Arrr Sern rleictze.
Aus den RcichstagSausfchüssen.
Berlin, 8.- Juli. (WTB.) Der Haupt - ckusschuß des Reichstags beriet hmte den Haushalt des Reichsministeriums sirr Ernährung imb Landtpirtschast. Die neu angeforderten Be- amtrnstelten wurden gegen den Antrag derDeutsch- nationa.en bewilligt. Von verschiedenen Seiten wurde schnellster Abbau der Kriegsgcsellschaften verlangt, der seitens der Regierung als im Gange befindlich beseitigt wurde. Beim Haushalt des Reickrssrnmizministermms wurde ein Antrag Bauer (Soz.) angenommen, wonach für den Eisenbahner- lohntaris die nötigen Mittel in den Etat eingestellt werden sollen, ebenso ein Antrag Burlage (Ztr.), die Tarifverhandlungen mit den Staatsarbeitern baldigst zum Abschluß zu bringen.
Eiftnbahnerbeivegnng.
fd. Frankfurt a. M., 8. Juli. Die Eisenbahnverwaltung und das Verkehrsministerium haben den materiellen Teil der seit einem halben Jahr gepflogenen Tarif der Handl urigen für die Eisenbahnarbeiter genehmigt. Die Betvilligung der Mittel liegt jetzt der Regierung ob. Dre Le^ tung des Deutscher: Eisenbahnerverbandes hat sich telegraphisch nach Spaa an das _ dort weilende Kabinett getvandt, um den Tarifabschluß in wenigen Tagen unter Dach und Fach zu bringen. Nach den von dem Ministerium genehmigten Sätzen beträgt der Stundenlohn für den gelernten Arbeiter 5,30 Ml., der Mindestsatz 5,10 Mk. Hierzu kommen noch Kinderzulagen und für die teueren Orte Teuerungszulagen. Ungelernte Arbeiter erhalten für die Stunde 4,60—4,90 Mark. Ter neue Tarif, um den monatelang mit großer Erbitterung gekämpft wurde, tritt vom 1. Juni dieses Jahres ab rückwirkend in Kraft.
Zur Verkhrslag? im Ruhrrrvier.
Essen, 8. Juli. (WB.) Die Ko hl en fü r- betun g bin Zechen im Ruhrrevier ging in der vergangenen Woche vom 28. 6. bis 3. 7. noch weiter zurück. Die Beteiligung an den vertraglich 311 fahrenden Ueberschichten nimmt ab. Eine Reihe von Belegschaften hat auf Beschluß des Betriebsrates die Ueberschichten eingestellt. Als Hauptgrund hierfür wird die schlechte Brot- Versorgung bezeichnet.
Di-r U.S.P. D. und die 3. Jnttniationale.
Berlin, 8. Juli. (WTB.) Wie der „Vorwärts" meldet, richtete die 11. S. P. D. an den zur Zeit in Moskau tagenden Kongreß des Vollzugsausschusses für die dritte Internationale das Ersuchen um Ausnahme. Der Kongreß stellte zehn Punkte als Beringungen für den Eintritt der U. S. P. D. in die dritte Internationale auf, deren letzter dir Bereinigung der N n a b h ä n gi g e n mit den oeut scheu K o m m u n i ft e n fordert. In einer Konferenz der Führer der Unabhängigen wurde beschlossen, diesen Punkt abzulehnen, selbst auf die Gefahr hin, daß "die U. S. P. D. von der dritten Internationale ausgeschlossen werde.
Berlin. 9. Juli. Zu den Bedingungen, von deren vorbehaltloser Annahme die Bolschewisten die Aufnahme der Unabhängigen in die dritte Internationale abhängia machen, wird im, „Vorwärts" gesagt: Die deutschen Arbeiter, die mit Klara Zetkin von einem kommunistischen Paradies träumen, werden überrascht sein, wenn sie heute die russische Auffassung kennen lernen, die den restlose.lt Verzicht auf sozialistische Methoden zur Erreichung des Sozialismus mrb ihre Ersetzung durch den geistlosen .Appell an die Waffen bedeutet. Die ganze Sache läuft auf die Ersetzung d e s K l a i s e n k a m - pfes durch den Bürgerkrieg hinaus.
Hus Hessen.
R. M. K. Darmstadt, 7. Juli. Der Finanzausschuß der Ständeürmmer beriet heute zunächst die Kap. 105, Finanzminifterium, 106, Hausverwaltung, 107, Hauptstcratskasse, 108, Kataster, die ohne Debatte Erledigung fanden. In Kap. 109, Bauwesen, sind für Umänderungen im Rittersaal bat Feste. Otzberg zur Verwendung für Jugendherbergen ^ntsprechnide Beträge vorgesehen, und soll von der Regierung Auskunft erbeten werd.'N, ob hierdurch auch die Altertüm- lid Ecii des Saales gewahrt bleibt. In Kap. 110, Brücken und Uebersahrlen, wird auch die Regierungsvorlage besprochen, welche die Sätze ent- spreck)end erhöht und abrundet. Die Sätze werden nickst beanstandet, nur die Dutzendkartcm für Ar- Leiter sollen verbilligt werden. Auffällig werden die hohen Kosten des Betriebes bei der fliegenden Brücke bei Oppenheim gefunden. Es soll Auskunft hierüber erbeten werden. — Kap. 111, Landesamt für Wetter- und Gewässerkunde, wird genehmigt. In Kap. 112 wird der ftn Vorjahre geäußerte Wunsch die Betrickbskran^nl'asse aufzulösen und mit der Ortskrankenkasse zu vereinigen, erneuert. Kap. 113, Privateisenbahnen, 114, Münzweien, 115, Staatsrenten, 117, Postgebühren, 118, Ausleihungen und Staatsschuld, 121, Reste aus früheren.Jahren, 122, Forst- und Ka- meralgüter in Forstverioaltung, 125 Braunkohlenwerk LudwigAhoffnung, 126, Salzwerk Bad-Nauheim, werden ohne Aussprache ge= nehmigt. Hieran schloß sich eine Beratung mit der Regierung über Kap. 2, Forst- und Kameralgüter, inÄesondere auch über dir Holzfrage. Hu der Frage der Kommunal so rstwarte stellt die Regierung ein Ermächtigungsgesetz in Aussicht, durch welches eine Neuorganisation in der Weise vorgesehen ist, daß, tvo dies möglich wie beim Staat größere Bezirke gebildet werden sollen, wobei die Bezahlung wie bei den Staatsbeamten erfolgt; wo nur kleine Bezirke möglich sind, soll durch Teuerungsbeihilfen ein Ausgleich erfolgen. Nächste Sitzung Donnerstag, 9Vr Uhr, mit der Regierung 11 Uhr.
Unangenehme Folgen, die sich bei der letzten Domänenweinversteigerung gezeigt baden und die sich auch mehrfach bei anderen Weinversteigerungen g^eigt haben, wurden in verschiedenen Sitzungen des Finanzausschusses be- sprochm. Es ist Tatsache, daß vielfach die zu böhcn Preisen gesteigerten Werne bis jetzt von den Steigerern weder abgenommen noch bezahlt iturben. Es konnte fest gestellt rverden, daß in vielen Fällen Kommissionäre die Werpe in der Erwartung, daß sie gute Abnehmer finden, ungeheuer in die Höhe getrieben haben und nunmehr nach der eingetretrnen Stockung im Weingeschäft und dem ungeheueren Preisrückgang die Weine nicht atstoßen können. In manchen Fällen wird man sich ja an die Kommissionäre halten können, vielfach wird aber selbst die Differenz, die Id einer neuen Versteigerung der Weine allerdings nicht gering ist, nicht bnzutreiben sein. So soll ein Kommissionär in Bingen ohne nennenswertes Vermögen Käufer von Weinen im Werte von über 2 Millionen Mark Wert fein, ohne sie «Lietzen zu können. Hoffentlich ist dieser Unfug nun eni gültig beseitigt.
Ziel.
*
ie Bewohner Gießens seien nochmals gebeten n Turnern besonders den auswärtigen, durch
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Beflaggung ihrer Häuser einen Willvommengamß
mc. Frankfurt a. M., 7. Juli. Der Magi- ftrat plant bekanntlich die Einführung einer Dienst boten steuer. Der Frankfurter Hausfrauenverein bat jetzt die Stadtverordnetenversammlung um Milderung des Entwurfs gebeten. Er wünscht, daß die Haushaltungen mit einem Dienstmädchen von dieser Steuer befreit bleiben, weil dort die Arbeitshllfe keinen Luxus, sondern eine nnrtschaftliche Notwendigkeit bedeute.
fd. Frankfurt a. M., 8. Juli Vor etwa zwei Wochen wurde bei einem Einbruch in Griesheim ein dortiger Einwohner von den Einbrechern über den Haufen geschossen. Die Täter wurden bei einer Streife im hiesigen Bahnbofsviertel in dem 20jährigen Willi Eitert und dem ebenso alten Schlosser Jungnickel ermittelt und festgenommen. Eifert ■ .id, bisher sieben Einbrüche in Griesheim umtbt zu haben. Er hat auch den Griesheimer Einwohner erschossen und ließ jedesmal, wenn er einen Einbruch verübt hatte, durch feine Hehler die Beute mit einem Automobil abholen.
4 Marburg, 7. Juli. In Großsee ll)eim, Schönbach, Niedewold, Schönstadt usw. sind Lohn streitigkeiten zwischen Landw sr- ten und Gesin de ausMbrochm.
zu entbieten.
* * Schüler-Wetturnen. Alle diejenigen Schüler, welche an dem am Montag nachmittag ftattfiildenden Wetturnen teilnehmen, versammeln sich zu einer Probe der Freiübungen am Samstag nachmittag 3 Uhr auf dem Os - waldsgarten (s. Inserat).
* * Städtische Kirs chen. Der am Donnerstag in Aussicht gestellte Waggon Kirschen trifft voraussichtliche in aller Kürze ein. Weiteres wird nach bekannt gegeben.
* * (F r e i b a n k. Samstag, 10. Juli, werden von 1—3 Uhr die Nrn. 451—550 beliefert.
* * D i e Kl e i n'hande l s g e s chft f te werden vom Lebensmittelamt gebeten, die Zucker- bezu gs scheine für den Monat Juli am morgigen Samstag auf dem Lebensmittelamt abzuholen.
* * Kokosfett. Die gestrige Notiz ist dahin zu berichtigen, daß Kokosfett in Frankfurt zu 35 Mark das Kilo abgegeben wird, während in Gießen dasselbe Fett unter 30 Mark das Kilo zu 'haben ist.
* * Bestrafter Wilderer. Ter Jagdpächter des Staufenberg-Mainzlarer Reviers faßte am vergangenen Sonntag früh einen Wilddieb auf frischer Tat ab. Nach Verabreichung einer Tracht Prügel, die der Persönlichkeit des Pächters nach zu urteilen, ganz gewaltig ausgesÄlM sein mußte, ließ -er den Burschen laufen.
* * Straßensperre. Tie Teilstrecke der Kirch ft raße -vom Kren^mgspnnkt der Wetzstein- gasse bis yur Neustadt wird ttopt lO.bis 13. Juli für jeglichen Verkehr gesperrt.
Kreis Büdingen.
ba. Büdingen, 9. Juli. Das junge Brautpaar Prinz Karl zu Psenburg und Prinzessin Marie zur Lippe, das am Montag abend hier angenommen ist, wurde am Bahnhof von dem Vater Prinz Lllfred, Fürst Wolfgang und dem Prinzen Diether willkommen geheißen.
h. Nidda, 8. Juli. Ter Evangelische Bund, Bezirksverband Nidda, veranstaltet Sonntag den 11. Juli ein Waldfest am Harbteich. Ter Generalsekretär des Ev. Bundes, Pfarrer Haupt aus Tarmftadt, kommt und bringt seine Befsunger Jugendvereimgung mit, die das Schauspiel „Andreas Hofer" zur Ausführung bringen wird.
Krris Alsfeld.
np. Ober-Ohmen, 7. Juli. Nächsten Sonntag den 11. ds. Mts. wird auf dem „Kirchberg", einer in nächster Nähe unseres Ortes gelegenen, schönen Waidanhöhe, ein Jugendfest stattsinden, woran die Schuler aus nächster Um- gegenb, der Posaunenchor aus Unterseibertenrod und gemischte Chöre teilnehmen. Als Festredner sind gewonnen Schulrat Huff- Alsfeld und Lehrer Dvllinge r-Obergloen.
Hessen-Nassau.
Di« Kriminalität der Schieber und Schleichhändler.
fd. Fr ankfur t a. M., 8. Juli Als ein Zeichen der Zeit kann es angesehen werden, daß unter den 17 Personen, die am Mittwoch abend bei einer polizeilichen Streife nach Schiebern, Schleichhändlern und ähnlichen Zeitgenossen festgeiwmmen wurden, nicht weniger als 15 sistiert wurden, die steckbrieflich verfolgt werden.
roa. Wetzlar, 9. Juli. Ein gnoßer Demon- strativnszug gegen die Lebensmittelteuerung benx-gte sich vorgestern durch unsere Stadt nach der Ochsenwiese, wo verschiedene Redner sprachen. Ter Schriftführer des Getverkschrf'.skar- tells teilte mit, daß das Gewerkschaftsiartell eine Kommission ernannt habe, welche mit der Aufgabe betraut sei, einen AbbaudcrsLebensmittel- und Bedarfsartikelpreise herberzuftihrn Tiefe Kommission werde ihre Arbett ungrs-MMt in Angriff lNehmen. Sie soll binarbeiten auf eine Neugestaltung der Preisprüfungs- stelle unter Beteiligung der werk.iL i.-en Bevölkerung sie solle gegen Wucher , Schleichh-cmlxl und Schwarzschlachtnngen Vorgehen. Bei 30 Mk. Geldstrafe dürfe es nicht bleiben. Von den Vcrsam- mdten wurde bann eine Entschließung ansnioni- men. in der es u. a. heißt: Zur BeAnrpfung dieser Gefahr fordern wir von den Behörden schärfere Maßnahmen. Wenn diese versagen, werden alle Konsumenten zur Selbsthilfe greifen. Bon ben Behörden verlangen wir: 1. Eine schärfere Kontrolle der Preise; 2. Auszeichnung sämtlicher B^arfsarti- kel. Zu diesen Forderungen ergeht an alle die Aufforderung, die von den Händlern und Verkaufsgeschäften verlangten Preise scharf zu kontrollieren, gewissenhafte Nachforschungen über die von diesen verlangten Aufschlägen zu den Einkaufspreisen anzustellen und das gesamte Material an das Ge- weikschaftskartell zu Wetzlar einzusenden. Dieses wird das Material prüfen und diejenigen Händler und Geschäfte, welche nachweisbar unberechtigte Aufschläge genommen haben, auf eine öfsent--. l ich e Boykottliste setzen und die Behörden ersuchen, die Geschäfte zu schließen. Des weiteren erheben wir ben schärfsten Protest gegen die Preisfestsetzung f ü r Kar'toffeln und fordern die unverzügliche Einberufung des Kreistages zur Stellungnahme gegen die Regierungsbeschlüsse. Von der Regierung wird die sofortige Zurücknahme ihrer Preisfestsetzung zu fordern fein. Von der Anwendung von Gewalt gegen die bei der Tat ertappten Wucherer wird abgeraten, jedoch ist unverzüglich zu veranlassen, daß diesen der Verkauf durch die Behörden unterbunden wird. Wo diese versagen, ist die sofortige Benachrichtigung des Geivcikschaftskartells notwendig. 2Bo die Wucherer selbst dazu beitragen, daß ihre Waren dem gerechten Unwillen des Volkes verfallen, müssen sie selbst die Verantwortung tragen.
Es sprachen hierzu Stadtv. Höhn, Steig. Krenzien, Schdüv. Fourier, Mann, Nvll, Ebel, Simon. Im wesentlichen handelt sich die Aussprache arm die Ansetzung her Mietspreife bei der Baugenossenschaft 1894. Die Anträge des Finanzausschusses werden angenommen.
Für Erneuerung der S ch a ch t a b de k - kungen wird ein Kredit von 18 235 Mk. be- willigt. Die Kanal arbeiten über den Abschnitt n werden der Firma Rinn übertragen.
Das Gesuch des W.'Feuerbach zur Errichtung einer .Einfitiedigpng Marburger Straße 28 wird genehmigt, ebenso das Gesuch des A. Rahnefeld um Verlegung eines Feldweges in Flur 37. Zur Unterhaltung der Hofveite J'ohannesstt. 3 sind statt 250 Mk. 5000 Mk. Unkosten entstanden, da ein neues Dach lerforderlich war und andere Arbeiten ausgeführt tnerben mußten. Der Kredit wird genehmigt Es sprechen hierzu die Stadtvv. Höhn, Fourier und Grobe.
Die Prüfung des Rechnungsab- ichlusses des Elektrizitätswerks, der Sttaßen- bahn, des Gas- upd Wasserwerks für 1917 und des Gaswerks, Elettrizitätswerks und der.Straßenbahn sowie des Wasserwerks für 1918 ist vorgenommen worden und hat keine Anstände ergeben. Die Vorschläge der Betriebs deputation werken genehmigt.
Der Antrag auf Gewährung' von F r e i s a h r- farten für die St ra ßenba hn an Sckiwer- geUahige, >die nicht als minderbemittelt mrzusehen isnd, wird dem Betviebsansschuß überwiesen.
Zur Beschafftmg eines Motor-Generators für das Elel'triKitätswerk werden 57 000 Mk. bewilligt. ' Ter Motor war bisher in Miete.
Verbesserung der Strahenbelcuchtung.
Steig. Krenzien teilt mit, daß die Sperrstunden laut Anordnung des Reichswlstsnkommis- sars ausrechterhalten bleiben müssen. Das Gaswerk 'hält eine Einsckuränkuub zu Gunsten be5' Heizgases für erforderlich. Tie finanziellen Kosten würden sich für sichtliche Beleuchturkg im Sommer auf 3200 Mk. stÄlen, im ^Winter höher. Eine Beleuchtung durch elektrisches Licht roürbc eine Ausgabe von 42 OOO Mk. erfordern, würde sich aber später billiger stellen. 88 elektrische Lam- pen sollen an allen Kveuzungspunklen angelegt werden. Sie erfordern eine A»nchuffungssummc von '85 000 Mk. Tie Betriebsdcputatioii beantragt diesen Kredit zur Beschasfmrg der Lrmpcn.
Ter BeleuchttmgsplMi wird in Einzelheiten bemängelt von den Stadtvv. Höhn, Kraus- müller und Nvll. Ter Antrag bei Betriebsdeputation wird genehmigt.
Tie Straßen im Gebiet der Baugenossenschaft 1894 an der Licher Straße werden Anne- r öder Weg und T öringstraße benannt.
Ter Gießener Feuerwehr werden einige .Satzungsänderungen genehmigt. Zur Beschaffung von Schläuchen wird ein Kredit von 25 000 Mk bewilligt.
Tie Satzungen des -Wirtschaftlichen Verbandes der hessisck-en, besson-nassauischen und wal^eckischen S t ä d t e - il n d Kommunal- verbände erfahren eine Aenderung, der zuge- stimmt wird. Eine Kommission der Hebron Mann, Noll ünd GinÄin soll bei den jeweiligen Verhandlungen 'zugezogori werden.
Hierbei wird von Beig. K r e n z i e n mit» geteilt, daß der Verein der stabt. Beamten ein Schreiben an die Stadtverwaltung gerichtet hat, in ban er sich gegen die Behandlung der Beamten- fragen durch den wirtschaftlichen Verband nu^ | spricht. Beig. Krenzien stellt hierzu fest, daß
Die Lebenrmittelteuerung. Abbau der Preise.
Nunmehr ist man sich mm auch in Gießen klar darüber, daß mit dem Abbau der Preise für Lebensmittel, Kleidung usw. ernstlich begonnen werden muß. Im Anschluß an die Beratungen des Bürgerveveins in der Allg. Bürgerverfamm- lung am 1. ds. Mts. hat sich ein Ausschuß aus Vertretern der in dieser Beziehung besonders bebeutfanien Branchen gebildet, der Maßnahinen zur Herabsetzung der Preise in die Wege leit'n soll. Der Ausschuß hat seine Tätigkeit begonnen und es hat sich dabei ergeben, daß die berufenen Vertreter der hiesigen Geschäftswelt durchaus von dem Wunsche beseelt sind, den Bedürfnissen der Verbraucher in weitestgehendem Maße entgegen- zukommen, auch unter äußerster Beschränkung bzw. Aufgabe be§ eigenen Vcrdienstes. Der Ausschuß wird in Geineinschaft mit Vertvetern der vetbrauchenden Bevölkerung, des Lebensmittel- amts und der Preisprüfungsstzelle alles daransetzen, um eine bessere Belieferung unserer Stadt mit Lebensrnitteln usw. zu erschwinglichen Preisen herbeizuführen. Hoffentlich führen seine Beinü- hungen zu dem gewiß von allen heiß ersehnten
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 9. Juli 1920.
Ein Frankfurter Wirtschaftsbezirk?
Ter Hessische Handelskammer tag hatte sich neulich für die Bildung eines geschlossenen Wirtschaftsbezirkes mit dem Mittelpunkt Frankfurt a. M. ausgesprochen. Man forderte das um so dringlick-er, als dem Reichswirtschaftsministerium schon im Februar d. Js. mit den .Lanövertretern ein Plan besprochen wurde, der die Mainlinie als Grenze ausstellt und das Gebiet füblüf) des Flusses zum Wirtschaftsbezttk Mannheim als Miltelpimkt und das Gebiet nördlich zum Frankfurter Wirtschaftsbezirk schlägt. Gegen diesen Berliner Plan wehren sich oie Hessen, einmal, weil es nicht im Interesse Deutschlands liegt, eine Grenze zwischen Nord und Süd aufzurichten, son- bent die Grenze zwischen Nord und Sich möglichst zu verwischen. Die hessischen Handelskammern haben eine EinKobe an das Reichsw irtschaftsministerium gerichtet, in der sie sich für die Errichtung eines Bezirkswirtschafts- rgtes in Frankfurt a. M. aussprechen, der ein Bindeglied zwischen Nord- und SDdeutschland darstellen soll. Ein ArbeitsaussckM.ß, der von ben Kammern eingesetzt wurde, erhielt den Auftrag, die weiteren Maßnahmen zur Verwirklichung dieses Beschlusses in die Wege zu leiten.
Veranstaltungen.
Freitag, 9. Juli: Hotel Einhorn, 8x/2 Uhr, Gastspiel Paul Buchwald, Programmwechsel. — Lichtspielhaus, „Seine geirrte Frau" uiro „Die (Seemannsbraut". — Lichtspiele, Seltersweg, wie gestern.
** Bon der Landes Universität. Wi^ wir böreu, ist der durch Berufung des Professors H. Gunkel nach Halle an unserer Universität erledigte Lehrstuhl für Altes Testament dem a. o. Professor an der Universftät Berlin D. Dr. Hugo Greß mann angeboten worden: das Gießener n-entestamentalische Dtbänariat übaitimmt Äc. Rudolf Bultmann, bisher a. o. Professor in Breslau. Prof. Greßmann ist 1877 zu Mölln (Lauenburg) geboren. Er promovierte 1898 in Göttingen zum Dx. Phil, nrü einer gekrönten Preisschrift „Ueber die in Jes. K. 56—66 vorausgesetzten zeitgeschichtlichen Verhältnisse^' mü> Juli 1902 mit einer Arbeit „Studien zu Euscbs Theophcmie" zum Lic. theol. in Kiel, wo er sich auch bald darauf habilitierte. 1906/07 war Greßmann als Mitarbeiter des DeutschTn evang. Instituts für Altertumswissenschaft des Heil. Landes in Jerusalem tätig, Michaelis 1907 wurde er a. o. Professor in Berlin. Lic. Bultmann, der aus Wiefel- steoe i'Ctbenburg) gebürtig ist, unterrichtete 1906/07 am Großh. Gymnasium in Oldenburg, wurde 1907 Repetent an der Stipendiatenanstalt (Semina- rium Philippimmi) in Marburg, tvo er 1901 promovierte und zwei Jahre später die venia legendi erhielt. Michaelis 1916 erfolgte seine Berufung zum Extraordinarius in BreÄau als Nachfolger von Prof. W. Bauer. — Zur Wiederbesetzung des
i an a t o n: i schen Lehrstuhls (an Stelle von Oteh. Rat H. Strahl) ist ein Ruf an Prof. Dr. Franz Keibel in Königsberg ergangen. Seibel, ein geborener Westpreuße (geb. 1851 zu Adlig Dombrowken, Kr. Grcrudenz), widmete sich dem Studium der Medizin in Berlin und Straßburg, besopders bei v. Waldeyer, Schwalbe und v. Recklinghausen. Seit 1887 As istent beiSchwalbe, wurde er später Prostktor in Freiburg unter Wiedersheim und erhielt hier die venia legendi. 1891 erhielt Keck-el bi: Ernennmig zum a. o. Professor und 1912 zum ord. Horwrarprofessor, siedelte 1914 als Ordinarius nach Straßburg als Nachfolger Schwalbes und 1919 nach Königsberg als Nachfolger Jvh. Sabot tos über. .Keibel S Spezial- arbeitSgebiet ist die Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere. Er ist Begründer uno Herausgeber der Normeutafeln zur Entwicklungsgeschichte der Wir- teitiere, feit 1897. Mit Prof. Franklin P. Mall hat er ein zweibändiges Handbuch der Entwicklungsgeschichte des Menschen herausgegeben. — Prof. Rodenwald, der einen Ruf als Ordinarius an die Universität Breslau erhalten hatte, hat diesen abgelehpt.
** Gautnrnf e st. Tie Vorbereitungen für das Gaufest sind sprveit beendet. Morgen Samstag nachmittgy treffen die ersten Turner und Kampfrichter ein. Abends 8 Uhr wird nach einem Umzug durch die Stadt auf dem Festplatze das Gauternsest ‘eröffnet werden. Tas eigentliche Wettturnen beginnt am Sonntag früh 6'/2 Uhr. Um 8 Uhr ist Empfang der weiter ankommenden Turner, die mit Musik vom Bahnhöfe abgebolt und nach Os'wcUdsgarten geleitet werben. Tort ist von 11 Uhr ab Konzert. Ter Festzug stellt sich um 1V2 Uhr am Stadtkheater auf. Nach Ankunft auf Dem Festplatz finden Freiübungen, Musterriegen- und Sonderwetturnen, Konzert und Tanz statt. Ter Monbag nachmittag ist vorzugsweise für die Jugend vorgrfthen. Tiefe versammelt sich 11m V/2 Uhr am Jahndenkmal, wo eine kleine Gedenlleier abg^halten wird. Nach Ankimft auf dem Festplätz beginnt das Jugmd-Wetturnen, abends ist Konzert und Tanz. Tie Eintrittspreise sind(fv mäßig gehalten, daß jedem GeUscmheit geboten ist, an den Veranstaltungen teilzamehmen.
Sitzung der Stadtvevordueteu.
In Anbetracht der Verhandlungen in Spaa, deren ausführlich'-' Wiedergabe wohl keiner unserer Leser geschmälert sehen möchte, kann über die gestrige vierstündige Sitzung der Stadtverordnetenversammlung nur in ganz gedrängter Form berichtet werden. Von den 27 Beratungspunkten betraf ein großer Teil nur formale Angelegenheiten. Von allgemeinem Interesse war die Regelung des Bebauungsplanes oberhalb der Hcyligenstaedtschen Fabrik, wonach die Verlängerung der Liebig- straße auf 30 Jahre geschlossen wird. Ferner die Verbesserung der Straßenbeleuchtung, die der Einbruchsgefahr wegen unbedingt erforderlich war. An den Straßenkreuzungen werden insgesamt 88 elektrische Lampen angebracht. Eine lange Debatte entspann sich um den wirtschaftlichen Verband der hessischen Städte, der für die Regelung her Tarifver-, träge für die städtischen Arbeiter und Angestellten von Wichtigbeit ist.
Gießen, ben 9. Juli.
Tie Sitzung wird um 41A Uhr durch Beig. Krenzien eröffnet. Anwesend sind die Beig. Klingsp>or, Krenzien, Rosenberg und Seib sowie 33 StÄÄvevordgrete. Zu Urkmids- perfjnen werden bestimmt die Stadtv. Ebel und Maier.
An Baugesuchen werden genehmigt: D» Gesuch der MitteLeutschen (Srcbitbanf zur Errichtung eines Nebengebäudes Jolwnnesstraße 14 sowie die Errichtung einer Waschküche und eines Ziegenstalles am Ncchrungsberg 7.
Ter Bebauungsplan für das Gebiet oberhalb der Heyligenstaedtschen Fabrik ist bereits in einer Ortsbesichtig-ung behandelt worden. Die verlängerte Liebigstvaße ist früher auf Wunsch der Firma geführt worden. Jetzt wird beantragt, diese Stortze in gerader Richtung durchzuführen.
Stadtv. Wirrn spricht für weitestes Entgegenkommen der Fabrik gegenüber. Ebenfalls Sttcktv. Michel, der Judustricgelünde in Gi>cßen schaffen will. Steig. Krenzien entgegnet, daß Jndustrie- gelände in Gießen nicht zu schaffen ist, bevor die EiserchaHnfvage eine Lösung gefunden hat. Stadtv. Mann beantragt für die Firma das Recht, die sStvaße auf 30 Jckhre abzuspcrren, ba sie nicht die Absicht hat, sie zu bebauen. Stadtv. Ebel entgegnet dem Stadtv. Michel. Stadtv. Winn verlangt einen großzügigen Bebauungsplan. Bevgi. Krenzien 'hält cs für Uvecklos, unter den heutigen Verhältnissen einen Bebauungsplan aufzu- ftellen. Stadtv. Michel setzt die persönliche Polemik fort. Stadtv. Fourier spricht für den Antrag Mann.
Ter Antrag Mann, der Firma die Straße auf 30 Jahre zu überlassen und zu übereignen, falls die Straße für ban Bebauungsplan nicht erforderlich ist, wird angenommen.
Dem Eisenbahnhermstättenverein werden lein Pstichtdrittel der Baukosten, 128 745


