Einzelbild herunterladen

Die Gräkin.

Roman von G. W. Appleton. kNachdruck verboten.) Fortsetzung 37.

Aber, liebe Tante, erwidtttte ich, meinen Groll bezwingend, aus die freundlichste Art, di. mrr zur Bersüqrma flonh, höre doch aus Vernunftgründe! Es stchr Bein Zug mehr: ein Kutscher hnirtx? mich die große GTufcrramg niemals gesachom haben, und zu Fuß, zu gehen, wäre ja absurd gewef-m.

Natürlich, entgegnete sie sch-rrs-. verlangt auch einen solchen Unsinn txm btr? Was ich be» Haupte, ist, daß du hättest zu Sxruk lern mch deinem Brrufe nadjgdxm sollen, statt mit Grä­fin nm dich unrherzu treiben.

Tonnermetter! rief ich jetzt. Das gcht denn doch zu weit! ,

So*-' erwiderte sie. Dem: Dtutter lelbsr hat es ja gesagt Ist es vielleicht nicht wahr, daß du dich mit Gräfinnen eingelassen haft. Leugne es, wenn's dir möglich ist! . .

Als ick zögerte, denn une m aller W:lt tonnte ich in einem einzigen Augmblicr ernennt- raort auf eine solche unverblümte Frag; finden{ fuhr sie fort: ..

Natürlich kannst du es nicht und du nri&t, Satz ich reckt heb?, trotzdem Gatt allein weiß, wie es ein armer Teufel wie du aust-llst, um mit Grä­finnen verkehren zu können. Uebrtgens, da wir gerade davon reden, jetzt bist tu nicht M-chr |o arm.

Erstaunt blickte ich sie an.

Ich verstehe dich richt recht, sagte ich.

Tas ist leicht erklärt, erwiderte ft? achsel­zuckend. Deine Mutter hat gestern ein Testament gemacht. Sie war so freundlich, mir tausend Pftmd zu vermachen. Tas war sehr gütig von ihr, ttotzdcm ich Gott sei dank! selber genügmd besitze, um davon leben zu können. Das miilt etwa 18000 Pfund bekommst du. Ich muß dich wohl dazu beglückwünschen, trotzdem ich fürchte, daß es nicht lange Vorhalten und), da du dich, wie es scheint, in so großartiger Ges 'llschast be­wegst.

Ich war erstaunt. Ich wußte zwar, daß meine Mutter einige Mittel besaßt ater ich hätte mrr niemals träumen lassen, daß es sich um ein? der­artige Summe handelte. Ich muß gestehen, daß mein erster (Setante einer glänzenden Praxis im Weitend galt, die ich mm würde kauten könnm Gleichzeitig siel auch ent Licht auf das merkwürdig herbe Benehmen müner Tante Selina. /Tie gute Seele batte zweifellos von meiner Mutter er­wartet, daß sie si? in ihrem Testam *ni wett reich­licher beben Beu würde, und war dahw, mit der ganzen In Bonsequenz ihrer weiblichn Seele, gegm mich aufgebracht.

Ich ließ mir indes nichts von Befriedigung enrmerfen, fontrrn sagte einfach, was der Wahr­heit völlig emsrwach, nämlich:

Ich bin überrascht. Ich babe niemals daran gckocht. Wer nun, wo meine Mutter noch tat im Hause liegt, ist es mir peinlich, darüber zu

Ur. 109 Zweiter Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Montag, (0. Mai 1920

Au» Sta t unS Land.

Gießen, den 10. Mar 1920.

Bezug von nichtrationiertem Holz.

Die Bcvö.kerung ist teilweise der Ansicht, daß das aus Preußen bezogene Brennholz durch das Boennswffamt der Staat Gießen beschlagnahmt würde. Die Bestimmung in 8 7 der Verordnung über die Regelung der Brennswifver orgung ist lebiglid) als Pvr.ichtsmaßregel zu betrachten. Tas Bcennstoffamt empfiehlt imö iördert m iedem Falle den Bezug von nichtrationiertem Holz. Nach den jetzigen BerhL.tnissen muß an ienomm n wer­den, daß in der Kohlen Versorgung feine w.sentliche Besserung eintreten ro;rD. Um der mit Holz nicht- versorgten bezugsberechtigten Bevölkerung eine größere Zuteiftmg von Holz aus den städtischen Be­ständen marfx-n zu können, darf nwhl erwartet werden, daß die mit Holz ein gedeckten Bezugs­berechtigten mii den Bezug von städt. Holz ver­zichten. Das flöht. Br.nnstosfamt wird bemüht sein, als Ausgleich für die fehlenden Kohlen das erforderlicheBrennholz zu beschaffen und an die nichtvecsvrgten Bezugsberechttgtm abzu- aeben. Hierfür ist die Anlage eine» zweiten Holzlagerplatzes im Gange.

*

♦♦ Amtliche Personalnachrichten. Der provisorische Landwirtschaftslehrer Wilhelm Trautmann zu Büdingen wurde zum Landwittseb^ft^l.ehrer mit Wirkung vom 1. April an ernannt (Ernannt wurde ferner am 6. Mai der Lehramtsasftsio'- Reinhard Rau aus L i ch zum Oberlehrer nr der Oberrealschule am Stadthaus in Offenbach nvt Wirkung vom 1. Mai 1920 ab.

** Tas Fabren in der höheren W a g e n k l a s s e. In der gestrigen Sitzung des Reichs- ratrs wurde einer Verordnung über Aendcrung der Reic^verkehrsordnung zugestimmt. Danach wird die Strafe für die widerrechtliche Benutzung einer höheren Wagen klasse von 6 auf 20 Mark erhöht unb auch die Zuschläge von 1 auf 3 Mk.

** Postsendungen aus dem Saar­gebiet. Wie auf Erkundigung von maß­gebender Stelle mitgeteilt wird, findet die am 6. Mai im Reichsgebiet in Kraft getre­tene neue Postgebührenordnung für alle Post­sendungen aus dem Saargebiet bis auf wei­teres kerne Anwendung. Die Reichspostver­waltung hat sich damit einverstanden erklärt, daß für nach den alten Sähen frankierte Sendungen aus dem Saargebiet im Reichs­gebiet keinerlei Nachporto erhoben wird. (WB.)

** Aus den Bienenzuchtvcreinen. Der Hessische Bieneiyüchterverein (Kassel) hat für diesen Sommer eine V.rbandsver.ammlung mit Ausstellung in Vorschlag gebrackst. Es sind näm­lich 50 Jahre, daß Kassel, Starkenburg, Rhern- ünd Oberlessen oerbünbet sind. Als Orte kamen vielleicht Friedberg, Hanau oder G. Mxtufen in Vorschlag. Ta sich zu den dies.ährigcn JmLr- fur.en des Ob?ri)es fischen Bienenzücht ervevnns in Lirzenl>arn nahezu 200 JmLr und 3mHerinnen gemeldet haben, mutz das Los entscheiden, wer zugelassen wird.

** Ter Naturheilverein veranstaltete im AprilMai einen Lehr-Kursus Über ,,D t e Anwcndun gsformen des Naturheil- verfabxen^'. der sich einer außerordentlich guten Beteiligung erfreute. Frl. Emmy Spieß gab in acht Unterrichtsabenden die notwendigen praktischen Anleitungen zum rechten Gebrauch der Heilmittel und Anwendungen, mit denen die Na- turleilkilnd? arbeitet. Das umfangreiche Thema wurde nach llrren Gesichtspunkten einfach und in wissenschaftlicher Weise behandelt. Besonders Wert wurde auf die p.ak.ischen Anwendungen gelegt, die von allen Teilnehmern unter fachkundiger Lei­tung geübt wurden. Der letzte Abend dieses Kursus findet heute (Montag) abend statt.

Kreis Büdingen.

Ein Protest gegen die Holzzrtteilung.

Ortenberg, 7. Mai. Tie gesamte Be­amt e n s ch a f t Ortenbergs und eine große An­zahl Vertreter der freien Berufe hatten sich gestern abend im Gasthaus zur Post versammett. um Stellung zu nehmen gegen die gänzlich unzu­reichende und ungerechte Zuteilung unb Verteilung des Holzes. Es wurde scharf getadelt, l^ß der Staat den Beamten das Tarifholz entzogen habe, ohne ihnen gleichzeitig Loshvlz oder Berechtigungs- Holz zuzubilligen. Ferner sei das vorn Staat zu­gewiesene Losholz erheblich billiger als das zuge­teilte Holz der Beamten, das auch in der Güte gegenüber dem Los Holz vielfach minderwertig sei, auch scheue sich der Staat nicht, seinen ohindies furchtbar unter der Teuerung leidenden Beamten, für die ja alle Teummg^uktgat, wenn sie heraus- lommen, längst überholt seien, noch Provision ab» tuforbem, während diese bei dem Losholz voll­ständig Wegfälle. Tie Zuteiluna von Holz auf Grund der Viehzahl hätte bewirkt, daß einige be­nachbarte ländliche Gemeinden c^radezu im Holz

ichwimmen, während für die Beamten nichts ober nur wenig dagewesen sei. Viele Beamten tönmen an den Senttigerungm nicht tcilrrbmen, weil sie nicht einfach ihre Tiensttäurne schließen können. Auch in Ortenberg selbst fyä.ten Familien mit ge­meinsamem Haushalt bis zu 12 Rm Losholz be­kommen, was ebenfalls eine Ungerechtigkeit gegen­über anderen bedeute. Eine entsprechende, ein* stimmig gesaßte Erklärung wurde an das Mini­sterium abgesandt, iie soll auch den großen Be­amtenverbänden into einzelnen Abgeordntten zur weiteren 9üi frage in der Kammer zugestellt r^rden. Zur besseren Vertretung ihrer wittschaftlichen und sonstigen Interessen sckstossen sich die Amveienden »u einer Beamtenvereinigung z. sammen.

traten sofort etwa 50 Mitglieder bei Zum Vorsitzenden wurde Gerichtsvollzieher G e s ch k e ge­wählt, zum stellv. Vorsitzenden Bahnmeister P e - t r i, als weitere Mitglieder des Vorstandes Rechner Raab, Brfif räger A r m b r ü st e r, Tr. Löff­ler und Straßen meister Ieckel. Ter Vorstand wurde beauftragl, bei geeigneten Gelegenheiten für Beschaffung von Lebensmitteln ustv. einzutteten, die gerade in Ortenberg oft bedeutend teurer seien als an anderen Pichen. Wegen der Zuteilung von Futter, Obst usw. sollen geeignete Schritte getan werden. Ferner wurde eine der großen Zahl der Beamten und ihren Steuern entsprechende Vertte­tung im Gemeinderat für die Zukunft verlangt. Auch Beamten der Nachbar gemeinden sollen der neuen Vereinigung kitteten können.

Starkenburg und Rheinhessen.

Ein HUfSauS.'chutz für unterernährte Kinder.

rm. Da r in stadt, 8. Mai. Die bitterste Not der unterernährten Kinder dahier hat zur Bildung eines großen Hilfsausschusses unter Lei­tung des Oberbürgermeisters geführt, dem alle Streife, auch die Minister Ulrich, Henrich, v. Bren­tano, Tr. Fulda, die techn. Hochschule, die Ober» posldirektion, Netzte, Geistlichkeit, Vertreter des Handels, des Gewerbes und cer politischen Pir- teien, die Ban Ben, die Arb.itgeber- unb Arbeit- nehmerverbände Beamten, Lelner unb Äu­gest eilten verbände sowie die Wol liahrtsverein- >rn- gehören. Es sivll eine allgemeine Sammlung veranstaltet werden, da die Staiäverwaltung nicht in der Lage ist, den dafür nötigen Aufwand zu tragen.

sw. Nieder-Jngelheim, 7. Mai. Wie dieMzeyer Zeitimg" mitteilt, ist der Preis der Spargel für 1. Sorte auf 2,503 Mk., für 2. Sorte auf 1,301,50 Mk., für Rhabarber auf 15 Ps. das Pfund zurückgegangen.

Hessen-Na sau.

wa. Bieden ko ps, 5. Mar. Erne reiche Obst­ernte steht uns nach der gegenwärtigen Baum­blüte in Aussicht unb wohl selten ist die Wit­terung während der Wüte zeit so günstig verlaufen wie bisher. Birnen, Kirschen unb Zwetschen ha­ben meistens ausgcblüht und durchweg fifrön ang> setzt. Ueber reich mit Blüten besät fmb die Aepsel- bäume unb bei einigermaßen gutem Wetter und Fernbleiben ixm stärSeren Nachtfrösten ist auch mit einer guten Apsslemte zu rechnen. Zu beson­deren Hofsnung-n berechtigt auch das Beerenobst, doch gift es bei den Stachelbeeren, so sott gegen di.' überall sich zeigende Stachelbeerraupe au?$utrctm.

ra. Biedenkopf, 7. Mai. Zur Bericht- erjlathmg an die Provinzialkartosselstelle haben sämtliche Bürgermeister dem Landratsamt zu be- richben, ob die Kartosfelanbaufläche in den Gemeinden zu- ober abgenommen hat.

Frankfurt a. M., 7. Mai. Die Stadt beabsichtigt, mehrere Bra u n kohlen selber bei Elm von der dottigen Pottlandzementsabrik für 120 000 Mk. zu erwerben.

n Marburg, 7. Mai. Wogen dem Mangel an Wohnungen für die sehr zahlreich eintreffenden Studierenden hat das Wo^rungsarnt die ®e=» schlagnahrne von Zimmern in geräumigen Wohnungen angearbnet.

Vereine und Veranstaltungen.

** Liga zum Schutze der deutschen Kultur. In der letzten Zeil wurden Ottsgrup- pen gegründet in Stockheim (Kreis Büdingen) unb Gedern (Kreis Schotten).

X Hirzenhain, 6. Mai. Donnerstag abend sprach hier auf Einladung der Deut s che n Volks Partei in öffentlicher Versammlung Parteisekretär Dr. Lutsch über die gegenwärtigen politischen Verhältnisse und die kommenden Rercks tagemahlen. Tie nach'o'gendc Diskussion verli f stürmisch. Erft am frühen Morgen trennte man sich.

Turnen.

Die Freie Turner schäft Gießen veranstaltete am Sonntag in der Turnhalle der Stadtknabenschule ihr Sntiirnen. Eine stattliche Schar Zöglinge unb Schüler traten am Vormittag zum Wetturnen an. Es wurden 38 Siege errungen. Es erhielten Preise: Zöglingsabteilung, Oberstufe: 1. Preis: A. Sauer mit 91 Punkten, 2. Pr. W.

Neuweiler mit 89 P, 3. Pr E Pötz mit 87V« P .

4. Pr. H. Herians mit 86 P., 5. Preis Ehr Biehl mit 81 P. Mittelstufe: 1. 'Br. H. Dietz mit 86* - P., 2. Pr. ft. Bellos mit 70V* V, 3 Pr.

W. Guntrrrm mit 60 P., 4. Pr. Fr Arnold mit 56 P. llnterftufe: 1. Pr W Cmmert mit 72Vt P., 2 Pr. A. Ranst mit 72 P , 3. Pr. F. Kaleoki mit 72 P., 4. Pr. H. Arnold mil 71ys P- Scknller abteilung. Oberstufe: 1. Pr. K. 'JBnmxnler mit 63/< V , .2 Pr. A. Hillgärtner mit 61'/, P. 3 .Pr K. Mosbach mit 61V* P, 4. Pr. St. Fi'fter unb H- Krause mit 61 P. Mittelstufe: 1. Pr. W Wolf mit 68> t P 2. Pr. H. Brornrn mit 62'4 P., 3 Pr. A. Ommert mit 62V« P, 4. Pr. H. Zirkler mit 62 P., 5. Pr. W Steinbrecher mit 59*, P. Unterstufe: 1. Pr. ft'. Haubcil mu 62 P., 2. Pr.

L. M-Üldon mit 61 P., 3. Pr. W. Strauch mit 58 P.. 4. Pr. Fr. fttod) 57«/* P., 5. Pr H. Nbosbach mit 56*/* P.

0 MarbUrg , 9. Mai. Auch hier veranstal teten heute sämtliche hiesigen Turn- und Spott­vereine einen sog.Spi lplatzwerbetauf. Um */zl2Uhr trafen die einzetnen reine und Schulen, stem- artig von alten Seit» Iqmmenb, in flottem Lause auf dem von einer gewaltigen Menschenmenge be^ fetzten Marktplatz ein unb nahmen vor dem Rat­hause Aufstellung. Turnlehrer Fischer hielt bann eine Ansprache, in der er der Forderung nach einem g eigneten Spott- und Turnplatz Ausdruck gab, und überreichte dem Vertreter des Magistrats ferne diesbezügliche Eingabe.

um weigesprochrn zu werden, erreichte aber nur, daß bte Strafen wegen unlauteren Wettbewerbs unb wogen falscher Titelführung auf die Hälfte herabgesetzt wurden: im übrigen wurde bte Be­rufung zurück gewiesen.

Der SchlichtungtzattHschutz der Provinz Overhesten.

Verhandlung vom 5. Mai 1920.

1 Ten zwischen der Arbeit gemein schäft her yastirnttschaftlichen Angestelltenverblnde und dem yotflbcfibenierein (Hotina", Verband der Bad- ') Mu fei mrr Hotel indunrie und verwandter Betnevei und dem Gastwittcverein in B<id ')Miih'iin bt- stehenden Lolmstreit hatte der Schiedsspruch cuut 31. März 1920 grundsätz'ich dahi.i en:schieden, bah das Trinkgeld abzuschaffen sei. Ti- den Patteiar überlassene Fesn'etzung der Höhe und der Zeit der Entlohnung kam nicht zustande, |b daß nach er-- neutcr langer Berhandlirng, bei ber btt besonderen Verhrltnisie Bad-NarcheimS (Kurbetrieb, Saison usw.) eingehend zur Erötterung kamen, nm herum Schiedsspruch erforderlich wurde. ?ttts diesem sei l^fvorgehoben: Für alle in Bettackit Born inenden Betriebe, einschließlich Gastwirtsckraften und Re­staurants ist einheitlich eint feste Entlohnung ohne Prozentbeteiligung einzuführen iEntlohirung halb­monatlich. Als Rich linien der neutn Lolfnregv» lurg iab 1. Mai 19201 wurden unter Berücksich-- tigintg der Besonderl^it des Badeortes bestimmte. Höchstsäps für emzelne Gruppen von Arbeitneh-

Dcrmi|d)fc».

Essen, 8. Mai. (WTB.) Die Arbeiter Iosevb B ie s e m a n n aus Essen-Borbeck und ^osejch Fuchs aus Essen waren am 13. April vom außerordentlichen ftttegsgericht wegen Plünderung mit Waffengewalt zum Tode verurteilt war den. Da der Reichspräsident von dem Segnabi aungsvecht keinen Gebrauch machte, wurde da« Urteil beute morgen 6 Uhr durch Erschießen vollstreckt.

l)0d?id?tditad?rid^teiL

Umwandlung der Universitüt Frankfurt in eine Arbeiterakademie?

= Frankfurt a. M., 9. Mai. Die Uni- oeilität Franksurt soll, da ihr Fortbestehen in der jetzigen Form wegen Mangels an Mitteln ge­fährdet erscheint, in eine A r be i te r a ka de m ie um gewandelt werden. Den künftig studierenden Arbeitern soll in zweijährigem Studium die Grund­lage der s^ial- unb Rechtswisstnschuften, der Philosophie unb der Kunstwissenschaft vermittelt werden. Während ber Studienzeit sollen die studie­renden Arbeiter für sich und ihre Familien ihre» Siebens unterhalt aus besonderen Mitteln erhalten Tie Lösung der finanziellen Frage, jährlich rund 15 MM. Mark, ist in der Weist gedacht, daß bet allen in Frage kommenden Organisationen eine Umlage erhoben werden soll. Die Unioeritäi* Professoren Pape und Sinzheimer sind mit der Ausarbeitimg einer Denkschrift, die sich in ber Richtung ber oorstehcnben s'lusführungen bewegt, beschäftigt

mern aufgestellt, die Ausarbeitung im einzelnen jedoch der toeiteren Parresverhan una aatheinu- gegeben, da der Schlichttingsausschiiß nickst m ber Lage ist, in mehreren hundert Rubröken (Lohn- zahlen^ und einer ganzen Reihe ton tarifliches Sonderbestimmungen alles durch 2cki.chssprnch stst-- zulegen. Zur Erklärung über den Schiedsspruch wurde eine Frist ton einer Woche gesetzt. Von den Parteien erf arte dieHotina" inzwischen die Aw* erfennung des Schiedsspruchs.

2. Tie Firma 2llbrecht Hoffmann, Alsfeld, wurde angennesen, ab 1. Mai 1920 ' en über 20 Jahre allen Arbeitern (Quarzitsttinbruch einen Stunden lohn von 3,20 Mr zu zahlen Tie Firma lehnte den Schiedsspruch ab, Arbeitnehmer nahmen ihn an.

3. Ter Arbeiteraussthutz des Sägew^ncks Neu­haus bei Homberg nnirbc auf den ftkigcrorg ver­wiesen «Restansprüche der Platzschwerarbeiter unb Fugendlick-en auf (Zfrund des Sägeckrfts'.

4. Tie gegen Werkmeister ftunze etwa ausge­sprochene Shinbigiing festens ber miechan. Weberei H. Schmidt I. in (ftninberg wurde als zurüchfe- nommen erklärt, da Kunze über die angebliche ftftndigungszeit hinaus beschästtgi wurde. Für den Fall der Verweigerung der Weiterbesck/iftigung wurde ein Entschädigimasbettag bestimmt. (Be­triebsrätegesetz § 82 '.'lüjatz 2.1

5. Firma Göbel ii. Appel in Gietzen hat nach dem Generakstteik 11 AiLeiter an die neu eröffnete' Firma Heinrich Appel in Giesten abgeg- ben. Ter Schlichtungsausschuß entschied, boß diese Fort­setzung des Arbeitsverhältniises keine Maßregelung sein bars, und verwies die Geltenömach.ing et­waiger Lckhnansprüche gegen die Firma Göbel u. Appel auf den ordentlichen Rechtsivcg.

6. Tie Streitsache der Gießener Bankange­stellten (Teuerungszulage) mußte wegen vorgerück­ter Stunde vertagt werden (auf 19. Mast

Gictzener Strafkammer.

G i e fi e n, 10. M ri 1920.

Von den Fällen, die die Strafkammer in nahe­zu elsstündiger Sitzung beschäftigten, seien die wich- tigften mitgeteilt.

Dem Kaufmann Julius Lehmann auS Gladen­bach war vom Hauptwueramt hier eine erhebliche Menge vermutlich im Sch l e t chhandel ertoor- tonen Tabaks beschlagnahmt wordeß und es drohte die Einziehung. Nachdem lieb Lehmann vergeblich auf dem .Hauplsteueramt um Freigabe bemüht batte, klagte er sein Leid seinem Freunde Leopold Lamm aus Kittorf, und dieser sagte, er werde die Sache schon macken: er Benne aus der ftäieaszeit her, in der er auf dem .Hauptsteueramt beschäs- tigt war, bat Steueraussther Fischer, mit dem werde er sich in Verbindung setzen. Dies geschah, und am Schluß einer Vorbesprechung, in bei Fischer keine Neigung verriet, dem Ansinnen, den Tabak, mit dessen Verwahrung er betraut war, herauszugeben, wurde er zu einer weiteren Be­sprechung in einen Gasthof bestellt. Mit Geneh­migung seines Amtsvorstands, dem er sofort Mel­dung erstattet batte, begab sich Fischer dottlstn, unb nun setzten ihm Lehmann und Lamm gemein- schaftluh zu, den Tabak hcrauszugeben. Sie boten ihm erhebliche Geldsummen an, die er mit seinem Kollegen teilen könne und stellten ihm weitere Be­träge für sich allein in Aussicht. Als Fischer daraus himvies, daß er sich doch einer großen Pflichtverletzung schuldig machen werde, wurde ihm entgegnet: auf eine kleine Pflichtverletzung käme es nicht an, wenn man nur Geld dabei verdiene, die Herren Offiziere im Feld hätten sich noch ganz andere PslicÄverletzungen *u schulden kommen lassen. Zum Schluß wurde versucht, Fischer ein paar Geldscheine in die Hand zu drücken. Gegen das Urteil des Schössengerichts, durch das Leh- mann unb Lamm wegen Bestechung zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt worden waren, ver­folgten die beiden Berufung Es handle sich um ein Mißverständnis: es hätte äjnen ganz fern gelegen, den Beamten zu einer Pflichtwidrig kett verleiten zu wollen. Die wiederholte Beweisauf­nahme ergab, daß es sich um einen Akt scha rn- los e r u n d hartnäckiger Be stechu n g han­delte, die nur an der Pflichttreue des Beamten gescheitert war. Aus die Berufung der Staats­anwaltschaft wurde die Strafe Lehmanns auf sechs Monate Gefängnis erhöht: die Berufung Lamms wurde zurückgewiesen.

Vierzehn Landwirte au S. Echzell waren angeflagt, an einer Zusammenrottung, bei der Viehkataster, Eierlisten und andere wittschaft- liche llrfimocn vernichtet worden waren, teilge­nommen zu haben. Die Vorgänge waren ungefähr die gleichen, wie die bereits bekannten in Ockstadt unb Birklar, üfcr die berichtet worden ist. Einer der Angeklagten erhielt vier Monate, die übrigen mit Ausnahme von drei, die freigespwck»en wur­den, je drei Monate Gefängnis wegen Landftte- densbruch.

Ein HeilkundigerausSchlitz hatte im Schützer Boten eine marktschreierische Nmhttc^ er- l'drmen lassen, durch seine Spezialbäder würden (Men Ffteif beiten, chronische Eiterungen und selbst akute Leiden sosott behoben. Dem vor diesem schwindelhaften Gebaren pftichtmäßig warnenden ftreisarzt hat er in einer Anzeige, im gleichen Blatt, unverschämtes Gebaren unb Geschäfts neid vor geworfen. Außerdem' hatte er sich, lchne appro­biert zu sein, Homöopath genannt, (hegen das Ur­teil des Schnitzer Schössengerichts, das ihn deshalb tu Geldstrafen von tausend, dreibundett unb hun­dert Mark verurteilt hatte, verfolgte er Berufung,

reden. Ich möchte sie gern; sehen. Willst du so freundlich sein, mich zu ihr zu führen?

Ich benahm mich nunmehr sehr ernst, und mein Blick schien sie enrigerma&m ern-uschüchtern: ohne ein Wort zu verlieren, rrfpb sie sich und führte mich hinauf in das schweigende Sterf» zimmer.

Es ist unnötig, bei dem Anblick zu oernxnlen, der sich mir hier bot, od.r bei meiner Beschäf­tigung während der nächsten paar Stunden. All dies erfordert Beine Erklärung. Schließlich wurde meine Tante fünfter gegm mich gestimmt, als alle Anordnmigen für das Begräbnis getroffen waren, das auf den kommenden Montag feftg'jetzt wurde.

Nun, leb 'wohl, Julius, sagte sie. Ich fürchte, ich bin ein streitsüchttges, ales Weib.

Keine Spur, Tante, erwidert- ich. Deine Ner­ven sind ein wenig zu stark angegriffen irvtom. Das ist alles. Die fttanfbeit meiner Mutter hat dir viel ftummer bereitet.

Gewiß, Julius, sagte sie. Und ich bitte dich, vergiß nicht ihre letzten Lürdeuttmg'n! Ich Bann mir wirklich nicht denken, was fie bebautm. Ich kann nicht verstehen, was sie mit den Gräfinnen meinte: und du mußt mir auch verzeihen, was ich darüber gesagt habe. Du wittt es ja wissen.

Gewiß weiß ich es, erwidett'. ick, und sei überzeugt, daß- ich den Rat meiner Muttn nicht mißachten roerte. Adieu also, auf Wiedersehen am Mantag '

Zehn Minuten später fuhr ich Wicker London

zu, eine Beute mannigfacher, sich widnRretteNber Gemütsbewegungen. Mein gan^^s Leben hatte mit einem Schlage einen nmen, einladenderen Anblft für mich angenommen; und die ganze Reis- üb malte ich mir angenehme und beit.ix Zukunft Pläne aus. Eins war gewiß: meine gegmwätti- Präzis würde ich auf geben. Sie warf mamen einen hübschm Ertrag ab, und würde emtm ltn ständigen Preis aut dem Markt erziel m; afk-wK fühlte, daß sie nicht mehr viel roeitnr enr-n = , werden könnte, und außerdem war mnn Cn"* auf Höheres gerichtet. Ich war mir bewußt Bstichl gegenüber meiner einfachen 5kund^^"ft- jcker Weise erfüllt zu haben, unb wußte«) die mir ein gutes Andenken bewahren wückeO u e s - Umgebung war mir zu trostlos, um nickchluß er abstoßend. Tie Sonne schien nie wirk! Aussicb- diefe stockenden, stinkendm Nebenllüfte NeichL- LebenLstroms herabzuleuchten. Die v » moffchäre erstickt? mich. Die imau- tönigkrit meiner Beschäftigung ftu^ gearbeitet Geist ab. Allerdings gab es ge(egmMte 1tu? gefälliges Zwischenspiel, und bisnx darauf hin- düstere Gegend durch einen Fun km t Schimpfen, der, wenn er auch ein grimmiges nnen würden, doch wenigstens befreiend rtrirftL eichstags- jaijrein war es zum allergrößt. K Ulrich- 0^9« und vor allem unsa^ Dr. Quesseb- armfeltge Existenz in bteiem^ Moosdorf- (Fottsetzung ftach, Luckel-Akep, ______,s-Gießen, Lehrer utz-Worms.