fliegerhorst Stolp ist die Uebergabe des Fliegergeräts noch nicht vollständig abgeschlossen; sie wird innerhalb der nächsten Tage beendet sein.

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Dculschland und Däueniark.

Berhän, 11.Mai. (Wolfs.) Amtlich. Ter deutsche Gesandte in Kopenhagen hat Dem dänischen Minister des Aeußern vorgeschla­gen, daß zwisck>en Deutschland und Dänemark ein Abkommen zum Schutze der gegen­seitigen Minderheiten abgeschlossen wird. Der dänische Minister des Aeußern hat dies abgelehnt.

Kopenhagen. 11. Mai. (WTB.' Zu der Berliner amtlichen Meldung über die Ablelmung der Vorschlages der deutschen Gc'andischaft in Ko­penhagen ivegen deS gegenseitigen SckMtzes der Miirderl^i en erfihrt das Ritzausche Burcuu, daß dem dänisckien Ministerium des Aeußerri ein solcher Vorschlag nicht gemacht wvrden sei

9'lvtiz: Durchs das Dementi toon Ri>nls Bureau inirb der von uns gemeldete tatsächliche Sachver­halt nicht geändert.

Eine Senfationsmclduna der Polen.

Breslau, 12 Mai. (WTB.) Die polnischen Blätter in Olerschlesien verbreiten eine von der Oberschlesischen Grenr-n'uivg in Banhen gebrachte, sensationell zugestartzte Meldung, wonach es den Deutschen gelungen sei, heimlicheine Armeevon30000Mannim b-setzten Ober­schlesien zu sammeln. Täglich treffen in Ober- scklesien geschlossene Güterwagen mit Reick)swel>r. soldaten in den verschiedensten Gegenden ein. Es tuerben sogar Truppenteile genannt, so in ber Garetta Rybnicke die 51er aus Breslau und Ab- einingen der 117. Division, Daß diese ein­geschmuggelte deutsche Armee in Oberschlesien nur in der Phantasie der großpolnischen Agitatoren be­steht, bedarf kaum der Feststelllmg. Es ist an der ganzen Sache, wie von »uständiger Seite mitgeteilt wird, natürlich kein wahres Wort. Das Ziel dieser polnischen Verleumdumven verdient aber sestgestellt zu werden. Es geht dahin, Deutschlands Vertrags- treue in den Äugen der Welt h.rabzusetzen und gewisse Kreise in Oberschlesien gegen Deutschland aufzupeitschen, um für das Abenteuer des neuen polnii ch- ichlesischen Aufstandes die Stimmung vor­zubereiten.

Der Streit in Frankreich.

Paris. 12. Mai. (WTB. , Havas meldet aus Dünkirchen: Der Streik der Hafen­arbeiter und Seeleute ist allgemein. 70 Proz. der Metallarbeiter und 60 Proz. der Bauarbeiter streiken. Tie Straßenbahnen verkehren nickt. In Calais wurden heute 300 Anamiten als Dockarbeiter eingestellt. In Bourges streikt das Personal der Militär­anstalten und der Straßenbahn. Auch die Me­tallarbeiter und ein Teil der Bauarbeiter haben die Arbeit verlassen.

Marseille, 11. Mai. (Wolff.) Havas. Für den Generalstreik sind folgende

Syndikate: Die Eisenbahner, die organi­sierten Seeleute, die Dockarbeiter, die Metall­arbeiter, die Hauhandtverker, die Transport­arbeiter, die Hafenarbeiter imb die Straßen­bahner in Marseille.

Paris, 11. Mai. (WTB.) Havas meldet aus M ar seil le, daß auch dort sich die Metall-, Bau und Traitsportarbeiter dem Streik anaeschlosseu haben. In Nantes sind die Metallarbeiter in den Ausstand getreten. In Le Havre lehnte das Personal der Stra­ßenbahn den Streik ab. In dem Becken von Anziu hat fidi wie aus Lille gemeldet wird, die Zahl der streikenden Bergarbeiter aeftern abend vermehrt. Weiter wird and Lille go meldet, daß in dem Bergrevier des Nordens der Ausstand unter den Arbeitern unter Tage allgemein ist

Paris, 11. Mai. (WTB.) Der MinistervU hat den Justizministrr mtfqcfJtbert, eine Unter­suchung gegen den Allgemeinen Ar - bei terverban d (C. G. T.) z u m Zweck: sei­ner Auflösung einzuleiten, und zwar auf Grund der Artikel 3, 5 und 9 des Gesetzes vom 21 Marz 1884, die Snndrkaten und SBercinigiuweii von Berufsgcnossenschaflen nur das Recht auf Be­arbeitung der Verteidigung von Berufsinteressen geben.

Paris, 11. Mai (Wolfs.) Havas. Dir Strafkammer fällte heute das Urteil über zwei am 8. Mai festgenommene Eisenbahner, die der Bedrohuitg der Arbeitsfreiheit angeklagl waren. Ter eine lourbe zu 3 Jahren Gefängnis und 2 Jahren 2lufentt>allsverbot ver­urteilt, weil er einen Arbeitswilligen geschlagen, und revolutionäre Schriften verteut hatte. Ter aitdere, welcher ihn begleitete, wurde zu 15 Mo nuten Gefängnis verurteilt.

England nnd Kanada.

«London, 10. Mai. (WTB.) Reuter. Unter­haus. Bonar Law teilte mit, daß Mischen der englischen und kanadischen Regierung eine Ber eintarung geschlossen wurde, die eine wirksamere Vertretung der kanadischen Interessen in Washington ermöglicht. Der König wird einen Gesandten ernennen, der für die ^kanadischen Angelegenheiten zuständig ist. Bn M-wesen5eu des britischen Botschafters wird der kmcadische Gesandte sowohl die J-nteressen des brittschen Reiches wie die Kanadas wahrnehmen. Diese Ver- eintarung bedeutet nrcht, daß von dem Grundsatz ber Einheitlichkeit im diplomatischen Dienst des britischen Reiches abgewichen wird.

Da» irische Problem.

Amsterdam, 11. Mai. (Wolff.) Der Telegraaft" meldet: Das englische Unterhaus lehnte mit 259 gegen 55 Stimmen den Ab­änderungsautraa Asquiths zum Homerulegesetz ab, wonach Irland an­statt zweier ein nationales Parlament er­halten und den Grafschaften von Ulster das Recht gegeben roerben sollte, auf Grund einer Abstimmung sich während höchstens 6 Jahren von diesem Parlament auszuschließen. Bonar Law widersprach diesem Anträge, er sagte, er zeige, daß Asquith itoch in ber Gedankenwelt der Vergangenheit lebe.

Eine vorläufige Regierung in Anatolien.

Amsterdam, 11. Mai. (Wolff.) DieTimes" meldet aus Konstantinopel: Mustafa Ke­mal Pascha erfiärte in der gesetzgebenden Ver­sammlung in Angora, ber Sultan sei nicht ber freie Herr seiner Entschlüsse; daher bestehe keine gesetzliche Regierung. Da es ferner unmöglich sei, in Anatolien eine gesetzliche Regierung zu bil- -ten, schlage er vor, daß er und seine Kollegen von dem Komitee zur Verteidigung der türkischen Reckste eine vorläufige Regierung bilden sollen.

Arabische Ueberfälle in Syrien.

Amsterdam, 11. Mai. (WTB.) Die Times meldet aus Haifa vom 10. Mai: Araber überfielen christliche Dörfer in der französischen Zone süd­lich von Tyrus. Air-Jbl sollen «500 Menschen getötet worden fein. Ein Strom von lFlüchtlingen ergießt sich in die englische Zone. 2000 von ihnen hoben Sated erreicht, 700 Haifa. In Sastd und anderen Orten werden Blockhäuser errichtet.

Fiume.

Mailand, 11. Mai. (Wolff.)Avanti" versichert, daß d ' A n u n z i o vor einigen Tagen Nitti ein Schreiben zu kommen ließ, in Dem er ihm die Ereignisse in Fiume dar- legte. In diesem Schreiben tpirb auch erklärt, daß sich das Stadtkommandv der Schaffung eines Pufferstaates nicht widersetze.

Rußland schweigt.

Paris, 11. Mai, (WTB.i Tie ?Rorgew blätter stellen fest, datz der Eifielturm seit Sonn­tag nachmutag feinen Funkspruch aus Mos­kau ausgenommen hat. Moskau pflegte sonst fast alle zwei Stunden zu funken.

Ein japanisches Dementi.

Berlin, 12. Mar. (WTB.) Die durch die Presse verbreitete Nachricht, wonach einige japanische Divisionen in Verlleidung nach Sibirien gesandt seien, wird von dem hiesigen japanischen Geschäftsträger Herrn Tebuchi kategorisch in 2lbrede gestellt. Herr Tebuchi erklärte ferner, daß das Lirzlich ver­breitete Gerücht, als habe Japan der Sowjet- regierung den Kriea erklärt, gänzlich ohne irgendwelche Grundlage sei.