Zweites Blatt
M. 291
Tiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Zrettag, (0. Dezember 1920
Deutscher Reichstag
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Fortsetzung 56.
Nachdruck verboten.)
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7,lmg der Teuerungszulagen bei den Grund- l bis auf 8100 Mark auf 60 Prozent.
Mrche und Schule.
8 Effolderbach, 8. Tez. Nachdem mifeü Gemeinde lange em volles Geläute entbehrt hatte, rvuröc endlich das neue Gußstahlgeläute auf- gehängt, leider waren jedoch tue Glocken |o groß ausgefallen, datz mehrere Veränderungen im Balkenwerk dcS Turmes vorgenommen werden mutzten um ein Zusammenläuten der Glocken zu ermöglichen. Ter Klang unlereS neuen Geläute- ist mit dem m der ganzen Umgegend wegen letncfr Wohlklangs gerühmten Geläut der alten Bronze» glocken nicht zu vergleichen. Tre Stahlglocken dürsten nur bei ganz grotzen Glocken einen wrrNich schönen, dem Klang der Bronzeglocken einiger* matzen vergleichbaren Ton erreichen.
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gesetz v. 1920 nft gänzung v.JaliV; Preis jeder Huw t> Vertag Lull Rea/j*
PHILIPPS A.-6. l?w«~R^.-RöDeiHEiM
===== Oren» <xi» frei Druckecr>fin,0.12/ 12S -
Aus dem Amtsverkündigurrqsblatt.
♦* Das AmtsverkündtgungSblatr Nr. 179 vom 9. Dezember enthält: Barauszahlungen aus das Reichsno tapfer. — Ausstellung der Gemeirrde-, Mark- w.d Stistungs-Boarnschläge für 1921. — Erwerbslosenfürsorge: hier: Beschoftung der Jnventargegenstäftde. — Statistik der Streiks und Aussperrungen — Die Rundgänge der Feld- gcfchrvvrenen. — Biehleuchen. — Dienftnachrichten ves ftttci Samte». — FeldbereiNigwrgen Reiichards- hain, Kondors und EttingSliausen. — Remrgimg der Fußsteige von Schnee und Gis.
Bo rauszahlungen auf das Reichs- notopfer. In Hessen werden KriegSan*
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dieZalkner aufLinüenhöhe
Roman vonReinholdOrtmann.
Ingm, datz sie nicht in den Streik treten darf, mÜlsen wir auch sorgen, daß sie nicht hunaert. ?u Elemente der Not werden in den nächsten
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len< geben wir n Preise ab
Auswahl li ibstanfertigung i tmuster ?
leihen zur (hrübtung des Reicbsnotopter- angenommen von den BrzirksLaslen, den mit Bcv- Irtjimg von Bc> ir! ^ka > sengel chäftcn betrauten stasicstellen, der beis.schen LandeSlivvvtbekenbank m Tormstaot, den B>z rls'varkassen £):ppmbeun and Gießen und der BeztrkSsparkanen für die Land- gcmctncni des Kreises Worms Barzahlungen aui dis 91cid>5notower können geleistet werden bei den Rcict^baiikanstalten, den Bczlrkskassen, den mit Berselmng von B<zr! s'asienget läiten txhauten Kasienstcllen, der städtischm ^parlanc in Tarns- stadt, den Bcztrkssparlassen Groß-Umsiadt, yepprtt* heim, Dorsch, Alsfeld, Gießen und Uaubad», der Kreissparkasic Bmgcn und der Beiirkssparkasse für die Laiidgemeuiben des streises Worms
hierbei nnrd nochmals bclonders darauf hm- gewlesen, daß für die noch bis 31. Dezember ds. I s. bar gezahlten Beträge 4 vom .hundert als Vergütung gcio-abrt und nachweislich telbst gezeickmete Sämldverschreibungen, Sckmldbuchsor- derungcn und ^ckatzamv.isung n der griegSanle»- heu des Teutsckvii Reiclts biszum 31. Dezember ds. I s. und zwar die 4>/Lpro»aitigen Sckxrh- amveijungen der 4. und 5. Kriegsanleihe yirtt Werte do;: 'f für ic 10 i Mk Nennwert,
alle übrigen Stücke dagegen zimi Nennwert, an- genommni werden. 3ebod> vermindert fid’ der angegebene Annahmcwcrt um den für die ^eit vom 1. Januar 1920 bis zu Begum des Zinsen- 4ntr$ der mitübergebenen noch nicht fälligen Z,nö- fd*me sich berechiienden Zinsbetnag Eine Verlängerung der Frist, binnen welcher selbstgezeich» netc Kriegsanleihe zu dem vorbeieichneten Bov- zugskurse in Zahlung gegeben lverden kwm, wird nicht statt finden.
Die Maul- und Klauenseuche ist in X- ich amtlich festgestellt nwrden. Es wird gebildet ein Sperrbezirk, bestehend aus der Ottmar* hing Lich. Tas Beobachtungsgebiet bleibt unverändert.
Die Maul- und Klauenseuche ist ferner bt Queckborn amtlich festgestellt worden.
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■<t Teuerungszulage im allgemeinen um 60 Prvz. inid außerdem 15 Proz. Kinderzulage. Tie Temo- itaten, das Zentrum und die Deutsche Volks- ■ ertei beantragen, daß bei den Städten, die in ine höhere Ortsklasse kommen sollen, schon jetzt <n Beamten die Differenz in Anrechnung gebracht yrb. Die Mehrheitssozialisten beantragen Hinauf^
peinliches Schweigen; dann stand Dr. Germering auf. ...
,Lch würde mich jetzt empfehlen, wenn ich nicht noch eine Bitte hätte. Es wäre mir von grotzem Wert, wenn ich Tfrräulcnt Falkner sprechen dürfte, wäre es auch nur für wenige Minuten."
Achim, der sich ebenfalls erhoben hatte, schien noch unsicherer zu werden, aber nach einigen Augenblicken des Zauderns sagte er:
„Ich weid nicht, ob es möglich ist. Doch ick werde meine Schwester von Ihrem Wunsche unterrichten."
Er verbeugte sich und verließ das Zimmer. Germering wartete mit finsterem Gesicht. Es mochten etwa fünf Minuten verstrichen sein, als emes der Mädchen m der Tür erschien.
„Fräulem Falkner läßt um Entschuldigung bitten. Sie ist leider außer Stande, den Herrn Doktor zu empfangen."
„Ist das alles, was Ihnen aufgetragen wor-
,l,Va, es ist alles, Herr Doktor!"
„Wollen Sie mich also dem gnädigen Fräulein empfehlen. — Guten Tag!"
Er überschritt die Schwelle des Falknmhauses mit der Gewißheit, datz er fie nie mehr betreten werde. -
Noch im Lause des Tages hatte Tr. Germering bei dem Amtsgericht den schriftlichen Antrag gestellt, ihn bei der Leichenöttnung ruzuziehen. Bter- undzwanzig Sttmden später wurde ihm die Entscheidung übermittelt:
Nach § 87 der Strafprozeßordnung ist die Leichenöffnung im Beisein des Richters von zwei Aerzten, unter denen sich ein Gerichtsarzt befinden muß. vorzunehmen. Demjenigen Arfte, der den Verstorbenen in der dem Tode unmittelbar voraus- geaangenen Krankheit behandelt hat M dieLechem Öffnung nutzt zu übertragen. Derselbe kann icdoch
fnufen gesulhi ’lr Angeboie unter®« den Siebener lyr Ang. Ktaoikrm beamier, lymv, Vt au8 gut stam, St kath., sucht :L au» gleicher gor. spät Heirat !rr lernen. Schr.
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2tt Unabhängigen beantragen Festsetzung der l>uerungszulagen für alle Reichs beamte einschl. ter Tiätare auf 10000 Mark, ferner Regelung
fomvrornifeantmg der Demokraten, des Zentrums und der Deutschen Volkspattei tvolle.i wir infoiern entgegen kommen, als wir beim Reichsrat durchsetzen wollen, daß bei den Orten, deren Neurin- teilung in Ortsklassen unzweifelhait sestsbeht, die höheren Zuschläge gezahlt werden sollen. Im übrigen hält die Regierung an ihrer Vorlage fest. Zn Regierungskreifen hat keine Absicht bestanden, das deuy'che Volk noch vor Weihnachten in eine Krise ru stürzen. Das überlassen wir der Rechten.
Abg. M o r a t h (D. Dpt.): Es wäre besser gewesen, keine politische Frage aus dieser Sache zu machen. Der sozialdemokratische Antrag fei ungerecht. Wenn cs bat Beamten heute so schlecht geht, so tragen diejenigen die Schuld daran, die einseitig die Forderungen der Arbeiter wieder und wieder erfüllt haben Der Antrag der Deutsch- Nationalen attspricht auch unseren Wünschen. Seine Annahme würde aber die Auszahlung vor Weihnachten unmöglich machen. Deshalb lehnen wir diesen ab.
Abg. Breunig MSP.): 10000 Warf Zulage sind durchaus möglich. Mit der Vorwegbezahlung der Zanuarbezüge ist iriemand gedient. Der Abg. Hergt will eilte willige Beamtenschaft. Die BeamtLnschast ist frei und wird frei bleiben. Dabei will ich nicht unterlassen, zu betonen, daß unser Anttag noch weit hinter der Zunahme der Teuerung zurückbleibt. Alle übrigen Anträge lehnen wir ab.
Aba DeliuS (Tart.): Die Notlage der Beamtenschaft ist letzten Endes aus die schlechte Bezahlung unter dem früheren Regime zurückzuführen. Vielleicht wäre eine Staffelung der Teuerungszulagen besser gewesen als ein fester Satz. Nachdem aber im Neichsrat ferne Einigung zu erzielen war, handelt es sich um eine schnelle Hilfe in den erreichbaren Grenzen, Gerade der preußische sozialdemokratische Frnanzminister Lütemann trägt die Schuld an der ablehnenden Haltung des ReichsvatS. Im übrigen geht die Vorlage in den meisten Fällen weiter als der deutschnationale Antrag. Die Forderungen der Unabhängigen sind angesichts der Finanznot des Reiches unerfüllbar. Der Redner ermahnt die Beamtenschaft, daß sie auf Gedeih und Verderb mit der Regierung verknüpft fei und sich deshalb nicht von ungeeigneten Führern verhetzen lasse. (Ms dec Redner die Tätigkeit der Besoldnngskommission rühmt und erwähnt, ertönen von der Tribüne lärmende Zwischenrufe. Vizepräsident Dr. Bell droht, die Tribldien räumen zu lassen, wenn sich derartige Vorkommnisse wiederholen sollten.
Wg Plettner /Sftmrmunift): Wmn die Regierung den guten Willen hat, kann sie auch die Wünsche der Beamten erfüllen. Deshalb geht die Regierung nicht davon auS, auch für die Beamtenschaft ein Existenzminimum sesttzusetzen. Die Beamten haben dasselbe Recht wie die Arbeiter Tas Streikverbot muß die Beamtenschaft verbittern. iWiderspruch rechts und in der Mitte.) Man sollte das gesamte Hohenzollemvermögen konfiszieren. Die Regierung ist aber der größte Schieber. (Große Unruhe. Der Redner wird vom Präsidenten zur Ordnung gerufen.) Die Beamtenschaft, die Arbeiter, die Betriebsräte und die Regierung ftflttm zusammcnkommen und eine richtige Be- soldirngsrefottn zusammenbringen. Hier kann nirr der Kommunismus helfen.
Abg. Dauer (Bayr. Dp.): Wir halten eS für eine Hauptaufgabe, die ReichSbesoldnngSordnung einmal gründlich nachzuprüfen.
Preuß. Finanzminister S Übemann erfahrt, daß er sich weder für noch gegen eine Forderung der Beamten im Ausschüsse ausgesprochen bade. Ich habe nur darauf aufmerksam gemacht, datz das Reich den Ländern beim Tragen der neuen Lasten behilflich sein muh, falls über die Regierungsvorlage ^nausgegongen werden muß.
Abg. Dergt (D.-N.): In solcher Nollage muß em Beamter einen Vorftlpiß als wirkliche GshaitszoHlung auftasien. Eiserne Sparsamkeit auf allen Gebieten des Etats, nicht aber eiserne Sparsamkeit gegenüber der Beamtenschaft? (Zuruf: Lwst Du Dir aber verändert?) Ms der Redner betont, daß er mit dem ganzen Ernst der Verantwortung seiner Pattei zur Rufen frage gesprochen habe, ertönt schallende Reiter* feit. Die Regierung sollte erklären, ob sie die Verantwortung für die Annehmbarkeit der deutsch- nationalen ober sozialbem akratischen Anträge tragen tarnt ober nicht. Erklärt sie unseren Antrag für annehmbar, umso besser für bie Beamtenschaft.
Reichssinanzminister Dr. Wirth: Abg. Hergt hat ben Unterftützungsfonds damit kritisiert, daß er sagte, das Verhalten der Regierung zur Beamtenschaft in Besoldungsfragen der Vergangenheit habe die Beamten stutzig gemacht. (Zuruf: Das hat er nickt gesagt?» Das OttSklaslengesetz schreibt
Turnen, Spiel und Short.
— Fu ßball. Am kommenden Sonntag empfängt der Verein für Bttvegungsspiele Gießen die Ligamannsckast seines Marburger Namensvetters zum Berbandsspiet. Das ^>piel dürfte von ausschlaggebender Bedeutung sein: gewinnt die bi» jefft umgefdilaguie Marburger Mannschaft, fo dürfte ihr die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen sein: siegt V. f. B. Gießen, so steigen seine ^off- mmgen auf einen der ersten Plätze um ein Erhebliches Marburg tritt, des Ernstes der Lage wohl bewußt, in stärkster Ausstellung an. Sein- Stütze ist der altbekannte Lwhmann, der seinen Sturm gut zu füIrren versteht. Gießen geht mö starker Mannschaft, leider aber ohne seinen vorzüglichen Flügelstürmer .fkimze in ben Kamps. Der Ausgang des Spieles ist sehr ungewiß. Beginn 2 Uftr. Nachmittags 12.15 uhr spielt die 3. Mannschaft des V. f. B. Gießen gegen die zweite deS Spiel- und SpottNub Dillenburg, während vormittags 10 Uhr eine Fugendmannschaft gcatn die 2. aktive Mannschaft des SpottvereinS Lollar an* tritt. (Siehe Anzeige.)
Itenateii die Regierung aus das schärfste gefährden, tu muß sie sich wenigstens auf die Beamten verlassen können. Daß die Angelegenheit sich zu einer egierungskrise zuzuspitzen scheint, ist bislang aus t Presse bekannt geworden. Die Regierung sitzt er und schweigt. Wir wollen eine bestimmte
zkunft haben, ob es sich mir um eine Reil^- tskrise oder gar um eine Kabinettskrise handelt.
handelt sich hier nur um eine verhältnismäßig geringe Ausgabe. Soll diese etwa zu einer schweren d.'sahr für unser Vaterland werden. Die Regie- mng Hal schon viel zu lange gezögert und dadurch IM die Komplikationen der Lage hervorgerulen.
»ch ist es Zeit, abzuhelfen. ,
Fmanzministtr Dr. Wirth bestreitet, daß die Regierung schuld an der Verzögerung trage. Lir mußten uns erst mit den Ländern einigen, bk haben das Sperrgesetz erlassen und das hat tu den leidenschaftlichsten Protesten der Beamten- 'taft namentlich in Bayern geführt. DaS 2^0(6 Lnn nicht von heute auf morgen einen -schritt ton unübersehbarer Tragweite tun, der auch die Stäbtc und Gemeinden verpflichtet. Auch der rreußische Finanzmrinster hat erklärt, er könne be Ausbesserung nur vornehmen, wenn ihm bas leid) bie Mittel dazu gebe. Wir haben uns rMtgemäfo an ben Reichsrat gewandt. Die snnanzmlnister der Länder haben einmütig erklärt, fit hätten ferne Mittel, zu zahlen. Glauben sie, M ein Beschluß des Reichstages diese Mittel Wt? Feder neue Antrag verzögert nur bte AuS- ichlung. Die Regierung ist jedoch berett, nnt Rück- l:dbt auf die Nottage der Bsamtenschast Anord- nmg zu treffen, daß alle Beamten bie am 1. 1. iilligen Dienstbezüge ledensalls noch vor Weih- riütcn ausbezulstt erhalten. Die meisten Anträge bt» aus finanziellen Gründen unannehmbar. Dem
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ausgesordert werden, der Leichenöffnung anzuwoh- nen, um aus der Krankheftsgeschichte Aufschlüsse
92ie Aufforderung ist dem Ermessen des Richters anheimgestellt. In dem Fall der veriwrbenen Frau Signe Falkner ist Ihre Anwesenheit bei der Leichenös'nuna nicht für erheblich erachtet worden. Ihrem Ersuchen kann aus diesem Grunde nicht stattgegeben werden. Ter-kgl. Amtsrichter
Ebertp.
Oswald Germering zweifelte nicht, daß er diese befremdliche und beleidigende Abweisung einzig dem Sanftätsrat Barenthin zu verdanken habe. Und diese Gewißheit hielt ihn ab, weitere Schritte zu tun. Latte ihn schon die telephonische Unterhaltung darüber belehtt, daß aus der versteckten Feindseligkeit eine offene geworden war, so mußte er sich jetzt daraus gefaßt machen, daß der ältere Kollege jede Gelegenheit benutzen würde, ihm als rücksichtsloser Gegner in den Weg zu treten. Er war nicht gesonnen, gleiches zu ton: noch weniger aber dachte er an irgend einen Annäherungsversuch. Wenn es wirllich zu einem Kampfe kommen sollte, den er nicht verschuldet hatte, so war er bereit, ihn auszufcchten. In diesem Augenblicke gab es jedenfalls Tinge, die ihm ungleich mehr zu Herzen gingen als die Feindschaft eines in ieiner Eitelkeit gekränkten Beruisgenossen. Er konnte die steinerne Miene nicht vergessen, die ihm Gerda bei seinem letzten Besuch im Falknerhause gezeigt hatte, und der Stachel, den ihm die schrofte Verweigerung der erbetenen Unterredung ins tzerz gedrückt hatte, bereitete chm bitteren Schmerz.
Von dem, was auf Lindenhöhe weiter geschehen sein mochte, hotte er nichts, bis er am Morgen des dritten Tages int „Tiefenbrunner Anzeiger" las:
„Von dem beklagenswerten plötzlichen Todesfall in der Familie unserer hochgeachteten und als Wohltäter der Armen bekannten Mitbürgers Bernhard Falkner haben wir unseren Lesern bereits
Kenntnis gegeben. Wenn wir auf die traurige An- gelegenheit heute noch einmal zurückkommen, so geschieht es, well uns allerlei abenteuerliche Gerüchte zu Ohren gekommen sind, denen wir im Interesse der schwergeprüften Familie entgegentreten möchten. Well der Tod der jungen Frau Falkner ohne voraufgegangene ernAiche ^krankung eingetreten war und die Ursache sich nach dem. äußerlichen Befunde iricht sestttellen ließ, ist auf Anttag der Familie und des zugezogenen ArzteS, des sehr angesehenen Sanitätsrats Dr. Barenthin, die gerichttiche Sektion angeoebnet roorben, die, wie wir hören, gestern im Sterbehause von dem Keeis^ vhysikus Tr. tzarder aus Neustadt und Derrn Dr. Barenthin im Beisein des Amtsrichters Ebettv vorgenommcn worden ist. Ueder das Ergebnis wrich natüttich vorläufig Stillschweigen beobachtet. Doch glauben wir nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß sich Beweise für die Richtigkeit der Vermutung,' Frau Falkner sei einem Verbrechen zum Opfer ae» ftlllen, nicht ergeben haben Wenigstens läßt Die Tatsache, daß die irdische tzülle der Eiftschlafenen von der Staatsanwaltschaft des Neustädter Landi- gerichts zur Beerdigung freigegeben worden ist, kaum eine andere Erklärung zu. Den leichtfertigen Leuten, die bereite einen bestimmten Namen mit diesem vermeintlichen Verbrechen in Verbindung bringen wollten, ist also dringend die größte Vorsicht und ZurüclHaltung anzuraten. Selbst in dem Fall, daß unsere oben ausgesprochene Annahme irrig fein sollte, könnte doch wohl höchstens von einem ärztlichen Kunstfehler die Rede sein, der natürlich, wenn er nachgewiesen werden sollte, seine strafgerichtliche Ahndung finben würde. Tie Bestattung der Verstorbenen findet morgen nadh mittag sechs Uhr auf dem Tiesenbrunner Friedhöfe statt. Zhre irdischen Ueberrcftc werden in dem Erb- begräbnis der Famllie Falkner beigesetzt werden." (Fortsetzung folgt.)
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’et Kinderzulagen einheitlich für alle Kinder dis tum vollendeten 21. Lebensjahr und regelmäßige chlbjähttiche Nachprüfung der Teuerungszulagen.
Abg Tr. D ö f l e (Z.) begründet den Antrag td bauptausschusses.
Abg Stei nkopf (S.) schüdert die Notlage bet Beamtenschaft. Tie ursprüngliche Regierungs- xjriage war ungenügend, denn so groß die Not- tije kinderreicher Familien ist, so kann auch an ben kinderlos verheirateten Beamten und an den ledigen nicht ganz vorbeigegangen werden. Unser Vorschlag hält sich in den Grenzen des Möglichen. ; £<r Finanzminister sagt freilich, er habe keine Nittel, aber dieses Argument kennen wir. Tas Ligument des knurrenden Magens ist stärker.
Abg. Allekotte (Z.): Tas Kabinett hätte 'chneller mit seiner tzilfsvorlage kommen sollen. Unter allen Umständen tut aber rasche Hilfe not. Küberbeut ist die Verbilligung der Lebensmftttt wlwendig.
wisdrücklich vor, daß die Neugliederung der Kreis-' Nassen erst zum Oktober erfolgen konnte. Dem haben wir entsprochen. Die Vvrauszalilung der Gehälter entspricht einem Wunsche der Handelskammern. Zu dem Antrag der Deutschnanonalen lärmte ich nicht vorher Stellung nehmen, weil er noch nicht vorlag. Ich kann jetzt aber erklären, daß sowohl dieser wie der sozialdemokratische Anttag für die Regierung nicht annehmbar sind.
Abg. Bauer iSo^. : Ter Rui 'nach Sparsamkeit ertönt, und der Sozialdemokratie wird vorgeworfen, sic habe die Bcamteichochflut und all die neuen Ministerien geschoben. Bis aus das Ausbau- und Wirtschastsmmisterium sind die Ministerien noch aut das lästerliche Deutschland zu- rückzuführcn. Wir Sozialdemokraten haben Teuttch- lanb vor dem Bolsck>ewismus bewahrt und Teutsch- land vor dem Chaos gerettet, nicht Sie mach Rechts', die der Weir den Beioeis Ihrer Unfähigkeit erbracht haben. Erst die Revolution bat ine Beamtenschaft tret gemacht. Die im Jahre 1917 angestrebte Erhöhung der Teuerirngszulage ist an dem Widerstand des damaligen preußischen Finanz- mmisters gescheitett.
Älbg. Tr. £> ö f le (Ztr.) erkennt die fleißige Arbeit des Befoldungsausichusies an. Es lag ungeheures Material vor, dessen Berarbeittoig Zcft in Anspruch nehmen mußte.
Abg. Kotzke (USP): Die Verbeugung der Rechten vor der Notlage der Beamtm ist unarv- tastbor. Ich grüße die Beamten, die sich endlich dessen bewußt geworden sind, daß sie freie Menschen sind.
Abg. Dü weli (Kvmmunist) polemisiert ebenfalls gegen bte Rechte, bte wohl glaube, die Zeit zum Sturz der Regierung sei gekommen. Aus Bayern ertönen ja ähnliche Signale. Das Sttest- recht ist in der Weimarer Versassimg ausdrücklich verbürgt. Also ist das Stteikverbot ein Verfassungsbruch Wir werden für den Antrag bet Mehr* hettssozialisten nach etwaiger Ablehmörg unierer Anträge stimmen.
Tarnst schließt bte Debatte Nach persönlichen Bemerkungen der Abgg> Sran Zietz (USP ), A11ekotte (Ztt.) erfolgt die Wstimmung. ?sirck längerer Geschäftsordnungsdebatte über d e Rechen- solge der Abstimmungen wird der deiittchnattonale Anttag gegen die Stimmen der Deutschmtionalen abgelehnt, desgleichen die sozialdemokratischen Anträge gegen bie gesamte Linke. Der Ausschutz- antnag zur Regierungsvoclage wird gegen die beiden unabhängigen Parteien und die Kommunisten angenommen. Die Anträge bet Unabhängigen werden abgelchnt. Die Entsästleßmig der Regierungs- pattcien, worin bte Negierung ersuch wird, im Wege der Verordnung den Reichsflnanzminister zu ermächigen, ben Unterschieds betrag, der sich aus der Gegenüberstellung des bestehenden Otts- klassenverzeichisses und dem vorliegenden Ent- wust eines neuen Ortsklassenverzeichnisies, ergibt, lorort zur Auszahlung zu bringen und dem Unter- ftützungssonds der ReichSrnmisterien ausreichnde Rttttel zur Mildermrg besonderer fJtotfätte der Beamten zuzuführen, wird gegen die Stimmen der Linksunabhängigen und Kommunisten angenommen. Ter Antrag der Unalchäny gen gegen bas Streikverbot der Beamten wird gegen die äußerste Linke abgelehnt. Das Gesetz wird sodann in der Fassung der zweiten Lesung auch in dritter Lesung gegen bte Stimmen der Link-unabhängigen und Kommunisten angenommen.
Es folgt bie Beratung des Gesetzentwurfes über das Abkommen mit txu Schweiz bett, die Schweizer Geldßypokheken in Deutschland und gewisse Arten von Frankensorberungen an deutsche Schuldner. Nach kurzen Ausführungen der Abgg. Dr. B l u n tf (Temch Ko en en (Kommunist), Dr. N i e tz e r (D. Dp.) und Dr. B r e 11 s ch e id fUSP.) wird der Erftwutt rn erster und pveiter Lesung genehmigt desgleichen auch in dritter Lesung.
Freitag mittag 12 Uhr Anfragen, unabhängige Interpellation über bas Verbot des Beamtenstreiks, Daushalt des Ernähttvigsministeriums.
Schutz gegen o Uhr.
Abg. Hergt (D.-N.): Die Regiernngsvor- laflt. die nur einem Teil der Beamten Helsen - rollte, erfuhr durch den Ausschußantrag eine lefentlidje Vcrbesferung. Leider sind bie Pensio- rite wieder ausgelafsen worden. Die Notlage aber st allgemein und deshalb muß allgemein geholfen setben. Wenn wir von der Beamtenschaft Der-
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„Ja so — ich vergaß. Das war eS fa in der deuptsachc, was ich mit Ädnen besprechen wollte^ | S-e wissen, Latz der Sanftätsrat Dr. Barenchrn von cner Krankheit wiederhergestellt ist. tst em aE.tr Freund meines Vaters und Jahrzehnte hin- burd) sein Arzt gewesen Tatz er sich vielleicht Vrübergehend in der Behandlung seiner letzigen . hantbrit geirrt hatte, kann daran nichs andern.
Germering machte eine leich abwehrende Be-
Sie sich nicht weiter D-rr F-Nn-r! W verstehe volllommen. 3^.S>err Vater wünsch, ic3 der Kollege Barenthin seine Behandlung wie- übernimmt."
„Allerdings. Er hat mich erfW, Ihnen erne jchmgehende Mitteilung M mnchm. Mit dem trsdruck seines Tankes natürlich für^ Ihre auf imcmben Bcmühungeii. Er bittet kmes Zeichen dieses Tankes bte beicheidmie kimme entgegen zu nehmen, bte ich Ihnen hier- ttl überreiche." ___ ,__...
Er hatte einen verschlossenen Bnefumschag Ikworgezogen und legte ihn vor Germering auf bea Tisch. Ter junge Arzt blieb unbeweglich.
„Ich erkenne die freundlich Absich S^red Katers an; aber ich möchte auf diese Art ber Lmt- loftrung lieber verzichen," sagte er mft zuruckhai- teiber tzöfticheit. Am Ende des Jahres werde iä mir erlauben, in der üblichen Form mente Rech- 1 nta zu überreichen, so tote sie sich aus meinen Ochern ergibt."
Achim murmelte etwas lln^isammenhangen^ M, denn er wußte offenbar nidjt, was er auf bie Auückwetsung erwidern sollte. Es gab ein lleines.
Berlin, 9. Dez.
Der Präsident eröffnet die Sitzung um 2 Uhr iLchmittags Daus und Tribünen sind stark besetzt.
Am Ministertisch: Simons, Wirth, Ztoch, Hermes und Giesberts. Etwas später erscheint «kichkanzler Fehvenbach.
Aus der Tagesordnung steht die zwefte Lesung deS Gesetzentwurfes betreffenb den Teu-erwigs-- ^uschlag zu den Mnderzufchlägen mft Wirkung ö 1. Oktober 1920 für bte Ortsklasse A mft 15 Pwzent, für die Ortskiaise B mft 100'Proz, <r die Ort-klasie C mft 75 Proz Ter Ausschuß xantragt Erhöhung der Ortsllch'se A auf 150 Prozent, für B auf 125 Pwzent, für C auf 100 _ | Hf pwzent und für D und E auf 75 Pwzent. IfinHA! i Lrßervlanmäßige Beamte, die bisher nur 80 Pw^. Ortszuschläge beziehen, sollen hierzu noch die iÜlllli ? urigen 20 Pwz. und außerdem noch einen Zu- I wVt| von 50 Pwz. ehralten
Die Deutschnationalen beantragen Erhöhung
AW verloren. Gegen lohmmg abzui« Walltoritt.lkst
Entlaß
ein brauner Hund (Soanteu Flamen „Oumk- Wiederbrtng. rt» Belohnung.


