Einzelbild herunterladen

Xmutyme von

für d e lagernunur.er bis zum Nachmittag vorher

llr. 258

Deritfjcner Wiaer frid)fint täglich, außer 5«ui, und feiertags.

Bt}ugsrr(i|e:

Monatlich Wad« 360 dNkk.-65lrägerIohn, nerteli.hdichMarkl0 80 inbimk.l.95lrägerlobn; »urch die Post viertel, ährlich Mark 12.- moschl'eblich Bestellgeld. ;ernlprech -Anschlüsse: lrbte$d>ririkilungll2; Serlag.Geschasisstelle51. Inschrift für Drahtnach. eichten rlvjtlzer «ieheu.

Postscheckkonto: yeirffun a. M. l|MS

Erster Blatt tfO. Iahrgang Samstag, 9. Vttsdcr 1920

GiehenerAnzeiger bi

General-Anzeiger für Oberheffen MM

V Anzeigenteil tz. Beck,

vnick u»ö Dtrlag: vrühl'fche nut Stein brnderei H. Lange. Schristleittm-, Gejchöftrstelle und Bruderei: Schalstratze 7. sämtlich in Gießen.

wochesrückbüS.

Zu dem zwischen Polen und Ruß [ in o abgeschlossenen Wa f f enstiltst a n d s'nd bisßer nur die Hauptzüge bet Bebin> Engen mitgeteilt worden Die lassen adcc rauf schließen, daß die Moskauer Gewalt taber ganz gewaltig nachgegeben haben, in bmt sie cri'annten, daß der Krieg keine Wen taug mehr zu ihren Gunsten herbeiführe: Mute Eine Hauptgefahr für die Sowjet :cgierimg war der letzte Sieg Wranaels und fein drohender Bormarsch. Wränget ist ein ^gner, den die Herren Tschitscherin und Lettin doppelt fürchten müssen, weil von ihm richt zu erwarten steht, daß er eines Tages, me die Polen, sich zur Absteckung einer De- mrkationslinic bereit finden rvürde. Wran ,e! vertritt den unversöhnlichsten Geg- ner der Moskauer Regierung, und das hinter

ihm stehende Frankreich wird sich nicht mit Mein halben Erfolge begnügen. Der Rigaer lräliminarfttede vcrscksafst daher den Russen

►m Hauplvorteil, daß sie nunmehr mit dem

Reinb im Süden abrechnen können. Im Ebrigen verzichtet Polen auf Pufferstaaten: aber die Warschauer Regierung wird nach hem Waffenstillstand den Degen noch nicht kinstecken. Für sie kommt jetzt die Ausein rtberfeüunn mit Litauen, dem Rußlärtd ^rch polnischer Ansicht Wilna unrechlmäßiaer- vrise abgetreten habe. Die Linie des Waffen- skillstandes schafft denn auch nach den r.fneften Meldungen aus Riga einen Kor ibor zwiscl>en Rußland und Litauen uub frbinbet Polen mit Lettland: es ist eine tnie, die von Brissa über Barairowitschi, nninez, Sarny, Rorvnv nach der galizisch.m toenze führt. Auch Ostgalizien nrirb Polen isgelicfert. Wie weit bei diesem Frieden-.' sluß innerpolitische Vorgänge im Sowjet- ich, Aufstände oder Gegetchewegungen in ctersburg unb Moskau mitspielen, darül'er 'ksen wir nichts. Gerüchte werden massen- ?ft verbreitet, aber wir gewinnen dadurch t sto NX Niger Klarheit. Es steht damit ebenso It mit hem Charakterbild der bolschewifti fM Neukultur, das vorläufig in der Zeit- 'sthichte noch schwankt.

Der von uns veröffentlichte Bericht eiucr ittlienischen Arbeiterdelegatton, die ihre E r - ichrungen aus o wi e tr u ß la n d nitgebracht hat, lauten für oic Wiederans- intarlu-it sowohl wie für ein sozialistisches ntijicl in gleicher Weise ungünstig. Es steht chmfalls fest, daß die Moskauer Propheten 3 ungeheuren Schwierigkeiten stecken. Das '! ja auch ganz nattirlich, denn der Krieg kt in Wirtschaft und Kultur des früheren .^neureiches noch ganz anders Bresche ge- ttl als in Deutschland. Wenn alles dar tieberiiegt, wenn Industrie, Verkehr, Gesell ii-ostsleben ein Trümmerfeld bieten, so fann iee bolsctxwisttsche Regiment gerechter weise ücht aussclftießlich dafür verantwortlich ge- x^t werden. Zwischen dem Sturz des Zaren der Thronbesteig'lng der bolschen.nstiscl)en * ttatoren la^en ja auch viele verziveifclte vch ohnmächttge Versuche andersgerichteter k:oatsmänner. Wer mm relativ in Ruß- inb das Beste zu leisten vermag, das ist I*« besonders für Diejenigen kaum zu "'<nbe Frage, bie Rußland aus eigner An- i^Euing nicht keimen. Wir wissen es, daß E Rätediktatoren ihr politisches System außerordentlich gemausert haben, be- nlters seit Februar dieses Jahres, wo die chen Erlasse Lenins über den Aufbau des "tttschaftslebens, die Hilfe unb Leitung von ^teilten unb die straffere Gestaltung der .ßiplin bekannt wurden. Wenn die sozia- ''tschen Arbeiter aus Deutschland und tclicn sich überspannte Vorstellungen von russischen Zukmrstsstaat, oder wie man ttmtlich besser sagen müßte, Gegenwarts- '^l der bolsck»ewisttschen Staatskünstler ge- Met hatten, so mutzten sie natürlich mit loser Enttäuschung zurückkehren. ,Mer nicht Leitet, der soll auch nicht effen" dieser P* Bibelsatz steht mit Fettdruck im ^chisrnus- der russischen Welterneuerer.

er richtet sich nicht lediglich an die Mto der Rentner und Kapitalisten, son- A vorwiegend an die Handarbeiter, die im A^iße ihres Angesichts bei mehr als Mtünbiger Tagesleistung ihr Brot essen den. Ern Kenner Lenins hat diesen als den Jjjten politischen Experimentator bezeichnet, r® es scheint in der Tat, als habe bid Mdwimentelle Praxis in Moskau den tfyeo- k^'chen Wald des Rätesystems verheereird Mlxchtet. Was dabei für die dritte I n- l!£cn atro na le, die man sich doch als eine rnmunisttsche Gemeinschaft vorzustellen hat, kr^uskommt, darüber machen sich die Lircks- Mlyren in Deutschlmrd keine Hefen Ge- kommunistische Abteilung u ^^bhängigen, die im blinden Wahn ^atzne folgen will, weiß es

'venig, wolstn die Reise eigentlich geht, dre Rechtshälfte, bie das Räteschiff durch

bie aufgepeitschten Wogen des eigenen Lan­des schlittern lassen will, ohne sich der Qh> falwung ober Bevormundung russischer lotsen zu bedienen. So weit müßte man in Deutschland aber vernünftigerweise die Erfahrung mitsprechen lassen, daß das Rätejchiff als ein schwerfälliges, un­modernes Fahrzeug Überhaupt abgetan ist. Die anderen Erfahrungssätze von Rußland raten wir einmal sammeln und beherzigen, wenn Lenins Februarerlasse di: Patina unverfälschter Erfahrung an sich tragen. Die deutsche Politik, Rußland ohne Eiirwirkrarg innerpolitisch sck^affen und bauen zu lassen, wie es will, braucht nicht geändert zu werden. Wir können warten unb brauchen uns an Lenins Experimenten die Finger in keiner Weise zu verbrennen.

Schellenlaute Toren und Parteigeschwo reue können uns nicht voranbringen. Zur dringenb notwendigen Besserung unb Hebung der deutschen Produktton be­darf es keiner soziologisch ausgeklü­gelter Theorien. In Brüssel hat eine ausgiebige Auseinandersetzung mit dem Aus- lande stattgefunden, wobei ebenfalls viele Leh­ren aufgetischt, Ermahnungen ausgesprochen, Ratschläge erteilt wurden aber weiter reichte die Freigebigkeit nicht. Man stellte als Erfordernisse bie Abrüstung, bie unbedingte Sicherung friedlicher Verhältnisse, voran aber sind dies beim guten Willen der Beteis ligten überhaupt Probleme, über die man viele Worte verschwenden muß? Wir wollen in dieser Beziehung endlich Taten sehen, bv- sonders von Frankreich! 15 Milliarden werden im Jahre von den ftemden Besät- zungstruppenimdeutschen Westen verschlungen: 15 Milliarden, statt der ur- iprünglich vorgesehenen, wahrlich schon schwer genug auf die deutschen Finanzen fallenden 3 Milliarden! Die Richtschnüre der Brüssv- ler Konferenz können schwer um diesen Fela feit des Anstoßes herumkornmen. Dabei machen manche deuttchen Blätter viel Rüh­mens von der Tatsackw, daß in Brüssel die Abordnungen Frankreichs und Deutschlands viel freundlicher miteinander verkehrt hätten als je zuvor, daß ein Umschwung auch im Tone der französischen Presse sich ankündige. ?Nochmals: bevor wir Beftiedigung äußern, wollen wir irgesrdwelche Taten seben! Das be­trifft auch die wiederholten Meldungen, die allerdings in Brüssel einigen Eindruck machen mußten, daß Llotzd George Diktaturpläne in der Wiederg utmachungs frage ab lehne und auf dem Programm der Genfer Konferenz be­stehe. Heute erfahren wir von einer Rote Lloyd Georges an bie französische Regierung, worin diese Meldungen bestätigt iverden. Im Zusammenhang damit stelst der Be­such des belgischen Ministerpräsidenten De­lacroix (in London. Delarcroix war es, der zuerst die Verweigerung einer besonderen Konferenz in Genf aufs Tapet gebracht hatte, »veil einzig und allein der Wiedergutmach- nngsausschuß zuständig sei. Millerand hatte diesen ' Okbanfen, dessen Vater er viel­leicht war, eifrig auf gegriffen unb die italienische Politik in diesem Sinne zu bo- emflussen versucht. Giolittis Haltung in der deutschen Frage war denn auch eine Zeitlang unklar und zweideutig genug. Jetzt ergreift der Londoner Meister wieder das Wort, der denn doch wobl, besonders auch in Anbetracht der ösfentlichen Meinung Englands, ein­gesehen hat, daß bie Ueberspannung des Bo­gens durch Frankreich auf die Dauer unmög­lich und unerträglich ist. Die Maße jedoch, mit denen Lloyd George zu messen gewillt ist, kennen mir nicht. Hoffentlich haben die finan­ziellen Darlegungen der deutschen Regie­rung svertreler die für Genf notwendige Kurs­änderung innerhalb der Entente angebahnt!

veofich-fta«;östscht Verhandlungen.

Paris, 8. Ott. (Havas.) Ter sum^sische Botsä>aster Laurent hatte gestern mit dem Mi- nifterprälibcnLm Leygues eine Unterredung über die dentschen Vorschläge in her Wieder­au t m a ch u n g s f r « a c. LautPetit Parii'ien" joU am Scliluste her Unterredung Lenguos gesägt fYiben, es sei richtig, daß die öartldjc Regrcru.lg ixm ftanzüiischen Botschafter ein Schema des Programms unterbreitet habe, bas sie für die Wrederh rstellung der verwüsteten Gebiete in Frankreich ausgestellt habe, sowL über ihre Ent schließung, die Entschädigung in 9?atura zu be- zaylen. Diese Dorschäge seren aber nicht annehm­barer, als die in Spa gemachten, denen sie sich übrigens sehr näherten.

DerPetit Parisien" berichtet ferner. Berg­mann stehe augmbiickiich mit dec Wiedergut- machur.gskommissivn in Fühlimg. Er werde wahr- schinlich in Kürze von Leygues empfangen werden unb man dürfe die Bermutung aus sprechen, daß seine Borschäze von dem Schema, welches Lau­rent in Berlin unterbreitet wurde, wenig ver­schieden seien Nichsbesloweniger bauerten die Ver­handlungen an, um zu einem pvattöchm Ergebnis zu gelangen.

Befchlüffe der votschafterkonferenz.

Paris, 9. Ott. (WTB.) Die Botschafter- konseren j beschoß in einer Sitzung am Frei tag morgen, dem deutschen Ansucl)en zur $cr .idtgeruiig der am 10. Oktober ab'.awenden F r i sl für die Entlassung der Miliz in O st vreußen nicht ftattzugeben. Tie Kon- iercnz b schoß daraus, daß das von Oesterreich nlrückerhaitcnc Kriegsmaterial jerftö.t tverdcn müsse. Das Ergebnis aus dteser Zerstörung soll lorderhand aus ein b.sonderes Konto verbucht iuerben. Zn Bezug auf das Kriegsmaterial ber früher feindlichen Länder außer Dentschand beauf­tragte die Konferenz den Militärrat von Mar­seille, diese Frage zu prüfen und ihr später bie in '.'lusncht genommene Lösung zu unterbreiten. Zn er Frage, was mit dem in T a n z i g vorhandrme r Kriegsmaterial geschchen soll, beschloß die Kon serenz, abzuwarten, bis die Hauptmächte selbst einen Besch «faßt hätten, sei es im Sinne ber Vernichtung dieses Matettals ober ber Rückerstat­tung desselben an die Stabt Danzig oder an den polnischen Staat.

Sine Hofe £lqö Georger an vie stanzösische Regiirung.

Paris, 8. Okt. (Wolfs.) Wie dasEcho be Paris" mitteilt, 1?at bie französische Regierung von ber englischen R e - g i e r u n g eine Note erhalten, in ber Lloyb (toorge erklärt, bie Machte hätten sich ver­pflichtet, sich bei einer fommenben Konferenz, bie sich mit ber Wiebergutmachungs- frage beschäftigen solle, durch Sachverstän-- bige vertreten zu lassen. Sie billigten auch den Vorschlag btese Konferenz auf ben 12. De- zEber festzusetzen. SBeiterlyiu tmrb in ber Rote vor geschlagen, eine technische Kon­ferenz abzuhalten, und zwar sollte diese ben Charakter eines internationalen Kongresses haben. Diasem Kongreß solle bie Konferenz von Genf auf dem Fuße folgen, auf ber bie Pläne für ein enbgültiges Abwmmen fertiggestellt werben könnten.

vir §chl«hsitzuna in vrüffel.

Brüssel, 8. Ott. (WB) Von unserem Smbnberics-ters^nter. Die Fina^tzkonserenz bvlt am 9iad>mittag ihre letzte Sitzung ab. Ter Präsident verlas einen aussührli-chen Bericht, bcc bie Eestnntcrgebnissc aus den Kommissior.e.l zu- sammcndaßt. Bemerteuswett ist, daß Äs letzte /sonncl für bie Ueberiüinbung aller Schwierrgkciten Arbeit unb Sparsamkeit in den !&>rbergrunb ge­ruckt werden. Präsident ?Lor etfitirte, daß eine bT wesentlickiäen Vovaussetzungeu für die geordnete Wiederaufnahme der Bezielnuigon ber F-ttebe fei. ES sei zu hoffen, daß der Bölterbuub in bieier so erfolgreichen Arbeit fort fahre Nach einem tur# zeu Tanteswort schloß Prästdenl Ador die Kou- fevenr.

Der polnisch-rusfische Friede.

London, 8. Ott. lWolsf.) DieDaily Mail" meldet aus Riga, daß durch die neue polnische Grenze, über bie noch verhandelt wurde, das Staatsgebiet beinahe verdoppelt >verde. Die Grenze beginnt in Drissa (Mich Düuaburg), geht nach Süden bis Baranowitschi, wo sie dem ehemals deutschen Grabensystem folgt, und veckäust dann weiter durch Story und Grodno. Tas wichtige Eisenbahnsystem WilnaKowno wird polnisch. Ein neuer polnischer Korridor gibt Polen Zugang zu den lettiändischen Seehäfen unb schneidet Litauen, Polens gefährlichsten Feind, von Rußland ab.

Polen und Litauen.

Wilna, 8. Ott. (Wolffs Laut einer Meldung der Li^ru(sitzen Telegra^che-'.c^riitur (eint es rn dem litauischen Generalstabsberrcht rum 7. Ottotzw: Obwohl die litauischen Truppen g-wräß der getnaffenen Bereinbaiungen im Ab­schnitt du« Vavena {Dranpl bie Fcrndiellgtt-iten ein stellten, fahren die Polen fort, zu kämpren. Sie haben die litauischen ©telungert östlrch von Storern angegriffen. Tte litauischen Truppen zrgen sich zurück.

In gan» Litauen ist nach einer weiteren Mel­dung der Reichen Agentur eine Sdctog-j.ng ün Qxntge, um gegen die furchtbaren Gewalllaten der Polen $u Protestieren.

ein Friede»»vertras unterzeichnet?

Wilna, 8. Ott. (BTB.) Gestern abend wurde der Friedensvertrag zwischen der litaui­schen und polnischen Regierung endgültig unterzeichnet. Trotz der Unterzeichnung des Fr reden «Vertrages sahren die Poten fort, die litaui­sche Stellungen anzugreisen unb bie litauischen Truppen mit Artillerie zu beschießen. Gegen diese Bertetzung der Bestimmungen des Völterbundes w'.rd schalster Protest vor der ganzen T3elt er­hoben.

Wilna, 8. Ott. 'WTB.) Die litauische Re­gierung stellte angesichts der immer ttitischer wer­denden Lage an die Vertreter der Entente ben Antrag, die provisorische Verwaltung der Stadt Wilna in ihre £>änbe zu nehmen. Die litauische Regierung stellt die Kommandantur und SKilii zur Verfügung. Der jeitroeilige Leiter ist bet französische Vertreter in Wilna, Reboul

Au» ber sszialistischen Partei Italiens.

Rom, 8. Ott. (Stefane) Zur Frage ber Hin- au^bremgimg der gmuäßigten Lemente aus der s o -

zialistifchen Partei imb zu den von Mos­kau gestellten fBcbntgungcn sch.cibl br sozialistische Abgeordnete Prampolini, es hmidle sich nm die Diktatur nicht d.s ganzen Proletariats, wie sie aus dem Kongreß in itolcgna s.sttelegi wurde, son­dern einer kleinen Minderheit, bie .ich b~r Ätebrheit mit roher Gewalt auforänge. Siäme sie nun gen zur Macht, so würbe sie bi* Preß- unb Der- fammllrngof^eihcit voll«rdS unterdrücken und zu öunberlen unb Taufenb?n bieicn:g.n ins Gesimgui- und an den Ga'g»-n bringen, bi? sie als gefährlich ober aufständisch erachtet. Prampo.ini erinnert an bie von dem nmiidwi BlatteJswestiia" am 30. Juli veröff-.nckichte Liste von 898 Todesur­teilen, die ht Ruschmd in b.*r Zeit vom 23 Juni i bis zum 22. Jun 1920 gefällt !r»orbnt sind. Pram- twlini fragt ireiter, wie lange die Diktatur, ineun sie in Italien eingeführt würde, befteben konnte unb wie lange es dauern müßte, bis die Massen sich übcticugten. baß bie auf russisch' Art »erstan­ken und ausg?üb!e Diktatur d?s Proletattats in Wahrheit lediglich em? neue Tyrannei sei. Es sei unmöglich, ausider Spitze der Bajonette xu regieren.

Poftstreik in Holland.

Haag, 9. Okt. (WTB.) Rach den Der« Handlungen der Delegierten der Post-, Te­legraphen- und Telephongewerk­schaften mit dem Ministerpräsidenten haben die GeNTerksck-aftsleiter am Freitag­abend das Personal von Rotterdam mnb Haag angennesen, die Arbeit fortzusetzen. Die Strei­kenden in Amsterdam erhielten Weisung, die Arbeit wieder aufzunchmen angesichts des Umstandes, daß die Regierung riicht geneigt sei, in Unterhandlungen einzutreten, solange der Streik fortbauert.

Die Vorschläge its Sozialisierungs- ausschussez.

Berlin, 8. Okt. (Wolff.) In der heutigen Sitztmg des w i r t s<ha s t s po l i t i s ch e n A u £» schusses des R'ichswirtschastsratcs Hanb auf der TageL'rdnunit an erster Stelle die Stellungnahme zu ben Ao richtägen^der r^oziali- siemngslvmmission zur Frage ber Sozückisierung Oes Kohlenbergbaues. Vor Gin n t in die Beratungen gab Reickis ckagninister v. Raumer hierzu eine R'igierungserUärung ab. Darnüf nahm ber Ausschuß die Brüche über die Tälig-tzttt der Soziott i-?rungs)ion,M!s i>on argegen Rar!: Schluß der Aussprache hierüber wurden die Soziulisir- rungsvvrfchläge einem Ausschuß von 15. Mit­gliedern überwiesen.

Berlin, 8. Ok>. (WTB.) In ber heutigen Sitzung des toinfdxifisvrliti^chen Ausschusses b:5 Nerck?swir:sck/aftSrates bäanttvo-rttt? der Neichs- s cha tz m i n i ft e r bie Anfrage des Verlag ^direk­te rs Bernhard, über die ber»eilige Stellung rur Sv zia li s ierungsfrage svlgenber- maßcn: Die Frage ist wohl venresach. durch die Diskussion, die in den lebten Tagm sich in der Preffc über die Stellung einz lner Regierungs­mitglieder »ur Sozial i i"m ugsfrage entsponaen hat. Ich benutze bie Gelegenheit gern, um hier oic Stellung 6er Regierung und der l^treffeTtdeu Stabt-- uettsinitglieder eiittranbfrei Ffanuftel cii. Tas Shrbrnett hat seine St-.llung grgenübr dem S^zw lisierungsprvblem in der vorher genau v-vrber.u- teten Erklärung sestg legt, vie ber NeickMrbeils- minifler in der Reichs^l^ib>mg vom 5. August abgegeben hat. In i<r Cr?türung ist -.'sagt wor­den : Der Redner dca USP. und sei-.c Frakiwns- genossen mögen nur ja nicht glauben, daß die Regierung Don heute bet Frage ber Soztolis erung aus dem Wege gehe. Der Reichswirtschrftsrat hat sich bereits in der Sitzung Dum 24.7. fast einstimmig auf ben Standpunkt ge­stellt, daß die K o h l e n w i r t s ch a f t nach ge­mein wirttchasttichen Gesick^äpunkteu zu ordnen ist unter gleichzeitiger Heranziehung ber Bergarbeiter und Angestellten zu den mitoerautwortlicheu Trä­gern dieser Wirffchast. Ich bin nun ermächtigt, zu erklären, baß die Reichsregierung ebenfalls aus dem Boden dieses Beschlusses steht. Sie hat den Reichswirtschastsminister unverzüglich beauftragt, die Weiterverfolgung der Angelegenheit zu be­treiben, sobald der im Lause des Oktobers zu er­wartende Bettcht der Sozialifierungskommissio'n vorliegt. Art und Form der Sozialisie­rung werben sich aus der Notwendigkeü ergeben, die brutto# Ä-ohtenivirtichLst in ber Rick tung größter Prtoutt-snSsteigerung und Mirtsckxtstckrr- tert zu entwickeln. Mtt her Hervt>rh'bimg diese Ge-sichtspunki^ befindet sich bte ReichSregrerung ebenfalls in völliger llebercKiftimmung mit dem Beschluß des Reichs Wirtschafts rotes vom 24. 7. Tos Kabinett faßte bann den Beschluß vom 22. 9., dessen Wortlaut amtlich wie folgt mitgeteilt Worten ist: Schließlich trat das Kabinett in bie Erörterung ber SozialifierunMrayen ein und beschloß ein­stimmig, ben Reichsnnrtfchaftsminister zu beauf­tragen, auf ber nun vorliegenden GrnMage des Bettcktes ber Sozialisierungsbommiss on umgehend den Emwurf eines Gesetzes über die Sozialisie­rung des Bergbaus vorzulegen. Tie Klarheit und Einheitlichkeit der Stellung des Kabinetts ist dann ansthll'-ßend an die Weimarer Ta­gung der Fra ktion der Deutschen Volks Partei in Zweite gezogen worden. Öirr will ich Dunib bemerken: Die Au^egn-ig, b:.- Die Tägliche Rundschau" in ihrem Mo gmb ar orni 6. LÄober t<em Wabinettsbe<'chlus rom 22. Sep­tember gab unb die Kritik, bie fte an ber Berr-cht- eritattung über bie KabuEttst-sitzung übte, leime ich in lieber ein rttmnnmg mit dem ge amten Ka­binett ab. Ebenso lehne ick) bie Auslegung ab, otc ixeTägliche Rmtdschau" den Leich ätzen der Fpat-