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Uus dem besetzten brt.

Millrraud unb Foch int Rheingebiet.

Mainz, 8. Sept. (Wvlff.) Der franzö­sische Ministerpräsident Millerand und Marschall Foch werden heute vormittag kurz vor 10 Uhr in Wiesbaden eintrefsen und wer­den nach kurzem Aufenthalt nach Mainz weiter fahren, wo ihr Eintreffen gegen 11 Uhr vorgesehen ist. Nachmittags geht die Fahrt nach W o r m s weiter. Am Montag untren Trier und 23 o n n besucht worden, am ge­strigen Dienstag Koblenz und Ems.

sd. M ainz, 8. Sevi. nc Meldung.) Mi­nisterpräsident Millerau. und Generalissimus »y o d) besuchen gegenwärtig die französische Be- satzimgszone am Rbein. Heute Vormittag weilten sie mit ihrem Gefolge als Gäste bei dem amerika­nischen General in Coblenz und besuchten von hier Bad Ems, wo sie auch den Gedenkstein, der an das Zusammentreffen Kaiser Wilhelms I. mit dem französischen Botschafter Venedettt am 13. Juni 1870 erinnert, in Augenschein nahmen. Von Ems begaben , sich die Franzosen zu kurzem Aufenthalt nach Wieslxtden. Um 11 Uhr vormittags hielten Millerand niid Foch von der Rheinbrücke her ihren Einzug in Mainz. Die ganze Garnison Main z hatte von der Rheinbrücke aus bis nach der Stadthalle Aufstellung genommen. Der Stadt- Halle gegenüber war ein Ehren zelt errichtet, in dem sich mehrere hundert alliierte Offiziere und die nach tausenden zählende französische Zivilkolonie ver­sammelt hatten. Die Ankunft der beiden ftan- tzösischen Machthaber rn Mainz wurde durch einen Salut von etwa 60 Schluß angekündigt. Zu dem Ehrenzelt gegenüber der Stadthallc hatten die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden Platz ge­kommen. Die militärische Feier wurde durch die Uebe.weichung von Orden an etwa 20 Offiziere durch Marschall Foch eingeleitet. Nach diesem Akt fand der Vorbeizng von mehreren Regimentern Infan­terie, Kavallerie, Artillerie, Tanks, Motorbatterien usw. statt. Während dieses militärischen Schauspiels kreisten etwa 20 Flieger über der Stadt. Nach einer kurzen Begrüßungsfeier in der Stadthalle be­gaben sich Millerand und Foch nach dem Offiziers­kasino. Später erfolgte ein Besuch des Grabes des Jean Bon Saint Andre auf dem Friedhöfe. Hier­auf fuhren sie mit Autos am Rhem entlang über Nierstein, Oppenheim mich Worms, wo sie gegen 6 Uhr eintrafen. Von den Franzosen belegte städ­tische Gebäude hatten reichen Flaggenschmuck an­gelet. Die Absperrung gegen das Publikum wurde von den französischen Militärbehörden überaus milde gehandhabt.

Worms, 9. Sept. (WDB.) Millerand und Foch sind mit Gefolge gestern Nachmittag drei Uhr im Auto hier eingetroffen und reisten nach kurzer militärischer Begrüßung und Vorstellung um 3/<4 Uhr nach Ludwigshafen weiter.

Die Preisgestaltung.

Ein Kampf um die Kartoffel?

ImOberhess. Anzeiger"" in Friedberg lesen wir folgenden Aufruf an alle Verbraucher:

Schutz gegen den Kartoffelwucher!

Wiederholte Verhandlungen zwischen den Ver­tretern der Bauernschaft, der EisenbahTibeamtew- und Arbeiterschaft, der Gewerkschaften und der bei­den sozialdemokratischen Parteien betreffend Ab­bau der Kartoffelpreise ergaben kein zu­friedenstellendes Resultat. Tie Taktik der Bauern- vertreter ging dahin, durch Verhandlungen die Verbraucher hinauszuziehen, um so Zeit zu Ze- 1dinnen, ihre Erzeugnisse zu den höchsten Preiien abzusetzen. Die Vertreter der Verbraucher waren gezwungen, die Verhandlungen abzubrechen. Um die einheimische verbrauchende Bevölkerung des Wirffchaftsgebiets von Oberhessen und Frankfurt a. M. vor Wucherpreisen zu schützen, haben die berufenen Vertreter die Sperre über alle landwirtschaftlichenErz-eugnisseauf dem Transportwege verhängt! Kein Transport, auch nicht der kleinste, solcher Erzeug­nisse, darf befördert werden. Straßen und Eisenbahnen unterliegen der Kon­trolle! Um die Bauern zu ihren Pflichten den Verbrauchern gegenüber zu zwingen, ersuchen wir die gesamte Verbraucherschaft, jeden Wagen, über­haupt jeden Transport anzuhalten und dem unter­zeichneten Ausschuß zuzuführen! Der Tag des Beginns der Sperre wird noch be- kanntgegeben. 4

Friedberg, Bad-Nauheim, Frankfurt a. M., den 6. September 1920.

Der Aktionsausschuß der verbrauchenden Bevölkerung.

Tas gleiche Blatt bemerkt u. a. hierzu:

Nun ist es leider Wirklichkeit geworden, was torr alle vermeiden wollten. Durch das Verhalten der Führer des Hessischen Bauernbundes ist der Kampf entbrannt. Seit Wochen gebt die Losung durch das Land: Abbau der Kartoffelpreise! Erst kommen die Vertreter der Erzeugnisse überhaupt nicht zu den Verhandlungen heran und erklären, daß der Abbau nicht lokal erfolgen könne, bann erklären sie in Frankfurt, wo eine zentrale Rege­lung erfolgen solle, daß sie nicht unter 25 Mark pro Zentner die, Kartoffeln abgeben könnten, in Nauhenp vertrösten sie uns auf den gestrigen Montim und gestern erklärt Derr Bürgermeister Tiehl-Hochweisel, daß der Preis von 31,75 :Oiart burd) die abgefdtfoffenen Lieferungsverträge wr die Vertreter der Landwirtschaft bindend sei. Tie Arbnterv.rtreter haben daraufhin die S p e r r e über den Verkehr mit landwirtschaftlichen Erzeug- liissen beschlossen. Sie rufen die Bürger, Hand­werker, Beamten, Gewerbetreibende und Arbeiter W. den Plan. Keine Kartoffel, keine Frucht, kein Obit soll transportiert werden. Alles Hamstern in Sberhessen soll unterbleiben. Tie Landarbeiter und andere sollen nichts verladen. Tie organisierte Arbeiterschaft will die örtliche Sperre Merall in den Dörfern durchführen. Die Beamten und Arbeiter der Eisenbahn sind mit dem Vorgehen einverstanden, der ganze T i r e k t i o n s b e z i r k Frankfurt a. M bat sich mit den Arbeitern Der Wetterau solidarisch erklärt. Der Kampf soll ksin Kampf gegen die Versorgung der Großstädte sein, sondern mit den Verbrauchern der Großstädte will man den P reisaboau mit allen zu Gebote st ehe n den Mitteln herbeiführen.

Die den landwirtschaftlichen Kreisen nahe­stehende FriedbergerNeue Tageszeitung"" tritt diesen Ausführungen wie folgt gegenüber:

Tie Darstellung über den Verlaus der Vcr- handlungen ist zudem falsch und irreführend Vor allem sind die Verhandlungen nicht ab­gebrochen, sondern gehen weiter. Allerdings nicht

mit dem Friedberger oder Nauheimer Gewerk­schaftskartell, sondern mit Vertretern des in Frage kommenden Wirtschaftsbezirtes Hessen und Hessen- Nassau. Daß eine Regelung der Frage innerhalb des Kreises allein zwecklos ist, bleibt nach wie vor unser Standpunkt. Trotzdem sind unabhängig von den Veröffentlichungen imOberhessischen Anzuger" Vertrauensmännerversamm- lungen des Hessischen Bauernbundes für die Kreise Friedberg und Büdingen noch für diese Woche berufen worden, in denen über die preiswerte Belieferung der Bevölkerung unb .über -je Kartoffelv-er orgung Beschlüsse gefaßt werden sollen. Entscheidend auch für den Kreis Friedberg wird in letzter Linie die Entwicklung des Kar- tofselpreifts in weiteren Wirtschastsbezirken sein.

Ter dem Erzeuger durch die von der Re­gierung angeregten und festgesetztem Lieferungs- Verträge gezahlte Preis beträgt nicht 31.75 Mk., sondern 30 Mk. Daß Herr Bürgermeister Diehl- Hochweisel gesagt haben soll, der Preis von 31.75 Mk. sei bindend für bi? Landwirte, stimmt ebenfalls nicht. Er hat nur ausgeführt, baß die Landwirtschaft an den abgeschlossenen Erträgen nichts ändern kann, da die Regierung auf der Einhaltung dieser Lieferungsverträge nach wie vor besteht. Den Preis der freien Kartoffeln wird im übrigen der Markt beftimmen, sobald er mieber in seine Rechte eingesetzt ist.

Ohne Zweifel Muß die Winterkartvffel für den Verbraucher einen annehmbaren Preis er­halten. Ob dies aber auf dem Wege der Gewalt erreicht werben kann, ist mehr als. fraglich.

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[] Marburg, 7. Sept, lieber das Er­gebnis einer im Rathaussaal unter dem Vvr- sitze des Oberpräsidenten Dr. Schwauder aus Kassel abgehaltenen Befpvechung der Ver­treter der Regierung von Wiesbaden und Darmstadt, der Kreise und Städte, der Landwirtschaft usw. beiwohnten, wird mit». geteilt, daß der Oberpräsident in längeren Ausführungen die Schwierigkeiten der Kar- toffelbelieferung eingehend erörterte. Jeder Vaterlandsfreund müsse seine eigenen Inter­essen zurückstellen. Es wird nicht verkannt, daß vvn derLandwirtschaft, insbesondere nach der 6jähriaen Zwangswirtschaft, ein großes Opfer verlangt würde. Dre Vertreter der Landwirtschaft wollen darauf hinwirken, daß die bäuerlichen Organisationen für einen Teil der städtischen Bevölkerung die Kartoffeln zu 20 Mk. liefern, und zwar sollen diese Liefermengen nach der Anbaufläche verrech­net werden. Diese bevorzugte Lieferung soll für die Minderbemittelten erfolgen. Die Fest­stellung dieser Mengen soll gemeinsam von dem Oberpräsidenten in Kassel und von der hessischenRegierunginDarmstadt rn Zusammenarbeit mit den Vertretern der Landwirtschaft getroffen werden, wie über­haupt eine lieber einftimmung darüber herrschte, daß das Gebiet von Hessen-Nassau und des Freistaates Hessen in dieser Be­ziehung als wirtschaftliche Einheit betrachtet werden müsse und daß demgemäß auch die erforderlichen Schritte von den bei­den Regierungen gemeinsam Vvrgeuommen werden fallen.

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T Grünberg, 7. Sept. In bet hiesigen Gegend kauft eine auswärtige Firma bie Zwet- f d) e n auf unb zahlt für den gentner 4045 Mk.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 9. Sept. 1920.

Lebensmittel.

* Die Brotmarkenausgabe findet heute unb morgen in den einzelnen Bezirken statt.

* Freibank. Freitag, 10. Sept., wer­den von 13 Uhr bie Nrn. 21012200 be­liefert.

Veranstaltungen.

m Hotel Einhorn, 8 Uhr,

Waldbühne,Komtesse Guckerl"". (Safe Leib Konzert unb Vorstellung der dNebick-Meibinger. Lichtspieltheater wie gestern.

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* * 2lu s dem Stadttheaterbureau. Das letzte Gastspiel in dieser Sommerspielzeit am Dienstag, den 14., abends 7 Uhr, bringt das neueste Werk SudermannsD i e R a s ch- y-o f f s"", Schauspiel in 5 Akten, als Erstauf­führung. Näheres im Inserat.

** Die Gießener Waldbühne ver­anstaltet heute abend '8 Uhr im Saal des Ho­tel Einhorn auf vielfachen Wunsch eine Wie­derholung vonKomtesse Guckerl"". Der Rein­ertrag kommt den oberhessischen Kriegsblin­den zugute.

** Künstle r a b e nb. Am 13. September finbet im Hotel Einhorn der einzige diesjährige Abend von Lieselott unb Conrad Berner statt Mit Vortragen aus der Biedermeierzeit.

**.Die Ersatzmittelstelle der Provinz Oberhessen teilt uns mit, daß tmmer 1^-01^ versucht wird, alkoholfreien sowie alkobolarmen T r r n k b r a n n t w e i n in den Handel zu bringen, oder ihn zum Verkauf an- zubieten und daß gemäß B 17 der Bekannt­machung von Grundsätzen für die Erteilung und Versagung der Genehmigung von Ersatz- 30 September 1919 (Deut- 'Ti Reichs-MMiger Nr. 225) die Herstellung a °aJretcr un^ alkoholarmer Ersätzqeträntt I«ber Art Erboten ist. Die am 15. Lember 1919 noch ,'.m Verkehr, d. h im Besitze des Handels beslndlichen Vorräte an genehmiqtcn Erzeugnissen obengenannter Art dursten wei­terhin bis zum 30. Juni 1920 im Verkehr Diewen. 7

x *. V1 V6 r fa11 aufperrKomman-- b a n t e n b e Se e e a b I e r"". Anläßlich beS Vor-

beaf Opalen von Luckner am Montag in oer nnrb uns von befreundeter Seite folgendes mttg-'teilf Graf pou Luckne- der malige Kommandan! desSeeadler"" der im bruar b. I von feinen Abenteucrerfahrleu nwr erzählte wurde kürz ich zwischen Kiel und Düst'r- brock, als er abends vom Jadstklub heimkehrte von äftei Strolchen überfallen, lyras von Luckner der feit feiner Kindheit Arbeit unb Sport wie

1 wenige temien gelernt hat, verfügt über ganz er- I fbaunUdje Körperkräfte. Seine Freunde wissen, daß er ein Geldstück zwischen zwei Fingern völlig zer biegt. Bei "bent lieber fall tut er, da er sieht, daß "bie beiden Kerle bewaffnet sind, zunächst feyr ängstlich, so daß diese an ihn heranvommen unb sich schon der sicheren Beute freuen. Wie Gras von Luckner das sieht, nimmt er den einen plötzlich bei der Hand unb drückt sie derartliebevoll"', daß bie Finger aus den Gelenken springen. Glcich- zeittg faßt er den anderen an der Gurgel unb ver­prügelt ihn, nachdem bei dem ersten der Hände­druck geroirft hatte, mit seinem eigenen Stock, datz er liegen blieb.

** D ie Umgehungsbahn bei Klein- Linden hat dieser Tage ein zweites Gleis er­halten unb es herrscht setzt ein lebhafter Güter­verkehr auf der Strecke. Besonders sind es Kohlen- züge, die aus dem Ruhrgebiet nach Südbeuffchland unb Italien gehen.

** Der Marineverein hält Sonntag, den 12. September, in Wieseck ein Sommerfest ab, öerbunben mit Preiskegeln, Preisschießen, Kinder- belustigungen und Tanz. Siehe Anzeige.

** Ter Mitteldeutsche Kaninchen­zucht verein hielt am Sonntag seine Haupt­versammlung ab. Tie Berbandsausstellung soll am 31. Df tobet in Alten-Bujeck stattfinden. Ta bie Abhaltung der Ausstellung wegen der Seuchen­gefahr auf'Schwierigkeiten gestoßen ist, so wurden drei Vorstandsmitglieder bestimmt, die am Kveis- amt vorstellig werden sollen. Als Preisrichter wur­den Viehmann-Kinz.'nbach und Ebert-Gelnhausen bestimmt. Klös-Wieftck sprach über den Zufammen- schlud sämtlicher hessischen Züchter unb bedauert, daß in diesem Sinne noch ferne geeigneten Schritte getan worden seien.

** Der Geslügel- unb Vogelzucht- Verein Gießen u. llmgeg. veranstaltet Sonntag, den 12 .September, eine Mitgliederversammlung. Siehe Anzeige.

** Eine Ausstelluna moberner Kohlensparapparate ftndet am Don­nerstag, Freitag und Samstag dieser Woche im Hotel-Mestaürant Stadt Mainz, Kreuz­platz 5, statt. Die praktische Vorführung ist von morgens 101 und nachmittags von 37 Uhr. Nur zwei Pfund Kohlen, Koks, Tors oder Hotz fallen die Apparate ben ganzen Tag brauchen, um alles in kürzester Zeit daraus zu kochen (1 Liter Wasser m 6 Minuten mit ein paar Stückchen Holz).

Landkreis Gießen.

USirflar, 6. Sept. Im Kreise feiner Familie feierte der Oekonomie-Aterwalter Heinrich Winter vom Hofgut Neuhof Bei Lang-Göns sein 50i ähnges Arbeitsjubiläum. W. ist ununterbrochen auf dem Hffgut Neuhof tätig gewesen; er ist ein geborener Leihgestemer. Am Sonntag brachte der GesangvereinEintracht""- Leihgestern dem Jubilar auf dem Neulwf cm Ständchen. Oetonomierat Müller und Gutspächter Brückmann überreichten dem Jubilar Geschenke.

Grünberg, 8. Sept. Am Montag abend lehrte hier der Landwirt Karl HewSel aus russi­scher GeHangenschast zurück. Seit Sommer 1916 war er in Gefangenschaft unb zuletzt im Lager Andeshan (Ostturkestan). Fast zwei 'Jahre waren seine Angehörigen ohne Lebenszeichen von ihm, vis kürzlich ein Heimkehrer die erste ykrclwicht von iym übermittelte und sein baldiges Kommen m Aussicht stellte. Ta er durch eine Depesche seine Ankunft mitgeteilt hatte, hatte sich eine großeIltenge Zu­schauer am Bahnhof eingesunden. Unter Varantritt der Trommler- und Pf^'er-Abteiung des Turn­vereins gaben ihm diese das .Geleite zu feiner Wohnung.

LJ Lang-Göns, 7. Sept. Tie goldene Hochzeit feiern Gastwirt Konrad Länder und seine Ehefrau Anna Elifabecha, geb. Brücke!.

Kreis Alsfeld.

a. Flensungen, 6. Sept Gestern nach­mittag fand im Saal des Gastwitts Reitz hier eine gutbesuchte Versammlung statt, in der Oss.-Stellv. Lehmann, welcher vor einigen Tagen aus sibi­rischer Gefangenschaft znrückkehrte, über seine Er- lebnm'e in russischer Gefangen,chffi spra chNachdem Bürgermeister Bräuning dem Redner den Tank der Versammlung ausgesprochen hatte, erinnerte Lehrer Bach in einem Schlußwort an die Einig­keit unseres deutschen Volkes vor 50 Jahren und ermahnte die Anwesenden, an dem wirtschaftlichen und sittlichen Aufbau unseres Vaterlandes mit- zuarbeiten.

Kreis Schotten.

e. Ulf a. 8. Sept. Wie segensreich bie Tätig­keit bet von ber hiesigen Gemeinde feit etwa einem Viettellahr hier angenommenen Gemeinbe - Jrantenschwester nnrft, beweist die Taffack«, daß die Schwester im Monat Mai 30 Kranke ge psteys und insgesamt bei 407 Kvankenbesuch-n Hufe stelentet hat. Im Juni konnte sie 25, im Juli 34 ftranFen behilflich sein, inbes sie in 554 bzw. 527 Einzelfällen ifyre Dienste ber Krankenpflege widmen

An Msnatsbeiträgen gingen für bie iroM-- tahge Einrichtung ftn Mai 274,40 Mk., im Juni 261,20 Mk., im Juli 240,70 Mk. ein, so daß die Ausgaben der , Schwesternstalion gedeckt werden können, wenn bie Beiträge in gleicher Höhe bleiben.

Kreis Friedberg.

u. Bad-Nauheim, 8. Sept. In der gestern abgehaltenen Stadtverordne­tenversammlung wurde folgendes ver­handelt: Noch dem vorliegenden Waldwirt­schaftsplan sollen im laufenden Geschäftsjahr etoa 800 Raummeter Hvlz in den städtischen Waldungen gefällt werden. Die Satzungen für den Hessischen Städtebund Atzev, Bin­gen, Friedberg, Bad-Nauheim wurden ge- nehnngt. Auf Grund eines ärztlichen Zeng- niffes lehnt Frau Ida Joanini die Ueber- nahme des durch Ausscheiden des Stadtver­ordneten Karl Hartmann (USP.) erledigten Mandats ab. Die Wahlen zum Gewerbe- und Kaufmannsgericht finden am 10. d. Mts st"". Stadtv. I. Schäfer stellt den Aniraq, daß sämtliche Eingaben, die an die Versainm- lung gerichtet werden, dieser auch bekanntge­geben werden und nicht nur im engen Kreise eines Ausschusses zur Kenntnis kommen.

^jicbberg, 7. Sept. Die heutige Sladtverorbnetenversammlung wirb durch ben Bei- ^ordneten Geh. Justizrat Windecker geleitet, ba Bürgermeister Dr. Seyb einen vier wöchentlichen Urlaub angetreten hat. Die vorgeschlagene Be- amlen-Besolbungsorbnung wirb nach längerer ^batte angenommen; bie Stadt bezahlt an Ge- lÄo» und Lohnen lahrlich die Summe von 1812 000 Mk ^ie Stadt tritt dem nunmehr end-, gültig gegründeten sog. klernen Stäbtetag als Mit-,

glieb ber. Das Mieteinigungsamt übenrimmt nach Versetzung des Herrn Dr. Wodaege Rechts­anwalt unb Dtotar Joeckel. Zu dem Üteligions- unterricht ber Israeliten leistet die politisst« Ge­meinde iverterhin einen Zuschuß von jährlich 600 Mark; die geforderte Erhöhung wird abgelehnt. Die Ansprüche eines Dozenten ber polytechnischen Lehranstalt wegen eines Unfalls werden abgelehnt. Der Einspruch der Brauerei Steinhäußer, welche zu einer Entschädigung wegen Straßenbeschädigung beim Transporte eines schweren Kessels heran­gezogen werden sollte, wird als begründet an­erkannt.

Starkenburg und Rheinhessen.

rnc. Darmstadt, 8. Sept. In einzel­nen Orten an der Bergstraße wütet die R u h r außerordentlich stark. So sind Seeheim, Brk- kenbach, Alsbach, Laudenbach, auch Heppen­heim, Hensbach und Weinheim stark vvn Ruhrerkrankungen bettoffen. Leider sind auch schon einige Todesfälle zu verzeichnen.

sw. Reichelsheim i. O., 8. Sept. Heute nacht brach bei den Landwirten Fröhlich unb Arras Feuer aus, das auf die Scheune und die Nachbarhäuser Übergriff. Die Scheunen sind voll­st änbig nicbergebrannt, während bie Häuser stark beschädigt sind. Der Schaan ist sehr bedeutend, zumal nur ein Teil ber Werte durch bie Ver­sicherung gedeckt ist. Die Scheunen waren voll­ständig mit Getreide gefüllt.

Kreis Wetzlar.

fd. Wetzlar, 8. Sept. Die Polizei be­schlagnahmte auf dem Bahnhofe mehrere Waggons Aepfel und Zwetschen, bie weit über den Höchstpreis eingekauft waren unb verschoben werben sollten. Das Obst wurde von ber Polizei zu billigen Preisen an die Bevölkerung a6gegeben.

Hessen-Nassau.

LanLratswahlen im Dillkreis.

fd. Herborn, 8. Sept. Ter Kreistag wählte tatm San brat Reg.-Mat ©art mann, nachdem der Vorschlag für Herrn von Hannemonn durch den Regierungspräsidenten zurückgezogen worden war, da gegen ihn noch ein Verfahren schwebt.

fd. Bad Homburg v. d. H., 8. Sept. Das Landgraf-Ferdinand-Denkmal im großen Tannen Walde wurde durch Bubenhände zerstört.

rnc. 'Frankfurt a. M., 8. Sept. Auf dem Hauptfriedhof fand Mittwoch früh die Beerdigung von zweien ber Opfer der Erwerbslosen-Unruh en statt. Die Frankfurter Erwerbslosen waren vollzählig mit roten Fahnen in Trauerschmuck erschie­nen. Der VolkschorUnion"" sang vor der Trauch:feier einige Choräle. Die Frankfurter sozialiftiscben Parteien hatten ihre Vertreter entsandt, die in Ansprachen das ttaaische Ge­schick der Gefallenen schilderten. Äe ließen Kränze an den Gräbern niederlegen. Die Trauerfeier verlief im übrigen in muster­hafter Ordnung. Von Demonsttationen, war nichts zu bemerken. Die erhöhte Bereitschaft der Sicherheitspolizei konnte gegen Mittag aufgehoben werden.

nie. Frankfurt a. M., 8. Sept. Die beiden äußeren Hafenbecken des Ost­hafens sollen eine Erweiterung erfahren, da­mit die Schiffe schneller entladen werden kön­nen. Auch der Floßhafen wird vergrößert. Die Arbeiten sollen im Rahmen der Not­standsarbeiten verrichtet werden.

mc. Wiesbaden, 8 Sept. Der neue Ko mm un al la nd tag tritt am 20. Sep­tember in Wiesbaden erstmalig zusammen.

Turnen, Spiel und Sport.

Fußball. Am letzten Sonntag spielte die Sicherheitspolizei gegen die zweite Mannschaft des V. f. B. unb konnte nach gleichwertigem Spiel mit 3:2 Toren ben Sieg erringen. Dis Jugendabteilung des V. f. B. war mit drei Mann­schalten nach Wetzlar zum dortigen F.-C. 0) ge­fahren i anläßlich des Kriegsgefangenen-Wobltatig- keitstages zur Austragung t>on Pvopagandaspielen. Die 3. Mannschaft bfieb mit 3:1 Toren Sieger, bie-2. Mannschaft gewann ebenfalls nach f ehr gutem Spiel mit 2:0 Toren, dagegen mußte sich die 1. Mannschaft die Niederlage von 7:2 Toren gefallen lassen, ba die WetzlarerJugend" ben Gießenern an Alter unb deshalb an Körperkraft weit überlegen war.

.Leichtathletik. Einen recht schönen Abschluß ber diesjährigen leichtathletischen Saison meldet ber Verein für Bewegungsspiele Gießen, insofern, als am vergangnen Sonntag 3 Herren der leichtathletischen Abteilung dieses Vereins in Dtuenbirrg weilten, um an den Sport Wettkämpfen be3 dortigen Fußballklubs teilzunehmm. So konnte dort unter sehr guter Konkurrenz Hans Thöt im Hocksprung und im Weitsprung je den 1. Preis, in ber Klasse der Junioren: Tualla Misipo im Weiffprung, im 75-Meter-Lauf ebenfalls die ersten und im Treikampf den 2. Pr is erringen, ebenso Kurt Braubach den 3. Dreis im Hochsprung. Tie ®ejamtergebnif)e ber leicktathletischm Abteilmr- beß Vereins für Bewegungsspiele im vergangenen Sommerhalbjahr sind folgende: 22 erste Preist (darunter 7 Ehrenpreise), 24 zweite unb 10 dritte Preise. Dieses ist für den erst ein Jahr bestehenden Verein ein Erfolg, wie er hier in Gießen nur einzig dasteht.

H undespo rt. Einen großen Erfolg hatte der hiesige Verein Hundesport auf ber großen allgemeinen Ausstellung am Sonntag in Hanau äu verzeichnen, indem nachstehende Mitglieder des Vereins mit ihren ausgestellten Hunden in starker Konkurrenz folgende Preise errängen: .August Schwan mit seiner Gnrppe rauhh. deutscher Pinscher sieben 1 drei 2., 3 Ehrenpreise sowie den 1. Staatspreis für beste Grupve und Gesamt­leistung; E. Niemann für deutsche Boxer vier 1., otoet 2. unb 1 Ehrenpreis; F. Schreiner für deut­schen kurzh. Vorstehhund einen 1. und Ehrenpreis für besten Teutsch-Kurzhaar der Ausstellung; Will). Bach für deutsche Boxer einen 1. und Ehrenpreis; prau Doktor Pauli für französische Zwergbull- bogge einen 1. und Ehrenpreis: Schön-Lollar für deutsch, langhaar. Vorstehhund einen 1. unb Ehren­preis. A/iefe schönen Erfolge dürften den Beweis erbringen, wie verständnisvoll die Zucht edler Hunderassen in Gießen gepflegt wird.

««Nst tittö wisse«,ychayt.

rrn. Ta rmstabt, 8. LEpi. Die Opern» Spielzeit des Landestlwaiecs begann gestern abenb mit einer wirkungsvollen Neueinstudierung Lohengrin s"", in ber bie neue xuLenplich-