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Nr. 215 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag, 10. September 1920

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Freiherr von Schorlemer über die Ausgaben der tandwittschast.

Koblenz. 9. Sept. (WTB. Der Präsident bt3 bcut'dy.-n Landwirtschastsrates Staatsminister Freiherr v. Schorlemer hielt auf der Tagung des Verbandes ländlicher Genossenschaften der Rheinland« in Koblenz eine Rede über die Auf- f aben der Landwirtschaft, worin er aus- ührle: Die deutsche Landwirtschaft steht gegen­wärtig an einem Wendepunkt. Ihr lebhaftes, drin­gendes Verlangen nach Abbau der Zwangswirt­schaft wurde endlich teilweise erfüllt. Die Zwangs- bewirtschaftung der Kartoffeln ist ausgehoben. In kurzer Frist ist auch das Ende der Fleisch- bewirtschaftung zu erwarten. Damit ist die Landwirtschaft vor eine verantwortungsvolle Auf­gabe gestellt. Schon jetzt werden in Verbraucher- kreisen lebhafte Zweifel laut, ob bi; von landwirt­schaftlicher Seite mit dem Abbau der Zwangswirt­schaft in Aussicht gestellte Besserung derErnährunZs- verhältnisse in Wirklichkeit eintvetcn wird. Ztveifel- los wird, trenn im Lause des Winters in der Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln und Fleisch sich Schwierigkeiten ergeben oder wenn die Preise für ihre Erzeugnisse sich steigern sollten, die Mißstimmung in den Vecbraucherkreisen ebenso heftig gegen die Landwirte laut werden, wie es btäber gegenüber der Zwangswirtschaft betrauten Behörden der Fall war. Gewiß hat die Landwirt­schaft allen Anlaß, daß die Folgen der seit 3obren in der Ernährungswirtschaft begangenen Fehler nicht mit einem Schlage beseitigt werdet! können. Noch sür lange Zeit werden wir darunter zu leiden haben, daß unsere Erzeugung zurückg?gangen ist und daß der Verkehr zwischen Erzeugern und Ver­brauchern durch die Zwangswirtschaft aus seinen natürlicl'en gewohnten Bahnen verdrängt wurde. Dafür kann die Landwirtschaft ebensowenig ver- antwortlülr gemacht werden, wie für die leider irvhl schon feststehende Tatsacl)«, daß die inländische diesjährige Ernte an Brotgetreide zur Ernährung unserer Bevölkerung nicht ausreichen und daß eine erhebliche Zufuhr aus dem Auslande unvermeidlich sein wird. Aber andererseits kann die Landwirtschaft sich der Verpflichtung nicht ent­ziehen, soweit es in ihren Kräften steht, dafür Sorge Du tragen, daß die Volksernährung im kommen- ten zweifellos schweren Winter aufrechterhalten und daß insbesondere den Bergarbeitern die ihnen zu- gesagte Erhöhung ihrer Lebensmittelrationen g*- ivähri werden kann. Dazu gehört in erster Linie die beschleunigte Ablieferung des Brotgetreides, soweit dasselbe den Erzeugern nicht belassen wird. Ebenso wichtig und notwendig ist eine Verständigung unter den Landwirten dar­über, daß sie die in ihrer eigenen Wirtschaft ent­behrlichen K a r t o f f e l n den Verbrauchern zu ver­tretbaren Preisen zur Verfügung stellen. Es ist leider in diesem Jahre nicht mehr möglich, durch alle Berufsvereinigungen der Landwirte den Verkauf der der Zwangswirtschaft entzogenen Er­zeugnisse unter Mitwirkung des legitimen Han­dels einheitlich zu gestalten. Was aber erreichbar ist und erreicht werden muß, ist meines Erachtens folgendes: In den einzelnen Kreisen und Ge­meinden treten die Leiter der bäuerlichen Organi­sationen, der landwirtschaftlichen Lokalabteilungen, Bauernvereine, des Bundes der Landwirte, der freien Bauernschaften, Genossenschaften usw. bald­möglichst zu einem Auss chu ß zusammen, welcher den Verkaufspreis für Kartoffeln festsetzt und dafür Sorge trägt, daß die fejt- gesetzten Preise nicht überschatten werden. Erfreu­licherweise ist in einigen Bezirken des Rheinlandes ein solches Abkommen bereits zustande gekommen. Die bisher festgesetzten Preise bewegen sich zwi­schen 15 u n b 2 0 Mark für den Zentner, gewiß ein Beweis dafür, daß die LandwirteWucher- pveise nicht verlangen wollen. Wird auch anderer­seits in gleicher Weise vorgegangen, dann ist der Weg geöffnet, auf dem in den folgenden Jahren die Landwirtschaft auch bei den anderen Erzeug­nissen die Preisregulierung unter der ParoleWeg mit den Schiebern und Hamsterern" selbständig in die Hand nehmen kann.

Gerichtssaal.

An das Wuchergericht verwiesen.

fb. Frankfurts. M., 9. Sept. Der Milsi- kalienveriogshändler Firnberg ha'te einen Straf­befehl über 1000 Mark wegen Preiswuchers er­hallen, weil er ein Nvtenheft, das mit 3,50 Mark ausgezeichnet war, mit 13 Mark verkauft harte. Firuberg erhob gegen den Strafbefehl Ein­spruch, mit der Begrüiftnrng, daß der aufgedruckte Preis noch der Friedenspreis sei, der keinerlei Geltung mehr bes tze. Das Schöffen ^wicht erklärte fab als unzuständig und verwies die Sache an das Wuchergericht.

Aus den Erwerbsmöglichkeiten unserer Zeit.

fb. Frankfurt a M., 8. Sept. Im Früh­jahr erregte es gewaltiges Aussehen, als es hieß, ein amerikanischer Offizier sei als Hochstapler ver­haftet worden und habe in die Menge geschossen. Es stellte sich dann heraus, daß es sich um einen amerikanischen Deserteur handelte, der von seiner Truppe hier abgeholt wurde. Die Angelegenheft hatte heute ein Nachspiel vor der Strafkammer, wo sich bet Kaufmann Karl Fuchs unb der Kellner Ernst Kleemann, beides geborene Engländer von deutschen Eltern, wegen Erpressung und Betrugs zu verantworten hatten. Tie beiden ließen sich in Restaurants Likör geben, bann erschien bet Deserteur unb behauptete, bie beiden seien ameri­kanische Soldaten unb man habe ihnen entgegen bem Verbote Alkohol gegeben Er beschlagnahmte baraufhin bie gesamten Likörflaschen. Ties wieder­holten sie mehrere Male, bis es zu bem geschil­derten Zusammenstoß kam. Fuchs erhielt sieben Monate, Kleemann fünf Monate Gefängnis. Ter Schlosser Wilhelm Stötzel mietete sich bei Witwen ein unb schwinbelte ihnen ihre Ersparnisse ab unter bem Versprechen, sie zu heiraten. Fünf dieser betrogenen Frauen marschierten gegen ihn als Zeugen auf. Er würbe zu einem Jahr Ge­fängnis verurteilt. *

rm. Tarmstabt, 9. Sept. Wegen Betei­ligung an bat im vorigen Jahre erfolgten Un­ruhen zu gewaltsamer Herbeiführung eines Preisabbaues hatte sich heute nach der Ab­urteilung einer Anzahl der Teilnehmer der 42 Jahre alte Taglöhner Wilh. Schnieding aus Gustavsburg zu verantworten. Er zog mit den übrigen in die verschiedenen Läden, wurde aber von der Anklage des Landessriedensbruches, der Nötigung usw. frei» gesprochen, wegen Betrugs jedoch zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er entern Arbeiter aus Stock stabt unter falschen Angaben eine Kiste Scho­kolade im Werte von 600 Mk. abschwindelte.

Vermischte».

Dir Folgen des Erdbebens in Italien.

London, 10. Sept. (WTB.) Wie die Daily Chronicle" aus Italien meldet, be­trägt die Zahl der durch das Erdbeben Getöteten 40 0. Rund 1000 Perso­nen wurden verletzt. Der Schaden be­trägt mehrere Millionen. Ferner sind 25000 Personen obdachlos; sie kampieren im Freien.

*

* Berlin, 9. Sept. (Wolff.) In Pots­dam ist ' eine 52jährige Krankenpfle­ge r i n in ihrer Wohnung mit einer Gar­dinenschnur erdrosselt aufgefunden wor­den. Aus der Wohnung wurden sämtliche Schmucksachen geraubt.

Berlin, 9. Sept. Börsen st immungs- b i l d. Die Bedenken und Besorgnisse wegen der Beschlüsse der Sozialisierungskommission unb der brohenben Zwangsanleihe scheinen etwas in ben Hintergrund getreten zu sein, unb ba auch bet Reinigungsprozeß ber letzten Tage wieder ge­sundere Positionsverhältnisse geschaffen hatte, mußte bas Spekulationspublikum bei Rückkäufen zumeist höhere Preise anlegen, so baß bie Börse bet zeitweise recht lebhaftem Geschäft recht fest war. Hiervon profitierten in erster Linie bie von ber Abschwächung am meisten betroffen gewesenen Montanpapiere, wie Bochumer, Buberus, Hösch, Mannesmann, Phönix, Rheinstahl und Thale bei um 10 bis vereinzelt 15 Proz. erhöhten Preisen. Auf ben übrigen Märkten war bei allerbrngs ruhigerem Geschäft gleichfalls eine Festigkeit vor- herrfchenb, wobei Golbschmibt unb A.-G. für Ani- linsabrikation, Gebr. Böhler, Zellstoff Waldhof, Deutsche Kali, sowie von den zeitweise lebhafteren Schiffahrtspapieren Argo wesentlich höher waren. Petroleumwerte waren bet schwankenden, zumeist höheren Kursen lebhaft. Geu-Guinea machten ben gestrigen Kurssturz mehr als wett, da ttotz ber Ent- ieignung bie Abfinbung ber Aktionäre dieselbe wie bisher bleiben soll. Devisen waren nach anfäng­licher Abschwächung etwas befestigt, was sich auch in ber Kursbewegung ber Valutapapiere wieder- spiegelte. Von Auslanbsrenten waren Mexikaner weiter fest, bie übrigen bei stillem Geschäft be­hauptet. Rheinische Renten waren stlll.

Frankfurt a. M., 9. Sept. Börsen- stimmungsbilb. Bei lebhaftem Geschäft uno fester Tendenz verlehrte bie Abendbörse. Ntont-xn-- papiere bewegten sich mit wenig Ausnahmen nach oben. Für Mannesmann und Buderus bestand von interessierter Seite Kauflust. Erstere gewan­nen mit 455. 5V», Buderus mit 420V. 4' -> Proz. Deutsch Luxemburg 312Vr, Gelsenkirchen 319., Phönix 4991/2, Mernstahl 414 plus 14 Proz. Schon tungbahn ermäßigten ihren Kursstand aui

Blinder Hatz.

Roman von Alfred Sassen.

'lNachdmck verboten.) Fortsetzung 28.

Eine Viertelstunde später war er wieder da­heim, in Begleitung von Max Bodenbach, ans dessen sckstm.m Jungengesicht alle Frische und Keck­heit, die ihm sonst fo gut anstanden, fortgewischt zu sein schienen. Er fuhr dann unb wann ver­stohlen mit dem Hand rücken über bie Augen, biß aber bie Zähne zusammen, um nicht laut heraus­zuweinen

Ter Lehrer batte ihm in seiner stillen, herz­lichen Art den Snauerfal mttgeieüt. Er hatte natürlich auch die Angelegnihrit Raias berühren nrüssen und bitte cs in vorsichtigen Worten getan. -/Um ihrer Liebe willen zu bem Fremden Lxibe üch die Schwester nun den Zorn der Tante zu- Nzogen."

Max batte von Hermann Hüt dich damals Wm Ausslug nach ber Leuchtenburg und auch pater einen Eindruck empfangen, der sich tief seinem enthu ia'isckien jungen e zen se'gtzetzt batte. Er schlixg sich darum sofort aut Rems «eite, ohne daß aber fein Betrübnis über ben Men Tod des Vetters und die Anteilnahme am E^Werzber armen, armen Tante, die nun auch bas noch ertrugen mußte," weniger groß und auf­richtig gewesen wären.

Ein menig war er noch echter, rechter Jungen­art auch erfüllt von einem Gefühl ber Wichtigkeit, fo mitten drinn zu stehen zwischen Tante unb Schwester, ,.die sich nicht entzweit hatten".

Er hielt sich für den g-eignete 1 Vermittler fhnidjcn ben beiden und sprach den Gedanken and)

dem Lehrer gegenüber aus.Er wollte bie Tante so sehr bitten, Rena wieder gut zu fein unb nichts mehr gegen ihre Liebe zu Hermamt Hütttch zu haben, ba ber Vetter nun doch einmal gestorben fei und sie einen anderen heiraten müsst."

Ter Lehrer konnte bei d eser Beweisführung ein leises Lächeln nicht unterdrücken, aber er schüt­telte kräftig die Hand des Schülers unb fag'e: Versuche dein Heft, mein Junge. Gerade mit bem Schwachen ist oft der alte Herrgott."

Max wollte nicht, daß die Schwester, die in­zwischen fest eingeftf/afen ira , geuetft werde. Er beugte sich nur behutsam über sie und küßte sie auf das Haar. Tann eilte er davon.

Anderen Tages klopfte er schon um bie sechste Morgenstunde wieder an bie Tür bes LehrerVruses. Er sah zwar recht ernst aus, allein seine köstliche Gesidstssarbe erfdrten strahlend frisch, trotz.em er nur wenig gefchlasen hatte in der Nacht, wie er sagte. Dafür kam er aber jetzt auch fchon von ber Saale herauf, in bereu kühlen Fluten er ein stärkendes Morgen bad genommen hatte.

Er fetzte sich bidit neben bie noch immer f chloren de Rena, behutsam nahm er ihre Hanf in bie feine, bamit sie ihn gleich sehe unb fühle, wenn sie erwache.

Mit flüsternder Stimme berichtete er den Ge­schwistern, baßendlich, endlich" auch di' arme Tante in ihrem großen Lehnstuhl emgescklasen sei unb hoffentlich reckt lange schlafen werbe., lieber alles, was er mit ber Tante gesproche 1, sckwieg er vorläufig als kleiner Tivlomat. Wahrscheinlich hatte er lrider nichts von Belang mitzu'eilen . . .

Eine halbe Stunde etwa batte de. prächtige Junge still und geduldig dagesesten, als Rena plötzlich bie Augen öffnete. Ter Bruder beugte sich

Drkef

Gelt»

9. Sept.

Berlin

Abend- Abend- Schluß- Schluß-

8.9.

11,40

6,-

13,30

9,45

Amsterdam . Kopenhagen. Stockholm.

'Prag....

Wien ... ,

London . .

tvörsenlurss.

Frankfurt

536, 188,25

viarkuotieruugen.

Datum:

9. 9.

11,80

6.07

13,50

9,50

Geld Bries

8. Sept.

1365,85 1669,15 1653,35 1656,65

375,60 376,40 -,-

744,25 745,75 746,75 748,25

739,25 740,75 741,75 743,25

1041,50 1043,50 1061,40 1063,60

----- ---- ]7420 230,25 186,45

52,45 356,35 860,90 780,80

22,53

22,15

81,

18,87

Datum-. Amsterdam - Botterd. Brüssel-Antwerpen Christiania Kopenhagen .... Stockholm fielfingfot«. .... jtalien London. New-Pork Paris . Schweiz. ... ,, . . Spanien Wien (altes) .... Deutsch-Oestecr. abg. Prag. Budapest Bulgarien .... Konstantinopel. . .

Büchertisch.

Jakob Schaffner: Der Passionsweg eines Volkes (19181920). 8 Mk. (Verlag Goethlein & Co. G. m. b. H. Leipzig/Zürich). In bieiem aktuellen Buche sieht Jakob Schaffner, ber Deutschfchiveizer, bie schweren Kämpfe, burch bie unser Volk zu gehen hat unb bie es in ben un»

668.. Hamburg Paket 187. behauptet, Lloyd fester, 184.. Besonders envähnenswert erdzinen nock. Mexikaner, welcke ihre Aunvärtsbe^vegung tortsetzten. öproz Golbmex. lebbaft, 514, 51b bis 522, 5proz. Sftbermex. 430 bis 440 plus 15, öproz. Tehuantepec 353 plus 7 Pror, 5prjt. Tamaulivas 315 plus 15, Zproz. Merikmer 310 plus 20 Proz. Sleaua Romana gewmmen lOProz., 1940. Teutfcke Petroleum 1450. Gebrüder Fehr 292 bis 294 Chemische Sdieibeanstalt fti> gen auf 640. plus 20 Proz., fest lagen 'Ubier- werke Kkyer, 325., Fränkische Sdmhiabrik 2541,-.. Bergmannwerbe zogen 3 Proz. am 233. an. Pinselt. Nürnberg 290, Bingwerke 252, oproz. Reicksanleihe 79,50. Tie feste Grundsttm- mung hielt bis Schluß an.

mc. Frankfurt a. M., 9. Sept- Durch bie enorme Erhöhung ber Löhne unb Generalin,kosten sind eine Reihe von Frankftirter Großsirwen l?:i flottem Geschäftsgang in finanzielle Schwierig­keiten dadurch gekommen, daß bie Höhe bes Aktien­kapitals den gestiegenen Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Man Hal deshalb notgedrungen zu Kapitalserhöhungen gegriffen, die den notwendigen Ausgleich herbeiführen sollen. Bei einer Reihe von Großfirmen stehen diese Aktionen noch bevor, so u. a. bei ber Frankfurter Maschinen­bau A.-G.Pokorny & Wfttekinb", ben Abler- werken, Hartmann & Braun usw.

Frankfurt a. M, 10. Sept.

Devisenmarkt.

170,80

171,20

173,80

228,25

228,75

229,75

185, 0

185,70

186,03

50,07

50,17

52,35

354,65

355,35

355,65

854,10

855,90

859,10

769,20

770,80

779,20

21,72

21,78

22,47

21,22

21,28

22,09

80,80

81,-

80,80

18,78

18,82

18,83

* l"*

* 1**

Kurs

Kurs

Kürs

Kurs

Datum:

8. 9.

9.9.

8.9.

9.9.

5°/nDeut.8rieg5anL

79,50

79,50

79,50

79,50

4°/Deut.Reichsanl.

.

e

68,50

68,30

3°/gDeut.Reichsanl.

E» -

61,30

60,75

4°/ Preuß. Konsols

.

69,60

69,10

Darmstädter Bank

141,

141,

Deutsche Dank . . .

.

271,

267,50

Disconto- Befellfch.

- .

.

204,-

204,50

Dresdener Bank .

- .

_

171,

170,50

Nationalbank f. D.

.

149,50

149,50

Mltteld.Treditbank

- _

143,50

143,50

143,50

H.-Amerik.-Paketf.

186,-

187,

185,13

187,66

NorddeutfcherLloyd

181,-

184,-

178,50

181,50

Boch.Gußstahlwrk.

664,50

597,-

562,-

595,-

D.-Luxemb Bergw.

309,50

314,

306,50

312,

Gelsenkirch.Bergw.

317,

320,-

309,25

317,75

Harpener Bergbau

349,-

345,-

352,-

Obeischl. Eisend.-B.

.

246,50

242,-

246,-

Oberschles.Eisenind.

-

.

251,-

254,-

Phönix-Brgb.-Mt.

481,-

499,50

472,-

493,-

Bad.Anilin-u.Soda

465,-

.

465,-

460,-

HöchsterFarbwerke

e

.

358,-

359,75

Eleklr. A. E. B.. .

-.

.

271,39

275,50

Schuckert-Werke. .

199,-

* .i

199,-

200,25

Felten-Guilleaume

.

406,-

410,50

Daimler......

,

209,-

205,-

210,-

Bud.-Elfenw.-Akt.

410,-

420,50

399,50

420,-

Adlerwerke ....

248,-

254,-

250,50

259,-

4°/oHess.Staatsanl.

.

.

75,50

Electron Griesheim

324,-

325,-

325,-

325,-

über sie unb lächelte ihr zu. Sie lächrite wieder mit einem zärtlichen Ausdruck nur ganz unbefan­gen, als fühle sie sich zurückverletzt in ftüh.re sorglose Tage und habe den sch.immen Schmerz der Gegenwart ganz vergessen.

Langsam richtete sie sich aut bem Ellenbogen empor da aber gewahrte sie die fremte Um­gebung, erkannt?, daß sie sich nicht rn ihrem eigenen Zimmer beianb und mit einem Schlag .oar sie wieder hingerissen in das Meer von Leid, aus dessen wildbewegter Brandung sie der Schlaf barmherzig fortgetragen hatte.

Fest, fest schlang sie die Arme um den Bruder unb schmiegte bk Wange an sein blühendes, lebens- frisck-es Gesicht. Zu sprechen vermochte sie nicht.

Tafür sprach Max, nachdem er ein aurfteigen- des Sckluck-en si gr.ich ire e gekämpft ha .e Es war, als sei er in den letzten inhaltreichen Stun­den um ein paar Jahre gereift.

Und Rena wunderte sich gar nicht über all seine gq'dxiten herzliciren Worte. Nur ihre un- endlickre Wohltat empfand sie und gab sich dte'sec Wohltat hin.

Und als sie endlich auch sprechen konnte, galt ihr Reden nicht dem Schüler, dem keinen Gym­nasiasten, der noch eine Menne zu lernen batte, um ein ganzer Mensch zu sein, sondern dem brüder­lich verständnisoollen Freund.

Tu bist mir nicht böse, nicht wahr'? Du siehst ein, daß ich handeln mußte, wie ich gehandelt habe?" fragte sie weich und fall schüchtern, sich seinem Urt.it das sie freilich genau zu kennen meinte, im voraus beugend.

Ick, weiß, daß meine liebe. Hebe Rena immer das Rechte tun wird," antwortete Max, unter

ge steuerlichsten Wehen hin- unb benpcrfr.i, von ganz besonderer Warte. Aus ihm spricht bas Mitleid mit biesem Schicksal, bas er als Deutscl>er im Tiefst­innersten erfühlt uiib ermiß'., zugleich aber aud) die kühle, von einem engen Patriotismus losgelöste ruhige Urteil5gabe. die ihn als Ausländer in bett Stand setzt, ohne kleinliches Bonirteil den Zusam­menhängen nachzugehen, auf die ba> über Deutsch- lanb herein gebrochene Unheft zurückzusühren ist.

I3n einem Tel! d.'i Auflage ttnib'rbML) Bcschaffungsbeihilfen an Arbcitslosi.

Berlin, 8. Sept. Privattelegramm9 Wie derVorwärts" mitteilt, erklärte der Reicds- arbcitsminister Dr. Braune- in ber Heu:i gen Sit­zung des Vofkswinsck>afts,iu Sichusses, daß bas Reick für eine einmalige Beschasfungsbeihilfe a 11 A rbeitslvse 50 Mftlionen Mark auSge- morsen habe^ Unter Hinzuziehung der aus die Länder und Städte entfallenden Beträge soll jeder Erwerbslose, ber länger als adv. Wochen arbeitslos ist, etwa 400 bis 450 Mark einmalige Beihilfe erhalten.

Pon der Straßburger Universität.

_ Heibelberg, 9. Sept. (WTB.) Nad) bem »eibelberger Tageblatt" wirb bie Straßburger Wissenschaftlid).' Gesellschaft, bas einzige Uebcr- blcibsel ber Alma mater argentinnifh ihre erste Mitglieberversammlung feit bem Verlasscm ihrer Heimstätte am 28. September in .Heidelberg abhat­ten, um über die Zukunft ber Gesellschaft zu be> schließen. Zu ß 1 der Satzungen ber Gesellschaft, ber jetzt noch lautet:Die Straßburger itriikn schaftliche Gesellschaft, errichtet am 6. Juli 1906, hat ben Zweck bie Pflege aller Wissenschaften in ElsaßiLothringen" liegt ein Antrag vor, bie brei letzten Worte zu streichen. Der Name ber Gesell­schaft soll jeboch erhalten bleiben.

Die Verhandlungen in Riga.

L 0 n bo n , 9. Sept. (WTB.) Die russische De­legation in Lonbon teilt mit, daß die b 0 lsche­in i ft i s ch e Friebensbelegation sid-, un­verzüglich nach Riga begeben wird. Die lettische Regierung hat bk Garantien für bie Jmmunftär der gesamten Mission geboten.

Kopenhagen, 9. Sept. (WTB? Das let­tische Pressebureau meldet vom 7. September aus Riga: Gestern wur^ bie Konferenz Der baltischen Staaten in Riga beenbet. Tie Konferenz faßt- auf ihrer letzten Sitzung den Be­schluß, einen bau rnden Staatsbevollmäch igteu rat zu errichten, ber feinen Sitz m Riga haben toll. Präsibent UI m a n 18 hob in feiner Abschiebsre^ hervor, baß zwischen ben baltischen Staaten bie politische Annäherung erfofgt fei, was als Haupt­ergebnis ber Konferenz gelten müsse.

Der polnische Heeresbericht.

Warschau, 9. Sept. (WTB.) General­stabsbericht ber polnischen Armee vom 8. September: Litauische Front. Außer kleineren Zusammenstüßen unserer Reiterei mit litauischen Fußtruppen ist bie Sage unveränbert. Die Bürger der miebereroberten Stadt Lipsk bestätigen ein­mütig bie Zusammenarbeit ber Litauer mit ben Bolschewisten. Jrn Bereiche sMich von Gvodno besetzten unsere Abteftimgen Krynki. Auf ber Bug­linie ovn BresttLi'vwsk bis Grubeschow unb von Krysttmopol bis Busk Kämpfe zwischen Felbpa- trouillen. Oestlich Przemysi griff ber Feinb unsere Stellungen neuerlich an. Die Angriffe wurden abgewiesen.

Belgien und Frankreich.

Lonbon, 9. Sept. (WTB.) Der belgische Ministerpräfibent Delacroix erklärte in einer Unterrebimg mit bem Brüsseler Berichteistatter ber Times", baß Belgien unb Frankreich in Bezugt auf bie russisch-fpolnische Frage berselben Ansicht seien. Beide Länber hielten bafür, baß man nach bem Frieben streben müsse Bon enter Anerken­nung ber Sowjetregienmg könne aber keine Rebe sein. Frankreich sei fest entschlossen, Polen zu ver­anlassen, fein Bestes zu tun, um zum Frieden zu kommen.

Von einem Radfahrer überfahren.

Dresden, 9. Sept. (WTB.) Den Morgett- blättem zufolge wurde General von Leffert gestern abend beim lleberschreiten einer Straße von einem Radfahrer überfahren und ist habet fo schwer zu Schaden gekommen, baß er halb nach ferner Einlieferung ins Krankenhaus ftarb.

Das Explosionsunglück in Maricnfiel.

Wilhelms'hafen, 9. Sept. (WTB.) Die Zähl ber Todesopfer bei bem Explofions- Unglück in Marienfiel ist noch nicht er­mittelt, ba man an die Unglücksstätte wegen wei­terer Explosionsgefahr noch nickst herankoinmen konnte Feftgestellt sind bisher 21 Schwer verletzte. Bei ben Ret unasarbeiten haben 5 Feuenrel/rl.mte ben Tob gefunden. Heute kann bie Gefahr als beseitigt angesehen werden.

bem Druck ber ihm zu gefallenen Würbe nun doch ein wenig erglühend

Ich kann es nicht tun, was Tante von mir verlangt jch kann es nilst!" erLarte Rena.

Unb du sollst auch nicht! Hab' nur Mut! Wenn bie Tantt jetzt auch noch alle meine Bitten, gut zu sein, zurückgeim.'sen hat, sie wird ihr Un­recht fchon noch eins-.-hen und bann selbst tommcii, um dich heimzul-olen. O, ich lass.' ihr ja gar keine Ruhe unb sie braucht dich auch wie not­wendig sie dich braucht, das nnrb sie bald genug empfinden alle brauchen sie dich im ganzm -Haus es geht ja gar nicht ohne dick)"

Dankbar trank Renas Ohr- das liebe Ge­plauder.

Tu goldenes Bruderherz," murmelte sie er­griffen.Aber nun kehre zur Tante zurück. Tu bist letzt ihre Stütze. Du harfl sie nicht länger, als es unumgäng.ich notwendig ist, all-.m lassen. Und habe sie recht, recht lieb hörst du? Wenn sie es auch nicht mit Worten anerkennt ihrem armen, so Her verwundeten Herzen tut diese Liebe doch wohl. Tas weiß "ich . . . Für a.les, was zum Begräbnis iwtivendig ist, werden die Mams'll und der Inspektor, di-.ffe beiden treuen Seelen, schon Sorge tragen. Tas b.'ruhiqt mich . . . Also geh. Ein gutes Wort an bk Tante darr ich bir nickst auf tragen sie würde cs zurückvci en. Aber an den Sarg tritt heran unb bring' bem Toten von ber, bie mit ihm ausgewachsen und d>n lieben getreuen Kameraden so lange in ihm gesehen, bk letzten warmen Grüße"

Sic setzte dem Schuler rasch -eine Mütze aut unb scbob ihn nach der Tür, damit er ihre neu hervorbredxnde Erschütterung nicht gemntrtc

(Fortsetzung faH