Nr. 135 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Hreitag, II. zuni 1920
Die Gräfin.
Roman von G. W. App le ton.
^Nachdruck verboten.) Fortsetzung 55.
Kurze Zeit darauf erschien Marie wieder mit einem Briefe Er war von Perkins und lautete:
Geehrter Derr Klol.e^e!
Ich 1)obe mir heute nacht zwei Stunden lang die Füße tu Jhr.r MrglUjen 2£o mmg ff* ttärmt. Ein entzückendes Plätzchen! Wenn Sie nunmehr geneigt nxiren, einen werteren Handel mit mir abzuschlietzen, würdr ich das Haus, wc es fttejt, mit ter ganzen Einricht rng nebst den, Tienstper owtt über einen. Hebe legen £v. ich die Sache! Ich werde morgen Punkt 11 Uhr im Sprechzimmer ftta. Es tut mir leid, bi.ß ich fort mutzte, da ich Ihnen gerne erzäch.t batte, wie ich mich teube als Ihr Vertreter zurecht gefunden l;abe Es ist nämlich olles nach Wunsch verlaufen. W Assistent ist ein angenehmer Mensch, und die Patienten mögen ja arm sein, sch.e.i'st gekleidet und alles mög iche, aber ftc haben mir twtzdem gefallen und mich mit gvotzer Hockiackstung (>e.?rnbelt. Ich bin nun z-ufrieden- gestellt und mit Eifer an ter Arbeit.
Hvch»achtungsvoll
Ihr
Ur. James Plnkins.
Ich mutzte von Herz-n lachen. Armer P r'ins, dachte ich t>d mir selber, du stehst erst am Anfang, mein Lieder! Jetzt platzt er Noch vor Sto^z, „mit großer Hochackftung testaM» L" woiden zu sein. Na, er ist ja bei Jenkins (so hietz mein Gehilfe) aut aufgeUi. Und w nn ec für einen arm^n Leusel ein Todesurteil in Form eines Rezeptes
Au» Hessen.
Richtlinien über Arbeitslöhne in der Lanö- wiilschast.
Am die dringende A..scuge des ^Ibg ordneten Dr. D e h l i n g e r ist so.g-.nde Regchrui.gsuntlvorl ereiltt worden:
Die Arbeiisucrlstilt^ ise in der Landwirtschaft bedürfen s.il längerer Zeit einer K.ämng. Immer bringender l'titb die Tjefiifd^en Landarbeiter mit dem Wunscl-c an uns tecmi getreten, dafür zu sorgen, datz auch ihnen ein entsprechend.s Entgeld für ihre 'harre Arbit gezahlt wird. Tatsächlich sind biSi-er dort Löhne g-baden worden, die in keinem Verhältnis zu dmi all. rnvtivcudigsten Lebensbedarr stehen. Tie wachsende Unzufrioixmheit in den .Kreisen der Landarbeiter und die hiermit steigende Gefahr eines Streiks, der bei den schwierigen Er-- nährungsverhällnissen des Lances und Reick)s unbedingt vermieden werden muh, veranaßte uns schon vor längerer Z-cil, durch Be pre.lMNg mit den matzgeb.ndeu Stechen, ten Dari'gianKen ti der LandwinschZast aus jede Art und Weise zu fördern. Leider hatten unsere Bemühungen nur teilweisen Erfolg, da die Arbeitgel»er in der Provrnz Starfenburg einem Zusammen schmutz witerstr bten. Tagten g lang es dem Verba: d landwirischaft- lick^ec Arbeilg.ter für Lassen und Nachüargcbicte, in Ober Hessen und Rheinhessen den größeren Teil der Arbeitgeber in ehier Organisation zu vereinigen. Die Arbeitnehm.-r sind bei Streitig keilen uns dem Arbeitsverb-ältnis auf di: Sch i.httmgs- ausschüs'e ange.viesen. Um nun den Schlichttmgs- ausschüssen einen gewissen Anhalt zu bieten, welche Löhne ungefähr unstnem Dafürhalten nach as ongemesien zu tetirichlen si.d, bat bas Landes- Arteirs- und Wirt sch?, stsamt gewisse Richlinien hjeniber aufgestellt und ten Schlichtungsausschüssen zugehen lässen. Die Richt d> den wurden in einer gemeinsamen Mtzung der Bet-iligten, nämlich der Landwirtschastschnnmer für Hefen, des landwirtschaftlichen Arbeitgeberverband.'s für Hes'en und Nachbargebiete und dem Deutschen Landarbeiter- verband Gau XX aufgestellt. Allerdings hnrrien hierbei von ersteren teiten hinsichtlich mancher Sätze Widerspruch erhoben.
Wir betauen, datz die Richtlinien lediglich Anhaltspuutte für die Sch ichtungsausschüsse ixir» stellen sollen, datz diese aber in keiner Weise an bie dort niedi'rg.l?gteii Sätze gebunden sind. Wir halten aber die Richtlinien als das Mmdestmatz dessen, was den Landarbeitern bei den heutigen teuren Lebensverl)äl nisten unbedingt gewährt tverten mutz. Tie Regierung mzkhae aus die eit Gründen z. Zt. von einer Nachprüfung dieser Richtlinien ab» schm.
*
rmk. Darmstadt, 9. Juni. Zur Verdoppelung des Schulgeldes an den höheren Schulen auf Anordnung des Landesbildungsamtes hat der Abg. Knoll einen dringlichen Antrag an die Kammer gerichtet, durch welchen er ersucht, die Verordnung des Präsidenten für das Bildungswesen aufzuheben und dafür nachstehende, nach dem Einkommen der Eltern bemessene, staffelsör- mig bemessene Sätze zu bestimmen: 1. Bis zu einem steuerbaren Einkommen von 12 000MI. bleibt das Schulgeld in bisheriger Höhe, 2. das Schulgeld wird erhöht bei einem Einkommen von 12—14 000 um ein Viertel, von 14 bis 16 000 um die Hälfte, von 16—18 000 Mark um dreiviertel, von 18—20000 um das Doppelte, bei höheren Einkommen um das dreifache. 3. Für minderbemittelte, begabte Kinder sind ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen, um denselben eine völlig freie Ausbildung angedeihen lassen zu können.
(flericbtsfaaL
Schuldig erkannt und doch freigesprochen!
NN. Darmstadt, 9. Juni, ©inen unerwarteten Schlich nahm die heutige Schmrrgcrichts- vethandlung. An get agt waren die leiden 20 Jalwe alten Spengler Wilh. Weitz aus Mainz unb der Taglöhner Franz Vitzdorf ans Hirschhorn, wegen eines am 9. Oktober 1918 dahier begangenen Straßenraubs. Sie waren damals bei der Artillerie 'hier eingestellt und hatten einen vor ter Kaserne fein Ge'chäft treibenden Zucker- unb Back- Warenhändler, als <-r abends nach Hause fuhr, mit der elektrischen Straßenbahn ver'oigt und ihn in der Luisenslraße vor deiner Wohnung überfallen, um ihm sein Geld abzunehmen. B. hitte ihn gepackt und ihm den Mund zugcchalten und her andere ihm das Geld abverlangt. Ter Ncberfaklene Konnte aber noch einen Schnei ansstotzen, worauf W. tevonlief, während B. nock, geatzt werden konnte, lieber die Urheberschaft suckln sie sich gegen).'ittg zu belasten, sind aber irn allgemeinen geständig.
Tie Geschwovenen bejahten die an sie gerichtet» Frage des versuchten Raubes, bes-astten aber auch de auf Antrag der V.rtndlgung gestellt? zweite Frage: auf freiwilligen Rücktritt vor Ausführung der Tat. Tanach fann nach dem Gesetz eine Drrurtei ung nicht erso gen und würben d.e b.iben Angeku gten dem Antrag des StOiatsanwalies entsprech«'..d freigespvoa-en, was sie wähl selbst nicht erwarteten. Die Kasten trägt die Staatskasse.
— Idstein, 10. Juni. Wegen Verchei rn - lichung größerer Ka r t v ffe l vv r rä t e batten zahlreiche Landwirte in Hrftrich Strafbefehle über 800—5500 Mark erhalten Das hiesige Schösfenger-ichl sprach die Beschuldigten auf i'teen Einspruch Hin frei, tnobbem der Amtsanwalt die Arifrechtevhlaltung der Straste höhle beantragt hatte. Tas gleiche Glück batte ein Mühlcnbesitzer mis Wörsdorf, der einem Frankfurter Kaiifnunm 230 Pfund Weizenmehl ahne KaNen verkauft und tes- telb einen Strafzettel über 500 Mk. erhalten batte. Ter Einspruch des Müllers endete vor Gericht mit Freisprechung. Tie Kosten dieser Vost- spieligrn Verfahren trägt ter Staat.
Handel.
Der angebliche Preisrückgang am Tabak- markt.
Von unterrichteter Seite wird uns geschrieben: I In Nr. 133 J'hres geschätzten Blattes brachtest Sie im Handelsteil vvn Frnnffurt a. M., 8 Juni, einen Artikel, der m. E. Ilnrichtigleisen in Menge enfliält und gerade am hiesigen Platze, einer Zentrale der DaL-^sabriltttion,! der Mstlärung dringend bedarf.
Ich nrifl nicht dem widersprechen, datz ein grober Teil der Zigmweckyandlmrgen und auch ter Zigarrenlabriflanten die Verbaufspveise der Waren in letzter Zeit ermäßigt hat, ob bis zu 40 Pvoz, bezweilfe ich. Wo dies bei Fabrikanten ter Fall war, dürfte es sich, soweit nicht billigere Rohtabak einMtfe infolge des Steigens des Markkurses in Fwage kommen, um Preiskorrekturen w folge der steigenden Krnikurrenz. die wiederum durch den Konsumentensttreik oder oas Nachlassen der Kaufkraft der Berbnaucher 'hervorgerufen wurde, hanteln. Tie reelle Fabrikation hat zu Pveiser- müstigungen absolut keinen Anlah, im Gegmteil, fo lange die leider immer noch ttt ter Tabakini- dustrie bestehende Zwangswirtschast anteuert, fann an eine Verbilligung des Fabrikates lciter nicht gedacht werten.
Ich sage: leider: denn darüber ist sich jeder denkende Fabrikant klar, daß er bei ter trotz unseres lieberslusses an wertlosem Papiergeld von Tag zu Tag sinkenten .Kaufftxrft unseres Volkes, nur bei bescheidenster Aufmachung seines Nutzens fernerhin noch weiter eriflieceit kann.
Bei der Herabsetzung ter Preise bei den Händlern kann es sich nur um alte, anfgestopelte Vorräte handeln, die noch unbanteroliert sind und wahrscheinlich früher mit zu großem Nutzen verkauft luorten sind. Alle Zigarren, die seit Inkrafttreten des Vantevolgesetzes vvm Fabrikanten cingetkmft sind, müssen tendewliert sein: die Ba idevolc trägt deutlich den Andruck des Kleinverkaufspreises und jeder Händler, ter diesen nicht ercktzält, macht sich strafbar.
Auch die Nack)iricht über die erschöpfte Aufnahmefähigkeit ter badischen Fabrikanten ist direkt unrichtig. Wie schon vcsther erwLi/nt, lastet auf ter Tatekinbiistne noch immer ter schwere, unter heutigen Beihpltnissen fast unerträgliche Truck ter Ztvangswirtscl-aft, und es dürfen auch heute nur noch 40 Prvz. des Quantums Rohtabak in ter Zigarrenindnstrie verarbeitet werden, das im Jähre 1913 verarbeitet wurde. Anstertem aber erWlt jeder Fabrikant nur Einkausserlaubnis für vier Mvnate. Wie unter diesen Umständen die Lager über füllt sein können, — in Friedens-citen hatte jeder nur einigermaßen bedeutende Fabrikant ein Rv^htatellager für 1, 2 Jähre und noch mehr — ist mir em Rätsel, und ich bann mir mir denken, daß der Schreiber des bett. Artikels ferne Nachrichten ans Schieberkreisen hat. H. S.
Berlin, 11. Jimi. Utter die Lage ter bergt fd^en Jndu ftrie wird dem ,Lokalcmz." aus Solingen versichert, daß die Arbeitseinstellungen zunehmen, die Aufträge ans- bleiben und die bereits ab geflossenen Aufträge zum größten Teil wieder zurückg^ogen werden.
Zürich, 10. Juni. (WTB.) Der internationale B a u m wol l kvn g re ß, ber wn 16 Ländern beschickt wurde, ist gestern hier eröffnet worden.
Berlin, 10. Jnni. B örsenstirn mun gs- bild. Große Zurüu'h.ltung gab auch dem heutigen Börfenverl?l-c das kennzeichnende Gepräge. Eine eintet liche Tendenz trat nicht hervor. Tie Kursgestaltung blieb mireylmäfcig und mar meist
vom Zufall abhängig. Jnrmerhin herrschte am Montan markt eine Außvär sbcw. gm g vor, woran beionters Obersclstesiscte Werte beteiligt waren. So waren Ka.tawitzer 3 Poozent und Bismarckhütte 2 Prozent (jöber. Farbwerte waren billiger Mige- teten. Badtsck/e Anftin verloren 13 Proz. Elek- tritzilätsakrien erfu'te-en nur gerrngfugfige Aente- rungen bis auf Teutsch-Ueteri«, die 20 Pvoz verloren. Bon Sästfial-rtsaltien besserten sich nur Hansa. Auslandspapiere und Kolonialwerte gaben mit Rücklicht auf die AbschoLckwng ter ^Auslands- devifen nach. Jedoch nxtren SckMttungbatet-'Attien am Anlagetnackt ettvo 9 Pvcz ftilyer. Sonst am Anlagernarkt nichts von Bedeutung.
Frankfurt a. M., 10. Juni. (Börsen- stimmungsbild. Die Abendbörse verlies bei ruhtgem Geschäft und gut behaupteter Haltung. Auslandspapie^ beroegten sich aus ihrem Schluß- Niveau ter Mittagsbörse. Deutsch.' Petroleum 590 bis 595. Otaoi Minen 550. Südsee-Phosphat 1925. Schantung waren mit 680 3 Proz. hölier. Hamburg Paketfahrt konnten sich 1 Proz. befestigen, 185. Montanpapiere lagen ruhig. Phönix Bergbau schwächten sich 2'/s ab, 390. Buderus 2531/2, plus 3Vs. Bad. Anüin wurden auf regere Käufe 7 Proz. gesteigert, 440. Sch'iteanstalt notieren 50i. Ma.chf. ^larlsnche 231, pns 3Vs, Daimler Motov-n 210^/z, plus 71/2. Bankaktien, besonders Deutsche Bank und Nationa'bank für Te.ttschlund lagen fest. Int ftrieu B «r wuD° den Heldburg lebhaft gehantelt. Der Kurs schwankte zwischen 232 bis 235. Ausländisch- Anleihen mäßig befefhgt. Sckiriftgießevei Stempel verloren 10 Proz. auf 400. 5proz. Reichsanleite 793/*. An ter Nach- börse A. E. G. 280, plus 59/4.
Frankfurt a. UL, 10. Fuut.
Devisenmarkt.
Datum: Amsterdam - Rotterd. Drüssol-Nntwerpen . (khristianla Kopenhagen Stockholm Helfingfors Italien London Rew-Pork......
Paris Schweiz Spanien Wien (altes) .... Deutsch.Oesterr. abg. Prag Budapest Bulgarien Konstantinopel. . . .
Geld Brief Geld Brief
9. Juni 10. Juni 1448,50 1451,50 1398,60 1401,40 317.15 317,85 314,65 315,35
704,30 705,70
669,30 670,70
856,60 858,40
179,80 180,20
229,75 230,25
153,80 154,20
39,07 39,17 304,70 305,30
714.30 715,70
634,35 635,65
28*22 28*28
86,65 88,85
22,47 22,53
674,30 675,70
649,35 650,65
834,10 835,90
174,80 175,20
224,75 225,25
151,80 152,50
38,70 38,80
299,70 300,30
699.30 700,70
626,85 628,15
19,47 19,78
28,22 28,28
87,40 87.60
22,47 22,53
BSrsenkurse
Berlin
283,50
277,75
280,
Kitrs 40.6.
79,75
170,-
141,50
390,
440,
190,- 186,50 235,- 270,- 290,-
264,- 188,-
229,- 380,-
210,50
253,50
277,50 173,— 380,- 218,50 250,50
Kurs
9. 6.
79,75
74,20
65,80
74,75
164,50
279,75
283,- 200,- 171,50 140,- 156,50 189,- 184,-
270,- 287,- 266,- 188,50 224,- 385,-
435,- 341,- 275,- 179,- 390,- 216,-
249,- 224,-
86,75 295,50
141,25
157,50
185, —
176,-
Kurs 9.6.
79,75 74,55 66,-
Kurs 10.6.
79,75
74,20
65,60
Datum: S'^Dent.Krtegranl. 4^Dent.N«ichsanl. S^Dent.BechTanl. 4% Pr-uh. Konsol, Darmstädter Bank Deutsch« Bank,. . . Divconto- Besellsch. Dresdener B mk. . Nationalbank f. V. Alitteld.Treditdank H.-Amerik.-Pakctf. NorddeutscherLloyd Doch. Guhstahlwrk. D.-Luremb.Bergw. Telsenkirch.Bergrv. Harpener Bergbau Oberschl. Eisend.- 8» Oberschles.Eisentnl^ Phönix-Brgb.-?lkt. 23ab.2lniItn-u.Soba Höchster Farbwerk« Ülekir. 2t. E. G. . . Schuckert-Werke. FeltenLGuitleaum« Daimler Bub.»Lisenw..^kt. Äblerwerk« .. . . 4% Hejs. Saatsanl. Electron Griesheim
154,75 280,50 201,50 173, - 140,25 157,50 183,50 176,-
241,- 276,50 297,- 272,- 188,50 240,- 391,- 436,- 344,-
277,75 17b,- 397,-
208,50 251,- 227,—
86,50
287,50
Frankfurt
Abend- Äteitd- Schluß- Schluß-
Niarlnoiternnge«.
Datum: 9.6. 10.6.
Zürich 12.70 14,20
Amsterdam 6,62 7,17
fiopen'agen ' 15,25 15,75
Stockholm 12,- 12,25
Wien 425,- -,-
Müller'sche Vadeanfdalt.
Wasserwärme ter Lohn am 11. Juni: 16® R.
Bnchertisch.
— Das Abonnement auf die Meg- gendorser-Blälter Cann '.oterz^it begonnen werten, f&itetiungen nimmt ;cve fQudxlrtmoliing und lete-s Postamt entgegen, ebenso auch ter 4xp* lag in Münck-en, Perusastr. 5. D.-r Abonnementv- preis tetrhgt vi:rreljäl)rlich nur 7 Ml. toW Porto), die einylne Nummer ßoitct 70 Ps. Porto). Tie seit Beginn eines Vierte jahres be- rej.s crschi.i e e.i 9hnnmern 1 verteil neuen Aboa- nenten auf Wunsch nackMlie,ert.
(3n einem Teil der Auflage wiederholt.)
Die Konferenz von Spaa in Frage gesteltt.
Paris, 10. Juni. (WTB) Eme Havas- no te verweist aus die neuerdings ein getretene Verwicklung der europäi> chen politischen Lage durch ten Rücktritt tes neuen italienischen Kabinetts und die in Deutschland durch die Wahbim herbe, geführte Regierungskrise und bemerkt: Angenchts die,er AnS ichten frage ma:u sich tu offiziellen oliv ievteu Kreisen, ob tes italienische und das teutsche Stebinett sv rechtz itig gebildet werten, datz sic sich noch vor Anfang Juli, dem Datum der Zu- lammeiiCirnft ter Alliierten in Brüssel als Bor- bereitung aus Spaa, tem Parlament vorllellen llömrtcn. Sollte düs nicht ter Fall sein, so müßte die Konferenz in Spaa von neuem vertagt werten. Cs sei teter möglich, datz unter dsesen Umüänten die Führer ter Alliierten Regierungen genötigt seien, aui eine Zusammenkunft zu verzichten. In diesem Falle könne die intcr- nat!0i!<ale Finanzkonferenz in Brüssel zwischen Vertr tenr te: Alliierten, Tenti ctei und Neutralen vstlleicht ftatifhttei, olme das Ergebnis der Kvnser^nz in Spaa abzuwar.en. Sie würde dann di? Ausgabe haben, geeignete Maß- ned/men zu treten, um das toirt,dvi 11 e G.eick>- gewicht in Europa wied r herzusel en und die Turchsührung ter Be.ingamssm tes Frietensver- trages zu sichern, vor allem durch die Ausgabe^ einer internationalen Anleihe. Die alliierten Re- g.erungen und i Nep raiio süommi,u>n untrten natürlich die Besthlüse gutheitzen, die als unumgänglich notwendig cmgest'len imtoten, Toenii mall in kurzer Zeit ten wtrt'chastlicten Wiederaufbau Europas in Älngtifs nehmen wolle.
PolnifchAitau'isckie Streitfragen.
Kopenhaaen, 10. Juni. (WTB.) „Ber- lingske Titente'^ meldet aus Kowno: Aus War-i schau sind die Führer ter nationalen Volks Partei und ter sozialdemokratischen Vollspartei. die im polnischen P arlament die Mehrh.'it besitzen, hier eingetroffen Bei ten Verlwndlungeit mit der litauischen Regierung und tent Nationalversammlung hielten fte an der Fordwmg fest, daß die Streitfrage übet Wilna durch eine allgemeine Volksabstimmung eutschieten werten soll. Von litauischer Seite wurde mit ter unbedingten Forderung geantwortet, daß die Anecstnuung Wilnas als Hauptstadt Litmcens unerläßlich sei. Auch ter polniscte Vorsch ag auf Errichtung eines föderativen Bimtes zwischen Litaucn imb JBot-cn, tem Wilna, Kowno und Grodno als selbständige Kantone angehöven sollen, warte abgeiehnt. Die Verhandlungen sind somit ergebnis'te gebli bm. Ter britische Kommissar für dis baltischen s2lngelegarbeiten ist aus Riga in Kowno eingetroffen, um mit der litauisck/en Regierung Über die polnisch- litauischen Stveitfragen zu Derbanteln.
Holländische Stimmen zur ReichslngSwohl.
Rotte r da m,9.Jum. (WTB. Der,,N ieu we Ro l ter darn sche Eou ra n t" sch :ib! in ciuem Leitartikel: Das Ergebnisder Reichstagswahlen ist ungünstig, da die Wahicic die Grundlage, woraus eine Regierung mö-g ich »rar, vernichten, ohne eine neue zu schiffe-.i. Deut-schl-emd gellt aller Wa'hrsck^inliuEit nach noch einer Benote avotzer Schwierigkeiten entgegen. Bisher war die Bildung ter häufig umg-formten Kabinette schwierig genug. Aber man wutzte doch wenigstens immer, wo die geeigneten Leute zu finden, waren. Das ist jetzt nicht mehr ter Fall. Für die ruhige Entwickelung, die Tentschland in erster Linie nötig hat, mutz dieser Zustand vtedängi.isboll "ein.
Haag, 9. Juni. (WTB.) Der „Nienwe Courant" meint, die Unzufrietenheit des deutschen Volles, das nach Rettung 'ausschaue und deshalb von jeder Aenderung eine Verbesserung erhoffe, sei die Urfach' der Erstarkung ter t tremen Parteien. Doch sei gerade eine gemäßigte Regierung die einzige Rettung für Deutschland. Nur eine solche gebe ihm Aussicht darauf, das Vertrauen bei ten wichtigsten Läutern, England und Amerika, einigermaßen zurückzugewinn.n Das Blatt bespricht die bekannten Schwierigknten, die unter den heutigen Verhä tniss n ter Bi'dung eiter Regierungsmehrheit cntgegaiflc^en, schießt aber mit den Wottm: Nur eine Ko al itionsreg ierung könne Deutschland retten.
unterschreiben sollte, wird JenKns lächeln, die Dosis um das Nölige verringern unb im übrigen den Schnabel hatten.
So Rim es, tetz Perkins Schlag elf Uhr in meiner Dcrusswoch. img rorsprach. Ich f eilte ihn al en Pauenheu als meinen Nachso ger vor. 3h*- sällig war an diesem Vormittag img wohnlich viel zu tun. Pecckins sprach sich hochbefri^digt aus, als alles erledigt nur.
Und mein Sie jetzt, sagte er, mit mir zur Adarnstratze hinüber kommen wollen, könnet wir d e ganz? Anff lcgeckh.it i s reine bring n. Ich ül-emehmc die Praxis mit allem Tmm mii) Dran unb stelle Ihnen einet Sch-'ck aud, ter bette sckwn fällig ist. Wie stimmt dts mit Ihren Wünsch-m ül»erein, die Geschiüte ins reine zu btingm?
Vollständig, Pe lins, erwiderte ich unb hielt eine vorüdrsah.e..te Dvosckck an.
Als ich ettoa eine Stnnde später mit meinem Scheck über eine an'ehnliche Summe in ter Da che nach Hause zurückketet', sand ich dort em Telegramm vor Es enthielt nur br i Wo.te:
Kommen ©ie. Frangipani.
Daher stand ich Punkt vier Uhr ter (Gräfin gegeuüter. Sie empsi g mich mit eiter Wärme, de meinem Selb'bewußt sein nicht wmtg schm-.t- chelle: mit auSgestveckten £>anbei ei.te sie mir entgegen.
Cs war sete l>bensivü'dig von Ihnen, begann sie, mich so prompt zu benackurichtigen. Ich rcrff 'te vvr Neug erd . Nehmen Si. f?tzt Platz unb erzählen Sie mir!
Und als ich mich setzte, fuhr sie ganz atemlos fort: Also hat mich ter Erb traf doch belogen, be er Schurke! Und ich habe ihm mein Vetreuw geschenkt! Das schmerzt und kränkt mich, Sie wisßn
gar nicht wie! Ich bin eine Schaute für Boston. Don Rechts wegen kann ich mich tert nicht mel’T seinen lassen. Aber b'eft gute, geauäl e, s- n^erte arme Seei-', die Gräsiu! Welch mvcrhörte ^.oalttat! Weche Sck<a d ! Wir zmei müssen sie an? ten Krallen dic.es fürd)terlieben Menschen befreien!
Tas ist auch meine feste Absicht, sagte ich, unb wenn ich sie barsutz suchen müßte!
Ein solch unmenschliches Opfer wird nicht nötig sein, meinte sie lachend. Davor sind Sir behütet: alec jetzt pleud re ich und b aute e w t er, wo ich doch seil Siunden diraus brenne, das Aben- te.ier aus Jshrent Munde zu Wien. Erzählen Sie es mir ausführlich!
Ich lächelte m t er ei § und- nahm die 6k» schichje^aus. Ich begann mit ma’.iem Besuch in Vtllxmt in Ti ks -Beg'eitung und Denrripe ein teer zwei Mi mten bei le.t gu.en Eigenschaften dieses ebrenuerten jir .gen Mannes.
Ich wüite Jh en Fnirnd sehr gerne kennen lernen, bemerkte sie, dann aber schlug sie sich auf den Mtmd und ioorf mir einen Blick zu womit sie mich sehr h ib'ch für i'r - Untrrb e.fnmg um Verzeihung bat. Ich lach lle ihr wieder G.anr.ft- absolution zu. unb die Gc'ck-ichte wickelte sich un» gestört ab. bis die fünfzig Pfund erwähnt wurden, die ich Si.n; ki s t er'prvchcn hatte: hier platzt? sie mit ten Worten los:
Tas werte ich natürlich —
Sofort brachte ich sie durch meinen warnenden Zeigefinger wieier zum Sck/w igen und fribr in meinem B.richte fort. Ich ersparte ihr nicht etne Eiiizelheit von unseren Abetttuem in Putttey. Sie lachte recht herzlich, als ich ihr Misere Turner-
kunststückcken in der Holly Tree Lane erzLlftte, und wie Tick auf meinen Sstuillern stestewd dis feindlickw G biet ansg-elündsck.iastet hatte, und hörte mit ter regsten Teilnahme tem letzten Kapitel meiner Erzählung zu, so weit es sich auf die be» d.niernswerte Lag? der armen allen G äsin b?zog, wenn ich auch als Unsicher Mensch gestehen mutz, datz sie laut auftachte, als ich zu ter traurigen Epi sode kam, wie zuvi banmslarile unb kern gesunde Mäm.ec sich in einem Wandch-ank terfiedt^n, unb durch die Fußtritte ter Pvlizisen, tee doch sicherlich nicht von ül>ermächftg n E fern abj'amm» leit, in te» höck-ften Schocken versetzt wurten.
Meine liebe Gräfin, erklärte ich, es hantelte sich wirklich nicht um e'nelt Ulk. Di? Männer, als Mamter betrachtet, erschreckten uns kein bißchen. Tick und ich hätten das ganze dlusgebot die Treppe rascher hinabbesöctem können, als ein Psairar „Amen" sagt. Lachen Sie nicht! Dbct doch, bitte, lachen Sie noch einmal!
Tiefe letztere B rnerkung war mir miwillkürlich entschlüpft. Entzückt betrach'ete ich ter Gräfin glänzeudwcitze Zahn reihen, die bei ihrem Lachen sichtbar waren.
Einen Augenblick schaute fte mir fest ms Gesicht. Tann legte ftc mir die Hand leicht auf ten Arm.
Bitte, fahren Sie fort, sagte sie, nachdem Sic mir vergeben haben, das hcitzt, toenn Sie es können.
Wiederum lachten mich die milchweißen Zähne zwischen ihren halbg. ö f. clen roten Lippen köstlich an.
(Fortsetzmig folgt.)


