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Der Siegelt«

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Montag, 9. August 1920

170. Jahrgang

ÄRnahme von Anzeigen für d.e Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Derdindlichkeit. Preis für 1 mm ls-he für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mro Breite 150 Pf Bei Platz. Vorschrift 20°,. Aufschlag, .^auptschristleitkr^ Aug. Goch. Verantwortlich für Politik: Aug. Voetz: für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenletl: $5- B«k, sämtlich in Bietzen.

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheßen

ümd und Verlag: vrühi'sche Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Zchristlertnng, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchnlstratze 7.

die Revolution zu untcrftüßcn, tot: den rnonarchi-

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all in

An auch teil* hk» bis-

biefcm ^iege die ihm durch den Versailler Vertrag übertragenen Ausgaben zu erfüllen.

Gras 5sorza über die Politik gegenüber Rußland.

Oesterreich und Rumänien.

Wien, 7. Aug. (Wolff.) In B u karest begannen die Verhandlungen der österrei­chischen Delegierten mit der rumänischen Regierung über ein provisorisches H a ub^l s- ab kommen. Von österreichischer Seite wurde der Entwurf eines Abkommens über­reicht, der gegenwärtig von den rumänischen Stellen geprüft wird. Die rumänische Presse begrüßt die Wiederaufnahme der Beziehun­gen zwischen Oesterreich und Rumänien warm.

Die rumänische Regierung ist bemüht, die den Handel mit dem Auslande hemmenden Beschränkungen zu beseitigen und hat einen Gesetzentwurf über die Aufhebung der Aus­fuhrverbote eingebracht.

Revolution in Persien?

Paris, 8. Aug. (Wolff.» Nich terChiea-- gioer Tribüne" will t<is> Konstantinopler Blatt Sabch" erfahren haben, in Persien sei die Republik erklärt worden und der Schah habe abgedankt. Tie prsische BoffclZatt in Konstantinapel erkläre, keine derartige Nachricht erhallen zu haben.

solle, auf der nach Beendigung der^Wasfer standsoerhand'ungen über Frieden zwischen ! schau und Moskau beraten werden ]ole. dieser Konferenz würden wahrscheinlich Deutschland und die Dftfce ft (taten nehmen. Dieser Beschluß bedürfe noch der uehmigung der franzö i'chen Regierung, die her noch nicht erngetroffen sei.

A m st e r d a m , 7. Aug. (Wolff.) Ter lamentarische Korrespondent desTrines" meldet zu der gestrigen Unterredung zwischen Lloyd George und den russischen Vertretern daß der Inhalt der Note Kamenews in allen Einzelheiten durchgesprocheit worden sei. Außer­dem seien die Bedingungen des Waffenstillstandes zwischen Polen und Rußland erörtert worden. Ueber das Ergebnis der Unterredung werd? Ka- mcneiv direkt nach Moskau berichten. Von Lenins Antwort aus diese Mitteilungen werde es abhängen.

HavaSnote zu folg? will manBen slst ixTur ge­funden haben, daß die letzten Streiks der An­gestellten des öffentlichen Dienstes im Saar g e ­riet durch den Heimatdienst, den deutschen offi­ziellen Propagandadienst, aus Bctriiben bei. beut» ^en Negierung h?rvvrgerusen wurden. Bet dem ehemaligen Reichstagsabg-'ordneten Ollmert, der von Berlin zurückkehrte, habe man ein wichtiges Llktenbündel gefunden, das eilten ganzen Aktious- und Agitationsplan für das Saargebiet enthielt. Tie Note führt weiter aus, daß dieideutsche iRegie- rung für das Jahr 1920 eine Unterstützung von 5 Millionen Mark bewilligt habe, um durch die alldeutsche Propaganda im Saargebiü den Völker­bund mit allen Mitteln daran zu hindern, in

Paris, 8. Aug. (Wolff.) Die Pariser Morgenpressc bespricht den Schritt, den der deutsche Gesandte in Warschau, Graf Obern- d o r f s, wegen der lebhaflLN Agitation der pol- nischeir nationalistischen Elemente gegen die Ein­wohner deutsche Mstammung in den abgetretenen Gebieten bei der polnischen Regierung unternom­men hat. TerPetit Parisien" sagt, man tolle sich hier eine Gelegenheit schassen, wieder m den Besitz Posens imb des Korridors von Danztg zu kommen, sür den Fall, daß die Erfolge der Bol- )LN)isten andauerten. Das besiegte Polen werde alsdann wiederum eine Beute derjenigen, die es schort einmal unter sich aufgeteilt hätten. Das Journal" erklärt in Besprechung der deutfaren Note, das einzige Mittel, die Gefahr zu beseitigen, sei, Polen zu retten und eine solide Barriere aufzurichten, die der Frieder.svertrag Don Ver­sailles nur habe skizzi?rett können. DerMatin schreibt, Deutschland protestiere gegen die Dal- tung der Polen gegenüber der deutlchen Bevölke­rung. Zu gleicher Zeit kündige es den Alliierten an, daß es Schutzwehreu in Ostpreußen bilde, und Reichswehrtruppen in den Bezirk Allenstem entsende, d. h., daß es für jeben Fall an der Grenze Rußlands und Polens Truppen aufstelto und bereit sei, zu handeln. Es sei unmögliu,, zwi scheu der deutschen Methode und der bojicfe1 wistischen Methode nicht eine eigenartige Gleich­förmigkeit zu erblicken. DerMatin" wetst auch aus die Acußerungen des Sowjetvertreters Kopp bin, er habe mit der deutschen Industrie ver­handelt. Die deutschen Generale hätten mit rum sch^n Generaleir verhandelt. Deutschland sei über-

und gefährlich abgelehnl haben."

General Hoffmann scheint zu der Gruppe derer zu gehören, die für die deutschen Inter­essen aus der neuen Entwicklung im Osten sich nichts versprechen. Indessen scheint uns die Neutralitätspolitik in der Form, wie der Reichsminister Dr. Simons sie vertritt, den­noch richtig und weitausschauend zu sein. Es schadet nichts, wenn die Entente den Eindruck gewinnen sollte, daß ihre bisherige Politik Deutschland schließlich zu verzweifelten Schritten drängen könnte. Biel nutzloser wäre eine Erklärung gewesen, die heute von der Deutschen Zeitung" gefordert wird. Das Blatt sagt nämlich:Hätten wir von vorn­herein klar erklärt, daß wir unter keinen Umständen daran denken, mit den Bolsche­wisten in freundschaftlichen Verkehr zu treten, so hätten wir den Franzosen ein wirksames Agitationsmittel entzogen." Dazu wäre zu fragen: Was wäre mit einer solchen Er­klärung wohl gewonnen! Die Franzosen würden wahrscheinlich in ebensolcher Weise Hetzen, wie sie es jetzt tun, und schließlich hat man sich ja zu fragen, ob solche Hetze Frankreichs nichts schließlich gerade die Eng­länder und die Amerikaner zur Besinnung bringen muß. Es ist durchaus wünschenswert, daß der ungebändigte Haß des westlichen Nachbarvolks bei der richtigen Gelegenheit rechtzeitig zur Ohnmacht gebracht wird. Das ist auch ein Ziel, an das wir im Zusammen­hang mit der Verwicklung im Osten denken müssen.

Paris, 8. Au«. (WTB.) Die Konferenz zwischen Millerand und Lloyd George begann in Hylhe heute vormittag 10 Uhr 15 Minuten unb bauerte bis 1 llhr 30 Minuten mit­tags. Um 2 Uhr 30 Minuten nmrbc folgendes CommuntquS an5 englischer Quelle veröffentlicht: Die englifdje Regierung hat von den Sowjets eme endgültig- Antwort auf die Note, die ihnen am cffeitag überreicht wurde, nicht erhalten Indexen erhielt sic Andeutungen über die Absichten der Bvlschermsten und sic lassen voraus etzen, daß d:e: sich weigern, der vorgeschlagenen Einigung 3u.1i' stimmen. Man weiß, daß nach der Konferenz, die "loyd Gev'g?, Bonar Law und Lord Curzon am Freitag mir keu Däuptdekegierten rer -o.iffe.» regierung t.i Xtonbon hatten, ein Memorandum nach Moskau gesch'ckt wurde, um den Abschluß einer Waffenruhe für die Zeit von zehn Tagen an der russisch-polnischen Front zu erlangen, unter der Dedingimg, daß man beiderseits in den Stellungen verbleibe, ohne si» während die "er Zeit zu vr- befiern. Da sich di: Sowjets weigern, die Ope­rationen, zu unterb)\-cfjen, fand den ganzen Vor­mittag ein reger Meinungsaustausch über die zu

Der Zusammenbruch Polen;.

Köln, 7. Aug. (WTB.) Unter der UeberschriftDec Zusammenbruch Polens" läßt sich dieKölnische Zeitung" von ihrem Warschauer Berichterstatter folgendes berich­ten: Die Lage Polens entwickelte sich zu einer militärischen Katastrophe und zum völligen innerpolitischen Zusammenbruch. Selbft die militärischen Ratgeber Polens, die Franzosen, gaben am Donnerstag mittag ihren Schützling preis und bestellten bei dem deutschen General­konsulat für sämtliche Missionsmitglieder schleunigst Pässe zur Abreise. Wegen Personal­mangels bei den deutschen Behörden übernah­men drei französische Majore die Schreibarbeil im deutschen Generalkonsulat. Die einzige militärische Hoffnung Polens, die von Gene­ral Haller aufgestellte Freiwilli^enarmee, leistete in den ersten schweren Kämpfen, die sie Anfang dieser Woche mit dem Feind an oer Nordfront hatte, zwar teilweise unter unge­heuren Verlusten Heldenmütiges, versagte teil­weise aber auch vollkommen. Zersetzend wirkte besonders die eigenartige Stellung der fran­zösischen Generalstabsoffiziere, des Generals Weygand, die als Berater den höheren Stäben beigegeben waren. Das militärische Ehrgefühl der Polen sträubt sich dagegen, sich von den Franzosen bevormunden zu lassen. Häufig wurden von den polnischen Führern des einen Abschnitts Befehle ousgeführt, im Nachbacab- schnitt aber außer Acht gelassen, so daß das Endergebnis dieser sogenannten französischen Hilfe-eine heillose Verwirrung der Komman­doverhältnisse an der Front war. Am Diens­tag und Mittwoch wurde das letzte Hindernis für den Vormarsch gegen Warschau, der Flutz- lauf des Bug, in vierzig Kilometer breiter Front zwischen Janow und Drohyychin über­schritten. Hierbei wurde eine Brigade der Freiwilligenarmee derart auseinandergetrie­ben, daß die Trümmer in aufgelöften Trupps bis Warschau zurücksluteten .und a gerrsfen, ermattet, verwundet oder gemnd, Aer ohne Waffen, in Rudeln von 20 bis 40 Mann,

Eine Rede der Re'chrfinanzministerr.

Frankfurt a. M., 8. August. (WTB.) Nelchsfinanzminister Dr. Wirth be* handelte heute auf einer Konferenz der Zentra mspartei eine Reihe nichtiger Fra^ gen der äußeren unb inneren Politik. Im russisch-polniscl>en Kriege nmßte Deuts chlmidruhig Blut und unbedingte Neutralität" bewahren. Will hätten keinen Anlaß, uns für> den französisclien Kapitalismus in einen Krieg zu stürzen. Anderer-' seits aber könne man auch nicht alles fceil vom Osten erwarten. Was die Genfer Konferenz bringen werbe, fei noch imgewiß. Jeden­falls tömiien die in französischen Zeitungen ge­nannten phantastischen Summen von Deutschland ganz unmöglich bezahlt werben, selbst toenn es hundert Jahve auf das schwerste schaffte. Die itoge im Innern gebe der äußeren an Schwierigkeit iund Gefährlichkeit nicht nach. Bei einer Schuldenbist von 240 Milliarden Mark stehe der finanzielle Zu^ sammenbruch drohend vor der Tür. Die über 40 Milliarden Reichsschulden für die Uebernahme bet Eisenbahnen sind in dieser Sunrmc noch nickst einmal enthalten. Für die Beschaffung von we­nigstens einer Million neuer Wohnungen müßten weitere 50 Milliarden aufgebracht werben. Bei einer Sabotage der Einkommensteuer, wie fid bereits mehrfach versucht wurde, der Zusammen­bruch unvermeidlich. Trotz aller düsteren Aussicht ten wolle die Regierung mit aller Kraft und Zähig­keit roeiVerarbeiten, um wenigstens die Anfänge der Wege zur Rettung und Gesundung zu bahnen. Die Schaffung der sozialen Republik iioerbc zu ihrer Lösung noch das ganze 20. Jahrhundert in An­spruch nehmen und könne überhaupt nur dann ge­löst werden, wenn jedep deutsche Mann unb jede deutsche Frau daran mitarbeite, daß ein neuer Geist das deutsche Volk mit dem Ideal werktätiger Näch­stenliebe erfülle.

ob die Krisis gelöst werden könne.

Paris, 8. Aug. (Wolff.) Wie der . Matin" mrs 2ouboit meldet, 'hatte Lloyd George gestern lukbenim eine lange Unterredung mit SB a - jneuDto und Krassin. Mm glaube, die eng» lisck)e Regierung sei bereit, ihren ersten Standpunkt mifrechtz!uerhalten,d . h. die Eröffnung von Waffen­stillstands- und Friedensverhutoümgen anzuraten. In Londoner 'offizielle Kreisen sei man heute et­was optimistischer.

Meinungsaustausch in Washington.

Lorndon, 8. Aug. (Wolff.) Reuter. Zwischen Washington, London unb Parts findet fortgelebt ein reger Meinungsaustausch über die polnische Frage statt. Es ist bekannt, daß die Alliierten veriuchswn e den P an für eine von Amerika an Polen zu gewährende Hilfe in Vor­schlag brachten: die Einzelheiten werden mdessen sorgfältig geheimgehalten.

Pariser Hetzereien.

slawicns an bet Lösung noch viel großer. Ter Streitfall ist nicht unlösbar, wenn der italteitifdun Mäßigung auf der anderen Seite Verständnis für die unerläsüickie Notwendigkeit entspricht, daß Italien an seinen Grenzen Garantieii hal^n muß. aus die es nicht verziclsten kann, und füifc>.< Orilige fpvtwendigkeit, daß der freie Wille von Siädttm gewal-rt wird, die nach Rasse und Enrrffuoden italienisch sind.

Rom. 7. Aug. (Wolff.) '.'lnläßlich der Be­ratung über den Frieden von St. Ger­main in der italienischen Kammer führte Wrai Sforza weiter aus: Bon den beiden Möglich feiten einer Politik gegen Rußland hat diejenige einer Stachelbrähtabsperrmig überall Löcher be- Ännnen. Tie Blocbadepolitik aber brachte Ruklano mehr moralischen Vorteil als gr ifbaren schaden. Diese Politik ist nicht nach dem Sinne des 'iialrem- sckren Volkes, das gern mit den Regierungen und Völkern fühlt, denen nach inner Meinung Gewalt geschieht Tas kommunistische Experiment muß sw) in Rußland bis zu Ende ungestört entwickeln und der Bdlschckwismus soll aus eigener Kratt fortbestehen oder unter gehen; er daN aber nicht zum Märtyrer gemacht werden. £e ungehinderter der Verkehr mit Rußland ist, um so fester to:rb hrm-re gesunde und klare lateinische Denkart an den fieberen und schnellen Entwickelung unserer Jahrhunderte alten Ueberlieferuug toshalten. Teswegen haben wir mit der Regierung in Moskau ein Abkom­men getroffen, das die Zulassung eines russischen Agenten in Italien und eines italienischen Agenten in Moskau betrifft. Tiefe Agenten sollen tm der Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zwi­schen den beiden Landern arbeiten. Ter russische Agent wird erwartet unb wir werben seine Reise erleichtern und er wird in Italien das freieste sGast- reckt genießen. Natürlich versteht es sich ganz von selbst, baß dieser russische Agents sich nicht in »ore inneren italienischen Angelegenheitcn einmpchcn darf. Gleichgültig, ob die Russen ste wollen oder nur ertragen, führ Graf Sfor-a fort, die Re­gierung in Moskau besteht und wir können nicht wünsKn, daß Europa die Einbildung, als ob Rußland nicht ba fei, länger fvrtsetze. _

lieber die ad r iatische Frage tagte Gras toneraien oervanoeir. aeuvcyiano iti uuti- Sforza: Wenoi^ Italien euch ein Jnt-ercsff der Rußland; bolschewfftisch in Moskau, anti-» Lösung dreier ^age hat, io r|t bas ^tterciiefSu d-

Die neuen Besprechungen Lloyd Georges und Millerands.

Heber die neue Konferenz zwischen ben leitenden Staatsmännern Englands und Frankreichs liegen heute ziemlich wider- ipruchsvolle unb unklare düachrichten. vor. Die Melbungen aus französischer Quelle be­mühen sich, ben Ernst ber Lage nach Gebühr herauszustreichen, wobei ber Wunsch nach einem offenen Konflikt mit Rußlanb, in ben auch Englaub eüblich hineingez-ogen werden soll, ber Vater bes Gedankens ist. Auch das 'Kommunique, das aus Paris mitgeteilt wirb unb angeblich aus englischer Quelle stammen soll, atmet biesen Geist bes Komslikts. Auf tzer anbereu Seite werben aber Meldungen verbreitet, bie auf bie Fortsetzung eines sehr regen Meinungsaustausches zwischen ber Entente und Rußland hinauslaufen. Es heißt sogar, es seien bereits aussichtsreiche Fest­setzungen über das Zustandekommen eines baldigen Waffenstillstandes erreicht worden. Die Lösung der außerordentlichen Spannung wird aber erst dann ein treten, wenn wir ge­nauer wissen, welches die Ziele Sowjetruß- lands sind, und ob die Herren Lenin, Trotzky und Tjchitscherin geneigt sind, an vertragliche Abmachungen sich auch ernsthaft zu halten. Die biplomauichen Noten Tschitscherins sind, was seine Endziele anlangt, in ein ebenso zweideu­tiges Dunkel gehüllt als es die Kundgebungen der früheren Diplomaten Rußlands schon immer waren. Es klingt, als sollte die Entente leise verspottet werden, wenn von Moskau aus versprochen wird, Polen solle seine Freiheit und Hnabhänaigkeit behalten und womöglich uoch weitere Grenzen erhalten als die Entente ihm ciiigeuäumt habe. General Hoffmann, der bekanntlich die deutschen Unterhandlungen mit Sowjetrußland in Brest-Litowsk geführt hat, soll dieser Tage einem Vertreter der amerika­nischen Presse gegenüber erklärt haben, die Moskauer Sowjetregierung werde grundsätz­lich an keine von ihr vertraglich übernommene Verpflichtung auch nur vorübergehend sich hal­len. Ihre Zwecke seien Weltrevolution und Welteroberung.Hätte ich," so sagte der Ge­neral,zur Zeit der Verhandlungen in Brest- Litowsk die Sowjetregierung so gut gekannt, Ivie ich sie jetzt durchschaue, so würde ich schon damals jede Verhandlung mit ihr als nutzlos

Der Vormarsch aus Warschau.

Warschau, 9. Aug. (WTB.) Havas. Es werden starke bolschewistiscye Truppenkonzen­trattonen vor Warschau und im Norden der Stadt gemeldet. Man erwartet einen weitausholenden Angriff der Ro­ten Truppen, um den Bormarsch auf die Hauptstadt zu versuchen.

Die deutsche Kolonie in Warschau.

Berlin, 7. Aug. (WTL.) AaS Warschau wird gemeldet, daß ein großer Teil ber de iri­schen Kolonie bie Stabt verlassen hat. Ter deutsche Ges an die Graf Oberndorfs ver­blieb auf seinem Posten.

Ein öfterreichisch-rnsfischer Gehcim- bcitrog?

Am st er da in, 7. Aug. (Wolff.) Wie dieTi­mes" aus Newyork erfährt, hat der amerikainsck>e Staatssekretär Evlby einen Geheim v er­trag veröffentlicht, der zwischen O e st e r r e i ch und Sowjetrußland abgeschloff.'N ur'rcert fern soll. Nach dem Verborge verpslichlket sich die öfter» reicksts-che Regierung zur vollkommenen Neutra­lität bei jedem neuen Kriege gegen Sowjet-Ruß­land imb zur Verweigerung der Durchfuhr von Kriegsmaterial zu Gunsten der Feinde ber Sowiet- republif. Ferner soll ber Vertrag bie Wieder.nff- nähme der frn-mziellcm, wirtschofilichen imb polni­schen Bezickhimgen enthalten und außerdem bühnt» men, daß alle ehemaligen Mitglieder der imgari- scheu Sowjetregierung, die sich jetzt in Oesterreich aufhalten, frei gelassen imb nach Sowjetrußlaird zu- rückbefördert werden sollst.

Rußland und Rumänien.

Paris, 7. Aug. (WTB.) Nach einer Havas- melbung aus London hat die russische Re g ie- rung einen Funkspruch an bie r itinänil d>c Regierung gerichtet, tu dem sie sich bereit er» flärt, Verhanblungcit aufzunchmeil. um bie schve- benben territorialen unb wirtschaftlichen Fragen zu lösen. Tie Solchetregierung schlägt als Verband» lungsort Charbaw vor.

ben Worten: Die Lage ist ernst.

Lonbon, 8. Aug. (WTB.) Nach einer Reutermelbung ivird keine Auskunft über bie heute nachmittag in Hythe abgcl-altenen, Be­ratungen gegeben. Es sei wahrscheinlich, datz bt< Beratungen ber Konferenz noch morgen den Mmzen Tag in Anspruch nehmen toenäen.

P aris, 9. Aug. <WTB.) Nach einer Havas- depesche aus Hythe hat die öPiuietregiening tro-n Moskau die englischen Vorschläge etto- gültig angenommen. Mum berichtet, baß btt polnischen und bolschewistischen Telegterten sich liommenbeu Mittwoch in Minsk treffen weriwn, beim es sei vorauszusehen, daß die Bvlicheimitcii und die Polen sich unter sich allein ver­ständigen.

Lonbon, 9. Aug. (WTB.) Reuter meldet aus Hythe, baß bie französischen Dele­gierten morgen nachmittag nach Frankreich zurückkehren werben. ,

Paris, 9. Aug. (WTB.) Nach emer Havav- melbimg aus Hythe bauerten bie Beratungen am Sonntag bis abenbs 7.30 Hhr an. Man glaubt, baß' bie Sowjets sich weigern, bie an gebotene Waffenruhe anzimehmen, weil sie Zeil gewinnen wollen, um Warschau einzunehmen, ^.ie militärischen Sack)verstänbigen werden ben Auf­trag erhalten, bis Montag vormittag einen Be­richt über bie zu ergreifenden Maßnahmen auszu­arbeiten. Es scheint eine Verschärfung ber Blo ckabe gegen Rußkknd in Aussicht genommen zu fein. Lloyd George habe sich davon überzeugt, baß bie Ewaltung Polens für bie Sicherheit Europas notroenbig sei.

Eine Konferenz in London?

Amsterbam, 7. Aug. (Wolff.) Der respondent desEvening «Standard" erfährt, imß bie englif che R egierung trotz des unbe- friebigenben Charakters ber nffsifchm Antwort, ben Vorschlag annehmen werde, baß dennoch rn London eine Konferenz abgehalten werben

treffenben Maßnahmen statt, ber um halb 3 Hhr I bolschewiftifch in ber Hkrarne. Es Jet ebenso bereit, nachmittags wieder aufgenommen werden soll, bie Revolution zu unterstützen, wie ben monarchi- LorS Bibbell, der dieses Communiqus ben Jour-1 stischen Staatsstreich zu ermutigen. .

nalißen mitteilte, beendete ferne Erklärungen mi? Straßburg i. Elf^. 8. Aug ^inei