An- SiaM mmö Larrd.
Gießen, den 8. Nov. 1920.
Bom heirtgen BmcaukratiuS.
Einer unserer Leser schreibt imä: Daß der heilige Bureau kratismus nicht mir noch in Preußen lebt, sondern sich sogar im Musterländle Vaden noch seines Lebens freut, beweist folgendes: Ich erfalte heute von ernent badischen Gericht eine nachträgliche Kost-encmforderung von sage und schreibe 50 Pf. Rechnet man das Formular mit 20 Pf., Porto 40 Pf., für den Schreiber 25 Pf., Zahlkarte mit Porto 10 Pf., so wären das schon 95 Pf. Nun hat aber mein Gegner in Baden die Kosten zu trogen. Also muß ich wieder zu meinem hiesigen Anwalt, welcher seinerseits seinem Vertreter in Baden die Kostenanforderung zur Erledigung übersendet. Dieser Anwalt muß nun seinen badischen Kollegen, der zum Unglück noch auf einem anderen Dorfe wohnt, zur Zahlung der Kosten auffordern. Wahrhaftig mehr kann man für 50 Pf. nicht verlangen. Mittlerweile werden die Einziehungskosten meiner Schätzung nach mindestens 20 Mk. betragen. Deutschland hat ja so viel Geld und Zeit.
Veranstaltungen.
Montag: Stadttheater, 1/27 Uhr, Geschlossene Vorstellung des Eisenbahnervereins, „Der erben Liebe goldne Zeit". — Neue Aula, 8 Uhr, Lichtdild-rvortrag der Vortragsvereininnng über „Das schöne Schwabenland". — Eafs Leib, 8 Uhr, Konzert und Vorstellung der Medick-Meidinger. — Lichtspieltheater wie gestern.
** Amtliche Versonalnachrichten. In dm Ruhestand versetzt wurde am 2. November der Ministerialrat in dem Landesamt für das Bildungswefen, Abteilung für Schulangelegen- heitren, Dr. Albert Lucius auf sein Nachfuchm unter Anerkennung s inet dem Staate geleisteten Dienste vom 1. November 1920 ab.
** Aus dem Stadttheaterbureau. Tie geschloßene Vorstellung für den Eienbahner- vevein, „Der ersten Liebe goldene Zett" beginnt, Ivie alle Overettenvo-st:llui'gen, bereits um Vs7 Uhr. — In der Mittwochöorstellwrg, Don Carlos, haben Gutscheine Gültigkeit.
** In der neuFegründeten Ortsgruppe des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes sprach am gestrigen Sonntag bet 7ehr guten: Be'uch m der Turnhalle am OSwaldsgarlen der Neichstassabg'^.ndne e Mulle Über „D i e falsche F r o n t". Er meinte damit die falsche Front, die in der scharfen BeHämpfung der deutschen Parleien untereinander in die Erscheinung trete. Er ging ans von dem Zusammen-- bnvch aller Ordmmg in Rußland, wo ganz wie bet uns in Deutschland ein fremder, nicht aus' heimi'chem Boden erwachsLner Geist namenloses Unheil gestiftet habe. Am 9. November könnten wir überschauen, welche Fortschritte uns die Ein- stlhrung einer neuen Verfassung' nach westlichem Muster gebracht stabe, und wie dir Versprechungen der Demvckrn ie tn Be-uq auf 'die Gestaltung des Friedens durch Gutheißung und Aimähme der 14 Pimckte Wilsons erfüllt worben nxt en. Der R^mer erhob schwere Anklagen gvgen biefenigen in Deutschland, die schon vor dcnt Kriege den Gegnern ILmtliche Waffen wider uns in die Hand gedrückt hätten, wovon denn auch ausgiebig Gebrauch gemacht worden fei.
Des Redners Beweisführungen gipfelten in historische Rüe^licken, wobei er zeigte, wie Eng- lanb sowohl Toleranzfragen als auch bäuerliche ©odalf ragen in völligem Widerspruch zu seinen rattern ha ten lkumanitätspro.-.rmnmm pra tisch durch^efübrt hab:, während das vielverschrieen^ Preußen-Deutsch'and Zufluchtsort für die über den Kanal oewaltsam Vertriebenen geworden wäre. Wahre Frckheit und Duldsamkeit hätte bei uns eben in höherem Mähe geherrscht als in England und Frankreich. Der Schluß des Vortrags erging1 sich in einem Appell an die Vaterlandsliebe aller Deutschen, die dm Materialismus und der übertriebeeu Wertschätzung ausländischer Art ei t agen, und wiedn ytrümebren mühten in die Anfänge eines Wisdevauft^ucs, ime sie vor 100 Jahren dar Frthr. v. Stein schon hätte weiterführen wollen. .Herr Wulle sprach ferner von den unheilvollen Einflüssen der Landfremden, denen mau weniger durch Gewalt und GZeh, als vielmehr durch eine positive Proris des eigenen Zu'ammeuhaltens und Stärkens des Natwualg-Züh's wirksam begregren könne. Tee Vortrag, ncdubcni keine Gegner sich ^irr Aus- spoack)e meldeten, sand stürmischen Beifall.
** Liederabend zur Laute. Morgen Dienstag abend singt der beliebte Lautensänger Hermann Engel im Einhornsaal; aus dem Programm sind außer den Lönsschen Rosen garten liedern besonders die Lieder von Möricke (Schön Rotraut) und Eichendorff (Es schienen so golden die Sterne), ferner die Wiegenlieder und die lustigen Volks- und Soldatenlieder hervorzuheben, mit denen der Wandervogelsänger überall durchschlagende Erfolge erzielte. Freunden des Volksliedes und Lautenklanges können wir den Besuch des Abends bestens empfehlen; weiteres siehe Anzeige.
** Goldene Hochzeit feierte am Freitag das Ehepaar Johannes Nickel, Nentner, bei bester Rüstigkert. Der Oberbürgermeister sandte dem Jubelpaar einen Blumenstrauß.
** In der Hessischen Vereinigung für Volkskunde findet Dienstag oen 9. Nwv. 1920, abends 8 Uhr, im Universitätsgebäude, Auditorium 44, ein Vortrag von Prof. Dr. W r e d e (Marburg) über: Mundartenforschung und Volkskunde statt.
Landkreis Gießen. Kaninchen-Ausstellung.
JL Alten - Vuseck, 7. Nov. Der Mitteldeutsche Kaninchenzüchterverband veranstaltete in der Döpvschm Wirtschaft eine Verbands- Kaninchen- und Geslügel-Ausstel- lung, welche mit 300 Nummern beschickt war. Aus der Aewertungsliste seien nur die höchsten Preise angeführt: A. Geflügel: Gänse: W Wardega-Leihgestern, Hühner: (ffeorg Gprlach Holzheim Ehrenpreis, I. Dechert, L. Wagner, V. Döpp-Alt.'n-Bu'eck, I. Winkler, Friedrich Will und H. Zeiß-Holzheim. B. Kaninchen: A l t - tierschau: 1. große Nassen: Siegerpreis
mit 95 Pkt. L. Müller-Allendorf, für weiße Niesen, I Ehrenpreis H. Müller-Alten-Bnseck, 1. Preis O. Bo! .-.Mondors, 2. Preis Ph. Bcker. 2. Mittlere Rassen: Siegerpreis aus 'Weiße Wvmer Wall- Häustr-Altendorf, Ehrenpreis L. Benner-Alten- Vu/ck, ferner erhielte i Ppckse: Zi.umecmMtu- Großen-Linden, Gottsr. Hofmann-Wicseck, Ehr. Vonarius - Rödgen, Bernhard Arnold - Heuchel- feckm, K. Philipp-Steinberg. 3 Silber-Kaninchen: Siegerpreis H. Vegelbä e -AvDeseck, Ehrenpreis PH. Zimmermann-Großm-Linden, weitere Preise: W. Merz-Lang-Göns, Laux-Holzheim, H. George-Großm-Linden A. Becker-Alten- Buseck, F. Mahr-Taubringen, H. Mütler-Allen- dorf, A. Balser-Hol.',lieim, K. Philipp-Sle:nberg.
4. Schwarz-Loh: Siegerpreis W. Sommer- lad-Großen-Luideir, Ehrenpreis G. Et^-L>:e:n- berg, weitere Preise: W. Sonneboru-Heuchelheim, F. Burger-Alleudorf, F. Zöller-Leihgestern, Ph. Euler-Bndesh.im. 5. Kleine Rassen: Ehrenpreis H. Riücker-.Holzheim, 1. Preis K. Philipp- Steinberg und H. Panzer-Trohe, 2 Preis H. Müller Holzheim, H. Keßlex-Großen-Linden, W. Weller-Wüseck. I u n g t i c r s ch a u: 1. Groß e N assen: Siegerpreis L. Müller-Allendorf, Ehrenpreis W. Reitz-Holzheim, 1- Preis Ö. Volk- Al len do n, H. Dechert-Alten-Buseck, 2. Preis H. Glas-Büdesheim, E.Zeiß-Äolzh im, JalobDechett- ÄltenBufeck. 2. Mittlere Rassen: Ehrenpreis PH. Watlhäuser-Allendorf, 1. Prcks K.Weith- Seib. eitern, Lepper-Mten-Buseck, 2. Preis Bona- rius-Üiödgen, R. Frickel-Alten-Bus-eck, Wallhauser- Altendors, 3. Leichte Rassen: Siegerpreis W. Soinmerlad-Grotzen-Linden, Ehrenpreis G. Eifs-Stemberg, H. Keßler-Großen-Linden, weitere Preise: W. vof-Alten-^ckusuk, F. Mahr-Danbrin- geti, R. Frictel-Alten-Buseck, PH. Becker-Alten- Buseck, W. Ktös-Wieseck, W. Sommerlad-Großen- Lind.m, F. Zöller-Le.hgeste: n Wa tser-Leihgestern H. Panzer-Trohe, G. Eisf-Steinh.rg, K. Hahn- Wiefeck, L. Reuter-Wieseck. Die Ausstellung zeigte erneut, daß mit Rücksicht auf den Mangel an Kraftfutter die Züchter sich immer mehr von den schweren Rassen abwenden. Daher nehmen die kleinen Rassen, die. genügsamer sind, an Verbreitung fortg^etzt gar.
x Beuern, 7. Nov. Der hiesige Vvlks- btldungsverein hat mit dem Heu igen Sonn- tag seine diesjährige Win ter arbeit !wi:her ausge- nmnmen. Pwf. Dr. Kinkel aus Gießen hielt einen Vortrag über das Thema: „Die Idee des Staates und die Idee der Menschheit". Einige nett ^'-getragene Chöre des Tvpl elquartetts unter Leitung oes DiriKmien Heinrich Schsmber wurden mit Interesse ausgenommen.
J- Bettenhausen, 7. Nov. Große Aufregung herrscht heute in unserem Dorfe, das verflossene Nacht von einer Einbrecherbandc heimgesucht wurde. In vier verschiedenen Gehöften drangen die Spitzbuben ein. Im Konsum, bei Landwirt Rabenau, einem Bahu- boamten und bei Frau Lehrer Kammer. Es fielen ihnen hauptsächlich Nahrungsmitte und Kleidung in die Hände: Butter, Speck, Kuchen, Schokolade, Kaffee, Bettwäsche, Hemden, Anzüge; Bargeld haben sie nur einige hundert Mark mitgehen heißen. Im Konsum wurden sie gehört und zerstört, worauf sie die Flucht ergriffen. Einen Teil der Beute fand man verloren und zerstreut nach dem Walde zu. Die Diebe hatten offenbar nicht Zeit, alles ordentlich zu verpacken.
Kreis Schotten.
e. Schotten, 6. Nov. Der Kreistag beschloß, bei dem Ministerium wegen Anstellung eines staot- lichen Kulturtechrrikers für den Kreis Schotten vorstellig zu werden.
e. Schotten, 5. Nov. Bezüglich des Tarifvertrags über die Lohn- und Dienstver- hältnisse der Kreisstraßen- und Kreisbaumwarte vertreten Kreisausschuß und Kreistag folgende Stellungnahme. Die vereinbarten Löhne toerden nicht bewilligt, da aus dem auf den .Kreis Schotten von dem neuerdings auf 10 000 000' Mk. festgesetzten Staatsbeittag entfallende Anteil und den dem Kreis sonst zur Verfügung stehenden Mitteln eine Deckung der Lohne nicht möglich ist und da weiterhin eine derartig hohe Lohnfestsetzung — wie sie geordert war — in der Zeit des Preisabbaues auf alle anderen im Kreise gegenwärtig nach geringeren Löhne ungünstig ein- itirten imtete. — Einer Anregung! des Kreistags entspvecheno hat der Kreisbmtinspektor in Gemeinschaft mit Gartenmeister Rentsch von Friedberg über die Baumpstanzungen an den Kreisstraßen, insbesondere der Bepflanzung der noch bau ml ofen Straßen mit Ob st bäumen, die Entfernung von Wiidbäumen und deren Ersatz durch ObftbÄlme einen Plan ausge-arbeitet, der von dem Kreistag gebilligt wurde.
Kreis Friedberg.
Kommunistische Jugend.
n Friedberg »7. Nov. Dem Berichte über die letzte Stadtverordnetenversammlung in d'r Freitaanummer des „Gießener Anzeig'rs" werden die meisten Leser mit Befremdung dn Tatsache entnommen haben, daß die Versaminsung mit großer Mehrheit einem schriftlich eingereick)tm Gesuck>e der kommunistischen Jugend des Bezirkes iHessm stattgogeben und ihr zur Abhaltung einer Junendveranstaltung einen Saal in der polhtech- niidjen Lehranstalt überlassen hat.
Aus dem Gesuche entnehmen wir folgend'.n Wortlaut:
Am Sonntag dem 21. Nov. 1920 finden sich die Vertreter der kommunistischen Jugend des Be- zilks Hesscu-Unterfrankeir ru einem Lebrkursus zusainmetr. Unsere Organtsation, die sich die Aufgabe der Selbsterziehtnrg gestellt hat und gegen das Wirtschaftsleben ist, tritt aus diesen Gründen an die verehrl. Bürgermeistern mit dem höfl. Ersuchen heran, uns an desem Tage einen Raum der polytechn. Lehranstalt gefl. zur Verfügung stellen zu tvollen.
Unterzeichnet ist das Schttststück Kommunistische Jugend, Ortsgruppe Friedberg. I. A.: Wild. Beuttel, Kl. Klostergasse 2.
Einmal ist es uns unb.kaunt, daß neben einer deutschen Jugend gesondert eine kommunistisch' Jugend existiert, sodann ist es einfach un verständlich, lute eine Stadtverordnetenversammlung di' UmterflnLW* einer Partei Unterstützern kann, di' ^e'ie Unterstützung offen erheischt, u>eil sie „gegen das Wirtsck>af!s!eb'n ist", also dfe gewaltsame Zerstörung unserer wirtschaftlichen und staatlichen Grundlagen erstrebt; -‘■"uvr C rgant'ütum, die Ivie Siadtv. Leuchtgens i" feiner Ab ehnuug betonte, die Proklamterung
Bürgerkrieges auf ihre Fahnen ge- Ichrieben hat.
Noch imverständucher ist die Stellungnahme der >'iuzclnen^Mitglieder der Itadtverordnbtenver- inrnmhuig. Für die lleberlaifintg des Saales stimmten außer den Mitgliedern der sozialdenwkratischin
und demokrattschen Partei noch das eine MitgllÄ» des Zentrums und die drei sogenannten Partet- tosen; unbegteiflicherweise aber auch das Mitglied ber Deutschen Volkspartei, Beigeordn. Geh. Justizrat Winrvcker. Dagegen stiminten die drei Mitglieder der deutsch-nationalen Partei (Lcuchttz'Ms, tzvurtz, Stein haust er) rind 'oas einzige anwesende Mitglied der Deutsa>en Volkspattei (Frau Kloos); die beiden anderen Mitglieder der Deutschen Volks- Partei waren nicht amvesend.
Ter Beschluß hat nicht in Friedberg allein Entrüstung erregt. Jeder Einsichtige wird zwar auf dem Standpunkte stehen, daß man in politischen Dingen nlöglichstc Gleichberechtigung gewähren soll, wird ober ine Unterstützung staatsfeindlicher Gru ppen unbedingt verurteilen.
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Q. Bad-Nauheim, 7. Nov. Heute veranstaltete die Ortsgruppe der USP., die sich ver dritten Jniernatiottafe angesclstossen hat, zur Erinnerung an die R u l s i s ch e Revolution eine gievolulwnsseier mit Tanz.
Starkenburg und Rheinhessen^
rm. Darmstadt, 6. Nov. Die L)tadt- verordneten beschlossen uadr le'eläster Aussprache die Erhebung eitles ernhcitlii-en Anschlag- itihev für G rund- und Ge w e r be st e u e r in Höhe von 66 P«. für ie 100 Mk. Vecmögeusrrert für das Steuerjadr 1920/21. Die Steuer soll rück- wilfend ab 1. April 1920 gelten und in sechs Zielen monatlich vom 1. Januar ab erhoben werden. Gfegcit die Gewerbesteuer stimmten 14 bürger- Itdx und 4 U. S. P.-Stadtrerorbuete. Tie Stadt- velordneten haben iveitec di? Hundesteuer von 20 Mk. gut 40 Mk. erhöht. Es wurde weiter beschlossen, dem Arbcitgeberrerboud für d n Braunkohlenbergbau, sowie dem Teutsck-e t B arrnkohlen- Jndustneverern beizutteten. Erne längere Debatte veranlaßte auch die Sck-asfung einer Werkstätte für Erw.rbsbeschränkte, in welcher besonders auck Bürsten nud Besen, sowie Körbe hergestellt loer- den sollen. Für Verkehrsverbesterung durch Ueber- bauen eines Teils des Schlvßgnrlens am Morkl- platz werden 75 000 Mk. gutgck-eißen. Tie Sätze für die Erwerbslosenunterstützung werden mit Rücksicht auf die Verhältnisse entspreckfenü erhöht. End- iid) gab der Sladtv. Kollmamr namens ferner Parteifreunde der U. S. P. die Erklärung ab, daß fern bishwiger Pack Egenosse Stadtv. Becker nicht mehr ms zur Part.r gehörig anzusehen fei, nachdem er sich geioeigcrt habe, sreiwil rg fein Mandat als Stadtverordneter niederzu.'eg<n.
Hessen-Nassau.
Großfeuer.
fd. Dillenburg, 6. Nwv. In Wilgersdorf vernichtete eine gewaltige Feuersbrunst in knapp einer Stunde vier Wohnhäuser und zwei große Scheunen und machte dadurch sieben Familien obdachlos. Zahlreiches Vieh kam in den Flammen um. Die Feuerwehren her ganzen Umgebung konnten sich nur auf hie Rettung £>c-r benachbarten Häuser beschränken, zu.nal die brennenden Häuser das halbe Dorf mit einem Funkenregen übersprüh ten -
Erploslon.
fd. Griesheim a. M., 7. Nov. In der Zweiganstalt Mtterfeld der chemischen Fabrik Griesheim-Elektron entstand?drmutlich durch Was- ferftoffknallgas eine Explosion, durch die 15 Personen verletzt wurden. Der Sachschaden ist erheblich.
Konkurs Der Hanauer Straßenbahn.
X Hanau, 5, Nov.' In der Sitzung des Aufsichtsrates der Hanauer Straßenbahn- Aktienges ellschaft ist einstimmig beschlossen worden, die Eröffnung des Konkurses über das Unternehmen zu beantragen. Die festgesetzten Zuschiisfe zur Unttthalttrng der Sttaßenbahn haben bis jetzt die Summe von rund 400 000 Mk. erfordert. Trotz Erhöhung der Fahrpveife sind die Einnahmen gegenüber den Ausgaben weit zuruckge- b.icken, so daß an ebne Rentabilität des Betriebes nicht mehr z üdunfen ist. Das Aitfenkapckal beträgt 430 000 Mk., wovon 380 000 Mk. der Stadt Hanau, 50 000 Mk. den hessischen Gemeinden Großsveinhrim und Kleinst.cknheim gehött. Die Hanauer Sttaßenbahn ist bis nach Großsttinheim ausgebaut, woraus sich die Bet.nligung der beiden Gemeinden an dem Unternehmen ergibt.
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mc. Frankfurt a. M., 6. Nov. Der Ausschuß für Kriegsgefangene, der das gesamte deutsche Gefangenenwe'en zu bearbeiten hatte, wird am 31. Dezember bis auf Die russische Abteilung aufgelöst.
Seamten-Versammliing.
Gießen, den 8. Nov. 1920.
Auf Einladung der Ortsgruppe Gießen vom Teutsckxm B gmtenbintb sand Samstag abend im Katlwlisck^n Bercknslaus eine Beamtenversammlung statt, die so stark besucht Ivar, daß der große Saal die Gäste kaum zu fassen vermochte. Es waren alfe Beamte ta ten vcrtteten: Eisenbahner, Postbeamten, D bei le re r, Lehrer, städtische Beamte und Privatbeamte. Ter erste Vorsitzende, Dettse, begann imch kurzen Br- grüßimgsworten zu sprechen über „Die Frage Der neuen Ortsklassenern teilung". Zur Ermittlung der örticken Verhältnisse seien behördlicherscits l§rtebungen angeltellt worden, die aber mit 'ihrem 9JlateriaI nicht den tatsächlichen V-rhältnissen entsprecken. So hat man — ganz abgesehen von den Le.ensmitfeln für eine fünf- köpfige Familie — eine Zweiümmerwohnung in Betracht gezogen, die dec Nichtbeachtung d r sittlichen Verhältnisse bei Familien mit zweierkei Geschlecht wegen wohl nicht als Norm für eine Woh- itung bezeichnet werden könne. F-ür Güßen habe man z. B. für Dezember 1919 bis Juni 1920 Teivemngszahlen crmitte't, die allerdings für die jetzige Zeit, nacktem die Zwatigswlrsickxlst ab» gebaut und der freie Handel eingesetzt habe, niemals als gevcchtes Material angesehen 1 verden könne für die Aufstellung einer neuen Ottsklassen- einfeilung, die vielleicht auf Jahre hinaus Gil- tigfeit haben solle. Neben diestr amtlichen Sta- ttstik labe Calwer seit 1911 Vermittlung«! an- gesdellt und sei hierbei zu wessnttich aaiberen Zahlen gekommen. Er legte fehlen Berecknlungen die L.'bensmittelmenge:i zu Gru-.de, dfe ein Dianne- soldat in Friedenszeit für sich benötigte und rechnete für zwck Kinder die gleiche Menge itne für ‘'inen Erwachsenem Tiefe Zahlen entsprächen wohl eher den tatsächlickM VeA>ältnissen, sie zeigten mehr als doppe t so hohe Teuerungszillern. Die amtlidx? Statistik zeige von Februar 1920 bis Juni 1920 eüe Zunahme der TeuenmgszMen von 36,1 v. H, nach Ealwer von 78,2 t>. H. Im Interesse einer gerechten Einstufung Gießens in die
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neue Ortsttaffeneinteitung Halle es bte Ort^rnwv» des D. B.B. für ihre Pflickck, gegenwä.ug e falls statististhe (Srmittlungeii onzust.lle i um durch bett diachveis für eine ge e hfe Ew.stelluna Gießens in die Ortsklasse B zu erbringen. Schon 1919 hätten sich Proviuzialdirettor tnid Ober- bürgermeistor in diesem Sinne au^.v-sprachen. Tv Z.ifen seien längst vorfll>er, bay Gietzmr als eme billige Landstack gegolten hale.
In der Aussp.ack« stimmt Rektor Fischer: dem Redner voll und ganz zu. Es wurde befd>Io|- fen, in 60 Familien durch die Beimssvrgani^a- tionen Erhebungen anste. e.i zu las e i, ife Cent Referenten Obecsinanzrat Lippert v. TaimstM übermittelt werden socken. Man hosst, daß auch be Volksvertreter, denen das Mate.ial zug^gangen ist, ebenfalls für diese Frage ein Ire len,
Der zweite Reoner des Abends, Postaisistent o h r, sprach über „Heimstätten- und Sied l un gs fragen". In seinen Ausführungen ging er auf die allgemeine Not des veurfchcir Volkes insbesondere das W o hn u n g s e l e no ein, dessen Ursachen weit zurück liegen in der Blütezeit des deutschen Kaiserreiches. Heute hätten wir eine Million Haushaltungen in Deutschland ohne eigene Wohnung und die dringendste Ausgabe des Staates und der Gemeinde müsse es fein, diesem Uebelstaiid vechit bad ab>uhel,eu. Dazu gehöre die Schaffung einer durchgreifenden Bodenreform, welche die Bodenverteilung uno Besteuerung nach einheitlichen Grundsätzen vegele.
Es sei ein Unding, wenn heute noch Boden- spekillannten Millionengewinne einhetmsten, ohne Kapitalaufwendung; nur wttl die Allgcmeinheii das Land brauche, um Schulen, Bahnhöfe otxi Heinistätten zu bauen. Die Schaffung eines a«z- gedehnten Gemeindegrundeigentum^ gehöre zu den Aufgaben einer gesunde« Gemeindepolitik. Ein Kapitel für fick bitt bofe der Kamps um die „Krieger he im statten". Auch die Gefahr, daß im Westen uvch Osten des Reiches Ausländer große Telle deutschen Bodens für ein Trinkgeld auskaufcen, routot eingehend erläutert, auch hier könne nur durch eine weitgehende Versteuerung Abhlife geschafft« werden.
Der Schluß gipfelte in der Erwägung einer produktiven Arbeitslosen sursorge, wie das Beispiel des Pastors Booelschwing ir „Hofsnungstal" zeigte, nur müsse der starke Willi erst da fein, und diesen Willen zu wecken uni in die Tat nmznfetzen, solle mit die erste Aufgadi der deutschen Beamtenschaft fein.
In der Heimst ätten- nnd S i e d l u n g s« frage nnirbe ein Ortsausschuß für Gießen h» stimmt, welchem angehörtn: Landme's-r Weith, Bahnmeister Helm, Pvstassiste t M h r der Vorsitzende des R. D. B. G e u s h e i m.
Der dritte Vortrag befaßte sich mit „Befol- dungsordnung und die Not der Beamt e n s ch af t", Ter Redner führte aus: Groß, Teile des d ntschen Volkes leben in bitterer Not, st auch dis Beamten. Wir suchen die Not in fej leeren Küchen, Kellern, Speichern und nicht zule^ in den hohlen Wangen der Frauen und Kinder, & sei deshalb Pflicht, das Volk darauf hmzuweist«. wie gerade die Beamtenschast der 2iot preisgiaebk« sei, während andere Volkskreise ein Wohurb« führten. Die Beamtenschaft sei von jeher gemübnk, Einschränkung und Sparsamkeit zu üben und fei auch gewillt, mit aller Kraft am Ausbau W Staates mitt Wirten, aber sie nehme auch dO Recht für sich in Anspruch, das ;edem Staa'.l- btirger zustehe, das R'cht der Eiisfenzmöglichkeid. Die 50 Prozent Teuerungszulage fei für die gegri# wättige Preisbildung absolut unzureichend, Teuerungszulage sollt? mög ichst kurzfristig fei« gelegt und den jew'ickgen Teuerungsverhültniism angepaßt worden. Dies forderte auch der Deulsll?, Beamtentag, der vom 25. bis 27. Oktober ® Berlin tagte. Sollten die Forderungen der Veair^ tenschast- für bas Existenzminimum wider Erwart-A abgetehnt werden, bann würde die Beamtens check genötigt fein, alle gewerkschaftlichen Mittel vll Anwendung zu bringen.
Ein Protest gegen die Kartoffel- enteignung.
Friedberg, 7. Nov. In der „FriedbA Neuen Tagesztg." veröffentlicht der Kreisvo:'-- sitzende des Sxfi. Bauernbunbes, Bürgermets» Diehl, Hoch-Weisel, folgenbe
Erklärung.
Das Kreisamt hat verfügt, daß von iebflD angebauten Moraen Kartoffeln 10 Zentner zuv Preise von 20 Mark enteignet werden follta Nach dem durch Vereinbarung der Spitze» organii'ation der Erzeuger und Berbmucher Berlin der Preis von 25 Mark pro Zentner MW messen erklärt toorbm ist, entfällt für die hennW Regierung jede MöglickKit, Kartoffeln zum Pmu von 20 Mark gewaltsam zu enteignen.
Wir stellen weiter fest, daß der hessischen w» gierung und dem Kreisamt jede gesetzlich? Hakö* habe zur zwangsweisen Eutckgnung von KartoiM zum Preise von 20 Mark fehlt. ,
Der Hessische Bauernbund bat sich Bei fetnffl Mitgliedern für die Versorgung der miitderbemv- leiten Bevölkerung zum Preise von 20 Mark Entschiedenheit eingesetzt. .
dkachdem aber die hessische Regierung und « ihrem Auftrag das ftrera'nt unser Eutgegen'oi^ men mit Zwangsmaßnahmen beantwort t, stopfe wir uns genötigt, zu erklären, daß dieses ®or'* gehen ungesetzlich ist und den TatteM' des Mißbrauchs der Amtsgewalt oai'
Der Hessische Bauernbund beabsichtigt, das Vorgel^n der Regierung und des Kreisamu die Hilfe der Gerichte in Anspruch zu xttWu
Die Kattoffelliefemng^verträltt.
Darmstadt, 6. Nov. Dio La nbwitl*' schaftlichc Z en tra l g en o ssenschq 11 tn einem Rundichreibnr sämtlichen lahbn>ir11a?“j.; lichen Genossenschaften des Landes mit, daß ne die Haltlosigkeit der durch di? Kriisämtcr, Kvmm^ ualuerbänbe, Aktions-Ausschüsse u'w. verbreE Nachricht der Aushebung ber Kattofsell<eierun^ Verträge bereits schon Mitte Oktober hingewiel habe. Nackstem neu.-rdings durch die Prefte ern derartige Mitteilungm gingen mit) Öertretrt UJ' Behöweir die gleich? Behauptung in Beriam, (ungeit den Landwicken gegenüber amstelten beit, bringt sie mit allem Nach)ruck zur K.mnn der landwirtschaftlick)»n Genossensclviten, datz «■ artige Behauptungen unwahr luld.DasRu^ schreiben sagt weiter wörtlich: „Die Kattos>ettle^ rnngsverträge, die wir nach Maßgabeder vtc w Verordnung über die Bnorgung mit toffeln auS der Ernte 1920 durch Ihre lung mit den Er.zeugern abgeschlos en l-aben, bm _ uns auf der an Deren Seite den ötäbten gegauiw-' i


