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Aus StaM und Land.

Gießen, d ir 9. Juni 1920.

Gießener Hochfchnlgefelttchaft.

Mit dem gestrigen Abend begann eine von der Gießener Hochschulgcsellschaft veranstaltete Vor- tragsrechc, die ixiö Problem des Verhältnisses von jtunst und Wisiensä-aft zum Gegenstand ihrer Bc- tracl-tung mau/t. An dcm gestrigen ersten Vor­tragsabend sprach Dr. Kurt Elwenspoek, Oberspiclleiter am Mainzer Stadttheater, über Universität und Bühne". In einigen einleitenden Worten führte er aus, das; in unserer Zeit sich ein Drang nach starkem Ausdruck, Zn- tuition, nach Totalität bemerkbar mache. Tas äußere sich in der Kunst wie in der Wissenschaft. Ein besonders deutliches Symptom dafür sei die Errichtung non Lehrstühlen für Geisteswissenschaft. Hierhin gehörten auch die zeitgenössischen Versuchst einer Verbindung von Kunst und Wissenschaft Auch für die Bühne gäbe es solch eine Verbin­dung mit der Wissenschaft, und zwar mit der Insti­tution der Universität. Innere Beziehungen seien vorhanden. Ter geistige Schwerpunkt des Universi- tätsbctriebes ruhe in den Seminarien, früher Tsto- putalioues genannt. Seminar und Theater seien der Sdwuplatz dramatischer Vorgänge, eines Kampfsp. les der Geister. Natürlich sei die Artung des Dramas allgemein seelisch, die des Seminars intcLcf ul. T e te. und U i cr üät in Teuttch- land seien ft inte r der (hriftlicben Kirche. Das deutsche Theater sei auS der Kultübung hervor- gegangcn. 2v: Qxi't'i Sen toanen Ti fiter, Regi - seurc, Akteure. Anfgeführt wurde das Stück in der Kirche. Später habe man Scholaren zur Mit­wirkung lxrangezogen, auch dann noch, als schon die Zünfte die Theaterunternehmer geworden waren. Dec Hum n s. us, b r bie VeSNit­sch fi mit dec.nififei K Midi: uns .er griechisch^ Tr-.güdic vermittelte, bedeutete mr neue Ä'.ra des Dramas. Die lat i i dx Schnlkomöd e sei au ge iammen. Auch Ho . s Sack'L habe seine eigenen Stücke mit Scholaren anfgeführt. Tie'e später, nach dem Vvrbilü der seit Anf.ng des 17. Jalrhunder's DutfchsMid bwe> send.-ii en li'ckvn Schupe.str haben fU> zu selb­ständigen Thcaterbanden zusammmgesckckosfm und in die barbarische Schauspielerei der Zeit einen geistigen Zug gebracht. Leipzig habe dann die führende Rolle als erste Theaterstadt Deutschlands übernommen, und z»var durch die Tätigkeit um Magister Vel en Er state zuerst in Deutschland Aüoliöre <t if/üti'cn lachen. Sein Hanplveihienst sei die Entwicklung und lieber- Windung ber. Italien schm Steg .eifcomöcne. Auch habe er als erfler iy rauen in sein Vü/neopersionat aufgcuDin ntcn. Mit ihm Txite das mittelalter tute Drama feinen> chluß gefönten Die neue Rick>- tung eröf neten die fta r?li.ne Neuberin und Gott­sched. Zu ihrer Volb-ndung sei sie geführt worden durch Lessing 'und Mi ler. In neuerer Zeit hsättens die Meininger versndü. die Kunst mit Wichen- sckwftlichkeit und Wähttraftigkril zu verbinden. Heute V roeve man v 'N Dramaturgen und Regi''- feuren akademisck-e Bildung. 1914 labe man in Jena mit Sommerkur en für Sck;aufpiclkunst be­gonnen. Wir stiünden heute an einer neuen Wende. In diesen Zeien der Not'se man die Kunst MMer an die Menschen h-ranbringen. Dieser Auf- yabe könne die Universität sich dienstbar machen durch» didaktisch^ Vorbereitung. In Befolgung ihrer großen Tradition solle die Universität dem Tlv^ter dorch rege Ant-ilnckhme h.'lfen, zu einem wirklich lebendigen Knlturchiktor zu werden.

Tic Zuhärersckxift dankte Herrn Dr. Elwmr- spvek für seine anregenden Ausfüllungen durch reichten Beifall.

Veranstaltnnqen.

Mittwoch. 9. Juni. Stadtkirche, 6'2 Uhr, Konzert zur Hundertjahrseier des akademischen Ge- fangoercins. Lichtspieltheater wie gestern.

** Eine öffentliche Sitzung des P r 0 v i n z i a k a u s i ch u s e s si bet Samstag, den 12 Juni 1920, vormittags 9 Uhr, im Sitznnns'^al bc3 Negi-rungsgel äittes zu Ei ßen mit R e iber Tag sordnimg statt: 1. Anstchttn'g der Büru-rni i^erwffl'tees durch Wilselm Schm d . 2. G-e uch des Wiklxlm Gustav Gra'enick zu B d-Ranleim um Erlaubnis zu in Betrübe einer 53as"wirtsdraft in d m Hanfe Ludwighr 21 testlbst. 3. K -ge der Gcmei'te Ober-Wfllsta" t wexen H'r'nze'n-g zu den .HerßettungsHoßen ter Kannte in der Or Durchfahrt. 4. Kosten des Ar­beiterrats zu Friedberg.

** Abonnementskonzerte. Das 1. Abonnenientskonzcrt der Regimentskapelle, welches morgen Donnerstag abend V28 Uhr auf der schönen Aussicht stattfindet, verspricht einen großen Erfolg. Eintrittskarten zu 2 Mk. sind an der Kasse zu haben. Ein reger Besuch kann nur empfohlen werden.

Städtischer Seefischmarft. Mor­gen, Dvnne.s ag. 8 UTyr, kommen Kabel'an u ..d Schellfische, lelendfri'che War', znm Verkauf rn den Ma klaiten Jn'v'ge ter ^ringen Einfuhr von Fischen sind die Prie m dieser Wache höher wie seitter.

** Einbruch sdi^bstahl. In der Zeit vom 5.7. Juni 1920 wurde in ein La­ger am Bahnhof eingebrochen und 11 Kisten mit je 45 Büchsen Leberwurst entwendet. Vor Ankauf wird gewarnt.

** Befreiung von der Angestell- tenvcrsicherung. Am 19. Mai dieses Jah­res hat die Nationalversammlung den Gesetzent­wurf über die Ausdehnung der Versicherungs- Pflicht in der Angestelltenversicherung bis zu einem Gehalt fron 15 000 Mark angenommen. Dadurch werden Zehn aasende fron Angestellten neu per sichernngspflichiig. Da die Ansichten über die An- geslelltenversickerung in Angestelltenkr.'isen sehr ge­teilt sind, imb da namentlich die älteren, ver heirateten Angestellten mit höheren Gehältern im Interesse der Familie eine andere und bessere Dersoigung erstreben, sv ist cd zu begrüßen, daß diesen Angestellten durch die Bestimm au gen des § 3 des ErgänzurigsgesetzeS bei sofortigem Ab schlust einer ausreichenden Lebens - b:zw Jnva- liditätSversicheruiig der Weg zur Befreiung von der Angestel.teiwersicherung offengehalten wird. Die Zeit für die Beantragung einer ersatzfähigen Lebens- bezw. Jnvalibitätsversicherung ist nur sehe kurz. Wir verweisen aus unseren heutigen An­zeigenteil.

Landkreis Gießen.

Gro Pen-Liu den, 8 Ium. Hier soll ob nädr'e'i Monat eine Filiale oes Konsum- Verein- Gießen u U m g. erö'f. er nxrd 1 Ein Lvfrl fo l b ju te ei S schon <r mk rt f i r. Bei der for tjenrichenben gwgen W 'lm n > pwiesrievm iriex A^hnun-ssncheuoe gegen bi h

Vermietung^ da man hier Nahvungsmittrlye1'djä;te übergenug yabc. Man fragt sich, > Darum hat bo/ Mie.cinig.ngs.mt b.v e Räume nicht idjon längn Lee WohmmgSiurt nutzbar gemacht?

O Grünberg, 7. Juni. Aus ber hr. sigen Holzschneibrtt ber Firma Gg. Huas u. Sibnifr. wurde in der Nacht von Sonniag auf Montag du 9 Meer long.r Treibriemen en t men bc t. Ter Täter hat sich er.t.ucber mit einem Nick schlü e. cber Ti.t ich Ci gang zu verschiffen g - i.'Upt, bi Spuren ein s gewalt amen Einb.uch s nicht fe z. lswl.cn wäre.,. Tee Schien dürste a.- nähernd 3000 Mk. betragen.

Kreis Schotten.

e. Schotten, 8. Juni. Das hiesige Kceis- amt warnt das Schuhmachergewerbe vor P re i s ü be r sch re i t u n g e n bei Reparaturen und Neuanfertigungen, nack^>.m die Le.erpr.ife um 2030 Prozent zurückgegangen sind. Di: Bei­behaltung der früheren hohen Prelfe wiro als Wuckgec angei'el)cn und dementsprechend streng bestraft.

Kreis Wetzlar.

Braunfels, 8. Juni. Wie aus dem A n j ei gen teil ersichtlich, veranstaltet der Ver­schönerungsverein Braunfels (Sir. Wetz'ar) am geben ist, slo werbden sicherlich auch tiuar Gießen Fürstlichen Venoa tung zur Verfügung gestellten 'istl. Herrengarlen ein großes Militärk 0 n - z e r t, verbunden mit turnenschen Aufführungen, Reigen usw. des TunwereinS Braunfels Da der herrlich gelegene Fürstl. Herrengarten mit feinem a'tcn Baumbestände einen angenehmen Auf.mthalt bie.ct, die 25 Mann starke Kapel e sich eines guten Rufes erfreut, schließ.ich durch >ie Uebe>nähme der Benn, tschaftnng durch daö Schloßhotel Braun­fels die Geivähr für vomüg iche Verpflegung ge­geben ist so werden sicyerlich auch von Gietzen aus zahlreiche Personen am Sonntag den 13. Juni einen Ausflug nach dem wunderschön gelegenen Braunfels unternehmen.

Hessen-Nassau.

me. Frankfurt a. M., 8. Juni In den höheren Taunuslagen sind in der Nacht vom «Sonntag auf Montag Fröste bis zu 3 Grad beobachtet worden. Diese nachträgliche Kältewelle hat aber kaum «Schaben verursacht, da das Ge­treide und Obst längst ab geb. übt hat und die Waldbestände schon ein: schärfere Tem^catur ver­tragen.

me. Frankfurt a. M., 8. Juni. In der gestrigen Sitzung der Stadtvevovl.netelnr'crsamm-' lintg fanden die W a l)l en zum Kvmmunal- lanbtag statt. Es mürben gewWt: 10 Mel/r- heitss'ozialislLn, 7 2 emo hat en, 3 Zcartrum, zürci Toutsck-e Volkspvttei, 2 Unabffingige uitb ein. Teutschnationaler. Die übrige Tagesordnung brachte nichts wesentlickies, trofLem -og sich die Sitzung bis gegen 10 hm. Ter Magistrat ließ noch erklären, biß die fron dm. Fra i-osen. be­nutzten Schulgebäude zwar total verwanzt und verlaust seien, daß er und das Stadtgesund'heits-i amt jedoch eine Tesinfektion nicht für notwendig 'halten.

me. Frankfurt a. M., 8. Juni. In die- em «Sommer 'wird erstmalig seit drei Jckhren wie­der Einmachezucker an die ernzcl.'eu Hans- 'Haltungen verteilt. Tie Menge des zur Berteilung l'ommenden Zuckers ist noch nicht bestimmt.

)( Marburg, 7. Juni. Infolge der D e e r c s v e r m i n d e r u n g soll die hie ige Gar­nison fortan nur nvch aus dem Batailwnsstab unb tcc 3. Jäger K.mpcgiric sowie einer Rad- ahrer-'Kompagnie LeheCxm, die 2. Kompagnie ix§ Kupl/efs. Reichstvehr-Jäger-DatailloTis Nr. 11", wle die Trupp: jetzt benait .t wird, kommt mit der Maschinen-Geivichr-Kompag't.ie nach Kas el.

)( Marburg, 7. Juni. Wie mitgeb.ilt wird, ist die Untersuchung w gen dec Ge fange ne n- Erschießung in Bad Thal in Thüringen, 2n Marburger Zeitfreiwilligen zur Last gelegt wi d e'jt abgefchlos'eii. Dem Ver!-ehmm nach wird bei 6 Kriegs gerächt hier näch'e Woche sich mit die fei Aneeleg.irleit in einer außevorbmt iihen Sigmng befchästigen unb 'ich zngßich zu ci em Aug nsckx'm- termin an den Tatort begeben. Es sollen 14 ehe­malige Zeitfreiwillige an geklagt unb etwa 40 Zei­gen zu vernehmen sein.

Schwnvg5vicht.

Gießen, 7. Juni 1920.

Dir verbrannten Eierlisten.

Unter dem Dor'itz dcs Landgerichtsrats Dr. Ha n su l t rerhan.e fr: das Ober ef isck» Schwur­gericht in nahezu.ifftüubchm Sitzung gegen dr Lanbrvirte H. M. und A. «Sch. aus Ecktz.il we.gen Landfrje <>isbmchS. Ti? Anklage tenrat St.a s- anwalt Tr. Eckert, die Bcrtcibigung führen Rechtsanwalt Fischer und RerCt.anwalt Pe­ters. lieber die Sitzung der Strafkammer, dle kürzlich die gleich: Augele^ntbeil zam Gegenstand gÄwbt und mit der Verurteilung einer Reihe ton Ange.lag.el g-iewet hat, haben toir seincr- zeit berichtet. Es hanMte sich um die Bernickstung ber zur Zwangswlrlsck>a't ge'ö igen öfcntlidKn Listen. Etiva 200 (Si avohnec Eck^ l S Hutten sich in frü.'er Morgen'u b: zu'amme gc.o:tct, waren vor die Ha freiten ber Li'.enfülwer gezogen, Hutten in efnent Fall auch unter TVvlmns^n be Hr- anSgabe ber Li^'en verlangt incb lei b:n eii> gefchückstertcn Li .en ü rem thr.m Wil en burck- gefetzt. Tie Listen nxtren sofort in Flammen auf- uegangen. Wer sie verbrannt T.aib?, ließ sich im einzelnen nicht festste! n; nur bei ben Eierlistw betäub der B edacht, daß sie den b.ioen An- ge.lagten zum Opfer gefallen warm. Deshalb hatten diese sich vor dem Schwurgericht zu ver­antworten.

Tie Angeklagten bestritten jeb: «Schuld. Sie seien zwar dabi gelt*"en, hätten sich aber kein-H- n*gS irgendwie fc; fror getan, «lchtveige bmn Listen verbrannt. ES nmen 11 Zeugen zu bernehmen. Sie hatten, mit eher An- i-uh ne, über b'c ent- sckeid.'nd n Borgäicge keine Wa^rnehrnu gen g - macht: manche T>:e't"it auch sikck ich zurück u b jutfv ten die Tätigk it ihrer Tor'ge io'sm so b rmlas ro"e möglich li zaslel n Eie- be Li enühr r betonte sogar b:c ..Zuvorkommen cifz ber Mmg^, wußte aber k ine Antzvott auf bte F-ragc des Bor sitze, dm, w A vlb er sich trotz tiefer Zuvorkorn mendeil so g fürchtet habe, biß er sich auf einen Stuhl setzm mußt- unb 'ich zur He-auSg-.b,' b r ihm an.c'tra te 1 Li en be'ue 1 fr? Im Olegen'atz zu dle'eu Zeugen g ib die Buchhalterin b?r Mol­kerei, wo sick bi" Eier arnmel'e le be er b, ein an- schaulick^S Bid von den Dorgäng-n. dle sich vor Chren Augen ubespül h tten Sie hatte aut jen Rat ihres Di ekdors b in Angeklagten H M., t> r rtn Wonfübrer b r m die Molkerei ein gedrungen m , Merige mach by. Eie -Vi"< he <ruSi g bm, mit Xu Lonen i >r3hncn vertraue ich bw Liile an,

Sie übernehmen die Verantwortung/' D. M. h?.t:e darauf e.üurt:*n <sie nur per, ich uv:r- !.e.;me die Der n.ivorttrug." In Aus üi-rnng Ue r seiner Zusage lstett er die Liste dem Mitangck.agt:u A. Sch. hin, der sei n FeueiZ ug herauszog und sie ansteckte. Ti: ve. kohlten Reße lagen h.'utc auf dem Gecichtstisch.

In den Plaidoyers stießen die Geister leftig, wenn auch d r. aus sah ich, zusammen. Staatsanwalt Tr. Eckert sprach dem Praaeß cd: poli.ifch: Bed-eutung ab. Es i,a..de siä. um ein Ve.br. ckien geg-^n bi: ö fentli b: Ordnung ui d eie G-efchworci e.l hätten, ihr. m Eide gettm, 0 ,n: Rücksicht aut ijre politische U.be.ze.lgUiig, ciasach .er Wahrheit die Elve zu geben. Ti: B.fck ull.iguug ei nach ber tatsächlichen wie der rechtlichen Serie . i-elf lsä>.i eruneien. Tie Furckst 0 rgi'eit b:r Zcn- l.in, de trotz et.axiig r pcr'öuli --er Folgen uno ohne im Kre. z erhör ber Vert>idig:r die Fassung zu rc feien, i r: W-aisr em wegen be ünbet habe, ei vo.bilb ich, bi: R'ch.igk it i rcr Aas age üb r e en Zwcksel erhüben. Ti: Fr gm, 0) die Au- g ei an b r Zufomme rot ung :e genommen uad oo sie Sache^r ikr.;i. iCi hätten, sei:u zu be- i'.l.eu, cb.ns-o aber auch die Frage nach mildernden Umständen.

Te.ngcgenüber suchten ble Reckcksanwälte Fi­scher und Peters ten angeblich po itisäxn Charuker bes Pvcz ses korzutun. Das ge <al> l'an.e Bo ge en her Landaur e gegm di? Z.oangs- wiclsch-a l ,ei toi ihrem «Sbarb.ubft g rech secaigt. An an.e en Orten feien schlimmere Dinge ge- schehen, die man habe darchge.en lassen tinc Lc'hanpruny, der der Slaa sanw'lt, zum ntinx» iizn für die Mfifdjen Ler.ölnif e, nachdrücklich e.itgegontrut. Wider tat'äckstich > och Kmt.i.l) sei die Schuld der Aug k.ug.ea eru ie en. Tie Sud;* Hallerin, bic trotz irr Der siche.ung, daß dies nicht der Fall ge-.m en sei, könne i geirrt hrben: e ttscheid udes Gewicht sti auf ihr Zeugnis jeden­falls nicht zu leim.

Nach der Rech;sblel)rung durch den Bor- sitzeudou fällten l-ie Gechuwrenen nach fast drei- viertelstüubiger 23eratung il,rm W/Hrspruch, in dem sie bic Ang:k.-'.gten bem Antrag des Staats­anwal s gemäß für schuldig erklllrttn. Ter Sta.a!sanwalt loanttia'tt' mit Rücksicht auf die Jugeub und bi? Uabefcholbmseit ber Angeklagten dle gesetzliche Miicheästrafe von je 6 Monaten Gefängnis. T-s Ge.icht erkannte demgemäß uud verurteilte läe Augeckagten zugleich in bir Siio Ren b:5 B:rfahrens.

Ans -em Amtsverkündlsiungsblalt.

** Tas Amtsverkünoigungsblatt Nr. 77 vorn 8. Juni enthält: Durchführung oer Besttrnrnmigen des Friedensvertrages: Anmeldung und BesckIagnahme von Wertpapieren und llrtün» 'den. Nachtrag zur Deutsckzen Arzneitaxe, Halofvrm. Ausfübruny des Reichsimpfgesetzes. Gewährung einer Bechckfe an eh.-malige Kriegs­teilnehmer 1870/71. Abreckmung über oic ge­zahlten Familienuutecstützungen. Dienstuach- richlen. Feldbereinigung Heuchel H irn. Ge­funden, verloren. Außerkraftsetzung der aus Grund des Art. 48 etlassenm Vorschriften. Be­lästigung des Publikums. Vermeidung fron Staubentwicklung bei Bauten.

Gefunden und verloren. In der Zeit vom 15.31. Mai 1920 tourten in Gießen gc- fimten: 1 Letermäppchen mit Inhalt, 10 Gummi- vcrdichtungm, 1 Kocbbeckchen, 1 Portemoimaie mit Inhalt, 1 Kinderhan dteutel mit Jntelt, 1 Da men- baubteutel, 1 Herrenuhr, 2 Paar Handsck)uhe, ein Schleier und 1 Regenschirm; verloren: 1 braune Brieftasche mit 600 Mk. und Soldbuch usw. Inhalt, 1 Geldbneftasete mit 350400 Mk. unb Papieren Inhalt, 1 Geldbrieftasdie mit 400 Mk. unb Legi­timationspapieren Inhalt, 1 Haarspange mit Durchsteckpseil und VerzierungE. K.", 1 schwarzer Damen Hut mit Dunkelblauem Band, 1 schwarzer Dammstrohhut, 1 silberne Herrenuhr mit Leder- armbanb, ein schwarzer Damenregmschirm mit Futteral, 1 silberne Herrenuhr mit Goldamd und DoublS'Kette. 1 Portcmomiaie mit 20 Mk., Vltt- stist usw. Inhalt, 1 goldener Man schottenknovf mit zwei kleinen Hauen Steinchen, 1 schwarzes Mäpp- djen mit 50 Mk. sowie Lebensmittelmarken Inhalt, 1 Portemonnaie mit 30 Mk. Inhalt unb eine goldene Damenuhr.

Für Hessen werten die auf Grund des Art. 48 Ms. 2 der Reichs Verfassung zur Wieder­herstellung der öffentlichen Sickerh it und Ordnung erlass nen Vorsdwisten von 11 Apr 11320 (R.ichs- Gesetzblatt S. 479) außer Kraft gesetzt.

Vermeidung von Staubentwick­lung bei Baute it. DaZ Pol .eiimt G eßm weist erneut darauf hin, daß nach den bestehenden gesetz- lick-en Bestimmungen biejenigen Besttafung zu ge­wärtigen haben, welche es unterlasse, bei Bauten, namentlich beim Abbruch von Gebäuden und bei der Erneuerung des Verputzes, all: Vorkehrungen zu treffen, welche geeignet sind, Gefahren für Bor- übergebenoe und eine belästigende Staubentwicklung zu verhindern.

Dermifd)tct.

Rv 11 erda m, 8. Juni. (Wolff.) Bei einem Brande in ber Fliegerschule in der Nckhe von «S[)farb (Lincolushire) wurden nach einer Londoner Meldung etwa 150Flugzeuge zei- st ör t. Ter Dchodm beträgt 1/4 Milli-on Pfund Sterling.

Sitzung 6er Stadtverordneten.

Gießen, von 9. Juni 1920.

Zur Durchberatung einer se'hr umf-änglicheii Tagesordnung hatte man von vornherein zwei Tage vorgesehen. In ber Montagssitzung^ schien eS ansangs, daß man mit einer eintägigm Sitzung auskomme, biS nach mehr als vierstündiger Be­ratung doch rin Vertagmessantvag angenommen wurde. Dies, obwohl bic Tagesordnunng der öTtcnt- lithrm Sitzung nur noch einige wenige unb dazu reichlich unbeteutenbe Punkte mthittt und der Cher* (ü-germetfijer erklärte, daß auch die in der nüfr- öffentlidm Sitzung zu tehrndelnbm fragen schnell erledigt sein würden. In der Dienstogssitzung wap der Rest der Tagcertbnung, meist Baugesuche, denn auch verki'lttiismäß'g schnell abgetan. Es folgte aber rin Schratt i*r'önlirf>er Bemerkungm, An- fragen uf.o., bis endlich Stabtfr. Etel, nachdem sich ter nichoossizielle Teil der öffentlichm Sitzung iefon über eine Stunde lirnausgedehnt lwlte, bei sehr tegründeten An'.vm auf Schaffung einer Ge- ü^ästsordnuna stellte. HoffeMlich wird dieser An­trag nicht wiederum in einem Ausschuß begraten. Tenn wer bic Detbanblungm der Stadtvevort- ' netenfrerfommhmg zu vertt lgm m der Lag: ist, n»riß. wie nonvenoifi unserem Stadtparlameiit eine GefckäftSordnung ift

Eine endlose Debatte beschwor die Beratung über bic Verwendung des Steins Gartens zu BeNvaltuvgvzwecken herauf, bte p recht deutlich

werden ließ, welch grvße Meinungsverschieden«» beiten nicht mir innerhalb des getarnten Plenums, sondern auch inner.alb ber Fvattionen in der Ratiaussrage Vorhäuten sind. Tas Ergebnis die» {cr ausgiebigen Aussprade war jed-och r:d)t mager. Eine Einigung tonnte nickst erzielt word-m, so daß die AuSi'ctzußanträge zur nochmaligen Turchtera- rung zurück verwiegen mürben.

Der Fahrpreis ber Straßenbahn würbe, wie wir schon gelt rn kurz mitteilten, auf 33 Pf. er.';öl)t. Freilich scheint man vecgcsfen zu haben, mit welck>em Tage Die Erhöhung in Kraft tritt. Ten Warnung n verschieb euer Stabtverorb- neten, baß man txn Bogen nicht überspannen möge, mürbe von ter Stadtvcrwa tung mit bem Hinweis barauf entgc^engetceten, daß Gießen noch immer einen ter niedrigsten Sttaßenbahntarise habe.

Ungeteilte Fr ude wird wohl überall der Be­schluß über bic Herabsetzung ber Ho.zprei c aus- iöien. Möge bic Stadt auch auf anderen Gebieten mit dem Preisabbau beginnen!

Tie Bewohner d r Lahngegend'werden wohl anfatmend lesen, daß der Ju?v ahdudriei mm end­lich ein End: bereitet wird, da ter Ju,watz land- wirtschaittich nuvbar gemacht werten sott. In der Aussprache hierüber wurde hauptfäch.ich von meh­reren unabhängigen Rednern auf bic wirtschaft­lichen .Schwierigkeiten bes Jueplatzuntel-nehmcrs verwiesen. Von anderer «Seite wurde jedoch ent* gegengehaltm, daß dieser ein schwerreicher Mann ei, der sehr gut warten könne, bis ter Trieb zur Verlegung des Juxplatzes hergerichtet sei.

Tie Sitzung wird kurz nach 4 Uhr von Oter- bürgermeißer Keller crörinet. Zu UrLundspefr- so neu werden die Stabtv. Grvde u id Höhn gcm,äi.lt. Anwesend sind Oberbürgermeister Keller, die Beigeorbnetm Klingspor, Tr. Seid, Krenzien und Tr. Rosmterg sowie mit Ausnahme der Stadtvewrdne.en Eichcvt, Fader, Aivosoorf und «Sommer, 38 Stadtoev ordne le.

Tie Vorlage zur Regelung der Besol­dungsordnung für Beamte und Be-, amtenanmärtcr wirb vom Oberbürgermeister wrüäge&agen, da das Ministerium Aussetzung frort Beratung und Beschluß;a.sung gewünscht labe.

Tie Regelung der Besoldungsorb- nung für Beamte unb Beamtcnan- wck rter wird vertagt. Svweit die Lehrer tn Frage kommen, we ten AussckMßan.räge angenonv-- mm, nadchem ihnen von ten S.a .'tv. Etel (Tcm), Krausmülier (TB.) unb Görtz (Z.) unter einigen Vorteh.ck.en zugestiimmt war.

Tie Rechnung ber Löberstiftung für das Rechnungsjahr 1918/19 wird genehmigt, ebenso die ter Arinenkas.c für das Rechnun^sja./r 1917.

Zur Aufstellung einer doppclttas.igcn S ck n l- barocke auf dem Hofe ter Schale in ter Schiller- sttaße wird ein Kredit von 63 030 Mk. bewilligt. Zur Bcsd-afstlng von 60 Schulbänken für diese Baracke wird ein Kredit von 30 000 Mk. bewilligt.

Tas Schulgeld an der höheoen Mädchen- schule nrirb mit Wirkung vom 1. 21pril 1920 für bic «Schul.l?s,m 1 bis 7 auf 270 Mk. und für cne unteren Klösten auf 240 Mk erhölst. In dm er­weiterten Mädchenfckstile beträgt das «Schulgeld gleichfalls ab 1. April in den Klaf en 1 bis 4 150 Mk., in den übrigen Klassen 120 Mk An beiden Anstaltm Ijabeu die Eltern von «Sckchlern, die außerhalb Gießens, ater in Hcs.en ivohnen, einen Aufsck)lag von 30 Mark, uub Eltern, die außerhalb Hessens wohnm, von 40 Mk. zu zahlen.,

Alte Klinik und Steins Garten.

Die zuständigm Aussdchs e hattm beantragt,, daß ter Steins harten für Hauptvcrwaltuug, Re­gistratur, Rechnungsarnt, «Steuerburoaii, SiiÄNigs- saal ter «Stabtoeuarbnetcn, Kornmissilmö- uitix Fraktionszirnmer mit insgesamt 33 Räumen in Anspruch genommenioeube. Im Stadthaus sollen, untergebracht werten: S.adtbauamt, Vermessung^ amt, StadtÜasse unb Arteits.imtt zusammen 22 Röume. In die alte Klinik svllm kommen Lebens- mütelamt, Wohnungsamt, Micteinigunsramt unt> Biennstofsamt: es sollen hierfür möglichst nicht mehr als 25 Räume in Anspruch genommen lob­ten. Tas Haus Astierweg 9 stll Woh.falirlsamt unb Versichmungsamttetertergen. Im alten Rat-» Hous aui dem Marktplatz soll Standesamt unb Begiöbnisamt untergebracht bleiben. Tic l-iernach in ter alten Klinik und im Hause Asterw:g 9 ver­fügbar blritenben Riäume sollen an andere Ver- nxltungen als Timstväume vermietet werten.

Diese Anträge w:rben an be Auffchü "e zurück­verwiesen. Angmommcn wird nur ein Antrag des Oterbürgcrmeist rs aus Bcwil i mng eines Kre­dits von 100 030 Mk. süc Herrichtung von Dach und Treppen in ber Alt n Klinik.

Stadtv. Grobe (Z.) glaubt, baß im Steins Gatten noch mehr Zimmer übrig bl iben, wmn ten Aemtern, bie bisher in ter Bürgermeisterei 9 Zimmer hatten, im Steins Garten 26 Zimmer zugewiesen w eben sollen.

Stadtv. Winn (DB.) nxmbct sich gegen bic Drntelpolitik ter Stabtverwattung. Durck) eine Auseinanderreißung ter einzelnen A:mter gehe bei Ucterblick veilorm. Es sei dies eine Encksveruns für bie Beamten und das Publikum. Vielleicht sei es möglich, dem Bürgevm.ttsterergrbLudc in ber Gartensttalie ein weiteres Swckwcrk aufzusetzLn. Okini entschieden sei er gegen eine Verlegung ber Bürgermeisterei.

Stabtv. Noll (Dem.) wünscht Ausnutzung sämtlickstr Räume ter Atm Klinik durch städtisch: Aemter, um einer weitere» Zersplitterung vorzu- teugen. . t

Oterbürqermeister Keller teilt nut. daß die Stadt in Unterhandlungen steh: mit verschiedenen Behörden auf Ueb:rlasfung von Bureauräumen m ber alten Klinik. So mit den D:rsorgimgSstrllen für Kriegsbeschädigte und Hinterblietene (bie mehr als 30 Räum- bedürften), d:m zur Zett provisorisch in Friedberg untergebrachten Te egravh n-Neubai^ amt, dem Kommunalverdand. Eventu.ll käme auch noch das Finanzamt in 5rage.

Stabtv. Michel (Fr. $gg.' erflirt, ter Am- kauf d^ Steins Gatten s?i nur tvem bei beabsich­tigten Verkaufs ber a.'t n K.inik er oigt Man fe sich fragen, warum jetzt auf einmal bie Räume des Steins Garten nicht mehr ausreictztm. Er midersetze sich dem Plane, bie alte Klinik zum stän- biaen Rathaus zu machen unb widerspreche auch dem Vorschlag, bie Bürgermeislvrri durch Auf- setzen eines n>:itereii Stockwerks zu verschandeln.

Stadtv. Fourier (USP) schätzt die Ein- richttmoskosten beS Steins Garten auf 800 003 M.

Beigcorbncler trennen bemerkt hierzu daß bie Einrichtung bes Steins Gar­ten 31 0 000 Warf erforbem w^rde, bie Her- ridVuna ter Bürgcrmcisdcrei in ber Gartenstraße 27 000 Mark, bes Gebäudes Asterweg 5000 Mk.. zusammen also 342 003 Mark Hinzu kämen noch 25 000 Mark für Mobiliar. Für die alte Klinik leien vorgestbm 25 Räume zur Aufnahme städti­scher Aemter, die 180 000 Mark erfordern wür-